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Books » Harry Potter » Himmel und Hölle
Anja1
Author of 4 Stories
Rated: T - German - Adventure - Severus S. & Lucius M. - Reviews: 27 - Updated: 05-04-04 - Published: 01-11-03 - id:1172844

Himmel und Hölle

von Anja

Inhalt: Früher waren sie Freunde, aber jetzt bekam Serena die Stelle, die Severus immer wollte. Doch ist das der einzige Grund, wieso er so eine tiefe Abneigung gegen sie und ihren Sohn hegt? Die Antwort ist in ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu suchen... Wir schreiben Harrys 5. Jahr in Hogwarts und Lord Voldemort schmiedet mal wieder finstere Pläne.

Disclaimer: Alles, was Ihr erkennt, gehört J.K. Rowling. Der Rest gehört mir. Ich habe die Geschichte einfach nur aus Spaß geschrieben und verfolge keinerlei kommerzielle Ziele damit.

Anmerkung des Autors: Ein ganz dicker Dank geht an meinen Beta-Leser Mirage. Du warst eine echt große Hilfe!

Update: Diese Geschichte wurde begonnen, bevor das fünfte Harry Potter Buch erschien - also wundert Euch nicht wenn manche Dinge anders sind als in Der Orden des Phönix. Am besten ihr betrachtet das ganze einfach als AU - eine weitere Möglichkeit, wie Harrys fünftes Schuljahr hätte ablaufen können.

Und nun endlich zur Geschichte...

1. Kapitel - Begegnung im Hogwarts-Express

(September 1995)

Severus Snape stand im Büro des Schulleiters und warf den Fotografien der ehemaligen Schulleiter unfreundliche Blicke zu. Er wartete ungeduldig auf die Rückkehr des derzeitigen Besitzers des Büros. Albus Dumbledore hatte ihn gebeten, einen Augenblick (oder auch zwei) zu warten, während er sich nach seiner langen Reise etwas frisch machte.

Hagrid und Dumbledore waren zu Beginn der Ferien zu den Riesen aufgebrochen, um sie als Verbündete zu gewinnen. Erst heute morgen, am ersten Tag des neuen Schuljahres, waren sie zurückgekehrt. Die Verhandlungen waren erfolgreich verlaufen, aber dadurch hatte der Schulleiter wohl keine Zeit gehabt, einen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu suchen. Severus wusste auch, dass Dumbledore niemanden damit beauftragt hatte, es für ihn zu tun. Wahrscheinlich hatte er geglaubt, er würde eher zurückkommen und hätte noch genug Zeit dafür. Doch nun begann das neue Schuljahr und es war zu spät für Stellenanzeigen und Vorstellungsgespräche. Dies war seine Chance. Severus war überzeugt, ehe Dumbledore gar keinen Lehrer für das Fach hatte, würde er dieses Jahr ihm die Stelle geben.

Die Fotografien schienen genau zu wissen, weshalb Severus hier war. Sie blickten ihn herablassend, aber auch ein wenig mitleidig an, als wollten sie sagen, dass er sich keine Hoffnungen zu machen brauchte. Er würde die Stelle sowieso niemals bekommen, solange Albus Dumbledore Schulleiter von Hogwarts war.

"Hallo Severus! Wie ich sehe, haben Sie die Ferien gut überstanden", ertönte plötzlich die Stimme dieses Schulleiters direkt hinter ihm. Severus fuhr überrascht herum. "Möchten Sie ein Zitronenbrausebonbon? Den ganzen Sommer habe ich keine essen können, in Rumänien gibt es die leider nicht." Dumbledore seufzte glücklich. "Ich bin wirklich froh, wieder zu Hause zu sein." Mit diesen Worten hielt er seinem Besucher die Tüte hin, die er schon die ganze Zeit in der Hand hielt.

Severus schüttelte seinen Kopf. Er verkniff sich einen bissigen Kommentar und antwortete etwas steif: "Nein, danke sehr." Er war schließlich nicht hierhergekommen, um Süßigkeiten zu verzehren.

Der Schulleiter quittierte dies mit einem Schulterzucken. "Nun denn, was kann ich sonst für Sie tun?", fragte er und schob sich selbst ein Bonbon in den Mund. Er bedeutete Severus, Platz zu nehmen, während er sich hinter seinem Schreibtisch in seinem Arbeitssessel niederließ.

Severus war noch nie ein Freund von Smalltalk gewesen und nachdem er sich gesetzt hatte, kam er ohne Umschweife zur Sache: "Nun, Sie waren die ganzen Ferien über unterwegs. Ich nehme an, Sie hatten keine Gelegenheit, einen neuen Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste einzustellen."

Dumbledore musterte den Zaubertränkelehrer für einige Sekunden. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln umspielte seine Mundwinkel. "So, das nehmen Sie an. Und ich nehme an, Sie möchten in die Bresche springen, Severus?"

Severus war nicht im Geringsten überrascht, dass Dumbledore seine Pläne kannte. Es schien kaum etwas in Hogwarts zu geben, worüber er nicht Bescheid wusste. Nun, das würde es nur einfacher machen. Dann hatte er bereits Zeit gehabt, sich mit dem Gedanken anzufreunden und eingesehen, dass das die einzig vernünftige Entscheidung war.

"Jawohl. Ich denke, ich kann dieses Fach mindestens so aufregend und lehrreich gestalten wie diejenigen, die sich hier in den letzten Jahren die Klinke in die Hand gegeben haben. Obwohl", Severus zog spöttisch eine Augenbraue hoch, "Gilderoy Lockharts Wichtel zu übertreffen, könnte eine Herausforderung werden. Wie dem auch sei, ich weiß mehr über die Dunklen Künste als jeder andere hier in Hogwarts."

Der Schulleiter nickte nachdenklich. "Davon bin ich überzeugt. Und trotzdem meine ich, dass Zaubertränke Ihr Fach ist. Es gibt nur sehr wenige Meister der Zaubertränke, und noch sehr viel weniger mit Ihren Fähigkeiten." Dumbledore musterte sein jüngeres gegenüber ein ganze Weile, bevor er hinzufügte: "Dunkle Magie kann mächtig und verführerisch sein. Sie sind ihr schon einmal verfallen. Ich wünsche nicht, dass Sie sich zu sehr damit beschäftigen. Nein, Sie werden diese Stelle nicht bekommen." Das Lächeln war einem ernsten Gesichtsausdruck gewichen und es war etwas Endgültiges in Dumbledores Ton. Er schaute Severus mit einem Blick an, der ihm sagte, dass er das Gespräch für beendet hielt.

Severus fühlte Zorn und Enttäuschung in sich aufsteigen. Zwar behauptete Dumbledore, er würde ihm vertrauen, doch offensichtlich tat er es nicht so sehr, wie er es immer wieder beteuerte! Dumbledore glaubte wohl, nur weil er ein paar Rotznasen beibrachte, wie man sich gegen Dunkle Magie wehrte, würde er wieder auf den Geschmack kommen und erneut die Seiten wechseln! Das würde aber nicht passieren. Er hatte seine Lektion gelernt, und zwar gründlich.

Er atmete tief durch und als er sprach, war ihm seine Erregung nicht anzuhören: "Tatsache ist jedoch, dass Sie keine Zeit mehr haben, einen anderen Lehrer zu finden. Wollen Sie wirklich lieber diese Stelle unbesetzt lassen, als sie mir anzuvertrauen?"

Ein amüsiertes Funkeln erschien in Dumbledores Augen, als er antwortete: "Oh, wie kommen Sie darauf, die Stelle wäre unbesetzt? Ich habe schon vor meiner Abreise einen neuen Professor verpflichtet. Sie kommt heute Abend mit dem Hogwarts Express hier an, zusammen mit den Schülern."

"Ich hoffe stark, du hast im Tropfenden Kessel nichts liegen lassen", meinte Serena, während sie eine Tasche voller magisch geschrumpfter Bücher auf die Gepäckablage eines leeren Abteils hievte. Zum Glück war die Gepäckablage im Hogwarts Express etwas niedriger angebracht als in normalen Zügen, schließlich sollten auch Erstklässler in der Lage sein, ihr Gepäck ordentlich zu verstauen. Das kam Serena, die nicht viel größer als so mancher Erstklässler war, sehr entgegen. Natürlich hätte sie auch Magie benutzen können, um ihr Gepäck zu verstauen, aber sie scheute sich nicht vor ein bisschen Anstrengung und nutzte gern jede Chance, sich etwas zu bewegen.

Die Worte hatte sie an ihren fünfzehnjährigen Sohn gerichtet, der in diesem Moment gerade seine Truhe auf die Gepäckablage hob. Ein verschmitztes Funkeln erleuchtete seine tiefschwarzen Augen als er antwortete: "Oh, ich bin mir eigentlich sicher, dass ich was vergessen hab', ich weiß nur noch nicht, was."

Er lachte und verstaute Serenas Truhe neben seiner. Sie und ihr Sohn waren schon tags zuvor in London eingetroffen. In der Winkelgasse hatten sie Schulsachen für ihn gekauft und verschiedene Dinge besorgt, die Serena für ihren Unterricht in Hogwarts brauchen würde.

Außerdem hatte Jon seinen Vorrat an Scherzartikeln aufgefüllt. Seine Mutter hatte mit dem Kopf geschüttelt und ihn mit strenger Miene gefragt, wozu ein vorbildlicher Schüler denn so etwas brauchen würde. Er hatte sie grinsend daran erinnert, dass er noch nie ein vorbildlicher Schüler gewesen sei.

"Versuch lieber nicht, damit meinen Unterricht zu stören. Ich kenne dich jetzt seit fünfzehn Jahren und weiß genau, welche Strafe dich am härtesten trifft", hatte sie mit ernsthafter Stimme geantwortet.

Dabei hatten allerdings ihre Augen verräterisch gefunkelt, und die Lachfältchen um ihren Mund herum waren deutlich zu erkennen gewesen. Serena war zu ihren Schulzeiten auch nicht gerade eine Heilige gewesen und konnte sich noch ganz gut an den Spaß erinnern, den sie damals gehabt hatte. Es lag ihr fern, ihren Sohn zu einem braven Langweiler zu erziehen. Aus Warwicks hatte sie oft Beschwerdebriefe bekommen, in denen es hieß, sie würde ihm viel zuviel durchgehen lassen. Aber solange Jon gute Zensuren erhielt - was er tat - hatte sie diese Briefe geflissentlich ignoriert.

Im Tropfenden Kessel hatten sie zwei Zimmer gemietet und die Nacht in London verbracht. Heute morgen war es, wie üblich, recht schwierig gewesen, Jon aus dem Bett zu holen. Er ignorierte mehrere von Serenas Aufforderungen und reagierte erst auf einen Schwebezauber, der seine Bettdecke an die Zimmerdecke beförderte.

Unglücklicherweise war die Einrichtung des Zimmers so verzaubert, dass sie eigentlich unempfänglich für Magie sein sollte - wahrscheinlich um übermütige oder böswillige Gäste davon abzuhalten, bizarre Dinge damit anzustellen. Aber der Besitzer hatte sich nicht die Mühe gemacht, das von einem Profi erledigen zu lassen, und so war der Zauber weder besonders fortgeschritten noch besonders stabil. Die Bettdecke wäre jedenfalls besser nicht mit Serenas kraftvollem Schwebezauber konfrontiert worden.

Das Resultat war genauso unerwartet wie verheerend. Anstatt aufgehoben zu werden, wurde der Zauber zurückgeworfen und wirkte auf das ganze Zimmer. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, erhob sich auf einmal in die Luft und weigerte sich, wieder herunter zu kommen. Jon stieß sich heftig den Kopf, als sein Bett zusammen mit ihm nach oben schoss, und erst durch die Zimmerdecke gestoppt wurde.

Jons Beule verschwinden zu lassen, war schnell erledigt. Danach hatten sie allerdings noch etwa eine Stunde gebraucht, um alles wieder von der Decke herunter zu holen und dazu zu bringen, unten zu bleiben. Am Ende hatten sie kaum noch Zeit gehabt, alle ihre Sachen ordentlich einzupacken. Sogar das Frühstück mussten sie ausfallen lassen, denn das Taxi, das sie zum King's Cross Bahnhof bringen sollte, hatte bereits ungeduldig auf sie gewartet. Jon hatte sich eilig sein Gepäck geschnappt, ohne noch einmal gründlich nachzuschauen, ob er auch wirklich alles mitgenommen hatte.

Serena seufzte. "Wir wären bestimmt schon reich, wenn wir nicht immer alles mehrmals kaufen müssten, weil du dauernd deine Sachen verlierst. Apropos verlieren - wo ist eigentlich Spike?"

Jons Reaktion war beinahe komisch. Er erstarrte und sah aus, als hätte sein Herz ein oder zwei Schläge lang ausgesetzt. Er verlor öfter irgendwelche Dinge - Kleinigkeiten, die nicht sehr wichtig waren und meist mit relativ geringem Aufwand ersetzt werden konnten. Aber seinen Kater zu vergessen! Das war ihm bisher noch nicht passiert. Serena hatte ihm Spike vor vier Jahren zum Schulbeginn in Warwicks geschenkt und seitdem waren beide unzertrennlich.

Erschrocken ließ Jon seinen Blick über die Gepäckstücke wandern und stellte erleichtert fest, dass Spikes Käfig auch darunter war - er hatte ihn also nicht im Tropfenden Kessel stehen lassen. Doch als er etwas genauer hinsah, bemerkte er, dass die Käfigtür offen und der Käfig leer war.

"Oh nein, Spike ist ausgebüchst!" Jon raufte sich hektisch sein Haar. "Und ich habe keine Ahnung, ob er sich im Zug oder draußen auf dem Bahnhof aus dem Staub gemacht hat! Wie soll ich ihn bloß wiederfinden, bevor der Zug abfährt?" Ein neuer schrecklicher Gedanke ließ ihn erbleichen. "Er saß doch noch im Käfig, als wir aus dem Taxi gestiegen sind, oder?"

Während Jon sich noch der aufkeimenden Panik hingab, musterte Serena eingehend den Bahnsteig. "Nun, ich glaube, er ist dort", sagte sie schließlich und zeigte dabei aus dem Fenster.

Jon folgte ihrem Blick und wusste im ersten Moment nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Auf einer Anzeigetafel saß ein fast völlig schwarzer Kater. Nur seine Pfoten, seine Schwanzspitze und sein rechtes Ohr waren weiß. Offenbar war er auf der Jagd nach einem Vogel auf die Tafel geklettert. Der Vogel war fortgeflogen, und Spike saß etwa vier Meter über dem Boden fest. Da er sich nicht mehr heruntertraute, miaute er statt dessen kläglich und hielt nach Hilfe Ausschau.

"Ich gehe ihn schnell holen!", rief Jon, während er aus dem Abteil rannte

"Aber beeil dich, der Zug fährt bald ab!", rief Serena ihm nach und packte die letzte Tasche auf die Ablage.

Als sie schaute, ob noch mehr Gepäckstücke verstaut werden mussten, fiel ihr Blick auf ein Stück Pergament auf dem Boden. Es war der Brief von Albus Dumbledore, der so plötzlich ihr Leben verändert hatte. Er musste aus ihrem Umhang gefallen sein. Sie hob ihn auf und faltete ihn auseinander. Wie schon unzählige Male in den letzten zwei Monaten, las sie ihn erneut, obwohl sie inzwischen jedes Wort auswendig kannte.

Meine liebe Serena,

ich habe seit langem nichts von Ihnen gehört und hoffe, es geht Ihnen, Jon und Henrietta gut. Ich wünschte, ich hätte einen angenehmeren Grund, zu schreiben. Wie Sie vielleicht schon selbst mitbekommen haben, haben kürzlich einige gravierende Ereignisse stattgefunden.

Lord Voldemort ist zurückgekehrt. Es ist ihm gelungen, sich einen neuen Körper zu verschaffen und er ist nun auf dem besten Wege, stärker zu werden als jemals zuvor. Das Zaubereiministerium steckt den Kopf in den Sand und weigert sich, etwas zu unternehmen. Also müssen wir verhindern, dass er seine frühere Macht zurückgewinnt, und dazu brauchen wir jeden einzelnen Verbündeten, den wir haben. Ich wäre hocherfreut, wenn Sie sich entschließen könnten, wieder nach Großbritannien zurückzukehren.

Außerdem ist die Stelle als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste in Hogwarts frei. Ich glaube, das ist genau Ihr Fachgebiet und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Position übernehmen würden.

Ich wäre äußerst dankbar, wenn Sie mir Ihre Entscheidung innerhalb der nächsten Woche zukommen lassen könnten. Verzeihen Sie bitte, dass ich es so dringend mache, aber falls Sie ablehnen sollten, habe ich nicht viel Zeit, um einen anderen Professor für dieses Fach zu finden. Meine Eule wird warten und Ihre Antwort gleich mitnehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Albus Dumbledore

PS: Ich glaube, Harry würde sich sicher sehr freuen, Sie kennen zu lernen.

Serena steckte den Brief zurück in ihren Umhang. Sie hatte nicht viel Zeit gebraucht, um sich zu entscheiden. Zwar hatte sie England damals nicht ganz freiwillig verlassen und fragte sich, was für einen Empfang man ihr wohl bei ihrer Rückkehr bereiten würde. Und im Laufe der Jahre hatte sie ihr neues Zuhause lieb gewonnen und als neue Heimat betrachtet.

Doch andererseits... Bei ihrer letzten Begegnung hatte Voldemort geschworen, er würde nicht ruhen, bevor er ihre ganze Familie ausgelöscht hätte. Wenn er wieder da war, war Jon in ernster Gefahr. Er wäre nirgendwo besser aufgehoben als in Hogwarts, da war sie sich sicher. Und wenn sie dort unterrichtete, würde sie ihn jeden Tag sehen können, nicht nur in den Ferien. Sie wäre bei ihm, um ihn zu beschützen, und sie könnte ebenso ein Auge auf Harry haben.

Außerdem, Albus brauchte sie. Er hatte Ihr einmal aus einer sehr unangenehmen Lage herausgeholfen. Das war ihre Chance, ihre Schuld zurückzuzahlen...

Nachdem sie den Brief das erste Mal gelesen hatte, hatte sie danach für einige Minuten einfach nur in ihrem Sessel gesessen und Löcher in die Luft gestarrt. Schließlich hatte sie tief durchgeatmet. Tatsache war, dass sie eigentlich überhaupt keine Wahl hatte. Sobald ihr das klar geworden war, war sie zu ihrem Schreibtisch hinüber gegangen, hatte ein Stück Pergament aus der Schublade gezogen und begonnen, eine Antwort zu schreiben.

Und nun saß sie im Hogwarts-Express und fragte sich immer noch, ob sie wirklich das Richtige tat.

Draußen unter der Anzeigetafel überlegte Jon inzwischen, wie er Spike herunterholen sollte. "Nun komm schon, spring, ich fange dich auf!", rief er dem Kater zu und breitete demonstrativ seine Arme aus. Spike schaute ängstlich auf Jon herunter, rührte sich aber nicht. "Na los, trau dich, ich hab' hier ein paar Leckereien für dich!", lockte er den Kater, aber ohne Erfolg.

Plötzlich schlug ihm jemand auf den Rücken und rief fröhlich: "Hallo Harry! Schön dich endlich wiederzusehen, wie waren die Ferien? Ich hoffe, die Muggel haben dich nicht zu sehr hungern lassen!" Jon drehte sich um und stand einem schlaksigen, strahlenden, rothaarigen Jungen gegenüber, dessen Gesicht voller Sommersprossen war.

Beim Anblick von Jons Gesicht verblasste das Strahlen merklich. "Oh, entschuldige, ich hab' dich verwechselt", meinte der Junge etwas weniger enthusiastisch. "Du siehst von hinten aus wie mein Freund Harry." Er starrte Jon sprachlos an, als könne er es noch immer nicht fassen.

"Es sind deine Haare", ertönte eine zweite, weibliche Stimme. "Ich kenne niemanden, der solche unzähmbaren Haare hat."

Ein Mädchen mit einer buschigen, braunen Mähne tauchte hinter dem rothaarigen Jungen auf und lächelte sie beide an.

Jon fiel nur ein Wort ein, um sie zu beschreiben: hinreißend. Zugegeben, das waren wahrscheinlich seine Hormone, die da sprachen, aber sie war auch gerade hässlich. Sie war schlank, und ihre Figur wies weiche Rundungen an allen wichtigen Stellen auf. Ihr Mund hatte einen leicht hartnäckigen Ausdruck, und ihre klaren, intelligent aussehenden Augen schimmerten golden im Sonnenlicht.

Plötzlich sehr unsicher, was er sagen sollte, fuhr Jon sich verlegen durch sein üppiges Haar, das genauso schwarz war wie seine Augen. Kaum war er durch, sprangen die Haare in ihre alte Position zurück und erweckten den Eindruck, als ob sie seit langem keinen Kamm mehr aus der Nähe gesehen hätten. "Na ja, ich habe es von meiner Mum geerbt", antwortete er schließlich. "Sie meint, das liegt in der Familie."

Kaum hatte Jon das gesagt, schloss er eilig seinen Mund, bevor er noch mehr unsinniges Zeug sagen konnte, das sicherlich niemanden interessierte.

Die beiden sahen erweckten den Eindruck als ob sie weitergehen wollten, höchstwahrscheinlich um ihren Freund Harry zu suchen. Wenn sie sich tatsächlich umdrehten, sagte Jon hastig, "Ich bin übrigens Jon. Und wie heißt ihr?"

Er wollte nicht, dass das bezaubernde Mädchen schon ging, und er hoffte, er könnte sie vielleicht in eine Unterhaltung verwickeln.

"Ich bin Hermine", antwortete sie. Sie lächelte, rein freundschaftlich, doch das Lächeln erhellte ihr Gesicht auf eine Weise dass es geradezu erstrahlte.

"Und ich bin Ron", fügte der Rothaarige hinzu.

Jon schluckte und fragte sich, ob Hermine wohl Rons Freundin war. Doch wenn sie es war, warum lächelte sie ihm dann so göttinnengleich zu? Ob sie ihn attraktiv fand?

'Wahrscheinlich ist sie einfach nur nett zu dir, du Idiot', schalt er sich selbst.

Jon fühlte, dass sich seine Wangen röteten und murmelte: "Ich nehme an, ihr fahrt nach Hogwarts?"

Was für eine idiotische Frage! Sie waren auf dem Bahnsteig neun dreiviertel, und der Zug hier war der Hogwarts Express! Was sonst könnten sie hier wohl wollen?

"Ja", antwortete Ron erwartungsgemäß. "Und du?" Bei diesen Worten blickte Ron suchend auf Jons Robe, auf der keines der vier Hausembleme von Hogwarts zu sehen war.

"Ich auch."

Jon begann langsam zu zweifeln, ob er ein längeres Gespräch würde führen können, wenn er schon Probleme hatte, einfache Fragen in ganzen Sätzen zu beantworten. Wenigstens kannte er jetzt den Namen des Mädchens - Hermine - und er wusste dass sie Schülerin in Hogwarts war. Wenn also alles andere versagte, könnte er immer noch später, in Hogwarts, versuchen mit ihr zu reden. Dieser Gedanke war seltsam beruhigend. Der Druck, Hermine sofort zu beeindrucken oder nie wieder eine Chance dazu zu haben, wich von ihm, und das versetzte Jon in die Lage, Rons nächste Frage mit mehr als zwei Worten zu beantworten.

"Wieso trägst du keine Hausabzeichen auf deinen Sachen?", fragte Ron. "Und überhaupt, Jon, wie kommt es, dass ich dich noch nie in Hogwarts gesehen habe? Du kannst doch kein Erstklässler sein, oder?"

"Ich war bisher in Warwicks - das ist näher bei meinem alten Zuhause. Meine Mutter stammt jedoch aus England und sie hat beschlossen, wieder nach Hause zurückzukehren. Also gehe ich ab jetzt nach Hogwarts. Mum war auch dort und sie meinte, es würde mir da sicher gefallen."

"Das wird es bestimmt, Hogwarts ist einfach spitze. In welche Klasse kommst du?"

"Fünfte."

Lies diese Information Hermines Lächeln noch mehr erstrahlen oder bildete Jon sich das nur ein?

"Wir sind auch in der fünften Klasse", sagte sie, und zumindest klang sie nicht abgestoßen von der Aussicht, Jon regelmäßig in der Schule zu treffen. "Wir sind beide in Gryffindor. Hat deine Mum dir von den verschiedenen Häusern erzählt?"

"Ja, das hat sie. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, was davon wahr war und wo sie mich nur auf den Arm nehmen wollte. Sie erzählte, dass man von einem sprechenden Hut einsortiert wird?"

Hermine nickte eifrig. "Ja, der Sprechende Hut. Du setzt ihn auf und dann liest er deine Gedanken und dann - "

Eigentlich wollte sie noch mehr Erklärungen hinzufügen, doch Ron unterbrach sie. Sein Blick war auf den Kater gefallen, der noch immer ängstlich auf Jon herunterschaute. Ron zeigte auf ihn und fragte neugierig: "Ist das dein Kater dort oben?"

"Oh, Spike!" Den hatte Jon ja fast schon wieder vergessen! "Ja, der gehört mir. Dummer Kater, klettert erst rauf und traut sich dann nicht mehr herunter!" Jon schaute hinauf zu Spike und fragte sich, was er wohl tun sollte.

"Das macht nichts, das haben wir gleich", meinte Hermine und verschwand in der Menge.

"Wo geht sie denn hin?", fragte Jon, während er Ron ratlos ansah.

Doch Ron schien ebenfalls keine Ahnung zu haben und zuckte nur mit den Achseln. Allerdings mussten sie nicht lange auf eine Antwort warten. Hermine kehrte nach kurzer Zeit zurück, gefolgt von einer molligen, freundlich dreinblickenden Frau, die Rons feuerrotes Haar besaß - nur ihres war etwas dunkler und schon hier und da mit einigen grauen Strähnen durchsetzt.

"Das ist Jon", meinte Hermine zu ihr, "und es ist seine Katze, die festsitzt." Dann stellte sie die Frau vor: "Jon, das ist Mrs. Weasley."

"Meine Mutter", fügte Ron hinzu, als ob das nicht offensichtlich gewesen wäre.

"So, du bist also der neue Hogwartsschüler. Freut mich, dich kennen zu lernen", begrüßte Mrs. Weasley Jon freundlich und bot ihm ihre Hand an.

Jon ergriff sie und erwiderte etwas verhalten: "Freut mich auch." Er war sich nicht sicher, wie Rons Mutter ihm helfen sollte. Sie war nicht größer als er und die Anzeigetafel war schon für ihn zu hoch, um Spike zu erreichen.

"Hermine erzählte mir, du hättest ein Problem mit deiner Katze und fragte mich, ob ich helfen könnte. Was ist denn passiert?"

"Spike ist da hinaufgeklettert", antwortete Jon und zeigte auf die Tafel. "Und das ist genau das Problem."

"Ah ja, ich verstehe." Sie griff nach ihrem Zauberstab. "Wingardium Leviosa!"

Plötzlich erhob sich Spike in die Luft. Als der Kater merkte, dass er den Kontakt zum Untergrund verloren hatte, sträubte er erschrocken sein Fell und streckte sich, um zur Tafel zurückzukommen. Doch inzwischen war er schon viel zu weit davon entfernt und schwebte nach unten, in sicherem Abstand zu allem, woran er sich hätte festkrallen können.

Mrs. Weasley dirigierte ihn direkt in Jons Arme. Kaum war er gelandet, fauchte er Mrs. Weasley an und rollte sich in Jons Armen ein, ohne sie noch eines weiteren Blickes zu würdigen.

"Nun sei mal nicht so undankbar, Spike! Den Schlamassel hast du dir schließlich selbst eingebrockt!", schimpfte Jon mit seinem Kater. Dann wandte er sich Mrs. Weasley zu: "Danke, das war toll! Da hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen können. Keine Ahnung wo mein Verstand heute ist, wahrscheinlich ist es das, was ich im Tropfenden Kessel vergessen habe..."

"Keine Ursache", antwortete Mrs. Weasley. Mit einem Blick auf die Bahnhofsuhr fügte sie hinzu: "Ihr solltet jetzt aber einsteigen, der Zug fährt gleich los."

"Aber ich habe Harry noch nicht gefunden!", protestierte Ron, als Mrs. Weasley begann, sie zum nächsten Waggon zu lotsen.

"Es wird dir sicher nicht helfen, den Zug schon wieder zu verpassen, Ronald Weasley! Harry ist sicher schon drin, er ist viel vernünftiger als du. Und nun los!", erwiderte Mrs. Weasley heftig. Sie schob Ron praktisch vorwärts und passte genau auf, das er auch wirklich einstieg.

"Wenn ihr wollt, könnt Ihr bei uns sitzen, in unserem Abteil ist noch jede Menge Platz", wandte sich Jon an die beiden, nachdem sie eingestiegen waren und nun von einem gefüllten Abteil zum nächsten wanderten.

"Uns?", fragte Hermine neugierig.

"Meine Mum fährt auch mit. Sie wird in Hogwarts unterrichten. Es sei denn, ihr wollt nicht bei einem Professor sitzen..." Jon setze seinen traurigsten Hundeblick auf und gab sich Mühe, nicht zu grinsen.

"...Doch, natürlich, gern...", erwiderte Ron schnell.

Hermine fing an zu lachen. "Kannst du mir diesen Blick noch mal zeigen? Ich glaube, den sollte ich mir merken, nur für alle Fälle..."

Inzwischen waren sie am Abteil angekommen. Von Jons Mutter war weit und breit nichts zu sehen.

"Ich gehe Harry suchen und sage ihm, wo wir sitzen", erklärte Ron und stellte sein Gepäck ins leere Abteil. Dann verschwand wieder auf dem Gang.

Jon sperrte Spike in seinen Käfig und stellte sicher, dass die Tür diesmal ordentlich verschlossen war. Dann half er Hermine, ihre und Rons Sachen zu verstauen. Die Käfige von Spike und Hermines Kater Krummbein wurden nebeneinander gestellt. Beide Kater begannen sofort, sich gegenseitig neugierig zu beschnuppern und zu betrachten. Anscheinend hatte keiner etwas gegen seinen Nachbarn einzuwenden, und Jon und Hermine fuhren fort, das restliche Gepäck unterzubringen.

Sie waren gerade damit fertig, als Ron wiederkam. Er hatte einen Jungen im Schlepptau, bei dessen Anblick sowohl Jon als auch Hermine der Atem stockte. Der Junge war lang und dünn und schien genauso alt zu sein wie sie. Er hatte ungewöhnlich grüne Augen und trug eine runde Brille. Sein schwarzes Haar schien in alle möglichen und unmöglichen Richtungen zu wachsen. Er war nicht ganz so groß wie Jon, aber abgesehen von den Augen, der Brille und einer blitzförmigen Narbe auf seiner Stirn war die Ähnlichkeit zwischen den beiden frappierend.

Hermine fand als erste ihre Sprache wieder. "Meine Güte! Harry, Jon, ihr könntet ja fast als Zwillinge durchgehen!"

"Kein Wunder, dass ich Jon zuerst für Harry gehalten habe", warf Ron ein und stieß kopfschüttelnd einen leisen Pfiff aus.

Jon hielt Harry seine Hand hin und begrüßte ihn: "Hallo, ich bin Jon. Jon Potter. Du musst mein Cousin Harry sein. Ich habe schon eine Menge über dich gehört. Ich freue mich, dich endlich kennen zu lernen."

Sowohl Hermine als auch Ron musterten Jon, als wäre ihm gerade ein zweiter Kopf gewachsen. Harry war für einen Moment ebenfalls sprachlos. Dann ergriff er Jons Hand und stammelte: "Cousin?... Jon?... Ich weiß nichts von einem Cousin Jon ... Bist du sicher, dass du mit mir verwandt bist?"

Jon nickte. "Dein Vater und meine Mutter waren Geschwister. Hat dir nie jemand von ihr erzählt?"

Harry schüttelte seinen Kopf. "Nein."

"Nun, ich denke, dann wird es langsam Zeit", ertönte auf einmal eine weibliche Stimme von der Abteiltür her. Alle vier fuhren herum und Harry, Ron und Hermine starrten die kleine Frau an, die in der Tür stand, die Arme voll beladen mit diversen Süßigkeiten. Serena bemerkte ihre entgeisterten Blicke und meinte entschuldigend: "Ich habe die seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen. Und außerdem hatte ich heute noch kein Frühstück. Weil ich nicht bis Mittag warten wollte, habe ich die Frau mit dem Snackwagen überfallen. Eigentlich war das nur für zwei gedacht, aber ich denke, wenn Jon sich ein wenig zurückhält, reicht es auch für fünf."

Jon schaute sie mit einem tief verletzten Blick an. "Ich mich zurückhalten? Du bist doch die, die mir alles wegisst, wenn ich nicht aufpasse!", beschwerte er sich.

Sie hob eine Augenbraue. "Ach wirklich? Na ja, wenn du meinst." Grinsend ließ Serena die Süßigkeiten auf einen freien Sitz und sich auf den daneben fallen. "Dann langt mal lieber zu, ehe Jon und ich alles alleine verputzen!" Das ließen sich die vier nicht zweimal sagen und griffen zu, nachdem Harry schnell seine Truhe unter und Hedwigs Käfig auf einen der Sitze gepackt hatte.

Während sie kauten, wandte sich Serena an Harry und begann fröhlich zu plaudern. "Also, ich bin Serena Potter, die Mutter dieses vorlauten Bengels. Und du bist Harry, nehme ich an. Ja, du siehst genauso aus wie Jim, als er in deinem Alter war, ... ach, und da ist ja auch deine berühmte Narbe. Weißt du, Jim war mein Zwillingsbruder, das macht mich dann zu deiner Tante."

Harry war immer noch mit Kauen beschäftigt, was ihm eine Entschuldigung verschaffte, nicht antworten zu müssen. Zum Glück, den er war völlig perplex und hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Aber Serena wartete auch gar nicht auf eine Antwort, sondern drehte sich zu Jon um und fragte: "Sag mal, willst du mir nicht deine anderen Freunde vorstellen?"

"Ähm, ja, sicher, also das ist Hermine, ähm..."

"Granger", half Hermine aus und übernahm auch gleich noch die Vorstellung von Ron.

Harry schloss diese kleine quirlige Frau sofort in sein Herz. Sie schien ihn ebenfalls zu mögen, war humorvoll, und wie sie sich dauernd mit ihrem Sohn neckte, fand er einfach köstlich. Er fragte sich, ob er wohl auch so ein lockeres Verhältnis zu seiner Mutter hätte, wäre sie noch am Leben. Und Serena war seine Tante! Sie hatte früher seinen Vater gekannt! Sie konnte ihm bestimmt Dutzende von Anekdoten aus dem Leben seines Vaters erzählen.

Und er hatte auch noch entdeckt, dass er einen weiteren Cousin hatte, der ebenfalls nett zu sein schien, ganz anders als Dudley. Zwei neue und liebenswerte Verwandte an einem Tag - das war ein toller Start in ein neues Schuljahr, besonders verglichen mit manch anderen Jahren. Vielleicht - und sein Herz machte einen Freudensprung bei dem Gedanken - könnte er ja sogar die nächsten Ferien bei ihnen verbringen, anstatt bei den Dursleys? Aber... warum hatte Serena ihn nicht adoptiert, als er eine Waise wurde? Er hatte immer geglaubt, er würde bei den Dursleys aufwachsen, weil er keine anderen lebenden Verwandten mehr hatte. Doch offensichtlich war dem nicht so. Und Serena war sogar eine Hexe, also wieso hatte sie ihn nicht aufgenommen? Wieso hatte sie nie von sich hören lassen?

"Warum so ein düsteres Gesicht an einem so sonnigen Tag?", unterbrach Serena Harrys Grübelei.

Nun, er konnte genauso gut gleich fragen, anstatt erst wilde Vermutungen anzustellen, die höchstwahrscheinlich falsch waren. "Oh, ich, also..., ich habe mich gefragt, wo du die ganzen Jahre gewesen bist, wieso du dich nie bei mir gemeldet hast?" Die Worte kamen etwas harscher heraus als er eigentlich beabsichtigt hatte.

Serenas Gesicht wurde sofort ernst. "Das ist eine lange, traurige Geschichte. Die Kurzfassung ist, dass man mich nicht für vertrauenswürdig genug hielt und deshalb durfte ich dich nach dem Tod von Jim und Lily nicht aufnehmen. Du bist sehr wichtig für die magische Gemeinschaft, ein Symbol der Freiheit. Das Ministerium für Magie kann ziemlich paranoid sein, besonders in allem, was dich betrifft. Also verboten sie mir jeden Kontakt zu dir, und sie sorgten dafür, dass niemand dir von mir erzählt." Serena schlug ihre Augen nieder und knetete ihre Hände in ihrem Schoß.

"Doch dann wurde eine Professorstelle in Hogwarts frei, und sie wurde mir angeboten. Albus Dumbledore überzeugte das Ministerium, dass dieses Verbot unsinnig sei und dass ich keine Gefahr für dich darstelle. Ich nehme an, die Ereignisse am Ende deines letzten Schuljahres und die daraus resultierende Verringerung der Wertschätzung des Ministeriums für dich waren da ziemlich hilfreich. Nun, ich werde mich nicht darüber beschweren. Ich habe also meine Siebensachen gepackt, Jon unter den Arm geklemmt und bin nach Großbritannien zurückgekehrt."

Sie seufzte und ein verschmitztes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. "Ich bin wirklich froh, dich endlich wieder zu sehen. Du bist ganz schön gewachsen, muss ich sagen. Bei unserem letzten Treffen konnte ich mich nicht mal gepflegt mit dir unterhalten, weil du da noch ein Baby warst." Der ernste Ausdruck in ihren Augen war schon wieder dem warmen, fröhlichen Leuchten gewichen, das Harry sofort an ihr aufgefallen war.

"Was unterrichten Sie eigentlich in Hogwarts?", wollte Hermine wissen, als Serena für ein paar Sekunden verstummte.

"Verteidigung gegen die Dunklen Künste", antwortete Serena. "Ich habe bisher Auroren ausgebildet. Als Albus Dumbledore mich fragte, ob ich nicht in Hogwarts unterrichten möchte, konnte ich einfach nicht nein sagen."

"Auroren ausgebildet? Wow! Dann sind Sie bestimmt richtig gut!", begeisterte sich Hermine. "Die Lehrer, die wir bisher hatten, waren fast alle eine große Enttäuschung."

"Wenn Sie einen Werwolf von einem Grindeloh unterscheiden können, sind Sie weit überm Durchschnitt", platzte Ron heraus. "Und wenn Sie duellieren können, sind Sie ein Wunder."

"Oh, ich glaube, mit ein bisschen Konzentration kriege ich das gerade noch hin." Serena grinste. "Waren eure Lehrer wirklich so übel?"

Ron rollte mit seinen Augen. "Und ob! Im ersten Jahr hatten wir Quirrel. Der stotterte schrecklich und fürchtete sich vor allem und jedem. Es stellte sich schließlich heraus, dass er von Sie-Wissen-Schon-Wem besessen war. Er hat den Versuch, Harry umzubringen, nicht überlebt."

"Das klingt ja furchtbar!"

"Ja, und im zweiten Jahr war es noch schlimmer", fuhr Ron fort. "Da hatten wir so einen aufgeblasenen Schönling, der sich dauernd mit irgendwelchen Heldentaten gebrüstet hat. Aber es zeigte sich, dass er bloß ein feiger Nichtskönner war und sich mit fremden Federn schmückte."

"Du solltest wirklich nicht in diesem Ton über einen ehemaligen Lehrer sprechen!", empörte sich Hermione. "Andererseits", sie zuckte mit den Schultern, "trifft ihn diese Beschreibung ziemlich gut."

Ron nickte eifrig. "Und dann hat er sein Gedächtnis verloren. Kein großer Verlust, wenn ihr mich fragt."

"Geschieht ihm recht", fiel Harry ein, "Er wollte Ron und mich mit einem Gedächtniszauber belegen, um den Ruhm für eine weitere Tat einzuheimsen, die er nicht vollbracht hat. Pech für ihn, denn er benutze dabei Rons Zauberstab, der etwas angeknackst war. Dadurch hatte er öfter mal Fehlfunktionen. Und das Ende der Geschichte war, dass der Spruch nach hinten losging und ihn selbst erwischte."

"Wow, ihr hattet offenbar schon einige... interessante Professoren."

"Oh ja", stimmte Harry zu, "Im dritten Schuljahr hatten wir dann Remus Lupin. Der war zur Abwechslung mal ein guter Lehrer, aber er war ein Werwolf. Als das herauskam, musste er kündigen."

Hermine schaute Serena neugierig an und bemerkte: "Sie müssten ihn eigentlich kennen. Er war ein sehr guter Freund von Harrys Vater und ist mit ihm zur Schule gegangen."

"Ja, das stimmt. Ich kann mich noch ganz gut an ihn erinnern. Sah irgendwie immer so aus, als ob er krank wäre, dauernd müde und blass. Als ich herausfand, dass er ein Werwolf war, hab ich mich natürlich nicht mehr darüber gewundert." Sie hob eine Augenbraue. "Nach dem, was ich gehört habe, war letztes Jahr kein bisschen besser - mit einem falschen Moody als Professor."

"Ja." Ron nickte und fing plötzlich an zu grinsen. "Aber ich werde nie vergessen, wie er Malfoy in ein Frettchen verwandelt hat, als Strafe, weil er Harry von hinten angreifen wollte. Das war unglaublich großartig."

"Und etwas, was der echte Moody wahrscheinlich auch getan hätte." Serena lächelte nachdenklich. "Langsam erkenne ich, woher die Gerüchte kommen, die Stelle wäre verflucht. Da bin ich mal gespannt, ob ich etwas länger durchhalte."

"Na klar, Mum", meinte Jon. "Wie ist es denn sonst eigentlich so in Hogwarts?", wollte er von den anderen wissen.

Harry, Ron und Hermine erzählten abwechselnd und bemühten sich redlich, Jons Wissensdurst zu befriedigen. Serena saß daneben und lauschte anfangs den Erzählungen, bald aber drifteten ihre Gedanken ab in die Vergangenheit zu den Erinnerungen an ihren eigenen ersten Schultag...

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