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Books » Harry Potter » Von Mördern und Verrätern
Lilithakaducky
Author of 17 Stories
Rated: M - German - Angst/Hurt/Comfort - Severus S. & Sirius B. - Reviews: 690 - Updated: 03-28-09 - Published: 04-29-03 - id:1326002

Hallo liebe Leser. Ja, es gibt mich noch und auch diese Geschichte. Ich werde nicht mehr den Fehler machen, euch schnelle Updates zu versprechen, aber ich kann euch noch einmal versichern, dass die Geschichte fertig geschrieben wird, selbst, wenn es Jahre dauert. (Ups, das tut es ja schon:-P) Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich ein bisschen schäme, die ganzen, alten Reviews persönlich zu beantworten, da die meisten von Euch wohl eh nicht mehr wissen, was sie geschrieben haben, darum danke ich euch hier allen kollektiv. Es tut immer gut, solch liebe Reaktionen zu bekommen. Wahrscheinlich wisst ihr auch nicht mehr, was in der Geschichte bisher so alles passiert ist und es würde mich nicht wundern, wenn kaum noch einer liest. Das ist aber okay. Selber Schuld. Wenn es erwünscht ist, kann ich euch eine Inhaltsangabe schicken, die den Weg bis hier kurz beschreibt. Wenn ihr lieber eine Kurzfassung möchtet, bevor ihr das Kapitel lest, könnt ihr es mich wissen lassen und ich schicke sie, damit ihr weiter lesen könnt.

Besten Dank an meine tolle Betaleserin Shelley.

Auch danke an die treuen, unaufhörlichen Ermutigungen, die Geschichte weiter zu führen.

Kapitel 74

Und trotzdem ist es nicht genug

2 Wochen später:

Es war schwer in der Eintönigkeit dieses Spitals das Vergehen der Zeit zu bemerken. Severus sass auf seinem gepolsterten Stuhl und beobachtete aus dem Fenster die Muggelfrau, die, eine bunte viereckige, ausgebeulte Tasche in ihren Händen, den Gehsteig entlang hastete. Severus musterte die Tasche, auf der irgendein Gemüse abgebildet war und aus der ein langer, dünner Brotlaib ragte. Er hatte die Frau schon öfters beobachtet und immer ragte eines dieser Brote aus ihrer Tasche, und jedes Mal schien sie in Eile zu sein und hastete den Gehsteig entlang, ohne ihren Blick nach links oder rechts abweichen zu lassen.

Die dünne Frau, mit ihren schlecht hochgesteckten, schwarzen Haaren und dem dicken Make up, das es nicht vermochte ihr Alter zu verstecken, war ein sicheres Anzeichen, dass Morty bald mit dem Mittagessen kommen würde.

Severus seufzte leise und richtete den Blick auf zwei Tauben, die sich nacheinander auf dem Fenstersims eines der Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes niederliessen und sich eng aneinenderkuschelten.

Bei dem kleinsten Anzeichen von Gefahr würden sie aufschrecken und einfach davonfliegen. Er wusste, dass er noch nicht einmal von dem Stuhl aufstehen konnte, wenn es die Heiler nicht erlaubten. Natürlich waren keine Ketten oder Fesseln sichtbar und er würde auch keine Mühe haben, die Arme oder Beine zu heben oder seine Position zu ändern, nur sobald er aufstehen wollte, würde er sich keinen Millimeter mehr bewegen können.

Dies geschah natürlich nur zu seinem Schutz, wie ihm immer wieder mitgeteilt wurde. Er schnaubte abfällig, doch der kurze Anflug von Abscheu erlosch sofort in der inzwischen sehr bekannten Leere in Severus' Geist. Er fühlte sich hier auch tatsächlich sicher, was das Verteufelte daran war und auch wenn sein Kopf sich dagegen sträubte, seine Seele hatte hier in St. Mungos Frieden und Sicherheit gefunden. Er fühlte sich so sicher und geborgen, wie er es seit der ‚Sache' nie mehr erwartet hätte zu sein. Er vermied es noch immer darüber nachzudenken und zu seiner Erleichterung fiel es ihm nicht einmal schwer seine Gedanken nicht in diese Richtung schweifen zu lassen, und wenn sie es doch taten, dann konnte er sie ohne Probleme wieder auf andere Bahnen lenken. Sie waren wie ein dünner Nebel, der jederzeit von einer Brise verweht werden konnte. Der professionelle Teil seiner Selbst, der Teil, der Zaubertränkemeister gewesen war, wusste natürlich warum das so war, dass es die Tränke waren, ohne die er hier nie war. Die Tränke, die ihm diese Sicherheit und Ruhe bescherten. Auch wusste er, dass dies nichts als eine Illusion war, doch hatte er nicht zum ersten Mal überlegt, ob ihm diese Illusion nicht genug war. Sie brachte ihm den Frieden, den zu finden er nicht mehr erhofft hatte und in diesem Ausmass überhaupt nie gehabt hatte, auch vor der ‚Sache'. Nichts machte ihn mehr wütend oder ängstlich. Selbst die Tatsache, dass er nicht kommen und gehen konnte, wie er wollte oder auch nur vom Stuhl aufstehen, störte ihn nicht. Es erschien ihm einfach nicht wichtig.

„Guten dag Professeur Snape", begrüsste ihn Samanthas fröhliche Stimme, als sich die Tür öffnete. „Na, wie geht es uns ´eute?"

Die junge Assistenzheilerin liess das hinter ihr herschwebende Tablett auf den kleinen Tisch an der Wand seines Zimmers sinken und kam zu seinem Sessel. „Sie wollen sischer am Tisch essen. Wäre unnötig, sisch hier im Sessel zu bekleckern, ne c'est pas?"

Genau dies war es gewesen, weshalb es nicht genug war, kam es Severus in dem Moment wieder in den Sinn. Er hatte es für einen Moment vergessen. Auch wenn ihre Worte in ihm dank der Tränke keine Wut entfachten, war seine Intelligenz noch immer intakt und er war ein eigenständiges Individuum. Etwas, was nicht mit der Therapie der Heiler übereinzustimmen schien.

Die junge Frau trat an seinen Sessel heran und machte einen kurzen Schlenker mit ihrem Zauberstab, bevor sie ihn in eine Seitentasche ihrer Robe steckte und diese verschloss.

„Heiler Monty wird gleisch mit Ihrer Medizin kommen. Kommen Sie, isch 'elfe Ihnen zum Tisch."

Sie fasste ihm unter einen Arm und half ihm auf die Füsse. In dem Moment ging die Tür wieder auf und Monty trat herein, ein kleineres, rundes Tablett mit zwei Bechern darauf in der Luft neben seiner linken Schulter, geleitet vom Zauberstab in der linken Hand und ein Chart unter dem Arm.

„Samantha, was zur Hölle machst du da?" rief er aus, als er sie beide sah. Schnell liess er das kleine Tablett auf den Tisch schweben, warf den Block auf das Bett und hielt den Zauberstab im Anschlag. „Bist du wahnsinnig?" fauchte er.

Die blondgelockte junge Frau errötete. „Er tut doch nischts, Mo. Regarde. Völlig passive."

„Du kennst die Vorschriften Sam. Möglicherweise gewalttätige Patienten werden nicht alleine mobilisiert."

„Mais, er hat niemand was gedan, Mo. Nur sisch selber."

„Du warst in Beaubatons, Sam. Du kennst nicht sein Temperament", flüsterte Mo, richtete seinen Blick auf Severus, den Zauberstab immer noch bereitgehalten und nickte Samantha zu. Diese seufzte und zog sanft an Severus' Arm. „Kommen Sie, Professeur."

Severus, der den Austausch interesselos verfolgt hatte, folgte ihr und liess sich in den Holzstuhl sinken, der vor dem Tisch stand. Irgendwie wusste er, dass er über ihr Gespräch hätte wütend sein müssen, doch auch das drang irgendwie nicht bis zu ihm durch.

Monty machte eine Bewegung mit dem Zauberstab und obwohl nichts zu sehen war, ausser einem kurzen gelben Aufleuchten um ihn und den Stuhl, wusste Snape aus Erfahrung, dass der Zauber, der ihn dort fest hielt, wieder platziert worden war.

Monty seufzte leise und kam zu ihm herüber. „Mister Snape?"

Severus zog einen flüchtigen Moment in Betracht, den Heiler zu ignorieren, doch bevor er den Gedanken zu Ende gebracht hatte, hatte sich sein Kopf schon instinktiv gedreht und er blickte den jungen Mann an.

Mo atmete tief ein und sein strenger Ausdruck wurde etwas weicher. „Nach dem Essen und Ihrer Mittagsruhe wird Madame Billard heute mit Ihnen einen Spaziergang im Garten machen. Die frische Luft wird Ihnen gut tun. Essen Sie etwas", sagte Mo und schob ihm das Tablett mit dem Teller, auf dem Kartoffelbrei und ein undefinierbares Stück Fleisch mit einer dicken, braunen Sauce vor das Gesicht. Das kleinere Tablett mit den Tränken stellte er ausserhalb seiner Reichweite auf den Nachttisch, neben seinem Bett.

Mo und Sam verliessen das Zimmer wieder und liessen ihn mit dem Essen allein. Severus blickte auf den Teller. Er war nicht hungrig. Das war er selten, doch er hatte gelernt, zumindest einen Teil des Essens hinunter zu bringen, denn sonst würde ihn Sam eigenhändig füttern. Zum Zeitpunkt bevor die nächste Dosis des Abulia fällig war, war er schon so weit wieder er selbst, dass ihn das störte und sich etwas in ihm gegen diese Erniedrigung sträubte. So ass er.

Eine halbe Stunde später kamen die zwei wieder herein und nach einem kontrollierenden Blick auf seinen Teller und einem zufriedenen Nicken Mos, liess dieser seinen Stuhl etwas zurückrücken und um ihn leuchtete es wieder kurz gelb auf. Der Zauberstab verschwand wieder in der verschliessbaren Tasche und die beiden stellten sich zu seinen Seiten, halfen ihm hoch und führten ihn zu seinem Bett, wo sie ihn auf die Bettkante setzten.

„Nun schlafen Sie schön, und später geht es raus an die frische Luft", zirpte Sam fröhlich, während sie ihm die Schulter tätschelte.

Nein, es reichte bei weitem nicht.

Mo nahm den ersten Becher, den er zuvor auf dem Nachttisch platziert hatte und hielt ihn Snape hin. „Hier, trinken Sie."

Severus nahm das Gefäss und starrte auf die übliche terracottafarbene Flüssigkeit darin. Er hatte den Abulias seinen fortgeschrittenen Schülern immer gleich nach den Winterferien gelehrt. Da war wieder die leise Stimme in seinem Hinterkopf, die ihn warnte zu trinken, dieses Gefühl, sich dagegen sträuben zu müssen. „Kommen Sie, Proffeseur", drängte Sam sanft, umfasste seine zögernde Hand mitsamt dem Becher, und führte sie mit leichtem Druck Richtung Mund. Severus liess es geschehen und trank das Beruhigungsmittel mit einem Schluck. Sofort verstummte die Stimme und das Gefühl, sich wehren zu wollen, verschwand.

Der zweite Becher wurde ihm unter die Nase gehalten und zum Mund geführt. Folgsam trank er und erntete ein „So ist es gut, Proffesseur" für seine Folgsamkeit.

Jedoch bekam er das nur noch verschwommen mit, denn wie üblich wurden seine Lider schwer und sein Geist verfing sich langsam aber sicher im dunklen Nebel. Er fühlte, wie er hingelegt wurde und dann verschwand die Umwelt im Dunkel als er einschlief.

SSSSSSSSSSSSSSS

„Wie nennen uns 'eiler, aber was wir hier tun ist nisch 'eilen", flüsterte Sam.

Mo seufzte. Sie sassen beide in ihrem Stationszimmer, eine Tasse Tee in den Händen und hatten sich während ihrer Mittagspause über ihre Patienten und vor allem über Snape unterhalten. „Ich weiss. Aber was sollen wir tun? Er ist so anders als unsere anderen Patienten. In jeder Hinsicht. Körperlich ist er okay und ich denke, dass hinter der Fassade der Tränke auch sein Geist nicht vermindert ist. Es ist seine Seele, die verletzt ist. Wie sollen wir das heilen, frage ich dich? Wie, wenn nicht so, dass wir ihm diese Verletzungen mit Tränken überdecken."

„Isch meine, er könnte doch noch normal leben. Hier ge'ört er nicht hin. Kann man nichts sinnvolleres machen, als ihn immer nur unter Drogen zu setzen? Wie soll er da 'eilen? Isch 'abe schon davon ge'ört, dass man Patienten wie ihn geoblivated hat, damit sie, was auch immer sie in diesen Sustand versetzt hat, vergessen und so 'eilen."

„Ja, aber das geht bei Snape nicht. Abgesehen davon, dass nur das Ministerium die Befugnis hat, die Erlaubnis zum Entziehen von Erinnerungen zu erteilen, was sie sowieso höchst selten tun, ist Snape und seine Rolle im Krieg zu bekannt. Du erinnerst dich sicher an die Schlagzeilen im Tagespropheten, die Tage nach Snapes Ankunft hier? Zu viele Leute wissen von seinem Versuch und dass er ein Todesser war. Man würde ihn früher oder später darauf ansprechen. Ausserdem zog sich das Ganze über einen zu langen Zeitraum hinweg. Wir können ihm nicht die Erinnerung an fast sein ganzes Leben nehmen."

„Is es denn über'aupt sicher, dass es das war, was ihn in diesen Sustand versetzt hat? Je veux dire, wir haben ge'ört, dass er eine Weile entführt und schwer verwundet, même gefoltert worden ist."

Mo lachte kurz freudlos auf. „Vielleicht war der Schmerz, selbst ein Opfer zu sein, der Auslöser, doch Snape war ein Todesser. Er hat sicher selbst gefoltert, wenn ich ihm auch, trotz seines miesen Charakters zugute halte, dass es unter Umständen nötig gewesen war, um seine Tarnung als Spion zu wahren. Auf jeden Fall kann ich mir, mit seiner Vergangenheit, nicht vorstellen, dass Folter für ihn etwas Neues war. Diesmal hat er halt die Schmerzen selber erfahren und nicht zugesehen."

„Du klingst, als hätte er es verdient."

Mo wirkte geschockt. „Niemand hat das verdient. Immerhin hat er für uns spioniert, auch wenn ich ihn nicht mag, muss ich das anerkennen. Aber alles was ich sage ist, dass der Grossteil seines Lebens schief lief und die Entscheidung als junger Mann ein Todesser zu werden zu zuviel führte, was ihn schliesslich zerbrach. Ein paar Erinnerungen zu entziehen wird ihm nicht helfen."

„Mais, ihn immer unter Drogen zu setzen auch nisch."

„Ich weiss, Sam, aber es ist nicht einfach. Snape ist auch in anderer Hinsicht speziell, wie ich dir schon sagte. Es ist, wie wenn du einen Hund kennst, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit knurrt, bellt und nach dir schnappt und dann plötzlich ganz lieb und sanft ist. Und dann sollen wir ihn wieder zu dem schnappenden, knurrenden böswilligen Hund machen. Im Moment ist er ... gutmütig und zufrieden." Seine Stimme wurde leiser und er starrte auf die Tasse in seiner Hand. „Ich weiss, ich sollte zuerst an sein Wohl denken, und nicht daran, dass wie er fügsamer wird, doch auch ihm geht es so besser. Er ist glücklicher und zufriedener als zuvor und fühlt sich wohl."

„Non, er fühlt sich nicht wohl, was auch immer er fühlt, ist nicht escht, es sind nischt seine eigenen Gefühle, sondern die des Trankes."

"Es ist nicht echt, ich weiss, aber es ist das Beste, was wir tun können. Wenn bloss das Ministerium Dumbledore nicht verboten hätte ihn zu sehen. Wenn irgendjemand ihm wirklich helfen kann, dann der Direktor." Mo sah sie lächelnd an. „Dumbledore ist ein Held hier in England und der mächtigste Zauberer überhaupt, weißt du. Ich kannte ihn in Hogwarts. Es gibt nichts, was er nicht weiss oder kann."

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Der ‚Garten', durch den er ein paar Stunden später von Samantha und einer der vielen unbekannten Assistenzheiler geführt wurde, erwies sich als nichts weiter als ein Besenschrank, der magisch von innen auf etwa einen Quadratkilometer vergrössert und als grünbewachsener englischer Garten gezaubert wurde. Alles sah real aus, die Bäume, der Rasen, der kleine See, auf dem sogar ein paar Schwäne und Enten ihre Runden zogen. Der Rasen roch nach Rasen und die Blumen nach Blumen und sogar eine kleine Brise war zu spüren. Wenn man es nicht besser wüsste, käme man nie auf die Idee, dass das alles gar nicht echt war. Wenn nicht dann und wann am Ende des Parks ein paar Leute wie aus dem Nichts auftauchen oder verschwinden würden. Spätestens das enttarnte dieses Paradies als genau so starker Schwindel, wie Severus' falsche Gefühle und Empfindungen.

Sam und die andere junge Frau setzten ihn auf eine Bank beim See und Severus starrte auf ein paar weisse Lilien, die neben den See gezaubert worden waren und versuchte den Frauen nicht zuzuhören, als sie diskutierten, ob nun die britische oder französische junge, männliche Bevölkerung mehr Vorzüge habe.

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Unzählige Augen drehten sich dem alten Mann mit dem weissen, langen Bart zu, als dieser mit hastigem Schritt durch das Foyer des Ministeriums eilte. Gespräche verstummten und jeder, der im Weg des alten Magiers stand, wich instinktiv zurück. Der Schulleiter von Hogwarts war schon zu Lebzeiten eine Legende und jeder kannte ihn. Albus Dumbledore war auch ein gütiger, humorvoller Mann, der oft weise und verschmitzt auf andere wirkte, als könne ihn nichts überraschen oder erschrecken. Das war das Bild, das die meisten Leute hier von ihm hatten und welches die meisten als Schüler von ihm je zu Gesicht bekommen hatten. Dies war aber nicht das Bild, das sich ihnen nun bot. Albus Dumbledore war wütend. Sehr wütend und jeder von ihnen konnte das nicht nur sehen, sondern auch spüren, genau so deutlich, wie wenn sie mit einem Besen zu nahe an einem Blitz vorbeiflogen.

Albus ging ohne Umschweife zu den öffentlichen Flohportalen, rief sich etwas Flohpulver herbei und verschwand mit einem unterdrückten ‚Hogwarts, Büro des Direktors' in den Flammen.

Ein jüngerer Mann mit graumeliertem Haar folgte ihm mit besorgtem Blick und sobald er verschwunden war, eilte auch er zu den Portalen.

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Eine kleinere Explosion erwartete Remus am anderen Ende der Flohverbindung und er wurde mit einer Wolke aus Flohpulver und Scherben bedeckt.

Doch er achtete nicht wirklich darauf und wischte sich die Trümmer mit einer Hand von den Schultern und schüttelte sie aus seinem Haar, während er Albus, der mit dem Rücken zu ihm reglos dastand, die Arme auf seinem Schreibtisch aufgestützt, nicht aus dem Blick liess.

„Albus? Bist du in Ordnung?"

Der Direktor reagierte einen Moment nicht und Remus konnte noch immer die unterdrückte Wut und Magie spüren.

„Verzeih bitte, Remus." Endlich drehte er sich um, straffte die Schulter und schien auch zu guter letzt seine Wut in den Griff zu bekommen, als der spürbare Druck von Magie im Raum sich lichtete. „Es ist schon einige Jahrzehnte her, seit meine Magie wild lief."

Remus nickte nur bestätigend und näherte sich dem alten Zauberer. „Severus?"

Dumbledores Augen blitzten kurz, doch sonst liess er sich nichts mehr anmerken. „Sie haben die Verfügung noch immer nicht aufgehoben. Zwei Wochen und noch immer lassen sie niemanden zu ihm, und das nur, weil Fudge mir zeigen will, dass er am längeren Hebel sitzt."

Der Direktor begann rastlos – sehr untypisch für ihn –im Zimmer auf und ab zu gehen. Remus blieb ruhig stehen. Er wusste es besser, als den alten Zauberer zu unterbrechen. Auch ein mächtiger, weiser Mann wie Dumbledore musste sich manchmal seine Sorgen von der Seele reden.

„Die zerstören ihn ganz, Remus." Seine Stimme wurde ganz leise. „Sein Blick, als er realisierte, dass er eingesperrt ist... Und alles was sie sagen ist, dass es ihm gut geht. Aber es kann ihm nicht gut gehen. Ich weiss es."

„Dann müssen wir ihn rausholen", antwortete Remus ohne darüber nachzudenken. Der Direktor hielt inne und starrte ihn an. Erst jetzt wurde es Remus bewusst, was er gesagt hatte. Es war nur so ein Gedanke gewesen. Unüberdacht und reflexartig, doch der Blick Dumbledores zeigte ernsthaftes in Betracht ziehen. Die vernünftige Seite an Remus wollte seine Worte zurücknehmen. Immerhin arbeitete er nun für das Ministerium und obwohl das nicht hiess, dass er alles von ihnen gut hiess, sträubte sich seine antrainierte Scheu davor jemanden, von dem er abhängig war, zu verärgern und Regeln zu brechen. In Gegenzug war der ganze Rest von ihm, der Teil, der den Vorschlag überhaupt gemacht hatte, fest überzeugt, dass es der einzig richtige Weg war.

„Hmm", machte Dumbledore nur, und begann wieder im Zimmer auf und ab zu gehen, sein wütender Ausdruck nun hinter einem nachdenklichen Gesicht versteckt. „Einfach würde es nicht werden. Severus ist in der geschlossenen Abteilung, das wäre kein Problem, doch wegen der Verfügung können nur die zugelassenen Personen näher als fünf Meter zu ihm kommen, oder das Ministerium erfährt sofort davon."

„Aber selbst wenn wir ihn dort raus holen, können wir ihm dann helfen, Albus? Er braucht Hilfe."

„Das weiss ich nicht, aber was ich weiss ist, dass es St. Mungos nicht kann. Wir werden uns damit beschäftigen, wenn wir ihn haben. Ich kann mir nicht helfen, doch ich habe das Gefühl, dass wir ihn schnellstens nach Hause holen müssen um zumindest anzufangen ihm zu helfen."

Remus nickte. „Aber wie, wenn sich keiner von uns ihm nähern kann?"

Ein Funkeln stahl sich plötzlich in Albus' Augen und versetzte etwas in Remus in Hochstimmung. Es war das erste Mal seit zwei Wochen, dass irgendjemand von ihnen das zu sehen bekommen hatte. „Kein Mensch kann sich ihm nähern, das ist wahr."

„Ein Hund?" fragte Remus, der nun auch langsam anfing, sich in die Idee zu vertiefen, und erntete dafür ein Fast-Lächeln, das sich auf seinem Gesicht wiederspiegelte.

Sirius würde sicher sofort helfen.

Wenn Remus jemand vor noch einem Jahr gesagt hätte, dass sich die Beziehung zwischen Snape und seinem Freund so dramatisch verändern würde, hätte er denjenigen nur ausgelacht. Sirius versuchte ihm gegenüber zwar starrköpfig den Anschein zu wahren und spielte seine Sorge um den Slytherin herab, doch vermochte Remus sehr gut hinter die schlecht errichtete Fassade seines Freundes zu blicken. Das hatte er schon damals, als Sirius dasselbe gegenüber Regulus abgezogen hatte. Irgendwie war es ironisch, dass es nun Severus war, der in Sirius wieder diesen grossen schützenden Bruder geweckt hatte. Das war eine Rolle, die keiner seiner anderen Freunde oder sogar Harry, dem gegenüber er eher wie der junggebliebene Onkels war, je ausfüllen konnte.

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Sirius gab sich alle Mühe, nicht nervös auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen, während sie auf Harry und seine Freunde warteten. Remus beobachtete ihn still und unterdrückte den Anflug eines Lächelns. Sie hatten durchscheinen lassen, dass sich ihre notfallmässig einberufene Sitzung einiger Ordensmitglieder um Snape drehte. Sirius, hatte er doch die letzten Wochen immer wieder versichert, dass seine anhaltende schlechte Laune und Abgelenktheit nicht etwas mit dem Slytherin zu tun hatte, schien nun wie auf Nadeln zu sitzen. Fast wie damals, als sie wussten, dass Lily und James in Gefahr waren, doch ausser dem Fidelius nichts unternehmen konnten, die Gefahr aktiv zu beseitigen. Sirius und Nichtstun, wenn seine Freunde betroffen waren, ging nicht gut zusammen.

Albus redete leise mit McGonagall und aus ihrer Körperhaltung heraus, schien auch der Direktor noch nicht ihre Fragen zu beantworten. Molly und Arthur schienen die einzigen, die einigermassen entspannt dasassen, doch wenn man genau hinsah, konnte man den zusammengepressten Kiefer Arturs und das entschlossene Glitzern in Mollys Augen sehen.

In dem Moment öffnete sich die Küchentür und Harry trat, gefolgt von Hermine ein. Der junge Gryffindor hielt ein Bündel schimmernden Stoffes in der Hand.

„Ah, Harry und Hermine", begrüsste sie Dumbledore. „Dann sind wir ja fast komplett. Und den Tarnumhang hast du auch mitgebracht. Wo ist denn der junge Ronald?"

Hermine schnaubte darauf hin und Harry zuckte hilflos mit den Schultern. „Er hat sich geweigert mitzukommen."

Mollys Gesicht verdunkelte sich. „Wie bitte?"

„Wir haben ihm gesagt, dass es um Professor Snape geht, doch er hat nur die Tür zu seinem Zimmer zugeknallt", sagte Hermine mit unterdrückter Empörung. „Wie kann er nur. Immerhin waren wir drei mitschuldig an dem jetzigem Zustand des Professors und er benimmt sich, als sei es ihm vollkommen egal."

„Ihr seid nicht alleine Schuld", sagte McGonagall ungewohnt sanft. „Wir alle haben dazu beigetragen indem wir ihm seine Maskerade nur all zu willig abgekauft haben und ihn dementsprechend behandelten."

Arthur seufzte. „Snape hat es uns ja auch nie leicht gemacht. Wenn er nach aussen immer ein solches gefühlsloses und bösartiges Ekelpaket ist, wie soll man da auf andere Gedanken kommen. Wir sind keine Priester oder Heilige, die immer die andere Wange hinhalten. So wie man in den Wald ruft, klingt es eben heraus."

Molly schüttelte den Kopf. „Wir alle wissen, was er für unsere Seite als Spion getan hat und vielleicht wäre er etwas freundlicher gewesen, wenn wir mal damit angefangen hätten."

McGonagall schüttelte den Kopf. „Nicht Severus. Zumindest nicht in einem zeitlichen Rahmen, den wir mit Freundlichkeiten durchgehalten hätten, oder in einer Art, wie wir sie verstanden hätten. Er hatte seine eigene Art sich auszudrücken und seinen Mitmenschen hat er immer mit Taten bewiesen, wie wichtig ihr Wohlergehen ihm war, selbst wenn er sie im selben Moment wüst beschimpft hat." Ihre Stimme wurde wieder leiser. „Ich habe das auch erst nach dieser ganzen Tragödie bemerkt. Nachdem es zu spät und er gebrochen war."

„Nun nun, Minerva", tröstete sie Dumbledore. „Noch ist Severus nicht verloren und wir werden es ihm gegenüber wieder gut machen." Er liess seinen Blick über die sechs Anwesenden gleiten. „Um den ersten Schritt in diese Richtung zu planen, dafür habe ich euch heute hier hergerufen."

„Und Ron wird auch dabei helfen", bestimmte Molly und erhob sich von ihrem Stuhl, gewillt, ihren jüngsten Sohn, wenn nötig an den Ohren, herbei zu zerren. Allerdings wurde sie von Dumbledores Stimme gestoppt.

„Lass ihn Molly. Ich werde mit Ronald reden, doch erst haben Remus und ich euch etwas zu sagen. Ihr wisst, dass ich diese Sitzung wegen Severus einberufen habe. Er ist nicht viel mehr als ein Gefangener unter dem Deckmantel ihm helfen zu wollen. Nun..." Er machte eine kleine Pause. „Wir werden ihn da rausholen."

sssssssssssssssssssssssssssss

TBC

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