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Movies » Pirates of the Caribbean » letzte gedanken font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Camlost
Fiction Rated: K+ - German - Angst/Drama - Reviews: 36 - Published: 09-12-03 - Updated: 09-12-03 - id:1516849
Disclaimer: Nichts von den 'Pirates' gehört mir, nicht die Figuren oder die Orte. Nur die Geschichte ist meiner eigenen Idee entsprungen D (Der Name Lanebridge hab ich auch irgendwo aufgeschnappt und er hat mir so gefallen dass ich ihn hier eingebaut habe...)

Pirates Of The Caribbean:

Letzte Gedanken, Teil 1

Die Zelle sah aus wie das letzte Mal, die einzig nennenswerten Unterschiede waren, dass man das Loch in der Wand wieder verschlossen hatte und die Zellentür irgendwie sicherer aussah. Und die Schlüssel hingen nicht mehr um den Hals des alten Hundes, der noch immer am selben Platz lag, sondern klapperten in der Hand des Rotrockes.

Es war dunkel und dreckig und kalt wie schon das letzte Mal, ein eisiger Windzug fegte durch die geöffnete Türe die Treppe hinunter und wirbelte einige fette Staubkörner hoch.

Jack hustete und murmelte: "Wenigstens 'ne anständige Unterkunft wär angemessen, oder etwa nich?"

Ein heftiger Stoss in den Rücken und eisiges Schweigen waren die einzige Antwort. "He," grummelte Jack und stolperte Richtung der Zelle. Seine Arme und Beine schmerzten und er wankte leicht, als man ihn wieder in den Rücken stiess.

"Pass 'och auf," knurrte er und warf dem noch relativ jungen Briten einen eiskalten Blick zu. Dieser zuckte leicht zusammen und machte einen halben Schritt zurück, aber seine Stimme war sicher: "Deine Zelle Pirat."

Jack seufzte und schloss seine Augen, er war es ganz sicher zu sehr gewöhnt gefangen zu sein für einen berüchtigten, gefürchteten Piraten. Aber dieses Mal war es irgendwie anders. Nicht nur, dass die Welt vor seinen Augen schwankte und schwarze Schlieren über sein Blickfeld zogen, nein. Er fühlte tief im Inneren seiner Seele, dass es völlig anders war als sonst.

Jack Sparrow hatte Angst. Und das war noch nie vorgekommen, nicht wirklich. Bisher hatte der Kapitän der 'Black Pearl' immer gewusst, dass er freikommen würde, hatte es einfach irgendwoher gewusst, und das mit einer untrüglichen Sicherheit. Aber nun hatte er diese Sicherheit nicht mehr.

Er fühlte sich verloren.

Der Boden war kalt unter seinem schmerzenden Rücken und seine Hände waren noch immer zusammengebunden und das schmerzte zur Hölle!

Verdammt, die Handgelenke mussten sowieso schon gestaucht sein, wenn nicht gebrochen! Und dann banden diese verfluchten Hunde sie ihm noch zusammen und liessen ihn, den berühmten Piraten ohne Wasser in der Zelle schmoren.

"Scheiss auf die Briten," fluchte Jack leise und rollte sich in eine halbwegs bequeme Position. Ein heftiger Schmerz durchzuckte seinen Körper wie ein glühender Pfeil und er stöhnte leise. "Verfluchte Schlangenbrut, verdammte..." Er stöhnte noch einmal auf, als er seine verletzten Handgelenke zu sehr bewegte.

"Höllenbrut," murmelte er schon halbwegs über der Grenze zum Schlaf oder der Bewusstlosigkeit. "Zur Hölle."

Edward Norrington war ein wohlhabender Mann und es ging ihm gut. Er hatte eine Frau, die er liebte, zwei gesunde Kinder, Freunde und einen guten Posten. Er wohnte in Port Royal und besass sogar ein eigenes Schiff. Es ging ihm wirklich gut.

Zurzeit aber fühlte sich der Commodore schrecklich. Sein Herz klopfte und er eilte durch die hereinbrechende Nacht. Er hatte zwar nichts getan, aber trotzdem plagte ihn ein schreckliches Schuldgefühl, hatte er doch eine unkluge Bemerkung fallen gelassen, dass die 'Black Pearl' in der Nähe war.

Aber woher, zum Teufel, hatte er wissen können, was passieren würde? Woher hätte er das denn wissen sollen?

Norrington fühlte sich fast ein wenig wie in der Nacht, in der er die 'Black Pearl' das erste Mal gesehen hatte, aber aus einem ganz anderen Grund.

Es war neblig und das Wasser tropfte von seinem in die Stirn gezogenen Hut. Die kühle Nachtluft war dunstig und das Meer, das tief unten an die Stadtmauern klatschte, war unruhig. Irgendwo draussen auf dem Meer musste ein ungeheurer Sturm toben, denn Blitze waren von weit her zu sehen und ab und zu konnte man ein feines Donnergrollen hören.

Der Commodore lief tiefer in die Stadt hinein und durch die leergefegten Gassen, auf denen Ströme von Regenwasser den Dreck und den Staub der langen Tage wegfegte.

Er lief durch den prasselnden Regen und klopfte schliesslich hart an eine der zahllosen Holztüren, "Will," rief er laut und schlug noch einmal gegen die Türe, "Elizabeth!"

Es vergingen bloss wenige Augenblicke, bis er Schritte von drinnen hörte und Elizabeths Stimme.

"Ed?" Die Tür wurde aufgerissen und er starrte in Elizabeths hübsches Gesicht, das von einer Kerze erhellt wurde, ihre Augen glänzten und ihr Haar war lose, die Locken kringelten sich munter über ihren schmalen Schultern.

"Edward, was ist denn los? Was ist passiert? Nein, warte, komm erst mal herein, du bist klitschnass Ed!"

Norrington liess sich von Elizabeth Swann, seiner ehemaligen Verlobten in das gemütliche Haus ziehen und gab der herbeieilenden Dienerin seinen feuchten Mantel.

"Edward," Elizabeths Stimme klang unsicher, denn er stand noch immer regungslos da und starrte ein Loch in die Luft. Er seufzte und sah hoch, sah in ihre schönen Augen, "Liz, ist Will da?"

Die Frau nickte verwirrt, sie sah den Commodore noch einen Augenblick an und rief dann: "Anna, hol Will her und mach Edward einen heissen..:" "Nein Liz, ich will keinen Tee, ich muss bloss mit deinem Mann reden, okay."

Elizabeth sah ihn zweifelnd an, dann: "Anna mach Tee für uns alle, ich glaube wir haben etwas Wichtiges zu besprechen." Und leise meinte sie: "Es gibt nichts Besseres, als Neuigkeiten bei einem guten Te zu besprechen."

Sie sah Edward fragend an und dieser nickte zögerlich, "Neuigkeiten," murmelte er und senkte den Blick auf den Boden. "schlechte Neuigkeiten."

Will runzelte die Stirn und entliess Anna mit einer Handbewegung, "ich komme sofort," murmelte er und schlüpfte in die warmen Pantoffeln.

Will liebte es drinnen, im warmen Haus zu sein, wenn es draussen regnete und kalt war. Der Nebel, draussen vor den Fenstern, stimmte ihn sonst wohlig und zufrieden, aber nicht so jetzt. Eine Unruhe hatte in dem Augenblick sein Herz beschlichen, als er davon hörte, dass Edward gekommen war. Edward brachte üble Nachrichten mit sich, da war er sich sicher. Und er hatte wirklich keine Lust auf üble Nachrichten.

Der junge Schmied konnte keine Stimmen hören, als er von den Schlafgemächern hinunter in das Erdgeschoss stieg und schluckte. Wenn seine Frau und Edward stumm blieben ,war das wirklich ein schlechtes Zeichen.

"Edward." Edward sass stumm und bleich auf einem der Sessel und starrte in seine Tasse. Seine Augen waren abwesend und sein Kopf fuhr hoch, als Will hereintrat und ihn begrüsste. Elizabeth hatte ihre Hände zusammengekrampft und fuhr ebenso herum, als Will eintrat. Ihre Augen glitzerten. Ihr Mund zuckte.

"Liz? Was ist passiert?"

"Will...," ihre Stimme zitterte ein wenig.

"Will, setz dich." Der Commodore hatte seine Tasse abgesetzt und stand auf um dem jüngeren Mann eine Hand auf die Schulter zu legen, dieser sah ihn misstrauisch an.

"Was?"

Norrington seufzte und murmelte: "Turner, du hast zuviel schlechte Manieren deines Piraten angenommen. Und um eben den geht es."

"Jack?"

Edward sah den jüngeren Mann einen Moment lang an. Er mochte den Schmied, trotz gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten und sie waren gute Freunde geworden. Er biss sich auf die Lippe; er wollte nicht derjenige sein, der Will diese nachrichten brachte. Er nickte langsam. "Jack."

Der Schmied tauschte einen kurzen Blick mit seiner Frau und sah in ihren Augen Verzweiflung, seine Schultern sanken hinunter und er rieb sich mit der Hand über die Augen. "Was ist passiert? Was hat er dieses mal gemacht?"

Der Commodore wandte sich mit gequältem Gesichtsaudruck ab. Er stützte sich an der Wand ab und sah aus einem der vielen grossen Fenster in den Nebel hinaus. "Nichts. Er hat gar nichts gemacht."

"Aber?"

"Aber die 'Black Pearl' und somit ihr Kapitän wird verdächtigt ein Handelsschiff der britischen Flotte angegriffen zu haben. Und es hat keiner überlebt um zu beweisen, dass es nicht die 'Black Pearl' war."

"Tatsächlich," murmelte Will. Er hatte ein schlechtes Gefühl und wusste, dass Edward ihm nicht alles gesagt haben konnte. Auch ein Blick auf Elizabeth bewies dies. Denn Jack war schon vielmals zu Unrecht beschuldigt worden und noch nie hatte ihr das so zugesetzt. "Und?"

Edward sah sich nicht an, sondern sagte tonlos: "In drei Tagen erschiessen sie ihn."

"Was," keuchte der Schmied und schwankte bedrohlich. Damit hatte er nicht gerechnet, "was sagst du!?"

Alles Blut wich aus seinem Gesicht und sein Herz begann doppelt so schnell zu schlagen als normal, er taumelte wieder und Liz stand auf um ihn am Arm zu nehmen, er beachtete sie nicht einmal.

"Wie ist das passiert Edward? Wie konnte so etwas passieren? Warum haben sie ihn erwischt?" Er stockte, als sich Edward umdrehte, "nein," keuchte er. "Nein, sag das nicht. Er... Er wollte uns besuchen? Er war auf dem Weg hierher?"

Norrington nickte nur.

"Oh Gott," stöhnte Will und krampfte seine Hand um die seiner Frau, "was können wir tun Ed?" Wie bekommen wir ihn frei?" Er liess keine Möglichkeit zu, dass sie ihn nicht befreien könnten, es kam gar nicht in Frage.

"Ich weiss nicht Will." Edward liess sich wieder in den Sessel sinken und fuhr sich durch die dichten Haare, er wusste es wirklich nicht. "Wir sollten es auf dem Rechtsweg versuchen, denke ich. Es wird einen Prozess geben. Anders als das letzte Mal."

"Ist er hier," fragte Will durch zusammengebissene Zähne.

Edward wechselte einen raschen Blick mit Elizabeth, die ihre dünnen Brauen hob. "Will, Liebster, du kannst ihn jetzt nicht besuchen."

Will sah sie nicht an, sondern zischte: "Ist er hier oder ist er nicht hier? Und wenn er hier ist, versucht gar nicht erst mich davon abzuhalten ihn zu besuchen. Ich will ihn sehen, es ist schon zu lange her."

Langsam nickend sagte Edward:. "Du kannst ihn jetzt nicht besuchen. Warte, bevor du was sagst, du kannst ihn Morgen besuchen okay? Ich habe ihn selbst noch nicht gesehen. Aber Martin Lanebridge hat mir freundlicherweise mitgeteilt, dass er hier in Verwahrsam ist."

Will nickte langsam und ging zur Tür. "Ich will bloss davon sichergehen, dass er nicht schlechter behandelt wird als nötig."

Ein Herzschlag verging, dann sprang Elizabeth auf. "Will," donnerte sie und stemmte die Fäuste in ihre Seiten, " du bleibst schön hier. Du glaubst wohl selber nicht, dass es Jack hilft, wenn du dich nächtlich in seine Zelle schleichst."

Er presste die Lippen aufeinander, er schüttelte den Kopf, "Jack..."

"Ich weiss was du befürchtest Liebster, aber glaub mir, es kann nur schlimmer werden, wenn du dich mitten in der Nacht, heimlich zu ihm schleichst, glaub mir. Was der Richter denken würde? Und du glaubst ja wohl nicht, dass es mir besser gefällt als dir, oder? Ich will ihn auch nicht sitzen sehen Darling."

Will sah zögernd zu Edward hinüber, der still dasass und die beiden ansah, auch er nickte. "Sie hat Recht William, morgen früh wirst du ihn sehen, ich sorge höchst persönlich dafür, dass du eine offizielle Audienz bekommst, okay?"

Ein Moment verging ohne einen Ton, dann leise: "Savvy!"

Es war als ob er bloss Minuten geschlafen hätte, als er unsanft aus der Finsternis gezerrt wurde. "Ey," rief er und bäumte sich auf, als weitere, unsanfte Hände ihn packten. "Scheisskerle!"

Die zwei Wachen sahen ihn bloss stumm an und hielten ihn auf den Knien nieder. Jack wusste besser als sich heftiger zu wehren. Einerseits war die Zellentür geschlossen und er konnte also nicht entkommen und andererseits, sandten seine gebundenen Handgelenke qualvolle Schmerzenswellen durch seinen Körper und sein Rücken brannte noch immer.

"Is ja ganz witzig, eh! Jetzt wollt ihr mich noch verkloppen! Den guten Käp'n Jack Sparrow."

Einer der Soldaten riss seine Klinge in einer flüssigen Bewegung aus der Scheide und setzte sie an Jacks Kehle. Der Stahl presste kalt gegen seine Kehle und der Soldat beugte sich noch näher an Jack heran. "Du verfluchter Pirat," zischte er, "mein Bruder war auf diesem Schiff. Mein einziger Bruder." Jack sah ihn kalt an, "ich hab gar nichts getan Früchtchen."

"Mein einziger Bruder," fuhr der Wächter fort, als ob der Kapitän nichts gesagt hätte. "Aber das verstehst du wohl nicht was? Verstehst nicht was es heisst Familie zu haben, Freunde zu haben, verstehst wohl nicht was es heisst zu lieben, was? Und wenn man liebt, kann man auch hassen weißt du! Und ich hasse dich du Missgeburt. Ich hasse dich vom Grund meiner Seele aus."

Jack schüttelte betrübt den Kopf, "Ich hab nichts getan, savvy? Das war nich meine Schuld, das mit deinem Bruder. Ech nich!"

Die Klinge drückte härter zu und Jack spürte, wie die Haut geritzt wurde. Einige Bluttropfen rannen seinen Hals hinunter und in sein Hemd. Die Augen des Soldaten glitzerten böse und er grinste kalt und voller Rachsucht.

"Und ich weiss sehr wohl was es heisst zu lieben Kleiner, savvy! Ich weiss was es heisst Familie zu haben und zu verlieren."

Eine Faust traf ihn hart ins Gesicht und er stürzte nach hinten.

"Scheisskerl," schrie der andere Soldat und gab ihm einen Tritt in die Rippen. Jack schnappte einen Augenblick nach Atem, bevor er sich von seinen verletzten Handgelenken rollte und ihn ein weiterer Tritt in den Bauch traf.

Er stöhnte und rollte sich weg von den Stiefeln, die nach ihm traten. An die Zellenwand gelehnt, rappelte er sich mühsam auf, Blut tropfte langsam aus seiner Nase. "Feiglinge," zischte er und wich dem Blonden aus, der voller Hass in den Augen auf ihn zu stürzte.

Doch es ging nur einige Augenblicke, bis Jack wieder sicher in Verwahr war. Wieder näherte sich das bleiche Gesicht mit den grossen Augen dem seinen. "Für meinen Bruder wird ich sogar zum Feigling du verfluchter, gottloser Kerl." Seine Stimme war eiskalt und seine Hände waren wie Schraubstöcke um Jacks gefesselte Arme.

Ein Schlag liess den Kapitän nach hinten taumeln, Jack biss die Zähne aufeinander als Schmerzen wie glühende Pfeile seine Arme entlang schossen. Es fühlte sich an, als ob jemand genüsslich seine Handgelenke auseinander zu reissen versuchte. Er stöhnte auf, als ein Tritt ihn traf. Und ein weiterer und noch einer...

Jack konnte noch nicht einmal sein Gesicht schützen, als die Schläge auf ihn niederprasselten und er konnte auch nichts mehr tun, als sich zu einem möglichst kleinen Ball zusammen zu kugeln und das Bewusstsein zu verlieren.

"Oh Herr im Himmel," stöhnte der Commodore, als er vor der winzigen Zelle stand. Er klammerte seine Finger um die Eisenstäbe und streckte die andere Hand stumm nach den Schlüsseln aus.

Die Zellentür ging quietschend auf und der Wächter trat beiseite. Er zeigte kein Mitgefühl, aber Norrington war sich sicher, dass es nicht dieser Mann gewesen war. Denn sein Blick zeugte zwar nicht von Sorge, aber doch Erstaunen und sogar ein wenig Verwundertheit.

Als sich Norrington neben dem Bewusstlosen in die Knie sinken liess hob er leicht die Stimme: "Wer besorgte die Wache durch heute Nacht? Warum haben sie das getan?" Er strich vorsichtig die schwarzen Strähnen aus Kapitän Jack Sparrows Gesicht und schluckte, als die blutigen Züge zum Vorschein kamen.

Der Wächter zuckte ungemütlich mit den Schultern, als ihn Commodore Norringtons eisiger Blick traf und er senkte den Blick. "Bricks und Ellington haben Dienst gehabt, sie sind anständige Männer und gerecht. Sie werden wohl nichts davon gewusst haben."

"Aha," Norrington hob verächtlich das Kinn. "Schön anständige Soldaten der Krone, die zulassen, dass einer ihrer Obhut anvertrauten geschlagen wird obwohl er schon verletzt war und dazu noch unschuldig in dieser miesen Zelle sitzt."

"Unschuldig," schnaubte der Wächter. "Er ist wohl einer der berüchtigtsten Piraten der ganzen Karibik, ja des ganzen Ozeans."

Edward kniff die Augen leicht zusammen, "es ist leicht das zu sagen. Und es ist auch leicht selber schreckliches Übel anzurichten. Könnte es sein, dass die Wachen das selber gemacht haben?"

Der Wächter zuckte die Schultern und murmelte: "Ich habe gehört, dass Bricks Bruder auf dem Schiff war, dass Sparrow vernichtet hat."

Norrington nickte langsam und sah Jack einen Moment lang stumm an und meinte dann: "Hol mir einen Kessel laues Wasser und frische Binden, dann holst du Will Turner, den Schmied und dann suchst du einen Arzt für ihn." Er deutete auf Sparrow, der sich noch immer nicht gerührt hatte.

Einen Augenblick blieb Edward still. Neben dem Piraten kniend, sah bloss auf die stille Figur seines Freundes hinunter. Er musste über sich lächeln. Es war sicher lange gegangen, bis er den Kapitän als Freund akzeptiert hatte, aber irgendwann, hatte sogar er den leicht verrückten Piraten in sein Herz geschlossen und wusste, dass er ein guter Mann war. Ein gerechter Mann.

"Jack," rief er ihn leise und berührte ihn sanft an der Schulter. "Jack?"

Ein leises Stöhnen und ein fast unverständlicher, gelallter Fluch war die Antwort zu einer weiteren Berührung.

Vorsichtig drehte Edward den Piraten auf die Seite und tastete seinen Körper ab. Seine Augen wurden hart, als er die gefesselten Hände fand und mit spitzen Fingern die blauen, angeschwollenen Gelenke abtastete. Rasch zog er sein Messer durch die Fesseln und legte die Arme an seine Seiten.

"Mister Turner?"

Will fuhr herum, "ja?"

"Der Commodore hat gesagt, ich soll sie zum Gefängnis holen."

Erleichtert liess der Schmied seinen Hammer sinken und riss sich die Schürze vom Leib. Den ganzen Morgen, seit er bei Morgengrauen aufgewacht war, hatte er darauf gewartet. Aber er konnte noch eine andere Nachricht in den Augen des Soldaten lesen. "Was noch?"

"Ich muss den Doktor holen, aber sie sollen schon zum Gefängnis gehen."

Will erbleichte und schluckte trocken, er hatte es doch gewusst... Hätte er bloss in der Nacht nach Jack geschaut! "Ist es schlimm?"

Der Wächter zuckte mit den Schultern und nickte dann: "Ich weiss es nicht, aber es war viel Blut da. Will wartete nicht ab bis der Soldat geendet hatte, sondern eilte aus der Schmiede in den sonnigen Morgen hinaus.

Es war wie ein übler Witz. Heute, wo er sich so elend fühlte und sein wahrscheinlich bester Freund verletzt im Gefängnis war, schien die Sonne zum ersten Mal seit Wochen endlich wieder heiss auf die Erde hinunter und brannte auf das stille Wasser.

Als Will die Wachstelle erreichte lief er sofort die wenigen Stufen hinunter, die zu den Zellen führten und fühlte, wie sein Herz noch schneller zu schlagen begann, als dass es ohnehin schon tat.

Es war kalt hier unten und fürchterlich schmutzig. Ausserdem lag ein übler Geschmack in der staubigen Luft. Es roch nach Urin, Schweiss und nach dem eindeutigen Kupfergeschmack des Blutes.

Sein Atem wurde noch einmal schneller als er am Fuss der schmalen Treppe ankam und auf die hinterste Zelle zusteuerte.

"Jack? Ed?" Seine Stimme klang hohl.

"Will? Komm her," rief Edward ihn und sah von der Figur hoch, die neben ihm lag; regungslos."

"Oh Himmel," wisperte Will, als er sich ohne einen Blick auf Edward neben dem Piratenkapitän niederliess. Dreck und Blut war auf seinen Kleidern und obwohl sein Gesicht vom roten Saft frei gewaschen war, blieben noch immer Prellungen und Risse in der Haut zurück.

Will legte behutsam eine Hand an Jacks unverletzte Wange, strich ihm über die verflochtenen Haare, wo er unter der dichten Mähne eine Beule spüren konnte.

"Er ist schon eine Ewigkeit bewusstlos. Und bevor du fragst, ich weiss nur, dass einer der Wächter einen Bruder auf der 'Lolita' gehabt hat, der ebenfalls, wie alle anderen, nicht überlebt hat."

"Er ist unschuldig."

"Ich weiss."

Will zog das aufgeknöpfte Hemd von Jacks Brust und sog scharf den Atem ein, als er die eingesunkenen Rippen und die dunkle Verfärbung sah. "Oh Scheisse."

"Hmm," Norrington nickte und starrte Jack ebenfalls an. "Ich weiss nicht wie viele gebrochen sind, aber es sind einige, das ist klar. Schau dir mal seine Hände an Will."

Will zögerte, er wollte nicht noch mehr schreckliche Verletzungen sehen, andererseits... Er glitt mit den Augen an Jacks Armen hinunter bis zu den schmalen Handgelenken. Sie waren angeschwollen und zu einem dunkeln Blau verfärbt.

Er biss sich auf die Lippe, bis ein winziger Blutstropfen hervorquoll und ihm salzig in den Mund rann.

Seine Augen füllten sich mit Tränen, die er nicht vergiessen würde. Jack war sein bester Freund. Gehörte zu seiner Familie, war ihm ein Vater und ein Bruder gleichzeitig. Er war der Patenonkel seines kleinen Sohnes und er liebte diesen Mann so sehr. Er konnte nicht verstehen, warum ihm das jemand antun konnte. Jack war unschuldig.

"...Hölle... zur Hölle... verdammte... verflucht... zur..."

Dann klappte er die Augen auf und starrte in Wills Gesicht.

Der Arzt hatte Jacks Rippen so gut verbunden wie es ging und Will hatte ihm geholfen das Hemd wieder anzuziehen. Ausserdem, hatte Edward Wasser, Rum und etwas zu Essen kommen lassen und hatte die beiden dann alleine gelassen.

Jack bewegte seine verstauchten, geschienten Hände vorsichtig. Es musste wehtun wie die Hölle und doch hatte der Pirat nie einen einzigen auch noch so winzigen Laut des Schmerzes von sich gegeben. Auch nicht, als der Doktor ihm eine Kräutersalbe auf den langen Schnitt in seinem Rücken geschmiert hatte.

"Wie geht es deiner entzückenden Frau Will? Und was macht Johnny? Ich kann kaum glauben, dass es schon mehr als zwei Monate her ist, dass ich euch gesehen habe."

Will lächelte als er Jack beim Essen zusah. "Es geht uns gut Jack, das weisst du. Aber ich bin besorgt. Um dich."

Jacks Grinsen floh, "hmm." Er wollte vor dem jungen Freund nicht zugeben, dass es eines der ersten Male war, die er ebenfalls Angst hatte. Und wenn er Angst vor etwas hatte, dann traf dies auch meistens ein.

Und dieses Mal hatte er Angst vor dem Tod.

"Ich hab definitiv ne zu tiefe Bekanntschaft zu dieser Zelle, das fin ich auch Junge. Aber da ich nun mal wirklich überhaupt nichs Kriminelles getan hab is die Chance gar nich so klein..."

"Beweise Jack."

"Ah, Beweise," murmelte Jack und gab ein schräges Grinsen. Seine mit Kohl umrandeten Augen funkelten. "Ich hoff du findes was."

Will senkte seinen Blick und schwieg, dann murmelte er: "Ich hab ein schlechtes Gefühl Jack. Und ich weiss nicht wo anfangen. Edward will deinen Prozess gewinnen, aber ich frag mich wie. Wir haben überhaupt nichts in der Hand."

Jack schnaubte und zog die Oberlippe hoch, als würde er sich anekeln, "Prozess, mir? Das glaubs ja selber nich, oder? Die werden mich hängen ohne ein Wort verlauten zu lassn."

Will schwieg und sah Jack nicht an. Natürlich hatte er selber schon daran gedacht. Er glaubte nicht, dass es einen fairen Prozess geben würde. Sicher nicht für den berüchtigten Piratenkapitän. Aber er hatte sich davor gescheut den Gedanken weiter zu vertiefen. Wollte seine Angst nicht noch schüren...

Als Jack ihm die Hand auf die Schulter legte, zuckte er leicht zusammen und sah hoch in Jacks ausnahmsweise mal ernste Augen.

"Ich hab ausserdem was für dich Junge. Sie haben meine Sachen irgendwo da draussen versorgt," er deutete zur Treppe und nickte, " ich hab dir das schon lange mal bringen wolln. Ich hab nachgedacht wo s sein könnte und mir is nur ein einziger Ort in den Sinn gekommen, wo es hätte sein können. Es war auch da und ich habs mitgebracht. Jetzt gehört es dir Will."

Der junge Schmied zog die Brauen hoch, "Definitiv geheimnisvoll," murmelte er und grinste schräg, "ich mag Geheimnisse, "was ist es? Nicht zufällig irgendein verfluchter Schatz oder so was in dieser Art? Etwas Gefährliches?"

Sparrow grinste sein schelmisches Grinsen und schüttelte den Kopf, "unheimlich gefährlich Kleiner. Schau selber nach, was es is. Ich hoff bloss s is noch da und wenn nich, dann hau den verfluchten Kerlen die Köpfe ein Jung, denn es is ganz sicher unbezahlbar, das schwör ich bei der heili'en Mutter Maria."

Will grinste und erhob sich, er war neugierig. Selten brachte Jack ihm oder seiner Familie etwas mit, und wenn, dann musste es wirklich etwas ganz Spezielles sein.

"Ich bin gekommen, weil ich es dir bringen wollte." Will schluckte und sah Jack an, "es wäre besser gewesen, du wärst nicht gekommen Jack. Nicht jetzt. Hast du nicht gewusst, was los war?"

Jack zuckte mit den Schultern und sah ihn bloss intensiv an, "schaus dir an Junge."

Der alte Piratenhut und das Halfter mit Schwert und Pistole hingen an einem Hacken neben dem Treppenaufgang, ausserdem hing Jacks alte Seemannstasche da. Will griff in den einst leuchtenden doch nun verwaschenen Beutel hinein und fühlte neben dem Kompass, einem Messer und einem undefinierbaren, jedoch glitschigen Gegenstand den rauen Lederrücken eines alten Buches.

Jacks Augen bohrten sich in die seinen und er nickte bevor Will die Frage überhaupt stellen konnte, die ihm auf der Zunge lag. Er zog das Buch vorsichtig heraus und riss sich von Jacks schwarzen, tiefen Augen los um das Buch in seinen Händen anzusehen.

Ein Keuchen löste sich aus seiner Kehle und seine Hände begannen zu zittern, als er wieder zu Jack sah, lächelte dieser ihn fast liebevoll an. Und nickte aufmunternd.

Das Buch war in ein dunkelbraunes Leder geschlagen, das sich schon fast auflöste vor Alter und Abgegriffenheit. Die vergilbten Seiten lugten zwischen dem Einband hervor und es war alles in allem offensichtlich ziemlich alt und häufig gebraucht.

In einer gleichmässigen, geschwungenen Schrift, war über den Einband geschrieben: 'Tagebuch von William Turner.'

9. Februar, drei Stunden von Port Astry

'Ich weiss noch immer nicht wie mein Herz das aushalten soll, es schmerzt so sehr. Ich vermisse meine süsse Annabelle so sehr und ich möchte so gerne meinen kleinen Will in die Arme schliessen.

Ich möchte gerne wissen, wie es ihnen geht, ob Annabelle an mich denkt, ob sie weint.

Ich habe geweint, und wie! Ich könnte wahrscheinlich jedes Mal weinen, wenn ich über den ruhigen Ozean schaue.

Das Wasser hat die Farbe ihrer Augen, und so voll Tränen, so voll Liebe...

Ich habe mich nicht, wie vorgenommen, mitten in der Nacht ohne eine Erklärung davongeschlichen. Ich habe ihr von meinem Leben erzählt, von meinem Piratenleben. Und sie hat es akzeptiert, sie hat mich dennoch geliebt.

Ich habe meinen kleinen Sohn auf die Stirn geküsst beim Abschied und meine Annabelle auf den rosen Mund, dann bin ich ohne jedes Gepäck, bloss mit meinem Hut mit der 'Bloody Monday' in die See hinausgestochen.

Westwind, gute, kräftige Bise, die uns bis nach Tortuga tragen wird. Wir werden bald ankommen und meine Erinnerungen, werden die verblassen? Werde ich mit meiner alten Welt so zurechtkommen, wie ich es früher getan habe?

Ich weiss nicht, was ich will

Ich kann die Piraterie nicht lassen, denn es treibt mich auf das Meer und in die Freiheit, doch ich will meinen Sohn und meine liebste Frau nicht alleine lassen und doch... Der Drang frei leben zu können ist so stark, stärker noch.

Und natürlich auch das Gesetz, denn ich werde noch immer gesucht, auch wenn ich es zwei Jahre an derselben Stelle geschafft habe. Irgendein Mal würde man mich hängen und da sinke ich lieber auf den Grund des Meeres.

Ich segle also wieder nach Tortuga.

Suche mir ein Schiff, eine Crew, einen Kapitän und hoffe, dass der neue Tag Freude und Glück mit sich bringt. Und dass ich Annabelle niemals vergesse, auch wenn es so schmerzt dauernd an sie erinnert zu werden.

Es tut so schrecklich weh.

Aber ich reite wieder. Die Wellen unter meinen Füssen tun meinem Herzen gut und der Abstand zum Land ebenso. Meine eine Hälfte wächst, je weiter ich draussen auf dem offenen Meer bin und die andere Hälfte fällt zugleich in winzige Stücke...'

"Das Tagebuch deines Vaters?" Norringtons Stimme klang ungläubig.

Will nickte und liess seinen Blick über das aufgeschlagene Buch mit den zerknitterten Seiten gleiten.

Edward Norrington setzte sich in seinen Sessel zurück und zog die Brauen hoch, es war schwierig zu glauben. "Wo hat er das denn her?"

Will sah den Commodore berechnend an, "ich weiss nicht Edward, aber ich bin mit ganz sicher, dass es echt ist, falls du das meinst."

Seine Stimme klang nur ein wenig scharf, aber Ed hob sogleich abwehrend die Hände und schüttelte seinen Kopf, "nein, so meinte ich das nicht... Bloss, ich frage mich wirklich, woher er das hat."

Der junge Schmied schüttelte nur den Kopf und stützte die Ellbogen auf die Knie, "ich weiss nicht. Aber ich weiss, dass er nur deswegen gekommen ist. Weil er mir das Buch bringen wollte. Vielleicht," er schluckte "vielleicht will er, dass ich endlich meinen Vater kennen lernen kann. Und ihn auch. Ich weis, dass er und mein Vater die besten Freunde gewesen sind."

Die Sonne schien durch die grossen Fenster und erhellte den Raum, machte ihn gemütlich und warm, sogar fast zu warm. Aber Will konnte es nicht geniessen dazusitzen und mit seinem Freund zu sprechen, während Jack im Gefängnis war. Für einen Moment lang sassen die beiden Männer schweigend da. Beide in ihre Gedanken vertieft, dann murmelte Will leise:

"Er ist unschuldig."

Edward seufzte und holte zitternd Atem. "Ja, das weiss ich Will, aber keine Sorge, ich treib schon noch einen Zeugen auf, der die Wahrheit auf en Tisch bringen wird."

"Hmm, ich weiss nicht." Will Turner liess den Kopf auf die weiche Lehne fallen und fühlte sich sogleich als Verräter, als ihm Jack in den Sinn kam, der in Schmerzen in der Kälte sitzen musste und nichts hatte ausser schwarze Gedanken.

"Niemand hat überlebt Ed und ich weiss nicht, was mit der 'Black Pearl' los ist. Und auch wenn wir sie rechtzeitig finden. Auch wenn Jacks Crew rechtzeitig klar wird, was passiert ist, ich glaube nicht, dass sie was ändern könnte."

"Ja, ich weiss, dass es schwierig wird. Aber er ist ein guter und Mann und ein Freund."

"Ich hätte noch vor einem Jahr nie gedacht, dass du das sagen würdest, aber ich stimme völlig mit dir überein. Er ist wirklich ein Freund. Mein Freund Ich...," Will zögerte leicht bevor er leise murmelte: "Ich liebe ihn. Wie einen Vater. Wie einen Bruder, Ed."

Ein breites Lächeln glitt auf des Commodores Gesicht und er sah den jüngeren Mann fast zärtlich an, "ich weiss William. Deshalb tue ich es auch. Ich bin für alles bereit."

"Für was, alles? Was bist du bereit aufzugeben, nur damit ein Pirat nicht sterben muss?"

"Ein unschuldiger Pirat. Und mein Freund.

Er wird nicht sterben, ich werde es nicht dazu kommen lassen. Es ist schon zuviel, was ihm letzte Nacht angetan wurde. Ich werde mit allen Mitteln weiteres verhindern Will. Er wird nicht sterben."

"Jack ist ein bekannter Pirat und sie werden ihn nicht in Ruhe lassen, ich werde nachher hingehen und bei ihm bleiben. Ich weiss, dass ich das kann."

Norrington nickte und seufzte wieder. "Wir haben nur noch wenig Zeit Will, sie werden den Prozess so gleich wie möglich machen wollen und ich hab nur zwei Tage rausschlagen können. Wenn ich nichts finde, müssen wir uns etwas Anderes überlegen, okay? Irgendwelche Fluchtpläne? Wenn nicht, frag Jack, was das Beste ist."

Will lachte auf, "ich soll Jack fragen was das Beste ist?"

"Ja," Edward grinste, "er ist immerhin Pirat."

Es war dunkel.

Dunkel und zu still.

Es roch nicht besser als das letzte Mal, nur noch schlimmer. Der kupfrige Geruch von Blut schien die Luft zu verpesten und die staubige Abgestandenheit durchdrang den ganzen Körper.

Die Dunkelheit war schummrig und nicht wie draussen von den Laternen oder den Sternen aufgehellt. Es war eine fade Dunkelheit. Finsternis ohne den Glanz der Nacht, ohne die Kühle des hereinbrechenden Abends.

"Jack?"

Will verlangsamte seine Schritte noch, als er die ausgetretenen Stufen hinunterstieg. Sein Herz flatterte ohne einen ersichtlichen Grund. Es war bloss wieder dieses schreckliche Gefühl. Warum antwortete Jack nicht?

Es war, als ob das Gefängnis von der restlichen Welt abgeschnitten wäre. Kein Geräusch der lauten Wachen drang hinunter, kein Zirpen der überaus deutlichen Grillen, nichts. Es war zu still. Will hielt an und hielt den Atem an, dann fragte er leise, fast beschwörend: "Jack?" Und noch einmal etwas lauter, "Jack?"

Es hatte zum Teil wirklich Vorteile, Schmied zu sein, und einer davon war, dass er immer Feuer dabei hatte. Will entzündete die kalte Laterne, die er oben bei den Wachen genommen hatte und trat weiter in den Gang hinein.

Jack war in der hintersten Zelle im Gang eingesperrt und Will machte einige zögerliche Schritte dorthin. Er hatte ein übles Gefühl im Bauch und sein Herz flatterte noch wilder. Er musste durch den geöffneten Mund atmen, weil es ihm schien, dass er kaum mehr zu Atem kam. Irgendeine fremde Angst schien seine Luftröhre abzuklemmen.

"Oh Gott," wisperte er rau und seine Hände ballten sich zu Fäusten als er vor der Zelle stand und eine grauenvolle Sicht ihn begrüsste.

Die Laterne gab bloss einen kleinen, schummrigen Lichtkreis und Jacks leblos daliegende Form war nur im Halbschatten zu erkennen, aber das war genug.

Mehr als genug.

Der Pirat war halb aufgerichtet an die Gitterwand gelehnt, die die eine Zelle von der nächsten trennte. Seine Arme waren mit Stricken an das Eisen gefesselt und sein Kopf hing haltlos nach vorne auf seine Brust. Seine Beine waren unter seinen Körper gefaltet und sein Hemd stand offen.

"Oh Herr im Himmel," wisperte Will noch einmal und zwang seinen eingefrorenen Körper dazu umzudrehen. Er stellte die Laterne auf den Boden und rannte die Treppen hoch.

"Ihr verfluchten Kerle," schrie er ausser sich, und stürzte in die Wachstube. "Her mit den Schlüssel! Was habt ihr mit ihm gemacht? Was zum Teufel, habt ihr ihm angetan!"

Die beiden Soldaten, sprangen erschrocken auf, als Will Turner mit lodernden Augen und den Händen zu Fäusten geballt zur Tür hereinbrach. "Sir," stammelte der eine. "Mister Turner," würgte der andere hervor. Sie zitterten, als Wills Gesicht sich verzerrte vor Zorn.

"Warum," stiess der junge Schmied zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, "habt ihr das getan?"

"Aber," protestierte der eine Rotrock schwach, "was ist denn passiert?"

"Ha," schnaubte Will in hilflosem Zorn und hob die Fäuste, "ihr verfluchten...," er wusste, dass es nichts brachte, die Wachen zu beschimpfen und brach ab, einen Fluche murmelnd schrie er sie an: "Gebt mir die Schlüssel und holt sofort einen Arzt, verstanden! Sofort, habe ich gesagt und beeilt euch!"

Die beiden Soldaten sahen sich zuerst bloss verständnislos an, dann knurrte Will wütend und streckte die Hand verlangend nach den Schlüsseln aus, "na los, wird's bald."

Will packte die Schlüssel und schrie den beiden Soldaten noch einmal zu, den Arzt zu holen, dann war er mit einem Satz wieder auf der Treppe und sofort schloss er mit einer zitternden Hand die Zellentür auf.

Die Stille und die Dunkelheit bemerkte er dieses Mal nicht. Sein Herz und seine Sinne konzentrierten sich bloss auf die regungslose Figur auf der anderen Seite der Wand. Und er hörte nicht auf, leise zu flüstern: "Herr im Himmel, oh Jack, Jack... Oh Gott, Jack..."

Zuerst getraute Will sich gar nicht die Stricke durchzuschneiden. Jack Sparrows Körper war so an die Stangen gefesselt, dass seine Arme verdreht an die Stangen gebunden waren. Die Bandagen um seine Handgelenke waren noch da, jedoch war ihr Zweck ein wenig umfunktioniert geworden.

Die weissen Leinenstreifen halfen nun die Fesseln zu verstärken und hielten Jack an die Stangen zurück, anstatt die Gelenke zu schonen.

Will hob ganz sachte Jacks Kopf an und blickte ihm in das verschlagene, und trotzdem noch schöne Gesicht. Seine scharf geschnittenen Züge waren voller Blut, das aus Mund und Nase gelaufen war und ein langer Riss verlief quer über seine Wange.

Als Will mit den Fingerspitzen das Blut fortwischte, drang ein tiefes Stöhnen aus dem geöffneten Mund und Will schrak zusammen. "Jack," keuchte er und hob die andere Hand an seine unverletzte Wange. Doch nichts geschah, als er ihn auch noch ein weiteres Mal rief.

Will konnte hinter sich jemand die Treppe hinuntersteigen hören, doch er drehte sich nicht um, auch nicht, als er die Person scharf Atem holen hörte. Sorgfältig darauf bedacht seinem Freund nicht noch mehr Schmerzen zuzufügen, löste er die Fesseln und liess Jacks Oberkörper in seine Arme gleiten und legte ihn dann auf seinen Mantel, den er vorsichtig unter Jacks zerschlagenem Körper ausgebreitet hatte.

"Was ist passiert?"

Will presste den Mund zu. Er erkannte Lanebridges Stimme, wenn er sie hörte, dazu musste er sich nicht umdrehen um den Kerl zu sehen. Wut stieg in ihm hoch, unkontrollierbare, heisse Wut.

"Das sollte wohl eher ich sie fragen."

Wieder ein scharfes Luftholen und Will schnitt mit allerhöchster Sorgfalt die Stricke von Jacks, nun mit Sicherheit gebrochenen Handgelenken und versuchte die Stofffetzen zu lösen.

"Was soll denn das wieder heissen Turner?"

Will drehte sich noch immer nicht um, "wo bleibt der Arzt? Warum hat man zuerst sie verständigt?"

"Der Arzt kommt," rief ein Soldat, der soeben die Treppe heruntergelaufen kam. Es war ein junger Bursche, dessen Gesicht weiss wurde, als er das Blut sah.

Will blickte nicht von seinem Freund auf, sondern zog die Überreste des Hemdes weiter auf, so dass er die blutigen Striemen besser sehen konnten, die über Jacks Bauch, seine Schultern und seine Brust liefen.

Um seine Rippen war noch immer die Binde gewickelt, nun allerdings zerfetzt und blutdurchtränkt. Will schauderte es, als ihm furchtbare Bilder in den Kopf stiegen. Bilder, was seinem Freund zugestossen sein mochte. Er leckte sich über die trockenen Lippen und spürte sein Herz rasen.

"Ich habe gefragt, was das soll Turner," kam die eisige Stimme wieder von hinter ihm. Will versuchte gar nicht erst eine Antwort zu finden.

Er biss sich auf die Lippe und kämpfte damit nicht einfach aufzuspringen und diesem eingebildeten Kerl eine runterzuhauen.

Daniel Lanebridge war eine überaus abscheuliche Person und Will hasste den Mann von tiefstem Herzen her.

Die Dunkelheit und die sonderbare, dumpfe Stille schien sich wieder einzufinden, als Will sich stumm über seinen Freund beugte und Lanebridge mit verschränkten Armen und hochrotem Gesicht hinter ihm und dem bewusstlosen Piraten stand und ein Loch in des Schmiedes Hinterkopf zu starren versuchte.

Die Stille wurde immer dichter und die beiden Männer schwiegen noch immer beharrlich; der eine zu stur und zu empört, der andere zu sehr damit beschäftigt das Blut aus dem Gesicht des Freundes zu waschen.

Staub, der durch die schnellen Schritte aufgewirbelt worden war, legte sich wieder. Die Geräusche oben aus der Wache, drangen nicht mehr in die Zellen hinunter und die Laterne flackerte bedrohlich. Die Flame wurde noch etwas kleiner, so dass nur noch ein kleiner Schimmer das Gefängnis spärlich erhellte.

Es war eine lange Zeit still.

Als endlich der grau gelockte Doktor die Treppe hinab eilte, hörte man ihn schon von weitem durch das stille Gebäude. Will sah erwartungsvoll auf, als der etwas dickliche Mann die letzten Stufen hinuntersprang und seinen keuchenden Atem zu beruhigen versuchte.

Anthony Blair war ein guter Freund von Will und er war bekannt mit Jack Sparrow.

"Mister Lanebridge," keuchte Blair und nickte dem stummen, strengen Mann zu, dann sank er neben Will in die Knie. "Will? Was ist passiert?"

Der Doktor wartete gar keine Antwort ab, sondern scheuchte Wills zitternde Hände fort und tastete mit eigenen, geübten Handgriffen über Jacks Körper. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er murmelte leise vor sich hin. "...hmm, gebrochen. Schreckliche Sache, Will. Ja... diese Rippen... hmm, völlig verdreht... gebrochen, ganz klar. Hmm, wahrscheinlich verstaucht ...das ist ja die Höhe!"

Je tiefer sich Blair über Jack beugte, desto röter wurde sein Gesicht und desto mehr zerfurchte sich seine Stirn im Zorn, schliesslich erhob er sich wieder und zischte: "Wer auch immer dafür verantwortlich ist," ein langer Blick zu Lanebridge, "derjenige sollte besser hinter Gitter gebracht werden. Was ihm angetan wurde ist wirklich..." Seine Stimme verlor sich und seine Augen wanderten wieder zu Jacks Gesicht.

Will spürte, wie seine Hände, die zu Fäusten geballt waren wieder heftiger zitterten. Er konnte den Blick nicht von Jacks Gesicht abwenden und starrte mit hilflosem Zorn auf seinen besten Freund.

Jedes Mal, wenn er versuchte sich zu beruhigen, kamen ihm Jacks Augen in den Sinn. So lebendig, voller Witz und Ehre. Ja, er war ein Pirat, aber er war gerecht.

Jedes Mal, wenn er versuchte seinen Zorn zu kontrollieren, stiegen vor seinem geistigen Auge Visionen des Schreckens auf. Davon, was man Jack angetan hatte. Die Striemen auf seinem Körper, die blauen Flecken, die gebrochenen Knochen...

Sein ganzer Körper zitterte vor unterdrückter, rasender Wut.

Als ihn Anthony Blair an der Schulter fasste, sah er erschrocken auf, "was?"

Einen Augenblick lang sah Blair bloss in Wills Gesicht und untersuchte die Sorge, den Zorn und die Verzweiflung dort, dann sagte er leise: "Es wird schon wieder gut, Will. Aber wir sollten ihn an einen anderen Ort bringen, ich muss seine Schulter richten und die Rippen und die Handgelenke sollten weicher gelagert werden. Sei so gut und hilf mir ihn..."

"Nein!"

"Wie bitte?" Blair und Will drehten sich um zu Lanebridge, der noch immer mit verschränkten Armen und versteinertem Blick dastand.

"Ich glaube wohl kaum, dass es etwas nutzt, wenn man ihn wo anders hinbringt, ausserdem wird er sowieso hängen, was soll das ganze Getue also? Er ist sowieso schon so gut wie tot."

"Sie verdammtes..." Blair legte Will beruhigend eine Hand auf die Schulter, "Will..."

Will versuchte seinen rasenden, stolpernden Herzschlag zu beruhigen, indem er tief durchatmete, doch er stand auf und richtete sich zu seiner vollen Grösse auf. Er war deutlich grösser als Lanebridge.

Sein Kiefer war so angespannt, dass er zitterte und seine Fäuste waren geballt, "sie haben etwas damit zu tun. Ich weiss es!"

Lanebridge zog spöttisch die Mundwinkel hoch und zischte: "Ach wie niedlich, ich soll diesen Spielzeug- Piraten beschädigt haben? Und wozu, Schmied, soll ich das getan haben?"

"Weil sie ihn hassen," stiess Will hervor, "sie hassen ihn, weil er immer davonkommt. Weil er ihnen Ana-Maria fortgeschnappt hat. Wieder einmal." Wills Stimme wurde immer lauter und er schrie dem stellvertretenden Commodore ins Gesicht: "Und nun könne sie es wie ein kleines Kind nicht mehr ertragen und beschuldigen ihn für etwas, das er niemals getan hat!"

"Also, das," Lanebridges rotes Gesicht hatte alle Farbe verloren und seine Augen waren geweitet, "also das, das verbitte ich mir. Ich kann das nicht glauben. Ich sollte... also bitte..."

Der Mann warf dem Schmied noch einmal einen bitterbösen Blick zu und fuhr dann auf dem Absatz herum. Und stürmte in wenigen, weit ausgreifenden Sätzen die Treppe hoch.

Wills Körper bebte noch immer, doch seine geballten Hände entspannten sich ganz langsam und sein heftiger Atem wurde allmählich wieder ruhiger und er warf Blair, der ihn mit gerunzelter Stirn ansah ein entschuldigendes Lächeln zu.

Dieser seufzte: "Will..."

Ein lautes Stöhnen unterbrach ihn noch bevor er etwas sagen konnte und Will war in einem Satz an Jacks Seite. "Jack!"

Wieder zitterten Wills Hände, aber dieses Mal nicht aus Wut.

Jacks Brust hob und senkte sich wieder unregelmässiger, und seine Mundwinkel zuckten, er versuchte seine Arme zu bewegen und wieder stöhnte er laut und schmerzerfüllt auf.

Blair setzte sich rasch neben Jack und legte ihm die Hand auf die Stirn, "ruhig," murmelte er und versuchte den unruhiger werdenden Jack zu beruhigen. "Will," rief er, " eine bekannte Stimme tut ihm jetzt ganz sicher gut. Red mit ihm, sprich mit ihm, egal was.

Ich will zuerst mal die offenen Wunden versorgen, dann bringen wir ihn woanders hin. Er hat schon zuviel Blut verloren. Also red mit ihm, bitte, versuchte ihn ruhig zu halten!"

Will nickte folgsam und während er Blair zusah, wie dieser das blutgetränkte, zerfetzte Hemd von Jacks Körper schnitt, sprach er in einer tiefen, ruhigen Stimme zu seinem Freund, obwohl er sich weder ruhig noch besonders wohl fühlte.

Je weiter der Doktor das Hemd fortschnitt, desto mehr Striemen wurden sichtbar. Der Stoff klebte an der aufgerissenen Haut und war klebrig vom Blut. Will schluckte mühsam und wisperte, während er sich zu Jack hinabbeugte in sein Ohr:

"Jack, beruhige dich, es ist jetzt alles gut, es wird alles wieder gut, lass uns nicht im Stich. Und jetzt wach auf Jack, wach auf, wir brauchen dich. Ich brauche dich. Oh Jack, komm schon, sieh mich an, ich brauche dich. Ich liebe dich Jack..."

nun, was denkt ihr? Ich hoffe irgendjemand liest das hier, denn sonst... seufz nun ja, ich bin es mir ja gewöhnt, dass es nicht gerade viele deutsche Fanfiction Leser gibt und halt auch nicht unbedingt bei den 'Pirates of the Caribbean'...

Aber falls es jemand gelesen hat, BITTE gebt mir ein Review, wenn es auch bloss klitzeklein ist... BITTE puppydogeyesstare bitte, bitte, bitte D (keine Angst, ich spinn nicht)

Eigentlich wollte ich die ganze Geschichte auf einmal posten, aber dann hab ich mir gedacht, dass ich sie doch in zwei Teilen mach und so, ist s auch geschehen...

Und auch wenn es niemand liest, dann poste ich den zweiten Teil doch noch, g, weil ich Lust habe...



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