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Author of 23 Stories |
Nun noch zu den netten Reviews, die ich erhalten habe:
Vicky23: Vielen Dank für das Lob, das hat mich wirklich gefreut! Die Antwort auf deine Frage wird dir in diesem Kapitel noch nicht präsentiert, aber lies am besten selbst ;)
Ravenclaw2: Naja, so bald hab ich ja nicht weitergeschrieben und das tut mir auch leid, aber jetzt hast du ja endlich ein neues Kapitel zu lesen :)
Viechle: Nunja, die Antworten auf diese Fragen findest du in diesem Kapitel leider noch nicht, aber vielleicht im nächsten, wer weiß? *gg* Ich hoffe, du verstehst es auch jetzt noch, obwohl du den Film nicht gesehen hast...ansonsten kannst du mich ja auch fragen ;)
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Henry seufzte. Konnte er Dorian die Wahrheit sagen oder konnte er es nicht? Schließlich waren er und Dorian schon sehr lange und inzwischen sehr eng befreundet. Doch das hatte ihn nicht davon abgehalten, seinem besten Freund sein düsteres Geheimnis zu verschweigen. Er fühlte sich schuldig, aber immer, wenn er sich in der Vergangenheit vorgenommen hatte, Dorian zu erzählen, warum er manchmal tagelang nicht mehr in dem Haus auftauchte, dass sie gemeinsam bewohnten, hatte er stets einen Rückzieher gemacht und angefangen, über belanglose Dinge zu reden.
Ihre Freundschaft würden die meisten Menschen sowieso als seltsam betrachten. Dass sie entstanden war, war eigentlich nur seiner eigenen Gutmütigkeit zu verdanken. Henry erinnerte sich noch daran, als ob es erst gestern gewesen wäre...
*+*+*+*
Nachdem alle verbliebenen Mitglieder der Liga Alan eine würdige Beerdigung beschert hatten, beschlossen sie, nicht länger beieinander zu bleiben, sondern in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Was hatten sie als Gruppe denn noch großartiges zu erledigen? Das Phantom war tot, der Bestand der Welt somit für zumindest eine Zeit lang vollkommen sicher.
Da sie alle gleich nach der Begräbniszeremonie den frischen Grabhügel schnell, fast schuldbewusst, wieder verlassen hatten, hatte keiner von ihnen mitbekommen, dass sich das frisch aufgeschüttete Grab bewegt hatte, als wollten die Götter Alan wahrhaftig nicht sterben lassen.
Doch jedes Mitglied der Liga war insgeheim froh, sich wieder in seiner vertrauten Umgebung zu befinden und der Alltagstrott, in den sie allzu schnell erneut verfielen, erschien ihnen tröstlich nach all den Strapazen, die sie überstanden hatten.
Keiner trauerte allerdings dem Verräter Dorian Gray hinterher, ihn hatte, wie es schien, eine mehr als gerechte Strafe für seinen Frevel ereilt und somit war keiner, auch nicht Doktor Henry Jekyll, darauf gefasst, ihn jemals lebend wiederzusehen. Das sollte Henry aber schon bald widerfahren.
Es war ein relativ windiger Herbstabend und die feinere Gesellschaft Londons hatte, soweit die feinen Damen und Herren überhaupt einen Hund hatten, einen unglückseligen Menschen der Dienerschaft mit diesem in das drohende Unwetter hinausgeschickt.
Sehr bald kamen jedoch Hund und Begleitung wieder in die Wärme und Sicherheit der teuren Häuser zurück, denn ein aufkommendes Sturmtief war niemandem geheuer, besonders die Stadtmenschen hatten gehörigen Respekt vor der unzähmbaren Natur.
Natürlich alle, bis auf einen Menschen, der so in Gedanken versunken war, dass er bei seinen stundenlangen Spaziergängen überhaupt nicht darauf geachtet hatte, dass das Wetter umschlug und sich nun, als der erste Platzregen niederging, überrascht näher an den Hauswänden hielt, da die überstehenden Dächer wenigstens einen kleinen Teil des niederprasselnden Regens von Doktor Henry Jekyll abhielten.
Doch als zum Regen auch noch heftige Sturmböen hinzukamen, hielt auch Henry es für angebracht, wieder in sein trockenes und einigermaßen sicheres Labor zurückzukehren. Er wollte sich gerade auf den Rückweg machen, als ihn eine Hand von hinten am Mantelkragen packte und mit einer Leichtigkeit, die ihm einerseits imponierte, ihm andererseits aber auch Angst machte, in einen dunklen Hauseingang zerrte.
Eine leise, gefährlich klingende Stimme flüsterte: „Was haben Sie denn in unmittelbarer Nähe meines Hauses zu suchen, Mister? Wissen Sie denn nicht, in was für einer berüchtigten Gegend Sie sich aufhalten? Seien Sie froh, dass ich es bin, der sie aufgegriffen hat, wenn einige weniger skrupellose Gestalten sie hier erblickt hätten, wäre das ihr letztes Gewitter gewesen, dass sie erlebt hätten!"
Diese Drohung, die in der Stimme des anderen mitschwang, diese Hände, in deren Griff er sich gerade befand und an denen bestimmt schon das Blut einiger unschuldiger Menschen wie ihm klebte, machten es Henry nicht gerade leicht, Erleichterung darüber zu empfinden, dass ausgerechnet dieser Mann, wer immer er auch sein mochte, ihn aufgegriffen hatte.
Er versuchte etwas vom Gesicht des Fremden zu erhaschen, doch dieser hielt es absichtlich verborgen und als er ihm einen nicht gerade sanften Schubs in den Rücken gab, blieb Henry nichts anderes übrig, als vor dem Mann in ein düster aussehendes Haus zu taumeln, dessen Besitzer er nun wohl gezwungen war zu besuchen.
Der Mann führte ihn in ein Zimmer, das wohl einmal ein äußerst hübsch eingerichtetes Kaminzimmer gewesen sein musste, doch nun sah der Kamin nicht mehr aus, als wäre er funktionstüchtig und von den Wänden bröckelte bereits seit längerer Zeit der Putz.
Flüchtig fragte Henry sich, wie jemand so wohnen konnte und musste sich beschämt eingestehen, dass ein Großteil der Bevölkerung Londons wohl gezwungen war, so schäbig zu hausen, da sie um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten.
Doch er hatte gerade vollkommen andere Probleme, es war typisch für ihn, sich in einer so schlimmen Situation Gedanken um andere Menschen zu machen, schalt Henry sich innerlich selbst.
„Wer um alles in der Welt sind Sie?"
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch der Mann schien ihn verstanden zu haben, er stand immer noch unbeweglich vor ihm, aber ein zufriedenes und gefährlich aussehendes Grinsen hatte sich auf dem Teil seines Gesichtes ausgebreitet, der für Henry sichtbar war.
Abermals zog der Mann ihn mit sich und sie betraten schließlich einen sehr großen Raum, in dem es unangenehm kalt war. Fast überdimensionale Regale standen in unzähligen Reihen in Kreisform um einen freien Platz, an dem ein Tisch und ein paar Stühle standen.
Plötzlich dämmerte es Henry, wo er sich befand und in welchem Zusammenhang er exakt diesen Raum schon einmal gesehen , ja ihn schon einmal betreten hatte.
„Aber wie kann es möglich sein, dass du am Leben bist, Dorian?", fragte er fassungslos.
Da Dorian Gray es nun nicht mehr für nötig hielt, seine Maskerade aufrecht zu erhalten, schlug er die Kapuze, mit der er bis dahin den entscheidenden Teil seines Gesichts verdeckt hatte, zurück und setzte sich in einen bequem aussehenden Ohrensessel. Nachdem Henry ebenfalls Platz genommen hatte, begann er zu sprechen.
„Es wird dir nun alles sehr seltsam erscheinen, aber du solltest mir einfach einmal zuhören und dir deine eigene Meinung über meine Geschichte bilden. Ich finde, du warst zu lange von der Meinung anderer Leute abhängig.", bemerkte Dorian trocken und fuhr sogleich fort:
„Du fragst dich natürlich, wie es sein kann, dass ich noch lebe, aber die gute Mina hat etwas entscheidendes vergessen...sie hat mitangesehen, wie mein junges selbst immer mehr wich und meinem natürlichen Aussehen Platz machte. Nur blieb sie leider nicht lange genug, um meinen Tod herbeizuführen.
Sie wollte meinen Tod, weil ihr alle mich für einen Verräter hieltet. Nun - in euren Augen war ich das wahrscheinlich auch. Ich musste euch schließlich hintergehen, um das wiederzubekommen, was mir am meisten auf dieser Welt bedeutete, was ich am dringendsten benötigte - mein Bild!"
Dorian sah Henry eine Weile schweigend an und meinte dann:
„Sag mir ganz ehrlich - wenn du in meiner Lage gewesen wärst...was hättest du getan?"