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Author of 11 Stories |
Oh. Mein. Gott.
Ich bin echt erstaunt, dass überhaupt noch irgendjemand diese Story liest, aber anscheinend gibt es doch noch den ein oder anderen Leser, der die Geduld mit mir noch nicht ganz verloren hat... Ich mein, das letzte Update war wann? Am 15. 04. 2010 steht hier... 2010! Oh my...
Na, jedenfalls hat mich eine kleine Fee (Triniti sei Dank! *g*) erst kürzlich daran erinnert, dass hier immer ein paar Leute sehnlichst auf eine Fortsetzung warten, also dachte ich mir - setz ich mich doch wieder dran!
Ich muss gestehen, es gestaltete sich schwieriger als erwartet, wieder in die Story reinzukommen... Nach über einem Jahr musste ich erstmal alles nochmal von vorne lesen, meine Notizen neu druchgehen und überarbeiten, bis ich überhaupt nur daran denken konnte, weiterzuschreiben... Uff...
Aber: Ich hab's geschafft! Hier kommt ein neues Kapitel! Und - tada! - wir nähern uns dem Ende!
Aber jetzt erstmal viel Spaß beim Lesen!
VIII. Time Running Out – Part Two
Kai sah Boris nur verwirrt an. Das Letzte woran er sich erinnern konnte war, dass er Boris den Schlüssel ausgehändigt hatte. Dann hatte er einen harten Schlag gespürt und danach war alles nur noch schwarz. Sein Kopf schmerzte höllisch, er sah alles nur verschwommen und sein ganzer Körper fühlte sich an als stünde er in Flammen.
Mühsam richtete er seinen Blick auf seine Umgebung. Offenbar befand er sich in einem Helikopter. Ray, Tyson, Max, Kenny, Tala, Bryan, Spencer – sogar Luca – allen waren da und betrachteten ihn mit diesen furchtbar besorgten Blicken, die ihm das Gefühl gaben, er könnte jeden Moment in tausend Scherben zerspringen. Er konnte Boris' Lakaien erkennen, fünf an der Zahl, bis an die Zähne bewaffnet. Den Piloten mitgerechnet standen sie also sieben gegen neun. Allerdings wäre es Wunschdenken, wenn er sich selbst in seinem momentanen Zustand als Gegner für Boris' Schergen zählen würde, ebenso wie wenn er Kenny mitrechnen würde. Und was Luca anbelangte, so war er sich dessen kämpferischer Fähigkeiten nicht ganz sicher. Er wirkte eher wie der Gelehrten-Typ… Bryan, Spencer und Tala konnten es mit Boris' Leuten aufnehmen, keine Frage, aber die anderen… Ray war ein guter Kampfsportler, aber Tyson und Max? Nein, das Risiko war zu groß. Sie waren Boris ausgeliefert, egal wie er es drehte und wendete…
Er ließ den Blick zum Fenster wandern und versuchte in der weißen Hölle unter ihnen etwas zu erkennen. Der Helikopter hatte offenbar bereits zur Landung angesetzt, denn der schneebedeckte Boden unter ihnen kam immer näher.
Aber was wollte Boris hier? Weit und breit erkannte er nur Schnee und Eis, eine endlose weiße Ebene. Hier sollte sich das Labyrinth befinden, indem Suzaku versteckt war? Hier? Mitten im Nirgendwo?
Luca sah ungläubig nach draußen. Er wusste genauso wenig wie alle anderen, wo sich der Eingang zum Labyrinth genau befand, aber sein Vater hatte ihm oft davon erzählt, dass es tief unter dem ewigen Eis lag. Luca hatte damals in seiner kindlichen Naivität immer geglaubt, die Geheiligte Kammer läge irgendwo unter dem Nordpol, aber jetzt wurde ihm schlagartig klar, dass auch der äußerste Norden Russlands durchaus als „ewiges Eis" durchgehen konnte. Sollte Boris tatsächlich wissen, wo sich der Eingang zum Labyrinth befindet? Aber selbst wenn, beruhigte er sich im Stillen, laut den Erzählungen seines Vaters war der Irrgarten derart weit verzweigt, dass man ohne den genauen Weg zu kennen ein ganzes Leben durch die Gänge irren könnte ohne Suzakus Kammer jemals zu finden. Und dass Boris den Weg kannte, war äußerst unwahrscheinlich. Die genaue Wegbeschreibung gehörte zum Schlüssel und war nur den Schlüsselwächtern bekannt. Doch Victor und Anna waren tot und Kai hatte sich kaum an den Schlüssel selbst erinnern können – es war mehr als unwahrscheinlich, dass er sich an den Weg durchs Labyrinth erinnerte…
Ein Ruck ging durch den Helikopter und machte alle Insassen darauf aufmerksam, dass sie gelandet waren. Sofort zog Boris Kai grob von der Bank und schubste ihn nach draußen. Tala sah, wie Kai ins Stolpern geriet und sprang ihm gerade rechtzeitig hinterher um zu verhindern, dass der geschwächte Russe Gesicht voran in den Schnee fiel. Wütend drehte sich der Rotschopf zu Boris um.
„Wenn du mit Kai noch irgendwas vorhast, würde ich vorschlagen du hörst damit auf ihn so grob zu behandeln, du Bastard!"
„Aber, aber, Tala", entgegnete dieser mit feixendem Grinsen, „gerade du solltest wissen, dass Kai wesentlich härter im Nehmen ist als die meisten anderen hier."
Tala bedachte ihn mit einem wütenden Blick. Er wusste genau, worauf Boris anspielte. Ja, es stimmte, Kai hatte mehr als einmal die Schläge kassiert, die eigentlich für ihn bestimmt gewesen wären. Und ja, er hatte das deshalb getan, weil er wusste, dass er wesentlich besser mit Boris' Peitschenhieben klarkam, als der Rotschopf. Aber dennoch, Kai mochte hart im Nehmen sein, doch auch er war nicht unsterblich. Er hatte seine Grenze bereits erreicht, das konnte Tala deutlich sehen, und wenn Boris ihn weiter so behandelte, würde er das nicht mehr lange überleben…
„Dort entlang, meine Herren", riss ihn Boris' Stimme aus seinen Gedanken. Er sah den skrupellosen Russen auf eine kleine Erhebung inmitten des Weiß zugehen, während sich seine fünf bewaffneten Männer daran machten, ihn und Kai ebenso wie die Bladebreakers, Bryan, Spencer und Luca Boris hinterherzutreiben. Er kam sich vor wie Schlachtvieh auf dem Weg zum Schafott… Wie sollten sie hier nur jemals wieder lebend rauskommen?
Der kleine Hügel entpuppte sich ziemlich bald als Eingang zu einer Höhle. Er war mit Eis bedeckt und die schmale Öffnung war mit Schnee verweht, so dass es kein Wunder war, dass die Höhle von weitem nicht zu erkennen gewesen war. Boris bedeutete ihnen, ihm ins Innere zu folgen.
Ray war erstaunt zu sehen, dass dort eine grob gehauene Treppe nach unten führte. War das hier wirklich der Eingang zu dem Labyrinth, von dem Luca ihnen erzählt hatte? Er wusste nicht, ob er weinen oder lachen sollte. Das hier war es, wonach sie gesucht hatten! Sie waren auf dem Weg zu Suzaku, von dem Luca glaubte, er könnte Kai das Leben retten! Sie hatten den Schlüssel gefunden, von dem sie nicht geglaubt hatten, dass er noch auffindbar wäre. Boris höchstpersönlich hatte sie zum Labyrinth geführt, das zu finden sie nie erwartet hätten. Sie waren fast am Ziel! Wenn nur Boris und seine bewaffneten Gorillas nicht wären…
Fieberhaft ließ Bryan immer wieder seine Blicke über Boris' Männer wandern. Keine Lücke. Keine Unaufmerksamkeit, nichts. Die Typen waren perfekte Söldner – wie von Boris' Leuten ja auch nicht anders zu erwarten gewesen war… Er musste sich was einfallen lassen. Sie waren hier, am Ziel ihrer Reise, aber so lange Boris die sprichwörtliche Hand am Abzug hatte, war das alles keinen Pfifferling wert! Boris würde Kai für seine Zwecke benutzen und sie dann allesamt umbringen. Verdammt! Wenn ihm doch nur eine Lösung für dieses Dilemma einfiele…
Die Treppe führte immer tiefer in eiskalten Fels hinab. Max konnte spüren, wie ihm langsam die Kälte in alle Glieder kroch – nicht nur vor Kälte… Er hatte enge, dunkle Räume noch nie gemocht, und das hier gab ihm das Gefühl, als steige er in sein eigenes Grab hinunter… Und – welch Ironie – genau das tat er ja auch, oder? Boris hatte unmissverständlich klar gemacht, dass er sie nur als Druckmittel brauchte, um Kai gefügig zu machen. Sobald Kai getan hatte, was Boris von ihm wollte – was immer das auch war – würde er sie alle umbringen. Tolle Aussichten, wenn man bedachte, dass seine einzige Sorge bis vor wenigen Tagen noch darin bestanden hatte, ob er den White Tigers im Kampf auch gewachsen wäre…
Tala verstärkte seinen Griff um Kais Arm, als dieser zum wiederholten Mal ins Stolpern geriet. Besorgt betrachtete er das schweißgebadete Gesicht seines besten Freundes. Er wusste wirklich nicht, wie lange Kai noch durchhalten würde. Er wusste um die Stärke des Russen, er hatte nur allzu oft erlebt, wie er sich – eigentlich schon am Boden und geschlagen – aus einer aussichtslosen Situation wieder hochgerappelt und am Ende den Kampf doch noch für sich entschieden hatte. Aber das hier war kein Beybladematch. Es war noch nicht mal mit einer der harten Trainingseinheiten in der Abtei zu vergleichen. Hier ging es buchstäblich um Leben und Tod. Und Kai war nicht einfach nur erschöpft von einem harten Kampf, er lag praktisch im Sterben, Herrgott! Trotzdem, als Kais Augen sich jetzt mit seinen trafen und er das ungebrochene Feuer in ihnen sah, von dem er nicht geglaubt hätte, dass es noch da wäre, da beschloss er, dass es zu früh war, die Hoffnung aufzugeben. Kai war immer noch Kai, und wenn überhaupt irgendjemand das hier überstehen konnte, dann er. Er musste ihm einfach vertrauen.
Erstaunt beobachtete er, wie Kai die Männer mit ihren Gewehren taxierte. Immer wieder schweifte sein Blick von einem zum anderen, dann wieder nach vorne zu Boris. Was hatte er vor?
Kai bemühte sich, einen klaren Kopf zu bewahren. Irgendwie musste die anderen hier rausholen. Dass für ihn jede Hilfe zu spät kam, damit hatte er sich bereits abgefunden, als Boris ihnen in dem kleinen Antiquitätengeschäft in Moskau aufgelauert hatte. Aber er durfte einfach nicht zulassen, dass die anderen – Tala, Bryan, Spence, die Bladebreakers, selbst Luca – da mit hineingezogen wurden. Er musste sie irgendwie hier raus bringen. Waren sie erst in Sicherheit, würde ihm schon irgendetwas einfallen, um Boris aufzuhalten, und wenn es das letzte war, was er tat. Doch solange er sich um die anderen Sorgen machen musste, waren ihm die Hände gebunden.
Aufmerksam beobachtete er Boris' Männer. Sie schienen sich nicht darum zu kümmern, was sie taten, solange sie nur weiter Boris hinterhertrabten wie Lämmer, die man zur Schlachtbank führte. Und Boris? Er verließ sich offenbar völlig auf die Schlagkraft seiner Lakaien, denn er befand es nicht mal für wert, sich nach ihnen umzudrehen. Gut. Das gab ihm Spielraum.
Tala spürte Kais Ellbogen in seiner Seite und glaubte im ersten Moment, dieser hätte wieder das Gleichgewicht verloren. Doch als er den Kopf wandte sah er zu seinem Erstaunen, dass Kai ihn eindringlich ansah. Er wollte ihm irgendwas sagen… Dann wanderte sein Blick nach unten auf den Boden. Nein. Nicht auf den Boden. Sein Blick fixierte seine Stiefel! Seinen linken, um genau zu sein! Tala wusste sofort, worauf er hinaus wollte, aber das war Wahnsinn! Ja, natürlich, er hatte stets ein Messer in seinem linken Stiefelschafft versteckt, und ja, Kai wusste das. Aber was bitte schön gedachte er mit einem Messer, dessen Klinge – wenn auch höllisch scharf – doch nur zehn Zentimeter lang war, gegen fünf bewaffnete Männer auszurichten? Selbst wenn er in Topform gewesen wäre, wäre das ein Wagnis gewesen. In seinem momentanen Zustand würde selbst ein Kai Hiwatari absolut nichts ausrichten, da war sich Tala völlig sicher.
Doch etwas an Kais Blick ließ ihm keine Ruhe. Da war dieses gefährliche Lodern in diesen tiefroten Augen, das ihm unmissverständlich klar machte, dass Kai einen Plan hatte. Er wusste was er tat, aber er brauchte Talas Hilfe. Genau gesagt, er konnte sie nicht brauchen. Kais Absicht lag so klar auf der Hand, das Tala fast gelacht hätte. Natürlich, es war so einfach… Er gab Kai mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken zu verstehen, dass er verstanden hatte. Er wusste was zu tun war. Nämlich nichts. Absolut gar nichts.
Kai verstand, und im nächsten Augenblick war auch schon alles vorbei. Tala spürte, wie Kai sich neben ihm einfach fallen ließ. Er spielte seine Rolle perfekt. Er versuchte sogar, sich an der glatten Felswand abzufangen, erfolglos. Für jeden anderen sah es so aus, als wäre Kai einfach – wie schon so oft, seit sie hier unten waren – gestolpert. Im selben Moment, in dem er fiel, konnte Tala auch schon das vertraute Gewicht des Messers aus seinem Stiefel verschwinden fühlen. Doch der Rotschopf war ebenfalls kein schlechter Schauspieler, und er wusste genau, was zu tun war. Sofort beugte er sich über Kai, rief seinen Namen, fragte ob alles in Ordnung sei. Eine natürliche Reaktion. Nicht zu übertrieben, aber auch nicht zu gleichgültig. Oh, sie hätten einen Oscar verdient, alle beide! Er half Kai wieder auf die Beine und konnte gerade noch sehen, wie dieser das kleine Messer in seinem rechten Ärmel verschwinden ließ. Die Frage die sich nun stellte war nur: Was bezweckte er damit, jetzt da er es hatte?
Ich weiß, ich weiß, ich geh schon mal vorsorglich in Deckung... ich such mir auch immer die blödesten Stellen zum aufhören aus... Aber ich stand vor der Wahl: Bis zum Ende durchschreiben und euch noch länger warten lassen, oder erstmal hier posten und dann weiterschreiben. Und letzteres klang in den Ohren meiner sadistischen Ader einfach viel verlockender... *fiesgrins*
Hoffe jetzt nur, dass ebendiese sadistische Ader in der Vergangenheit meine Leser nicht überstrapaziert hat und hier wirklich noch jemand ließt...
Na, die Reviews werden zeigen, ob sich noch jemand für's Ende interessiert ;)
Liebe Grüße
Sil