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Anime/Manga » Yu-Gi-Oh » Spiegel, Spiegel
Aramis-chan
Author of 123 Stories
Rated: T - German - Fantasy/Angst - Marik I. & R. Bakura - Reviews: 2 - Updated: 06-25-05 - Published: 06-10-05 - id:2431130
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Disclaimer: Yu-Gi-Oh gehört nicht mir.


1 – Malik.

Das bin nicht ich, dachte er erschaudernd, und starrte auf das grauenvolle Gesicht, das ihm entgegensah.

Das Spiegelbild folgte gehorsam der Bewegung seiner Lippen, als er den Gedanken andeutungsweise laut aussprach, und starrte zurück – aber in seinen Augen lag kein Schrecken.

„Nicht ich", wiederholte er, diesmal laut und klar, aber seine Stimme machte alles nur noch schlimmer, hallte durch den kalten, nackten Raum, wahrscheinlich der luxuriöseste im Schloss, nach dem der Königin – jedenfalls hatte es ein Bett, einen Ofen, ein paar Kerzen, einen dicken, undurchsichtigen Vorhang vor dem einzigen Fenster – und den Spiegel, in dem er sich fast vollständig sehen konnte, und aus dem ihn dunkle Augen unverwandt anzusehen schienen.

Das Gesicht war dunkler als es sein sollte – als sein eigenes es war – aber gleichzeitig blasser, matt: es war leicht grau, und ließ ihn unangenehm an eine Leiche denken. Viele, tiefe Falten durchzogen es; das lange weiße Haar stand wild in alle Richtungen ab, und auf der Stirn leuchtete, mal blasser, mal deutlich sichtbar, ein seltsames Zeichen, das an ein drittes Auge erinnerte.

Nicht ich, wiederholte Malik, einmal mehr, diesmal wieder stumm, und zur Sicherheit fuhr er mit den Fingern über das glatte, faltenlose Gesicht. Das Spiegelbild tat das gleiche, hob lange, knochige und doch geschmeidig wirkende Finger, und streichelte über die eigene Wange.

Du bist ich…

Die Worte ertönten in seinem Geist, laut und klar als stünde der Sprecher direkt neben ihm, nur noch deutlicher. Er starrte die Gestalt im Spiegel an, die die Lippen nicht bewegt hatte, und doch…

Malik unterdrückte seine Regung, sich davonzustehlen und den Spiegel zu vergessen, und machte stattdessen einen Schritt vorwärts, bis er ganz dicht vor dem Glas stand, and starrte herausfordernd hinein.

Von so nahe waren die Unterschiede zwischen der hässlichen Fratze und jenem, den sie darstellen sollte noch erschreckender. Denn Malik war schön, auf eine fast weibliche Art schön, mit dem langen, bis zur gänzlichen Farblosigkeit hell-blonden Haar, den großen tiefen Augen und dem fein geschnittenem Gesicht…

Wunderschön, hallte es durch seinen Kopf, aber es klang spöttisch. Malik warf unwillig den Kopf zurück. Wieder blickte er herausfordernd auf den Gegner, doch im Spiegel sah er nur die entschlossenen aber doch weichen Züge seines eigenen, seines wirklichen Gesichts.

Sein Blick wechselte schnell von Staunen zu einem verächtlichen Lächeln. Falls dies ein Zauber war, so war es ein enttäuschender. Er lächelte sich noch einen Augenblick zu, und trat dann zur Seite; der Spiegel, der gegenüber des Fensters stand, zeigte nun den weiten Wald der sich draußen befand, die Straßen und Dörfer die dahinter lagen, und den trüben Himmel, der über allem ragte… Malik blinzelte. Das Bild schien sich nicht verändert zu haben, aber nun waren darin nur noch ein Teil des Zimmers, und durch das Fenster, ein kleines Stück Wald und Himmel zu sehen. Sein Wald. Und seine Straßen und Dörfer, informierte er einen Stummen Zuhörer. Seines, seines…

Er grinste den Spiegel an, steckte ihm die Zunge heraus – immerhin war er allein – und lächelte. Natürlich, da war noch die Königen, seine Frau, die eigentliche Erbin... Und da war ihr Kind, ein Sohn, der noch kein Jahr alt war. Er schüttelte die langen Haare. Die Herrscherin war keine Gefahr, das wusste er, und das Kind war jung... Und so viele Kinder sterben auch jung, flüsterte eine Stimme in seinem Geist.


Ich.

Wir.

Ich.

Wir.

Ich.

Stille. Aber das Lächeln mit dem das Bild ihm anstatt von Worten antwortete war noch schlimmer.

Ich, sagte Malik nochmals, und starrte hart auf den Spiegel. Du hast nichts damit zu tun. Ich habe dieses Land übernommen. Ich.

Wir haben die Königin vergiftet...

Malik antwortete nicht, wartete bis die Gewissensbisse die bei diesen Worten aufflammten wieder schwanden.

Du, sagte er. Es war deine Schuld.

Jetzt steht dir nichts mehr im Wege, sagte das Bild stumm.

Ich wollte das nicht.

Ich wollte es. Du. Wir.

Ja, fauchte Malik, plötzlich zornig. Ich. Nur ich. Du hast nichts damit zu tun...

Ich habe dich gelehrt ein sicheres Gift zu finden... Ich habe dir den Willen und den Mut gegeben es zu tun... Ich habe deine Hand geführt. Aber es macht keinen Unterschied, hikari. Wir sind eins.

Hikari? Wiederholte Malik.

Licht.

Warum nennst du mich so? Ich habe nichts von einem Licht.

Oh doch, Hikari. Du bist Licht und ich Dunkelheit... Du bist nicht vollständig ohne mich.

Ich glaube dir nicht. Ich brauche dich nicht.

Du hast mir schon oft misstraut. Aber du hast mich immer gebraucht.

Die Worte erfüllten Malik mit Unbehagen, denn er fragte sich nun, warum er den Spiegel nicht weggeben hatte, am ersten Tag, oder später, als er ihm immer öfter einzuflüstern begonnen hatte, ihn dirigierte, von ihm Besitz ergriff. Er hatte mit ihm gestritten. Einmal hatte er ihn zerschlagen – und am nächsten Tag stand er wieder blank und spiegelnd vor ihm, und des faltige Gesicht grinste ihn sardonisch an. Aber er hatte ihn nie weggegeben.

Als ob es einen Unterschied gemacht hätte... Ich bin ein Teil von dir, Hikari, seit jeher. Du hast mich hervorgebracht, obwohl ich schon lange existiere... Ich bin nur an dich gebunden, nicht an diesen leblosen Gegenstand.

Warum habe ich dich dann nie außerhalb davon gesehen?

Fordere mich nicht heraus, Licht. Du wärst machtlos gegen die Dunkelheit.

Malik lachte plötzlich.

Ich brauche dich nicht! Ich habe sie getötet. Ich!

Er sprach laut.

Schweig!

Warum? Warum sollte ich es nicht schreien, mit aller Kraft? Es ist zu spät.

Sie hatte einen Erben

Malik ignorierte ihn.

Niemand wird es wagen sich noch gegen mich zu stellen.

Er brach ab, starrte boshaft auf den Spiegel.

Auch du nicht. Odion! Odion, hierher!

Schwere Schritte hallten vor der Tür, dann öffnete sie sich, und Odion, sein treuester Diener, trat ins Zimmer. Malik war sich nicht sicher ob Odion nicht vielleicht mehr wusste als er sollte. Aber es war unwichtig. Odion war die einzige Person der er vertraute.

„Herr?"

Malik machte eine wegwerfende Handbewegung zu dem nun lehren Spiegel.

„Lass das hier verschwinden."

Odion verbeugte sich.

„Ja, Herr."

Malik drehte sich um, sah keinen Grund sich noch einmal nach dem Spiegel umzusehen, den Odion nun alleine, und scheinbar mühelos hochhob.

Du kannst mich nicht zerstören, Hikari. Flüsterte die Stimme in seinem Geist. Ich bin ein Teil von dir.

Aber Malik ignorierte sie.


Sein Haar war weiß wie Schnee, weich und geschmeidig, und fiel ihm in langen, sanften Locken über die Schultern. Seine Haut war so blass wie der Himmel am frühesten Wintermorgen, und nur die sanften Lippen, die jetzt so unschuldig und freundlich lächelten hatten ein wenig Farbe. Die Augen waren dunkel und tief, und der Blick offen und vertrauensvoll.

Er war ungeschickt und freundlich, höflich, gehorsam gegenüber den Regeln die seine Lehrer und Erzieher ausstellten, empfindlich, schnell traurig und erfreut, empfänglich für Mitleid und berührt durch einfache, ehrliche Gesten. Er war verwöhnt worden aber schlicht geblieben, trotz des frühen Verlust beider Eltern geliebt und umsorgt. Es gab niemanden im Schloss der nicht alles für ihn getan hätte, doch nie hatte er dies ausgenutzt. Offen freundlich gegenüber jedem, aber scheu, zog er sich am liebsten in seine eigenen Zimmer, oder in die Küche, in der er als kleines Kind immer Zuflucht gesucht, und von der Köchin frisch gebackene, noch warme Kekse bekommen hatte, zurück. Oder er saß alleine in dem kleinen, wilden Park bei dem Schloss, selbst jetzt, im Winter, oft mit einem Buch, oder sah nur einfach ins nichts und träumte, wie jetzt, und lächelte.

Malik starrte von seinem Fenster, hinter einem dünnen Vorhang versteckt, auf ihn hinunter.

„Ryou", murmelte er.

Den Namen hatte ihm noch der Vater, der ihn nie gekannt hatte gegeben. Die Mutter – die Königen, seine verstorbene Gemahlin – hatte ihn Bakura genant, und dieser war sein erster Name geblieben. „Kura", nannten ihn die Erzieher liebevoll, bis Malik es irritiert verbot.

Er aber sagte „Ryou", und wiederholte den Namen wie eine magische Formel, und sog dabei die zweite Silbe ein, das ganze, kurze Wort ein einziger Atemzug, ein Stück Leben, und versuchte dabei dieser unerklärlichen Perfektion, vom Klang seines Namens bis zu der kleinsten, ungelenken Bewegung auf die Spur zu kommen.

In wenigen Wochen war sein fünfzehnter Geburtstag. Damit war er, nach den Gesetzen des Königreiches volljährig. Malik hatte den Gedanken immer wieder fortgeschoben, und insgeheim gehofft, auf irgendetwas das alles lösen würde, aber die Zeit wurde knapp.

Natürlich hatte Ryou weder die Fähigkeit noch den Wunsch ihm, sobald er es konnte, die Macht aus den Händen zu reißen und selbst zu regieren. Aber langsam würde er verblassen, verschwinden, seine Berechtigung, da zu sein verlieren. Und in wenigen Wochen würde sich seine Macht in Abhängigkeit wandeln. Er war nur Regent, nicht König.

Ryou stand auf. Seine Wangen waren leicht gerötet von der Kälte, und er zog seinen Mantel enger um sich während er langsam zum Schloss zurückging, und dabei einen Bogen um den noch unberührten Schnee machte. Malik folgte seinen Bewegungen fasziniert. Seine Hände verkrampften sich am Fensterbrett zu Fäusten, und so blieb er stehen, auch nachdem Ryou längst aus seinem Blickfeld verschwunden war.

Du bist gealtert, Malik... Jünger als du, und schöner...

Und mächtiger.

Er rührte sich nicht, aber ein Zittern fuhr durch seinen ganzen Körper.

Du hast nur noch wenig Zeit... in weniger als einem Monat wird niemand mehr dem Befehl folgen...

Er warf sich brüsk vom Fenster zurück und versuchte sein Zittern unter Kontrolle zu bringen.

Doch es wurde nur noch schlimmer. Die Kälte durchzog ihn, und nahm ihm die Kraft seine eigenen Bewegungen zu Kontrollieren. Er stieß einen langen, krampfhaften, erstickten Schrei aus.

Du kannst mich nicht zerstören, hikari. Ich bin eine Teil von dir.

Du brauchst mich...


Starke, sichere Arme hielten ihn fest und wärmten ihn. Warme Flüssigkeit füllte seinen Mund. Ein Teil davon ran über sein Kinn hinunter, bevor er verstand und schluckte. Er atmete tief ein. Mehr von dem warmen Getränk kam über seine Lippen.

„Odion..."

Der Diener legte ihm besorgt eine Hand auf die Stirn. Malik stieß sie unfreundlich beiseite, ebenso die andere Hand, die einen mit warmer, heilenden Suppe gefüllten Löffel hielt, und Stieß die Decke, die bis zu seinem Kinn hinaufreichte weg und setzte sich auf.

Er lag auf seinem Bett; es war noch helllichter Tag, und das Licht, durch den Schnee verstärkt, schimmerte hell hinauf. Odion stand neben seinem Bett, den Löffel noch in der Hand. Er sah müde aus und, im Augeblick, ein wenig verletzt. Malik sorgte sich nicht darum. Odion würde ihm nie etwas nachtragen, ihm nie einen Vorwurf machen.

„Was ist passiert?" fragte er. Das letzte woran er sich erinnern konnte war die plötzliche Paralysie, nachdem er Ryou beobachte hatte.

„Ihr habt in eurem Zimmer geschrieen als würdet ihr ersticken. Als ich kam lagt ihr auf dem Boden und –"

Er hielt inne, und fügte nicht hinzu dass Malik ihn angegriffen hatte. Er hatte versucht ihn zu beruhigen, ihn festzuhalten, aber Malik hatte sich losgerissen. Er war fortgestürmt, zu den Räumen des Prinzen. Endlich hatte Odion ihn einholen können; wieder hatte er sich gegen ihn gewehrt, und Odion war erschrocken vor dem wilden, unwirklichen Blick in seinen Augen. Aber er hatte ihn beruhigen können. Endlich war Malik bewusstlos in seinen Armen zusammengebrochen.

„Ihr wart drei Tage lang bewusstlos." Endete er, nachdem er die Geschehnisse – eine möglichst wahre aber abgeschwächt Version – erzählt hatte. „Heute morgen schien es euch zum ersten Mal besser zu gehen."

Er hatte die ganze Zeit über wach an seinem Bett gesessen. Nur Bakura hatte sich, gegen seinen Befehl, bis zur Tür vordrängen können. Odion hatte ihn nicht eingelassen. Als Bakura von draußen sprach hatte sich der Kranke, der schon öfters im Schlaf gesprochen oder wild um sich geschlagen hatte plötzlich ausgerichtet: seine Augen waren weit offen und leer gewesen. Bakura hatte sich entschuldigt und war gegangen.

„Drei Tage!" wiederholte Malik, und sprang auf.

Drei verlorene Tage, drei verschwendete Tage. Alles durch seine Schuld!

Still! befahl Malik stumm.

Es hatte keinen Sinn zu leugnen. Er, es, wer oder was auch immer es war, war nicht verschwunden. Nachdem er den Spiegel weggegeben hatte, kurz nachdem ihn der Mord an der Königen zum einzigen Herrscher über das Reich gemacht hatte, war Es lange nicht da gewesen. Er hatte den Spiegel der soviel Macht über ihn gewonnen hatte beinahe vergessen. Ishizu, seine ältere Schwester, die er seit ihren Eintritt ins Kloster, zwei Jahre vor seiner Heirat, nicht mehr gesehen hatte war einige Wochen hier gewesen.

Nur manchmal hatten ihn Alpträume geplagt. Nur manchmal war ihm im klaren Wasser eines Teiches ein graues, Faltiges Gesicht erschienen.

Doch seit fast genau einem Jahr hatte sich die grausame Stimme langsam wieder in seinen Geist geschlängelt. Es war Ryou, der sie erweckte, Ryou der nicht an einer Kinderkrankheit starb, Ryou mit seinem schneeweißen Samthaar, Ryou, Erbe, der ihn verdrängen würde.

Die Stimme war laut und fordernd geworden, hatte ihn weder wach noch im Schlaf ruhen lassen; nur Odion konnte sie fernhalten.

„Odion." Sagte er plötzlich. „Was hast du mit dem Spiegel gemacht?"

„Was?" der Diener sah ihn beunruhigt an, und fragte sich, ob das Delirium wieder einsetzte.

„Der Spiegel!" wiederholte Malik ungeduldig. „Der den ich dich fortbringen habe lassen. Vor zehn Jahren..." fügte er hinzu, und erst jetzt wurde ihm bewusst, das seine Frage durchaus unverständlich klingen konnte.

Odion starrte ihn weiterhin verständnislos an.

„Meister Malik, ich weiß nicht..."

„Ein großer, goldener Spiegel!"

Lachen ertönte in seinem Geist.

Gib es auf, Hikari. Er kann sich nicht erinnern... Du unterschätzt meine Macht.

Schweig.

Du verlierst Zeit. Frage nicht ihn. Du kannst mich immer finden, wenn du willst...

Ein Zittern fuhr durch seinen Körper, mit dem sicheren Wissen dass das stimmte, das er leicht, und mit geschlossenen Augen zu Ihm finden würde, wann immer er wollte... wollte!...

„Geh weg", fauchte er ungeduldig, Odions erschrockenes Zusammenfahren ignorierend. Der Diener schien zu zögern, ob er es riskieren konnte, ihn alleine zu lassen: aber schließlich verneigte er sich und verschwand. Malik seufzte erleichtert auf, ohne zu verstehen warum.

Gut. Sehr gut.


Er hatte den Raum noch nie betreten. Es gab keinen Grund für ihn, jemals einen Abstellraum im hintersten Teil des Kellers der Burg aufzusuchen. Bis jetzt.

Aus Angst hinzufallen und ein Feuer zu entfachten hatte er sich nicht getraut eine Kerze mitzunehmen, und das Licht das vom Gang her herüberkam war schwach. Spinnweben streiften über sein Gesicht, er wischte sie ungeduldig weg.

Er kämpfte sich achtlos durch das Gerümpel – es musste seit Generationen hier liegen, meinte er – vorbei an Porzellanpuppen mit dunklen, hohlen Augen, verstaubten Büchern, Kerzenständern mit abgebrannten Kerzenstummeln, einem uralten Spinnrad und einem Webstuhl, alles kaum sichtbar im Halbdunkel, und fragte sich dabei abwesend weshalb der Spiegel nicht ganz vorne und leicht erreichbar war

Endlich sah er ihn, größer als in seiner Erinnerung, mit der goldenen Umfassung, und hell leuchtend in der Dunkelheit, von innerem Licht beseelt wie die Augen einer Katze. Er zitterte.

Ich wusste das du kommst...

Er trat nicht näher, schaute nicht in den Spiegel. Er sah das graue Gesicht auch so klar vor sich, wie es ihn ruhig und spöttisch ansah. Er atmete tief um sein Zittern unter Kontrolle zu bekommen. Die Luft war stickig.

Du weist was du tun musst. Du hast nicht mehr viel Zeit.

Nein. Nein nein nein. Nicht Ryou.

Wir müssen ihn vernichten. Du wirst keine Ruhe finden solange er lebt. Ihn, und Odion.

Odion!

Er fuhr auf, und starrte verärgert auf den Spiegel, obwohl dieser nicht zu weit weg war um auf ihn zurückzusehen.

Niemals Odion.

Du bist dir seiner Loyalität so sicher... du glaubst, weil er dein Bruder war wird er uns nicht betrügen. Aber in Wirklichkeit...

Maliks Mundwinkel verzogen sich verächtlich. Odion des Verrats zu verdächtigen war einfach nur lächerlich.

Er hat den Spiegel fortgebracht und versteckt.

Malik öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Das stimmte. Dennoch, da war etwas anderes, etwas wichtiges...

Er wollte mir helfen, widersprach er schwach.

Stell ihn auf die Probe. Dann wirst du sehen...

Und Ryou. Ryou, Prinz, König, und schön...

... unerreichbar, fern, rein, vollkommen...

Töte ihn jetzt bevor er vergeht, bevor er uns fortstößt, bevor niemand mehr dem Befehl folgt...

Nein.

Schnell.

Er drehte sich um, und verließ den Raum ohne den Spiegel noch ein einziges Mal anzusehen, und er verschloss die Tür hinter sich, rannte zurück hinauf ohne auf die erschrockenen Blicke der Bediensteten auf seinem Weg zu achten, und in seinem Schlafzimmer angekommen warf er den Schlüssel ins Feuer um ihn zu schmelzen.

„Malik? Darf ich eintreten?"

„Ryou!"

Er sprang von seinem Platz vor dem Feuer, wo er fast eine Stunde lang regungslos gesessen war auf.

„Entschuldigung, ich wollte euch nicht stören, aber ich habe gehört es geht euch besser..."

Ryou war zögernd im Türrahmen stehen geblieben. Das sanft gelockte, farblose Haar verdeckte halb sein Gesicht. Die linke Hand hantierte nervös am Türgriff.

„Du... ihr stört mich nicht, Prinz."

‚Prinz' war eine Lüge, eine, die er allem mit Nachdruck eingeprägt hatte, bis sie sie glaubten: Ryou war König, und in kurzer Zeit würde er gekrönt werden...

Ryou lächelte freundlich, und schloss stumm die Tür hinter sich. Malik sah ihn still eine Weile an.

„Ich danke dir, dass du nach mir gefragt hast, Ryou."

Ryou lächelte wieder, ein wenig schüchterner dieses Mal.

„Weist du das niemand außer dir diesen Namen verwendet? Ich hätte nicht einmal gewusst das es ihn gibt, wenn du es mir nicht gesagt hättest."

Malik zuckte mit den Schultern.

„Es wäre schade darum gewesen."

Ryou nickte ein wenig unsicher. Malik war, wie alle anderen, immer freundlich zu ihm gewesen, und hatte für ihn gesorgt, aber er hatte selten mit ihm allein gesprochen. Er wurde kaum allein gelassen, und Malik war fast immer von Odion begleitet.

Er fuhr zusammen als Maliks Finger sanft über seine Wange streichelten, dann unter sein Kinn fassten und es sanft hoben.

Er rührte sich nicht. Er wusste nicht wann Malik sich so nahe zu ihm hinbewegt hatte, so nahe dass er seinen warmen Atem auf seinem Gesicht spüren konnte, und er schloss die Augen als seine Lippen sich leicht auf seine legten, sie fast nur streiften. Aber er blieb regungslos, und erwiderte den sanften, fragenden Kuss nicht.

Er schritt zurück, sah Malik unsicher in die Augen, aber konnte nichts in ihnen erkennen.

Nach kurzem Zögern wandte er sich wortlos ab, und verließ das Zimmer.

Malik hob andeutungsweise einem Arm um ihn aufzuhalten, und ließ ihn wieder fallen.

Vergeblich versuchte er das Lachen in seinem Geist zu ignorieren. Seine Augen wurden dunkel.

Seine Stimme klang fremd, als er rief.

„Odion!"


xxx

Hätte ich die kurze Szene zwischen Malik and Ryou besser weglassen sollen? Sie kommt mir ein bisschen, hm, unfertig vor...

In jedem Fall, review, please!

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