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Schuldvolle Trauer
Feelicitas kam es so vor, als dauerte es Stunden, ehe der Direktor im Grimauldplace eintraf. Doch ihr nervenzerreißendes Gefühl trog sie, denn auf der alten Uhr deren schweres Ticken dumpf durch den Raum schallte, sah man, das kaum Zeit vergangen war. Als Dumbledore aber endlich mit einem Ploppen auftauchte, fand er Feelicitas immer noch auf der Treppe sitzend, aber mittlerweile etwas beruhigter als noch vor einigen Minuten, vor.
„Professor Dumbledore.", stieß sie erschrocken aus und stand auf. Nun hatte sie die ganze Zeit auf ihn gewartet und dann gar nicht mitbekommen, das er gekommen war. Wie schaffte dieser Mann das bloß?
„Miss Lefay, was ist geschehen? Ist noch jemand bei ihnen?", fragte er leise, aber drängend. Feelicitas erschrak ein wenig, sie hatte Albus Dumbledore noch nie in dieser Tonlage reden hören, und vor allen Dingen nicht mit ihr selber. Einen Moment hatte sie das Gefühl, das er Argwohn hegte. Er schien nicht zu wissen was los war, also hätte es ja auch was mit ihr zu tun haben können. Doch der forschende Blick seiner blauen Augen, verebbte nach kürzester Zeit wieder. Feelicitas schaute ihn leicht entgeistert an, ihr fiel plötzlich auf, das sie ihm noch eine Antwort schuldig war. Was war eigentlich geschehen?
„Nein, ich bin alleine, Professor Dumbledore. Ich weiß auch nicht so genau, was los ist. Es gab eine große Aufregung und alle sind fort gegangen. Ich soll ihnen von Severus ausrichten, das Harry Potter in der Mysteriumsabteilung des Ministerium nach dem angeblich gefangenen Sirius sucht. Er hatte so einen Traum oder eine Vision, meinte Severus. Sirius ist mitgegangen, doch er meinte, dass ich ihnen ausrichten soll, dass der Hauself Kreacher etwas damit zu tun hat und... und sie ihn umbringen sollen.", stieß sie hastig hervor und wunderte sich selber, das sie ihren Text so gut behalten hatte, obwohl sie überhaupt nicht verstand was los war. Hilflos schaute Feelicitas, Professor Dumbledore an: „Können sie damit etwas anfangen?" fragte sie leise, aber Dumbledore schien sie verstanden zu haben. Er sah aus, als denke er angestrengt nach und nickte nur abwesend. Erst nach einen kurzen Moment, blickte er wieder auf: „Wo ist Severus jetzt? Befindet er sich wieder in Hogwarts?" fragte er ernst und Feelicitas nickte: „Ja, er war mal kurz hier, obwohl alles drunter und drüber ging, aber dann musste er wieder gehen." Fast schon ein wenig verwundert, fragte sich Feelicitas, warum Severus den Direktor nicht direkt benachrichtigt hatte. Doch da sie die Antwort sowieso nicht ergründen konnte, ließ sie diesen Gedanken schnell wieder fallen und beobachtete Dumbledores Reaktionen.
Er nickte ernst, dann ging er wortlos an ihr vorbei und rief nach Kreacher. Nicht, das er irgendwie böse geklungen hätte, aber Feelicitas vernahm doch einen Hauch von unerbittlicher Autorität in seiner Stimme. Wenn jemand so nach einen rief, dann machte man alles, um diesen Ruf schnellstens nachzukommen.
Feelicitas vermutete mal, das es nicht viele Menschen auf der Welt gab, die diese Gabe hatten. Das sie aber mittlerweile schon mehrere davon kannte, warf doch einige Fragen auf. Aber vielleicht hatte Severus das ja von Dumbledore abgeguckt und sich angeeignet, oder er war von Natur her, schon so veranlagt gewesen. Trotzdem hoffte Feelicitas, das ihr zukünftiger Gemahl niemals so mit ihr umspringen würde.
Feelicitas folgte Dumbledore hastig durch den verlassenen Flur des Grimauldplace und überlegte zurückhaltend, ob dieser weise Zauberer vor ihr, sie jetzt nicht für sehr dumm halten musste, weil sie keine Ahnung hatte, was das alles hier wirklich bedeutete. Kreacher tauchte nicht freiwillig auf, soweit Feelicitas wusste, musste er das auch nicht, weil sein Gehorsam nur blutsverwandten Mitgliedern der noblen Familie Black galt. Aber es war eine weise Entscheidung vom Oberhaupt des Phönixordens, denn sie selber war wohl keine wirklich große Hilfe gewesen, um seine Fragen ausreichend zu beantworten. Feelicitas wusste nicht einmal, was eine Mysteriumsabteilung war.
Sie folgte Albus Dumbledore weiterhin schüchtern und nach kurzen Rundgang durchs Haus, fanden sie Kreacher tatsächlich in der Küche, wo er prustend und lachend vor dem Kamin stand und sich keinerlei Schrecken anmerken ließ.
Den kleinen, alten Hauself so gelöst zu sehen, und mit diesen irren Gesichtsausdruck im Gesicht, war ein Bild, welches in einen Grauen erwecken konnte.
Jedenfalls ging es Feelicitas so, und im ersten Moment war sie geneigt, sofort kehrt zu machen, damit sie durch das nun folgende, ihr Kind nicht gefährdete.
Sie machte auch schon erste Anstalten, doch als Feelicitas dann Dumbledores Ausdruck im Profil des brennenden Kamins sah, beschloss sie zu bleiben.
Feelicitas rechnete aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen im Riddlehaus und unter Voldemorts Fittichen damit, das Dumbledore den Elf nun grausam, aber gerecht bestrafen würde und alles in einer unschön anzuschauenden Aktion enden musste. Doch Albus Dumbledore zeigte keinerlei Anzeichen von Hass und Wut, nein, stattdessen stand in seinen Augen ein dermaßen trauriger und enttäuschter Ausdruck, das Feelicitas an der Türe innehielt und wieder in den Raum zurückkehrte. Niemals würde dieser Mann sich zu etwas unkontrollierten hinreißen lassen. Vielleicht war es doch besser, wenn sie das hier mitbekam. Zumindest glaubte Feelicitas, das die folgenden Minuten ihr komplettes Weltbild verändern konnten.
Sie blieb bei den folgenden Dingen im Hintergrund. Feelicitas wagte nicht den Direktor anzusprechen und ihn womöglich zu stören. Und obwohl sie selber nicht genau wusste, ob sie dem Elfen eigenhändig die Kehle umdrehen sollte, oder ob er ihr schlichtweg leid tat, ließ sie Dumbledore einfach machen. Er würde schon wissen was zu tun war und obwohl es sie in den Fingern juckte, sein Urteil anzuzweifeln, so wusste Feelicitas, das ihre Meinung in dieser Angelegenheit nichts zählte. Und es sah auch so aus, als ob Dumbledores sanfter Weg Wirkung zeigte. Kreacher hörte auf wahnsinnig zu kichern und wirkte plötzlich irgendwie scheu und schenkte Albus Dumbledore einen zurückhaltenden Blick und wenn man nach der Stellung der Ohren ging, auch sein Gehör. Dumbledore redete leise mit ihm, mehr tat er zuerst nicht. Feelicitas hatte noch nie jemanden so verständnisvoll auf jemand anderen einreden gehört und bewunderte den alten Zauberer für seine Gabe.
Psychologisch gesehen, war das ganze sehr interessant. Feelicitas selber hatte genug Erfahrungen mit diesen 'verständnisvollen Verhörmethoden'. Nachdem sie mit gerade mal Dreizehn Jahren soviel Unglück über ihr Umfeld und sich selber gebracht hatte, war sie in die psychiatrische Anstalt von Briancon gekommen. Die Kinderabteilung stand unter der Leitung von Pierre Beauchamp, einen sehr erfahrenen und gutausgebildeten Psychiater. Doch gegenüber dem, was Albus Dumbledore gerade offenbarte, war ihr alter Psychiater ein miserabler Stümper. Oft genug hatte Dr. Beauchamp in den gemeinsamen Sitzungen mehr über Feelicitas und ihre Vergangenheit erfahren wollen, doch Feelicitas verschloss sich ihm gegenüber und so hatten sie es immer etwas schwierig miteinander. Aber jemanden wie Albus Dumbledore hätte sie alles erzählt. Aber das beste daran war, das Feelicitas Albus Dumbledore erst gar nichts zu erzählen brauchte, denn er wusste es vorher schon. Für einen fremden Menschen, wie ein offenes Buch zu sein, war wahrlich kein schöner Gedanke, aber wenn es sich um diesen Menschen handelte, konnte man es gut vertragen.
Doch trotz dessen, das Albus Dumbledore 'nett' blieb, hieß es noch lange nicht, das er nicht auch Antworten von Kreacher haben wollte. Und wenn Feelicitas sich die beiden so anschaute, dann überkam sie doch der Verdacht, das gerade die berühmte Legilimentik angewandt wurde. Und bei dem, was Kreacher durch den Einsatz derselben schließlich erzählte, überkam Feelicitas ein grenzenloser Schrecken und ein ganzer Schwall von Erinnerungen. Sobald auch nur der Name von Narzissa Malfoy in Verbindung von Kreachers Vorhaben erwähnt wurde, fiel Feelicitas plötzlich ein, woher ihr dieser Elf so bekannt vorkam.
Schließlich war er ihr schon mal begegnet und zwar ausgerechnet im Hause der Malfoys. Als Feelicitas damals von Voldemort für ein paar Tage dort abgeladen worden war, hatte Narzissa um diesen Hauselfen fiel Aufhebens gemacht.
Mit Tränen des Entsetzens in den Augen lauschte Feelicitas der grausamen Wahrheit. Wie hatte sie das nur vergessen können? Da sah sie einmal in ihren Leben einen Hauself, der nicht nur gerade putzte oder kochte, sondern einen eigenständigen Besuch unternahm, und dann erkannte sie denselben nicht einmal wieder, wenn sie unter einen Dach lebten. So langsam musste Feelicitas vermuten, das irgendwas mit dem Teil ihres Gehirnes, der Erinnerungen speicherte, nicht stimmte. Ein gestörtes Erinnerungsvermögen war vielleicht ein nebensächlicher Aspekt ihrer Persönlichkeit, aber auch ein schwerer Makel. Oder konnte Feelicitas gar nichts dafür? Lag es vielleicht an irgendeiner Art von Magie? Es geschah ja nicht zum ersten Mal. Es gab so viele Dinge in ihrem Leben, die ihr einmal aufgefallen waren, und zu denen es Erinnerungen gab. Und doch erinnerte sie sich meistens nicht wieder von selber daran, oder nur sehr schwer. Sie wusste nichts mehr, bis etwas zufälligerweise mal wieder erwähnt wurde.
Mit Grauen erkannte Feelicitas das volle Ausmaß, welches sich gerade ausbreitete. Nämlich, dass alles wahrscheinlich nicht so geschehen wäre, wenn sie sich auch nur einmal an die damaligen Ereignisse erinnert hätte. Doch das hatte sie nicht und machte sich deswegen schwere Vorwürfe.
Wenn sie wenigstens an diesem Abend in der Küche gesessen hätte, dann hätte Kreacher keine Möglichkeit gehabt Lügen zu erzählen. Zwar wäre dann ihre Deckung aufgeflogen und sie hätte Harry Potter eine Erklärung geben müssen, doch das wäre es wohl wert gewesen. Wer wusste schon, was in dieser Nacht noch geschehen würde?
Aber wenn Feelicitas sich jedoch den Hauself so ansah, das wilde Funkeln der alten Augen wahrnahm und sich daran erinnerte, dass er sogar den Hippogreif verletzt hatte, wurde ihr bewusst, dass er auch vor ihr und dem Baby nicht zurückgeschreckt wäre und sie ohne Skrupel aus dem Weg geschafft hätte. Sie hatte noch Glück im Unglück gehabt. Feelicitas hörte gerade noch, wie Kreacher mit seiner irren Stimme rief: „Und ich habe es gerne gemacht! Endlich kann ich zu meiner Herrin und dieser unwürdige Verräter ist tot."
Es hörte sich nicht böse oder besonders niederträchtig an. Kreacher war ein unglückliches Wesen, und er lebte ein unglückliches Leben, weswegen also sollte er nicht das Recht haben, sich davon zu befreien?
Dumbledore schien auch genug gehört zu haben, denn er wandte sich ab und hatte es plötzlich eilig. Er verabschiedete sich im vorübergehen knapp von ihr und verschwand dann, um den Orden zu unterstützen. Kurz darauf, hörte man noch die Eingangstüre ins Schloss fallen und dann war Stille. Feelicitas blieb allein mit dem entkräfteten und doch so fanatischen Hauselfen zurück. Sie empfand Kreachers Nähe plötzlich als Bedrohung und so verließ sie fluchtartig die Küche, um auf der Treppe sitzend die weiteren Geschehnisse abzuwarten.
Aber Feelicitas gingen Kreachers letzte Worte nicht aus dem Kopf. Voller Angst hielt sie ihren Zauberstab in der Hand, auch wenn der ihr im Falle eines Angriffs nicht wirklich half, und blickte furchtsam auf die Küchentür. Hoffentlich wendete sich der Hauself in seinem Wahnsinn nicht gegen sie. Aber Kreacher kam ihr nicht hinterher, noch gab er überhaupt einen Ton von sich. Konnten Hauselfen die Zukunft voraussehen? Oder hatte er, wie immer wenn er ihr bisher begegnet war, nur Unsinn geredet und wünschte sich lediglich, das Sirius Black zu Tode kam?
Feelicitas saß lange Stunden da, den Unnützen Zauberstab in der Hand, und harrte der Dinge die da kommen sollten. Irgendwann musste sie wohl eingenickt sein, denn als dann endlich jemand kam, schreckte sie aus ihrem Halbschlaf auf und drückte sich noch tiefer in den Treppenabsatz. Sie sah, dass mittlerweile der Morgen graute. Grau und trüb schien es durch die Fenster der Eingangshalle.
Ein Knacken an der Tür ertönte, welches dumpf durch das Haus schallte und jemand betrat die Eingangshalle. Feelicitas Lefays Hände fuhren erschrocken zu ihrem Mund und sie biss sich auf die Knöchel, als sie drei Männer reinkommen sah. Sie erkannte sie sofort wieder und sah sofort, wer fehlte. Alastor Moody, Remus Lupin und Kingsley Shaklesbolt. Alle drei trugen Mienen, die jede Hoffnungen Feelicitas zunichte machten. Sie starrte die Drei wortlos an. Diese schienen sie jedoch nicht wahrzunehmen und traten erst mal ein und schlossen die Tür hinter sich. Erst als Feelicitas sich leise erhob und in ihr Blickfeld trat, nahm man von ihr Notiz.
„Remus, Mr. Shaklesbolt, Mr. Moody. Was ist passiert? Wo sind die anderen?" Feelicitas näherte sich ängstlich und ihre leise und verzweifelte Stimme klang beinahe atemlos. „Wo ist Sirius?"
Remus antwortete nicht und schaute sie nur lange traurig und leer an. Fast, als ob er genau wusste, was sie dachte, aber gerade überhaupt keine Kraft hatte etwas zu tun, weil es ihm selber schlecht ging. Es war Kingsley, der sich zu ihr umwandte und sich zu einer Antwort erbarmte: „Miss Lefay, es tut mir leid, aber wir dürfen keine Auskunft geben." Warum auch immer er überhaupt etwas sagte, war ihr schleierhaft, schließlich hatten sie noch nie ein Wort miteinander gewechselt. Feelicitas hatte eine ihrer Hände an ihr Gesicht, die andere auf ihren Magen gepresst. Ihr war schwindelig und ziemlich übel, Kingsley schaute sie stumm an, aber ihr war egal was er gerade denken mochte.
„Bitte erzählt es mir.", rief sie nun lauter und drängender. Im hinteren Teil des Flurs flog das Gemälde auf und fing wieder mit seinen wüsten Beschimpfungen an. Kingsley Shaklesbolt ging an ihr vorbei und kümmerte sich darum, die Anderen standen einfach da und warfen sich zögernde Blicke zu.
Natürlich, dachte sich Feelicitas. Einer Schwangeren will man keinen Schreck einjagen. Aber ich sterbe fast vor Ungewissheit.
Immer mehr verdüsterte sich ihre Miene und es war ihr egal, was diese Männer, welche viel älter als sie waren, von ihr denken mochten. Feelicitas wollte eine Antwort, und sie hatte verdammt noch mal das Recht dazu eine zu bekommen. Auch wenn sich wohl darüber leider keiner klar zu sein schien. Alastor Moody schaute sie ernst an und Feelicitas hielt dem Blick stand, obwohl sein Auge sie irritierte. Er verdrehte sein normales Auge und dann stöhnte er trocken und stützte sich erschöpft an untersten Pfosten des Treppengeländers ab. Jedenfalls sah er erschöpft aus: „Mädchen, wir können es dir erst sagen, wenn Potter seine Geschichte erzählt hat. Wir wissen auch noch nicht sehr viel.", antwortete Moody schließlich rau. Er gab sich erst gar keine Mühe das Schreien zu übertönen, seine Worte waren dennoch gut zu verstehen. Was hat das denn damit zu tun?
„Wo ist Sirius und was ist mit Dora?" Feelicitas wollte sich nicht einfach so abweisen lassen. Sie war nicht nur ein Mädchen und ein außenstehender Gast in dieser Angelegenheit. Sie war auch eine von Sirius Freunden und wenn es auch nie ein Wort unter ihnen gab, das am nächsten Tag nicht wieder vergessen sein musste, dann hatte sie doch das Recht die Wahrheit zu erfahren. „Sind sie tot?" Feelicitas musste die Stimme erheben, um verstanden zu werden. Sie klang, aufgrund vergossener Tränen und vor lauter Anspannung, schrill und brüchig. Es erschien ihr so irreal, das sie sich jetzt in dieser Situation befand: „Sagt mir bitte, was geschehen ist." Flehte sie eine Spur zu hysterisch.
„Schlammblut, Halbblüter! Schlampe und Missgeburt-" ertönte es in ihren Rücken erneut wieder. Feelicitas nahm es so klar war, das sie sich einen Moment wunderte, wen Mrs. Black wohl mit welchen Wort bedachte. Remus, welcher bis jetzt müde und stumm an der Wand gelehnt stand, zog plötzlich seinen Zauberstab hervor und näherte sich mit leerer Miene Kingsley, der erfolglos mit dem Bild kämpfte. „STUPOR!" rief er laut, aber etwas brüchig. Und gerade diese Verletztheit, brachte Feelicitas dazu alle Hoffnung fahren zu lassen. Remus Lupin war Sirius engster und ältester Freund, und auch mit Dora Tonks war er sehr eng befreundet. Es musste einfach so sein, das jemand zu Tode gekommen war. Die Nacht hatte zumindest ein Opfer fordern müssen. Feelicitas wusste es war falsch, aber ein Teil ihrer Seele hoffte ohne jegliche Skrupel, das Sirius vielleicht doch noch lebte, aber das es dafür Tonks das Leben gekostet hatte. Und deswegen konnte sie sich nicht einmal schlechter fühlen, als es sowieso schon war.
Remus versuchte abermals, Sirius Mutter ruhig zu stellen. Doch der Lähmzauber half nicht sehr viel, man konnte es wieder mal nur schaffen, indem der Vorhang endlich zu blieb und Ruhe einkehrte.
Wenig später kamen die Weasleys und Molly Weasley nahm sich endlich Feelicitas an und steckte sie, weil sie einen Schock erlitten hatte, in eine Decke. Molly schimpfte mit den Männern wegen ihrer Unfähigkeit, doch diese waren nicht gerade geneigt, sich wegen Feelicitas irgendwelche Schuldgefühle einreden zu lassen. Immerhin brachte die Anwesendheit von Molly auch Antworten. Scheinbar standen diese ihr als Mitglied des Ordens auch zu und so mussten die Männer ihr welche geben.
Alles war noch viel schlimmer, als Feelicitas es sich jemals hätte ausmalen können. Sie hörte von der Verschwörung, von einen Kampf, einer Konfrontation zwischen Albus Dumbledore und Lord Voldemort und von gefangengenommenen Todessern. Molly schien das alles sehr interessant zu finden und wollte die Geschichte so ausführlich wie möglich hören, bevor am Ende endlich feststehen würde, wer tot war. Sie hatte ihren Sohn Bill dabei, und auch der Rest der Familie schien in Sicherheit. Feelicitas schaute sie schräg an und für diesen Moment hasste sie Molly Weasley. Diese Frau hatte Sirius Black nie so richtig leiden können, genauso wenig wie Feelicitas selber. Sie kümmerte sich, sie machte und tat, aber in der Tiefe ihres Herzens hatte Molly Weasley trotzdem Vorbehalte.
Dennoch konnte kein Hass der Welt, jemanden von den Toten zurückholen und so kamen sie bald ans Ende der Geschehnisse. Dora Tonks war nicht das Opfer dieser Nacht. Sie lag durch den Kampf schwer verletzt im St. Mungo und musste sich erholen. Aber Sirius Black war nicht mehr. Feelicitas verstand nicht wirklich was geschehen war. Sie wusste nicht, was ein Todesschleier war und was das alles bedeutete. Aber es gab keine Leiche und niemand konnte genau sagen, was im Inneren dieses Bogens vor sich ging, der ein altertümlicher Hinrichtungsort war. Feelicitas erschien es so, als wollte es auch niemand sagen. Sirius Black war also in einen Todesschleier gefallen. Nicht mehr, nicht weniger. Er war tot. So tot, wie es nur ging, wenn man einfach ohne Spuren zu hinterlassen verschwand. Er war tot und er würde nie wieder zu irgendwem zurückkehren.
Endlich herrschte Gewissheit und Feelicitas bekam nur noch dunkel mit, das überhaupt nichts gut war. Es war ihr alles so egal. Auch, dass in diesem Moment vielleicht dem Einen oder Anderen aufging, dass die vielen einsamen Stunden mit Sirius nicht ganz so waren, wie dieser immer behauptet hatte. Aber vielleicht dachten sie auch alle nicht so weit, und hegten nur für sich selber den Eindruck, das Feelicitas sich grundlos aufspielte. Feelicitas fühlte sich unverstanden und ausgegrenzt, aus dieser Gemeinschaft. Sie gehörte nicht dazu und das einzigste Bindeglied, welches sie besessen hatte, hing jetzt in einen unergründlichen 'Nichts' herum. Bevor das wilde Treiben von Ordensmitgliedern einsetzte verließ sie den Raum und legte sich ins Bett, um dort Vergessen zu finden.
Den nächsten Tag verbrachte sie in ihrem Zimmer und weinte stumm Tränen vor sich hin. Zudem hatte sie auch plötzlich eine unheimliche Angst eine Fehlgeburt zu bekommen. Feelicitas wusste, das war Unsinn, und doch konnte sie sich nicht davon losmachen. Sie fürchtete sich, das kleine Leben unter ihrem Herzen zu verlieren und wieder völlig alleine zu sein. So wie es immer war. Verlassen von allen und unverstanden von allen. Und deswegen regte sie sich so wenig wie möglich, und blieb einfach liegen.
Feelicitas weinte, doch irgendwie hatte sie das Gefühl, das es nicht besser wurde und der Schmerz sich immer tiefer in sie hereinfraß.
Noch vor einigen Jahren hätte sie sich nichts anderes gewünscht, als sich in die Arme ihrer Pflegemutter zu stürzen, die zwar nicht viel verstand, aber viel ertragen konnte. Doch spätestens seit dem ersten Tag in Voldemorts Händen, hatte sie diesen Wunsch nie wieder verspürt. Feelicitas konnte sich nicht mehr trösten lassen, denn kein Mensch in ihrer Welt, konnte ihr helfen. Doch irgendwann hatte sie keine Tränen mehr und fiel wieder in unruhigen Schlaf.
Als Feelicitas erneut aufwachte, war es späte Nacht und sie hatte heftigen Durst. Sie schlich sich im Dunkeln die Treppe hinunter und war dankbar dafür, dass keiner mehr dazu sein schien, obwohl sie wusste, dass irgendjemand wohl bei ihr im Haus geblieben war. Eine Stimme sprach sie plötzlich an und der Klumpen in ihrem Magen schien noch schwerer zu werden. Sie schaute sich panisch um und entdeckte ein Portrait, mit einem von Sirius Ahnen.
„Ms. Lefay, nicht wahr?"
Sie hatte ihren Zauberstab gezogen, doch das Bild des Zauberers in einem grünen und silbernen Umhang wollte ihr nichts tun. Bilder waren nur selten so bösartig, wie Mrs. Black und selbst wenn, außer böse Worte zu speien konnten sie nichts.
„Phineas Nigellus?", fragte sie leise, obwohl sie es eigentlich wusste.
„Natürlich. Ich suche schon seit Stunden nach jemandem, aber keiner ist bisher gekommen. Sagen sie, was ist geschehen?" Das fragte er ausgerechnet sie. Feelicitas ätzte es an. Alle wollten von ihr wissen was los war, aber niemand gestand ein, das sie einfach 'da' war und dazu gehörte. Doch er schien nur besorgt zu sein und keinerlei Spitzfindigkeiten zu beabsichtigen, das sah man eindeutig.
„Sirius ist tot.", sagte Feelicitas leise und stutzte, es war das erste Mal, das sie es laut aussprach. Es tat irgendwie gut und so wiederholte sie es noch einmal, ganz für sich. Sie ignorierte Phineas und machte sich weiter auf den Weg nach unten. Doch Phineas holte sie ein, wobei er sich von Rahmen zu Rahmen fortbewegte. Seine Augen waren verengt und er sah ungläubig aus. Der Künstler dieses Bildes musste ein wahres Genie gewesen sein.
„Nein, sie müssen lügen." Fauchte er ungeduldig.
„Es ist wahr, ich lüge nicht.", sagte sie tonlos, erhielt aber nur ein schnauben.
„Dummes Mädchen, er war der letzte seiner Linie, es kann einfach nicht stimmen."
Nichts anderes wünschte sich Feelicitas und doch wusste sie, das die Welt nicht so lief. Vor ihr ihm Rahmen hing ein gebildeter Mann, der einmal Direktor von Hogwarts war und doch hatte er keine Ahnung.
„Ach nein?" fragte sie zurück: „Der Tod achtet auf so was aber nicht. Oder ist man damals bei ihnen nur gestorben, wenn man sein Lebenswerk vollendet hat? Ihnen ist Sirius doch ganz egal. Und selbst wenn seine Linie durch mich weitergeführt worden wäre, was aufgrund meiner körperlichen Gegebenheiten nicht mehr möglich war, das hätten sie doch auch nicht gewollt. Sie wären doch nie zufrieden gewesen.", fragte sie spöttisch mit einer riesigen Spur von Geringschätzung. Wenn Feelicitas wütend war, dann achtete sie nicht mehr darauf, wen sie vor den Kopf stieß. Phineas Nigellus Portrait ließ sich so was aber nicht gefallen. Scheinbar hatte er seinen Schrecken über den Untergang des Hauses Black für einen Moment in den Hintergrund gestellt: „Junge Menschen sind oft hochmütig, junge Dame. Nehmen sie meinen Rat an, und legen sie diesen offensichtlichen Zug ab, falls sie noch mal etwas im Leben werden wollen." Sagte er gedehnt, und musterte sie mit auf die Ellenbogen gestützten Armen auf dem Bilderrahmen.
Feelicitas hatte sich eigentlich schon zum gehen gewandt, doch nun hielt sie inne, einen Fuß auf der nächsten Treppenstufe, und blickte auf das Gemälde. Phineas Nigellus blickte scharf zurück. Wie ein alter Schuldirektor gegenüber einer kleinen Schülerin. Feelicitas Augen wurden schmaler und sie stützte die Arme in die Seite: „Du bist nur ein blödes Bild, welches hier seit Jahrhunderten rumhängt und sich langweilt. Ein Abklatsch einer wirklichen Person, mehr nicht. Also komm mir nicht damit, das du es dich anmaßen darfst, etwas über mich zu wissen." Zischte sie ungnädig zurück. Phineas Nigellus zog nur eine Braue hoch: „Die Lebenserfahrung, welche ich besaß, als der Tod mich ereilte, und die mit in dieses Bild gepackt wurde, wird wohl die ihrige bei weiten übertreffen, Miss Lefay. Und 'Jahrhunderte lang herumzuhängen' trug dazu bei, das man das ein oder andere aufschnappt. Gemeinhin befasse ich mich nicht weiter mit Subjekten zwiespältiger Herkunft, wie es sie in jüngster Zeit in diesen Haus nur zuhauf gibt. Aber solche wie sie es sind, sind offensichtlich einiger Erkundigungen wert. Man sieht es ihnen an ihren Blick an." Sagte das Portrait trocken und Feelicitas kam näher: „Was soll das heißen, man sieht es an meinen Blick an? Schiele ich etwa?" fragte sie gereizt und Phineas lächelte: „Durchaus manchmal, aber darauf kommt es nicht an. Bezwingen sie ihren angeborenen Hochmut, denn es haben sich zu meinen Lebzeiten genug ihrer Art vor meinen Pult und in meinen Haus einbefunden. Und im Laufe der letzten Jahrhunderte sah ich sie kommen und schließlich fast untergehen." Er hielt kurz inne und Feelicitas versuchte nachzurechnen, wen er gemeint haben konnte. Er meinte frühestens ihre Urgroßeltern, aber soweit gingen die Einträge im Standesamt nicht. Fast, als ob er ihre Gedanken gelesen hatte lächelte er leicht hinterhältig: „Wenn wir annähmen, das es zu einer Verbindung zwischen ihnen und meinen letzten Nachkommen gekommen wäre, dann hätte es mir persönlich nicht gefallen, aber sie sind jung und es besteht noch Hoffnung. Es ständen bald einige interessante Sachen auf dem Wandteppich in der Halle. Aber wie gesagt, solche Dinge sind zumindest meiner Meinung nach nebensächlich."
Feelicitas verstand nicht, was er überhaupt sagen wollte, sie hatte auch gar keine Lust weiter mit einen Bild zu reden. Doch einen Moment war sie verwirrt, hatte nicht schon das Gemälde von Sirius Mutter irgendwas wegen ihrer Herkunft von sich gegeben?
Phineas schaute sie erwartend an, doch Feelicitas fühlte sich zu verwirrt um zu antworten und so ging sie in die Küche, wo bereits Remus zusammen mit Molly und ihrem Sohn Bill saßen.
Diese konnten auch nicht schlafen und so setzte sich Feelicitas mit einem Glas Wasser neben sie und sie schwiegen still bis zum Morgen. Vielleicht war es ungerecht gewesen, den anderen zu unterstellen, das sie, sie hassten. Vielleicht war Molly Weasley gar nicht so, wie Feelicitas gedacht hatte. Vielleicht lag es nur an Feelicitas selber, das man sich von ihr fernhalten wollte. So war es doch schon immer. Feelicitas zog Unglück an, und wer wollte da schon mitgerissen werden? Durch das Küchenfenster sah man den Morgen dämmern, aber man konnte nichts tun, es war einfach geschehen und nichts ließ sich mehr ändern.
Doch Feelicitas machte sich weiterhin bittere Vorwürfe, die sogar ihre Trauer überwogen. Sirius war tot. Das sagte sich so leicht und doch war es so schwer zu ertragen. Feelicitas glaubte nicht an einen Gott und ein Himmelreich mit allen sinnlichen Freuden, die einen auf der Erde verwehrt geblieben waren. Obwohl ihre Pflegemutter eine sehr christliche Person gewesen war und mehr oder weniger erfolglos Feelicitas diesen Glauben nahe legen wollte. Vielleicht war es auch gerade dieses angestrengte Getue von Adelaide de Fresy, Feelicitas vom Heidentum und Atheismus abzubringen, das sich eben jene so abgestoßen fühlte. Ihrer Pflegemutter mochte es ja helfen, in schweren Zeiten Trost beim Gebet zu finden, deswegen war Adelaide auch ein so herzensguter und gelassener Mensch: Doch für Feelicitas war das nichts. Alles was sie mittlerweile von der Welt wusste, war, das es keinen Gott gab. Keinen Gott, der die Menschen dazu verdonnern wollte, irgendwelche von Menschen erstellten Regeln aus heiligen Schriften einzuhalten, und sie ansonsten in die flammende Hölle zu stoßen.
Das hieß aber nicht, das sie nicht glaubte. Feelicitas glaubte an vieles, und je mehr sie in der Welt herumkam umso offener wurde sie. Feelicitas Grundsatz hieß deswegen nicht Religion, sondern Ethik. Man durfte nicht töten, klauen, ehebrechen u.s.w., nicht weil es irgendwo in Bibel, Koran oder Talmud stand und die Götter rachsüchtig waren und es eine Sünde war. Nicht einmal, weil es Dinge gab, die 'böse' oder 'gut' waren, sondern weil man für sich selber wissen musste, das es nur Unglück brachte und anderen Menschen wehtat.
Und so war es auch mit dem Tod. Wenn man die Augen öffnete, dann gab es etwas, das größer als der Tod war und sich der Kontrolle der Menschen entzog. Es gab eine Macht im Universum, aus der alles bestand. Um das zu erkennen, brauchte Feelicitas keine Bibel zu lesen, oder populäre Filmreihen zu kennen, ein Blick aus dem Fenster genügte und man sah, das Leben etwas kostbares war.
Und auch wenn Sirius Black, weder für seinen Harry Potter, Remus Lupin, die Anderen oder auch Feelicitas nie mehr da sein konnte, sie wusste, da wo er war, ging es ihm gut. Und sie hoffte, das er da, wo er war, sich keine Sorgen mehr machen musste, das er nicht hier sein konnte. Nicht, das Sirius alles egal sein sollte und er nicht mehr an sie alle denken sollte, aber ein wenig Ruhe und Erlösung von dem, was ihm schreckliches widerfahren war, das gönnte sie ihm aus vollen Herzen.
Sirius war tot, aber Feelicitas war noch da und musste sich dringend ihre Selbstvorwürfe von der Seele reden. Und schließlich erzählte sie den anderen am Küchentisch mit leisen Worten von ihrer ersten Begegnung mit Kreacher bei den Malfoys und dass sie es doch eigentlich hätte merken müssen, dass so was wichtig wäre. „Ich hätte so was nicht vergessen dürfen. Wenn ich doch nur aufmerksamer gewesen wäre.", sagte sie traurig. Darauf hin brach Remus sein beharrliches Schweigen und schaute sie mit leeren Augen an: „Das hat nichts zu sagen, Feelicitas. Es gab so viele Anzeichen und keiner hat sie bemerkt. Selbst wenn du noch davon gewusst hättest, wir alle hätten es nicht als wichtig erachtet."
Doch so sehr Remus auch recht hatte, sie würde sich bis zum Ende ihres Lebens Vorwürfe machen, zumindest auch etwas Schuld zu haben.
Fortsetzung folgt...
Feelicitas: Ich bin so traurig, und gleichzeitig...
Ich: Was denn?
Feelicitas: Ich... ich hatte eigentlich immer damit gerechnet, das der Tag kommt, an dem ich ihn nie wiedersehen werde. Das er Tot ist, ist da nur nebensächlich. Unsere Wege hätten sich sowieso getrennt.
Ich: Du bist richtig traurig, aber du musst es für dich behalten. Es tut mir leid, das ich deine Geschichte nicht anders schildern konnte. Ich habe das fünfte Buch extra noch mal am Ende durchgelesen und weiß, dass bei mir Dinge etwas anders laufen, als es Harry erzählt wird. Doch Dumbledore wird Harry nichts von dir erzählen, denn du bist untergetaucht, also wirst du einfach ausgelassen und was ich in meiner Geschichte dich sagen lasse, wird dann im Original halt so hingestellt, dass es andere gesagt haben. Ist halt einfacher, wenn man dem störrischen Harry alles so erzählt.
Feelicitas: Ja? Ich kenne das Buch nicht, aber du scheinst dich ja ziemlich danach zu halten.
Ich: Ja. Gefällt mir am besten so.
Feelicitas: Jetzt, wo du sie noch einmal bearbeitet hast, bin ich zufrieden. Mir fehlt nur noch ein wenig mehr Details, was unsere gemeinsamen Nächte angeht.
Ich: Ein Rückblick?
Feelicitas: Mhmmm...
Ich: Mal schauen was ich machen kann...
Fortsetzung folgt...
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