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Books » Harry Potter » The Darkness arounding us
Feelicitas Lefay
Author of 12 Stories
Rated: M - German - Tragedy/Romance - Severus S. & Sirius B. - Reviews: 39 - Updated: 02-23-06 - Published: 10-04-05 - Complete - id:2604878
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The darkness arounding us

Kapitel 12

Neues Leben

Feelicitas hatte der Tag sehr angestrengt und seit Stunden taten ihr schon die Füße weh. Unmittelbar nach dem Apparieren hatten sie sich in einer recht trostlosen Gegend wiedergefunden. Es stank und in der Nähe war das Rauschen eines Flusses zu hören. In der herrschenden Dunkelheit konnte man undeutlich einen Fabrikschornstein sowie eine Ansammlung von Häusern, die alle gleich grau und leicht verkommen aussahen, ausmachen. Die Straßenlaternen spendeten nur stellenweise Licht, so dass der größte Teil der Straße im Dunkeln lag. Überhaupt hätte sie nie gedacht, dass Severus Snape in einer derart herunter gekommenen Gegend wohnen könnte. Irgendwie hatte sie eher eine Mischung aus Grimauldplace und Malfoy Manor im Kleinformat erwartet. Andererseits, wenn man Severus Muggelabstammung in Betracht zog. Wahrscheinlich hatte er das Haus von seinem Vater geerbt, doch wo war dieser dann untergebracht?

Spinners end stellte sich sogar als noch trostloser heraus, als es nach dem ersten Eindruck schien. Die Häuser waren wohl von ihren Besitzern aufgegeben worden und ausgerechnet vor dem schlimmsten hielten sie an.

„Lass mich raten, das ist ein altes Erbstück deiner Eltern. Deine Mutter muss eine starke Frau gewesen sein, wenn sie bei diesem Anblick nicht schreiend weggelaufen ist.", murmelte sie leise und wartete darauf, dass Severus ihr die Tür öffnete. Als sie seinem Blick folgte, entdeckte sie ein paar Eulen auf dem Dach.

„Wenn sie es mal getan hätte.", entgegnete er. „Doch damals war die Fabrik noch offen und hier sah es etwas anders aus. Jedenfalls nicht so verfallen.", fügte er noch hinzu, als er ihren ungläubigen Blick sah. Sie schaute sich noch mal genau um. Eileen Prince hatte eindeutig ein Schräubchen locker gehabt, als sie beschloss den Besitzer dieses Hauses zu ehelichen. Vor ihrem inneren Auge sah sie einen einfach aussehenden kleinen Mann, der nicht viel zu bieten hatte, weder materiell noch geistig und eine Frau, die Severus ihr Aussehen vermacht haben musste, denn warum sonst, sollte sie sich auf das hier eingelassen haben? Severus öffnete die Tür, hielt Feelicitas aber noch zurück, bis die Eulen hinein geflogen waren. Dann ließ er sie folgen. Doch der dunkle Flur machte ihr Angst und sie drehte sich um.

„Du warst bestimmt froh nach Hogwarts zu kommen. Hier aufzuwachsen muss ja eine Zumutung gewesen sein. Hast du wenigstens einen Garten, in dem ein Baum steht?"

Severus hatte mittlerweile die Tür dreimal abgeschlossen und Licht gemacht, was den tristen Flur auch nicht heimeliger machte. Er schüttelte den Kopf. „Ich glaube, die Dinger an denen die Wäscheleine aufgehängt wird, wirst du nicht als Baum anerkennen können.", sagte er kühl und folgte den Eulen in die Dunkelheit. Und hier soll ich mein Kind aufziehen, dachte Feelicitas panisch und folgte ihm in den Raum, der mittlerweile von einer recht ungewöhnlichen Lampe erhellt wurde, die sehr nach Muggelhalterung aussah, in die man eine Kerze gesteckt hatte. Sehr viele Bücher umrandeten die Wände und wenn Feelicitas klaustrophobisch veranlagt gewesen wäre, dann hätte es sie dazu getrieben schreiend wegzulaufen.

„Gibt es hier überhaupt Strom?", fragte sie vorsichtig und begutachtete den alten zerschlissenen Couchbezug und Sessel, sowie die Unmengen an Büchern, die in Regale gequetscht die Wände bedeckten.

„Leitungen muss es hier irgendwo geben, aber ich bin nicht angemeldet." Severus wurde gerade die Geschenke auf dem alten Tisch los und sah auf.

„Und wie soll ich dann hier leben? Falls du es vergessen hast, ich bin zur Zeit außer Stande auch nur Wasser heiß zu machen. Wenn es hier keinen Strom gibt, bin ich verloren."

Doch Severus schien das nicht weiter zu stören. „Das brauchst du auch gar nicht.", äußerte er kurz und wandte sich dann den drei Eulen zu, die ihre Pakete loswerden wollten. Feelicitas setzte sich auf das Sofa und verschränkte die Arme hinter ihrem Kopf.

Wer soll es denn sonst machen, fragte sie sich verwirrt. Ein lautes Rascheln erforderte ihre Aufmerksamkeit. Severus hielt gerade ein mittelgroßes Paket in den Händen, aus dem eindeutig Lebenszeichen kamen und das auch ein paar Löcher hatte.

„Was ist das?", fragte sie argwöhnisch, doch Severus drückte ihr das Paket einfach in die Hände.

„Das ist von Lupin, wird wohl eher für dich sein."

Ihr fiel wieder ihr Gespräch mit Remus ein und so packte sie das Paket aus. Severus setzte sich inzwischen mit einem kleinen Päckchen und einem Blatt Pergament, das daran geheftet war, auf seine Couch und beachtete sie nicht weiter.

Als Feelicitas den Deckel vorsichtig anhob, sahen ihr ein Paar grasgrüner Augen entgegen, die aus einem schwarzen langfelligen Gesicht blickten und recht verstimmt erschienen. Mutig legte sie den Deckel ganz weg und verfiel in einen Ausruf des Entzückens. Vor ihr im mit Stroh ausgelegten Karton hockte ein kleines Kätzchen. Sie holte es raus und hielt es Severus entgegen, der nur kurz aufschaute.

„Herzlichen Glückwunsch.", wünschte er eher desinteressiert und versank wieder in seinem Pergament.

Die Katze entpuppte sich als Kater und maunzte wegen der unsachgemäßen Handhabung kläglich.

„Wer wird denn gleich sauer werden.", flüsterte Feelicitas und setzte das leicht bekotete Tierchen auf ihren Schoß, legte aber vorher den Umhang drunter. Sie fischte einen beiliegenden Zettel aus dem Karton.

Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen und Severus hat keine Tierhaarallergie. Ein Bekannter von mir, Lindsey Abnoba heißt er, züchtet nebenher Kätzchen. Er hatte einen ganzen Korb davon und konnte sie gar nicht loswerden. Er war froh, dass ich ihm wenigstens eines abnehmen konnte. Also hoffe ich, dass du dich auch freust und nicht ganz so allein bist.

Der kleine heißt übrigens seit Wochen schon Belial. Falls dir der Name nicht gefällt, wirst du wohl nicht mehr viel machen können, denn laut Lindsey hört er nur darauf. Trotzdem viel Glück. Hoffentlich hat er dir dein Kleid nicht beschmutzt.

Remus

Sie packte den maunzenden Kater und erhob sich mit ihm.

„Und was schreibt Remus?", fragte Severus.

„Nichts Besonderes. Außer, dass wir einen neuen Mitbewohner haben. Darf ich vorstellen, das ist Belial."

„Das ist ein Mädchenname."

„Ich weiß, aber der Züchter heißt auch nicht gerade männlich. Kennst du Lindsey Abnoba?"

Severus verneinte.

„Wer schickt uns denn dieses schnuckelige Paket?", fragte sie und zeigte auf das kleine Päckchen.

„Das willst du gar nicht wissen.", versetzte er düster. Feelicitas erbleichte. „Nein doch nicht etwa-?"

„Doch. Ich glaube Belial hat Durst, komm ich zeig dir die Küche.", wechselte er das Thema und ging vor, über den Gang in einen gegenüberliegenden Raum, der auch nicht gerade einen freundlichen Eindruck machte.

Er holte eine Schale heraus und füllte sie mit Wasser. Anschließend nahm er Feelicitas den Kater aus den Armen und setzte ihn auf die Anrichte.

„Wir haben auch kein Wasser?", fragte sie entmutigt.

„Doch, aber dazu muss ich erst mal den Haupthahn aufdrehen. Wir haben einen Brunnen im Garten. Schmeckt zwar nach Kieselstein, ist aber trinkbar."

Belial tapste über die Anrichte und stürzte fast hinunter, doch Severus packte ihn gerade noch und setzte ihn zur Sicherheit in die Spüle.

„Du solltest ihn waschen, er ist voller Fäkalien." Dann verschwand er kurz nach draußen und als er wiederkam ließ er Wasser ein.

„Im Schrank ist eine Schürze, du willst dir sicher nicht dein Kleid beschmutzen.", sagte er leise und Feelicitas schaute ihn argwöhnisch an. Seine plötzliche Freundlichkeit kam ihr nicht nur komisch vor, sondern alarmierte sie. Irgendwas war hier im Gange. Er hatte noch nie soviel mit ihr geredet und irgendwie konnte sie sich nicht vorstellen, dass er sich so über die Katze freute oder dass die Entfernung zu Hogwarts dieses Wunder bewirkte. Sie suchte sich die Schürze heraus, die mit ihren Rüschen bestimmt nie von Severus benutzt worden war. Aber eine andere gab es im Schrank nicht.

Während sie die widerstrebende Katze wusch, blieb er neben ihr stehen und betrachtete sie mit ausdruckslosem Gesicht. Feelicitas war dieser Blick peinlich.

„Du scheinst keine Hauselfen zu haben, wo ist dann mein Gepäck hingekommen?", fragte sie, das Erste aussprechend, was ihr in den Sinn kam. Doch damit schien sie das Problem angesprochen zu haben. Er holte ein altes faseriges Handtuch aus einem anderen Schrank und reichte es ihr.

„Komm mit, Belial kommt erst mal ins Bad."

Feelicitas hüllte die zitternde Katze ein und folgte ihm in den dritten Raum des Erdgeschosses und ließ Belial dort zurück.

Dann ging sie wieder ins Wohnzimmer, diesmal folgte Severus ihr.

„Was ist in dem Päckchen.", verlangte sie zu wissen: „Was ist hier überhaupt los. Du hast doch irgendwas, dass du mir verschweigst?"

Severus blieb ruhig und räusperte sich.

„Der dunkle Lord hat beschlossen uns reich zu beschenken. Doch das Päckchen ist nicht alles. Am besten öffnest du es erst, dann erzähle ich dir den Rest.", sagte er mit leichtem Verdruss in der Stimme.

„Weißt du was da drin ist? Ich will damit nichts zu tun haben." sagte sie flehend, doch er schüttelte den Kopf. „Ich werde mich dafür auch in deinem Namen bedanken müssen, also öffne es.", sagte er hart und drückte es ihr in die Hand.

„Warum? Es muss doch auch für dich sein." Sie schmiss es auf das Sofa und drehte sich um, doch er packte sie unsanft am Arm. „Öffne es!", fauchte er sie an, doch Feelicitas dachte nicht daran. „Lass mich los, du Grobian! Ich bin schwanger, schon vergessen!"

Und tatsächlich, er ließ sie los, als hätte er sich verbrannt, funkelte sie aber ziemlich unheilvoll an.

„Okay, ich nehme es an. Aber nur, wenn du mir versprichst, dass nichts schlimmes drin ist. Ich will mir keinen Fluch aufladen."

„Keine Sorge, dazu hat er keinen Grund. Falls du mal deinen Verstand einsetzen würdest, dann müsste es dir klar sein, dass er höchst zufrieden ist, dass du seiner Sache nicht entglitten bist. Außerdem könnte es niemand anderes als du öffnen."

Was immer das auch heißen mochte, Feelicitas war es egal. Sie nahm das Päckchen und öffnete es. Ein Zauberstab kam zum Vorschein und ein kleines Beutelchen aus dunkelblauem Samt, sowie eine Nachricht. Sie nahm den Zauberstab und fühlte ein warmes Gefühl in sich aufkommen. Sie reichte ihn Severus und er betrachtete ihn näher.

„Was soll das? Ich habe doch einen Zauberstab?", wunderte sie sich, nahm die Nachricht auf und begann zu lesen.

Die Handschrift war ihr nur allzu vertraut, sie würde sie auch aus Tausenden anderen herausfinden können.

Severus sah sie fragend an und so las sie laut vor.

Meine getreue Feelicitas,

Severus und dir zu eurer Hochzeit eine kleine Aufmerksamkeit meinerseits. Ich bin mir sehr sicher, dass du mit dem neuen Zauberstab etwas anfangen können wirst, zumal mir Severus von deiner momentanen Einschränkung berichtet hat. Mir wurde versichert, dass Lindenholz mit Thestralfellkern besser zu dir passen soll als Apfelbaumholz.

Ihr werdet die bald eintreffende Unterstützung wohl auch gut gebrauchen können. Mach mit ihm was dir beliebt, aber ich weiß um deine Begabung in dieser Beziehung und erwarte, dass du auch in diesem Sinne handelst. Ich habe mir die Freiheit genommen dir noch eine kleine Gabe für euren Nachwuchs zukommen zu lassen. Trag es, solange selbst, bis das Kind da ist. Es wird seinen vollen Nutzen bald schon entfalten.

Hochachtungsvoll

Lord Voldemort

Severus zuckte bei ihrem letzen Wort kurz. Sie schaute ihn an. „Was soll das?", fragte sie ängstlich und ging mit Tränen in den Augen auf ihn los. „Sag mir endlich was das heißen soll. Du redest mit Voldemort über mich, du-" Er schaffte sie sich vom Hals indem er sie bei den Handgelenken packte und drückte sie runter.

„Hör auf ihn so zu nennen.", fuhr er sie barsch an und schubste sie auf das Sofa, neben den Beutel aus blauem Samt.

Feelicitas wurde wütend: „Schreib mir nicht vor, was ich tun soll, Severus Snape! Ich nenne ihn so wie ich will. Hast du Angst, dass er darüber sauer ist? Es kümmert ihn doch gar nicht. Mir hat er nie etwas gesagt, also warum sollte ich auf dich hören? Ich hätte nicht gedacht, dass du so feige sein kannst. Sag mir endlich was das hier heißt!", schrie Feelicitas.

Severus war bei ihrem Ausbruch immer blasser geworden. Nicht, weil er sich was aus ihrer Hysterie machte, sondern weil er sich wohl vorstellen konnte, dass seine nächsten Worte alles nur noch schlimmer machen würden.

„Wer ist mit der Unterstützung gemeint?", fauchte sie ungehalten.

„Ja, wer ist das wohl?", fragte er spöttisch und trat näher auf sie zu. Feelicitas drückte sich tiefer in das Sofa und schaute ihn ängstlich an.

„Da fällt uns ja gar keiner ein, den er gerne herumreicht, seitdem er deinetwegen in Ungnade gefallen ist, oder?"

Feelicitas schüttelte ihren Kopf. „Nein, Wurmschwanz kommt nicht her. Ich verlasse sofort dieses Haus. Das lasse ich mir nicht gefallen. Das hast du mir extra verschwiegen, stimmt es? Wenn ich davon gewusst hätte, dann hätte ich dich nicht geheiratet und deinem Herrn wäre das wohl gegen den Strich gegangen." Sie stand schwerfällig auf und versuchte sich an ihm vorbeizudrücken, um sich ihren Umhang zu schnappen, doch er hielt sie an den Schultern fest und drehte sie zu sich herum. Er war sauer, doch versuchte er ruhig und geduldig zu sein: „Feelicitas, du gehst heute nirgendwo hin. Ich habe dich nicht wegen des dunklen Lords geheiratet, sondern weil Dumbledore uns ausgetrickst hat. Das hat aber nur geklappt, weil das alles auch dem Wunsch des dunklen Lordes entsprach. Doch das weiß Dumbledore nicht. Er hält es alles für einen großen schicksalhaften Zufall, dabei war es von langer Hand eingefädelt. Von deinem ersten Besuch bei mir, bis zu dieser Nacht. Der dunkle Lord wusste alles. Natürlich liegt ihm daran, dass du in seiner Reichweite bleibst und als ich ihm dann von der Möglichkeit eines Bundes mit dir berichtete, war er in Anbetracht der Entwicklungen doch... sehr erfreut."

Feelicitas erstarrte und blickte ihn entgeistert an: „Warum?", fragte sie erstickt, doch Severus schüttelte den Kopf.

„Der dunkle Lord vertraut mir und ich liege in seiner Wertschätzung so hoch, wie es sich Lucius nur noch erträumen kann. Diese Sache muss ihm sehr wichtig gewesen sein, denn er hat sich an uns gewandt. Zwei seiner höchsten Anhänger und doch hat er uns seine Gründe nicht genannt. Erst hatte Lucius natürlich die Ehre, denn damals brachte hatte er mir gegenüber noch ein paar mehr Vorzüge. Na, verstehst du endlich? Du erinnerst dich doch mittlerweile wieder, oder?"

Natürlich erinnerte sich Feelicitas. Seit Wochen schon waren die Bilder in ihrem Kopf und sie wollte sie nicht wahrhaben. Lucius, der ihr ein Leid antat und sie danach mit dem Obliviate belegte. Lucius, der sie mit seinen kalten Fingern betatschte. Lucius, der ihrer sterbenden Mutter ohne jede Regung in die Augen geblickt hatte.

„Da aber Lucius Bemühungen keinen Erfolg hatten, zog der dunkle Lord mich hinzu.", fuhr er geduldig fort: „Bis dahin ahnte ich nichts davon, was dir geschehen war. Ich wurde aber ausreichend eingeweiht-"

„Himmel, ich muss hier weg. Ihr seid ja alle wahnsinnig.", stöhnte Feelicitas, doch Severus schüttelte sie kurz.

„Hör mir zu! Habe ich dich jemals verletzt? Also stell dich nicht so an. Du kannst von Glück sagen, dass der Lord nie herausbekam, dass ich nicht alle Möglichkeiten genutzt habe und es trotzdem zu einer Schwangerschaft kam."

Feelicitas war plötzlich ganz still. Das war also der wahre Grund. Es war volle Absicht und er hatte gar nicht vorgehabt, auch nur einen Verhütungsspruch zu benutzen. Vielleicht hatte er sogar nachgeholfen. Er hatte ihr ja nicht nur einmal etwas zu trinken gegeben. Überhaupt war alles Teil einer großen Verschwörung.

„Macht es dir denn nichts aus, dass er wahrscheinlich etwas grauenvolles tun mit dem Kind will?", entfuhr es ihr bebend.

„Das wird er nicht.", beruhigte sie Severus.

„Hat er das gesagt? Ich würde seinen Versprechen nicht trauen."

„Sein Versprechen ist mehr, als wenn er darüber schweigen würde. Es wird wohl kein Fluch auf seinen Gaben liegen.", sagte er leise.

Feelicitas erinnerte sich wieder an das Beutelchen und sie schaute danach. Severus ließ sie los und so griff sie danach und zog es auf. Eine silberne Kette fiel heraus und blieb auf ihrer Hand liegen. Sie schaute sie sich genauer an. Sie war ziemlich kurz und ein Anhänger hing daran: „Warum überrascht es mich nicht, dass hier zu sehen?", fragte sie dumpf und reichte Severus die Kette mit dem kleinen Schlangenanhänger.

„Wenn du dich schon so leicht in das hier fügen kannst, weißt du dann wenigstens was das hier ist?", fragte sie verzweifelt.

Severus schaute es sich nicht lange an. „Da ist ein Schutzzauber drüber gesprochen, das sehe ich sofort. Das ist nichts schlimmes, denn es zeigt nur, dass er das Kind nicht ermorden will. Er wird sein Versprechen halten. Er hat mir zugesichert, dass mein Kind ungestört aufwachsen kann und irgendwann seinen Plänen zur Verfügung stehen sollte."

„Wie kannst du das nur hinnehmen?", wimmerte Feelicitas und verkroch sich tiefer in die Sofakissen.

„Ich muss es.", sagte er gepresst: „ Das Wort des dunklen Lordes ist Gesetz. Wenn er das sagt, muss man es tun. Ich hoffe selbst, dass es nie soweit kommen wird, dass er diesen Plan nie verwirklichen kann, aber bis es einmal soweit ist, dass ihn jemand aufhalten kann muss man mitmachen. Nimm den Zauberstab. Der Lord hat ihn nicht einmal angepackt, er stammt von Ollivander dem Zauberstabsmacher, der sich erst jüngst unserer Sache angeschlossen hat und emsig seine Gaben anpreist. Er muss sehr wertvoll sein, denn es gibt nicht viele Menschen, die Thestralfell überhaupt beschaffen können. Und die Kette ist einfach nur ein Schmuckstück, wahrscheinlich hat er auch das nicht einmal angefasst. Ich könnte mir nur vorstellen, dass man damit nicht zu nah an Alastor Moodys Feindglas vorbeigehen sollte. Ansonsten ist es etwas, dass fast jedes magische Kind hat und schützt vor kleinen Unfällen, wenn man denn daran glaubt."

Feelicitas konnte sich trotzdem nicht beruhigen und so trat Snape näher und legte ihr mit einem geschickten Griff die Kette an, die sofort eng anlag. „Mach einfach mit. Ich werde mich in deinem Namen beim Lord erkenntlich zeigen und dann ist es gut. Und Wurmschwanz werde ich dir schon vom Hals halten. Ich habe auch nicht das Bedürfnis ihn um mich zu haben, doch so schnell werden wir ihn erstmal nicht wieder los."

„Das brauchst du nicht. Ich werde morgen gehen.", versetzte Feelicitas trotzig. Severus stand ruckartig auf, scheinbar hatte sich seine Geduld erschöpft.

„Feelicitas, du benimmst dich wie ein kleines Kind. Ich hätte dich für vernünftiger und reifer gehalten. Was meinst du, wo du hin könntest? Hier hast du deine Ruhe, doch je weiter du dich entfernst, umso mehr wird er dich suchen lassen. Alles was du bisher gesehen hast, ist nichts zu dem Krieg, der in den nächsten Tagen richtig losbrechen wird. Du bist zu jung um den letzten mitbekommen zu haben, also hör auf mich, denn ich war mittendrin. Deine Eltern waren nicht die einzigen Opfer. Sie waren nur zwei von vielen. In der Zaubererwelt gibt es kaum eine Person, die nicht einen schweren Verlust aufzuweisen hat. Oft wurden ganze Familien ausgelöscht. Den Getöteten ist das nur geschehen, weil sie gegen Voldemort waren und sich seinen Grundsätzen in den Weg gestellt haben."

„Ja und? Dann sterbe ich eben auch, doch mein Kind wird er nicht bekommen. Mir ist es entschieden lieber, dass meine Eltern in ihren Gräbern liegen, als dass ich ein Kind von Todessern geworden wäre, die nur aus Angst und Selbstsucht morden. Warum also sollte ich dann meinem Kind das antun wollen?", fragte sie giftig.

„Tatsächlich? Du willst wirklich, dass sich die Geschichte wiederholt? Du erinnerst mich gerade sehr an deine Eltern. Versteckst das Kind irgendwo im Nichts und lässt es zurück. Deiner Mutter blieb vielleicht nichts anderes übrig, nachdem dein Vater sich so anmaßend gegen das Angebot den Todessern beizutreten gewehrt hat und es vorzog ohne Ehre unter den Augen des Lords zu krepieren, aber du hast da mehr Sicherheiten. Denn ich stehe ziemlich hoch in seiner Gunst und kann machen was ich will, eine Seite glaubt mir immer. Das sollte genug Spielraum sein um dich und das Kind da mit durchzubekommen." Ein eisiges Schweigen entstand und Feelicitas begann zu zweifeln. Dumbledore hatte recht gehabt. Trotz allem, was sie Severus entgegenhielt, die Worte, dass sie ihm etwas schuldig war, weil er diese Mühen auf sich nahm, waren nicht gefallen. Und er selbst hatte auch recht. Sie war es schon allein ihrer ungeborenen Tochter schuldig.

Doch das wollte sie nicht einsehen. In ihr tobte ein wilder Sturm, der sich gegen das Schicksal wehrte. Zudem war ihr gerade etwas aufgefallen und so sagte sie zu Severus:

„Sie vertrauen dir vielleicht, weil du ihnen schon genug Gründe geliefert hast, die ihr Vertrauen rechtfertigen würden, aber ich glaube dir nicht. Niemand hat je etwas über den genauen Grund für den Tod meines Vaters gesagt, du jedoch scheinst ihn sogar gekannt zu haben. Wie kann das sein? Seit Wochen kennst du meine Abstammung, aber du erzählst mir nichts. Im Grunde genommen hast du mir alles vorenthalten, was ich wissen muss. Deshalb kann ich nicht bei dir bleiben. Ich werde dich jetzt nur einmal fragen und wenn ich später auch nur eine Sache herausbekomme, die du auch wusstest und mir nicht erzählt hast, dann bin ich weg. Und glaube mir, der dunkle Lord wird mich niemals finden und du wirst das Gesicht deines Kindes nie zu sehen bekommen. Also, was hast du mir zu sagen." Sie funkelte ihn böse an und er schaute eine Weile stumm zurück. In seinen Augen schien es zu toben. Schließlich ließ er ein leises Stöhnen hören.

„Na schön, dann sollst du alles wissen. Aber glaube mir, du wirst dir wünschen, dass ich es für mich behalten hätte. Und egal, wie du es findest, ich lasse dich hier nicht aus dem Haus gehen. Also versuche es erst gar nicht, sonst werde ich andere Mittel anwenden, denn du hast es selbst so gewollt.", sagte er scharf. Feelicitas erschlaffte unter seinen Worten und fing wieder heftiger zu weinen an. Doch sie nickte eindringlich und sagte fast so leise wie ein Flüstern: „Okay."

Er blickte auf ihr tränenverschmiertes Gesicht hinab und fing langsam an: „Ich weiß, was du denkst, Feelicitas. Doch du solltest dich nicht gegen mich wenden, denn ich bin nicht dein Feind und dein Hass ist an mir verschwendet. Es war vor vielen Jahren, 1978 um genau zu sein. Da kam der dunkle Lord auf die Idee, sich um ein paar neue Getreue zu bemühen, da der Kampf und Widerstand mittlerweile offen ausgetragen wurde und seine wohlgeplante Übernahme der Weltherrschaft dadurch zu scheitern drohte. Dumbledore hatte eine eigene Widerstandsgruppe gebildet, welche die Tätigkeit der recht erschlafften Liga gegen die dunklen Künste und der Auroren in seinem Sinne weiterführte. Er hatte viel Erfolg und ich glaube, der dunkle Lord hatte ein Problem damit, dass es immer noch zu viele Familien gab, die sich weder zu seiner noch zu Dumbledores Seite bekannten. Unter diesen suchte er nun nach weiteren Anhängern, denn wer zu feige war, Partei zu ergreifen, war eine leichte Beute für seine Einschüchterungstaktik."

Feelicitas hörte ihm gespannt zu und konnte ihren Blick nicht von ihm wenden. Sie sah förmlich plastisch vor sich, was sich damals zugetragen haben musste und verfiel dabei in Grauen. Diese tiefen schwarzen Augen vor ihr, ließen sie an das Schlimmste denken.

„Ich glaube nicht, dass Nathaniel Deepwood das eigentliche Ziel des dunklen Lords war, aber soweit ich weiß, war er ein guter Freund des Mannes, der angeworben werden sollte. Frag mich bitte nicht wer das war. Ich weiß es selbst nicht mehr. Es tut der Geschichte im Grunde auch keinen Abbruch.", bemerkte er in beiläufigem Ton: „Wir nahmen also deinen Vater, der im Ministerium arbeitete als Geisel und versuchten dadurch die Zustimmung des doch recht widerstrebenden Mannes zu erzwingen. Dummerweise half das Alles nichts und auch dein Vater hat sich geweigert, als ihm der dunkle Lord höchstpersönlich das großherzige Angebot unterbreitete, sein Leben zu retten, indem er sich der dunklen Seite anschloss. Alles was er hätte tun müssen, war seinen Freund umzubringen. Es war höchst ungewöhnlich, dass seine Lordschaft deinen Vater nicht sofort umbrachte, aber irgendwas an ihm hat ihn angesprochen. Er war so erbost über die anhaltende Verweigerung, dass er deinen Vater ziemlich grauenhaft sterben ließ. Ich werde jetzt nicht auf die Einzelheiten eingehen, du weißt selbst, wozu er fähig ist." Feelicitas nickte schluchzend, sie wollte etwas sagen, doch sie konnte es nicht. Ihre Gedanken waren zu aufgewühlt, als dass sie sie hätte in Worte fassen können.

„Im Grunde genommen war mit dem Tod deines Vaters die Sache erledigt. Ich habe mir auch nie weiter Gedanken darüber gemacht, aber nun frage ich mich natürlich auch, welchen Grund der dunkle Lord gehabt haben könnte, deinen Vater nicht sofort zu töten. Es war fast, als ob ihm Nathaniel Deepwood etwas hätte geben können, von dem er bis zu dem Augenblick nichts gewusst hatte.

Wahrscheinlich muss es etwas sehr wichtiges gewesen sein, dass er später die Verfolgung deiner Mutter und dir niemanden Geringerem als Lucius auftrug. Vielleicht war es aber auch, weil Lucius die besten Kontakte ins Ministerium hatte und Miriel Deepwood kannte. Doch nur der dunkle Lord alleine weiß, was genau dahinter steckt. Wenn er es dir nicht gesagt hat, dann wird es niemand von uns je erfahren." Feelicitas dachte angestrengt nach. Alles was Voldemort ihr je gesagt hatte zog an ihrem inneren Auge vorbei, machte aber nicht sehr viel Sinn.

„Alles was du jetzt gesagt hast bestätigt nur, wie tief du da drin steckst. Und du verlangst von mir, dich nicht zu hassen? Ich kenne nun den Mörder meines Vaters, da werde ich garantiert nicht zusehen, denn der sitzt vor mir und nicht hinter irgendwelchen Mauern zusammen mit revoltierenden Dementoren, die bereits seit mehr als einen halben Jahr gar nicht mehr dort sind. Ich schwöre dir, wenn ich wieder zaubern kann, dann wird dein Leben in jeder Hinsicht spannender werden. Dein toller Meister beging den Fehler, mir die Theorie der schlimmsten Dinge nahe zu bringen. Und im Moment fühle ich mich so, als könne ich sie ohne Skrupel anwenden."

Severus verlor nicht die Ruhe: „Ich habe deinen Vater nicht umgebracht."

„Das glaube ich dir nicht.", erwiderte sie entschlossen.

„Wenn du deine Ohren mal aufgesperrt hättest, dann wäre es dir auch aufgefallen, dass ich in der Mehrzahl sprach. Der Hauptakteur war ein anderer. Nein, ich werde dir seinen Namen nicht nennen. Er ist wahrscheinlich sowieso bereits tot, also sollte es dich nicht weiter kümmern. Aber falls du einen Beweis brauchst, dass ich Dumbledore zugetan bin, dann solltest du wissen, was Voldemort als nächstes vorhat. Unser Kind wird nämlich nicht das Einzige sein, das in diese Sache mit rein gezogen wird. Du kennst doch Narzissas Sohn, oder?"

„Ja, aber was hat der damit zu tun?", fragte sie leise und blickte ihn verwirrt an.

„Das darf ich dir nicht sagen, denn du wirst es nicht für dich behalten. Aber erst vor kurzem hat mir der Lord zugetragen, dass Draco in diesem Jahr eine besondere Aufgabe zu erfüllen hat." In Severus Gesicht spiegelte sich Verachtung wieder. Feelicitas konnte aber nicht sagen, ob dieses Gefühl ihr galt, oder er die Idee so schlecht fand.

Sie fühlte sich wie paralysiert und konnte kaum noch klar denken: „Es wird noch viele Opfer geben, bevor das hier alles vorbei ist, oder?", fragte sie mit schwacher Stimme und blickte ihn flehend an. Doch was sie auch von Severus erwartet hatte, er gab es ihr nicht. Er wandte sich nur um und mied ihre fordernden Blicke.

„Du solltest schlafen gehen. Heute war ein anstrengender Tag. Dein Zimmer ist im ersten Stock die zweite Tür rechts.", sagte er leise und ließ sie allein im Wohnzimmer zurück. Sie schaute ihm entgeistert hinterher. Erst nach einer geraumen Weile stand sie auf und folgte ihm in den Flur. Severus war aber schon weg.

Ein leises Maunzen kam aus dem Bad und sie erinnerte sich wieder an das kleine Katzenbaby. Sie ging wieder zurück in den Wohnraum und packte ihren neuen Zauberstab und einen hübschen Karton, in dem Dumbledore sein Geschenk überreicht hatte und schaute nach Belial.

Dieser erwartete sie schon sehnsüchtig und krallte sich in den Saum ihres Kleides.

„Nicht so stürmisch, mein Kleiner.", flüsterte Feelicitas und suchte sich ein altes Handtuch für den Karton. Sie setzte Belial in sein neues Körbchen und trug ihn nach oben. Doch auch hier war keine Spur ihres gerade Angetrauten zu erblicken. Er musste wohl in den Hof hinter das Haus geflüchtet sein und sich dort verstecken.

Sie zuckte mit den Schultern und suchte sich das genannte Zimmer, indem sie einfach hinter jede Türe schaute. So fand sie einen alten Abstellraum, in dem ein Besen vor sich hin vegetierte und ein mit Tüchern über den Möbeln verhangenes Zimmer, dessen Mittelpunkt stark an eine Wiege erinnerte, die hier zwischengelagert wurde. Nachdem sie die letzten zwei Türen geöffnet hatte und jeweils ein Schlafzimmer vorfand, erinnerte sie sich auch wieder an die genaue Beschreibung, welches ihres war und trat ein. Nicht das sie das auch ohne weitere Angaben erkannt hätte, denn Severus Schlafzimmer strahlte dieselbe Düsternis wie sein Geliebtes Kerkerdomizil aus. Wogegen ihr neues Zimmer einen eher unpersönlichen Stil hatte.

Sie platzierte die Katze samt Korb neben die Fensterbank und sah sich genauer um. Das hier war ein Frauenzimmer, das erkannte man schon an dem etwas verspielten und altmodischen Frisiertisch und Schrank.

Im Schrank hingen schon ihre Sachen, fein säuberlich aufgereiht und erleichtert, dass sie das nicht mehr machen musste, zog sie ein Nachthemd heraus und befreite sich von ihrem mittlerweile etwas mitgenommen aussehenden Hochzeitskleid. Na ja, vielleicht konnte man es noch einfärben und zu irgendwas Wichtigem tragen. In grün vielleicht, dann würde der bunte Gürtel auch noch dazu passen. Doch um weitere Pläne zu machen, war sie viel zu müde und so legte sie sich in das alte Himmelbett, dessen weißer Spitzenvorhang zwar sehr gelb geworden war, ihr aber irgendwie gefiel. Der morgige Tag würde anstrengend genug werden, ohne das sie sich weiter Sorgen darum machte. Langsam schlief Feelicitas ein und kurz bevor sie das Reich der Träume betrat merkte sie noch, wie ein kleines Etwas mit vier Pfoten an ihr hoch krabbelte, sie sanft anstupste und es sich schließlich auf dem Kissen gemütlich machte und Ruhe gab.

Der nächste Morgen begann mit einer Überraschung. Belial hatte es vorgezogen, sein Geschäft nicht im Karton zu erledigen, sondern mitten auf dem Bettvorleger. Feelicitas trat natürlich mitten rein, rutschte fast aus und konnte sich gerade noch an den Bettvorhängen festhalten und so einen Sturz verhindern. Dementsprechend war ihre Laune und selbst ihr Kind beschwerte sich über das plötzliche Rucken.

Feelicitas nahm sich das Handtuch aus dem Karton, wischte ihren Fuß ab und machte dann notdürftig ihr Bett. Weitere Sorgen um den befleckten Teppich erschienen ihr unnötig. Da das Schicksal ihr so unhold war, würde sich Wurmschwanz da wohl gerne drum kümmern, sobald er vor der Haustür stand.

Sie stapfte mit dem Kater im Arm die Treppe hinunter und traf in der Küche auf Severus, der gerade an einem Tee schlürfte und den Tagespropheten las.

„Morgen.", begrüßte ihn Feelicitas. Er nahm ihre Anwesendheit jedoch nur mit einem beiläufigen Blick zur Kenntnis.

War wohl gerade spannend. Sie gab Belial etwas Wasser und wandte sich wieder dem Tisch zu. Ein Pergament lag auf dem Tisch. Die Überschrift hatte irgendwas mit Schutz zu tun und so angelte sie es sich und las die Vorschläge des Ministeriums zum Schutz der Magierhaushalte durch.

„Steht nicht viel drin was helfen könnte.", bemerkte Severus nach einer Weile und sie sah irritiert auf. Seine Zeitung hatte er längst weg gelegt und betrachtete sie etwas mahnend. Na ja, er war bereits in voller Robe und wenn sein Haar auch fettig war, so war er doch gekämmt. Sie hingegen lief rum wie ein Wischmob. Doch Severus sagte nichts dazu.

„Das ist Ansichtssache. Wenn du auch nur den ersten Punkt berücksichtigen würdest, dann würde dein Leben bestimmt ruhiger verlaufen. Du verlässt nachts nicht mehr das Haus, kannst also nicht dem Ruf des Lords Folge leisten. Eigentlich ist es so einfach, dass es dieses Pergament nicht wert ist. Aber was ist ein Inferi?", fragend blickte sie ihn an und sah ein leichtes blitzen ins seinen schwarzen Augen.

„Ein Inferius ist das, was Muggel gerne Zombie nennen. Du weißt was ich meine? Also ein Leichnam mit stofflicher Gestalt, der lebt und dem Willen seines Herrn, der ihn wieder auferstehen ließ, gehorchen muss." Er sah dabei so Lehrerhaft aus, das Feelicitas fast meinte, er würde sie gleich nach dem Unterschied zwischen Geistern und Inferi befragen und keine Antwort als richtig gelten lassen. Manchmal fühlte sie sich zu jung für alles, wenn er in der Nähe war.

Sie angelte sich die nicht mehr benötigte Zeitung und bemerkte leichthin: „Das Leben wäre ja so unkompliziert, wenn das auch auf Voldemort und Wurmschwanz zutreffen würde. Wahrscheinlich müsste unser aller Unterdrücker dann für seinen bisherigen Knecht kochen und die Böden schrubben. Aber leider ist es nicht so. Wann kommt eigentlich unser Hausgast?"

Severus zuckte mit den Schultern: „Das kommt drauf an, wer ihn gerade in den Fingern hat. Seit Monaten schon schickt der Lord ihn von einem zum anderen. Keiner kann ihn wirklich um sich rum haben. Es ist fast so, als ob er heimlich spionieren würde, ob wer dem Lord untreu geworden ist. Wahrscheinlich macht er das sogar wirklich, damit sich die Chance ergibt, mit einer Denunziation wieder richtig Eindruck schinden zu können. Wenn er also vor der Türe steht, dann verbitte ich mir irgendwelche Aktionen von dir, verstanden? Dafür werde ich ihn dir vom Hals halten.", sagte er ernst und da er auf eine Antwort wartete nickte sie zustimmend.

„Ich soll also das liebe kleine Hausmütterchen spielen, das sich für nichts interessiert und über nichts Bescheid weiß?", fragte sie forschend.

„Ja, das wäre die passende Definition.", entschied Severus und lehnte sich zurück.

Dafür musst du ihn mir aber sehr oft vom Hals halten, mein Lieber, dachte Feelicitas schaute ihm tief in die Augen und lehnte sich ebenfalls zurück. Und es war so, als wäre dieser Gedanke bei Severus angekommen, denn er nickte.

Wurmschwanz kam schon kurze Zeit später an. Er war noch genauso, wie an dem Tag, an dem sich seine und Feelicitas Wege getrennt hatten. Es schien auf ihn keinen Unterschied zu machen, unter welchem Herrn er dienen musste. Eine Ratte wie er verstand es, sich überall anzupassen. Feelicitas beachtete ihn gerade so viel, wie es brauchte, um ihn bewusst zu übersehen. Mit Genugtuung merkte sie, dass Severus keinesfalls vorhatte, ihn frei herumlaufen zu lassen und es erfreute ihr Herz ungemein, als sie feststellte, dass dieser offensichtlich so heruntergekommene Muggelhaushalt auch den ein oder anderen magischen Anbau besaß, in den Wurmschwanz, trotz heftigen Widerstrebens, nun einquartiert wurde.

Feelicitas fühlte tiefe Befriedigung. Severus war bestimmt einer der talentiertesten, wenn es um das Quälen und heruntermachen seiner Mitmenschen ging. Aber wenn sie ihn mit Wurmschwanz sprechen sah, erkannte Feelicitas schnell, wie nett er doch immer gewesen zu ihr selbst war. Wurmschwanz hatte es eindeutig verdient, nicht besser behandelt zu werden. An ihm war sowieso jegliches Mitgefühl verloren, da er sich freiwillig immer wieder in sein eigenes Unglück brachte, anstatt diesem einfach den Rücken zu kehren. Doch wenn man bedachte, dass Severus Schülern gegenüber genauso bissig war, wurde ihr unwohl.

Wäre ihr Leben total anders verlaufen, wäre sie bestimmt nicht heute als seine Frau hier, sondern meilenweit weg, da ihr die sieben Schuljahre unter ihm gereicht hätten. In welches Haus man sie wohl gesteckt hätte?

Nachdenklich wandte sie sich von der Szenerie ab und ging sich anziehen. Als sie wieder herabkam traf sie Severus in der Küche an. Er hatte Wurmschwanz wohl gerade die Funktion des Inventars erklärt und dieser entrüstete sich darüber, das er nun kochen und putzen sollte.

„Severus, ich gehe einkaufen. Belial braucht Futter.", verkündete sie unbekümmert und ließ sich den Weg zum nächsten Laden erklären. Nach Geld brauchte sie ihn nicht zu fragen, sie wusste auch so, wo es lag und bediente sich einfach aus der Kiste im Schrank, wo das Muggelgeld versteckt war. Severus hatte ihr alle Freiheiten gegeben, warum sollte sie vor Wurmschwanz um Erlaubnis fragen?

Sie holte sich ihren Beutel und wollte gerade das Haus verlassen, als Wurmschwanz auf sie zutrat und Anstalten machte mitzukommen. Unwillkürlich krampfte sich ihr Magen zusammen. Das würde sie auf keinen Fall tolerieren und schaute sich leicht hilflos um. Doch Severus schien derselben Meinung zu sein.

„Das wird nicht nötig sein.", verkündete er scharf seinem neuen Hausangestellten.

„Was soll ich hier denn sonst machen?" empörte sich Wurmschwanz.

„Ganz sicher nicht auf mich aufpassen, das kann ich mittlerweile doch ziemlich gut alleine." fauchte Feelicitas ihn an und Wurmschwanz schien etwas erwidern zu wollen, schwieg aber unter ihren und Severus eisigen Blicken.

„Okay, ich bin in einer Stunde spätestens wieder da.", verkündete Feelicitas und war schon halb draußen, als ihr etwas einfiel: „Ach ja, Wurmschwanz. Geh schon mal nach oben und räum mein Zimmer auf. Nimm dir am besten einen Eimer und eine Bürste mit, könnte sonst deinen Magen etwas verstimmen. Aber ich rate dir, meine Unterwäsche in Ruhe zu lassen, ansonsten steht dir schweres bevor. Die Zeiten haben sich geändert, also solltest du dich auch so benehmen Wurmschwanz." Damit ließ sie den schmollenden Wurmschwanz und den nichts wissenden Severus zurück und überließ sie beide ihren seinem Schicksal.

Eigentlich hätte Feelicitas es gut verstehen können, wenn Peter Pettigrew sie jetzt wieder zu hassen anfing. So ähnlich ihre Lage auch einmal gewesen war, Feelicitas hatte eindeutig mehr daraus machen können. Und das, obwohl sie sich nicht einmal Lord Voldemort verpflichtet hatte und er sich seit Jahren den Hintern im Dienst des dunklen Lords aufriss. Aber so war das Leben nun einmal. Ungerecht und willkürlich.

Der Laden entpuppte sich als etwas größerer Tante-Emma-Laden, dessen Besitzerin, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, nebenher Postbotin und Krankenschwester in einem war. Wie sie ihren Dienst beim Arzt nebenan auf die Reihe bekam, war Feelicitas allerdings schleierhaft. Doch der Laden war voll und die Frauen der Nachbarschaft standen Schlange. Ein Schild verkündete, dass es heute frische Schweineschnitzel geben würde. Feelicitas missachtete das Wartegebot und suchte sich schon mal das Katzenfutter heraus. Nicht umsonst war sie in einem kleinen Ort groß geworden und wusste, dass Dreistigkeit siegte. Ansonsten war man nach drei Stunden noch nicht fertig. So drängte sie sich an der Schlange vorbei, zeigte der quatschenden Verkäuferin ihre Futterdosen und legte ihr das Geld hin. Die Verkäuferin musste dazu noch nicht einmal ihren Redestrom unterbrechen, noch kam sie auf die Idee, Feelicitas an die Schlange zu erinnern. So quetschte sie sich, unter den neugierigen Blicken der Anwesenden, wieder hinaus, packte die Sachen in ihr Einkaufsnetz und machte sich auf den Weg nach Hause.

Die Gestalt einer Fremden, die plötzlich auftauchte und ohne ein Wort wieder verschwand, war für die Damen der Nachbarschaft wahrscheinlich ein interessanteres Thema, als die Schnitzel und der Plausch mit der Verkäuferin. Bald schon merkte Feelicitas, dass sie verfolgt wurde. Obwohl Spinners end einzeln gelegen war, schienen die Frauen allesamt das Haus davor aufsuchen zu wollen. Feelicitas versuchte sie nicht zu beachten, war aber trotzdem froh, wieder ins Haus zu kommen. Wurmschwanz kam gerade mit einem sehr mürrischen Gesicht und einem schmutzigen Wassereimer aus dem ersten Stock und warf ihr einen höllischen Blick zu. Severus schien nicht da zu sein, doch Feelicitas ahnte schon, wo er sich aufhalten musste. Im geheimen Anbau befand sich wohl auch das Arbeitszimmer und Labor. Natürlich musste man das vor Muggeln verbergen.

In den folgenden Tagen genoss Feelicitas ihre Freiheit und zu Severus Schrecken machte sie sich mit den neugierigen Nachbarrinnen bekannt. Diese Gegend hier war kein allzu begehrter Wohnort und wer nach dem schließen der Fabrik weg konnte, hatte es auch getan. Mittlerweile waren nur doch die Alten und Armen zurückgeblieben, die nicht einmal ein Auto hatten, oder sich die Busverbindung zur Stadt leisten konnten. Kinder gab es auch nur ein paar, denn die nächste Schule war meilenweit entfernt. Es war sogar eher so, dass die Schulpflicht hier nicht existieren würde. Kein Wunder also, dass auch die nächste Generation keine Möglichkeit hatte, jemals hier wegzukommen, um einer anständigen Tätigkeit nachgehen zu können. Das einzige was hier also immer im Überfluss vorhanden war, war Zeit.

Und davon hatte Feelicitas ebenfalls genug. Sie musste keinen Schlag im Haushalte tun und Severus war auch zu beschäftigt, um sich lange mit ihr abgeben zu wollen. Sie las sich durch seine Bibliothek und verbrachte so manchen Abend auch ganz allein, weil er und Wurmschwanz ihren Todesserpflichten nachgingen.

Schließlich schloss sie sich der von den gelangweilten Hausfrauen ins Leben gerufenen Gruppe an, die sich zweimal pro Woche bei einer zu Hause traf, um sich irgendwie zu beschäftigten. Kuchen backen stand beim ersten Mal auf dem Programm, doch schon für die nächste Stunde wurde der gesamte Plan umgeworfen und Babykleidung suchen angesagt. Feelicitas hatte zwar selbst schon genug Muße zum stricken gehabt, doch die Nachbarinnen bestanden darauf und so wollte sie sie nicht enttäuschen.

Severus machte es nichts aus und gerade an diesem Abend schien er das sogar zu begrüßen. Wurmschwanz hockte in seinem Quartier und so machte sie sich für diesen Abend davon. Es war nett, hatte sich aber doch ein wenig hingezogen. Dafür konnte sie sich jetzt mit Babysachen tot schmeißen. Wie immer war es stockduster, als sie sich wieder die paar Straßen entlang auf den Heimweg machte. Sie war mit einem Karton voller schon etwas verschlissener Babywäsche, die ihr geschenkt worden war, schwer beladen und so bemerkte sie zu spät die zwei Gestalten, die in der Ferne, im Licht einer der wenigen noch intakten Lampen auftauchten.

Feelicitas erkannte sofort die in Umhänge gehüllten Schemen und bog in eine kleine Seitengasse, die zu einem Hinterhaus gehörte, ab. Ein Hund begann zu kläffen, doch die Gestalten waren schon zu nahe, um noch ein anderes Versteck in Erwägung ziehen zu können. Mit heftig schlagendem Herzen versuchte sie still zu sein. Selbst als sie zwei Frauenstimmen erkannte, eine davon gehörte eindeutig Narzissa Malfoy, atmete sie nicht auf. Statt dessen lauschte sie mit.

„Ich bleibe dabei, Zissy. Das Ganze wird kein gutes Ende nehmen.", sagte die Andere und Mrs. Malfoy antwortete: „Bella, er hat den Schwur geleistet. Was willst du mehr? Entweder macht er es, oder er muss die Konsequenzen tragen. Ich hoffe aber, dass nichts von Beidem in Frage kommen muss."

In Narzissas Stimme klang nicht die übliche Vornehmheit mit. Sie hörte sich wie eine verzweifelte Frau an, die irgendein Problem hatte. Feelicitas interessierte es jedoch nicht weiter. Meinten sie und ihre Schwester etwa Severus? Das es nicht auf Wurmschwanz zutraf, war ihr auch klar. Plötzlich fielen ihr wieder Severus Andeutungen ein, die er am Abend ihrer Hochzeit gemacht hatte.

Es musste wohl etwas mit Narzissas Sohn zu tun haben. Bellatrix Lestrange antwortete gerade auf die Worte ihrer Schwester: „Zissy, wage dich nicht zu weit vor. Wenn der dunkle Lord auch nur einen Hauch deiner Gedanken mitbekommt, dann wird das ein bitteres Nachspiel haben."

Daraufhin schnaubte Narzissa abfällig und Feelicitas blieb die Luft weg. Niemals hätte sie gedacht, dass es unter den Todessern so einen Verrat geben konnte. Doch vielleicht lag es auch nur daran, dass Narzissa eine sehr verzweifelte Frau geworden war.

„Woher soll er es den erfahren? Wenn du nichts sagst, dann wird diese Sache nie angerührt. Außerdem, was soll ich den tun? Ich habe schon Lucius verloren, soll ich mir auch noch ansehen, wie mein einziges Kind ins Verderben rennt?"

Feelicitas hatte die Nachricht von Lucius Malfoys Verhaftung mit grimmiger Genugtuung aufgenommen, denn dieser Mann hatte Askaban voll verdient. Das er aber vermisst wurde, war etwas ganz neues. Ein wenig konnte Feelicitas, Narzissa verstehen.

Die beiden kamen an das Haus und stutzten kurz, wegen des wütend bellenden Hundes.

„Bella, lass es sein. Der Hund wird dir nichts tun. Manchmal könnte man meinen du hast Verfolgungswahn, seitdem du Askaban verlassen konntest.", mahnte Narzissa sie. Diesmal war es Bellatrix, die einen abfälligen Laut von sich gab.

„Du, in deinem sicheren und hübschen Ansitz, warst weitab von allem Übel und konntest dich um dein Kind kümmern. Also lass dich nicht über Dinge aus, von denen du keine Ahnung hast.", fuhr sie ihre Schwester an: „Ich habe jedenfalls nicht vor, meinen Meister zu enttäuschen, wie es dein nichtsnutziger Mann tat. Es reicht mir schon, dass der dunkle Lord mich aus dem Ministerium retten musste. Ich will ihm nicht noch einmal die Gelegenheit geben, mir meine Unzulänglichkeit vorhalten zu können. Die Welt besteht nicht nur aus Festen und Luxus Narzissa. Hinter allem lauert auch eine Gefahr. Das solltest du aber mittlerweile selbst wissen, nicht wahr?", fragte sie bissig und Feelicitas sah, wie Narzissas unter ihrer Kapuze nickte. Die Beiden zogen endgültig vorbei und verschwanden in Richtung des Flusses.

Feelicitas konnte jetzt nichts mehr aufhalten. Sie machte sich, so schnell es ihr Zustand erlaubte, zum Haus auf.

Als sie dort ankam, war Severus noch wach. Er saß in seinem Sessel, leere Weingläser vor sich auf dem Tisch, und schien tief in Gedanken versunken. Er schrak auf, als sie eintrat. Feelicitas erstarrte, was war hier passiert? Sie stellte den Karton auf das Sofa und blickte sich sorgsam um.

„Ich habe sie weggehen sehen.", sagte sie schließlich leise: „Ich habe sie belauscht und sie haben über ziemlich beunruhigende Dinge geredet."

Immer noch reagierte Severus nicht. Er schaute sie nur, ohne jegliche Regung in seinen Augen, an.

Vielleicht wusste er nichts von diesem Besuch, aber die Umstände waren mehr als nur auffällig. Sie musste ihn bewundern. Er war schlauer gewesen als Voldemort es jemals war. Er schickte sie fort, damit sie nichts mitbekommen konnte.

„Warum kam Narzissa zu dir? Was wollten sie?", fragte sie aufgebracht. Dabei drängte sich ihr die Frage auf, warum sich Narzissa so sicher war, dass ihr Severus helfen würde. Standen sie sich so nahe? „Was hast du getan? Was ist das für ein Schwur?", verlangte sie fordernd zu wissen.

„Feelicitas, das ist nichts, was dich etwas anginge. Was du auch gehört haben magst, du solltest es schnell wieder vergessen. Ich werde es dir bestimmt nicht erklären.", sagte er schließlich leise, eine nachhaltige Warnung in seine Worte legend. Feelicitas nickte, obwohl es ihr auf der Zunge lag, ihn zu fragen, ob er einen Obliviate an ihr anwenden wollte, wenn sie es nicht vergaß. Trotzdem regte es sie sehr auf.

„Geh jetzt, ich will allein sein.", befahl er und sie versuchte erst gar nicht sich zu wehren und verließ den Raum.

Von ihm erfuhr sie mit Sicherheit nichts weiteres darüber, was die beiden Frauen von ihm gewollt hatten. Doch die Dunkelheit in seinem Blick und das aggressive Verhalten sagten ihr genug. Severus Snape, der sonst alles immer im Griff zu haben schien, war überrumpelt worden.

Sie fühlte sich überhaupt nicht gut und der Gedanke, dass ihm wohl irgendwas an Narzissa liegen musste, war auch nicht sehr beruhigend. So versuchte sie wenigstens etwas Schlaf zu finden, doch der kam einfach nicht über sie. Die Gedanken quälten sie und dafür, dass sie sich wie ein gestrandeter Wal fühlte, war sie heute eindeutig zu viel gelaufen und hatte Rückenschmerzen.

Alle Bedenken, die Severus an ihrem ersten Abend hier zerstreut hatte, kamen wieder auf. Das hier war eindeutig nicht mehr der sichere Hafen, den sie brauchte, um ihr Kind in Frieden aufzuziehen. Sie hatte Severus genug vertraut, um ihm im inneren ihres Herzens doch zu glauben. Aber nun schien sich die Situation geändert zu haben. Severus wusste selbst nicht mehr weiter.

Schließlich fiel sie doch in einen leichten Dämmerschlaf, aus dem sie erst erwachte, als das ganze Haus stockdunkel war und kein Laut mehr davon kündete, dass Severus noch wach war. Ihr Rücken brannte wie Feuer und als sie sich streckte und langsam aufstand wusste sie plötzlich, wo die Ursache für den Schmerz zu suchen war. Die Wehen hatten eingesetzt. Nach einem Moment entspannte sich ihr Körper wieder etwas und sie schaffte es ganz aufzustehen und das Zimmer zu verlassen.

Im Haus war es wirklich dunkel und so tastete sie sich an der Wand abstützend zu Severus Zimmer. Kurz bevor sie es erreichte überkam sie wieder ein scharfer Stich, der sich mittlerweile durch ihren Unterleib zog. Hatte sie für die paar Meter so lange gebraucht oder waren die Abstände schon so nahe aneinander?

Nach wenigen Minuten verging die Wehe und sie betrat Severus Zimmer. Dieser schien keinen tiefen Schlaf in dieser Nacht gefunden zu haben. Er erhob sich, als Feelicitas das Zimmer betrat, und zündete eine Lampe an.

„Was soll-?", fragte er grimmig. Feelicitas verstand ihn ja, denn diese Situation hatten sie schon mal. Doch schien er das Ganze schnell zu verwerfen, als er die Hand auf ihrem Bauch sah.

„Himmel!", entfuhr es ihm überrascht aber trocken und er schwang sich aus dem Bett.

„Könntest du bitte die Hebamme durch den Kamin rufen? Ich würde mich gerne hinsetzen.", bat sie ihn leise

Das tat er dann auch und verschwand mit wehendem Nachthemd. Feelicitas wagte wieder den Weg in ihr Zimmer und zog sich mühsam an. Severus kam nicht zurück. Schließlich stieg sie die Treppe hinunter. Sie sah ihn vor dem kleinen Kamin stehen und mit jemandem lamentieren. Das Gesicht im Kamin verkündete gerade ziemlich missmutig: „Das ist mir doch egal, es ist kein Arzt da, bei dem sie sich beschweren könnten. Wissen sie ich habe seit Tagen nicht geschlafen. Ich habe mir alle Nächte um die Ohren gehauen, nur damit die Babys erst am nächsten Mittag kamen." Das Gesicht, der Hebamme wandte sich ihr zu.

„Sag ich doch, das dauert noch Stunden. Wagen sie sich erst wieder zu melden, wenn es ernst ist." Damit beendete sie die Verbindung. Feelicitas hatte es sprachlos gemacht. Längst hatte sie jeden Gedanken an Erholung wieder verschoben, doch Severus schien seinem Ärger Luft machen zu können.

„Was bildet sich diese Frau ein? Es ist ihre Pflicht nachts aufzustehen, wenn sie Dienst hat. Unmöglich. Als ob sie per Ferndiagnose das bestimmen könnte.", polterte er ungehalten, verstummte aber beim Anblick von Feelicitas, die wieder von einer Wehe überrannt wurde.

„Es ist mittlerweile alle sieben Minuten.", keuchte sie angespannt und als Severus sie nur begriffsstutzig anschaute fügte sie hinzu: „Es ist höchste Zeit. Wenn ich das Kind nicht auf dem Sofa bekommen soll oder du eine Pfütze auf dem Boden haben willst, dann Mach was!"

Aber was, das war die Frage. Durch den Lärm angezogen erschien Wurmschwanz und versuchte einen Blick auf die Situation zu bekommen. Feelicitas stöhnte: „Schaff mir den vom Hals!", fauchte sie und setzte ihre Wanderung fort, die Hände ins Kreuz gestützt und den Blick zur Decke gewandt.

Sie beachtete Severus nicht weiter, der Wurmschwanz höchstpersönlich in sein Zimmer steckte. Als er wiederkam war Feelicitas etwas eingefallen: „Kannst du Poppy Bescheid geben? Bitte.", flehte sie leise und er nickte und wandte sich erneut dem Kamin zu. Mittlerweile war auch er sehr blass.

Feelicitas machte sich zur Toilette auf. Sie hatte plötzlich einen unheimlichen Druck auf der Blase und konnte es gerade noch schaffen.

Als sie wiederkam hatte Severus schon alles geregelt und packte sie am Arm.

Sie apparierten nach Hogwarts und geradewegs in Dumbledores Büro, wo schon Madam Pomfrey neben dem Professor wartete.

„Was machst du denn für Sachen?", fragte sie sanft und setzte sich mit der verstörten Feelicitas in Bewegung, um sie zur Krankenstation zu schaffen.

Es würde noch eine lange Nacht werden, doch an ihrem Ende würde sie endlich ihr Baby im Arm halten können.

Fortsetzung folgt...

Feelicitas: Ich kann dazu nicht mehr viel sagen.

Ich: So geschockt?

Feelicitas: Eher soviel neues. Es war wohl gar kein Platz mehr um eine andere Sichtweise einzubinden?

Ich: Ja, die Kapitel werden länger und länger und soviel hat Wurmschwanz auch nicht zu sagen und Severus hat genug geredet. Aber warte erst mal ab, da gewöhnst du dich dran.

Feelicitas: Von einer Katastrophe in die nächste und jetzt habe ich auch noch Presswehen.

Ich: Ja, die viele Aufregung...

Fortsetzung folgt...

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