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Ihr sehnlichster Wunsch
Poppy konnte Feelicitas gerade noch in den Krankenflügel bringen, wo sie alles vorbereitet hatte. Kaum hatte sich Feelicitas dort eingenistet, platzte auch schon die Fruchtblase und Hektik brach aus. Egal was Poppy Pomfrey über magische Geburten gesagt hatte, so erkannte die immer unruhiger werdenden, dass es doch viel riskanter war, als sie vorher angenommen hatte.
Feelicitas war jedoch so mit ihren Wehen beschäftigt, dass es ihr fast schon egal war, dass die Heilerin nicht so recht wusste, was sie zuerst tun sollte. Ein heftiger Druck in ihrem Unterleib brachte Feelicitas fast an den Rand des Wahnsinns. Aller Schmerz, den man ihr in ihrem Leben bereits zugefügt hatte, war gar nichts gegen das Gefühl von innen zerrissen zu werden. Selbst Voldemorts höchsteigener Cruciatus war dagegen ein Vergnügen. Und doch hätte sie trotz aller Schmerzenstränen niemals tauschen wollen. Sie versuchte nicht die Besinnung zu verlieren und es endlich zu Ende zu bringen. Ruhe, sie wollte endlich Ruhe haben.
Nach der fünften Presswehe war es endlich soweit und der Knubbel löste sich. Urplötzlich sackte ihr Bauch zusammen und machte den Blick auf Madam Pomfrey etwas freier. Die umwickelte gerade das blutige Baby mit einen weißen Handtuch. Ein Moment verging, in dem Poppy mit irgendwas herumhantierte, aber man hörte keinen Laut und Feelicitas horchte auf. Vergessen war die Ruhe, die sie erreichten wollte. Ein mächtiger Impuls vertrieb ihre Erschöpfung und sie schlug die Augen wieder auf und starrte angstvoll zu der Heilerin.
Poppy blickte sie nur kurz an und ein Lächeln lag in ihren Zügen: „Mach dir keine Sorgen Feelicitas, es ist alles in Ordnung. Sie will nur nicht schreien. Aber schau, sie atmet ganz ruhig.", sagte sie leise und damit kam sie um das Bett herum und reichte Feelicitas das immer noch sehr verschmierte Baby.
Wenn nicht die wachen Augen gewesen wären, die neugierig die Welt betrachteten, hätte sie es nicht geglaubt. Doch Poppy hatte recht. Es war alles in Ordnung. Sie spürte das Gewicht und die warme Haut auf ihrem Brustkorb und konnte ihr Glück gar nicht fassen.
Und doch, irgendetwas stimmte nicht mit dem Säugling und so zupfte sie das Handtuch zur Seite und schaute sich das kleine Bündel Leben an. Alle Finger und Zehen waren dran und obwohl ihre Tochter kleiner und zierlicher als andere Säuglinge war, besaß sie schon kratzige kleine Fingernägelchen und ein paar dünne Strähnchen schwarzen Haares. Langsam entspannte sich Feelicitas und lehnte sich zurück. Poppy jedoch grinste immer noch seltsam und das alarmierte die junge Mutter: „Was hast du?", fragte sie leise und folgte Poppys Blick. Erst nach einer Weile merkte sie, was wohl so erheiternd sein musste.
Feelicitas war es im ersten Moment nicht aufgefallen, denn es war nichts lebensgefährliches, doch jetzt stach ihr der winzige aber charakterstarke Knubbel auf der kleinen Stupsnase auch ins Auge. Poppy nahm ihr jeden Kommentar ab: „Nun ist ja geklärt, wer der Erzeuger ist. Herzlichen Glückwunsch meine Liebe, du hast eine wirklich schöne Tochter.", äußerte Poppy nach einem verhaltenen Räuspern, doch Feelicitas konnte es ihr nicht so recht glauben.
„Kannst du das nicht wegmachen? Sie ist ja für ihr Leben gestraft, wenn sie damit rumlaufen muss."
Poppy schaute prüfend auf das kleine Würmchen und nickte dann: „Natürlich, wenn du es so haben willst. Ich muss dich aber darüber aufklären, dass es Nebenwirkungen haben kann. Man kann nicht einfach so etwas ändern, ohne dass der Körper sich nicht wehrt. Sie wird wohl noch ein paar Wochen an Nasenzucken leiden."
„Besser das, als ein Leben lang Spott ertragen. Bitte tu es."
Poppy nahm sich die Kleine und nach einer kurzen Weile und ein paar kleinen Sprüchen reichte sie das Baby zurück.
Feelicitas atmete tief durch. Es war vorbei und im nachhinein war sie traurig darüber. Solange dieses bezaubernde Wesen noch ein Teil in Feelicitas Körper gewesen war, hatte Feelicitas sie beschützen können. Doch von nun an war ihr einziger Schutz Feelicitas ständige mütterliche Nähe. Und das würde sehr schwer werden und sie anfällig machen, bei dem was sie vorhatte. Leise Zweifel beschlichen die junge Mutter. Werde ich dem überhaupt gerecht werden können? Das schaffe ich doch nie. Doch bevor sie in leisen Tränen der Unsicherheit ausbrechen konnte, fiel der Blick kleiner, dunkler Augen auf sie und holte sie in die Realität zurück.
Feelicitas öffnete ihr Oberteil und legte sich das kleine Etwas an, das sofort sofort zu saugen anfing.
„Bist du dir sicher Poppy, dass alles in Ordnung ist? Ich dachte immer alle Kinder schreien wie am Spieß, wenn man sie in diese Welt entlässt."
Daraufhin lachte die Heilerin nur kurz auf: „Ich habe sie auf alles untersucht, ein gesünderes Kind wirst du kaum finden. Warte erst mal ab, wenn sie zu ersten Mal unzufrieden wird, dann wirst du dir noch oft wünschen, sie würde wieder so still werden.", beruhigte sie Feelicitas und machte sich daran, die blutbefleckten Tücher wegzuräumen. Nach einiger Zeit verkrampfte sich Feelicitas noch mal und dann kam die Nachgeburt.
Sie bereute nicht, dass Poppy da war. Die Heilerin kümmerte sich fürsorglich um sie und so vertraute sie ihr schließlich auch das Baby an, denn Feelicitas war plötzlich so müde, dass ihre Arme das kleine Bündel nicht mehr stützen konnten. Sie verfiel sofort in den tiefen Schlaf der Erschöpfung.
Als sie die Welt um sich herum wieder wahrnahm, befand sie sich immer noch im hinteren Teil der Krankenstation. Es war früher Morgen und keine Spur von Madam Pomfrey zu sehen. Trotzdem war sie nicht allein.
Severus Snape stand mit verschränkten Armen vor einem kleinen Bettchen, das verdächtig an einen umfunktionierten Wäschekorb erinnerte und blickte mit unergründlichem Ausdruck in die Tiefe.
Doch als er hörte, wie sich Feelicitas raschelnd durch das Bett wälzte, blickte er auf: „Bleib liegen, es ist alles in Ordnung.", sagte er streng, und doch lag ein sanfter Hauch in seiner Stimme und er blickte wieder zu der Kleinen.
Feelicitas hörte nicht auf ihn und kämpfte sich in eine sitzende Position: „Schläft sie?", fragte sie leise, doch Severus schüttelte den Kopf und sagte leise: „Sie ist hellwach."
Er schien nicht überrascht, dass es ein Mädchen war, obwohl sie es ihm nie gesagt hatte.
Von ihrem Bett aus sah Feelicitas nichts, doch die dunkle Gestalt über der Wiege machte sie unruhig. Aber was sollte sie tun? Scheinbar sah ihre Tochter das anders, denn es war immer noch totenstill im Korb. Feelicitas wunderte sich ein wenig. Sie selber hätte schon ganz Hogwarts zusammen geschrieen, wenn sich Severus ihr so intensiv widmen würde.
„Kannst du sie mir bitte geben?", fragte sie und streckte ihm die Arme fordernd entgegen. Severus schaute sie an, als hätte sie verlangt, einen Mord zu begehen.
„Ich soll was? Nein, ganz bestimmt nicht. Warte, ich gehe dir Poppy holen-", verkündete er ablehnend und wollte sich entfernen. Doch Feelicitas schnitt ihm das Wort ab: „Gib sie mir!" forderte sie bestimmter. Ihr Ton ließ Severus stutzen und er blieb unschlüssig stehen.
„Sie wird schon nicht durchbrechen. Zumindest, solange du sie nicht fallen lässt. Das Einzige, was du beachten musst ist, dass ihr Kopf nicht von allein hält. Und das Schlimmste, was sie dir antun kann, ist dir auf die Robe zu brechen."
Severus kehrte zur Wiege zurück und beugte sich zögernd darüber. Kein Schrei ertönte, als er das kleine Bündel aufhob und so wurde er mutiger.
„Pass auf den Kopf auf.", erinnerte ihn Feelicitas drängend. Er warf ihr einen verärgerten Blick zu, entsann sich aber des kleinen Kindes in seinem Arm und so blieb sein Protest relativ geräuschlos und er legte seine Hand unter den Nacken.
Doch er machte keinerlei Anstalten ihre Tochter ans Bett zu bringen. Statt dessen betrachtete er mit einem fast schon zärtlich zu nennenden Ausdruck die kleinen Fingerchen und die aufgeweckten Augen, die scheinbar alles sahen. Dabei konnte das Mädchen fast nichts erkennen. Feelicitas erinnerte sich plötzlich wieder an die Nacht vor so langer Zeit, die zur Entstehung dieses kleinen Wunders geführt hatte. So lange schon hatte sie diesen Ausdruck nicht mehr in den Augen des sonst so verbissenen Mannes gesehen. So lange, dass sie beinahe glaubte, es sich nur eingebildet zu haben. Aber Severus bewies gerade, dass er tatsächlich dazu fähig war.
Sie störte diese Szene nur ungern, schließlich war es auch sein Kind. Doch ihr starker Instinkt forderte unverzüglich ihre Tochter in die Arme zu schließen. Als hätte Severus die Schwingungen in der Luft gespürt, riss er sich plötzlich aus seiner Versunkenheit los und kam zu Feelicitas.
Erleichtert registrierte sie die Nähe des kleinen Körpers. Schlagartig verlor sich ihre Panik und sie drückte sie an sich. Ein leises Glucksen des Babys, der erste Ton überhaupt, ließ Feelicitas etwas zusammenzucken.
Vielleicht hatte sie Hunger? Sie legte das Baby wieder an und bemerkte das Severus sich plötzlich abwandte.
„Bleib ruhig. Hier gibt es nichts, was du nicht kennst.", sagte sie leise, ohne den Blick von ihrem kostbarsten Schatz zu wenden. Severus blieb, zog es aber vor, den nächsten Wandteppich zu betrachten.
Nach einer Weile des Schweigens und der Ungestörtheit räusperte er sich plötzlich leise und Feelicitas, die gerade mit Koseworten herum schmiss schaute verwirrt auf.
„Ich nehme mal an, dass du dir darüber im Klaren warst, dass es ein Mädchen wird.", sagte er leise und blickte sich um. Feelicitas hatte sich schon längst wieder bedeckt und so näherte er sich wieder: „Ja.", sagte sie kurz und nach einem forschenden Blick seinerseits nickte er kurz.
„Nun gut, ich müsste lügen, würde ich behaupten, mir wäre das Bestehen diese Möglichkeit entgangen." Er begann unruhig hin und her zu laufen, blieb schließlich wieder stehen und blickte sie an: „Ich habe kein Problem damit. Doch den Worten des dunklen Lords konnte ich vielfach entnehmen, dass er auf einen Erben im Hause Snape hoffte. Vielleicht nimmt er es nicht gut auf." Er machte eine bedeutungsschwere Pause, doch Feelicitas hatte noch nicht verstanden: „Dann richte ihm schöne Grüße von mir aus. Wenn er das mit den Bienchen und Blümchen nicht verstanden hat, rate ich ihm ein schlaues Buch zu Rate zu ziehen. Vielleicht versteht er dann, dass es zwei Geschlechter gibt.", sagte sie mit müdem Ton. Musste das denn ausgerechnet jetzt sein? Sie hatte alles andere im Sinn, als sich gerade darüber Sorgen zu machen.
Doch Snape schien das nicht zu kümmern: „Du hast mich nicht richtig verstanden. Sicher wird er es wohl akzeptieren müssen. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass er auf einen zweiten Versuch-." Er stockte mitten im Satz, denn Feelicitas Blick sprach Bände: „Nicht jetzt, nicht hier und niemals vor meinem Kind.", versetzte sie drohend und musste dabei wohl so einschüchternd ausgesehen haben, dass Severus nach einem kurzen Schnaufen schwieg. Es konnte aber auch gut sein, dass sie so bemitleidenswert wirkte, dass er dieses Gespräch vorsichtshalber verschob.
„Ich werde ihm eine Nachricht zukommen lassen müssen.", sagte er und schaute aus dem Fenster: „Wie soll sie heißen?"
Das überraschte Feelicitas mehr, als sein ganzes bisheriges Verhalten.
„Nun... ich... keine Ahnung.", bekam er zur Antwort. Natürlich war es Feelicitas nicht so unklar, wie sie gerade vorgab. Sie hatte schon seit Wochen diverse Namen erwogen und wieder verworfen. Sie war ihre gesamte Verwandtschaft durchgegangen, hatte aber nichts passendes gefunden. Zu guter Letzt dachte sie an jemanden, der ihr viel bedeutet hatte und wusste welchen Namen sie bekommen sollte. Severus sollte sich ruhig auf den Kopf stellen, sie würde nicht mehr davon abweichen.
Uberdies schien er ihre Unsicherheit auch als das erkannt zu haben, was sie war. Schlicht und einfache Überraschung, deshalb hütete er sich etwas zu sagen. Nicht bevor sie sich dazu geäußert hatte.
„Na ja, ich dachte das Serena Eileen ganz hübsch wäre.", ließ sie schließlich verlauten und rechnete schon mit einem Protestschrei. Doch weder die genannte noch ihr Erzeuger schienen besonders entsetzt. Die einzige Reaktion ihres Mannes war ein kurzes Nicken: „ Klingt annehmbar."
Irgendwie wurde sie jedoch das Gefühl nicht los, dass er sich gerade fragte, was hinter ihrer Entscheidung stecken mochte.
Zumindest enthielt er sich eines weiteren Kommentars. Statt dessen wandte er sich ihnen wieder zu und trat näher. Feelicitas wich erschrocken zurück, als er um ihren Hals fasste, merkte aber schnell, dass er nur die Kette löste. Wortlos schaute sie zu, wie er es um den zierlichen Hals seiner Erstgeborenen legte und festmachte.
„Sie schläft gleich ein. Soll ich sie wieder in ihr...Bett legen?" Dabei deutete er mit abfälligem Blick auf den Wäschekorb. Feelicitas nickte und beobachtete ihn sehr aufmerksam, als er Serena auf den Arm nahm. Diesmal dachte er sofort an die Nackenstütze.
„Ich werde dich gleich verlassen müssen, soll ich jemandem Bescheid sagen? Nur falls du noch etwas benötigst?"
Feelicitas schüttelte den Kopf, wobei er es schon nicht mehr richtig wahrnahm. Seine Aufmerksamkeit gehörte bereits wieder Serena und so wie er mit Feelicitas redete wirkte er etwas zerstreut.
„Ich denke mir mal, dass du Ruhe haben willst. Ich versuche Dumbledore und die anderen davon zu überzeugen, dass zu respektieren. Doch ich kann nicht garantieren, dass sie sich daran halten.", sagte er und betrachtete das Baby in seinen Armen mit leicht entrücktem Blick, der einfach nicht zu ihm passte. Feelicitas bedankte sich leise, schließlich war es ja sehr nett, dass er sich überhaupt darum kümmerte, war sich aber sicher, dass er es nicht mitbekam.
Er hielt Serena hoch gegen das Licht, der schräg einfallenden Morgensonne und betrachtete sie mit weichem Blick. Dieser Moment berührte Feelicitas tief im Herzen. So viel auch im Argen lag, dieser Augenblick war so friedlich, dass sie versucht war, dem sicherlich falschen Eindruck Glauben zu schenken. Innerlich jedoch wünschte sie sich, dass es wirklich so sein könnte.
Sie einfach nur eine glückliche Mutter, Severus ein stolzer Vater und Serena nur ein unbeschwertes und geliebtes Kind, das friedlich aufwuchs.
Doch sie wusste zuviel über die nahende Zukunft, als dass sie daran glauben dürfte, dass auch nur einer von ihnen dazu bestimmt war.
Fortsetzung folgt...
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