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Books » Harry Potter » The Darkness arounding us
Feelicitas Lefay
Author of 12 Stories
Rated: M - German - Tragedy/Romance - Severus S. & Sirius B. - Reviews: 39 - Updated: 02-23-06 - Published: 10-04-05 - Complete - id:2604878
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Also, wir sind in Frankreich. Ich muss wohl nicht extra hinweisen, dass Feelicitas nun französisch spricht. Sollte das im folgenden zu Missverständnissen führen (Wenn jemand nicht versteht, was sie zu jemand anderem gesagt hat, oder sie Gespräche nicht gut wiedergeben kann,) dann liegt das nicht an ihrer zuweilen etwas eingeschränkten Intelligenz, sondern an der Tatsache, dass sie übersetzen muss. Leider ist das bei mir im Vorfeld etwas stiefmütterlich behandelt worden, denn mein Schulfranzösisch beschränkt sich darauf in der Boucherie ein Baguette und in der Boulangerie ein Filet kaufen zu können. Wer das jetzt verstanden hat, der wird es mir wohl gnädig verzeihen können, wenn ich kaum ein Wort französisch einbinde.

Niemandsland

Im Dorf hatte sich nichts verändert. Die vielen alten Bäume waren immer noch ganz krumm und trugen zu viele Blätter. Feelicitas vermied es, die Hauptstraße zu benutzen. Sie wollte keinen Volksaufstand auslösen, nicht bevor sie zu Hause angekommen war. Die Vöglein zwitscherten fröhlich und in der Ferne hörte man das Rattern der alten Wassermühle. Okay, die hatte zwar keinerlei Nutzen mehr, aber sie verstärkte den Eindruck der friedlichen Idylle. Das mochte auf die wenigen Touristen, die sich hierher verirrten ja sehr Eindruck machen, doch keiner der Anwohner nahm es zur Kenntnis. Die wussten nur zu gut, dass es unter der Oberfläche brodelte. Es gab nur eine kleine Mittelschule. Der Sohn des ehemaligen Großgrundbesitzers, Louis de Fresy, hatte seinem Erbe gemäß also immer noch allen Einfluss in dieser Gegend. Er war der einzige Lehrer für die Oberklasse und zudem noch im Schulrat und Feelicitas Pflegevater.

Wenn sie sich hätte aussuchen dürfen, welche Menschen sie in ihren Leben nie wieder sehen wollte, dann wäre Louis de Fresy direkt nach Voldemort gekommen. Die Liste war allerdings noch etwas länger. An dritter Stelle stand Wurmschwanz und dahinter Dr. Pierre Beauchamp. Doch das führte ihr nur vor Augen, dass es keine Sicherheiten geben konnte. Trotzdem hoffte sie, e würde nicht ausgerechnet er sein, dem sie als erstes in die Arme lief. Das könnte unangenehme Folgen haben – für ihn, nicht für sie. Der Zauberstab in ihrer Tasche vermittelte ihr ein Gefühl von Sicherheit, so dass sie keine Angst haben musste.

Sie huschte am Zaun vorbei durch die Büsche und kam schließlich an die weitläufige Einfahrt. Doch kaum blickte sie auf ihr altes Zuhause, setzte ihr Herzschlag für einen Moment aus. Das Einfahrtstor stand offen, was ein sehr ungewohnter Anblick war und sie vollkommen irritierte. Auch das Haus machte einen verlassenen Eindruck. Niemals während ihrer Zeit in diesem Dorf hatte sie es so offen und das Haus so verlassen vorgefunden. Aber halt, im Garten spielte ein Kind. Also lebte hier doch noch jemand. Das Kind, es war ein Junge, schien keine zwei Jahre alt zu sein. Er tapste über den etwas zu langen Rasen und versuchte einen Schmetterling zu fangen.

Feelicitas registrierte zugleich den neuen und noch frischen Anstrich. Früher war das Haus von einem düsteren, verkommenen Äußeren. Die Wände waren grau und dem Dach fehlten sogar einige Dachschindeln. Innen herrschte der Schimmel. Viel Geld hatten die de Fresys ja auch nicht durch den zweiten Weltkrieg retten können. Das magere Lehrergehalt von Louis reichte auf keinen Fall, um so ein Haus unterhalten zu können. Doch scheinbar waren die letzten zwei Jahre nicht seine schlechtesten gewesen. Das Haus strahlte gerade zu. Weiß und hell und viel freundlicher als Feelicitas es jemals für möglich gehalten hatte...

Sie blickte wieder auf den Jungen. Er hatte schwarze Haare und blaue Augen. Er schien sie ebenfalls gesehen zu haben und kam näher.

„Ist das Baby?", fragte er kleinkindhaft. Das er bereits so gut reden konnte, grenzte für Feelicitas an ein Wunder. Sie nickte verhalten und warf noch mal einen Blick über das Anwesen. Lebten die de Fresy nicht mehr hier? Feelicitas war höchst verwirrt. Louis hätte niemals dem Dorf den Rücken gekehrt, das war einfach undenkbar. Aber woher kam dann der Junge?

Dieser schien inzwischen der Meinung zu sein, dass er mit der fremden Frau mit dem Baby genug geredet hatte. Er lief auf einmal schreiend davon und rief panisch nach seiner Mutter. Feelicitas nahm das Geschrei des Jungen zum Anlass, sich in die nächste Hecke zu drücken. Es musste jemand Fremdes im Haus sein. Vielleicht war es ja Besuch, da sollte sie nicht einfach so hereinplatzen. Doch bevor sie sich durch die Hecken wieder davon machen konnte, um einen späteren Zeitpunkt für ihren Besuch zu finden, kam eine Frau aus der offenen Haustür gestürzt und Feelicitas blieb stocksteif stehen.

„Was ist denn los, Maurice? Ich bin doch hier.", sagte sie tadelnd zu dem Kleinen. Dieser drückte sich schutzsuchend an ihr Bein und murmelte etwas.

Feelicitas traf der Schlag, als sie ihre Maman, Adelaide de Fresy so mit dem Jungen sah. Das konnte doch unmöglich wahr sein. Sie wollte dem, was sie da gerade sah, einfach keinen Glauben schenken. Ihr Blick wankte zwischen dem kleinen Kind, das Adelaide wohl ziemlich nahe stand und der Gestalt der Frau hin und her. Was war hier geschehen? Adelaide war immer eine ernste, stille Frau gewesen, die zwar mit großer Gelassenheit aber auch einem großen Kummer ihr Leben führte. So, wie sie jetzt dastand, erkannte ihre Feelicitas sie kaum. Ihre dichten schwarzen Haare, trug sie lang und in einem losen Zopf, aus dem sich Strähnen gelöst hatten. Nichts erinnerte mehr an die immer perfekt sitzende Kurzhaarfrisur. Auch ihre sonst immer dunkle und schlichte, aber trotzdem elegante Kleidung war einem bunten Shirt und einer sportlichen dreiviertel Hose gewichen, welche nicht einmal sauber war, sondern einen dicken Fleck aufwies, der irgendwie an Brei erinnerte.

Noch nie hatte Adelaide sich so gehen lassen. Selbst Feelicitas , die sie ja wohl schon immer kannte, hatte nie so etwas an ihr gesehen. Selbst in der schlimmsten Not oder tiefsten Nacht war Adelaide nie ungekämmt gewesen und hatte auch nie so was jugendliches getragen.

Und doch, so groß Feelicitas Entsetzen auch war, sie musste zugeben, dass Adelaide so viel jünger wirkte.

Fast als hätte Adelaide etwas geahnt, blickte sie nun von dem kleinen Maurice auf und schaute suchend über die Einfahrt. Feelicitas kam aus ihrer Deckung heraus und trat langsam näher.

„Maman?", fragte sie leise. Adelaide brauchte nicht lange, um die Situation zu erfassen. Sie schlug ihre Hände vor den Mund, um den Schrei, der ihr entfahren wollte, zu unterdrücken. Erst dann stürzte sie auf ihre Tochter zu, ohne den kleinen Maurice weiter zu beachten. Er fiel durch den Schwung seiner Mutter auf den Hintern und stimmte ein lautstarkes Gebrüll an.

„Feelie, oh Gott. Bist du es wirklich?" Adelaide umschloss Feelicitas mit beiden Armen und fing an zu weinen.

„Maman, pass auf. Du erdrückst Serena.", protestierte Feelicitas schwach. Natürlich wünschte sie sich nichts schöneres, als in den Armen ihrer Mutter ebenfalls in erlösende Tränen auszubrechen, doch das sich bietende Bild machte sie zu unsicher.

Adelaide ließ sie nur ungern los und blickte auf das Baby in Feelicitas Arm und dann wieder hoch in Feelicitas Gesicht.

„Ein Baby?", fragte sie mit tränenden aber strahlenden Augen. Es gab wohl wirklich nichts auf der Welt, was diese Frau schocken konnte. Feelicitas nickte. Und als sie dann sah, wie Adelaide ihr die mittlerweile unruhige Serena aus dem Arm nahm und behutsam wiegte, brach alles in der jungen Frau zusammen. Es war einfach zuviel. Maurice, der neue Anstrich, ihre so losgelöst wirkende Mutter, die kaum wieder zu erkennen war.

„Maman, was ist hier passiert?", fragte sie unglücklich und erwartete, nun ebenfalls mit Tränen in den Augen, eine Antwort. Eine Antwort, die alles was sie dachte als einen Irrtum heraus stellte. Doch Adelaide erwiderte ihren Blick mit Unbehagen, bevor sie sich wieder zu Serena wandte und sie beruhigte.

„Komm lieber erst mal rein, Feelie." Dann ging Adelaide und ihre Tochter folgte ihr einfach, am immer noch schreienden Maurice vorbei. Als sie auf gleicher Höhe waren, verstummte er plötzlich und blickte Feelicitas hasserfüllt an, sofern ein so kleines Kind bereits so schauen konnte.

„Geh weg.", fauchte er quiekend und krabbelte dann seiner Adelaide hinterher, die ihn aber nicht weiter beachtete.

In der Küche setzte sich Adelaide, mit ihrem Enkelkind im Arm, auf einen alten Küchenstuhl. Feelicitas sah sich flüchtig um. Wenigstens hier sah es noch so wie immer aus. Sie sah wortlos zu, wie ihre Mutter Serena leise wiegte. Dabei machte das Baby keine Anstalten unruhig zu werden.

„Willst du dich nicht setzen?", fragte Adelaide, mied aber Feelicitas Blick. Feelicitas ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Soviel war anders und sie fühlte sich so verletzt, weil es nun wirklich keinen Ort auf der Welt mehr gab, an dem sie Ruhe finden konnte um die schlimme Zeit zu vergessen. Sie hatte Angst. Große Angst, dass ihre nächste Frage alles zerstören würde und doch fragte sie: „Wer ist Maurice?"

Adelaide schaute tapfer auf und sagte leise: „Er ist dein Bruder, Feelicitas."

„Nein, das kann doch nicht-" entfuhr es ihr und sie wurde wütend. Kaum war man sie los, holten sie sich ein neues Kind. Wie konnten die nur? Doch Adelaide unterbrach ihren Seelenschmerz mit wenigen klaren Worten.

„Er ist leiblich und es kann sein. Egal was du denkst, das war nicht geplant.", versuchte sie Feelicitas zu beruhigen. Dieser fiel ein Stein von der Seele und doch blieb da ein Rest Misstrauen. Adelaide de Fresy war Mitte 40, es war unwahrscheinlich, dass sie nach 25 Jahren ohne eigene Kinder plötzlich eines bekam.

„Das glaube ich nicht.", musste Feelicitas zugeben, obwohl sie es Adelaide von Herzen wünschte.

„Ich habe selbst sehr lange nicht daran geglaubt. Es kam so überraschend. Weißt du noch? Ich hatte doch so Magenbeschwerden und dann nach ein paar Wochen bekam ich immer diese Blähungen und außerdem habe ich doch so zugenommen."

Feelicitas dachte zurück und hätte sich am liebsten für ihre Dummheit geschlagen. Natürlich war Adelaides Unwöhlsein Ausdruck einer Schwangerschaft gewesen.

„Mach dir nichts draus mein Liebes. Wir beide hätten eigentlich wissen müssen, was es bedeutet, doch scheinbar waren wir blind. Ich kann es nur damit erklären, dass ich es nicht merken wollte. Aber ich war schon ziemlich weit, als das mit deinem Verschwinden geschah. Erst durch den Stress und die Angst wurde bekannt, dass ich es war. Ich bekam einen Schwächeanfall. Ich hatte fast eine Frühgeburt, weil ich mich so aufgeregt hatte. Also hat man mich die restlichen drei Monate ins Bett gesteckt, wo ich mich nicht bewegen durfte."

Es hörte sich sehr ruhig an, doch unter der Oberfläche spürte Feelicitas ein riesiges dunkles Loch, das ihr verschwinden in Adelaides Seele hinterlassen hatte. Wenn sie einen Nervenzusammenbruch bekommen und ihre Beherrschthei verloren hatte, dann musste es schlimm gewesen sein.

Adelaide tupfte sich ein paar Tränen ab und lächelte Feelicitas traurig an: „Wie heißt sie noch mal?", fragte sie leise.

„Serena. Serena Eileen ... Snape.", fügte sie zögernd hinzu und traf den Blick ihrer Mutter. Feelicitas hielt ihm stand und hob die Hand mit ihrem Ring hoch. Adelaide nickte verstehend und es war, als erleichterte sie dieses Wissen.

„Bist...bist du wegen dieses Snape nicht wiedergekommen?", fragte sie verhalten und strich betont aufmerksam über Serenas Löckchen.

„Maman, ich bin nicht weggelaufen. Mir ist etwas sehr schreckliches zugestoßen. Erst seit ein paar Wochen trage ich den Namen von Serenas Erzeuger. Es ist eine bloße Zweckehe, die mir Schutz bietet. Ich bin in etwas sehr böses rein geraten."

Falls das auf Adelaide keinen Sinn gemacht hatte, so ließ sie es sich nicht anmerken. Doch scheinbar war sie mitgekommen: „Hat es was mit-"

„Nein, die haben damit nichts zu tun. Es könnte aber damit zusammen hängen. Ich weiß es nicht. Ich weiß überhaupt nichts, Maman."

Adelaide gab ihr Serena zurück und schickte sich an Kaffee aufzubrühen: „Du willst bestimmt keinen Kaffe, oder? Tee habe ich gerade nicht, aber ich könnte dir Milch anbieten. Maurice ist darauf genauso verrückt wie du es immer warst."

Feelicitas musste ihre Mutter bewundern. Sie hatte ihr schon so viel Kummer im Leben bereitet und doch hielt sie immer noch zu ihr. Sie ließ sich Milch geben und dann wartete sie, bis Adelaide wieder saß und erzählte ihr in groben Zügen die Erlebnisse der letzten Jahre. Adelaide wurde immer blasser und Feelicitas konnte sich gut vorstellen, dass ihre Mutter ahnte, dass sie bald unangenehme Fragen stellen musste.

„Warum habt ihr nicht nach mir suchen lassen? Ich bin nirgendwo vermisst worden? Ist es weil ihr mich gar nicht richtig adoptiert habt?", platzte es aus Feelicitas heraus und sie blickte Adelaide flehend an.

Ein Moment herrschte Stille zwischen beiden, dann versuchte Adelaide sich aus der Affäre zu ziehen: „Ich weiß nicht woher du das hast, ich-"

„Maman, ich weiß das es so ist, also sag die Wahrheit. Was war los?" Feelicitas merkte selbst, dass sie einen Ton drauf hatte, den sie sich damals dieser Frau gegenüber nie getraut hätte. Ihr Umgang hatte wohl auf sie abgefärbt.

Leise antwortete Adelaide: „Feelicitas es tut mir so leid, dass du in so dunkle Machenschaften gezogen wurdest. Ja, natürlich hast du recht und es stimmt. Wie hast du?-"

„Das spielt jetzt keine Rolle.", würgte sie Adelaide ab. Im Moment stand ihr wirklich nicht der Sinn danach, sie über Miriel und das Standesamt aufzuklären: „Ich frage dich noch mal, warum wurde ich nicht gesucht?"

Adelaide schien verwirrt: „Dein Vater hat dich gesucht. Ich konnte ihm nicht helfen, ich lag im Bett.", beharrte sie störrisch.

Feelicitas wurde etwas bleicher, als sie verstand, was Adelaide nicht klar war. Natürlich hat er ihr gesagt, dass er mich sucht. Aber das hat er nicht wirklich ernsthaft betrieben. Er war froh mich endlich los zu sein.

Doch sollte sie ihrer Mutter sagen, dass ihr Mann die Bereitschaft besessen hatte, lieber seiner ungeliebten Tochter ein Unglück zustoßen zu lassen, als etwas unternehmen zu wollen?

Auf jeden Fall musste sie es schonend einbringen und atmete tief durch: „Maman, er hat es nicht getan. Er hat nicht gesucht."

„Red keinen Unsinn, Feelicia. Natürlich hat Louis alles getan um dich wiederzubekommen. Er war wochenlang praktisch von morgens bis abends unterwegs.", erklang es ungeduldig.

Ja, jetzt bin ich wieder Feelicia, hast du dir ja toll gemerkt, dass er mich immer so nennt, weil ich so eine Schande bin und er den Namen nicht aussprechen kann. Wahrscheinlich hat er sich in Briancon vollaufen lassen. Schließlich habe ich mich beinahe daran schuldig gemacht, dass sein Erbe sich davonmachte.

Feelicitas spürte die Wut in sich hochsteigen. Alte Wut, über die sie längst hinweg sein sollte.

Sie fixierte ihre Mutter ernster und diese rückte ein Stück mit dem Stuhl zurück und hielt unauffällig nach Maurice Ausschau.

„Maman, ich habe dich noch nie angelogen, das weißt du.", äußerte Feelicitas ruhig und der Ausdruck in Adelaides Augen entspannte sich. Plötzlich fiel Feelicitas etwas ein. Sie sah sich hektisch um: „Wo ist er eigentlich?", fragte sie lauernd und der mahnende Ton ihrer Mutter traf sie tief: „Feelicitas."

„Wo ist er?", äußerte sie lauter, jedes einzele Wort betonend und blickte Adelaide dabei tief in die Augen. Diese gab nach: „Louis hat heute eine Exkursion mit den Älteren. Sie sind nach Briancon in ein Museum gefahren. Dein Vater kommt erst spät zurück."

„Gut, bis dahin werde ich wieder weg sein. Maman, was ich dir jetzt sagen muss solltest du ernst nehmen. Dein ehrenwerter Mann, hat dich angelogen. Ich weiß aus sehr sicherer Quelle, dass nirgendwo auch nur ein Suchzettel aufgehängt wurde."

„Ach, das ist doch Unsinn. Feelicitas, ich weiß um eure Schwierigkeiten miteinander, doch so was würde er nicht tun." Immer noch stand tiefer Unglaube in den Augen ihrer Mutter.

„Weißt du wozu er wirklich imstande ist?", rief Feelicitas aufgebracht und Serena in ihren Armen fing an unruhig zu zappeln. Das genügte, um ihre Mutter auf den Boden zurück zu holen. Trotzdem mussten einige Dinge gesagt werden: „Das was er bereits getan hat, ist nicht sehr weit davon entfernt. Findest du, dass er mich richtig vermisst haben sollte?"

Erstmals schien Adelaide darüber nachzusinnen und ihr Blick wurde plötzlich müde, war für Feelicitas aber Antwort genug. Sie hatte es verstanden.

„Feelicitas, woher hast du das überhaupt? Was ist geschehen, dass du in so einer Gefahr schwebst?"

„Das werde ich dir alles noch sagen. Aber eines musst du wissen. Ihm war es egal, ob ich tot war, oder man mir was schreckliches angetan hat. Er wollte mich doch schon immer aus eurem Leben haben."

Adelaide war mittlerweile ziemlich aufgeschreckt: „Feelicitas, du machst mir Angst."

Zum ersten Mal seitdem sie redeten traute sich Maurice aus seiner Ecke, in der er geschmollt hatte und stürzte sich auf seine große Schwester.

„Mama nich Angst tun, Hexe!"

Sie blickte ihn ausdruckslos an. So süß er auch aussah, er erinnerte sie an seinen Erzeuger. Zudem schien er mehr als verwöhnt zu sein. Junge, wenn du wüstest, wie recht du hast.

Adelaide deutete den Blick richtig und zog Maurice von Feelicitas weg und schickte ihn leise in sein Zimmer.

„Du liest ihm auch zu viele Horrorgeschichten vor.", bemerkte Feelicitas eisig: „Aber sei unbesorgt, letztendlich war das vielleicht auch ganz gut, denn nur deswegen seid ihr noch am Leben."

Dann erzählte sie ihrer Mutter eiskalt und ruhig von der magischen Welt und dem bösen Herrscher, der es auf alles abgesehen hatte, was ihm im Wege stehen konnte. Adelaide war die Angst zwar anzusehen, doch sie war eindeutig nicht die Frau, die deswegen den Verstand verlieren würde.

Selbst als Feelicitas ihren Zauberstab zückte und die schmutzigen Tassen magisch spülte entfuhr ihr kein Laut des Entsetzens.

Ja, Maman war schon immer etwas Besonderes. Und sie hatte auch immer gewusst, dass ihre Tochter anders war und es akzeptiert. Zwar hatte Feelicitas dann doch keine Karriere als Heilige gemacht, doch scheinbar schien Adelaide das mit dem Zaubern auch zufrieden zu stellen.

„Darfst du eigentlich so wild in der Gegend rumzaubern?", fragte sie zögernd, doch ihre Frage war gar nicht einmal so dumm.

„Das werden wir schon merken.", antwortete Feelicitas. Doch wie schon auf ihrer Flucht bemerkt, die Welt hatte anderes zu tun, als sich um ihren Verbleib zu kümmern.

Über das Gespräch war es mittlerweile Abend geworden. Feelicitas hatte nicht vor diesen Tag mit einem großen Streit zu beenden und so brachte sie ihrer Mutter schonend bei, dass sie sich mit Serena im Gasthaus einquartieren wollte. Adelaide nahm es gut auf und es war sogar ihre Idee, Louis de Fresy erstmal die Anwesendheit ihrer Tochter vorzuenthalten. Wahrscheinlich konnte sie sich auch denken, dass Feelicitas dann nicht zurückkommen würde.

Sie verabschiedeten sich voneinander und Feelicitas ging hinunter ins Dorf.

Das Gasthaus hatte in diesen Julitagen Hochkonjunktur. Genau betrachtet hieß es, dass sich ein oder zwei Gäste einfanden. Ansonsten hatten die Besitzer hauptsächlich mit dem Ausschenken von Spirituosen zu tun.

Der alte Wirt schien sich nicht mehr an Feelicitas zu erinnern. Doch das nahm sie ihm nicht übel, manche hatten halt ein schlechtes Gedächtnis.

Sie bekam ein Zimmer und legte Serena schlafen. Sie selber machte sich noch zu einem anderen Ziel auf. Seit etwa fünf Jahren war der Wirt mit dem alten Stubenmädchen verheiratet. Solange sich Feelicitas erinnern konnte, war die ältliche Frau schon hier beschäftigt, Möglicherweise war sie es auch schon, als Miriel Lefay damals hier wohnte.

Feelicitas hatte Glück, denn wenigstens die Frau erkannte sie wieder. Es dauerte nicht lange und brauchte Feelicitas nur ein paar gezielte Fragen nach dem Jahr 1981, da begann die Wirtin zu reden und hörte nicht mehr auf. Sie erzählte Feelicitas endlich ohne jegliche Scheu alles über den dreitägigen Aufenthalt der rothaarigen Frau mit dem kleinen Kind. Feelicitas wollte nicht unbedingt alles über diese schicksalhaften letzten Tage im Leben ihrer Mutter wissen. Es riss zu viele Wunden auf, denn sie selbst machte gerade genau dasselbe durch.

Die Wirtin schien aber so erleichtert zu sein. Sie spürte förmlich, dass vor ihr jemand stand, der ihre Angst verstehen konnte. Dem man von den Türen, die urplötzlich vor den Köpfen neugieriger Stubenmädchen zuschlugen, erzählen konnte. Von bunten Lichtern in der Nacht, die auf dem Flur schienen, obgleich es keine Erklärungen dafür gab.

Sie erzählte Feelicitas sogar von ihren Vorbehalten. Von dem komischen Aussehen der Frau. Die immer gehetzt und wie auf der Flucht aussah, argwöhnisch und fast schon, als wolle sie sich auf jeden stürzen, der es auch nur wagte anzuklopfen. Sie hatte nicht in diese Gegend gepasst, diese komische Frau und Feelicitas erschien es wie eine Ironie des Schicksals, dass man das auch über sie selbst behauptete.

Schließlich bekam sie auch etwas Neues heraus. Scheinbar hatte sich Miriel mit dem damals noch recht jungen Stubenmädchen unterhalten und ihr erzählt, dass sie auf dem Weg zu ihren Verwandten in Embrun war.

Als sie sich trennten war es bestimmt schon nach Mitternacht und Feelicitas fiel in tiefen Schlaf. Als sie am Morgen aufwachte, fiel ihr wieder auf, dass der Mann auf dem Standesamt von einer Synaile Lefay geredet, sich aber nicht weiter dazu äußert hatte.

Sie wollte gerade zum Herrenhaus zurückkehren, da ihr Vater bestimmt schon längst in der Schule war, da wurde sie von der Wirtin nochmals beiseite gezogen.

Sie hielt ihr einen staubigen Beutel hin, der leicht modrig roch.

„Das gehörte dieser Frau. Ich habe es nie weggeschmissen, denn ich dachte mir, dass irgendjemand einmal danach fragen würde. Es kam mir schon immer unheimlich vor, dass zwei Menschen einfach so verschwinden und sich keiner dafür interessiert.", erläuterte sie schüchtern und trotz ihres Alters sah sie mädchenhaft aus. Natürlich hatte es keine Leiche gegeben. Miriel endete als eine tote Taube und war wohl irgendwann von irgendeinem Aasfresser verschleppt worden. Sie bedankte sich bei der Wirtin und machte sich davon, bevor dieser ein weiterer Zusammenhang auffiel.

Das mit der plötzlichen Adoption hatte im Dorf schon immer Gerüchte erzeugt. Manche dachten auch, dass die de Fresys ein Kind geklaut hätten, doch bei deren Einfluss traute sich niemand etwas offen zu sagen. Und nach ein paar Jahren bot ihnen Feelicitas selbst genug Stoff für neue Gerüchte. Adelaide hatte versucht das einzudämmen, indem sie ihre Tochter nicht mehr alleine gehen ließ. Feelicitas schlich sich trotzdem immer noch weg und erhielt, wegen spätabendlicher Waldspaziergänge und des häufigen provozierens ihres Vormundes, vergeblich Ausgehverbot.

Was Feelicitas nun in ihrer Hand hielt, waren also Habseligkeiten und Kleider ihrer leiblichen Mutter. Alles was Miriel Lefay wichtig genug war, um es auf einer Flucht mitzunehmen, alles was von ihr übrig geblieben war, stand in diesen Moment auf den kleinen Marktplatz dieses Dorfes.

Wenn Feelicitas nicht aufpasste, dann würde Serena auch irgendwann so enden.

Wie hatte sie nur zurückgehen und unweigerlich das Böse in dieses Dorf bringen können?

Ob sie sich selbst oder ihre Mutter meinte, wusste sie nicht so ganz.

Sie wurde schon von Adelaide erwartet, doch Maurice zog eine Schnute und verkroch sich im alten Hundezwinger. Ihre Mutter sah aus, als hätte sie in dieser Nacht kein Auge zugemacht. So als sei etwas schlimmes geschehen. „Maman, weiß er etwas?", bestürmte Feelicitas sie, doch Adelaide verneinte: „Ich habe kein Wort gesagt. Wir haben überhaupt nicht viel miteinander geredet und er ist sofort ins Bett gegangen. Doch ich konnte einfach nicht schlafen. Ich musste immer daran denken, was du gesagt hast. Und...und dann bin ich in sein Arbeitszimmer gegangen."

Feelicitas schluckte schwer. Louis de Fresys Reich war seine Arbeit. Sie konnte sich die Angst ihrer Mutter gut vorstellen. Jederzeit konnte ihr Mann aufwachen und merken, dass seine Frau ihm gerade alles durchwühlte. Es war fast so, als wenn Feelicitas Severus Arbeitszimmer durchwühlt hätte. Die Reaktion wäre bestimmt nicht weniger grauenhaft: „Und? Du siehst aus, als hättest du etwas gefunden.", fragte sie Adelaide.

„Ich hatte mir gewünscht etwas zu finden. Eine Suchanzeige, oder irgendetwas anderes, was mir beweisen würde, dass du dich irrst. Doch ich habe überhaupt nichts gefunden. Aber kurz bevor ich ihn aus dem Schlaf reißen wollte, um das Thema mit der Begründung eines Alptraums noch mal anzuschneiden, fand ich doch was.

Dein Misstrauen gegen Louis scheint mehr als nur berechtigt zu sein."

Damit zog Adelaide etwas aus ihrer Tasche, dass wie ein angekokelter Brief aussah.

„Was ist das?"

„Es lag in einer der hintersten Schubladen.", erläuterte ihre Mutter leise: „Wie es scheint ist das hier ein Brief an dich. Laut dem Datum kam er genau an deinem siebzehnten Geburtstag an."

Feelicitas platzierte Serena in einen Sessel und riss ihrer Mutter den mitgenommen aussehenden Umschlag aus Pergament aus den Fingern.

„Er ist nicht geöffnet.", bemerkte Adelaide und fuhr hastig fort, während sie Feelicitas einen bittenden Blick zuwarf: „ Vielleicht solltest du ihn auch nicht öffnen. Bleib einfach hier, meine Liebe."

Doch Feelicitas schüttelte den Kopf und brach das Siegel auf: „Nein, das geht nicht. Ich kann nicht bleiben Maman und keiner darf wissen, dass ich hier war, sonst seid ihr in großer Gefahr. Wie stellst du dir das vor? Maurice wird ihm sofort erzählen, dass eine Hexe im Haus war. Dein Mann wird wissen, dass ich es war und du wirst es ihm sagen. Dann ist es besser, wenn ich schon wieder weg bin."

Doch Adelaide gab nicht auf. Sie wollte ihre Tochter nicht noch einmal verlieren: „Aber wohin willst du denn gehen? Hier ist dein Zuhause. Willst du wieder zu diesem Severus Snape gehen? Du kannst dich doch selbst wehren."

Feelicitas schaute überrascht auf, doch dann senkte sich ihr Blick: „Vielleicht mache ich das. Er ist ein sehr großer Magier, Maman. Und ich muss an unser Kind denken. Wenn ich durch die Dinge, die geschahen eines gelernt habe, dann das, dass man am sichersten ist, wenn man sich unter seine Feinde mischt. Doch bevor ich nicht herausgefunden habe, warum das alles geschehen ist, werde ich nicht zurückkehren."

Dann holte sie vorsichtig das Pergament aus dem Umschlag. Ein Brief erschien, der mit zierlicher Handschrift verfasst war. Feelicitas las ihn laut vor und ihr Blick wurde immer ungläubiger, je weiter sie durch die Zeilen flog:

Freitag, der 13.7.1981

Meine geliebte Feelicitas,

ich kann es gar nicht fassen, dass ich das hier schreiben muss, aber es hat damals in meiner Zeit viele solcher Briefe gegeben. An Freunde, Verwandte, Ehemänner.

Wenn du diesen Brief erhältst, dann bist du eine erwachsene Frau, nur ein Jahr jünger als ich es war, als ich deinen Vater Nathaniel geheiratet habe. Und du stehst allein da, weil ich, deine Mutter, nicht bei dir sein kann. Ich habe es wohl nicht geschafft.

Ich habe lange über diesem Brief gesessen, voller Zweifel, ob ich all meine Liebe in so ein Blatt Papier stecken sollte oder kann. Doch wie du von deiner Großmutter Synaile zweifelsohne schon gelernt hast, darf man sich nicht einfach drücken. Sie hat dir sicher die selbe Zucht und Ordnung angedeihen lassen, die sie mir mitgab. Ich stelle mir gerade vor, wie du bist, wenn du das hier liest. Groß...-

Ein dunkler Fleck machte die Schrift unkenntlich, es sah fast aus, als hätte jemand wirklich versucht den Brief in Brand zu stecken. Doch Louis de Fresy konnte diesen Brief so nicht aus der Welt schaffen. Ein magisches Siegel lag wohl darauf. Nach siebzehn Jahren war dieses aber soweit erschlafft, dass der Brief doch nicht mehr ganz so unberührbar war. Hastig las sie weiter.

-... hast du gerade eine riesige Geburtstagsparty mit all deinen Freunden.

Du sitzt jetzt am Abend vor dem fast vertilgten Kuchen und schaust noch mal deine Geschenke durch. Charley Evonshare, wird dir bestimmt etwas Wundervolles geschenkt haben. Ich hoffe er ist nicht mehr der kleine Racker, den ich kannte. Mama ist natürlich überhaupt nicht davon begeistert und deshalb wirst du wohl schon gelernt haben, dass du so was vor ihr verbergen solltest. Doch so schlimm dir deine Großmutter auch manchmal erscheinen mag, im Grunde ihres Herzens ist sie ein guter Mensch. Das weißt du aber sicher selbst.

Natürlich könnten alle Worte der Welt nicht die Jahre ohne mich ersetzen und ich weiß, dass du dich an mich nicht mehr sehr gut erinnern kannst und alle Fotos, die uns zeigen, werden die Verluste auch nicht besser machen. (Hat Mama dir das von der Hochzeit gezeigt? Der kleine Charley hat mein Kleid mit seinem Erbrochenen total vollgemacht. Klee hatte noch versucht es zu reinigen, doch die Flecken gingen nicht mehr weg. ) Ich...-

Wieder fehlte ein Teil des Textes, an dessen Stelle nur noch ein Loch klaffte.

-...natürlich nicht ohne Grund, denn ich weiß auch, dass dieser Brief Wunden aufreißen wird. Bei Großmutter hattest du immer ein sicheres Leben und egal ob du nun in Beauxbaton oder Hogwarts zur Schule gehst, niemand wird deine Eltern kennen, denn der Name Lefay ist ziemlich unbekannt und die meisten unserer Verwandten verleugnen ihn schon mal gerne.

Doch gerade jetzt, wo du in die Welt der Erwachsenen Eintritt, erhältst, solltest du vorsichtig sein. Ich weiß nicht, ob Voldemort immer noch in England herrscht und Schrecken verbreitet. Ich hoffe aber mit Allem, was mir an Hoffnung bleibt, dass es nicht so ist. Doch auch wenn dieser Schwarzmagier dir unbekannt sein sollte, weil er längst vergessen wurde, so musst du dich in Acht nehmen. Es gibt einen Grund, weswegen wir von ihm gejagt wurden...-

Doch so sehr Feelicitas sich auch wünschte, diesen endlich zu erfahren, kam sie an das schlimmste Stück des Briefes, das sogar abgerissen war. Nur noch ein schmaler Streifen war übrig und bröckelte vor sich hin.

-...musst dich immer hüten, aber ich hoffe deine Gegenwart hat dir ein ruhigeres Leben zu bieten.

In Liebe

Miriel Lefay

Mit tränenden Augen ließ Feelicitas den Brief sinken. Adelaide schaute sie betroffen an, näherte sich ihr langsam und umarmte sie. Feelicitas war so verwirrt. Sie ließ ihren Gefühlen freien Lauf und brach in all den Tränen aus, die schon so lange ungeweint waren. Hier neben ihr war der einzige Mensch, der sie wirklich verstand und sie gab sich ganz dem Trost hin. Adelaide tröstete ihr Kind, doch sie schaute mit sorgenvollem Blick auf den Brief. Sie verstand nicht alles, doch genug um zu erraten, das diese Miriel Lefay, die verschwundene Frau war.

Sie hatte immer gedacht, dass diese Frau ihr Kind ausgesetzt hatte. Deswegen hatte sie nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass es unrecht sein könnte, die Kleine zu behalten. Doch jetzt drang ihr ein tiefer Stich ins Herz. Feelicitas war nie allein gewesen. Sie hatte noch Familie und es war Adelaides Schuld, dass Feelicitas diese Kindheit, die Miriel Lefay vorausgesetzt hatte, vorenthalten wurde.

Langsam fing auch sie wieder zu weinen an und es dauerte lange, bis die beiden Frauen damit wieder aufhören konnten.

Fortsetzung folgt...

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