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Falls es unklar ist, wie man den Namen ausspricht: Sina-iel
Das unbekannte Wesen
So eilig es Feelicitas auch hatte, Briancon den Rücken zu zukehren, so viel Zeit lies sie sich nun die Straßen von Embrun zu erforschen. Sie hatte keine Ahnung wo sie mit der Suche nach Synaile Lefay beginnen sollte. Sie konnte ja nicht mal sagen, ob sie heutzutage überhaupt noch lebte. So entschloss sich die junge Mutter dazu, sich erstmals ein wenig umzuhören. Sie durchforstete ein Telefonbuch, glaubte aber nicht wirklich daran, etwas zu finden. Wie erwartet fand sie auch nichts. Nach einer Weile gab sie ihre Suche vollends auf und ging shoppen. Wie durch ein Wunder geriet sie nach einigen Stunden in einen ziemlich esoterisch anmutenden Laden und kam mit der jungen Verkäuferin ins Gespräch. Diese war zwar ein Muggel, plauderte aber bereitwillig über ihre manchmal etwas eigenwillige Kundschaft und deren Wünsche. Feelicitas machte sich einen Spaß daraus, die Frau auszuhorchen.
Interessanterweise schien es sich letztendlich sogar zu lohnen, denn teilweise schien der Laden von echten Zauberern besucht zu werden. Sie forderte ihr Glück heraus und fragte die Frau nach ihrer Großmutter.
Die Verkäuferin sagte nichts, sondern schrieb Feelicitas wortlos einen Zettel und schob ihn über den Tresen. Feelicitas nahm ihn und sah eine Adresse darauf. Warum tat die Frau so geheimnisvoll? Doch der Ausdruck in den Augen der Verkäuferin sagte Feelicitas, dass es eine dumme Idee wäre diesbezüglich weitere Fragen zu stellen. Sie drehte sich einfach um und ging mit Serena im Arm raus. Die genannte Adresse war nicht sehr weit entfernt und lag doch in eine einsamen Gegend. Sie kam zu einem kleinen See, an dem vorbei nur ein alter Matschweg führte. Und dieser brachte sie an ein etwas verschroben aussehendes Häuschen, das seit gut zwanzig Jahren verlassen stehen mochte.
Ein wenig mulmig wurde Feelicitas dann doch, was würde sie erwarten? Zögernd klopfte sie an die Tür, eine Klingel schien es nicht zu geben. Natürlich nicht, dachte sie, war ja auch ein Magierhaushalt. Auch wenn es überhaupt nicht so aussah. Einen Moment lang geschah gar nichts, dann hörte man plötzlich ein Rumoren hinter der Tür und ein Schlüssel wurde hörbar im Schloss gedreht.
Die Frau, die Feelicitas öffnete, überstieg all ihre Erwartungen. Sie war nicht mehr jung, doch dafür das Feelicitas sie zur Urgroßmutter gemacht hatte, sah Synaile Lefay eindeutig zu ... anders aus. Irgendwie alterslos.
Einen Moment starrten sich die beiden Frauen an. Feelicitas sprachlos und Synaile mit einem unergründlichen Ausdruck im Gesicht.
„Feelicitas?", fragte sie schließlich leise und ihre Stimme klang so zart, wie die Frau aussah. Feelicitas fand noch immer keine Worte. Die Frau, die da vor ihr stand, war einfach zu verwirrend. Tief in ihren Inneren wusste sie jedoch, dass diese Frau ihre Großmutter war.
Synaile Lefay schien der musternde Blick nicht viel auszumachen. Sie betrachtete ihre Enkelin ruhig. Feelicitas erholte sich langsam und schaute genauer hin. Die Frau vor ihr war groß, sogar etwas größer als Feelicitas. Sie hatte einen sehr hellen, fast schon durchscheinenden Teint und war von einer zierlichen, fragil wirkenden Gestalt. Ihre blassvioletten Augen blickten auf Feelicitas mit großen Pupillen und ihr sanfter Blick wurde von einer Flut langer lila-fliederfarbener Haare eingerahmt. Sie trug ein zartrosa Kleid, das nur aus dezent plazierter Transparenz zu bestehen schien.
„Synaile Lefay?", fragte Feelicitas zu allem Überfluss und Synaile nickte leicht belustigt und doch den Tränen nahe.
„Du solltest reinkommen, Kind.", sagte sie mit gerührtem Klang und konnte ihren Blick nicht von Feelicitas nehmen und auch nicht von dem Baby in ihren Armen.
Feelicitas trat zögernd ein, doch ihr kam das hier alles ziemlich komisch vor. So langweilig das Häuschen auch von außen aussah, von innen erkannte man es nicht wieder. Synaile Lefay schloss hinter der entgeisterten Feelicitas die Tür und glitt an ihr vorbei. Feelicitas sah nur jede Menge Holz und Blätter, viel Licht und buntes Glas, runde Wände und ein leises Vogelgezwitscher in der Nähe. Irgendwie schien ein Baum in das Haus eingearbeitet zu sein, der tatsächlich lebte.
Von allen magischen Orten, die Feelicitas bis jetzt gesehen hatte, war das der fremdartigste.
Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Großmutter zu: „Ich..."
„Sag nichts, mein Kind. Ich denke, du wirst so viele Fragen haben, dass ich sie dir schlecht im Flur beantworten kann. Komm mit." Dann schritt Synaile grazil in einen anderen Raum. Feelicitas folgte ihr einfach. Serena gab ein leises Glucksen von sich. Ihr schien das bunte Strahlen zu gefallen, denn es war auch alles, was das Baby in diesem Alter wahrnehmen konnte.
Feelicitas folgte Synaile und kam in ein ziemlich pastelfarbenes Wohnzimmer. Auch hier rankten wieder Äste durch die Decke und an manchen hingen Stoffbahnen, die den Raum aufteilten. Der Boden schien aus weichem Gras zu bestehen. Stellenweise wuchs ein Blümchen mitten im Raum.
Synaile setzte sich auf eines der knuffigen Kissen die einen Haufen bildeten und deutete Feelicitas sich zu ihr zu begeben.
„Wie ich sehe bin ich Urgroßmutter? Wie heißt die Kleine denn?", fragte Synaile leise und dann löste sich doch eine Träne aus ihren schwimmenden Augen. Feelicitas fand es zwar schön, dass diese Frau so herzlich reagierte, doch verwirrte sie einiges.
„Woher weißt du, dass es eine Tochter ist.", fragte sie kühl: „Und warum bist du überhaupt nicht überrascht, dass ich vor deiner Türe stehe?"
Synaile nahm Feelicitas Serena aus dem Arm und legte sie auf eines der Kissen.
„Du darfst die Kleine bei dem milden Wetter nicht so warm einwickeln Liebes.", sagte sie gedankenverloren und zupfte das Baby aus der Decke.
„Das weiß ich, ich mache das nicht zum ersten Mal und außerdem zieht es draußen ein wenig. Ich will nicht, dass sie sich eine Erkältung holt.", sagte Feelicitas giftiger als sie eigentlich wollte. Zudem hatte sie vor lauter Verwirrung ihr Geheimnis ausgeplaudert.
Doch Synaile schaute nur kurz und widmete sich dann dem Baby.
„Tut mir leid, du bist schon lange erwachsen, doch vergib es deiner alten Großmutter, wenn sie sich nicht dran gewöhnen kann." Sie blickte entschuldigend zu Feelicitas, doch der war nicht nach Vergebung. Feelicitas wollte Antworten.
Synaile seufzte: „ Findest du das so verwunderlich, Liebes? Eine Mutter spürt doch, wenn es ihrem Kind schlecht geht. Das Miriel nicht überlebt hat wusste ich, aber genauso wusste ich, dass du nicht tot warst. Ich habe es zwar nicht spüren können, doch jahrelang lag Miriels Abschiedsbrief auf der Kommode im Flur. Er wäre nicht dort liegen geblieben, wenn er seine Aufgabe nicht noch erfüllen musste. Ich wusste also immer schon, dass du überlebt hast. Und kurz vor deinem siebzehnten Geburtstag war der Brief plötzlich verschwunden. Ich hatte eigentlich angenommen, dass du schon vor Jahren herkommen würdest. Doch scheinbar war dir das nicht wichtig. Du hast ja auch nicht nach mir gesucht.
Die Zeiten waren dunkel, und es gab damals keinerlei Hinweise auf deinen Verbleib. Ich wusste nicht wo ich nach dir suchen sollte. Und es schien dir dort wo du warst auch nicht schlecht zu gehen."
Feelicitas begriff einiges und doch machte es sie traurig, dass Synaile nie die Möglichkeit hatte zu suchen. Es erinnerte sie an sich selbst. Feelicitas wusste auch, dass es Letizia gut ging und sie kein schlechtes Leben hatte. Doch wo ihre Tochter war und was genau geschehen war, konnte sie nicht sagen.
Etwas seltsames ging plötzlich mit Synaile vor und ihre Züge verdunkelten sich: „Feelicitas, eine Tochter unserer Art wird immer zu ihren Ahnen zurückfinden. Eines Tages findest du sie wieder."
Feelicitas erschrak und betrachtete Synaile mit recht gemischten Gefühlen. Hatte diese Frau an ihr gerade die berühmte Legilimentik angewandt? Doch Synaile schien das nur zum kichern zu bringen.
„Liebes, ich kann mit einem Zauberstab schon nichts anfangen, was sollte ich dann irgendwelchen Zaubererunsinn erlernen wollen?", ließ sie unbekümmert verlauten. Feelicitas verstand nun überhaupt nichts mehr: „Was machst du dann?", fragte sie verängstigt: „Und warum meinst du das vor dir ein Mädchen liegt?"
Synaile schien bemerkt zu haben, dass Feelicitas wirklich hysterisch wurde: „ Beruhige dich Kind. So wie es aussieht, hat dir das Erbe deines Vaters das Blut verwässert. Natürlich ist das hier eine Tochter. Die Lefay Frauen haben meistens nur Mädchen. Warst du schon mal mit einem Jungen in anderen Umständen?"
Feelicitas verneinte und selbst als Synaile sie forschender anblickte hielt sie stand. Nein Feelicitas wusste ganz genau, das sie mit gerade mal Dreizehn Jahren Letizia das Leben geschenkt hatte und nun vor einem Monat Serena. Mehr Kinder hatte sie eindeutig nie gehabt.
„Du müsstest jetzt 19 Jahre sein.", sagte Synaile versonnen: „In deinem Alter hatte ich schon zwei lebende Söhne, die eine große Ausnahme waren, glaube es mir. Ich hätte gerne auf sie verzichtet und gab sie deswegen weg." Sie sagte das so beiläufig und unbekümmert, dass sich Feelicitas Pupillen dabei vor Entsetzen weiteten. „Aber Miriel war da auch schon 2 ½ Jahre. Na ja, aber du weißt schon was ich meine, oder?"
Feelicitas verstand nur Bahnhof. Zudem blieb ihr ihre Großmutter schon wieder die Hälfte der Antwort schuldig: „Was...?"
„Ach Kind, weißt du denn gar nichts? Ich bin keine Zauberin. Alles was du an diesem Haus auf Zauberei zurückführst, ist Miriels Werk gewesen. Na ja eigentlich schon das ihres Vater, aber den bin ich bald losgeworden, der nervte nur." Synaile machte eine kleine Pause und setzte sich anders hin.
„ Ich sehe es dir doch an, dass du mich die ganze Zeit komisch ansiehst. Nein, das macht mir nichts, das bin ich gewohnt. Ich rate dir jedoch diese Blicke zu lassen, es ist nichts besonderes. Ich hatte sogar mal eine Tante, die besaß kleine durchscheinende Elfenflügelchen und hatte was von einem Schmetterling. Miriels Vater hat mir sogar mal vorgeworfen, meine Mutter hätte wohl etwas mit einem lila Minimuff gehabt. Glaube ich aber nicht, dann wäre ich kleiner geblieben. Was schaust du so erstaunt, du weißt doch was ein Minimuff ist, oder?"
Natürlich wusste Feelicitas das. In der Winkelgasse hatte sie sogar mal eines dieser possierlichen handtellergroßen Geschöpfe gesehen. Doch wenn sie in Synailes Worten diese Selbstverständlichkeit wahrnahm, dass es eigentlich nicht mal sooo falsch wäre, wenn das mit der Größe nicht dagegen sprechen würde, dann wurde Feelicitas etwas anders zumute. Wenn sie sich vorstellte, wie Synailes Mutter das gemacht hatte...
„Ich kenne meinen Vater nicht, meine Mutter hat aber auch nie viel dazu gesagt. Es ist mir auch egal was es war. Ich bin so wie ich bin. Und bei meiner Tochter habe ich schon darauf geachtet, dass es anders wird. Aber ich sehe, deine Frage ist immer noch nicht beantwortet. Also ich bin das, was die magische Welt, aus der du stammst, gemeinhin als magisches Mischwesen bezeichnet. Ich-"
Feelicitas unterbrach ihre Großmutter kurz: „Ich bin bei Muggeln aufgewachsen. Erst vor drei Tagen habe ich den Brief meiner Mutter bekommen."
Synaile vergaß sofort wieder was sie sagen wollte und war total entsetzt: „Das ist ja noch schlimmer als ich dachte."
Feelicitas versuchte ihr ihren Lebenslauf zu schildern, das sie sich, ohne etwas zu ahnen, bei den Muggeln deplatziert gefühlt hatte. Das aber auch niemals ein Brief von Beauxbaton gekommen war. Sie schilderte ihr von der schrecklichen Zeit die folgte, als sie Letizia bekommen und wieder verloren hatte. Sie erzählte auch zum ersten Mal in ihrem Leben von dem Mann, der ihr das Baby gemacht hatte. Denn Synaile schien solche Dinge als selbstverständlich zu sehen.
Schließlich schilderte sie ihr die Reaktion der Muggel, die dachten, Feelicitas wäre verrückt geworden und sie deswegen schnell mal in die Psychiatrie einwiesen ließen. Da unterbrach Synaile sie: „ Das wusste ich nicht, aber Muggel sind so schrecklich. Eine Mutter die sich wehrt, wenn man ihr das Baby nimmt, als verrückt darzustellen ist böse. Gab es denn niemanden, der dir geholfen hat?"
Feelicitas erzählte ihr, das eigentlich nur der Pflegevater die treibende Kraft war und ihre Pflegemutter in dieser Zeit alles getan hatte um Feelicitas wieder nach Hause zu bekommen.
„Maman wusste schon immer, dass ich die Wahrheit sagte. Sie traute es mir nicht zu, dass ich Letizia im See versenkt habe. Doch leider hatte mein Pflegevater die besseren Beziehungen."
Bald kam sie zu ihrem Ausflug nach England und den Ereignissen, die sie schließlich hierher brachten.
Synaile schien sich das alles nur schwer vorstellen zu können. „Ich weiß nicht viel von England.", gestand sie nach einer Weile: „Miriel hatte sich zwar entschlossen, ihr Leben dort an der Seite dieses Nathaniel Deepwood verbringen zu wollen, aber deswegen muss ich mich ja nicht für das Land interessieren. Ich musste das jedoch schwer bereuen. Wenn ich damals gewusst hätte, dass dort die Zauberer so einen Aufstand machen, hätte ich Miriel nie bei diesem Schüleraustauch mitmachen lassen. Sie hätte diesen Nathaniel nie mehr gesehen und wäre dann bei mir geblieben. Doch als ich endlich diese Dinge erfuhr, war es leider schon zu spät. Miriel wollte nicht zurückkommen und hat es vorgezogen an der Seite dieses Narren zu bleiben. Wenn sie doch früher gekommen wäre, dann hätte nichts davon geschehen müssen." Synaile klang traurig.
„Ich habe erfahren, dass Nathaniel Deepwood schon Jahre vor unserer Flucht umgebracht wurde. Warum ist sie nicht schon da zurück gekommen?", fragte Feelicitas, doch Synaile schüttelte mit dem Kopf.
„Vielleicht, weil sie dort ihre Freunde hatte. Vielleichtauch, weil sie meinte, ich würde ihr auf ewig damit in den Ohren liegen, dass sie diesen Zauberer nie hätte heiraten dürfen. Sie war zwar nicht so wie ich, aber auch lange nicht so wie die Zauberer."
Und wie bin ich? , fragte sich Feelicitas unwillkürlich. Synaile schien doch nicht so empathisch zu sein, wie sie am Anfang gewirkt hatte, denn sie griff den Gedanken nicht auf.
„Was meinst du damit?", fragte Feelicitas neugierig und doch hatte sie Angst vor der Antwort.
„ Wir, das heißt die meisten Frauen deren Nachnahme Lefay ist, stammen nicht aus der Zaubererwelt. Wir sind aber auch weniger Menschen, als magische Wesen. Wir sind natürlich auch keine Tiere, das solltest sicher auch erkannt haben. Dennoch werden wir gemieden und diskriminiert, als seien wir eines dieser Wesen, die sie sich domestiziert haben. Heißen sie nicht Hauselfen? Wir haben uns durch die Zeit mit den verschiedensten Geschöpfen vermischt und das einzige was uns noch verbindet, ist das wir eine große Sehnsucht nach Wäldern besitzen. In der langen Reihe unserer Familie, hat die Zeit viel von unserem Erbe verschluckt. Du wirst es wohl kennen, denn im Wald fehlt uns der Orientierungssinn."
Feelicitas kam das alles zwar komisch vor, doch das kannte sie eindeutig. Jetzt wurde ihr auch Miriel Lefays verzweifelte Flucht durch den Wald etwas klarer. Ihre Mutter hatte sich einfach verlaufen.
„Ich sagte ja schon, dass ich nicht viel Zauberermagie verwende. Ich kann mit einem Zauberstab nichts anfangen, trotzdem war ich in meiner Jugend sehr neugierig und habe mich von meiner Familie getrennt, um die Welt zu entdecken. Meine Verwandtschaft hat es mir übel genommen und mir den Weg nach Hause versperrt. Ich weiß nicht, ob sie noch leben oder nicht, aber ich war ja nicht allein. Ich habe deine Mutter Miriel von einem Magier empfangen. Entgegen besserem Wissen habe ich mich darauf eingelassen. Hätte ich doch nie, dann wäre alles anders geworden. Doch das Zaubererblut war stark in Miriel und deswegen zog es deine Mutter auch wieder in die magische Welt der Zaubererfamilien, in der ihre Wurzeln steckten und sie hat sogar diese Zaubererschule besucht. Manchmal wirkte es, als sei sie nicht allzu unglücklich darüber, so wenig von dem Familienerbe mitbekommen zu haben. Sie sagte sogar öfters, dass ihre blaue Schuluniform zu ihren lila Augen schrecklich ausgesehen hätte. Doch was sie so toll fand, sah ich mit Sorge.
Blut verwässert schnell. Es ist schon öfters vorgekommen, dass sich ein Zweig der Familie fast in den Blutlinien der Zauberer verloren hat. Wir sind im Verhältnis zu den echten Feen, die sich von Menschen fern halten, so ,wie diese armen Kreaturen, die Squibs genannt werden, zu den magischen Familien stehen. Deshalb brauchen wir alte Magie und die wilden Kräfte magischer Geschöpfe, um uns zu besinnen und nicht völlig zwischen den Welten der Zauberer und der Übrigen magischen Wesen zu stehen."
So langsam erkannte Feelicitas, dass diese Frau vor ihr von männlichen Wesen nicht mehr hielt, als das man mit ihnen Kinder züchten konnte: „Du willst doch nichts damit andeuten, oder?", fragte sie lächelnd. Fast als hätte Synaile nur drauf gewartet, brach sie in einen flehenden Ton aus: „Kind, ich sehe mit Sorge, dass du dich diesem komischen Zauberer Severus Snape hingibst. Die Frauen unserer Familie sind immer schon stolze, freie Wesen gewesen und er scheint dich mit Füßen zu treten. Befreie dich um deiner eigenen Tochter willen von ihm und seinem schädlichen Einfluss."
Feelicitas wurde etwas verlegen. Sie war wirklich nicht näher auf ihre Beziehung zu Severus eingegangen und hatte sich eigentlich recht nebulös zur Entstehung der Kinder geäußert. Sollte sie wirklich ihrer Großmutter sagen, dass da tatsächlich nicht mehr wahr, als die Vernunft und die Gefahr, dass ihrem Kind sonst schnell ein Leid geschehen würde?
„Er will doch gar nichts Schlimmes von mir.", verteidigte sie sich schließlich schwach. Synaile schnaubte und verkündete dann entschieden: „Kind, Männer wollen nur heiraten um sich die Frauen untertan zu machen."
Plötzlich hatte Feelicitas wieder den Wortlaut aus Miriels Brief vor Augen. Doch so schlimm dir deine Großmutter auch manchmal erscheinen mag, im Grunde ihres Herzens ist sie ein guter Mensch. Gut, das bezweifelte Feelicitas ja gar nicht. Aber was Miriel unter der Zucht und Ordnung gesehen haben mocht, die Synaile ihr beigebracht haben sollte, stieß sie eher ab.
Wenn Synaile sie aufgezogen hätte, dann hätte es für Feelicitas wohl nur Glückwünsche zu Letizias Geburt gegeben, statt Schläge und Ärger. Warum Feelicitas der Meinung war, das Letizia in jedem Fall entstanden wäre, wusste sie selbst nicht.
Synaile schien den ablehnenden Blick richtig zu deuten: „Ach, ich sehe du bist genauso wie Miriel."
„Ich weiß nicht wie Miriel war.", kam es etwas unwirsch zurück.
„Warum nennst du sie nicht so wie du sie nennen solltest? Und mich hast du auch noch nicht einmal mit Großmutter angesprochen?" Synaile schien ja sehr zerbrechlich zu sein, Vorwürfe machen beherrschte sie jedoch sehr gut.
„Vielleicht liegt es daran, dass ich bereits eine Mutter habe. Und die hatte auch eine Mutter, die ich zwar nicht kannte, die aber trotzdem in meinem Kopf als Großmutter vorhanden ist. Es tut mir ja leid, aber du kannst nicht verlangen, dass ich dich in den wenigen Stunden, die wir uns erst kennen, als meine Großmutter betrachte."
Feelicitas wurde immer verstimmter. Lag es in der Familie an sich, so männerverachtend zu sein? Wenn Miriel Lefay auch nur halb so schlimm wie ihre Mutter Synaile war, dann musste sich Feelicitas ein neues Bild von der Vergangenheit machen. Bis jetzt dachte sie immer, ihre Mutter sei ein wenig schüchtern gewesen und ihr Vater ein tapferer Mensch, der sich durch nichts erschüttern ließ. Doch wie waren sie wirklich gewesen?
Damit das Thema endlich überwunden wurde zog Feelicitas den Brief von Miriel aus der Tasche und reichte ihn Synaile. Diese wollte ihn zuerst gar nicht lesen.
„Feelicitas, meinst du wirklich, dass es gut wäre? Miriel und ich hatten immer schon unsere Differenzen. Vielleicht ist es dir nicht klar, aber ich lege keinen Wert darauf nach 19 Jahren noch mit Beschimpfungen bedacht zu werden."
Doch Feelicitas drängte sie dazu den Brief zu lesen. Zwischenzeitlich kam ihr der grüne Pullover mit den Drachen in den Sinn und sie erinnerte sich an das Fläschchen mit der silbrigen Flüssigkeit.
Synaile weinte, als sie den Brief zurückgab. Es war ein Wunder, dass ihre Augen nicht verheult aussahen, obwohl sie schon zum dritten Mal damit anfing.
„Weißt du wer Klee ist? Und dieser Charley? Und überhaupt hast du die Bilder von denen sie gesprochen hat?", fragte Feelicitas ängstlich und doch gespannt. Synaile schniefte etwas undamenhaft, stand dann auf und holte etwas aus einem Regal, das eher an ein Stück des Baumes erinnerte.
„Miriel hat so viele Fotos gemacht. Ihre Lieblingsfotos kamen ins Album, die anderen hat sie in einer Kiste in ihrem Zimmer versteckt. Ob das Hochzeitsbild dabei ist weiß ich nicht. Aber was diese Klee betrifft, meine ich mich daran erinnern zu können, dass Miriel sie mal mit hergebracht hat. Da waren die beiden aber noch Kinder. Nun ja, diese Klee auf jeden Fall, Miriel eher weniger."
Feelicitas wühlte sich gerade durch einige sehr frühe Bilder. Ein kleiner dünner Junge war darauf zu sehen. Er hatte braune Augen und dunkelblondes fast braunes Haar. Nathaniel Deepwood 1964 stand darunter. Es folgten noch viele, auf denen man den Jungen erkannte, einige auf denen ein ziemlich früh entwickeltes Mädchen mit roten Zöpfen drauf war, das mal kurze Röcken und ein anders Mal eine hellblaue Robe trug. Es gab aber nicht sehr viele, auf denen beide zusammen drauf waren.
In späteren Jahren wurde der Junge auf den Fotos immer größer. Und auf einmal sah sie ein Gruppenbild mit fünf Kindern. Außer Miriel und Nathaniel waren da noch zwei, die wie Geschwister aussahen, aber noch sehr jung wirkten und die gleiche blonden Haare und blauen Augen hatten und dann noch ein hoch gewachsener hübscher Junge mit schwarzen Haaren.
Auf dem Foto lachten alle, die Unterschrift ließ aber nicht mehr darüber verlauten. Synaile betrachtete Feelicitas ruhig: „Lass dir Zeit. Hast du eine Windel, dann kann ich Serena wickeln?" Feelicitas zog gedankenverloren eine Windel aus ihren Sachen und Synaile verschwand mit Serena, blieb aber in Hörweite.
Feelicitas wäre sofort hinterher gerannt, doch ein Bild bannte ihre Aufmerksamkeit. Darauf abgebildet war der hübsche schwarzhaarige Junge, der mittlerweile ein Mann geworden war und daneben stand eine junge Frau, die eindeutig das blonde Mädchen gewesen war. Sie trug ein Hochzeitskleid, was jedoch nicht weiter verwunderlich schien. Warum sollten die beiden, wer immer sie auch waren, nicht geheiratet haben. Nein, es war mehr der traurige Blick ihrer Augen, der Feelicitas fesselte. Irgendwie erinnerte sie das an ihre eigene Hochzeit. Es sah fast so aus, als würde sich die Braut gar nicht so glücklich fühlen.
Feelicitas blätterte noch einige Seiten weiter. Nichts war mehr von der Unbeschwertheit der ersten Bilder zu sehen.
Zwei Seiten nach dem ersten Hochzeitsbild kam ein zweites, jedenfalls sah es so aus. Es zeigte Nathaniel Deepwood, der voller Freude auf seine Miriel blickte. Miriel war auch ein toller Anblick, doch außer, dass ihr Hochzeitskleid im Gegensatz zu der blonden Frau überhaupt nichts klassisches an sich hatte und eher an den freizügigen Kleidungstil Synaile Lefays erinnerte, fiel Feelicitas noch etwas auf. Miriel Lefay war etwa sieben Zentimeter größer als ihr Mann und sie war eindeutig hochschwanger.
Feelicitas schaute auf das Datum unter dem Bild. Meine Hochzeit 1969 stand dort. Das war ein Schock und entgeistert blätterte Feelicitas einige Seiten weiter. Das Buch schien kein Ende zu nehmen. Doch nirgendwo tauchte ein Baby auf. Manchmal noch Nathaniel oder die Blonde Frau, die Feelicitas als Klee ansah, und ihr Schwarzhaariger Mann, sowie ein Kleinkind, das ihnen zu gehören schien und wohl Charley Evonshare war.
Miriel Lefay hatte aber meistens weite und freizügige Blusen an und nur manchmal war sie mit nacktem Bauch abgebildet. Wenn man sich das Buch betrachtete, konnte man denken, die Bilder wären durcheinander gemischt, doch die Zeitangaben sprachen dagegen. Mal war Miriel schwanger, mal war sie es nicht, doch erst im Spätsommer 1977 gab es auch endlich ein Baby zu sehen. Feelicitas erkannte sich kaum wieder, doch ihr Name stand eindeutig unter dem Bild. Scheinbar hatte sie etwas dagegen, dass man sie fotografierte oder schlechte Laune, meistens jedoch machte sie auf den Fotos den selben unglücklichen Ausdruck wie Klee.
Synaile kam mit Serena wieder: „Sie wollte wieder zu dir.", sagte sie ungezwungen, doch Feelicitas nahm es übel: „Ach ja, hat sie dir das gesagt?"
Synaile nahm ihr das Fotoalbum aus den Händen und drückte ihr dafür das Baby in diese. „Natürlich.", sagte sie mit einer Selbstverständlichkeit, die eine Gänsehaut erzeugte. „Natürlich ist sie ein Baby und redet nicht in Worten, aber man kann schon verstehen was sie will. Ich weiß auch was Tiere sagen. Das habe ich schon immer gekonnt. Deine Mutter übrigens auch."
Feelicitas beschloss diese Bemerkung einfach zu übergehen: „Ihr Glücklichen.", sagte sie trocken und legte Serena wieder neben sich: „Ich bin doch Einzelkind oder?", fragte sie verhalten und deutete auf das verhängnisvolle Foto.
„Ach das, ja, Miriel hat nicht soviel Glück gehabt wie ich. Sie hat nie verraten wie oft sie guter Hoffnung war, aber es schien immer daneben zu gehen. Waren halt Jungen. Soweit ich weiß, hat sie es nach dir aber noch mal versucht, doch Nathaniels Tod hat sie so beunruhigt, dass die Kleine nicht durchkam."
Wieder hatte Synaile diesen Ton, als ob das alles selbstverständlich wäre. War Miriel auch so gewesen? Jedenfalls sah man auf den Fotos nichts davon, dass es sie sehr traurig gemacht hatte. Feelicitas deutete auf Klee und ihren Mann: „Weißt du was aus denen geworden ist?"
Synaile schaute sich das Bild noch mal an.
„Die haben in Schottland gewohnt. Miriel hat mal Post von denen hierher bekommen. Irgendwie waren die untergetaucht, wie meine Tochter meinte. Ich schickte ihr immer die Briefe, weil sie meinte, das wäre sicherer. Nur den letzten Brief, den konnte ich nicht mehr weiterleiten, weil Miriel tot war. Der muss noch irgendwo liegen."
Feelicitas hatte ein schlechtes Gefühl: „Hast du ihnen überhaupt gesagt, was passiert ist?"
„Nein, da bin ich nicht zu gekommen. Miriel hat mir zwar immer versichert, dass dir und ihr in England nichts getan werden würde, weil diese bösen Leute nichts mit den Deepwoods zu tun hatten, doch scheinbar irrte sie sich. Sie hatte eigentlich schon seit Wochen erwogen wieder heimzukommen und hat ihre Sachen hier schon mal einquartiert. Aber es war alles anders gekommen.
Kurz nachdem ich erfahren musste, dass Miriel sich geirrt hatte und umgebracht wurde, schlich hier tagelang so ein Typ herum."
Feelicitas konnte sich auch ohne die folgende Beschreibung ausmalen, dass es Lucius Malfoy gewesen sein musste. Und Synaile wiedersprach dem in ihren Angaben keinesfalls.
„Er konnte mich aber nicht finden, da sich Miriel noch darum gekümmert hatte, einen Zauber über das Haus zulegen. Zu meinen Schutz, wie sie damals sagte. Ich kenne mich damit ja nicht aus, aber ich glaube der liegt noch heute darüber. Die meisten Menschen sehen mich nicht, wenn ich im Garten stehe. Sobald ich aber meinen Garten verlasse erschrecken sie sich zu Tode. Ich dachte immer durch Miriels Tod würde der Zauber in sich zusammenfallen, aber dem war nicht so. Irgendwie scheint er aber auch für dich zu gelten und dieses schreckliche Biest."
Feelicitas war zu sehr in ihre eigenen Gedanken versunken, als dass sie bei der Erwähnung des „schrecklichen Biestes" hellhörig geworden wäre. Sie hatte einmal ein Buch über Schutzzauber gelesen. Kein besonders gutes, denn es behandelte das Thema sehr einseitig und zwar nur die dunkle Seite und wie man Schutzzauber wieder brach, doch irgendwie wusste sie noch, dass man dafür einen Geheimniswahrer brauchte.
Synaile sah aber nicht so aus, als würde sie außer Feelicitas noch einen Zauberer kennen. Vielleicht brachte diese Klee sie weiter. Sie packte den Abschiedsbrief ihrer Mutter wieder ein, dabei rollte das Fläschchen mit der Flüssigkeit davon: „Hier geblieben du dummes Ding.", herrschte Feelicitas das rollende Etwas an, und kroch hinterher.
Als sie wieder aufsah, zeigte sie Synaile die Flasche: „Ich weiß ja, dass du wahrscheinlich nicht weißt, was das ist, aber vielleicht kannst du mir trotzdem sagen, warum Miriel die anderen beiden Flaschen ausgekippt, und diese hier aber behalten hat?"
Doch Synaile schien zu wissen was das ist und erhob sich ruckhaft: „Und das schmeißt du einfach durch die Gegend? Feelicitas das ist eine Erinnerung, die gehört in Miriels Denkarium und nicht in deine Hände.", rief sie aus.
Feelicitas blickte auf das Ding in ihrer Hand. Na klar, und das musste sie sich von ihrer exzentrischen Großmutter sagen lassen. Jetzt wurde ihr auch klarer, warum Miriel davon was loswerden wollte. Wahrscheinlich hatte sie Angst, das ihr Verfolger damit was anstellen konnte. Doch warum behielt sie eines? War es zu bedeutungslos oder musste sie das Risiko eingehen?
„Sie hatte ein Denkarium?", entfuhr es Feelicitas erst jetzt erstaunt.
„Ja, von ihrer Großtante geerbt. Doch Miriel war damit nie zufrieden. Es war ihr zu alt und darin schwammen zu viele Dinge, die schon seit Jahrzehnten vergessen waren. Heutzutage gibt es wohl bessere Modelle."
Daraufhin drängte Feelicitas Synaile, ihr das Denkarium zu zeigen. Es stellte sich heraus, dass Miriel ihre Erinnerungen nie dort drin ließ, sondern in einem geheimen Versteck unter ihrem Haus in England aufbewahrte. Scheinbar hatte sie aber bei dem Brand nur diese drei retten können und zwei zerstören müssen.
Dennoch war das Denkarium nicht gänzlich leer. Gestalten deren Kleidung schon hundert Jahre alt aussah, schwammen drin herum. Manchmal tauchten Frauen auf, die irgendwie fremdartig aussahen und Dinge, an die niemand mehr erinnert werden wollte.
„Ignorier es einfach, Miriel hat es auch getan.", riet ihr Synaile eher desinteressiert „Ich lass dich jetzt allein und such mal nach dem Brief. Wenn du raus willst, dann solltest du einfach nach oben schauen. Krieg keine Panik wenn es nicht sofort klappt. Das liegt nur daran, dass das Ding schon sehr alt ist. Es wird dich nicht behalten."
Dann verschwand Synaile und ließ eine beklommene Feelicitas zurück. Sollte sie? Sollte sie nicht? Sie legte Serena neben sich auf das Bett und wickelte die Decke so drum herum, dass das Baby nicht über die Kante fallen konnte.
Dann kippte sie die Flüssigkeit in das Denkarium und beugte sich nach kurzem Zögern darüber. Ihre bisherigen Erfahrungen waren ziemlich lückenhaft. Die Erinnerungen an die Vorfälle in ihrer frühen Kindheit waren so lange her und von so vielen Blockaden überschattet gewesen, dass man in die Erinnerungen nicht eintauchen konnte. Doch bei Miriels Hinterlassenschaft handelte es sich wohl um das Werk einer geübten Verdrängerin von Erinnerungen. Vielleicht hatte sie es doch mitgenommen, dass so viele Kinder nicht leben konnten.
Feelicitas merkte etwas erschrocken, wie das Denkarium sie mit einem leisen Seufzen einsog. Doch scheinbar hatte Synaile recht gehabt und es funktionierte noch.
Wäre ja auch schlecht, wenn das nicht stimmen würde. Das Ding hat mindestens fünfzehn Jahre in einer Ecke gestanden und du schmeißt dich direkt rein.
Doch sie vergaß ihre eigene Kritik sofort wieder.
Feelicitas befand sichauf einmal unter vielen Menschen. Es schien eine Art Fest zu sein. Das Klima war sehr warm und viele trugen keine Unhänge, sondern liefen in leichten Roben herum. Ein großer Schriftzug erläuterte die Situation. Es war das Jahr 1977 und der Minister schien eine Geburtstagsfeier zu veranstalten. Feelicitas war noch nie im Ministerium gewesen, war es doch genauso ein Feind, wie der dunkle Lord mit seinen Todessern. Doch so schlecht sah es nicht aus, wenn man mal die Menschen, die durch sie hindurch liefen nicht weiter beachtete.
Gerade kamen zwei Männer auf sie zu. Einen davon erkannte sie mit Schrecken als Lucius Malfoy.
Doch sie hatten es nicht auf Feelicitas abgesehen. Diese folgte den Blicken und erblickte Miriel Lefay in ihrer unmittelbaren Nähe. Diese schien nicht gerade begeistert zu sein, dass man ihr auflauerte.
"Miss Lefay, darf ich ihnen Mr. Malfoy vorstellen? Wo ist eigentlich ihr Mann Nathaniel? Wir hätten da noch etwas zu besprechen?" Miriel blinzelte den Mann und Lucius Malfoy an: „Das kann ich ihnen leider nicht sagen Mr. Fudge. Eben war er noch da, vielleicht hat er sich vor ihnen versteckt?", sagte Miriel zuckersüß und Feelicitas konnte sehen, dass sie ihr Eindruck nicht getäuscht hatte. Sie war genauso groß wie ihre Mutter. Und wenn diese nicht gerade mit ihr Schwanger gewesen wäre und man die Augen nicht weiter beachtete, dann war die Ähnlichkeit recht hoch.
Der mit Mr. Fudge angesprochene schien es als Spaß aufzufassen und wandte sich an Lucius: „Lucius, das ist Mrs. Deepwood. Ihr Mann arbeitet bei uns in dieser ...ähm... speziellen Abteilung von der wir bereits geredet haben. Nathaniel Deepwood, du weißt schon."
Miriel schaute zu dem Mann auf, der ihr von Cornelius vorgestellt wurde und der später ihr Mörder sein sollte. Er gefiel ihr nicht und das erfüllte Feelicitas mit Genugtuung und auch Lucius arroganter Blick erhöhte seine Sympathiechancen nicht. Seine grauen Augen blickten sie forschend von unten nach oben an und verharrten schließlich da, wo die meisten wohl hinblickten. Auf Miriels kugelrundem Bauch. Enttäuschung machte sich in seinen Zügen breit und er sprach leicht zerstreut: „Ja, ja sicher doch, Madame hoch erfreut."
Er besaß die Unverschämtheit und nahm Miriels Hand zum Handkuss. Sie blickte gefällig und wandte sich mit Abscheu um. Feelicitas wunderte sich ein wenig, wie schnell sich die Miene ihrer Mutter ändern konnte. Lag das daran, dass sie Männer nicht sehr gut leiden konnte?
Mr. Fudge, von dem sich Feelicitas gerade erinnerte, dass er später einmal Zauberereiminister werden würde und in ihrer Gegenwart gerade erst rausgeschmissen wurde und sein Freund Lucius Malfoy gingen wieder weg.
Doch auch wenn Miriel es nicht sah, Lucius blickte mit einem wahrhaft besitzergreifenden Blick zurück. Feelicitas schauderte es. Sie konnte sich aber nicht erinnern, warum ihr selbst der Blick so bekannt vorkam.
Miriel plauderte gerade mit einer anderen Frau, welche pummelig war und auch Schwanger aussah. Sie hatte mittellange blauschwarze Haare und wirkte recht müde.
„Pelamyse, warum tun wir uns das bloß an? Erst schleppen uns Rabirius und Nathaniel hierher, obwohl zumindest meiner weiß, dass ich das Ministerium am liebsten unter mir in einer Staubwolke zusammenfallen sehen möchte, und dann verschwinden die einfach. Jedes Jahr ist das so. Jedes Jahr besteht er darauf, dass ich zu diesem blöden Geburtstag mitkomme. Stört dich das nicht auch so?"
Die mit Pelamyse angeredete nickte bedeutungsschwer: „Manchmal wünschte ich mir, ich hätte nicht mit dem Arbeiten aufgehört, dann müsste er die Kinder erziehen und käme gar nicht auf so dumme Ideen, mich immer mitzuschleppen. Zum Glück bin ich ja nicht so weit wie du. Bist du sicher, dass du das durchstehst?", fragte sie besorgt und Miriel beruhigte sie. Feelicitas fand das Gerede über die Schwangerschaft nicht so aufregend, stattdessen betrachtete sie ihre Umgebung. Von Nathaniel war immer noch nichts zu sehen. Dafür schien aber dieser Rabirius gekommen zu sein und hatte seine Frau entführt.
Miriel stand alleine da und suchte nach ihrem Mann. Als der nicht kam, stöhnte sie kurz und griff sich mit den Händen in den Rücken: „Ich hätte einfach behaupten sollen, ich hätte Kopfschmerzen, dann wäre das nicht passiert." Feelicitas stutze ein wenig, doch nahm sie es ihrer Mutter nicht übel. Sie glaubte nicht, dass Miriel, nur weil ihr so eine Feier auf die Nerven ging, auf sie hätte verzichten wollen. Doch genau diese Beschwerden waren der Grund, dass Lucius Malfoy sich an sie heranpirschen konnte. Feelicitas konnte es nicht verhindern.
Lucius Malfoy interessierte sich für die Häppchen, die es am Büfett gab. Niemand konnte Miriel jetzt helfen.
„Mrs. Deepwood, wie ich hörte hat ihr Mann vor nicht all zu langer Zeit reges Interesse an Muggelartefakten entwickelt. Ich hörte es ging ihm da um ein ganz bestimmtes, dass er seiner Frau schenken wollte. Gibt es da schon Fortschritte?."
Miriel verneinte abweisend, aber Lucius Blick verriet, dass er mehr als nur oberflächliches Interesse an diesem Thema hatte. Das war aber nicht nur Feelicitas klar. Sie sah, wie ihre Mutter erneut diesen so schrecklich liebenswürdigen Ausdruck annahm und ihm im unverfänglichsten Ton genau das erzählte, was er unter Garantie nicht hören wollte: „Es ist ein altes Familienerbstück, dass durch die wilden Zeiten verloren ging. Es soll aber wieder aufgetaucht sein. Das ist der einzige Grund, warum ich mit Nathaniel durch die Lande gezogen bin. Doch leider haben wir es nicht gefunden. Langsam wurde es aber auch Zeit nach England zurückzukehren, mein Mädchen soll nach Hogwarts gehen. Die goldene Feder wird sich ihr sicher nicht entziehen können."
"Aber sicherlich. ", sagte Lucius lahm und nahm den Faden wieder interessierter auf.
"Ich dachte ich kenne alle vornehmen Familien in Frankreich, wieso habe ich von der ihren noch nie etwas gehört. Sie kommen mir so gar nicht bekannt vor. Gehören sie wirklich einem Teil der alten Familie Lefuse an?"
Miriel lachte. Feelicitas konnte ihre Belustigung nicht verstehen. In diesen Zeiten sollte man einem Todesser nicht sagen, dass man kein reines Blut hatte. Ein reiner Magier, wie ihn Lucius wohl verstand, war jemand, der sechs Jahrhunderte Magie in der Familie hatte.
" Nein Mister Malfoy, mit denen habe ich überhaupt nichts zu tun.", erwiderte sie unbekümmert.
Lucius stutzte: „Dann sind sie also ... ähm neumagisch?"
So konnte man sich auch ausdrücken, wenn man sich nicht gerade unter einer Todessermaske versteckte.
„ Nein, wo denken sie hin? Unsere Familie ist auch alt und hat Geschichte, aber ein alter Brauch verlangt es, immer nach der weiblichen Linie zu gehen. Wir stammen von den Feenvölkern Großbritanniens ab, wenn man meiner Mutter Glauben schenken kann. Aber auch ohne das kann ich von mir behaupten, dass mein Stammbaum mehr als zehn Jahrhunderte zurück zu verfolgen ist. Meine Urahnin Nimue Le Fay d´Avalon hat dabei wohl die bekannteste Liaison bestätigt, ob sie nun eine Fee war oder nicht."
Dieser Ton, in dem sie es erzählte war einmalig. Sie schien nicht auf den Mund gefallen zu sein und sich einen Spaß daraus zu machen, Lucius verwirren zu wollen.
"Merlin?", fragte er entsetzt und mit viel Unglaube: „Aber das ist doch alles nur ein Gerücht, oder?"
"Genau, das stimmt ja alles gar nicht. Deswegen nennt sich die Familie ja auch Lefay und kommt in zahlreichen Mythen vor, die dasselbe erzählen. Komisch oder? Wissen sie, alle Zauberer die ich kenne, haben jemanden in der Familie, der behauptet mit einem der vier Gründer eurer Zaubererschule verwandt zu sein. Na kommt ihnen das bekannt vor?" Dabei fixierte Miriel seinen Stock, der mit einem Schlangenkopf verziert war. Er erwiderte nichts.
„Mit Muggeln habe ich auf jeden Fall nichts zu tun. Und Hauselfen auch nicht.", fügte sie hastig hinzu. Feelicitas musste kichern, obwohl es nicht zum lachen war. Synaile schien das mit den Hauselfen als sehr warnendes Beispiel für die Verachtung der Zaubererwelt für ihresgleichen genannt zu haben.
Lucius Malfoy schien das komischerweise nicht abzuschrecken. Stattdessen schien Miriel ihn mit ihren Worten dazu gebracht zu haben, sie nur noch als halben Menschen anzusehen. Das Funkeln der Lust in seinen Augen stimmte Feelicitas bedenklich, aber Miriel merkte nichts davon.
„Wollen wir, bis ihr Mann uns wieder mit seiner Anwesendheit beehrt, ein Stück zusammen gehen?", fragte er einschmeichelnd. Miriel nickte nach einem ernsten Blick. Auch wenn sie zum Anfang hin geahnt haben mochte, dass ihr von diesem Mann Gefahr drohte, so hatte sie es nun scheinbar vergessen.
Feelicitas blickte nach oben und die Szenerie um sie herum verwischte sich. Plötzlich stand sie wieder in Miriels altem Zimmer. Was immer in dieser Erinnerung noch aufgetaucht war, sie musste nicht mehr wissen. Lucius Malfoy hatte ihre Mutter begehrt, deswegen schien er es auch zu sein, der ihr gefolgt war. Nicht mehr aber auch nicht weniger konnte es sein. Wahrscheinlich war es keine Verschwörung, weswegen einer der höchsten Todesser auf Miriels Spuren angesetzt wurde, sondern einfach ein privates Verlangen, vielleicht doch noch die Möglichkeit zu haben, mit ihr...
Neben ihr auf dem Bett saß die Gestalt von Synaile, dem unbekannten Wesen. Sie hatte sich im Schneidersitz niedergelassen und hielt Serena in den Armen.
So verschieden sie auch sein mochten, irgendwie mochte Feelicitas diese Frau. Sie würde sie zwar nie verstehen können, aber sie würde alles tun, damit der Kontakt nicht mehr abbrach. Sie spürte, dass Synaile Lefay, seitdem ihre Tochter Miriel von ihr gegangen war, auch sehr einsam gewesen sein mochte.
Aber bleiben konnte Feelicitas, trotz dem Schutzzauber, der auf dem Haus lag, nicht. Sie musste noch ein paar Dinge klären, ehe sie hier vielleicht bleiben und etwas mehr über ihre Vergangenheit herausfinden konnte.
Sie ließ sich von Synaile den Brief an die Evonshares geben und fand über diesen die Adresse heraus.
„Was ist eigentlich dieses alte Familienerbstück, nachdem Nathaniel und Miriel gesucht haben?", fragte sie leise.
Synaile schaute sie fragend an.
„Davon habe ich auch schon was gehört. Es stammt aber aus der Familie des Zauberers. Wahrscheinlich von seiner Mutter. Das soll eine ganz ominöse Person gewesen sein. Doch soweit ich weiß, ist die ganze Suche im Sand verlaufen. Miriel war sich sogar sicher, dass es sich bei dem Erbstück nicht um etwas Materielles handelte, sondern um etwas ganz anderes. Warum sie ausgerechnet ein Muggelartefarkt suchten, weiß ich nicht."
Ich hab doch gar nichts von einem Muggelartefarkt gesagt, durchfuhr es Feelicitas.
„Nein, aber meinst du nicht, das Miriel das Wort nicht manchmal benutzt hat.", erwidertere Synaile sanft und Feelicitas bekam wieder Gänsehaut. „Es wäre schön, wenn du das lässt.", äußerte sie und blickte flehend auf das magische Wesen.
„Liebes, das mache ich nicht extra. Aber habe keine Angst, ich bekomme immer nur die Hälfte mit und kann selten etwas damit anfangen. Wie gesagt, Menschengedanken sind nicht so einfach wie Tiere. Ich bin noch zu jung um da den Durchblick zu haben."
Feelicitas zählte nach und stellte fest, dass Synaile, verglichen mit der Altersgrenze der Hauselfen, wahrscheinlich wirklich noch recht jung war.
„Feelicitas, jetzt wo du es gerade ansprichst, könntest du mich vielleicht von diesem frechen Biest befreien?"
Feelicitas war verwirrt: „Bitte was?"
„Ich meine deine Hauselfe.", kam es säuerlich zurück.
„Meine was? Hauselfe? Ich? Woher soll ich die denn haben?", fragte sie verdutzt.
„Ja natürlich, von deinem Vater. Wer sonst sollte so was gehabt haben? Nimm sie bitte mit, ja. Sie macht mich total fertig, wenn sie alle paar Wochen auftaucht und wir uns streiten. Sie meint nämlich, dass ich eine Missgeburt bin und die Familienschande der Deepwoods. Soweit ich weiß, hatte sie gegen Miriel nichts einzuwenden, meint aber ich sei zu stolz darauf, ein magisches Wesen zu sein."
Feelicitas musste erst mal schlucken, denn sich vorzustellen, wie diese Frau sich mit einer Hauselfe stritt, überstieg ihre Kräfte.
„Gut, ich schaue mal. Wie heißt sie denn?"
Synaile zuckte mit den Schultern: „Keine Ahnung, vielleicht kommt sie ja, wenn du sie freches Biest rufst. Mittlerweile sollte sie wissen, dass sie gemeint ist."
Feelicitas hütete sich davor das auszuprobieren.
Auch in den folgenden Tagen, in denen sie noch bei Synaile blieb, fiel ihrer Großmutter der Name nicht ein und die Elfe tauchte nicht auf. So verließ Feelicitas Synaile mit dem Versprechen, sich um die Lösung des Problems zu kümmern und machte sich wieder auf den Weg nach England, um in Schottland ein weiteres Teil des Puzzle entwirren zu können.
Fortsetzung folgt...
Wen es interessiert mehr über die Jugend von Feelicitas Eltern zu erfahren, sollte auch an Hog 61-67 dranbleiben. Denn dort wird vieles klarer werden.
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