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22. Fehldeutungen
Als Feelicitas aufwachte, regte sich neben ihr etwas. Immer noch ganz im Nachhall ihres Traumes verfangen, zog sie sich die Haare aus dem Gesicht. Dann stutzte sie. Es war dunkel um sie herum und neben ihr lag die friedlich schlafende Serena. Aber sie waren eindeutig nicht in Feelicitas Schlafzimmer. Es brauchte schon einen Moment ehe sie sich wieder an die Vorgänge der letzten Nacht erinnerte. War sie wirklich neben Severus eingeschlafen? Sie rappelte sich leise und verlegen auf um Serena nicht zu stören und sah sich um. Severus stand gerade vor seinen Anziehsachen und zog sich das Nachthemd über den Kopf. Viel sah man nicht, außer das seine blasse Haut im Schein der Straßenlaterne noch fahler aussah. Seit wann funktionierte die Straßenlaterne wieder?
Während er in seine Unterwäsche schlüpfte, drehte er sich um und bemerkte ihren musternden Blick unbekümmert. „Wie spät ist es?" fragte Feelicitas leise und er entgegnete ihr: „Halb sechs." Also hatten sie vielleicht zwei Stunden geschlafen, falls er überhaupt ein Auge zugemacht hatte. Wenn Feelicitas das gewusst hätte, wäre sie nicht zu ihm gekommen.
„Du musst ja müde sein. Wartet soviel Arbeit auf dich, das du mitten in der Nacht schon wieder aufstehen musst?" fragte sie teilnahmsvoll. Mittlerweile war Severus schon in sein Hemd gekommen und angelte nach der Robe. Während er sich geschickt mit den tausend Knöpfen beschäftigte, ließ er Serena und sie nicht aus dem Blick: „Ich muss noch Hausarbeiten korrigieren. Bei Verteidigung gegen die dunklen Künste kann man leider nicht einfach ein paar Trankrezepte an die Tafel schreiben und der Rest läuft von selbst."
Das er inzwischen mal eben das Fach gewechselt hatte, war Feelicitas nichts neues, doch Mitleid bei seinen belehrenden Ton wollte auch nicht aufkommen. Der neue Unterricht schien ihm schließlich ja noch mehr als der alte zuzusagen.
„Hast du nächste Woche mehr Zeit? Ich würde dir gerne mein Denkarium zeigen." Fragte sie bittend. Er schlüpfte gerade in seine Schuhe und dann nahm er seinen Umhang zur Hand: „Ich versuch es einzurichten." Sagte er knapp und wandte sich dann zum gehen. An der Tür hielt er noch mal kurz inne: „Schlaft euch aus und macht keine Dummheiten."
„Nein, machen wir bestimmt nicht. Bis nächste Woche." Wünschte sie gähnend und legte sich wieder zurück.
„Bis nächste Woche." sagte er leise und dann war er verschwunden.
Die Zeit bis zur nächsten Woche verging ziemlich schnell. Und doch war sie erfüllt mit tiefsinnigen Nachdenken. Nachdem Severus verschwunden war, hatte Feelicitas sich noch einmal alles, was seit ihrer Wiederkehr geschehen war ins Gedächtnis gerufen. Nun Voldemort war außer sich und scheinbar hatte das Severus Aufgaben nicht gerade erleichtert. Gerade die letzte Nacht, welche sie mit Serena in einen Bett verbracht hatten, hatte sie zum nachdenken angeregt. Eigentlich machte sie sich viel zu viele Gedanken. Severus bot ihr wirklich ein Leben an, das sie völlig aus der umkreisenden Dunkelheit heraushielt. Er sprach in ihren Namen bei Voldemort vor, bedankte sich an ihrer Stelle und trug die ganze Verantwortung. Nun Feelicitas musste sich eingestehen, das sie selber das niemals geschafft hätte. Doch Severus schien es zu können. Nur leider hatte er noch andere Aufgaben im Leben, die viel mehr Bedeutung hatten. Wenn man es ganz genau nahm, dann war er es, der die Welt retten musste.
Nun er hatte ihr ja nicht gerade viel Zeit gegeben, bis sie das Thema Kind noch mal angehen mussten, aber er hatte Rücksicht gezeigt. Man konnte nicht sagen, wie die Zukunft verlaufen würde, aber man musste schlimmstes annehmen.
Je mehr Feelicitas nachdachte umso größer wurde die Angst. Was würde passieren, wenn irgendetwas geschehen würde? Egal auf welcher Seite, die Welt war groß und voller Gefahren. Und Severus war mittendrin. Alle möglichen Szenarien spielte sie durch. Severus konnte irgendwas zustoßen und dann wäre sie alleine mit dem was Voldemort plante. Severus könnte bei Voldemort in Ungnade fallen, alles was sie über die Sache mit Narzissa wusste war, das es eine Verschwörung innerhalb der Todesser gegen Voldemort gab. Dieser würde es bestimmt nicht sehr gut aufnehmen, wenn das herauskommen würde. Natürlich machte sie sich große Sorgen, was mit Severus in einen solchen Fall geschehen würde, aber zugleich dachte sie dann an die Zukunft, die ihr selber blühte.
Voldemort könnte in seinen Wahn erkennen, das es Diener gab, die ihre eigenen Wünsche nicht berücksichtigen würden, sondern alles daran setzen Kinder zu züchten. In der magischen Welt konnte man sehr früh das Geschlecht eines Kindes bestimmen, es gab bestimmt die Möglichkeit für das gelingen von Voldemorts Wunsch, solange Aborte herbeizuführen bis endlich ein Junge in Erwartung stand. Feelicitas war sich sicher, das es in Severus Lage keinen der anderen Todesser auch nur interessiert hätte, welche Folgen die Schwangerschaft mit einen Jungen unweigerlich haben konnte. Es war hart es sich einzugestehen, aber wenn Severus nicht mehr da wäre, würde man sie einfach an den nächsten treuen Anhänger mit linientreuer Gesinnung und guten Erbanlagen verschachern. Und dann würde sich die Anzahl der ungeborenen Kinder häufen, bis endlich irgendwann ein lebendiger Junge entstand und dem diente, was Voldemort wollte.
Feelicitas weinte sich in den Schlaf mit diesen Wissen. Doch als sie am Morgen wieder aufwachte, fiel ihr ein, das Voldemort sich zwar etwas männliches wünschte, aber Mädchen tolerierte. Schließlich hätte er die Möglichkeit nutzen können Serenas Geschlecht vorher auszukundschaften und entsprechende Maßnahmen zu treffen, damit sie schnell wieder schwanger werden konnte. Doch er hatte nicht einmal nachgefragt, sonst hätte Severus es ja wissen müssen.
Feelicitas überflog noch mal ihre Möglichkeiten. Severus hatte vielleicht recht, Serena war noch klein, doch immerhin war es schon vier Monate seit der Geburt her. Feelicitas wollte kein weiteres Kind, denn die Risiken waren so hoch. Ein Kind in den Armen zu halten und zu schützen war möglich. Zwei Kinder hatten schon manche Frau in der Not zu einer grausamen Entscheidung gezwungen, so das sie sich für eines entscheiden mussten. Feelicitas war selber von Grauen erfüllt, das ihr so was überhaupt in den Sinn kam. Andersherum könnte Voldemort auch in nächster Zukunft besiegt werden. Wenn man ein weiteres Kind in Angriff nahm, würde die Schwangerschaft ihr Ruhe und Zeit geben und in neun Monaten konnte die Gefahr schon längst gebannt sein und die Welt anders aussehen.
Und obwohl sie es sich schrecklich vorstellte, das ein Kind in ihren Bauch sterben könnte, konnte sie vielleicht keine Rücksicht darauf nehmen. Ihre eigene Mutter war das Risiko dauernd eingegangen und nachdem sie dann endlich Feelicitas hatte, hatte sie es trotzdem noch mal versucht. Leider war Feelicitas Schwester nie geboren wurden, der Schock den Nathaniels Tod brachte, hatte Miriel schwer getroffen. Feelicitas erinnerte sich wieder an den Abschiedsbrief und das Miriel gesagt hatte Synaile hätte ihr beigebracht sich niemals unterkriegen zu lassen.
Feelicitas unterstellte Miriel nicht so herzlos gewesen zu sein, das es sie nicht weiter bekümmert hatte. Aber Miriel schien gewusst zu haben, das auch der Kindstod zur Natur gehörte und das es vielen Frauen in ihren Leben passierte. Und eigentlich war es Quatsch, das die Lefayfrauen keine Jungen bekommen konnten. Synaile Lefay hatte selber zugegeben mehrere lebendige Söhne gehabt zu haben. Sie hatte sie zwar weggegeben, aber Feelicitas hatte den Verdacht, das sie damit ihnen einen großen Gefallen getan hatte. Wenn man als Frau wusste, das man Männer verachtete, zog man keine Söhne auf. Sie hatte sie bestimmt nicht umgebracht oder an Muggel vermittelt. Wahrscheinlich waren sie zu ihren Verwandten gekommen. Wenn es so schlimm war, das eine Lefay sich mit Magiern einließ, wo waren dann all die potenziellen Partner? Es musste also einfach auch ein paar männliche Wesen ihrer Art geben.
Feelicitas brauchte lange, bis sie sich ganz sicher war. Sie würde noch ein Kind bekommen wollen und sie würde das Risiko eingehen müssen, das es danebenging.
Doch Severus würde nun ein Problem sein. In seiner Reaktion auf ihre Enthüllung hatte sie gemerkt, das er nicht vorhatte dieses Risiko einzugehen. Feelicitas verstand das und eigentlich gefiel ihr das, doch dann erinnerte sie sich wieder daran, das sie ein freies Wesen war. Sie konnte tun und lassen was sie wollte. Und es war auch ihre alleinige Entscheidung, wie sie das anstellen wollte.
Am Dienstag flatterte ein Brief in den alten Postkasten. Wenn Feelicitas nicht per Zufall die Ladenbesitzerin, Arzthelferin und Postbotin in einem bei ihren Tun beobachtet hätte, wäre der Brief die nächsten Hundert Jahre auch genau dort geblieben. So aber sprang sie direkt nach draußen und riss ihn auf.
Meine geliebte Feelicitas,
Nein nicht erschrecken, wir sind bei meiner Tante Betsy und uns geht es gut. Na ja, Maurice hat sich beim Kampf mit einen Hund einen Zahn ausgeschlagen, doch er nimmt es gut auf und es wird auch keine Narbe geben. (Es war Betsys Zwergpinscher)
Doch leider geht es nicht allen Menschen auf der Welt so gut wie uns. Feelicitas, Louis hat mir geschrieben. Er teilte mir mit, das dein Mann bei ihm war und nun stellt Louis Fragen, die ich nicht beantworten will. Überhaupt scheint er mit den Nerven fertig zu sein. Du weißt ja wie sich das äußert. Er kommt mit dieser wütenden Art auf seine Vorväter. Warum bloß habe ich nicht auf meine Schwiegermutter Claire gehört? Sie hatte mir so abgeraten ihn zu heiraten und trotzdem tat ich es. Hast du deinen eigenen Mann eigentlich mittlerweile mal wiedergesehen?
Manchmal ist es schon komisch, was uns an die Männer bindet, nicht? Irgendein Gefühl, das mich gestern bei meinen Gebet ergriffen hat, sagt mir das du das mittlerweile verstehen kannst. Du bist selber eine Frau und du bist unzufrieden verheiratet.
Bitte Feelicitas hilf mir. Ich lebe Tag und Nacht in Angst, das er vor unserer Türe steht und ich ihm nicht erklären kann, was ich doch selber so gut verstanden habe. Ich weiß ja nicht einmal, ob er wegen mir so außer sich ist, oder es ihm nur auf Maurice ankommt.
Bitte schreibe ihm. Ich weiß ich kann dich nicht zwingen, aber um des lieben Friedens willen tu es.
Deine (Maman?)
Adelaide
Feelicitas krampfte sich das Herz zusammen, wie konnte Adelaide immer noch daran zweifeln, das sich zwischen ihnen nichts geändert hatte? Doch ihren kleinen Stich überstand sie bald und setzte sich daran eine Antwort zu verfassen. Doch erst fiel ihr nichts ein, sie hatte keineswegs vor Louis de Fresy zu schreiben und über ihre Ehe wollte sie auch nichts sagen. Dementsprechend kurz war ihr Brief
Sehr geehrte Madame de Fresy,
oder auch einfach meine liebe Maman,
was fällt dir eigentlich sein mir ein Fragezeichen dahinzuklatschen? Ich habe dich doch nicht vergessen. Ich habe mich schon etwas erschreckt, als der Brief kam, doch natürlich habe ich mich gefreut. Ja mittlerweile hat es mich wieder in den heimatlichen Hafen zurückgezogen. Was deinen Mann angeht, ich kann dir nicht helfen. Selbst wenn ich ihm schreiben würde, er würde den Brief niemals auch nur öffnen. Tut mir leid, aber das musst du selber regeln. Ich vermisse dich.
Übrigens Serena bekommt ihren ersten Zahn und schreit nur noch herum. (Viele Grüße von der garstigen Hexe an meinen lieblichen Bruder Maurice. Nein, war ein Scherz. Ich habe nur gerade von Kindern die Nase voll.)
Deine
Feelicitas
Der Brief gefiel ihr nicht sehr, aber obwohl sie bis zum Wochenende noch genug Zeit hatte ihn wieder umzuändern tat sie es nicht. Am Freitagabend kam Severus wieder und obwohl er eine wahrhaft anstrengende Woche hatte, sprach er sie nach dem Abendessen auf das Denkarium an. Feelicitas holte das immer noch geschrumpfte Ding aus ihrem Zimmer und traf im Wohnzimmer wieder auf ihren Gatten. Sie kamen überein das Denkarium in sein verborgenes Arbeitszimmer zu stellen und er löste fachmännisch den Schrumpfzauber. Feelicitas hatte nie angenommen, das ihm dieses überaus alte Modell solche Probleme machte, aber er schien sich etwas besseres darunter vorgestellt zu haben.
„Bist du wirklich da drin gewesen?" fragte er leicht argwöhnig. Feelicitas konnte nichts anderes, als zuzustimmen.
„Es soll schlimmer aussehen, als es ist." Verkündete sie aufmunternd, es hatte aber nicht gerade viel Erfolg. Sie trat um ihn herum und rührte mit ihren Zauberstab darin herum, bis die komischen Gestalten verschwommen und stattdessen die Ministeriumsfeier auftauchte. Scheinbar gingen seine Vorbehalte nicht so weit, das er den Versuch nicht wagen wollte.
„Kommst du mit?" fragte er mäßig interessiert, doch Feelicitas schüttelte den Kopf: „Was ich sehen wollte, habe ich erfahren. Ich muss mir nicht unbedingt anschauen wie Lucius Malfoy meine Mutter anbaggert. Aber danke, das du es machen willst."
Er ignorierte ihre Worte und beugte sich stattdessen über das Bild: „Ist es die Frau dort? Ist das deine Mutter?" Er schaute forschend auf und suchte wahrscheinlich nach übereinstimmenden Zügen.
„Ja, das ist sie. Hast du sie mal gesehen?" fragte sie und beugte sich neben ihm über das Denkarium.
„Nein, 1977 kam ich gerade erst von der Schule und war im Begriff meine Karriere auszubauen. Lucius hat mich da garantiert nicht in Ministeriumskreise mitgenommen. Aber welchen Posten hatte dein Vater?"
Das musste Feelicitas mit einem Schulterzucken beantworten: „Irgendwas worüber Cornelius Fudge und Lucius Malfoy die Nase gerümpft haben. Ich hab es ganz vergessen, vielleicht hätte Liam Evonshare es gewusst."
„Ja, ich glaube auch das Liam über so was informiert ist." Äußerte Severus: „Kannst du jetzt zurücktreten, solange dein Busen die Sicht verdeckt kann ich nicht eintauchen?" Feelicitas tat ihm den Gefallen, sie hatte ihn eigentlich noch über die kleinen Macken des Denkariums unterrichten wollen, unterließ es aber boshafter weise. Er würde ohne zurecht kommen müssen. Vielmehr beschäftigte sie das fordernde Schreien aus der Ferne. Serenas Zähne machten wieder Ärger und sie folgte bereitwillig und überließ ihren Mann seinem Schicksal.
Einige Zeit später kam er zu ihr in die Küche. Feelicitas schaute nur kurz von Serena und ihrer Flasche auf und wartete bis er von alleine anfing: „Bis wo bist du gekommen?"
Feelicitas überlegte einen Moment: „Mhhh, warte kurz. Ach ja, Miriel und er haben sich darüber unterhalten ob es Quatsch ist zu behaupten von irgendjemand Großen oder Berühmten aus der Geschichte abzustammen. Dann wollte er mit ihr ein wenig spazieren gehen und ich hatte genug."
Er nickte bei ihren Worten bestätigend und mit deutlichen Unterton fragte er: „Und welche Aussage hast du daraus gezogen? Immerhin bei dem was du mir erzählt hast war es eine der wichtigsten Erinnerungen für deine Mutter."
Feelicitas hatte sich damit noch gar nicht so deutlich beschäftigt: „Na ja, ich hatte auch gedacht, das es etwas höchst wichtiges ist. Doch scheinbar ist es das doch nicht. Vielleicht hatte sie keinen Fotoapparat dabei und wollte sich gerne an die Schwangerschaft erinnern. Doch sie wollte festhalten, das Lucius Malfoy sie bedrängt hat und sie wollte ihn damit anzeigen. Vielleicht war es auch das einzigste Mal das sie mit einem Zauberer über ihre Herkunft diskutiert hat. Man kann es wohl nie wieder herausfinden, weil die zwei Erinnerungen die dabei waren fehlen."
In Severus Gesicht sah man die pure Ausdruckslosigkeit. Selbst wenn er sie gerade für sehr dumm hielt, man hätte es nicht gemerkt.
„Ist dir schon einmal der Gedanke gekommen, das sie die Erinnerung für dich alleine hinterlassen hat?"
Feelicitas Augen verfinsterten sich: „Was hast du gesehen, das du davon ausgehst?"
Severus setzte sich: „Überleg doch mal. Sie hat angenommen du würdest bei deiner Großmutter aufwachsen und hat dir in deinen Brief schreiben wollen, welche Gefahr hinter dir her ist. Sie konnte also keine Ahnung haben, das du bereits über sehr viel Hintergrundwissen verfügt hast und dir das mit Lucius Malfoy klar sein würde. Wenn du jetzt völlig unwissend an diese Erinnerung dran gehst, dann würdest du erkannt haben, worauf sie hinaus wollte." Er war sie wieder mal am belehren, doch da Feelicitas es wirklich nicht verstand, duldete sie es: „Erklär mir das bitte." Bat sie und zum Glück hatte Severus nichts anderes vor: „Das mit Lucius Malfoy hätte sie dir nicht aufbinden wollen. Ich schätze es war ein netter Nebeneffekt. Hättest du die Erinnerung bis zum Ende durchlebt wäre dir der Schluss auch ziemlich plötzlich vorgekommen, doch dazu später. Das Gespräch über die Herkunft würde für dich auch nicht so wichtig sein, denn du wärst ja bei deiner Großmutter genau in dem Sinne aufgewachsen. So und nun bleibt nur noch eines Übrig. Sie hat noch was von einen Muggelartefarkt gesagt und das konnte dir ja nicht einmal deine Großmutter weiter erklären, oder?" Sein triumphierender Blick ließ Feelicitas sich wie vor den Kopf geschlagen fühlen.
„Ich habe dir das nicht gesagt, weshalb vermutest du das dann? Synaile sagte nur, das es von Nathaniel kommen musste. Erzähl mir mehr darüber." Verlangte sie zu wissen.
Severus Ausdruck wurde nur unmerklich weicher: „Die Flasche ist leer." Er hatte recht, Serena hatte sie unbemerkt geleert. Feelicitas stellte sie auf den Tisch und legte sich Serena über die Schulter und klopfte ihr seicht auf den Rücken, damit irgendwann ein kleiner Rülpser kommen würde, der aber ausblieb. Sie starrte Severus auffordernd an und so ließ er sich dazu herab sie aufzuklären: „ Erst einmal hat deine Großmutter unrecht. Es könnte sich aber um zwei verschiedene Dinge handeln." Feelicitas sprach nicht dagegen. Synaile hatte schließlich nicht gerade einleuchtend bewiesen, warum ein Muggelartefarkt plötzlich etwas Gestaltloses sein konnte. Eifrig lauschte sie weiter.
„Miriel hat erzählt das sie mit ihrem Mann um die Welt gezogen ist und etwas suchte, das durch wilde Zeiten verloren ging und nun wieder aufgetaucht war. Soweit weißt du das auch. Nun dann lass dir den Rest erzählen. Miriel ist mit Lucius ein wenig spazieren gegangen und beide haben in den Gängen einen ruhigeren Ort gefunden, an dem sie kaum einer aufsuchen konnte. Lucius hat immer deutlicher ausgedrückt, welches Vorhaben er hatte und deine Mutter hat ihn elegant ablaufen lassen. Lucius hat wohl erkannt, das die Frau nicht leicht zu haben war und verlegte sich auf die Plauderei um vielleicht mit ein wenig Geduld noch etwas zu retten. Beide kamen auf das Gespräch mit dem Artefarkt zurück und Miriel blockte ab und wollte nichts konkreteres nennen. Genau genommen sagte sie: Frauen brauchen Geheimnisse und manchmal sogar voreinander. Meine eigene Mutter weiß nichts davon, obwohl es ihre Familie betrifft. Das widerspricht sich doch ziemlich oder?"
Feelicitas war erstaunt: „Vielleicht sollte ich es mir doch selber noch mal anschauen."
„Nein, davon ist abzuraten. Lucius hat sich nicht sehr zurückgehalten, ich erspare dir aber seinen Dialog. Ich kann dir nur versichern deine Mutter war dem mehr als gewachsen. Wenn du im gleichen Sinne erzogen worden wärest, hättest du gelernt auf die selbe Art mit Männern zu spielen und alles wäre nicht mehr als Belustigend für dich."
Feelicitas schluckte schwer, sie hatte schon heimlich erwogen selber wieder ins Denkarium zu steigen und verwarf das schnell wieder. Für Miriel war es vielleicht nur ein Spiel, doch Feelicitas kannte den blutigen Ernst der folgte.
„ Sie hat sich nicht sehr genau geäußert, aber so wie es sich anhörte hatten sie in England auch kein Glück bei der Suche und sie erwog in Frankreich nachzuforschen. Nun dann überstürzten sich die Ereignisse. Es fielen noch Andeutungen, das dieses Artefarkt irgendeinen Schutz vor Unheil bieten konnte, aber da erdreistete sich Lucius über sie herzufallen und versuchte sie in den nächsten Raum zu drängen. Sie hielt ihn davon ab und schlug ihn mit voller Wucht ins Gesicht und ließ ihn belämmert und wütend stehen. Dann endete es. Wenn der Hauptaspekt dieser Erinnerung gewesen wäre das mit Lucius zu schildern, hätte sie bestimmt noch den Rest des Abends gezeigt. So wie ich Lucius kenne, lässt er sich nicht von einem blauen Fleck abhalten und hätte sie bestimmt in Gegenwart ihres Mannes in ein erneutes Gespräch gezwungen. Ich erinnere mich außerdem noch das er mal einen wirklich beeindruckenden Bluterguss hatte, wahrscheinlich stammte er von deiner Mutter." Wieder schaute er sie an, als ob er daran zweifelte die Tochter dieser Frau vor sich zu haben.
„Um was könnte es sich bei diesen Schutz handeln?" fragte sie leicht verwirrt.
„Es kann uralte Magie sein, älter als die Erinnerung deiner Familie. Aber um das genauer zu bestimmen, muss man es erst finden. Aber mir ist aufgefallen, das sie in Frankreich suchen wollte. Nun wir kennen eine Situation in der sie Schutz suchte, es aber lieber vorzog drei Tage in einen Dorf zu verbringen, als in die Sicherheit eures durch einen Geheimnisverwahrer geschützten Hauses zu flüchten."
Feelicitas wurde es etwas übel und nicht nur ihr. Serena machte endlich ihr Bäuerchen und entlud sich damit auch von ein wenig Milch.
„Irgendwie fühle ich mich angekotzt." Sagte Feelicitas nachdem sie sich von ihren Gefühl befreit hatte und ihr Baby abwischte: „Du meinst also, das was sie suchte und mir durch ihre Erinnerung unbedingt hinterlassen wollte, ist irgendwo bei mir zuhause?"
„Man kann es nur vermuten." äußerte Severus trocken und holte einen neuen Wischlappen.
Auch dieses Wochenende war schnell vergangen. Severus nahm zum Schluss noch ihren Brief zum verschicken mit und dann war sie wieder alleine. Der Oktober brach langsam herein und der Kater Belial fing an von seinen Rundgängen in der Nachbarschaft Mäuse mitzubringen und verteilte sie im ganzen Haus. Weirdy murrte über das Tier und offenbarte das sie allem was nicht sprechen konnte Argwohn entgegenbrachte. Irgendein Vorfall mit einer depressiven Eule, hatte sie wohl zu dieser Einsicht gebracht, oder sie war schon immer tierfeindlich.
Feelicitas haderte lange mit sich ob sie noch mal in das Denkarium schauen wollte, entschied sich dann aber dagegen. Es war ja auch nicht so, als hätte sie nichts anderes zu tun. Serenas erster Zahn war endlich durchgebrochen und es herrschte wieder Frieden im Kinderzimmer. Doch es wurde nie langweilig. Wenn Serena jetzt in ihren Laufstall lag, hob sie manchmal schon den Kopf für einen Moment und schaute sich neugierig um. Überhaupt schien das kleine Geschöpf tiefgreifende Gedanken zu haben und wenn sie auf den Rücken lag, betrachtete sie ihre Hände mit unergründlicher Faszination. Nur mit dem Sitzen klappte es überhaupt nicht. Feelicitas konnte sie noch so dabei unterstützen, Serena ließ sich wie ein nasser Sack hängen. Aber sie war weit davon entfernt ihr Kind zu überfordern, was sie konnte, das durfte sie und was nicht würde irgendwann noch kommen.
Am späten Mittwochnachmittag klingelte es an die Türe. Feelicitas war etwas überrascht, aber meinte es wäre eine Nachbarin. Denen konnten ja auch mal der Zucker ausgehen. Sie wollte Serena in Weirdys Arme drücken, verwarf aber den Gedanken schnell wieder. Wer es auch war, Serena würde von der etwas komischen Einrichtung ablenken. So schickte sie nur Weirdy nach oben und öffnete dann die Türe.
Ein Mann stand vor ihr, doch sie kannte ihn nicht. Stutzend sah sie ihn an. Die Ehegatten der Nachbarinnen hatte sie mittlerweile alle kennen gelernt. Nicht das er nicht in diese Gegend gepasst hätte. Er hatte denselben verlebten Ausdruck im Gesicht wie viele andere hier im Ort. Er sah aus, als wäre er ein Leben unterbezahlt zu harter Arbeit gezwungen wurden, dabei konnte er höchstens Ende Vierzig sein. Er war keine 1,70m groß und schmächtig. Seine Blässe und die etwas heruntergekommene Kleidung erschien fast schon ungesund, vielleicht lag es auch an der überwiegend dunklen Farbe. Ihr Erstaunen war nicht nur einseitig, kaum erblickte der Mann sie und Serena sah man deutlich ein wenig Überraschung in seinen grauen Augen. Zugleich schien er nicht zu wissen, was er sagen sollte und strich sich kurz über seine dunkelbraunen Haare.
Doch noch bevor Feelicitas ihn auf eventuelles Hausieren ansprechen konnte, schien er sich erholt zu haben und lächelte sie charmant an: „Guten Tag mein Name ist Lennart Gray und ich würde gerne ihren Mann sprechen. Ich bin hier doch richtig bei Snape, oder?" fragte er bemüht ungezwungen, doch Feelicitas meinte eine leichte Anspannung zu bemerken. Dennoch nickte sie, sagte aber weiter nichts und betrachtete ihn kritisch von oben bis unten. Wer war das bloß und was hatte Severus mit ihm zu tun?
„Ist er nicht zuhause?" fragte Mr. Gray und blickte sie bittend an, Feelicitas Miene veränderte sich nicht: „Nein, er ist nicht zuhause und er wird morgen auch nicht zuhause sein und übermorgen auch nicht, falls sie das fragen wollen."
Mr. Gray erschien ein wenig hilflos und überlegte einen Moment, ehe er wieder zu seinen gewinnenden Gesichtsaudruck fand: „Ist er verreist?"
Feelicitas schüttelte stumm den Kopf und ihr Gegenüber schien der Verzweiflung nahe zu sein.
„Gute Frau, wie kann ich ihn denn erreichen?" fragte er so nett es ging, doch er kam nicht an Feelicitas Misstrauen vorbei.
„Wenn sie mir sagen, was sie von ihm wollen, kann ich ihnen vielleicht weiterhelfen." Sagte sie mäßig interessiert. Eigentlich wollte sie ihn nur wieder loswerden.
Mr. Gray druckste herum: „Nun ich glaube das sollte ich mit ihrem Mann selber besprechen. Ich bin ein alter Freund von ihm."
Das wurde ja immer toller. „So, so, darf man denn auch erfahren woher sie ihn kennen? So eng kann ihre Freundschaft ja gar nicht sein, wenn ihnen nicht bewusst ist, das er als Lehrer in einen Internat arbeitet."
Sie hatte eigentlich gedacht, das er einen Rückzug antreten würde, doch der Gegenteil war der Fall: „Severus arbeitet in Hogwarts?" fragte er ungläubig und Feelicitas musste erst mal schlucken. Okay, vor ihr stand ein Mitglied der magischen Gesellschaft, obwohl er wie alles andere aussah. Er merkte wohl, das sie jetzt unsicherer wurde und trat einen Schritt näher. Feelicitas machte den Fehler zurückzuweichen.
„Wenn sie mich reinlassen, dann kann ich es ihnen erklären, ohne das ihr Baby frieren muss." Bemerkte er einschmeichelnd, doch Feelicitas Blick sprach wohl Bände und sie war kurz davor ihm die Türe vor der Nase zuzuschlagen.
„ Dann eben nicht." sagte er bedauernd, ging aber keinen Schritt zurück: „Ich bin seit vielen Jahren das erste Mal wieder im Land. Unsere Gemeinsame Zeit liegt schon etwas länger zurück."
War er ein Schulfreund? Na ja, das konnte möglich sein, obwohl er niemals im selben Jahrgang hatte sein können. Er war viel älter.
„ Also, eigentlich wissen sie ja jetzt wo er ist, dann können sie ihm ja eine Eule schicken. Gute-" Sie wollte die Türe zumachen, doch er hob abwehrend die Hände: „Nein warten sie, meine Gute. Mein Anliegen ist nichts, was man in einen banalen Brief formulieren könnte. Haben sie doch bitte die Güte mir zu sagen, wann er sie das nächste Mal besuchen kommt."
Feelicitas musste unwillkürlich lächeln. Dieses trotzige Behaaren, gefiel ihr. Doch sie wollte es nicht zugeben: „Wie kommen sie darauf, das er mich besucht? Und selbst wenn es so wäre-" fügte sie hinzu und schaute ihn tief in die hübschen grauen Augen: „Wenn es so wäre, meinen sie nicht das ich die kurze Zeit alleine, bis zur letzten Minute vollends selber ausnutzen wollte?"
Sie sah es an seinen Blick, das ihm diese Art der Antwort mehr als behagte.
„Das verstehe ich vollkommen und es tut mir ja so Leid." Beteuerte er spielerisch: „Aber ich muss sie trotzdem um ein wenig Gunst bitten, mir ein Stück der Aufmerksamkeit ihres Mannes zu überlassen. Bitte." Versetzte er hinterher und Feelicitas Blick konnte nicht länger standhalten: „Freitagnachmittag um halb Sechs und seien sie pünktlich." Beschied sie streng.
„Ich werde keine Minute zu spät kommen." Sagte er und wünschte ihr noch einen schönen Tag, bevor er sich abwand. Feelicitas Blick folgte ihm noch lange die Straße hinunter. Sie hatte zwar keine Ahnung, was gerade geschehen war, aber sie fand das Gefühl ziemlich interessant.
Den Freitag konnte sie kaum erwarten. Die Neugierde hatte sie einfach nicht mehr losgelassen. Dasselbe schien auch für Lennart Gray zu gelten. Kaum hatte die alte Uhr im Wohnzimmer Fünf Uhr geschlagen, klingelte es an der Türe. Feelicitas legte Serena in den Laufstall und öffnete ihm. Einen großen Unterschied zu seiner etwas schäbigen ersten Erscheinung gab es nicht. Aber Feelicitas stand über solchen Dingen und ignorierte seine dunklen und schlecht sitzenden Muggelsachen.
„Guten Tag Mrs. Snape." Wünschte er freundlich und sie ließ ihn ein. Es nieselte etwas und der kalte Wind zog durch den Flur. Lennart Gray schien eindeutig dankbar und erleichtert, das sie ihn nicht wieder draußen stehen ließ um zu frieren. Feelicitas zeigte ihm die Garderobe, damit er seine alte Jacke aufhängen konnte und ging unterdessen wieder ins Wohnzimmer. Kurz danach folgte er ihr. Sein erster Blick galt wieder Serena und er betrachtete interessiert.
„Setzen sie sich doch." forderte sie ihn etwas unwohl auf. Gäste hatte sie noch nie gut bewirten können: „Kann ich ihnen etwas anbieten, Mr. Gray? Ich wollte sowieso gerade Tee aufsetzen lassen."
Immer noch machte er den Eindruck, als würde er einen heißen Tee mehr als nur brauchen. „Ja, gerne Mrs. Snape."
Feelicitas wandte sich noch mal um, ehe sie nach Weirdy rief: „Nicht Mrs. Snape. In meiner Familie legt man viel Wert auf die Beihaltung des Mädchennamens. Das geht sogar so weit, das sich auch immer der Name der Mutter vererbt."
Obwohl das eine keineswegs sehr bräuchige Praxis war, nickte er verständig und bemerkte: „So was ist mir nicht unbekannt."
Er gefiel Feelicitas immer besser: „Ja, wie auch immer. Sie können mich gerne Feelicitas nennen."
Es hätte sie verwundert, wenn er das ablehnen würde. Er grinste nur vieldeutig und lehnte sich zurück. Feelicitas erinnerte sich wieder an den Tee. Weirdy erschien auf ihr Rufen und zog dann mit ihren Auftrag wieder ab.
Feelicitas betrachtete ihn und seine selbstverständliche Art ihr Sofa zu benutzen etwas verlegen. Unruhig rutschte sie auf dem Sessel herum und rang verstohlen mit ihren Händen: „Nun Mr. Gray, sie deuteten an, nicht von hier zu stammen. Darf man fragen wo sie zuhause sind?" Lennart Grays Gesicht verdüsterte sich etwas, doch nach einen kurzen Zögern äußerte er unbekümmert: „Ich lebe in Kanada."
Wenn er meinte, damit wäre es getan, hatte er die Rechnung nicht mit seiner Gastgeberin gemacht: „Ach wirklich? Sie sind aber in England geboren, oder? Ich kann keinen kanadischen Dialekt an ihnen erkennen. Wo wohnen sie denn genauer? Für Kanada habe ich mich schon immer interessiert." Feelicitas Interesse war ziemlich harmloser Art, sie fragte nicht um ihn auszuhorchen, sondern damit die Zeit verging. Er schien es richtig aufzunehmen und fing an zu plaudern: „Ja geboren bin ich schon hier, aber wie gesagt ich habe meinen Heimatland zusammen mit meiner Familie vor langer Zeit den Rücken gekehrt. Auszuwandern war das beste was uns jemals passieren konnte. Wir leben in der Nähe der Stadt Norman Wells. Eine wirklich schöne Gegend, kennen sie es?"
Die junge Frau musste aufgeben: „Ehrlich gesagt nein. Ich weiß kaum wo man Kanada auf der Landkarte findet. Mein Wissen stammt aus dem Muggelfernsehen und geht über ein Paar Tierreportagen nicht hinaus." Sie zuckte mit den Schultern und legte den Kopf schief.
„Schade, aber da kann man nichts machen. Wenn ich sie aber etwas fragen darf?" Er war hartnäckig und wollte mehr erfahren, das schmeichelte Feelicitas: „Aber sicher doch." Äußerte sie gönnerhaft.
„Nun, sie scheinen mir einen leicht französischen Dialekt zu haben. Nicht sehr auffallend, aber auch nicht der Klang dieses Kaffs hier."
Feelicitas grinste: „Vor meiner Hochzeit mit Severus lebte ich in Frankreich. Auch eine wunderschöne, aber leider verschlafene Gegend. Was machen sie eigentlich beruflich?"
Das schien nichts zu sein, womit man prahlen konnte, Feelicitas biss sich heimlich auf die Zunge. „Ich bin in einen Fabrikbetrieb tätig." Äußerte er recht wage, aber man sah seiner Miene an, der er dort keineswegs der Chef war.
„ Aber um noch mal auf den verschlafenen Ort zurückzukommen. Seien sie froh, da kommen sie auch niemals in die Verlegenheit solche Nachbarn wie wir zu haben."
Interessiert blickte Feelicitas ihn an: „Das wollen sie doch bestimmt näher erläutern, oder?"
Er lehnte sich auf dem Sofa zurück: „Sagt ihnen das Wort Nudisten etwas? Ah, ich sehe sie können etwas damit anfangen. Nun, als Ina und ich das Haus gekauft haben, waren wir gerade dabei es richtig schön einzuweihen, da standen unsere Nachbarn plötzlich in der Türe." Feelicitas japste auf, zum einen, weil er ihr das im normalsten Plauderton erzählte und dann weil sie es sich vorstellen musste.
„Ja, es war ein erschrecken auf beiden Seiten. Obwohl der riesige Geschenkkorb in ihren Händen Ina und mir zunächst genauere Einblicke ersparten, doch das was sie erblickten muss tiefen Eindruck auf die beiden gemacht haben. Seither pflegen wir einen wirklich speziellen Nachbarschaftskontakt. Ina und ich werden zu allen möglichen Anlässen netterweise von den Beiden mit anregenden Büchern und Videos überhäuft. Doch es reicht ihnen nicht uns dauernd zum gemeinsamen Grillen einzuladen, sie wollen auch immer das ich auf ihre komischen Treffen mitkomme." Das wurde ja immer interessanter, doch in seiner Miene stand ein wenig Unwohlsein.
„Mittlerweile kann ich schon gar nicht mehr aufzählen, mit welchen Begründungen ich sie dauernd abgewimmelt habe. Meine hilfreichste stammte von Ina, ein Paar Wochen hatte ich dann Ruhe vor den Nudisten. Ich habe einfach gesagt, das ich dort unten-" Das war der geeignete Zeitpunkt um das Gespräch zu unterbrechen. Zum Glück kam gerade da Weirdy wieder und stellte die Teekanne samt Tablett ab. Feelicitas wartete noch, bis sie wieder verschwunden war und dann erhob sie sich. Sie deckte den Tisch und versuchte den musternden Blick in ihren Rücken etwas gutes abzugewinnen. In letzter Zeit war sie nicht mehr dazu gekommen sich besonders hübsch zu machen. Die meisten ihrer Kleider waren zu schade, als das man Milch oder Brei darauf kleckern wollte. So hatte sie oft zu den etwas verschossenen Kleidern ihrer Riddlehaus- und Hogwartszeit Zuflucht genommen. Doch heute trug sie zum ersten Mal wieder ein neueres. Vielleicht war das weiße Kleid mit den hellgrün gestickten Blattmuster etwas eng. Denn die Figur, welche sie vor ihrer ausgeprägten Schwangerschaft gehabt hatte, lag immer noch fern. Schon alleine ihre Oberweite war durch das ausdauernde Stillen etwas ausgeprägter als zuvor und das Kleid betonte mehr, als es verdeckte. Am morgen hatte Feelicitas noch angenommen, das es nichts ausmachen würde. Es war praktisch durch den großen Ausschnitt, denn man musste sich nicht ganz entblößen wenn man stillen wollte. Doch jetzt fand sie es etwas zu gewagt. Zudem hatte die Beanspruchung in der Breite, zu Einbußen in der Länge geführt und Feelicitas hätte im Moment lieber noch eine Strumpfhose drunter gehabt.
Ein leises Glucksen ertönte hinter Feelicitas Rücken als sie den Tee einschenkte. Sie schrak aus ihren Gedanken auf und wandte sich zu ihrer Tochter im Laufstall um. Lennart Gray saß neben Serena auf dem Boden und angelte durch die Gitterstäbe nach einen kleinen rosa Strümpfchen. Feelicitas ließ die Teekanne sinken: „Ich glaube ich sollte Serena die Strümpfe an den Strampelanzug nähen. Mittlerweile bin ich andauernd ihren Socken am hinterherlaufen."
Sie wollte Lennart ablösen, doch er sah sie nur lächelnd an und winkte ab: „Lassen sie ruhig, ich mach das schon." Und dann holte er Serena aus dem Laufstall.
Feelicitas beobachtete Lennart ein wenig argwöhnig und schockiert, wie er Serena fachkundig ihren verlorenen Strumpf wieder anzog. Doch er gab ihr keinen Grund ihn zu verfluchen und so tolerierte sie es.
„Haben sie auch Kinder, das sieht nicht so aus, als würden sie es das erste Mal machen." Fragte sie interessiert und über Lennarts Gesicht kam ein Grinsen.
„Ich habe zwei Töchter. Mavis müsste so in ihren Alter sein, sie ist jetzt siebzehn. Und Umbra ist zwölf, sie war immer ein kleiner Wirbelwind und verlegt noch heute dauernd ihre Sachen. Meine Frau Ina hat es aufgegeben etwas daran ändern zu können."
Feelicitas wusste zwar nicht warum, aber ein Stein fiel ihr vom Herzen, bei dem Gedanken, ihn sich als liebenden Vater vorzustellen.. Sie lächelte zurück. Zum ersten Mal seitdem sie ihn getroffen hatte, fühlte sie sich deutlich erleichtert und ein Teil ihrer inneren Anspannung verlor sich: Was immer er mit Severus zu tun hatte, wie der gewöhnliche Todesser wirkte er nicht. Vielleicht kannten sie sich von irgendwo anders: „Ja, Töchter sind schon etwas schönes." Sagte sie versonnen.
„Oh ja, da haben sie recht Feelicitas. Schaffen sie sich unbedingt noch ein paar an." Erwiderte er charmant und warf ihr einen mehr als doppeldeutigen Blick zu. Feelicitas irritierte es ein wenig und ihr Lächeln verschwand: „Danke, ich habe bereits zwei, das sollte genügen." Sagte sie, bevor sie weiter nachdachte und erstarrte plötzlich.
Auch aus Lennart Grays blassen Gesicht schwand das Grinsen und seine Miene wurde ernster.
„Bevor sie fragen, meine Erstgeborene lebt nicht bei mir." sagte Feelicitas knapp und wandte sich wieder der Teekanne zu: „Möchten sie Zucker?"
Scheinbar war Lennart Gray ihr offensichtlicher Stimmungsumschwung nicht entgangen: „Ja bitte." sagte er gedankenverloren und Schweigen trat ein. Feelicitas wollte gerade mitteilen, das Severus jeden Moment erscheinen konnte, als seine etwas schwermütige Stimme sie aus den Gedanken riss.
„Das tut mir leid für sie, wenn ich alte Wunden aufgerissen habe, Feelicitas. Ich... glauben sie mir, ich kann ihr Leid nachvollziehen. Meine Tochter Mavis ist nicht die gemeinsame Tochter von Ina und mir. Ihre eigentliche Mutter war eine gute Freundin, damals in den dunklen Zeiten. Ich hatte keine Ahnung." Feelicitas sah sich erschrocken zu ihm um und beäugte ihn kritisch. Warum erzählte er ihr das jetzt? Er warf ihr ein trauriges Lächeln zu: „Sie war eine begnadete dunkle Heilerin. Sie bekam unsere Tochter, als ich nicht bei ihr sein konnte und ...und die Todesser haben sie kurz danach umgebracht. Ich wusste von nichts, wenn ich es gewusst hätte wäre vieles anders gekommen. Mavis kam in die Pflege einer dem dunklen Lord treuen Familie. Erst als sie vier Jahre alt war, erfuhr ich von ihrer Existenz und erhielt zugleich die Möglichkeit sie zu mir zu holen. Ich danke meinen Schicksal jeden Tag dafür, das es mir ein solches Glück zukommen ließ, aber diese vier Jahre kann man, wie vieles andere auch, nicht einfach wegstreichen." Er schwieg und Feelicitas meinte ein leichtes Glitzern in seinen Augen zu sehen.
„Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, das auch sie den Weg zu ihrer Tochter finden und sie zu sich holen können." sagte er leise und betrachtete zärtlich Serena. Feelicitas wusste, das dieser Blick nicht ihrer eigenen Tochter galt, doch es war gut so. Sie nickte, als er ihr einen kurzen Blick zuwarf und bemerkte, das sich eine dunkle Gestalt durch den Vorgarten näherte: „Severus kommt nach Hause." sagte sie kurz und strich sich ordnend über ihre Kleidung. Das war zwar nicht nötig, doch sie hatte das Bedürfnis. Lennart legte Serena wieder in den Laufstall und erhob sich mit einen ächzenden Stöhnen.
„Nicht erschrecken, ich werde nur alt, das ist alles. Früher wäre mir so was nicht passiert." Erläuterte er leicht entschuldigend grinsend: „Nun Feelicitas, verschieben wir die Fortführung unseres netten Gespräches auf einen anderen Zeitpunkt?" fragte er und warf ihr noch kurz einen dieser unverschämt freizügigen Blicke zu. Trotzdem nickte Feelicitas, dieser Mann erschien ihr sehr anziehend. Sie hatte eindeutig nichts dagegen, wenn er wiederkam. Ihren plötzlichen Entschluss bekräftigte sie mit einen Lächeln. Lennarts Miene sagte nichts mehr darüber aus, ob er sich freute. Sein Blick leerte sich, als er das Schloss gehen hörte und er wandte seinen Blick zum Flur.
Fortsetzung folgt...
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