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23. Der Freund aus alten Tagen
Severus Snape war nicht ungewarnt, das Besuch auf ihn wartete. Feelicitas hatte Weirdy mit einer Nachricht weggeschickt und scheinbar hatte die Elfe sie auch nicht belogen, als sie nachher berichtete Severus sei etwas verwundert darüber gewesen. Das er eindeutig im ersten Moment nicht wusste wer vor ihm stand verwirrte Feelicitas total.
„Severus, was schaust du mich so an? Du kennst mich doch noch. Ich bin es, Lennart." Lennart Grays Ton schien nicht ganz so selbstverständlich, wie er klingen sollte. Immerhin, Severus schien plötzlich eine Ahnung zu haben.
„Lennart." Sagte er mit komischen Unterton: „Welch überaus überraschendes Wiedersehen." Richtig unheimlich wurde es erst, als ihr Mann ihr selber einen noch weitaus eindringlicheren Blick schenkte, als dem Besucher. Verwirrt wie sie war, schaute sie nicht weg als sein Blick sie traf. Das schien ihn zu beruhigen und gleichzeitig davon zu überzeugen, das sie fortan nicht mehr als Luft war.
„Ja, ich verstehe deine Überraschung vollkommen, Severus." Äußerte Lennart Gray etwas unwohl: „Könnte ich wohl trotzdem unter vier Augen mit dir reden?" Mit einen kurzen Seitenblick deutete er auf das Baby und die Frau. Feelicitas beleidigte es etwas. Eben noch war er so nett und jetzt spielte er dasselbe Verheimlichungsspiel, wie ihr Mann.
„Oh, wir können ja gehen." Entkam es Feelicitas säuerlich, sie wollte gerade Serena aus dem Laufstall reißen, doch Severus gebot ihr Einhalt: „Das wird nicht nötig sein, wir gehen in mein Arbeitszimmer."
Feelicitas musste erleben, wie die beiden Männer in den geheimen Anbau verschwanden. Sie ließ sich wieder auf das Sofa sinken und schmiss vor Wut ein Kissen an die Wand. Severus hatte zweifellos erkannt, das sie jedes Wort des Gespräches mitbekommen hätte, wenn er sie nur rausschickte. Warum musste dieser Mann nur mit dieser unheimlichen Intelligenz gesegnet sein?
Ihren Frust ertränkte sie mit einer doppelten Zuckerration im Tee. Danach fühlte sie sich ruhiger.
Die beiden Männer tauchten erst nach über einer Stunde wieder auf. Lennart Grays Anliegen schien ihn schwer mitgenommen zu haben, während Severus Miene so gefühllos wie immer war. Severus schien auch kein weiteres Interesse an seinen Gast zu haben und setzte sich nieder und schüttete sich seelenruhig Tee ein. Lennart schien nicht länger bleiben zu wollen und wandte sich zum gehen. Feelicitas sprang auf, bevor er sich von ihr verabschieden konnte und warf Severus einen strafenden Blick zu: „Warten sie, ich bring sie hinaus."
Sie folgte ihm in den Flur und wartete ab, bis er in seine alte Jacke geschlüpft war.
„Was ist jetzt mit der Unterhaltung, die sie mir noch schuldig sind?" fragte sie mit einen einladenden Lächeln. Lennart Gray schien zu müde um es ernsthaft zu erwidern und blockte ab: „Da wird wohl heute nichts draus Feelicitas. Ich habe in den nächsten Tagen viel zu tun." Als er ihren enttäuschten Gesichtsaudruck sah, fügte er immerhin hinzu: „Vielleicht komme ich nächste Woche noch mal."
Feelicitas gab nicht auf: „Ach kommen sie. Wie wäre es wenn sie nächsten Freitag wieder früher kommen. Wenn sie Zeit mitbringen geht vielleicht auch noch ein gemeinsames Abendessen. Severus wird sich bestimmt auch freuen. " Ihr Blick war so anregend, das er einen Teil seiner Müdigkeit verlor und sie schwach anlächelte: „Ich nehme sie beim Wort, Feelicitas." Dann ging er an ihr vorbei, wieder zum Wohnzimmer: „Ich muss dann Severus. Erwarte mich nächste Woche wieder, ich erzähl dir dann, wie es gelaufen ist. Wenn ich es noch kann." Feelicitas gab der letzte Satz etwas zu denken, doch als er sich ihr an der Haustür noch mal zuwandte hatte sie es wieder vergessen. Severus hatte sich doch erhoben und stand am Wohnzimmertürrahmen und betrachtete beide kritisch.
Kurz bevor Lennart sich entgültig abwandte und in der Dunkelheit verschwand, warf er ihr noch einen warmen Blick zu: „Auf Wiedersehen, Mrs. Snape." Sagte er leise. Und Feelicitas meinte erkannt zu haben, das er ihr dabei leicht zugezwinkert hatte.
Der Rest des Abends mit Severus verlief eher still. Sie erzählte ihm über Serenas neuste Entwicklungserfolge und demonstrierte mit ihr das klärgliche Versagen beim Hinsetzen. Aber Severus schien zum ersten Mal in Anwesendheit seiner Tochter total mit den Gedanken bei einer anderen Sache zu sein und konnte sich nicht so recht begeistern.
Später brachte Feelicitas das Kind ins Bett. Als sie wiederkam hielt sie es nicht mehr aus: „Wer ist Lennart Gray und was wollte er von dir?" fragte sie und stemmte die Arme in die Seiten. Falls er jetzt irgendwelche Ausflüchte nennen wollte, würde sie es nicht auf sich beruhen lassen. Das er ihr aber wirklich eine klare Antwort geben wollte, hätte sie niemals gedacht.
Erst sah es auch überhaupt nicht danach aus: „Lennart Gray hat mich kontaktiert um anzufragen, welchen Sinn es machen würde bei der ehrwürdigen Vereinigung, deren Name du zweifelsohne kennst, einzusteigen." Das er damit nicht den Orden des Phönix meinte, stand außer Frage. Es erinnerte sie aber daran, das sie ihn nach dem Wohlergehen von Remus, Dora Tonks und Molly fragen wollte. So lange hatte sie nichts mehr von ihnen gehört. Doch Ablenkung konnte sie jetzt nicht zulassen: „Wie er da an deine Adresse kam, muss mir nicht schleierhaft vorkommen, oder?" fragte sie verdrossen: „Das mit dem Freund aus alten Tagen lässt doch darauf schließen das er bereits einmal Mitglied war, oder?"
Severus verzog keine Miene: „Gut erkannt. Du scheinst aber nicht sehr erschüttert zu sein, obwohl es bis eben so aussah, als würdest du dich sehr gut mit ihm verstehen." Er erhielt nur ein Schulterzucken seiner Frau. Feelicitas hatte es eigentlich nicht für möglich gehalten, aber jetzt wo es sich als doch wahr herausstellte wusste sie, das es ihr nichts ausmachte: „Was sollte mich daran abstoßen das er ein Todesser war und wieder ist? Da ich gerade dir gegenübersitze, sind mir die vielseitigen Möglichkeiten der weiteren Lebensentfaltung von ehemaligen Todessern wohlbekannt. Ich weiß nur nicht, was er nun wieder beim dunklen Lord sucht, wo er doch in Kanada-" etwas erschrocken hielt sie inne, doch Severus interessierte ihre Enthüllung nicht sonderlich: „Halt dich von ihm fern wenn er kommt, das ist das Beste." Sagte er knapp. Feelicitas dachte schon das war es, und setzte zu einigen harten Worten an, aber er erzählte ihr mehr: „Er war sich nicht so sicher, wie der dunkle Lord auf sein Wiederkommen reagieren wird. Und weil wir uns von früher kennen, wollte er mal anfragen was ich dazu meine."
„Und was meinst du dazu?" In ihrer Stimme klang besorgte Neugier mit. Sich Lennart Gray in einer Konfrontation mit Voldemort vorzustellen, erweckte ihr Mitgefühl.
„Das werden wir erst wissen, falls er nächste Woche noch kommen kann." Kam es recht nüchtern. Feelicitas schaute ihn strafend an: „Das hast du ihm so gesagt?"
„Ja und er hat es sehr gut verstanden." Kam es gedehnt und ungerührt zurück: „Wenn er nicht wiederkommt, weißt du wahrscheinlich am Besten an welche Adresse die Beileidsbekundung für seine Frau und Kinder gehen muss."
Den Rest des Abends sprach die entrüstete Feelicitas kein Wort mehr mit ihm und verzog sich früh in ihr Zimmer. Die Gedanken dieser Nacht widmeten sich der Konfrontation, die wohl gerade im Riddlehaus stattfand.
Wieder einmal verschlang die Zeit Tage und Stunden, als wären es bloß Minuten gewesen. Der Freitag kam mal wieder sehr zeitig und Lennart Gray taucht zu ihrer großen Erleichterung mehr als nur pünktlich auf. Ihm schien es deutlich besser zu gehen und er wirkte überhaupt nicht mehr so angespannt, wie noch vor einer Woche. Doch so ganz spurlos war sein Vorgehen nicht an ihm vorbeigegangen. Es hielt ihn aber nicht davon ab, in ihrer Gesellschaft alles bedrückende zu vergessen. Feelicitas ertappte sich dabei, das sie am Morgen schon wieder etwas hübsches angezogen hatte. Zwar hatte sie sich nicht wieder an das knielange Kleid mit dem Blattmuster gewagt, aber der weite schwarze Rock war auch kaum das Knie umspielend und ihr pinker Pullover nicht gerade der weiteste den sie finden konnte. Immerhin hatte sie eine Strumpfhose angezogen, doch seine Blicke verfolgten sie unablässig. Sie plauderten wieder nett miteinander, doch scheinbar hatte sich seine Mitteilsamkeit über wichtige Dinge erschöpft. Was sie auch versuchte, er ging nicht näher auf seine Gespräche mit Severus ein und ließ nicht das kleinste Anzeichen verlauten, das er Voldemort aufgesucht hatte. Dafür schaffte er es aber ihr zu entlocken, das Severus sie eingeweiht hatte. Er stellte ein wenig zuviel Fragen und Feelicitas blockte nach einer Weile ab. Wenn er eine Informationsquelle brauchte, sollte er sich in den Todesserreihen umhören. Sie war nicht geneigt ihm nähere Details über Severus Privatleben zu schildern.
Immerhin schien er auch zu dem Entschluss zu kommen, das es keinen Sinn machte und so kamen sie endlich wieder auf schönere Dinge zu reden. Feelicitas kam in den Genuss ein Foto seiner Familie betrachten zu können, das er bei sich trug.
Es war ein schönes Foto und alle vier Grays winkten fröhlich ihrer Betrachterin zu. Ina Gray war eine hübsche Frau mit etwa schulterlangen schwarzen Haaren und dunkelblauen Augen. Sie schien einen Hauch größer als ihr Mann, doch auch zierlich und das Alter hatte ihr nicht schlecht getan. Ihre kleinen Lachfalten machten sie richtig sympathisch. Es war komisch. Seitdem Feelicitas in die magische Welt gekommen war, schienen die Frauen für ihr Alter immer um Jahre zu jung auszusehen. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, das für sie einmal dasselbe gelten könnte.
Ihre Tochter Mavis war eine hübsche Jugendliche mit Sommersprossen. Sie hatte längere rotbraune Haare und hellblaue Augen. Sie schien das Aussehen eher von ihrer Mutter der dunklen Heilerin zu haben und glich Lennart kaum. Umbra hingegen war die perfekte Mischung. Die Zwölfjährige schien die dunkelbraunen kurzen Haare ihres Vaters und die Augen ihrer Mutter Ina geerbt zu haben.
Lennart ließ sich von ihrem Interesse hinreißen ein wenig zu erzählen: „Meine beiden Töchter unterscheiden sich wie die Sonne vom Mond. Ina ist nur zu beneiden, wie sie es geschafft hat beiden gerecht zu werden. Mavis war immer ein so liebes und ordentliches Kind. In St. Brumalis, dem Internat der beiden, hat sie es damit oftmals übertrieben. Man kann fast behaupten sie wäre eine Streberin, dabei sieht man es ihr nicht an. Die Streber meiner eigenen Schulzeit waren immer entweder dick, hatten Pickel oder besonders dicke Brillengläser. Zum Glück ist das heute nicht mehr Bedingung."
Feelicitas musste kichern, Magierschulen mussten in den Sechzigern ja die reinste Zumutung gewesen sein. Noch niemand hatte ihr erzählt das seine Schulzeit besonders schön gewesen war.
„Und Umbra ist keine gute Schülerin?" fragte sie interessiert und er schüttelte den Kopf: „Umbra treibt uns oft in den Wahnsinn. Es vergeht kein Tag das sie sich nicht irgendwelche Unsinn einfallen lässt. Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie oft sie mit irgendwelche Viechern angelaufen kam, die ich heilen sollte. Sie ist so ein richtiger kleiner Wildfang, und wenn ihr etwas nicht passt, dann wackeln die Wände. Manchmal könnte man meinen, sie hätte besser ein Junge werden sollen. Aber dann schau ich mir meine Frau an und weiß, das kann sie nur von ihr geerbt haben. Ich glaube etwas anders außer Mädchen ist gar nicht möglich."
Feelicitas schloss bei seinen Worten, diesen Mann immer mehr ins Herz. Doch sie wurde das Gefühl nicht los, das ihr Gespräch sich immer mehr vom eigentlichen Thema distanzierte. Je mehr er ihr über seine Frauen erzählte um so näher rückte er auf dem Sofa an sie ran. Nicht das es ihr zuwider war, aber das es so einfach sein sollte, konnte sie selber nicht fassen.
Als Severus am Nachmittag endlich kam, hatte sie einige Erkenntnisse entwickelt, warum Männer reden konnten und dabei immer etwas ganz anderes meinten. Trotzdem war sie etwas enttäuscht, wirklich näher war sie ihren Plänen nicht gekommen. Es wurde ihr erst richtig klar, als sie den Schlüssel im Schloss hörte, aber sie musste es sich eingestehen. Schnell stand sie vom Sofa auf und glättete ihre Kleidung. Diesmal hatte sie es nötig. Lennart konnte sich kaum ein Grinsen verkneifen, mühte sich aber auch um einen neutraleren Gesichtsausdruck und stand auch auf. Feelicitas versuchte erst gar nichts einzuwenden, als beide Männer im Arbeitszimmer verschwanden.
Feelicitas verspürte diesmal nur halb so viel Frust darüber, sie erwartete das Severus ihr nachher alle Fragen wahrheitsgetreu beantworten würde. So ging sie halbwegs gut gelaunt in die Küche und leistete Weirdy Gesellschaft beim Kochen. Feelicitas bewunderte immer wieder, wie die Hauselfe mit den Muggelgeräten umgehen konnte. Zudem stand Weirdy wegen ihrer geringen Größe auf der Arbeitsplatte und rührte mit einen Löffel im Topf herum, der in etwas ihrer Größe gleichkam.
„Mistress Feelicitas, Weirdy ist gleich fertig. Sie muss nur noch das Gemüse umrühren und den Tisch decken." Feelicitas nickte, sie war mittlerweile an ihrer neuen Aufgabe gewachsen und hatte die Organisation des Haushaltes wieder in ihre eigenen Hände genommen. Morgens bestellte sie die Elfe zu sich und gab ihr Anweisungen. Was sie mit Serenas Koliken machen sollte, welcher Raum mal wieder staubgewischt werden musste und ähnliches. Heute war es die Benachrichtigung gewesen, das Lennart Gray mitessen würde. Keinen einzigen Gedanken verschwendete Feelicitas daran, das Lennart vielleicht auch gar nicht mehr unter den Lebenden weilte. Irgendwie hatte sie geahnt, das Voldemort ihn brauchen konnte. Fragte sich nur, wofür?
Sie ließ die Elfe machen und holte währenddessen Serena aus dem Bett. Als sie mit ihr herunterkam, waren die Männer gerade dabei das geschäftliche zu beenden. Weirdy hatte ihnen wohl schon Bescheid gesagt, das das Essen auf dem Tisch stand und so war Feelicitas die letzte, die in die Küche trat. Weirdy hatte mittlerweile auch Serenas Brei zubereitet und so wartete alles nur noch auf den Anfang.
Es gab Reis mit Gemüse. Feelicitas kam dieses Gericht ziemlich exotisch vor, doch Lennart war es nicht exotisch genug: „Feelicitas es ist wirklich lecker, aber haben sie zufällig Schokoladensoße im Haus?" wagte er verhalten zu fragen. Feelicitas war zu entsetzt um zu verneinen: „ Reis mit Schokoladensoße? Ihre Frau muss ja ihre liebe Not mit ihnen haben, wenn sie das kochen muss."
Severus schien den seltsamen Geschmack seines Gastes schon ein Begriff, doch trotzdem schaute er hoch: „Lennart in deinem Alter solltest du besonderen Wert darauf legen, deinen schwachen Magen zu schonen. Wir wollen doch nicht das du wegen irgendwelcher Schokoladenexperimente tagelang nur brichst. Es wäre schwer gegenüber dem dunklen Lord zu erklären, was dich von deinen Aufgaben abhält. Und es wäre unverzeihlich wenn er dann meine Frau dafür verantwortlich macht."
Lennart schaute ihn mit Kopfschütteln an, was gerade zwischen ihnen vorging entzog sich Feelicitas Verständnis. Lennart fuhr ungezwungen fort: „Also Ina hat schon ihre Probleme, aber anders als sie meinen Feelicitas. Wenn sie kocht, dann muss man ihr unterstellen uns vergiften zu wollen. Aber sagen darf das niemand, sonst setzt es ziemlich lauten Ärger. Das letzte Mal als ich mich getraut haben nach dem Salz zu fragen, hatte das die Auswirkung das plötzlich etwas durch den Raum flog, von dem ich nie gedacht hätte, das es fliegen kann. Ich sage jetzt nicht was es war, aber wir verstehen uns doch, oder?" Feelicitas nickte und konnte das Lachen kaum zurückhalten. Doch Severus Miene war so ernst wie eh und je.
„Meistens schnappen wir uns unsere Töchter und den alten Truck und halten beim Drive-in. Das ist auch die einzigste Möglichkeit um Umbra zum Schweigen zu bringen. Für die ist unser Truck eine Familienschande. Na gut, er ist ein wenig klapprig, doch Ina und ich fahren ihn sehr gerne." Er hielt inne.
Serena war in Feelicitas Armen eingeschlafen und gab ein leises Schnaufen von sich. Lennart beugte sich näher an das kleine Gesichtchen: „Eben war sie doch noch wach." Sagte er leicht stutzend.
„Vielleicht solltest du aufhören uns mit deinen Geschichten zu langweilen, sonst schlafen wir auch noch ein." Bemerkte Severus sarkastisch. Lennart setzte sich wieder richtig hin.
„Das hat er schon früher immer gemacht. Es verging kein Tag, an dem er nicht mit seinen Frauengeschichten herumschmiss. Wahrscheinlich hat er dir schon seine Fotosammlung gezeigt, oder?" Bemerkte Severus zu seiner Frau. Feelicitas beäugte Lennart mit einen erkennenden Blick, doch dieser nahm es nicht übel: „Tja, das mag wohl daran liegen, das es bei dir keine Frau gab worüber man hätte reden können. Da musste ich doch meinen Erfahrungsschatz mit dir teilen, bevor du ganz vergisst wie das geht. Ich hab so oft versucht dir mit größten Mühen dabei zu helfen, doch du wolltest ja nie. Du hast dich ja immer nur den großen Gaben deines Intellektes gewidmet." Sagte er neckend. Severus wurde etwas steifer, doch das hinderte ihn nicht zu erläutern: „Du hast versucht mich an eine Werwölfin zu verkuppeln, nennst du das größte Mühen?" fragte er leise. Lennart lachte nur auf: „Sie wäre dir eine dankbare Gefährtin geworden, du hättest ich schließlich den Wolfsbanntrank brauen können, nicht wahr? Aber genug davon Severus. Wie ich sehe hast du dir wenigstens ein Paar meiner Ratschläge zu Herzen genommen. Deine entzückende Frau und Tochter sind etwas wo du Stolz drauf sein kannst"
Lennart erhielt nur ein Murren und einen vernichtenden Blick zur Antwort und Feelicitas erkannte endlich, wie das Verhältnis zwischen ihnen lag. Severus schien es ein wenig peinlich zu sein, aber Lennart und er hatten wohl damals eine Art brüderliche Freundschaft. Jedenfalls aus Lennarts Erzählungen entstand der Eindruck, wer weiß wie jung Severus da noch war. Aber sich ihren Mann als Nachwuchstodesser vorzustellen, der kaum den Kinderschuhen entwachsen war, konnte schon gruselig sein. Und worin die Lebensratschläge von Lennart noch bestanden haben mochten, wollte sie sich nicht weiter ausmalen.
Einige Zeit nach dem Essen verließ Lennart sie auch schon wieder. Feelicitas hatte in der Zwischenzeit eine entgültige Entscheidung gefällt. Wenn sie sich jetzt nicht traute, dann würde das niemals etwas werden. Sie fing ihn wieder an der Türe ab: „Lennart, sie wollten doch noch meinen kleinen Kater bewundern. Kommen sie mit, ich glaube er wird ihnen gefallen." In Lennarts Augen sah sie eine Spur von Irritation, doch er folgte ihr willig bis in das Bad. Severus war unterdessen in den ersten Stock gegangen um Serena schlafen zu legen.
Feelicitas schloss hinter ihm die Türe: „Wann wollen sie uns wieder besuchen?" fragte sie gespielt desinteressiert, doch ihre Stimme klang dafür etwas zu hastig.
„Das kann dauern, wenn ich Grund habe zu kommen, werde ich mich vorher nicht ankündigen können." Es hörte sich ein wenig bedauernd an. Feelicitas beugte sich zu ihrem kleinen Kater herab und streichelte ihn hinter den Ohren das er anfing zu schnurren. Lennart schien nicht so recht zu wissen, was er noch hier machte. Feelicitas Mut für die Sache, erlaubte nicht ihn anzusehen, deshalb streichelte sie Belial weiter, bis das er sich wohlig streckte und sich ganz an sie ergab.
„Ich habe am Mittwoch Zeit. Um Drei Uhr." Sagte sie leise und lauschte angespannt auf Reaktion. Lennart an ihrer Seite atmete kurz durch. Scheinbar betrachtete er sie, doch bevor er etwas einwenden konnte, hörte man das Schritte im ersten Stock aufkamen.
„Sie sollten jetzt gehen, sonst stellt Severus Fragen, Lennart." Ihr Ton war drängend und doch konnte sie ihre Unsicherheit nicht überspielen. Belial unter ihren Händen gab einen wohligen Laut von sich. Lennart schien es plötzlich eilig zu haben.
Feelicitas zwang sich aufzusehen: „Auf Wiedersehen."
Er schaute sie nur kurz an bevor er verschwand, doch sein Blick war vielsagend: „Bis Mittwoch." Sagte er sanft und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln, dann war er verschwunden.
Als sie ihn einen Moment später folgte, kam Severus gerade von oben und schaute sich um: „War Lennart noch da? Ich meine ich habe Stimmen gehört?"
Feelicitas mied seinen Blick und flüchtete an ihm vorbei ins Wohnzimmer: „Jetzt ist er weg." sagte sie nur kurz. Severus stellte keine weiteren Fragen.
Dafür Feelicitas um so mehr. Wie schon in der letzten Woche erwartete sie Antworten: „Und welchen Dienst erfüllt er für den dunklen Lord?"
Severus schnaubte: „Er soll sich nach Spionen innerhalb der Ränge umsehen und entlarven."
„Ach ja die." Entfuhr es Feelicitas unbekümmert, sie ließ sich auf die Couch plumpsen und machte sich auf weitere freigiebige Enthüllungen gefasst. Doch Feelicitas erstarrte als sie Severus wahrhaft düsteren Blick sah: „Namen!" sagte er knapp und Feelicitas krauste die Stirn: „Bitte was?"
„Nenn mir die Namen." Wiederholte er noch mal, doch sein Ton wurde noch bestimmter. Feelicitas verstand und musste ihr Unwissen bekunden: „Nein, das habe ich nicht andeuten wollen. Das weiß ich nicht, Dumbledore machte nur mal so eine Andeutung. Du warst doch dabei, von wegen einer seiner Spione hat gemeldet ich sei die ranghöchste Todesserin, oder so ähnlich." Große Enttäuschung lag in seinen Blick, doch die verbarg er schnell wieder. Doch Feelicitas hatte genug Zeit um zu einer Erkenntnis zu gelangen: „Was bist du doch gerissen. Schickst ihn zu Voldemort, horchst ihn dann aus und bekommst ihn auch noch überredet dir beim kleinsten Anzeichen sofort Bericht zu erstatten. Wie machst du das?" Ihre Frage verklang unbeantwortet.
„Mit seinen Anliegen, ist er ja genau zum Richtigen gelaufen." Sagte sie anklagend, obwohl ihr natürlich klar war, welch ein Glücksfall das sein konnte.
Severus Reaktion bestand nur darin aufzustehen und sie böse anzufunkeln: „Vielleicht hast du recht, aber dessen Frau wird kein Wort darüber verlieren, wenn ihr das eigene Wohl und das ihrer Familie etwas wert ist."
Feelicitas beeilte sich natürlich zu beteuern niemals auch nur eine Andeutung fallen gelassen zu haben, konnte aber nicht umhin zu fragen: „Er hat kein Misstrauen? Meinst du man schaffst es ihn auszuhorchen, bevor sein Wissen an den dunklen Lord gelangt und Schaden bringt?"
„Nein, Misstrauen hat er keins und er wird mir die Namen nennen, bevor er sie dem dunklen Lord überreicht." Sagte er knapp.
„Warum macht er es überhaupt?"
Severus schien ihr gewogen zu sein und nahm sich Zeit für eine Antwort: „Woher soll ich das wissen? Lennarts wahre Gesinnung war schon immer ein wenig widersprüchlich. Vielleicht hat es ihn nervös gemacht, das der dunkle Lord es geschafft hat wieder aufzuerstehen und machte sich Sorgen das nun die gesamte Welt nicht mehr vor ihm sicher ist und will seine Familie schützen. Vielleicht zog ihn seine alte Sehnsucht wieder an die Seite des dunklen Lords. Ich bleibe dabei, halt dich von ihm fern. Und was die Spione angeht, da geht es mir in erster Linie nicht um ihr Leben, sondern um das Wissen was Dumbledore selbst mir verheimlicht." Feelicitas schluckte wegen seiner kühlen Worte, schlug aber seinen Rat in den Wind. Ihr war Lennart nicht als sehr fanatisch und böse vorgekommen. Severus wollte ihr wohl nur Angst machen, oder selber sicher gehen. Wenn er recht hatte, war sein Schweigen gut, wenn er irrte musste man wirklich befürchten das Lennart Gray Dumbledores unbekannte Spione ans Messer lieferte. Vielleicht war alles noch komplizierter und sie redeten völlig aneinander vorbei und Unschuldige mussten deswegen sterben. Aber selber konnte er sich auch nicht unschuldig nennen. Nicht einmal sie selbst konnte das von sich behaupten. Manchmal musste man Menschen enttäuschen, wenn man etwas erringen wollte.
An diesen Wochenende war Feelicitas froh, als Severus endlich wieder ging. Sein Blick lastete bisweilen schwer auf ihr und sie fürchtete er ahnte ihr Vorhaben. Nach dem Gespräch was sie vor einigen Wochen miteinander hatten, hätte er es sich bestimmt anmerken lassen. Doch es herrschte Stille und so verwarf sie ihre Befürchtungen wieder.
Pünktlich zum Mittwoch Nachmittag stand Lennart Gray wieder vor der Türe. Feelicitas war überhaupt nicht mehr wohl zumute. Was dachte sie sich überhaupt dabei? War sie so verzweifelt?
Doch sein unverfänglicher Blick gab ihr neue Sicherheit und sie ließ ihn herein. Serena war noch nicht eingeschlafen und so bat sie ihn schon mal ins Wohnzimmer, während sie sich wieder nach oben wandte: „Ich komme sofort wieder, aber Serena schläft nicht ein, wenn ich nicht noch mal nach ihr sehe. Sie können gerne schon mal den Wein öffnen." Er nickte vielsagend und sie trennten sich.
Als Feelicitas einige Momente später wieder herunter kam, kämpfte er immer noch mit dem Korken und bemerkte sie gar nicht.
„Ach ich vergesse auch dauernd, das man so was mit Magie regeln kann." Bemerkte sie gutmütig, doch er schaute sie nur etwas verwirrt an. Fast schon als fühle er sich ertappt: „Ich besitze keinen Zauberstab." gestand er und entwickelte noch mehr trotziges Engagement bei der Flasche. Feelicitas überraschte es etwas, doch dann verwarf sie ihren Gedanken. Was macht er denn bei den Todessern? Doch eigentlich genau das nahm ihr die letzte Unsicherheit. Lennart war harmloser als er aussah.
„Nun geben sie schon die Flasche her, ich erledige das." Forderte sie ihn auf, doch er schüttelte verbissen mit dem Kopf. Plötzlich löste sich der Korken und prallte gegen die Kerzenlampe. Diese fiel mit einem scheppern nach unten und veranstaltete einen Heidenlärm. Seit wann flogen Weinkorken? Das machte doch sonst immer nur der Sekt. Feelicitas war etwas abgelenkt, während er sich herunterbeugte und nach dem Korken suchte. Was genau er machte, konnte sie nicht sehen.
Einen Moment betrachtete sie seinen Rücken. Scheinbar wollte er wirklich den Korken wiederfinden. Feelicitas kicherte los: „Oh, das ist nicht so schlimm, lassen sie es. Die Hauselfe kann es reparieren. Und wenn nicht, das Ding fand ich schon immer hässlich. Kommen sie, wir können den Wein auch oben trinken."
Sie fasste ihn am Arm an und wollte Lennart hochziehen, doch er zuckte bei ihrer Berührung unwíllkürlich zusammen und warf ihr für einen Moment einen leicht aufgestörten fast ängstlich zu nennenden Blick zu, als er sich mit der Flasche erhob.
„Oh, entschuldigen sie." Feelicitas wollte sich erschrocken zurückziehen, doch da hatte er sich wieder etwas beruhigt. Doch immer noch zögerte er und blickte sie fragend an: „Sind sie sich sicher, das sie das wollen?" fragte er und Feelicitas wusste die Antwort eigentlich immer noch selber nicht.
„Sie sind gekommen. Ich dachte damit wäre die Sache geklärt. Denken sie gerade an ihre Frau und Kinder, das sie das so beschäftigt?" fragte sie weich. Er war wohl nicht der Mensch der das ganze unter den Teppich schob. Doch so ganz wichtig schien es ihm auch nicht zu sein.
„Feelicitas, ich kenne meine Frau schon seit unserer Kindheit und sie kennt mich nur zu gut. Ich gestehe ich habe früher schon mal etwas mehr Appetit gehabt, als das die Hausmannskost es stillen konnte. Aber Ina ist meine Frau und ich würde niemals etwas machen wollen, das meine Familie gefährdet. Sind sie eine Gefahr?" fragte er nachdrücklich und Feelicitas Blick wurde ernster. Sie hatte nie einen Gedanken daran verschwendet diesen Mann besitzen zu wollen. Ihr ging es um ganz andere Dinge. Es gefiel ihr fast schon das er seiner Familie einen so hohen Stellenwert einräumte. Und doch es hörte sich fast so an, als befürchte er sie könnte Verrat an ihn begehen und Severus irgendetwas zukommen lassen.
„Ganz sicher nicht." versicherte sie: „Aber vielleicht sollten wir das hier doch lassen."
Er schien nicht der Meinung zu sein, vielmehr sah man auch einen kurzen Moment Enttäuschung in seinen Zügen und er näherte sich ihr, legte beide Arme um ihre Schultern und schaute sie an: „Sie haben recht, ich könnte meine Sachen nehmen und hinausgehen. Ich würde nach hause kommen und meine Frau würde mich wieder mit ihren düsteren Ahnungen bestürmen. Denn Ina hat keine Ahnung, doch sie würde mich fragen, was ich gemacht habe und ich könnte es ihr nicht anvertrauen." Er suchte eine Antwort in ihren Augen und Feelicitas legte ihren Kopf nachdenklich zur Seite. Eigentlich wollte sie nur die hohe Wahrscheinlichkeit nutzen, das aus dieser Sache ihr drittes Kind und eine weitere Tochter herauskommen würde. Doch wenn sie nun in seine Augen blickte sah sie dort den Wunsch getröstet und akzeptiert zu werden. Und ihr Gefühl sagte ihr, das sie ihm das geben konnte und wollte Langsam nickte sie und seine Züge erhellten sich unmerklich.
„Dann bleibe ich." sagte er kurz und lehnte sich vor. Ein wenig erschrocken zuckte sie zurück, doch seine Hände legten sich enger um sie und so ergab sie sich schließlich in sein Bestreben. Es war ein sehr guter Kuss, wenn auch Feelicitas in ihrer anfänglichen Nervosität ihm nicht dieselbe Intensität beimaß wie früheren Erfahrungen. Sie versuchte sich zu entspannen und einfach mitzumachen, doch es war gar nicht so einfach. Doch langsam löste sich der Knoten in ihrer Brust auf und seine Hand streichelte sanft über ihren Rücken, während die andere sich in ihren Nacken vergraben hatte, so das sie ihm den Mund nicht entziehen konnte. Feelicitas Körper wurde weicher und schmiegte sich immer bereitwilliger an ihn. Seine Zunge erforschte sanft ihren Mund und Feelicitas merkte, das sie gar nicht mehr weiter weg als bis zum Sofa wollte. Doch da brach er den Kuss und ließ sie plötzlich ganz los. Feelicitas blieb noch einen Moment entrückt, und sah ihm nach, wie er scheinbar mühsam versuchte Abstand zu bekommen. Sie hatte deutlich gespürt was ihn störte.
Seine Miene zeigte offenes Interesse: „ Ich fände das ist eine sehr gute Idee, jetzt hoch zu gehen, ehe wir nicht mehr können." versicherte er leise und schenkte ihr ein so aufforderndes Lächeln, das ihr ganz anders wurde.
Es dauerte nicht lange bis sie oben waren. Feelicitas Zimmer lag weiter von Serenas entfernt. Sie hätte auch niemals den Frevel begehen wollen, Severus Bett zu entweihen. Lennart Gray schien nichts gegen Spitzenbettvorhänge zu haben. Feelicitas mittlerweile auch nicht mehr. Die ehemals vergilbten Vorhänge hatte sie in ein tiefes schwarz umgefärbt. Das gab dem Raum eine ganz neue Note und erinnerte nicht mehr daran, das das Mobiliar wohl noch von den Anfängen des Jahrhunderts stammte.
„Hübsch." Bemerkte Lennart und ließ sich auf das Bett fallen. Feelicitas verlor ihre letzte Schüchternheit, schloss die Türe und tat es ihm gleich. Obwohl das hier von ihr nicht gerade als sehr langwierig geplant war, ließen sich beide ziemlich viel Zeit. Lennart schien keine besondere Eile zu haben und Feelicitas war dankbar für die Zeit, die er ihr zugestand.
„Wir haben die Weingläser vergessen." Bemerkte sie amüsiert.
„Ich vergesse ja auch immer, das man das mit Magie-" lächelnd unterbrach sie ihn: „Kein weiteres Wort, sonst zeige ich dir, worauf sich meine Magie beschränkt."
„Da bin ich ja gespannt." Bemerkte er und ließ seinen Blick an ihrem Gesicht herabgleiten. Feelicitas versetze ihm einen Stoß mit dem Kissen und kroch nach einem kurzen Kuss wieder von ihm runter.
„Vergiss es, das würde dir nicht gefallen. Ich bin zu einigen sehr fiesen Sachen fähig." Sie versuchte ihren leichtfertigen Ton nicht ganz zu verlieren als er erwiderte: „Ich auch, aber das sollten wir hier nicht erläutern."
Es störte ihr Bild, das sie sich von diesem Menschen gemacht hatte, aber vielleicht sagte er es ja auch nur einfach so. Feelicitas rief nach Weirdy und diese erschien prompt. Sie befahl ihr Weingläser zu besorgen und Weirdy nickte gehorsam, doch der Blick den sie ihrer Herrin und den Besuch zuwarf, war fast schon missbilligend. Kurz bevor die Elfe verschwand rief Feelicitas sie zurück: „Weirdy, dir ist verboten über solche Dinge ein Wort zu verlieren, außer wenn ich persönlich dich darauf ansprechen will. Und jetzt verschwinde." Weirdy knickste: „Soll Weirdy noch die Weingläser holen, Herrin?"
Feelicitas erkannte das sie sich widersprochen hatte: „Nein!" rief sie aus und machte eine verscheuchende Geste. Mit einem Plopp verschwand das kleine Ungetüm.
„Muss ich selber laufen, oder kommen wir auch ohne aus?" wandte sie sich an ihren Gefährten.
„Ohne ist doch viel schöner" versetze er sanft und griff nach ihrer Hand. Doch das einzigste was er tat, war ihr die Flasche zu reichen. In seinen Augen stand ein drängender Ausdruck.
„Da stimme ich ihnen vollkommen zu, Mr. Gray." Feelicitas ergriff den Wein und nahm einen tiefen Zug.
Ihre Trinkfreudigkeit schien ihn zu erleichtern. Danach schaute sie ihn tief an: „Wunschlos glücklich? Oder brauchst du noch Schokoladensoße?" Er schaute kurz auf, doch dann schüttelte er den Kopf und streckte ihr einladend eine Hand entgegen. Dagegen hatte Feelicitas nichts einzuwenden.
Beide fanden nun relativ schnell zu einer entspannteren Stimmung, der Wein half dabei vor allem Feelicitas. Es war schon so lange her, das sie Nähe zugelassen hatte. Irgendwie vermisste sie gerade unheimlich Sirius. Doch sie war nicht länger einsam, Lennart war ja da und gehörte in die Gegenwart. Sie musste über ihre eigenen Bedürfnisse lächeln. Ein wenig älter war er ja, und auch wenn er nicht die schwarzen Haare hatte, wie all ihre Männer davor, dunkelbraun tat ihrem Tun keinen Abbruch. Zuerst küssten sie sich ziemlich sanft, sie mussten erst wieder reinkommen. Für Lennart schien das weniger ein Problem zu sein. Feelicitas hatte sich mittlerweile in folge ihrer Küsse auf ihn niedergelassen und musterte seine Züge. Er hatte wirklich schöne graue Augen und schaute sie an, als hätte er nie einer anderen einen Blick zugeworfen. Sie spürte, das sein Gefühl drängender wurde und seine Hände fingen an Stellen zu umkreisen, die nur Serena vorbehalten waren. Einen Moment machte sich Feelicitas über den Milchfluss Gedanken, doch dann verscheuchte sie die direkt wieder. So weit waren sie noch nicht. Er konnte ja auch mal den Anfang machen. Spielerisch beugte sie sich über ihn und strich mit den Händen unter sein Hemd. Im ersten Moment schien er das abzulehnen, doch dann als sie stutzte, schmiss er sich ergeben zurück und ließ sie machen. Feelicitas war etwas aufgefallen und zog ihm verwundert das Hemd über den Kopf. Bevor sie sich lange Gedanken über den Anblick machen konnte zog er sie wieder zu sich herab. Sie erfüllte ihn seinen Wunsch nur zu gerne und ließ sich wieder vereinnahmen. Doch bald schon verlor sie ihre Überlegenheit und er schaffte es mit einem gezielten Ruck das Gleichgewicht zum wanken zu bringen und so geriet sie nach unten. Er begrub sie nicht sofort unter sich, sondern betrachtete sie einen Moment genauer. Dann machte er sich an ihren Kleid zu schaffen.
Wie gesagt der Ausschnitt des weiß-grünbestickten Kleides war dehungsfähig genug um nicht großen Wiederstand zu bieten.
„Nicht so fest, sonst verschwinden die noch ganz." beschwerte sich Feelicitas, und er sah sie nur irritiert an bevor er verstand: „So wenig ist es doch nicht. Sei lieber froh das es nicht mehr ist. Es gibt zu viele die nur darauf achten, ich gehörte einmal dazu." Gestand er: „Aber das soll nichts heißen. Mavis hat auch nicht viel und hatte mal diesen abscheulichen Freund der meinte so was sagen zu müssen. Ein Glück das es bis zu meinen Ohren drang. Nachdem er endlich unser Haus verlassen durfte, haben wir ihn nie wieder gesehen. Ich kann nur immer wieder ihr als Vater und dir als geläuterten Sünder sagen, das auch kleinere Formate recht zufriedenstellend sein können."
Es gab ihr schon zu denken, wie er gerade jetzt wieder von seiner gerade mal zwei Jahre jüngeren Tochter anfangen konnte. Doch sie verdrängte es schnell wieder. Gerade das er ein wenig Platz zu ihr hielt, während er sich dort zu schaffen machte, kam Feelicitas zugute, so konnten ihre Hände ihn auch ein wenig „erkunden". Ihr gefiel was er tat immer besser und nach seinen Geräuschen zu urteilen schien ihm das biszchen Milch auch nicht wirklich zu stören.
So spielten sie noch ein wenig miteinander und im Zuge dessen kam Feelicitas wieder nach oben. Ihre Haare waren verwuschelt, ihr weiß-grünbesticktes Kleid war verrutscht und Lennarts Anblick war nicht unbedingt besser als sie auf ihn herabschaute. Der Pegel der Weinflasche war mittlerweile stark gesunken und Feelicitas fühlte sich etwas benebelt. Aber es machte Spaß und sie fühlte sich so gut wie selten.
„Dein Mann sollte dich nicht so oft alleine lassen." Feelicitas zuckte zusammen, doch es lag keine Kritik in seinen Worten.
„Jaaa," sagte sie gedehnt und ließ sich von seinen Fingern sanft da streicheln, wo es noch am besten tat. Ihren Nacken.
„Jaaa, er sollte nicht. Aber dann wären wir nicht hier und das wäre doch schade, oder?" entgegnete sie und ihre Finger suchten etwas mit dem sie herumspielen konnte und fanden es in den vielen silbrigen, alten Narben, die seinen bleichen Oberkörper verunzierten. Erst hatte es sie ein wenig erschreckt und auch ihm schienen ihre Blicke unangenehm zu sein, doch dann war sie neugieriger geworden. Sanft strich sie die vielen Linien nach, manche der Wunden mussten ja seinen halben Körper aufgerissen haben. „Wie ist das passiert?" fragte sie versonnen und er schaute nur kurz auf seinen Oberkörper herab: „Das passt jetzt nicht hierher." Seine Stimme klang leicht matt, scheinbar war ihm das Gewicht ihres Körpers auf seinen mittlerweile etwas viel. Feelicitas rutschte von ihm runter und kuschelte sich an seine Seite. „Gehst du deswegen nicht auf Nudistentreffen?" fragte sie um die Stimmung aufzuheitern. Lennart wandte sich mit einend dankbaren Seufzer zu ihr um und umfasste lächelnd ihr Gesicht.
„Weißt du, das ich gar nicht weiß wie du heißt?" fragte er und Feelicitas kicherte.
„Feelicitas, das hast du doch nicht wieder vergessen, oder?" fragte sie gespielt beleidigt, doch er strich ihr nur sachte über die Wange: „Nein, deinen vollen Namen. Du hast mir gesagt du willst nicht mit Snape angeredet werden. Aber wie soll es denn sonst heißen?"
Feelicitas verstand und musste sich wieder ein Kichern verkneifen. Irgendwie fiel ihr gerade selber auf, das sie nicht mehr so ganz nüchtern war: „Mein Name ist Lefay." Sagte sie mit gespielter Scham. Ihr Gegenüber bekam plötzlich große Augen und starrte sie erschrocken an, doch der Wandel entging ihr.
„Feelicitas Miriel Lefay – deutlicher kann man es nicht machen, das meine Familie meint, sie käme aus dem Märchenreich." wiederholte sie und merkte erst jetzt, das er erstarrt war und sie losließ. Irritiert setzte sie sich auf und entgegnete seinen komischen Blick: „Was schauen sie denn so. Es sieht aus, als hätten sie ein Gespenst gesehen, Mr. Gray." Sie lächelte nicht ernst gemeint, doch sein Blick ernüchterte sie völlig wieder.
Scheinbar sprachlos und bleich suchte er kurz nach Worten: „Vielleicht habe ich das auch." Stieß er hervor. Feelicitas kam das ganze immer merkwürdiger vor. Er sprang plötzlich auf und packte seine Sachen. Beim anziehen war er sogar noch schneller als Severus. Dann verabschiedete er sich: „Ich muss jetzt gehen."
Feelicitas sprang vom Bett auf und lief ihm hinterher. Im Flur holte sie ihn ein. Völlig überstürzt packte er nach seiner Jacke und Feelicitas blickte ihm nur sprachlos nach. Wenigstens hatte er noch den Anstand sich richtig zu verabschieden: „Tut mir leid. Ich ... hab es total vergessen, aber ich muss noch etwas wichtiges erledigen. Sie haben mich gerade daran erinnert. Und ... ich werde in nächster Zeit viel zu tun haben und werde wohl nicht kommen können. Auf wiedersehen Feelicitas." Er hörte sich unglaubwürdig an und sein Ton war gehetzt. Doch das einzigste was sie wirklich traf, war das er unterbewusst wieder zum ernsten Sie zurückgekehrt war. Verwundert ließ sie ihn gehen. Sie hatte nicht so genau aufgepasst, ab wann seine Gedanken in eine anderen Richtung geflossen waren, aber das er in ihrer Gegenwart daran dachte, das er wahrscheinlich irgendwas für den dunklen Lord vergessen hatte, machte sie traurig.
Einen Moment stand sie noch an der Türe, doch Lennart Gray war schon verschwunden. Danach ging sie rein und räumte ihr Schlafzimmer auf. Was immer sie auch gemacht hatten, das Kind welches sie haben musste, war nicht entstanden. Gefrustet warf sie die Weinflasche an die Wand und sie zerbarst in tausend Scherben, die sogar bis zu ihren nackten Füßen flogen. Feelicitas beachtete es nicht weiter und verließ ungerührt das Zimmer. Sie hinterließ blutige Spuren auf ihrem Weg, doch es war nicht schlimm. Ihr selber war es egal und Weirdy würde sich freuen, die Zahnbürste wieder auszupacken.
Fortsetzung folgt...
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