|
Author of 12 Stories |
Reviewantworten gibt es in meinem Forum auf dieses Kapitel ist eindeutig erst ab 18. Nicht weil es schön ist, sondern weil es düster ist und auch Missbrauch enthält. Also, wer das nicht will, der sei gewarnt und überlese das kursive oder lasse es ganz. Es ist wirklich nichts anregendes.
Lucius SpielIhren Rückschlag mit Lennart Gray verbannte Feelicitas aus ihren Erinnerungen. Sie wusste irgendwie, das er bei seinen überstürzten Abbruch mehr im Sinn hatte als nur irgendwas für Voldemort vergessen zu haben. Vor irgendetwas war er zurückgeschreckt, doch was war es bloß? Trotzdem fühlte sie sich herabgewürdigt. Sie hatte wirklich Gefühle für ihn entwickelt, weil seine Anwesendheit ihre Tage erhellte und Hoffnung versprach, das man so das mit dem Kind lösen konnte. Sie war so erschüttert, das sie ihre Kinderpläne doch vorerst wieder den Zufall überlassen wollte. Auf die naheliegendste Möglichkeit zurückzugreifen, hatte sie wirklich keine Lust.
Sie war so sauer. Lennart schien sie wohl doch nur aushorchen zu wollen. Es war ihr also ganz recht, das er zum nächsten Wochenende hin nicht wieder auftauchte. Severus schien es auch nicht sehr zu treffen das sein Informant sich fern hielt. Wenigstens musste sie sich keine dummen Fragen stellen lassen, es war sowieso ein Wunder das Severus überhaupt nichts mitbekam. Sie hatte Angst, das er aber bald etwas merken könnte und versuchte alles um ihn abzulenken. Serena kam ihr dabei sehr zur Hilfe, denn so langsam fing das Baby an zu erzählen. Zwar verstand niemand was sie sagte, doch Feelicitas glaubte fest daran, das es einen Sinn machte. Hatte nicht ihre eigene Großmutter ihr versichert, das sie das kleine Kind verstehen könne? Nun Feelicitas tat das beste um wenigstens den Gefühlszustand aus dem oftmals fröhlichen Lallen und Jauchzen herauszuhören. Das Wochenende verging und Severus verschwand bald wieder nach Hogwarts und sie war wieder alleine. Als er in der nächsten Woche wieder kam und Lennart Gray wieder nicht auftauchte, schien er doch ein wenig darüber verstimmt. Scheinbar konnte er es wirklich nicht erwarten das Lennart irgendwelche Spione auffliegen lassen würde.
Doch auch diese Woche verging wieder, ohne das irgendetwas aufregendes geschah.
Mittlerweile war es November geworden und Weirdy hatte eine neue Nebenbeschäftigung gefunden. Das alte und schlecht isolierte Haus war schwer zu heizen und die Elfe lief den ganzen Tag herum und mühte sich ab die Temperatur nicht in den Keller fallen zu lassen. Wie sie das genau schaffte, war Feelicitas ein Rätsel. Sie ließ die Elfe einfach machen.
War es wegen der Kälte, die Feelicitas Nachts um die Füße kroch, oder wegen der Enttäuschung mit Lennart. Feelicitas Alpträume begannen von neuen. Sie war alleine und wünschte sich jemanden herbei, der das änderte, doch verfolgten sie gleichzeitig die hässlichen Erinnerungen des Vorfalls mit Lucius Malfoy. Manchmal wachte Feelicitas nachts Schweiß überströmt auf und wusste plötzlich wieder so deutlich wie nie, was in jenen Nächten geschehen war, an die sie sich nicht mehr gut erinnern konnte. Oder jetzt wo ihre Erinnerungen zurück gekommen waren, nicht erinnern wollte. Wenn sie auch tagsüber es sehr gut schaffte daran nicht auch nur einen Gedanken zu haben, war es Nachts ganz anders. Die Rückkehr nach Spinners end und die letzten Ereignisse, hatten in ihr soviel wach gerufen. Es war eigentlich einer der letzten Orte, die sie in ihren Leben noch mal wiedersehen wollte, und doch sie war nicht bei ihrer Großmutter und auch nirgendwo sonst außer hier.
Dennoch fragte sie sich wieder nach dem Sinn. War es nur wegen Serena? Wegen ihr selber? Oder vielleicht auch wegen Severus, der gegenüber Voldemort geschworen hatte die Verantwortung für seine Frau und Tochter zu tragen? Severus konnte es sich nicht leisten, das der dunkle Lord ihn seine Gunst entzog. Severus hatte eine Aufgabe im Leben zu erfüllen, die noch weitaus wichtiger war, als das persönliche Schicksal einer Mutter mit Kind. Schließlich hing das Wohl der gesamten Zaubererwelt von diesen Mann ab. Wer sonst, wenn nicht er, könnte das tun?
Natürlich fiel Feelicitas der Name eines sehr bekannten jungen Mannes dazu ein, aber so groß auch Harry Potters Anteil am Sturz Lord Voldemorts werden mochte, so wenig Chancen hätte es für ihn gegeben, wenn Severus sich nicht dauernd für ihn und das Gute einsetzte.
In dieser Nacht, wirbelten ihre Gedanken besonders wild und sie fand keine Ruhe. Egal was sie versuchte. Die Träume zwangen sie dazu, die dunklen Geschehnisse in ihrer Vergangenheit immer wieder und wieder zu erleben und boten ihr keine Möglichkeit aufzuwachen und zu entfliehen. Sie war wieder ein kleines Kind und konnte nicht weg. Wie viel wirklich Realität gewesen war und was ihre Seele dazu dichtete, konnten ihr die Träume nicht enthüllen. Hatte sie wirklich all diese Dinge getan? Und diesmal es sogar anders gewesen als sonst. Diesmal mischte sich mitten unter ihre alten Kindheitserinnerungen die Gestalt von Lucius Malfoy.
Lucius Malfoy, dieser französische Bastard. Auch wenn sie lange geglaubt hatte, das sie außer bei ein paar Besorgungen und diesen einen kleinen Zwischenfall bei ihrer und Wurmschwanzes Flucht, nichts mit ihm zu tun hatte, so irrte sie sich wohl wieder einmal. Auch das er es war, der ihre Mutter umgebracht hatte, war leider nicht alles. Feelicitas stand mit wackeligen Beinen auf und machte mit ihren Zauberstab eine Kerze an.
Sie verließ ihr Zimmer und ging hinab durch die nächtliche Dunkelheit des Flurs hinunter in Severus Arbeitszimmer und suchte dort eine Weile im Geheimfach eines Regals, bis sie das Denkarium ihrer Mutter gefunden hatte. Warum Severus es zusätzlich noch einmal versteckt hatte, war ihr schleierhaft, doch scheinbar genügte der geheime Raum alleine nicht.
Feelicitas atmete tief durch und konzentrierte sich. Es war wahrlich kein Kinderspiel das alte Denkarium zu benutzen, vor allem wenn man kaum Übung in magischen Dingen hatte und es auch nicht mehr neu war. Zu viele alte Gedankensplitter flossen darin herum, als das man es wieder ganz sauber bekommen konnte. Aber es genügte vollauf. Sollte Severus bei seinen nächsten Besuch im Hause darüber stolpern, sah er selbst einmal was seine Frau nicht alles für ihre Freiheit tat. Er hatte schließlich gewollt, das sie ihm alles zeigte, was mit Lucius Malfoy zu tun hatte. Das hatte er dann auch verdient, dachte sie grimmig. Feelicitas entfernte sich vorsichtig ein paar weißsilbrige Fädchen ihrer Erinnerungen und ließ sie in die Schale fallen. Dann legte sie erleichtert den Zauberstab weg, froh darüber das ihr dieses Kunststück gelungen war. Aber lange blieb diese Erleichterung nicht. Die Anspannung kroch wieder an ihren Gliedern hoch. Sie und schaute auf ihren Traum, oder das was von ihrer Erinnerung übrig geblieben sein konnte. So deutlich wie nie zuvor sah sie was war und ihre Erinnerung kehrte vollständig zurück, noch bevor sie eintauchen konnte.
Feelicitas fand sich in einen kleinen dunklen Raum wieder und traf auf den Anblick ihrer eigenen früheren Gestalt. Sie sah wie sie dort auf dem Bauch, mit von sich gestreckten Armen auf einen alten Bett lag. Ihre Hände mit Seilen ans Bettgestänge gebunden, ihre Kleidung unordentlich über den Fußboden verstreut. Ein Hauch zog über den Rücken der Gestalt auf dem Bett und die zuschauende Feelicitas erinnerte sich wieder daran, das sie zuerst nicht erkannte was es war, doch der Blickwinkel den das Denkarium bot, enthüllte mehr. Die Feelicitas auf dem Bett schreckte zusammen, bei der sie umringenden Nähe und versuchte ihren Körper zu drehen um zu erfahren wer sich näherte. Eine kalte Hand, die sie von hinten niederdrückte hielt sie aber davon ab.
„Bleib liegen!" sagte er und natürlich hatte sie direkt die Stimme Lucius Malfoy zuordnen können. Eben jener, der sie vor wenigen Stunden noch im Wald gefangen genommen hatte. Er hatte sie mit sich genommen und in sein Bett verschleppt. Mit der Erlaubnis seines Herren. Lucius Blick sprach Bände. Man konnte fast schon sagen, das er voller Begeisterung auf seine Beute blickte. Als sie damals auf dem Bett lag, war ihr das nicht aufgefallen, aber jetzt wo sie zugucken musste umso mehr. Einen Moment wollte sie aufgeben und einfach wieder aus dem Denkarium flüchten, doch andererseits musste sie sich endlich den Geschehnissen stellen. Außerdem wollte sie wissen, was Lucius sagte und sich nachher nicht wieder von Severus Spott einhandeln. Sie wusste, Severus Anstand war schon beim letzten Mal soweit gegangen, das er ihr die Konfrontation mit Lucius und ihrer Mutter vorenthalten hatte. Aber sein Blick konnte einen tief treffen und im Moment fühlte Feelicitas sich sehr verletzlich.
Lucius näherte sich ihr auf dem Bett von hinten. Drückte seinen Körper gegen ihre entblößten Glieder und legte sich halb auf, halb neben sie. Die unter ihm verhaarende Feelicitas zitterte heftig und es wurde auch nicht besser, denn er packte sie am Nacken und Haar und zog sie schmerzhaft zurück, das ihr ein wimmern entkam.
Seine Stimme war weich als er sprach und doch lag eine eisige Kälte hinter seinen Worten: „Du denkst doch nicht wirklich dich mir zu widersetzen, kleines Mädchen, oder? Du wirst doch nicht wollen, das dein Herr unzufrieden mit dir wird. Das will doch niemand. Wage es nicht dich auch nur zu rühren, dann werden wir gut miteinander auskommen. Falls du aber doch noch meinst, dir mir gegenüber etwas deiner bekannten Widerborstigkeit preisgeben zu müssen, rate ich dir ab. Denn ich garantiere dir, dann lasse ich dich einfach fallen. Und wie tief dein Sturz sein wird wirst du dann von Hand seiner Lordschaft erfahren müssen. Es ist also besser wenn du mich tun lässt, was ich tun muss."
Lucius schwieg und Feelicitas sah, wie er auf ihr mittlerweile leise schluchzendes Selbst im Bett hinabblickte. Es klang nicht so, als würde er das besonders toll finden, dabei hatte sie immer gedacht er hätte diesen Moment genossen. Mit gebannter Faszination konnte Feelicitas nicht anders, als der Szene zuzuschauen. Ihr fiel etwas ein, das Dr. Beauchamp damals mal gesagt hatte, als er sich mit ihr verquatscht hatte: „Hypnose ist eine gefährliche Sache. Ich rate niemanden sie einfach so spaßeshalber anzuwenden, euer Opfer könnte an Orte gelangen, wo ihr es nie wieder rausholen könnt. Es wäre, als müsstet ihr die schlimmsten Augenblicke eures Lebens für alle Ewigkeit selber mit ansehen ohne etwas tun zu können." genau so fühlte Feelicitas sich gerade. Die Worte des Psychiaters waren damals an Evangelice gerichtet gewesen, weil sie in einen Moment des Übermutes ein wenig Schabernack mit ihrer Gabe getrieben hatte, doch Feelicitas hatte es schon damals als bedrohlich empfunden. Sie konnte sich nicht mehr aus dem Denkarium lösen und musste alles mit ansehen.
„Darf...darf ich sprechen?" hörte sie sich selbst leise und bebend auf dem Bett fragen und die Beobachterin sah in Lucius Augen zugleich einen triumphierenden Ausdruck.
„Aber sicher doch. Ich rate dir jedoch, beim wesentlichen zu bleiben. Frauen, die zuviel reden verachte ich." Säuselte er.
Feelicitas konnte sich diesen Anblick kaum antun, zwar wusste sie, was als nächstes kommen musste, denn sie war es ja, die es selber erlebt hatte. Doch die Erinnerungen taten alles andere als gut und sie wünschte, das sie nicht alleine nur mit einen Baby, einer verrückten Hauselfe und einer kleinen Katze im Haus gewesen wäre, falls sie hier wieder raus kommen konnte.
In ihr stieg die genaue Vorstellung auf, die sie an die Zeit im Verlies unter dem Herrenhaus erinnerte. Er hatte das nicht nur einmal mit ihr gemacht, schließlich musste er alles geben, damit der Auftrag seines Herrn erfüllt werden konnte. Zwar hatte er das nicht vermocht, und Feelicitas war ihm so entkommen und an Severus weitergereicht wurden. Dennoch gab es bis heute keine Sicherheiten darüber ob sie in ihren Leben nicht an noch schlimmeren Orten landen konnte.
Die zitternde Frau auf dem Bett, nickte ein wenig verstehend und Lucius ließ sie so abrupt los, das ihr Gesicht im Kissen versank. Feelicitas wusste noch, sie war einen Moment benommen und konnte nicht mit Genauigkeit sagen, ob seine Hand sie nicht noch zusätzlich reinpresste ehe die sich entkrampfte und anfing über ihr Haar und ihre Wange zu streicheln. Doch im Lichte des Denkariums konnte man erkennen, das Lucius wirklich ein wenig nachgeholfen hatte. Feelicitas unter ihm gefiel überhaupt nicht, was der Todesser da tat, und doch schaute sie ihn zurückhaltend und hoffend an: „Bitte tun sie mir nicht weh." Flehte sie leise. Sie blickte in seine gefühllosen Augen, die sie mit einen recht falschen Ausdruck von Milde und Gnade anschauten, bis ihr klar wurde, das Lucius nicht vorhatte ihr irgendetwas zu ersparen. Diese Erkenntnis überstieg ihren Horizont. Bisher hatte sie immer gedacht, das Menschen, mit Kindern und Familie wenigstens etwas Anstand haben mussten. Und während sie ihren Schock versuchte zu überwinden, setzte er mit seinen hohnhaften Liebkosungen fort und er kraulte sie hinter dem Ohr, wie bei einen Hund, den man nach erfolgreicher Zucht zum gehorchen gebracht hat und der dann einen sehr seltenen Moment der Belohnung von seinem Herrn aufgehalst bekam.
Alle Gefühle, die das Mädchen auf den Bett gerade durchströmten waren auch der beobachtenden Feelicitas gegenwärtig.
„Siehst du Feelicitas? Bleib weiter so brav, mein Mädchen und ich denke wir beiden geraten nicht mehr aneinander. "
Die Angesprochene dachte damals daran, das seine Versprechen hinterlistig und gefährlich waren und glaubte ihm kein Wort. Lucius Malfoy war wie eine Katze, kehrte man ihr den Rücken zu, setzte sie zum Sprung an.
„Du glaubst mir nicht?" er machte eine Sprechpause und sie hörte ein amüsiertes Schnauben, als sie verhalten mit dem Kopf schüttelte.
„Dir liegt sehr wenig an deinen elendigen Leben." bemerkte er kühl und er streichelte sie für einen Moment unwillkürlich härter, doch dann entkrampfte sich sein Griff wieder.
„Wenn ich es recht bedenke, bewundere ich deine Gabe. Egal was man euch tut, ihr lernt es nie euch den Gegebenheiten anzugleichen und versucht die Dinge eurer Sicht anzupassen." Er schwieg und musterte ihren fragenden Seitenblick.
„Du hast keine Ahnung, wovon ich rede, oder? Weißt du, ich habe deine Mutter gekannt. Nette Frau, aber leider entschied sie sich dazu früh von uns zu gehen. Sie hatte auch dieses gewisse Etwas. Du ähnelst ihr nicht nur äußerlich. Auch sie hatte diese ... sagen wird mal innere Gelassenheit. Selbst wenn ihr etwas missfallen hat, dann konnte sie darin noch sinnvolles finden um es zu nutzen. Du verstehst das sicher, oder? So manch einer ist in der andauernden Nähe des Lordes schon verrückt geworden. Wie lange bist du jetzt bei ihm? Vier Monate?"
„Sechs..." kam es stockend von seiner Gefangenen. Sie konnte sie keinen Reim auf das gesagte machen, war in ihrer Angst weit entfernt vom wahren Ausmaß seiner Enthüllungen, doch die Betrachterin des Denkariums verstand umso mehr. Nachdem sie nun einen Teil der Geschichte kannte und bei ihrer Großmutter das Erinnerungsfragment der Ministeriumsfeier betrachten konnte, wurde ich einiges klarer. Lucius Malfoy hatte sich zu Miriel Lefay körperlich hingezogen gefühlt. Deswegen war er es, der sie durchs ganze Land gejagt hatte um die Chance zu kriegen, seinen Wünschen nachzugehen. Ja, die hatte er nie bekommen, kein Wunder das er Nachholbedarf hatte.
Der Lucius im Denkarium, schien der Meinung, das er genug erzählt hatte. Feelicitas hatte sich eigentlich mehr Enthüllungen versprochen, denn natürlich spielte es keine Rolle was er sagte, schließlich hatte er sie nach seiner Tat mit dem Obliviatefluch wieder von jeglicher Erinnerung befreit um beim nächsten Mal dasselbe Grauen zu erwecken. Doch nun war genug geredet und er wechselte zur Tat. Und dabei würde es lange bleiben. Immer und immer wieder.
Feelicitas schaffte es endlich sich selbst wiederzufinden und flüchtete aus dem Denkarium und wandte sich angeekelt ab. Sie versuchte ihr Würgen in den Griff zu bekommen und machte sich flugs aus dem Zimmer. Nur weg von diesen Anblick. Die Stille des Hauses machte sie fast verrückt. Man konnte gar nicht glauben, das dieser Frieden nicht auch trügerisches verbarg. Sollte sie nach Serena schauen gehen? Wo war eigentlich die Katze? Feelicitas erhellte das ganze Haus und lief nach oben. Vor dem Kinderzimmer lag die üppige Gestalt von Belial und schnarchte friedlich schnurrend. Obwohl sie das überzeugen musste, das alles in Ordnung war und der innere Sturm nur ihr Herz betraf, scheuchte sie die Katze auf und überzeugte sich mit eigenen Augen.
Serena lag in der Familienwiege und schmatzte im Schlaf. Es dauerte einen Moment in dem Feelicitas sie still betrachtete, obwohl ihr Herz bis in die Ohren hämmerte und ihr innerstes schrie. Verzweifelt sank sie am Türrahmen herab und verbarg ihr Gesicht zwischen den Knien. Die umliegende Dunkelheit griff nach ihr, doch ihr war alles egal und so ließ sie sich davon verschlingen.
Feelicitas wusste nichts mehr davon, wie sie später in ihr Zimmer gestrichen war, sie fand sich bloß dort stehend wieder. Sie folgte ihren inneren Impulsen wie automatisch, ging zu ihren alten Himmelbett und ließ sich darauf sinken. Sie zog ihre Glieder nahe an sich und während sie sich auf der Seite liegend in eine warme Geborgenheit gebende, wohlige Position brachte, zupfte sich sie die Decke zurecht, damit diese sich schützend über sie legte und ihren Körper vor der Welt versteckte. Feelicitas war kalt und das konnte die Wärme der Decke nicht lindern. Ein Zittern zog durch ihren Körper und es war ihr immer noch, als ob ein nie enden wollender Schrei in ihren Inneren steckte und herauswollte, aber nicht konnte. Sie konnte kaum atmen und fühlte sich erstickt. Und doch, nach einer Weile verlor sie sich im Nebel des Vergessens, der sie vorübergehend vom Schock befreite. Sie schlief nicht, sie träumte nicht, sie konnte nicht denken, handeln oder auch nur reden.
Zeit, die für die Entstehung von Welten gereicht hätte verging und ihr Zimmer erhob sich langsam aus der Dunkelheit und das Fenster enthüllte einen zunächst grauen, dann rosa Morgen.
Bald in ihrer Gedankenflucht merkte sie mit einigen Zucken, das sich etwas über der Decke an sie schmiegte und sie stupste und berührte. Mit verwunderter Erleichterung stellte sie fest, das es nur Belial war der sich schnurrend und den unschuldigen Trost der Tiere anbietend an sie drückte. Sie konnte sich immer noch nicht regen und fand auch überhaupt keinen Grund warum sie es musste.
Und doch, gegen Mittag schaffte sie sich langsam und schwer aus dem Loch in dem sie sich versteckt hatte, entkommen zu lassen, war es doch zugleich Schutz und Gefängnis in einem. Feelicitas ging schwankend durchs Haus, mit wuscheligen Haaren und umschattenden Rehaugen und entdeckte das selbst die Schwärze noch Farbe haben. Weinen vermochte sie immer noch nicht und der Kloß ihrer angestauten Gefühle erstickte sie. Zeit verrann und es wurde wieder dunkler.
Weirdy sprang nervös um sie rum und wollte wissen, was sie ihr für einen Gefallen tun sollte und was sie mit Serena machen durfte. Feelicitas sah sie nicht einmal an, sondern ging wieder nach oben. Hinter ihren Rücken verkündete die Hauselfe scheinheilig bekümmert, das sich Feelicitas bloß wieder hinlegen sollte und sich keine Sorgen zu machen brauchte. Wahrscheinlich weil Weirdy die Chance gekommen sah, mal wieder ungestört aufzuräumen.
Feelicitas wusste selbst nicht was mit ihr los war. Sie fühlte sich nur Hilflos dem ausgeliefert. Schatten ergriffen von ihrer Seele Besitz und in ihr ertönte der Ruf das jemand dafür leiden sollte, ihr das angetan zu haben. Aber eben die Hilflosigkeit in ihr wusste auch, das sie niemals die Chance bekommen würde ihre Wut loswerden zu können. Sie wusste gar nicht mehr, was sie machen konnte um es zu ertragen.
Das einzigste was sie wusste war, das sie diese Erinnerung nie mehr brauchte und wollte und so ließ sie es im Denkarium ruhen, doch ob sie das jemand zeigen wollte bezweifelte sie. Selbst Severus hätte es bestimmt nicht sehen wollen, das war krank und von keinen Nutzen. Aber vielleicht sollte sie Severus gegenüber so vertrauensvoll sein und ihm auch diese Episode aus der Vergangenheit anbieten. Auch wenn er nichts weiteres mit Miriels Erinnerungen hatte anfangen können, vielleicht bot ihm diese einen Ansatz, der Malfoy endlich Schaden zufügen konnte. Severus würde ihr auf jeden Fall sagen können, was sie mit den Erinnerungsfäden am besten machte, wenn sie zerstört werden sollten. Sie wollte sie am liebsten wieder in die Vergessenheit schicken, aus der sie kamen, doch fürchtete sie sich davor, das es ihr zu sehr wehtun würde, wenn sie das ohne Aufsicht machen würde. Lange stand sie bei ihren Rundgängen vor der schimmernden Oberflache des Denkariums, das die neuste Erinnerung tief in sich trug und lieber die Bilder irgendwelcher Schmetterlingsartiger Wesen zeigte.
Verdammt sei Lucius Malfoy und seine ganze Sippe. Wieso musste ihr das so sehr zu schaffen machen? Und doch kam der Traum bestimmt nicht von ungefähr. Sie beschäftigte sich endlich damit, was sie bewusst schon lange hatte erledigen wollen. Klarheit über die Geschehnisse bekommen – und weil sie das noch immer nicht hatte, musste sie vielleicht langsam mal weitermachen mit ihrer unterbrochenen Suche. Und das konnte sie nur, indem sie Lucius Malfoy in Askaban auflauern würde um ihm selber Antworten abzufordern.
Ewigkeiten vergingen vor ihr, die in Wirklichkeit nur ein paar Tage waren. Und wenn sie dann mal aufstand und nach Serena schaute, sah man sie gleich einer Schlafwandlerin gedankenverloren durch die Gänge und den Garten des Hauses ziehen. Weirdy wurde immer nervöser, egal was sie versuchte, ihre Herrin sprach kein Wort mit ihr.
Als Severus das nächste Mal am Samstagmorgen kam, fand er das pure Chaos vor. Die Elfe war außer sich und heulte bei seinen Anblick auf, die Katze saß verschreckt in einer Ecke, Serena wirkte etwas verstört und von Feelicitas selber fehlte jede Spur. Die Elfe gab ihm keine einleuchtenden Antworten und verwies bei allen Nachfragen nur darauf, das es der Herrin sehr schlecht gehe und sie nicht wisse, was sie machen sollte. Zwar hatte Weirdy scheinbar trotzdem viel gemacht und alles weitergeführt, was gerade zu erledigen war. So hatte sie vielleicht verhindern können, das der Haushalt ganz verkam und dafür gesorgt das Serena regelmäßige Mahlzeiten erhielt, doch sie konnte das Fehlen von Feelicitas nicht ganz überbrücken. Scheinbar fühlte sich diese krank und hatte sich schon seit Tagen vorwiegend in ihr Zimmer verkrochen. Also ging Severus dem mal nach und suchte Feelicitas auf. Diese schien aber gerade im Tiefschlaf zu liegen und regte sich nicht. Sie hatte auch nicht vor, so schnell aufzuwachen. Vielmehr dauerte es eine ganze Weile bis er sie zaghaft wachgerüttelt hatte, und als sie dann gewahrte, das sie nicht alleine war, zuckte sie erst mal heftig zusammen und schrak hoch. Doch ihr Blick entspannte sich deutlich, als sie merkte, das er es nur war.
Die letzten Tage waren wirklich wie im Nebel an Feelicitas vorbeigegangen und die meisten Zeit hatte sie geschlafen oder stundenlang mit düsteren Gefühlen darüber nachgedacht was in ihren Leben nur so falsch laufen konnte, das sie heute hier saß. Eigentlich wusste sie gar nicht so recht, was davon Wirklich war und was in ihren Träumen nur stattfand. Doch der Anblick von Severus und seinen sehr ernsten Blick, gab ihr ihre Sicherheit wieder. Von dem träumte sie so was nicht, der saß wirklich auf ihren Bett.
Trotzdem nahm sie Severus plötzliche Anwesendheit erst gar nicht weiter zur Kenntnis und wollte sich wieder abwenden. Durfte sie denn nicht auch mal einen schlechten Tag haben? Scheinbar war er überhaupt nicht der Meinung, und drängte sie sofort ihm zu erzählen was geschehen war. Obwohl sie ihn am liebsten rausgeschmissen hätte, tat sie gar nichts und versuchte ihn zu ignorieren. Deswegen musste er sie erst einmal packen und gut durchschütteln, sonst hätte Feelicitas wohl keinen Grund gesehen, überhaupt mit ihm zu kommunizieren oder seine Anwesendheit weiter zu würdigen.
Feelicitas gab es auf, aber sie fand keine Worte mehr dafür was denn genau gewesen war und so verwies sie ihn einfach an das Denkarium und drehte ihm dann wirklich den Rücken zu. Sollte er doch gucken, was er damit anfangen konnte. Sie war es leid, sich dauernd Fragen stellen zu müssen. Sie wollte endlich ihre Ruhe. Es war sowieso alles vergebens.
Und weil sie nicht in der Stimmung war auf irgendwas zu achten, war es ihr auch ganz gleich das Severus erst nach einer Ewigkeit wieder bei ihr auftauchte. Es interessierte sie nicht, warum es so lange gedauert hatte, es interessierte sie nicht was er jetzt vielleicht zu ihr sagen wollte, aber natürlich nicht tat. Sie hatte erst gar nicht das Bedürfnis in seinen irgendwie steinernen Zügen nach irgendwelchen Ansätzen für seine Stimmung, Gefühle oder Meinung zu suchen. Es war ihr alles gleich, er sollte nur bald wieder verschwinden und lieber seine Tochter mit Aufmerksamkeit beehren. Da konnte man wenigstens sicher sein, das es aufrichtig war.
Doch natürlich war Severus niemand, der sich vor der Konfrontation mit einen widerspenstigen Häufchen Elend, das sich an seinen Kissen festklammerte, scheute.
Aber es brauchte schon ein wenig mehr Einfühlungsvermögen, als er normalerweise verwendete um mit ihr fertig zu werden.
Feelicitas bekam nichts von dem Schock mit, den diese neue Denkariumserinnerung wohl in ihm erweckt hatte. In ihrem Trübsinn sprach sie ihm verbittert sogar ab, überhaupt zu solchen Regungen fähig zu sein. Sie merkte aber, das er sich wieder auf ihre Bettkante setzte und sein Blick sie wohl aufmerksam musterte. Als er nach zehn Minuten immer noch dort saß und Feelicitas innerlich immer nervöser wurde, aber keinerlei Anzeichen zeigte irgendwas sagen zu wollen, ergriff er endlich die Initiative: „Willst du jetzt für immer so liegen bleiben?" fragte er leise und obwohl es bestimmt nicht so gemeint war, es lag deutlich Verärgerung in seinen Ton. Feelicitas schnaubte nur, sagte aber nichts. Und sie drehte sich nicht um, wenn er schon so anfing, dann würde er gar nichts verstehen. Wozu mit ihm reden?
„Mir persönlich wäre es ja egal, wenn da nicht ein Paar Aufgaben wären, um die du dich kümmern musst." Sagte er immer noch mit diesen schrecklichen herabwürdigenden Ton. Feelicitas schnaubte nur noch tiefer. Als ob sie sich darum keine Gedanken machte. Weirdy hatte ihr aber versichert, das alles in Ordnung war und sie sich keine Sorgen machen sollte.
„Ich hätte nicht gedacht, das du einfach so aufgibst. Was soll aus Serena werden?" fragte er immer noch leise und es reichte Feelicitas, sie drehte sich ihm zu und strich sich die letzte Tränenspur aus dem Gesicht. Ihr war alles so gleichgültig, heute war es ihr sogar egal, wenn er sie weinen sah. Vielleicht würde dem alten Eisklotz das sogar recht geschehen: „Aus Serena wird das, was ihr von ihr haben wollt. Es liegt an dir das zu verhindern. Nicht an mir, ich bin doch ganz egal. Aber das meinst du natürlich nicht, wäre ja auch dumm von dir, das ausgerechnet jetzt zu besprechen. Weirdy war für sie da und jetzt bist du ja hier, sie wird sich sicher freuen."
Feelicitas hatte nicht weiter drüber nachgedacht, was sie ihm an den Kopf schmeißen wollte, das es aber ausgerechnet seine Beziehung zu Serena war, irritierte sie selber, doch sie war wütend auf alles und es war ihr egal, ob das gerade passte. Er schaute sie immer noch mit diesen Ausdruck von Missfallen an, das machte sie nur noch trauriger und verletzter, als sie sowieso schon war. Doch er blieb immer noch so seltsam ruhig, er hätte schließlich auch aufgebracht aufstehen können und sie einfach ignorieren, bis sie sich von alleine wieder ein bekam. Doch er saß immer noch neben ihr und wollte ergründen was vorging.
„Warum ausgerechnet jetzt? Sonst neigst du doch auch nicht dazu dich einfach gehen zu lassen?"
Diese Worte trafen Feelicitas tief und rissen sie ein großes Stück aus ihrer Erstarrung, hatte dieser Mann sich gerade wirklich erdreistet, ihr zu sagen das alles zu lange zurückliegt, als das sie das Recht hätte irgendwas dabei zu empfinden? Sie rappelte sich hoch, damit sie wenigstens auf gleicher Höhe war, falls sie ihm eine klatschen wollte. Scheinbar hatte er seinen Irrtum bemerkt: „Ich meinte, du machst doch sonst auch immer alles alleine mit dir aus und verlierst kein Wort. Es ist schlimm, was dir angetan wurde, aber dir sind andere und schlimmere Dinge geschehen und du hast immer weitergemacht. Warum liegst du gerade jetzt hier und kümmerst dich um nichts mehr?"
Was er damit bezwecken wollte, wusste sie nicht, aber es brachte sie dazu klarer zu denken und Widerworte zu geben, anstatt weiter in die Kissen zu schlurchzen: „Ich erwarte gar nicht, das du so was verstehen kannst. Aber vielleicht ist es, weil ich immer alleine dastehe, egal was ich tue. Ich muss mich drum kümmern wie ich es ertrage und der Rest ist egal." Sagte sie und konnte ihre Verzweiflung nicht ganz verdecken. Feelicitas dachte, er würde jetzt einfach aufstehen und sie entnervt wieder alleine lassen, doch immer noch rührte er sich nicht.
„Wieso denkst du das ich so was nicht verstehe." Sagte er knapp und es war so, als wäre er von ihr enttäuscht, das ihr das Gespür verloren gegangen war. Feelicitas fühlte sich müde, aber so müde um diese Anspielung auf sein eigenes Leben nicht mitzubekommen, konnte sie nicht werden.
„Wirklich? Du scheinst das eher zu einer deiner größten Stärken erkoren zu haben. Soll ich wirklich glauben, das ist nur so, weil du alleine bist? Du willst doch alleine sein. Also sag mir nicht, das du mich irgendwie verstehst." Obwohl in ihren inneren ein Sturm tobte, waren ihre Worte ziemlich ruhig, vielleicht kühl, aber auf jeden Fall frei von der Hysterie der letzen Tage.
Irgendwas war in den vergangenen Minuten geschehen, eben noch konnte sie kaum denken, ohne zu weinen und jetzt stürzte sie sich gefasst in eine Kontroverse. Severus schien sein beruhigender Einfluss bei ihr ziemlich ungerührt zu lassen: „Alleine ist man stärker." sagte er immer noch ziemlich kurz. Zum ersten Mal fragte Feelicitas sich wieder, was er wohl empfunden hatte, als er in das Denkarium geblickt hatte. Nahm ihn so was tief in den letzten unschuldigen Winkeln seines vertrockneten Herzens noch mit? In seiner Jugend hatte er so was doch bestimmt andauernd mitbekommen.
„Ich verzichte gerne darauf jemanden Überlegenheit vorzuspielen nur weil er mich sonst für schwach hält. Wer so von mir denkt, der kann ruhig aus meinen Leben verschwinden." Sagte sie eisig.
Es schien ihm schwer zu fallen darauf eine Antwort geben zu können. Nicht weil es ihm die Sprache verschlagen hatte, sondern weil er keinen Fehler begehen wollte. Das Feelicitas ein Stück weit wieder zu sich selber gefunden hatte und nicht mehr ganz so zerflossen wirkte, hieß nicht direkt, das man ihr alles an den Kopf schmeißen konnte. Dennoch nutzte er den Moment um sie ein wenig aufzuklären: „Du hast gerade bewiesen, das man dich grenzenlos unterschätzen kann. Nicht das du es vorspielst, aber dein Verhalten bringt einen auf den Verdacht, du willst dir etwas antun. Obwohl du schon längst nichts anderes mehr im Sinn hast als weiterzumachen und die Sache mit Lucius Malfoy endlich hinter dich zu bringen."
Feelicitas starrte ihn ungläubig an, warum konnte er so tief in ihr Herz sehen? Genau über diesen Gedanken war sie verzweifelt. Sie hatte schon längst wieder die Szenen im Denkarium verdrängt und wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte, weil sie an Lucius nie mehr rankommen würde und sich auch gar nicht traute.
Er lächelte: „Und genau das ist der Grund, warum du so leicht zu durchschauen bist. Man muss überlegen sein, damit man keine Angriffsfläche bieten kann. Wärst du gefühlskälter, hättest du mehr Erfolg im Leben." Damit wollte er aufstehen und sie alleine lassen, doch Feelicitas kroch näher zu ihm und sah ihn flehend an: „Dann gib mir etwas von dieser Stärke ab und begleite mich nach Askaban um Antworten zu finden." Sie hätte sich sogar in seine Robe verkrallt, wenn es ihr etwas gebracht hätte, doch das wäre wohl zu weit gegangen. Jetzt wo Beiden klar war, was Feelicitas wollte, fühlte sie sich deutlich erleichterter. Nun war es an ihm ihr zu beweisen, das sie nicht alleine war mit ihren Gefühlen. Lange sagte er nichts, sie hatte Geduld, schließlich war es ein sehr großes Anliegen, welches sie verlangte.
„Fühlst du dich dem gewachsen? Oder ist damit zu rechnen, das du hinterher drei Wochen nicht mehr ansprechbar bist?" fragte er mit einiger Schärfe, doch Feelicitas wusste, sie hatte gewonnen: „Warum sollte ich, du bist doch bei mir. Er wird der einzige sein, der hinterher nicht mehr ansprechbar ist, das garantiere ich dir." Sagte sie mit festem Glauben. Der Blick den sie dabei hatte, schien ihn ein wenig zu überraschen: „Nun, ich glaube soweit können wir nicht gehen. Der dunkle Lord wird wissen, das wir dort waren und wenn er vielleicht auch deine Beweggründe billigen würde, dann wird es doch sehr schwer sein deine Rache zu bewerkstelligen." Wandte er ein wenig gedankenverloren ein.
„Bist du dir da so sicher, oder willst du mir das nur vormachen? Du vergisst das ich schon längst aus eigener Erfahrung weiß, das Askaban fest in der Hand des dunklen Lordes ist. Gefangene könnten sofort verschwinden, denn die Wachen sind unterwandert mit Getreuen. Aber was hätte es für einen Sinn, die Spielfäden eines Gefängnisses in den Händen zu halten, wenn man damit an die Öffentlichkeit geht? Also bleibt alles beim Alten und nur bei Bedarf holt man die Leute wieder raus, wenn man jemand gerade brauchen kann. Ich habe im Tagespropheten gelesen, das das Ministerium selber gerne schon mal harmlose Bürger einsperrt. Und das manche von denen nie wieder in der Öffentlichkeit auftauchen, wird wohl auch dem geheimen Treiben innerhalb dieser Gemäuer zuzuschieben sein. Also, meinst du nicht das wir schon mehrere Mittel ausschöpfen könnten Lucius das zu entringen, was er weiß?"
Ihre plötzliche Gefasstheit erschien ihm wohl komisch, dementsprechend zweifelte er an ihren Beweggründen dafür: „Feelicitas geht es dir vorwiegend um die Wahrheit oder irgendwelche Bestätigung, das Lucius für seine Schandtaten büßt?"
Das war eine wirklich gute Frage, doch Feelicitas machte sich erst gar nicht die Mühe sich über Gute und Böse Gedanken den Kopf zu zermartern: „Das entscheide ich erst, wenn ich da bin. Aber du darfst ruhig für möglich halten, das ich ihn erst erzählen lasse und dann zum ersten Mal tue, was mir euer Herr einmal in vielen Nachhilfestunden nahegelegt hat."
Dazu zog er nur eine Braue hoch: „Ich werde dem dunklen Lord dein Anliegen andeuten, wir wollen ja nicht das er sich übergangen fühlt." Sagte er nur, doch Feelicitas war da ganz zuversichtlich: „Keine Sorge, er wird begeistert sein. Ich glaube Lucius liegt in seiner Beliebtheit nicht höher als Wurmschwanz und wenn wir uns mal erinnern, hat man mir da schon volle Handlungsgewalt erlaubt."
Er nickte und stand auf: „Ziehst du dich jetzt an?" Dabei ließ er seinen nur noch gelinde missbilligenden Blick über sie schweifen.
„Ja, das habe ich vor." Sagte sie und entgegnete seinen Blick unbekümmert.
„Ich hatte vor mit Serena etwas zu unternehmen. Wenn du dich beeilst darfst du mitkommen." Er verschwand, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen. Feelicitas ließ sich zurück in ihre Kissen plumpsen. Sein gönnerhafter Ton erheiterte sie. Eigentlich war ihr Mann ja gar nicht so schlecht. Wem sonst hätte sie ihre Gedanken zu dieser Sache anvertrauen können? Bei ihm konnte man sich jedenfalls sicher sein, das er niemals entsetzt über solche Dinge sein würde. Ein leichtes Grinsen stand in ihrer Miene und sie merkte, das die Sonne in ihr mit einiger Wärme ins Gesicht schien.
Heute war ein wundervoller Tag. Natürlich würde sie das Angebot annehmen mitzukommen, zu lange schon war sie hier schon wieder eingesperrt. Feelicitas hatte eigentlich kaum Hoffnung gehabt, das diese Konfrontation ohne Verluste und Verletzungen abgehen würde. Doch irgendwie schien weiterhin alles den gewohnten Gang zu gehen, in dessen Distanz die Nähe so schwer zu vermeiden war. Alles wurde wieder gut, und mit diesen Gedanken stand sie auf und suchte sich etwas warmes zum Anziehen.
Sie waren zusammen zu einen schönen Park appariert, wo es auch Tiere gegeben hatte. Es war ein deutlicher Gegensatz zum Ausblick in Spinners end, der nichts weiter als graue Häuser und Fabrikschornsteine zu bieten hatte. Serena jedenfalls erkundete alles mit ihren typisch aufmerksam, neugierigen Blick. Und Feelicitas fühlte sich immer unbefangener und hatte schon fast vergessen, wieso sie so verzweifelt gewesen war. Nun, sie hatte Angst davor Lucius in die Augen sehen zu müssen, aber es bot auch eine so große Chance. Die Zeiten waren nicht so, das man immer auf die eigene Befindlichkeit Rücksicht nehmen konnte. Der Tag verlief recht ruhig und am Abend war Serena so müde, das sie direkt von Severus Arm ins Bett gelegt werden konnte, ohne noch mal aufzuwachen.
Es dauerte dann aber doch noch ein Paar Tage bis Severus mitten in der Woche in der Nacht zu ihr kam und sie weckte. Feelicitas hatte sich trotz ihrer Worte doch einige Gedanken gemacht, ob sie überhaupt fähig war sich auf irgendeine Art zu rächen, doch sie kannte die Antwort nicht. Sie gaben Weirdy die Aufgabe auf Serena aufzupassen und dann verließen sie das Haus. Severus hatte wohl viele Hebel in Bewegung gesetzt und die Sache kam ihr immer mehr wie eingeleitet vor. War wirklich sie es, die nur Antworten wollte, oder hing das noch mit anderen Dingen zusammen? Sie apparierten gemeinsam zu einem Seeufer, an dem sie schon von jemanden erwartet wurden. Die Außentemperaturen waren sehr kalt und feucht, Feelicitas selber hatte sich ihre Kapuze des schwarzen Umhangs tief ins Gesicht gezogen und erkannte auch den Mann nicht.
Sie stiegen in eine Barke, die sie nach Askaban bringen würde. Die Umgebung war still und sehen konnte man auch nichts vor lauter Nebel, der schon die nächste Umgebung verschluckte. Leise glitt das Boot über das Wasser und Feelicitas warf schräge Blicke auf den schweigsamen Severus und den anderen Mann. Sie war nicht zum ersten Mal in Askaban, damals hatte sie zusammen mit dem dunklen Lord die Askabanstürmung erlebt. Damals aber waren sie auch bis zu den Mauern von Askaban appariert. Heute kam ihr das unlogisch vor, aber scheinbar hatte jemand den Apparierschutz zerstört, so das es damals ging.
Ob die Gefangenentransporte auch mit diesen Boot gemacht wurden? Mit eisigen Grauen musste sie feststellen, das sie die armen Kreaturen bedauerte, deren letzter Weg in der Freiheit diese quälende Fahrt gewesen war. Mit einigen Entsetzen bemerkte sie am Bootsrand Hacken, an denen man Ketten befestigen konnte. Der Sinn des Ganzen musste ihr nicht schleierhaft sein. Viele Gefangene würden natürlich bei diesen bedrückenden Zukunftsaussichten der Lage versuchen, sich selbst zu ertränken. Und ihr ging es selber nicht anders. Als man endlich die kalten und scheinbar unüberwindlichen Mauern von Askaban aufziehen sah, fühlte sie sich schon ganz erstarrt und mitgenommen.
Sie wusste zwar, das in Askaban keine Dementoren mehr waren, aber trotzdem büßte dieser Ort nichts von seiner düsteren Pracht ein. Ein eisiger Novemberwind pfiff um die Mauern und selbst im Innenhof war er nur merklich schwächer. Ihr Führer leitete sie an Räumlichkeiten vorbei, die Feelicitas in der Helligkeit des Tages vielleicht wiedererkannt hätte. Doch es war tiefdunkle Nacht und die Fackel des Führers brachte nicht gerade viel in dieser verzehrenden Dunkelheit. Irgendwo musste hier dieser Schuppen sein in den sie zum aller ersten Mal gezaubert hatte. Damals war es ein Stupor und ein Alohomora gewesen und er hatte Wurmschwanz gegolten. Wie unschuldig sie doch damals noch gewesen war.
Doch trotz der Finsternis bemerkte sie den alten trockenen Brunnen und erinnerte sie wieder daran, dort mit dem widerlich aufdringlichen Avery gesessen zu haben. Dort hatte sie Severus das aller erste Mal gesehen und er sie. Das Feelicitas mit Askaban zwei eigentlich schön zu nennende Erinnerungen verband, war ihr selber noch gar nicht so aufgefallen.
Endlich waren sie ins Innere der Gebäude gekommen. Ihr Führer schüttelte sich und ein anderer Mann kam ihnen entgegen: „Na regnet es immer noch?" fragte er leicht schadenfroh. Feelicitas kannte weder ihn noch seine Stimme, doch auch das dümmliche Gesicht, was nun die zurückgezogene Kapuze ihres Führers enthüllte, war ihr fremd. Vielleicht waren die zwei damals schon da gewesen und hatten ihr Wohl im wechseln der Seiten gesucht.
„Ne, regnen tut es nicht, aber es zieht durch alle Löcher. Ich geh heute nicht mehr raus, du kannst dir einen anderen Dummen suchen, der unseren hohen Besuch wieder gehen lässt, Lester." Verkündete der Mann. Sein offensichtlicher Vorgesetzter zuckte nur mit den Schultern.
Richtige Todesser schienen es nicht zu sein. Allenfalls abtrünnige Wachen, die sich auf den untersten Rängen tummelten. Feelicitas vergaß sie sofort wieder, das hier war bloßes Ungeziefer. Wahrscheinlich wussten die Beiden erst gar nicht wer ihr Besuch war. Sie taten nur was verlangt war. Der Mann von innen nahm sie in Empfang: „Tja sie wollen also unser wertes Haus und seine Bewohner kennen lernen." Verkündete er ziemlich albern. Ihr gefiel der Typ nicht, einen Gefängniswächter hätte sie mehr Ernst und Vernunft zugesprochen, selbst wenn er zur dunklen Seite tendierte.
Der Mann schien aber nicht wirklich damit zu rechnen, das jemand was erwiderte. Oder er war es gewohnt das seine schlechten Scherze ignoriert wurden. Immerhin war er eingeweiht und verkündete etwas ernster: „Einen Moment werden sie sich sicherlich noch gedulden können, unser Wachwechsel ist noch nicht ganz vollzogen. Wir haben den Dienstplan etwas auf unsere Bedürfnisse angepasst. Wollen ja nicht, das jemand falsches sich in unsere Angelegenheiten einmischt, oder?" Der Typ kam Feelicitas immer widerlicher vor. Sie glaubte nicht daran, das ihn wirklich interessierte, was oder wen er vor sich hatte, das sich aber unter ihren Umhang eine Frau verbarg, war ihm nicht entgangen. Mit einladender Geste deutete er ihnen, ihm und seinen immer noch fröstelnden Begleiter zu folgen und sie kamen zu etwas, das an wohl der Aufenthaltsort der Wächter sein musste. Er schickte seinen Kumpanen weg und wandte sich dann Severus zu: „Warten wir noch etwas, bis Nigel zurückkommt. Kann ich ihnen etwas anbieten?"
Wenn man mal die wilde Unordnung aus verlassenen angeschlagenen Tassen, gräulichen Kekskrümeln und bereits haarigen Kaffeeflecken auf dem Tisch betrachtete, war Feelicitas ganz froh das Severus entschieden ablehnte. Einen Moment später kam schon die Entwarnung, das niemand mehr da war, der dumme Fragen stellen würde und so führten sie ihren Weg zu den Zellen hin fort. Der alberne Wächter schien einen Narren an ihr gefunden zu haben, vielleicht sah man in Askaban auch nicht häufig mysteriöse Frauen.
„Na waren sie schon mal in Askaban, oder können sie eine Rundführung vertragen?" fragte er sie und schlug sich wegen seinen offenkundigen Witz gegen das Bein. Keiner lachte, nur Severus schnaufte mal kurz vor lauter Genervtheit. Feelicitas schaute diesen Lester ungläubig aus dem Schatten ihrer Kapuze heraus an.
Dieser schien es etwas übel zu nehmen, das sie gar nichts sagte: „Verstehen sie? Askabanrundführung, ist doch lustig, nicht wahr?" versicherte er ihr, doch unter ihren schweigsamen Blick erstarb seine Freude.
„Das wird nicht nötig sein." Sagte sie, über ihren kühlen Ton selber erstaunt: „Ich war schon mal hier. Wir befinden uns glaube ich im Moment an der Abzweigung zu den Kurzstrafeninhaftierten. Was rechts ist, entsinne ich mich nicht mehr genau, ich war dort auch nie. Aber geradeaus und dann den zweiten Gang links geht es zum Hochsicherheitstrakt. Dort sitzen alle. Mörder, Verrückte – na ja eben die welche es nötig haben und nie mehr rauskommen sollen. Wie sollte ich vergessen wo deren Zellen liegen?" verkündete sie ruhig und ihr Gegenüber erstarrte. Er dachte bestimmt jetzt das schlimmste von ihr, aber Feelicitas hatte keine Lust in irgendeiner Weise seine Fehlschlüsse zu korrigieren.
Der Rest des Weges verging schweigend und kurz bevor die ersten Zellen anfingen, blieben sie stehen und Severus wimmelte Lester, den Wächter ab. Dieser war fast schon erleichtert wieder weg zu dürfen. Wahrscheinlich erzählte er jetzt Jedem, von den neusten Enthüllungen über die Besucher.
Severus begleitete Feelicitas noch ein Paar Schritte, doch dann verharrte er. Feelicitas schaute ihn irritiert an: „Worauf wartest du?"
Er schüttelte nur den Kopf: „Ich werde nicht mitgehen." Verkündete er strikt. In Feelicitas brannte ein wilder Gedankensturm auf: „Aber-?" wollte sie fragen, doch er sah sie nur ungerührt an: „Herzukommen ist schon ein hohes Risiko für mich, nicht nur Lucius kennt mein Gesicht. Mitgehen kann ich nicht, er wird ein Riesenaufheben machen und dann weiß jeder wirklich, was hier vor sich geht. Du musst diese Sache alleine machen. Ich achte derweil darauf, das niemand etwas mitanhören kann." Damit wandte er sich um und ließ sie stehen.
Es war dunkel in dem Zwischengang und Feelicitas fühlte sich zurückgestoßen. Ich kann doch nicht- ertönte ein flehender Gedanke, doch noch bevor sie ihn zuende gedacht hatte ertönte schon ein neuer. Du wirst es trotzdem tun müssen.
Jetzt wo Feelicitas ganz alleine in der Dunkelheit stand, vernahm sie die Geräusche, die die Stille durchdrangen. Und obwohl kein einziger Dementor auf der Insel war, hing immer noch diese eisige Kälte der Hoffnungslosigkeit in der Luft. Eigentlich war es sehr leise, doch man hörte leises wimmern, husten und irgendwelches Klimpern. Mal weiter weg, mal näher dran. Die normalen Geräusche von Askaban. Sie riss sich aus ihrer eigenen Starre und trat in den Gang, mit den Hochsicherheitsinsassen. Zum ersten Mal war sie wirklich froh, das ihr Umhang ihr Schutz bot, schließlich konnte niemand sehen was sie empfand. Und Feelicitas empfand viel. Schon in der ersten Zelle, in die sie blickte, saß jemand den sie kannte. Es war Avery. Sie hatte im Sommer davon gelesen, das er und andere auch in Askaban saßen, doch so ganz geglaubt hatte sie daran nie. Warum vergaß Voldemort seine Getreuen so schnell wieder? Gab es soviel Nachschub, das kein Mangel bestand? Eigentlich konnte sie gar nicht sagen, warum sie die Gestalt auf der Pritsche sofort erkannt hatte. Avery war nicht mehr der aufdringliche Typ, dem sie damals begegnet war. Er hatte die Arme um die Knie gelegt, und zittert leicht aber unkontrolliert. Sein Gesicht war noch blasser als sie es in Erinnerung hatte, mit tiefen Ringen unter den Augen, und eingefallenen Wangen. Seine Haare waren länger geworden. Stumpf und zerzaust hingen sie ihm ins Gesicht. Sein Blick war leer und er schenkte seiner Betrachterin keine Beachtung.
Feelicitas ging weiter, in kaum einer der Zellen regte sich etwas, viele lagen in sich selbst verkrochen rum, aber niemanden erkannte sie mehr. Dann kam sie zu Lucius Malfoy. Feelicitas konnte es gar nicht verhindern, kaum sah sie das trotz allen Schmutzes immer noch matt glänzende silbrige Haar, da krampfte sich ihr Herz zusammen. Er war genauso verwahrlost wie der Rest und seine farblose Kleidung, die filzig-fettigen Strähnen und der ganze Dreck nahmen ihm mehr als nur die Würdevolle Erscheinung, die er mal hatte. Lucius Malfoy schlief auch nicht. Er saß verloren in seiner Zelle und starrte Löcher in die Wand, doch als er die Bewegung vor seinen Zellengittern sah, schaute er sie dumpf mit seinen grauen Augen an und dann erhellten sich seine Züge so plötzlich, das Feelicitas einen Schritt zurückging. Lucius machte sich nicht die Mühe aufzustehen, er kroch eilig an die Gitter und blickte sie mit glückseliger Hoffnung an. „Narzissa." entkam es ihm verträumt.
„Narzissa, hast du etwas zum essen mitgebracht?" fragte er hastig, aber sei es weil Feelicitas keine Anzeichen zeigte, irgendeine Regung an den Tag zu legen, die seine liebende Ehefrau getätigt hätte. Oder war es, weil er doch noch nicht ganz blind war. Kaum hockte er vor den Gitterstäben und versuchte einen Zipfel ihres Umhanges zu erreichen um sich zu vergewissern das er nicht träumte, hielten seine Bewegungen inne und er suchte ihren Blick. Als Feelicitas ihre Kapuze in den Nacken zog, sahen sie einander ungläubig in die Augen. Lucius mehr als nur unangenehm überrascht und Feelicitas deutlich abgestoßen. Feelicitas hätte zurückgehen können, er hätte seine Hände zurückziehen können, aber keiner rührte sich.
Erst nach einen Moment machten beide sich ruckartig frei. Lucius Miene hatte sich deutlich abgekühlt, doch er war sehr weit davon entfernt in Feelicitas Augen noch irgendeinen Schrecken auszuüben.
„Schöne Wohnung hast du hier. Vielleicht etwas minimalistisch eingerichtet, aber dir durchaus würdig." sagte sie leise und schaute auf ihn herab. Im ersten Moment schien er nichts erwidern zu können, 5 Monate Askaban schien auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Vielleicht hatten nicht nur die Dementoren alleine den Schrecken dieses Gemäuers erzeugt. Vielleicht war es auch, das die vielen unzähligen Alpträume jedes einzelnen der gequälten und verdorbenen Seelen, welche hier gewesen waren, ein Stück Schrecken hinterlassen hatten. Doch Lucius gebrochener Blick hielt nicht lange an: „Wie eh und je, da ändert sich nie was dran. Du bist immer noch das widerspenstige Dreckstück von damals, Feelicitas."
Das traf sie nicht, er hatte ja recht. „Scheinbar ist mir aber genau das zugute gekommen. Ich stehe hier und du hockst dort. Irgendwas musst du wohl falsch gemacht haben." Erwiderte sie mit immer größer werdender Sicherheit. Dieses Häuflein Mensch vor ihr war ein Nichts – zumindest solange er eingesperrt war. Er antwortete ihr nicht einmal.
„Nun, ich bin nicht gekommen um mich über deine Lage zu belustigen. Ich stehe hier, weil ich mit dir reden will. Es wäre also hilfreich, wenn du mir die Antworten geben würdest."
Mit so etwas schien er nicht gerechnet zu haben, trotzdem zischte er: „Vergiss es und verpiss dich."
„Na na, das ziemt sich aber nicht für den französischen Pseudoaristokraten." Versetzte sie gespielt sanft: „Also wer weiß, ob du in deinen Leben jemals noch mal jemanden etwas erzählen kannst-"
Er lachte bitter auf: „Mach dir nichts vor Mädchen, der dunkle Lord wird sich noch an uns erinnern, wenn ihm die restlichen Trottel ausgegangen sind. Ich werde dich und Severus dann sicherlich so oft ich will zum Tee besuchen."
Das brachte Feelicitas zum Kopfschütteln: „Wenn der dunkle Lord gewollt hätte, das ich dich zum Tee einlade, dann hätte er mir nicht möglich gemacht dich hier aufzusuchen. Du siehst er sieht nicht den geringsten Anlass überhaupt einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden. Ich weiß nicht was du ihn angetan hast. Ich bin auch nicht wegen dieser Geschichte hier, aber du wirst wohl selber sehr gut begreifen können das es mehr war, als nur deine Unfruchtbarkeit."
Er ruckte auf: „Du bist trocken wie ein Strauch gewesen. Das Severus dir ein Kind anhängen konnte musste ihn ja einige Fruchtbarkeitstränke gekostet haben. Und was mit meinen Herrn und mir ist, geht nur ihn und mich was an." Giftete er zurück.
Feelicitas verspürte keine Angst, und sie erkannte verwundert das Severus oftmals beleidigenden Kommentare sie etwas unempfindlicher für Angriffe gemacht hatten. Nun, das kam ihr gerade recht: „Gut, das akzeptiere ich. Aber was zwischen dir und meiner Mutter war, das geht mich sehr wohl etwas an."
Es zuckte in seinen Blick, ehe er sich wieder ein bekam. Feelicitas sah sich um, niemand sonst nahm auch nur wahr, das irgendwas vorging.
„Du weißt es also? Und, gefällt es dir?" fragte er leicht höhnisch.
„Oh ja," erwiderte sie unumwunden: „Vor allem das mit dem Geburtstag im Ministerium, wo du sie das erste mal gesehen hast, war schon sehr amüsant. Wenn ich gewusst hätte, das du auf Schlagen stehst, hätte ich es mal ausprobiert." Feelicitas wusste eigentlich nicht sehr viel über diese Aktion, doch scheinbar hatte sie einen Nerv getroffen.
„Was willst du von mir hören? Ich begehrte deine Mutter diesen halben Tiermischling, von der ich nicht einmal mehr den Namen zu nennen weiß? Ich war bereit alles zu tun um sie zu besitzen doch habe sie nie bekommen? Ich habe ihr ein unseliges Ende bereitet? Ich wollte den Auftrag des dunklen Lordes erfüllen, dir einen kleinen Bastard zu machen und dabei mehr als nur Genugtuung gespürt? Mir macht das Spaß und ich stehe dazu. Ich glaube nicht das du meinst mich bekehren zu müssen. Aber das du nur gekommen bist um dir das um die Ohren werfen zu lassen, kann wohl nicht sein."
Gut, er sprach Klartext, das war ihr mehr wert, als wenn er irgendwelche perversen Lügenmärchen erfunden hätte. Sie erinnerte sich wieder, das er sie, im Glauben es wäre Narzissa um Essen angefleht hatte, man konnte es unter der weiten Kleidung nicht sehen, aber er schien ziemlich abgenommen zu haben und dieses Gespräch brauchte seine ganze Kraft.
Feelicitas hob seinen Blick trotzend den Kopf: „Was ist der Grund, das meine Mutter Jahre nach dem Tod meines Vaters auch noch sterben musste? Warum hast du uns verfolgt?"
Lucius schaute sie nur trübe an: „Ach das. Du überschätzt mich, Feelicitas. Deine Mutter habe ich kaum dreimal in meinen Leben gesehen. Ich habe den dunklen Lord nicht extra um diesen Auftrag ersucht, er hat ihn mir einfach gegeben und ich folgte ohne nachzufragen. Das gehört zum guten Ton in unseren Reihen. Du wirst zweifellos erkennen können, das in unseren Kampf es nicht wirklich von Bedeutung war irgendwelchen Mischlingen hinterherzulaufen. Wenn es sich ergeben hätte, wäre ich vielleicht noch über sie hergefallen, aber sie zog ja einen raschen Tod vor."
Feelicitas schluckte, ob die magieundurchlässigen Gitterstäbe sie vor ihm beschützten erschien ihr gerade ungewiss. Es war eher anders rum und das musste er wissen. Schließlich hatte sie einen Zauberstab und er könnte nicht flüchten, wenn sie reinkäme. Sie atmete tief durch, dazu war noch später Zeit.
„ Warum bin ich verschont wurden? Ich glaube nicht, das du so dumm warst, dich von einer dreijährigen überrumpeln zu lassen." Fragte sie leise.
„Du warst weg und bist nicht mehr aufgetaucht. Was hätte ich machen sollen? Deine Mutter und eure Sachen habe ich verhext und somit blieb mir nicht einmal etwas um damit einen Ortungszauber zu beschwören. Du warst in keinen Kinderheim und auch im Heimatort deiner Mutter, verliefen alle Spuren im Sand. Es war peinlich und dem dunklen Lord erzählt man nichts von solchen Rückschlägen. Er hat mich nicht einmal mehr nach der Sache gefragt, sonst hätte er wohl eher erfahren das du noch irgendwo bist. Ich habe dich sofort bei deiner Folterung erkannt. Aber so schlimm war der Verdruss des Lords nicht, als er selber merkte, wer das Mädchen ist, welches ihm Jahre später zufällig in die Arme lief. Ich habe es jedenfalls überlebt. Und, bist du nicht gekommen um Rache zu nehmen?"
Feelicitas fühlte keine allzu großen Rachegefühle in sich. Sie verspürte nur ein wenig Bedauern, das er ihr keine weiteren Angaben machen konnte. Aber alles was er sagte machte nur deutlich, das Voldemort seine Pläne irgendwann zwischen der ersten und zweiten Herrschaft geändert hatte. Da hatte er aber Glück, das deine Familie noch nicht ganz ausgelöscht war, sonst hätte er ewig suchen müssen. Ja aber was suchte er denn?
Ihr nachdenklicher Blick entging selbst Lucius nicht: „Deine Hand liegt jetzt schon die ganze Zeit an deinem Zauberstab. Da frage ich mich doch, was willst du jetzt tun?" Viel Besorgnis lag nicht in seinen Blick. Es machte ihr nicht sehr viel aus, das er es überhaupt nicht für möglich hielt ihm etwas ernsthaftes zu tun. Sie wusste selber besser zu was sie fähig war und bis eben hatte sie auch gewusst was sie davon tun wollte. Aber egal was sie machte, ihm ging es sowieso schon schlecht und es wäre ein viel zu gnädiger Tod. Irgendwann, wenn das alles vorbei sein würde, dann würde er noch den Lohn für seine Taten bekommen. Der einzige Erfolg wäre ihre persönliche Bestätigung es ihm gezeigt zu haben. Aber darauf konnte sie verzichten, dieser Mann der zu schwach war um sich auf den eigenen Füßen zu halten, war ihre Mühe nicht wert. Und so erwiderte sie nur mit der Kälte die sie für ihn empfand: „Ich werde jetzt gehen. Und dann werde ich nie wieder einen Gedanken an dich verschwenden. Ich weiß es mag in deinen Ohren lächerlich klingen und es wird dich auch nicht kümmern. Hier in Askaban hast du sicher auch nichts davon mitbekommen. Wenn ich gleich weg bin, dann wird niemand mehr sich deiner entsinnen. Dem dunklen Lord bist du egal, deine Frau hat längst nach würdigeren Ersatz ausgeschaut und dein Sohn kann es gar nicht erwarten sein Erbe anzutreten. Ich wünsche dir noch ein gesegnetes Leben, Lucius." Feelicitas nickte ihm zu, zog die Kapuze wieder hoch und stolzierte Hoheitsvoll hinfort. Doch an seinen letzten Blick, der ihr hinterher glitt sah sie, er hatte ihr jedes Wort geglaubt und es traf ihn tief.
Feelicitas fühlte keine Freude darüber, sie fühlte sich nur leer. Zudem war sie in die falsche Richtung gelaufen, konnte aber aus dramaturgischen Gründen nicht noch mal an Lucius Zelle vorbei. Nun, der Gang ging weiter und führte bald zu einen nächsten. Irgendwann würde sie schon wieder rausfinden. Das Askaban so ausbruchsicher sein sollte, lag bestimmt zum Teil auch an diesen Irrgarten. Leider fand sie nicht raus, sie kam nur in einen neuen Zellentrakt. Ein Paar Wächter beschäftigten sich gerade auf recht unterschiedliche Weise mit den Zelleninsassen. Feelicitas erkannte den jungen Mann, der mit ihnen im Boot gefahren war. Nigel, beaufsichtigte gerade einen recht harmlos und verängstigend aussehenden Mann, der mit Schrubber und Besen den schmuddeligen Steinboden des Ganges bearbeitete. Als Nigel die Besucherin kommen sah, überließ er dem Mann das Koordinieren seiner Bemühungen alleine und kam zu ihr: „Na Besuchszeit zuende?" fragte er recht desinteressiert und warf seinen Opfer unwirsche Blicke zu: „Der hat gute Führung, der darf manchmal aus der Zelle." Erläuterte er und Feelicitas beachtete ihn nicht weiter und ging vor. Nigel schien das zu akzeptieren und folgte ihr still. Die beiden anderen Wächter, welche einen Gummischlauch und einen Eimer hielten, interessierten sich nicht weiter für sie und verschwanden im inneren einer Zelle, und so konnte sie ungestört an denen vorbeigehen. Doch bei ihren Blick hinein bekam sie immer dunklere Ahnungen und blieb doch stockend stehen. Nigel sprach sie wieder an: „Ja meistens bleibt es an der Nachtschicht hängen. Tagsüber haben wir nicht soviel Zeit einen Waschtag zu machen. Das hier sind übrigens unsere Seelenlosen, die können sich nicht selber helfen."
Feelicitas erkannte auch sofort was er meinte. Den Mann, der als nächstes in den Genuss einer Dusche kommen sollte, war wirklich keine Gegenwehr zu entlocken. Mit fachkundigen Griff wurde ihm seine zerrissene Kleidung ausgezogen. Der eine Wächter füllte mit dem Schlauch dem Anderen den Eimer, dann schütteten sie es dem teilnahmslosen Mann über den Kopf. Das es eiskalt war, musste man ihr nicht erst sagen, das zittern und die Gänsehaut ihres Opfers sagte genug. Scheinbar waren sie noch nicht zufrieden und schütteten noch mal nach, bis der Mann ein würgendes Geräusch von sich gab. Wahrscheinlich hatte er Wasser geschluckt. Dann zogen die Wächter dem tropfnassen Mann wieder seine Sachen über und verließen ihn, um sich der nächsten Zelle zuzuwenden. Feelicitas schreckte der Anblick ab und sie wäre am liebsten einfach geflüchtet, doch etwas hielt sie davon ab.
Der Mann hockte zurückgelassen auf dem Boden, und wippte leicht vor und zurück mit seinen Oberkörper. Obwohl seine weizenblonden Haare verfilzt und nass waren und er selbst nach der Wäsche noch schmutzig war. Die große, abgemagerte Gestalt und die blassen Gesichtszüge mit den Sommersprossen, erkannte sie wieder. Es war Barty Crouch, der gedankenlos in einer Ecke seiner Zelle saß. Feelicitas wurde es etwas schummrig vor Augen. Der Unterschied zu dem stolzen Todesser mit dem warmen flauschigen Mantel und dieser Kreatur war grausam und doch Realität.
Ihre Aufmerksamkeit wurde abgelenkt von den zwei Wachen, die irgendwas zu dem neben ihr stehenden Nigel riefen. Erst nach einem Moment drang es zu ihr durch. Der Häftling der nächsten Zelle hatte unbemerkt das zeitliche gesegnet. Kurz nachdem Nigel ihnen zur Unterstützung kam, wurde der Leichnam auf einer heraufbeschworenen Trage heraustransportiert. Der Häftling, der auf dem Gang gewischt hatte, hatte sich nahe an die Wand gedrückt und blickte nun ziemlich schreckenserfüllt auf das Geschehen. Keiner schien es für nötig befunden zu haben den ausgemergelten Körper zu verdecken, nicht einmal ein Tuch. Feelicitas sah selber das der Tote wohl am Alter gestorben war. Verfilzte, graue Strähnen wirrten um sein Gesicht.
Besonders feinfühlig gingen die Wächter nicht vor. Scheinbar war es nachlässige Routine, ein Arm hing von der Trage herab und schliff leise auf dem Boden, als sie ihn abtransportierten. Doch noch bevor sie aus dem Blickfeld verschwanden stolperte einer der Wächter über den rumstehenden Eimer und es ging ein Ruck durch ihre Last. Der Kopf des Toten drehte sich in die Richtung des Häftlings an der Wand und dieser fuhr beim Anblick des gebrochenen Blicks der dunklen Augen zusammen und klammerte sich mit geschlossenen Augen an seinen Besen fest. Ob er den Toten wohl gekannt hatte? Man schrie ihn an und einige unflätige Worte fielen, schließlich robbte der Häftling unter tausend Entschuldigungen zum Eimer und nahm ihn aus dem Weg. Die Wächter samt Trage verschwanden und Feelicitas blieb alleine mit dem Häftling zurück, der in der Lache des vergossenen Wassers neben dem Eimer hockte und sie mit Furcht musterte. Feelicitas wurde es zuviel, sie wollte diesen sie scheinbar anklagenden Blick entkommen und so machte, sie das sie eilig an ihm vorbeikam. Den letzten Rest ihres Weges rannte sie durch die leeren Gänge, nur verfolgt von ihren eigenen Grauen. Was immer irgendwer hier getan hatte, sie waren alle Menschen und niemand hatte so ein Schicksal verdient.
Bald kam sie wieder zu Severus, der sie schon ungeduldig erwartete. Doch bei ihrer aufgewühlten Miene, vergaß er wohl seine Kritik: „Hast du getan was du wolltest?" fragte er knapp. Feelicitas nickte, sagen konnte sie nichts.
„Lebt er noch?" Das brachte sie dazu ihm einen mehr als fragenden Blick zuzuwerfen, doch sie nickte nachdrücklich. Hatte er das wirklich selber für möglich gehalten?
„Etwas anderes hätte ich auch gar nicht gedacht." Sagte er leise und das beruhigte Feelicitas ungemein.
„Wie fühlst du dich jetzt?" Dazu konnte Feelicitas nur bitter lächeln: „Wie ich mich fühle? Man nennt es rettungslos verloren und es fühlt sich wirklich ganz mies an." Erwiderte sie: „Ich bin fertig mit ihm. Wenn wir jetzt nach hause aufbrechen könnten, wäre ich dir sehr verbunden." Bat sie leise und er betrachtete sie nur kurz mit einen seiner komischen Blicke. Dann wandten sie sich zum gehen.
Fortsetzung folgt...
|
Review this Chapter |