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Feelicitas Lefay
Author of 12 Stories
Rated: M - German - Tragedy/Romance - Severus S. & Sirius B. - Reviews: 39 - Updated: 02-23-06 - Published: 10-04-05 - Complete - id:2604878
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Anmerkungen zu den netten Reviews in meinem Forum auf Väter

Severus hatte seine Frau noch kurz zuhause abgeliefert und war dann wieder nach Hogwarts verschwunden. Feelicitas war wie ein Stein in ihr Bett geglitten und fiel sofort in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen regnete es zwar und im ganzen Haus war es ziemlich kalt, doch Feelicitas hätte sich nicht besser fühlen können. Sie konnte nicht wirklich Befriedigung empfinden, das Lucius Schicksal ihn in eine derartige Lage gebracht hatte, sie verspürte auch keine Enttäuschung, das sie ihm kein Haar gekrümmt hatte. Eigentlich konnte man ihre Gefühle mit einen einzigen Wort umschreiben: Gleichgültigkeit.

Und nach einer Weile Überlegung kam eine neue Zuversicht dazu. Seit damals, war sehr viel Zeit vergangen. Sie war nicht mehr das Mädchen, genau wie Dr. Beauchamp gesagt hatte, sie hatte sich weiterentwickelt. Und wenn Lucius ihr schon nichts mehr ausmachte, dann würde eine Konfrontation mit dem dunklen Lord sie auch nicht mehr am Boden zerstören.

Aber man musste es ja nicht gleich übertreiben, sie konnte gerne vorerst darauf verzichten. Er kannte vielleicht alle Antworten, aber er hatte sie ihr schon damals bewusst vorenthalten, er würde heute auch noch keinen Grund sehen seine Pläne ihr gegenüber offen zulegen.

Na ja, wenigstens vorerst gab es auch wichtigeres.

Als Feelicitas an diesen Tag den kleinen Dorfladen betrat, war verhältnismäßig wenig los. Scheinbar hielt das schlechte Wetter die Frauen in der Umgebung davon ab sich zu einer Gesprächsrunde zusammenzufinden. Die Ladeninhaberin hatte viel Zeit und bei Feelicitas Anblick verschwand sie im Nebenraum und kam mit einem Brief zurück: „Denn wollte ich noch vorbeibringen, aber das Wetter, das verstehen sie sicher Mrs. Snape." Beteuerte die Frau und Feelicitas sah sich dazu gezwungen ihr zu versichern, das es in Ordnung wäre, obwohl sie nichts anderes wollte als der Frau den Brief aus der Hand zu reißen.
Feelicitas war froh als sie endlich wieder zuhause war und sich dem Inhalt widmen konnte. Natürlich hatte Adelaide ihr geschrieben.

Meine liebe Feelicitas,

Es freut mich zu hören das es euch gut geht. Nachdem ich meinen ersten Brief schon abgeschickt hatte, hat Louis bei uns angerufen. Er klang so verzweifelt und bat mich unter Schlurzen wieder zurückzukommen. Feelicitas ich weiß wie es um euch steht, doch bitte tu etwas. Ich kann ihm nicht in die Augen schauen und es ihm erklären. Er würde nur herumschreien und mir die Worte im Munde herumdrehen. Es ist besser wenn du dann etwas auf seine Behauptungen erwidern kannst. Ich will doch nur, das wir eine ganz normale Familie sind. Ich bete jeden Tag dafür. Vielleicht solltest du zu Weihnachten zu uns kommen. Nimm deinen Mann mit, ich will ihn gerne kennen lernen.

Deine Adelaide

Feelicitas wurde es schwer ums Herz. Adelaide schien richtig zu leiden und ihr Pflegevater schien dem Wahnsinn nahe zu sein. Doch was sollte sie daran ändern können? Nur kurz stellte sie sich die Szene vor, mit Severus und Serena beim weihnachtlichen Festschmaus in Frankreich zu sitzen. Nein, so einfach war Adelaides Wunsch nicht zu erfüllen.

Als Severus am Freitag wiederkam sprach sie ihn darauf an und er blockte direkt ab.

„Weihnachten verbringe ich in Hogwarts. Es muss nicht sein, das irgendjemand aufmerksam wird." Sagte er knapp.

„Aufmerksam sollten die doch alle sein. Meinst du wirklich niemand weiß das du zu Frau und Kind gekommen bist und deshalb dauernd verschwindest?" Leicht ungläubig blickte Feelicitas ihn an, doch er machte keine Anstalten ihr zuzustimmen: „Es erfordert schon ein enormes Maß an Aufmerksamkeit und Vorsorge, das niemand mitbekommt, wenn ich Hogwarts fern bin. Solange es sich dabei um Nächte und geringe Teile des Wochenendes handelt, ist das nicht weiter auffällig, aber gerade an Weihnachten wird es auffallen."

Feelicitas zog die Augenbrauen zusammen: „Aber die Schüler wissen es doch, oder?"

„Es gibt vereinzelte Gerüchte, die durch das Slytherinhaus strömen, aber nichts näheres aussagen. Draco Malfoy hat zweifellos zur Verbreitung beigetragen, aber ich garantierte dir kein anderer Schüler dieser Schule hat auch nur die geringste Ahnung was nur Slytherins angeht."

Leicht enttäuscht lehnte Feelicitas sich auf dem Sessel zurück: „Also werde ich nicht nur meiner Mutter absagen müssen, sondern Weihnachten alleine mit Serena verbringen müssen?"

Er nickte nur.

„Okay," sagte Feelicitas recht unbekümmert: „Dann beantrage ich zu Weihnachten Ausgang."

Das brachte ihn etwas aus dem Gleichgewicht: „Du willst alleine nach Frankreich?"

„Nein," versicherte sie leicht gedehnt: „Noch mal alleine nach Frankreich wäre Mord. Weihnachten werde ich wohl bei den Evonshares verbringen dürfen. Dort bin ich solange sicher, wie du mir Rückendeckung gibst. Sag einfach ich wäre in Embrun bei Großmutter und du hättest mich dort persönlich abgeliefert. Ich glaube niemand wird mich für die paar Tage weiter vermissen. Selbst Todesser feiern doch bestimmt Weihnachten und sind deswegen etwas abgelenkt, oder? " Das es kein Vorschlag war, sondern ihr ganzer Ernst, hatte sie eindeutig klargestellt.

„Wenn ich das genehmige, dann nur, wenn du sehr, sehr gut auf Serena achtest und keinen Aufruhr veranstaltest." Natürlich nickte sie mit allem Ernst und entgegnete seinen mahnenden Blick. Scheinbar aber schien er dort noch auf etwas anderes zu stoßen: „Du willst noch etwas?"

Feelicitas lächelte ihn an: „In der Vorweihnachtszeit ist der beste Moment um seine Familie aufzusuchen. Wenn du mir hilfst meinen Pflegevater zu begegnen werde ich dich mit Serena zu deinen begleiten. Nicht, das ich das nicht alleine können würde, aber ich werde in Frankreich jemanden brauchen, der einen Geheimnisverwahrungszauber ausführen kann. Ich werde nämlich nicht zulassen, das meine Mutter und mein Bruder weiterhin ungeschützt sind, wenn sie zurückkehren. Außerdem könnte man vor Ort wegen dem Artefarkt weiter nach Spuren suchen."

Eigentlich hatte Feelicitas gedacht, das er es ablehnen würde, doch das tat er nicht. „Heißt das du hilfst mir?" fragte sie erleichtert, als er nickte, doch so einfach war es nicht.

„Für den Schutzzauber muss der Geheimnisverwahrer dabei sein. Ich werde es nicht machen und du wirst es auch nicht tun. Also wen willst du sonst nehmen, der magisch ist?" Das war natürlich ein Rückschlag, doch Feelicitas musste nicht sehr lange überlegen: „Verfügt Evangelice über genug magische Unarten?" fragte sie interessiert und daran schien er nicht gedacht zu haben.

„Durchaus genug für unsere Zwecke." Gestand er schließlich ein.

Feelicitas schrieb ihrer Mutter sofort zurück:

Maman,

Du hast mich überredet. Was deinen liebenswerten Mann angeht, kümmere dich nicht weiter drum. Ich werde deinen Wunsch mehr als nur beherzigen und selber mal nach dem rechten schauen. Ich hatte sowieso vor euch bald mal wieder zu besuchen, näheres besprechen wir dann noch. Vielleicht wird es ja was mit dem friedlichen Weihnachtsessen, auch wenn weder Severus, Serena oder ich daran teilnehmen können. Aber Louis wird sich sicher freuen mich schon bald zu sehen und um so mehr wird es sein kaltes Herz erwärmen, welch nette Geschichte ich zu erzählen habe. Mach dir also keine Sorgen. (Ich nehme Severus mit, der wird uns schon auseinanderhalten wenn die Situation eskaliert.)

Feelicitas

Doch vorerst gerieten die geplanten Besuche wieder in den Hintergrund. Es war schon sehr spät, als es plötzlich an der Türe klingelte. Severus warf ihr einen verwirrten Blick zu und öffnete selber. Wenig später stand Lennart Gray im Wohnzimmer. Feelicitas Blick sprach Bände und Lennart war bei ihren Anblick eindeutig unwohl und hielt Distanz. Severus merkte nicht, das irgendwas zwischen ihnen vorging.

„Guten Abend Feelicitas." Sagte Lennart ein wenig verhalten. Feelicitas hätte ihn gerne in der Luft zerrissen, doch sie rührte sich nicht: „Ich glaube es ist nicht gerade ein guter Abend, wenn sie uns mit ihrer Anwesendheit beehren Mr. Gray. Zweifellos bringen sie keine sehr guten Nachrichten." Es missfiel ihm deutlich, das sie so derart distanziert war, doch Feelicitas hatte nur einen kühlen Blick für ihn übrig.

„Nein, es handelt sich eher um sehr gute Nachrichten, Feelicitas." Erwiderte Lennart Gray mit einen Lächeln und folgte dann Severus in das Arbeitszimmer.

Feelicitas blieb wie immer alleine zurück. Das Lennart plötzlich wieder in der Türe stand, brachte ihre Gefühle zum kochen. Doch leider konnte sie keine Abkühlung finden. Denn der Grund seiner Anwesendheit enthüllte nur, das seine Tätigkeit Fortschritte gebracht hatte. Irgendeinen angeblichen Spion oder Namen schien er herausgefunden zu haben. Und was in ihren Ohren eher schlechtes bedeutete, hielt er für eine gute Nachricht? Irgendwer redete hier aneinander vorbei. Als Todesser musste man sicherlich immer auf die Bedeutung seiner Worte achten. Severus stand direkt neben ihm, da wäre er ja dumm gewesen sich anmerken zu lassen, das er irgendwas bedauerte.

Nach einer relativ kurzen Weile kamen die Beiden wieder, Severus schmiss Lennart fast schon heraus und es bot sich keine Gelegenheit ihn anzusprechen. Nachdem sie wieder alleine waren, verschwand Severus noch mal kurz und als er wiederkam, schmiss sie ihm fragende Blicke zu: „Und hat er es wirklich geschafft irgendjemanden zu denunzieren?" fragte sie leicht angespannt, doch Severus blieb ruhig: „Ich habe gerade Dumbledore kontaktiert und ihm den Namen genannt, doch er wollte mir nicht sagen, ob es der Wahrheit entspricht."

Dumbledore redete nicht mit ihm? Was war da denn los? Sein düsterer Blick verhieß nichts gutes und so wollte Feelicitas auch nicht weiter nachfragen. Doch nach einer Weile tat sie es doch: „Wenn es wirklich ein Spion ist. Kann dieser dann glaubhaft dem dunklen Lord versichern, das er keiner ist?"

Severus schnaufte: „Selbst wenn er keiner ist, hat er überhaupt die Chance irgendwas richtig stellen zu können?" fragte er zurück, warf ihr einen düsteren Blick zu und verließ sie dann. Es erschien hart, aber natürlich hatte er recht.

Die Zeit zog vorbei und es war mittlerweile das zweite Adventswochenende, als sie ihren Besuchsmarathon angingen. Zuerst wollten sie Severus Vater Tobias besuchen. Feelicitas wusste nicht so recht, was sie erwartete, doch zog sie ihrer Tochter ein dunkelrotes Kleidchen an und befestigte sogar ein weißes Band in den kleinen schwarzen Löckchen. Serena sah plötzlich ein halbes Jahr älter aus, aber immerhin, es stand ihr besser als immer nur Strampelhöschen und Pastelltöne. Und sie machte trotz ihrer neuen Greiffertigkeiten keine Anstalten sich das Band aus den Haaren zu reißen. Ein wahrhaft braves Mädchen.

Sie apparierten in eine triste Gegend, die sehr nach verkommenen Krankenhausgarten aussah. Das Altenheim war dementsprechend erst mal abschreckend und Feelicitas warf Severus einen wahrhaft verdammenden Blick zu, den er nicht weiter beachtete.

Kaum waren sie im Haus, erstarb auch ihre letzte Hoffnung, das Magie im Spiel war. Schließlich hatten sie nicht umsonst ihre Umhänge zuhause gelassen. Das hier schien ein Muggelaltenheim der niedersten Art zu sein. Eine halbwegs nette Pflegerin führte sie auf Nachfragen hin zum ersten Stock und bald gelangten sie in einen Aufenthaltsraum.

Die Pflegerin schaute sich um, aber scheinbar war der Gesuchte nicht dabei: „Ich gehe mal schauen, wo er ist." Beruhigte sie die beiden Besucher und ließ sie alleine stehen. Es dauerte nicht lange, da gab es für einige Bewohner des Heims etwas interessanteres als den alten Schwarzweißfilm im Fernseher. Es war Feelicitas bereits bekannt, das Babys und Tiere alte Menschen begeisterten, aber ein wenig aufdringlich fand sie die vielen Nachfragen und Bekundungen, wie süß die Kleine doch sei, schon. Und Severus schien es nicht anders zu gehen.

Beide atmeten erleichtert auf, als endlich die Pflegerin zurückkehrte und sie zu einem Zimmer führte.

„Mr. Snape, sie haben Besuch bekommen. Schauen sie mal ihre Familie ist da." säuselte die Pflegerin, als hätte sie es mit einem Kleinkind zu tun.

Feelicitas hätte niemals gedacht, das Tobias Snape so – normal sein könnte. Vor ihr stand ein eher kleiner weißhaariger Mann, der scheinbar längst die Siebzig überschritten hatte und wohl irgendeine Krankheit mit sich herumschleppte, aber bei den herabwürdigenden Worten der Pflegerin die Augen verdrehte. Diesen Blick kannte Feelicitas schon zur Genüge von seinen Sohn, deshalb zweifelte sie auch keine Sekunde daran, vor dem falschen Mann zu stehen. Nun, früher war er bestimmt eine imposante Gestalt, doch der Anblick in Pyjama und schlecht sitzenden, offenen Morgenmantel ließ ihn eher nur noch mitleiderregend aussehen.

Immerhin erkannten sich Vater und Sohn sofort wieder.

„Guten Tag Vater." sagte Severus ziemlich kühl und sein Vater schwieg dazu. Vielmehr schien er ergründen zu wollen, was Feelicitas und Serena bei ihm wollten.

„Wer ist-?" hub er gerade trocken an, doch Severus schnaufte nur: „Das dort sind meine Tochter und meine Frau." stieß er leicht ungehalten hervor. Scheinbar kannte Severus den Zustand seines Vaters doch besser, als vermutet. Tobias Snape hatte plötzlich einen Ausdruck im Gesicht, wie sieben Tage Regenwetter.

Feelicitas stand zwischen den Beiden und wusste nicht , was sie machen sollte. Sie versuchte Severus Blick auf sich zu ziehen, doch der fixierte immer noch seinen Vater, schüttelte den Kopf und machte auf dem Absatz kehrt. Feelicitas war empört. Was sollte das? Was immer Tobias Snape auch gerade gedacht haben mochte, er sagte doch nichts fieses. Doch Severus war schon weg und Feelicitas stand dem alten Mann alleine gegenüber.

„Guten Tag Mr. Snape, ich bin Feelicitas." Sagte sie schließlich freundlich, doch Tobias drehte sich einfach um und ging in sein Zimmer. So leicht ließ Feelicitas sich nicht abschrecken, sie packte Serena fester und folgte ihm. Am Fenster stand ein Sessel, auf den ließ er sich jetzt sinken und betrachtete sie mit unergründlicher Miene. Er machte keine Anstalten, ihr einen Platz anzubieten und so ließ sich Feelicitas einfach auf die nahe Bettkante sinken und betrachtete die kitschige Blumenvase neben dem Bett. Scheinbar gehörte so was zum Inventar jedes Zimmers. Einen Moment betrachtete er sie noch etwas komisch, dann hellte sich sein Blick auf: „Wie heißt das Mädchen?" Nun immerhin ein Anfang, den man Nutzen konnte.

„Serena Eileen." Sagte Feelicitas mit derselben ungezwungenen Freundlichkeit wie immer. Die Reaktion war ein deutliches Nicken, doch irgendwie wurde Feelicitas das Gefühl nicht los, das dieser Mann auch geistig nachließ.

„Ganz wie seine Mutter." sagte er leise. Feelicitas verstand nicht was er meinte. Sah Serena ihr selber ähnlich? Sah Serena, Eileen Prince ähnlich? Wegen dem Namen?

Doch er machte keine Anstalten es ihr zu erläutern und so nickte sie einfach mit einem lächeln.

Darüber kam eine der Altenpflegerinnen ins Zimmer. Es war eine andere, als die vom Empfang und sie machte nicht gerade ein sehr freundliches Gesicht, als sie den Besuch gewahrte. Wahrscheinlich war es ihr nicht recht, das man sie bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Aber nach einen kurzen Moment erstrahlte ein zuckersüßes Lächeln auf ihren Zügen: „Ja sie haben ja Besuch Tobias. Wollen sie mir die Damen mal vorstellen?"

Er wollte nicht, sondern drehte nur den Kopf weg. Feelicitas verspürte genauso wenig Interesse, aber dann klärte sie die Frau auf.

„Tobias, machen sie nicht so ein Gesicht. Sie haben mir doch immer soviel von ihrer Familie erzählt, warum erwähnten sie da nicht ihre süße Enkeltochter?"

Feelicitas konnte verstehen, das diese Frau nicht gerade seine liebste Pflegerin war, irgendetwas lag in ihren Ton, das einen sofort auf die Nerven ging. Schon alleine diese vertrauliche Anrede beim Vornamen, hätte jeden genervt.

Was wollte die Frau eigentlich hier? Feelicitas verfolgte sie mit fragenden Blicken, aber scheinbar war es unmöglich in ihrer Anwesendheit zu arbeiten. Stattdessen hatte die Pflegerin ein neues Ziel.

„Wissen sie Mrs. Snape unser Tobias erzählt uns dauernd, das seine Familie zaubern kann." Verkündete sie verschwörerisch. Tobias zuckte zusammen und Feelicitas sah ihn leicht ungläubig an, doch die Pflegerin redete unbekümmert weiter.

„Ja das Alter, wir sagen Tobias natürlich immer das er wieder herumspinnt, aber sie kennen das sicher selber. Kaum nimmt er seine Medikamente, dann geht seine Phantasie mit ihm durch."

Feelicitas hatte von Anfang an bezweifelt, das Severus Vater solche Dinge einfach enthüllen würde. Er tat ihr Leid.

„Was bringt sie dazu solche Dinge als Unsinn darzustellen?" fragte sie die Pflegerin eisig: „Glauben sie mir, sie haben kein Recht dazu mir etwas über meinen Schwiegervater erzählen zu dürfen. Zum einen sollten sie sich in ihren Beruf für solch einen Mangel an Feingefühl und Diskretion in Grund und Boden schämen und andererseits, um solche Dinge verstehen zu können, fehlen zumindest ihnen noch einige Jahrzehnte seiner Lebenserfahrung." Der Blick der Pflegerin wurde hart wie Beton: „Dürfte ich sie dann freundlich bitten den Raum zu verlassen, oder wollen sie mit ansehen, wie ihr geehrter Schwiegervater einen Einlauf verpasst bekommt?" zischte sie zurück. Feelicitas reichte es, was waren das hier für Zustände? Da bekam der arme Mann scheinbar so selten Besuch und dann wurde dieser auch noch gestört und vergrault. Sie ging mit Serena raus um Severus einiges an den Kopf zu werfen. Doch diesen fand sie weder auf dem Flur, noch im Aufenthaltsraum.

Nach einigen Minuten begegnete sie aber der Pflegerin auf dem Gang. Diese wich ihrem Blick unfreundlich aus und verschwand. Die Türe zum Zimmer von Mr. Snape stand offen und so ging sie wieder herein.

Ob man ihm gerade wirklich einen Einlauf zugemutet hatte, konnte sie nicht erkennen, aber er sah deutlich müder als eben aus.

„Ich dachte ihr kommt nicht wieder." sagte er leicht heiser, ein leichtes Glitzern stand in seinen Augen. Feelicitas setzte sich wieder auf die Bettkante: „Ich habe Severus gesucht."

Sie wollte gerade einige Probleme ansprechen, da fing er an zu reden: „ Lass ihn ruhig da wo er ist. Alleine kann ich besser mit dir reden, Kind."

Etwas befremdet war sie doch, hatte sie bis jetzt eindeutige Parallelen zwischen Vater und Sohn vermutet, so zeigte sich jetzt, das Severus doch genauso viel von seiner Mutter abbekommen haben musste. Tobias erschien ihr plötzlich wie ein ganz neuer Mensch.

„Bist du auch eine von denen?" fragte er leise und fast schon angstvoll. Nach einigen Zögern nickte Feelicitas, wand aber ein: „Ich bin bei Mug... normalen Menschen aufgewachsen." Scheinbar war das eine Antwort mit der er leben konnte, seine Züge wurden etwas weicher.

„ Sie geben mir immer so viele Tabletten, und dann rede ich manchmal etwas wirr, wie man sagt."

Feelicitas wurde es immer mehr unwohl: „Sie sind aber nicht so altersenil, wie die glauben. Lassen sie die ruhig denken sie sind verrückt, das bringt einen auch viele Vorteile. Glauben sie mir, das weiß ich aus eigener Erfahrung." Versuchte sie ihn aufzumuntern, doch er lächelte nur schwach.

„Wie kam es das sie meinen missratenen Sohn geheiratet haben? Gibt es keine unverheirateten reinmagischen Frauen in seinen Alter mehr, oder warum muss man sich an so eine junge Frau binden?" fragte er ernst. Feelicitas spürte nicht nur Neugier, sondern auch Sorge in seinen Worten. Trotz seines leicht harschen Tons, nahm sie es ihm nicht übel: „Mr. Snape, ganz so fanatisch ist ihr Sohn nicht." versicherte sie eifrig, innerlich rechnete sie aber den Altersunterschied zwischen ihm und seiner eigenen Frau aus und kam zu einen erstaunlichen Ergebnis: „Vielleicht hat er das von ihnen geerbt. Junge Frauen haben manche Vorteile. Manche Menschen meinen, die Frauen ließen sich schneller einschüchtern. Aber seien sie versichert, wir kommen miteinander gut zurecht." Es freute ihn nicht gerade was sie sagte, doch er äußerte nichts.

„Ich habe Eileen geliebt, trotz allem was ER sagen mag." Bemerkte er schließlich, doch sein Blick war etwas entrückt. Feelicitas wusste nicht viel von Severus Kindheit, aber sie wollte sich keine Blöße geben. Eileen schien aber schon länger tot zu sein.

„Na ja, das ist wohl der Grund, weswegen die meisten Menschen geheiratet haben." Sagte sie wage, doch er antwortete nicht: „Soll ich Severus holen gehen?" fragte Feelicitas sanft, doch er schüttelte nur den Kopf. Selten hatte Feelicitas etwas traurigeres gesehen: „Nein, nein dann wird es nur laut. Kann die Kleine schon laufen?"

Das war der Beweis, Serena wirkte zu ernst in den Kleid. „Sie ist gerade mal fünf Monate alt, so schnell geht das nicht. Aber wir arbeiten gerade am sitzen."

„Ich habe auch mal eine Tochter haben wollen."

In diesen Moment riss jemand die Türe auf, ein Pfleger erschien und rief in einer Lautstärke, die jeden Gehörlosen aus dem Schlaf gerissen hätte: „Tobias komm doch auch. Wir wollen doch gleich Adventsingen." Eine erstaunliche Wandlung ging in Mr. Snape vor, er wurde seltsam rot im Gesicht und keifte los: „Hau endlich ab, du Rotzbengel. Ihr könnt euch euer Adventsingen hinter die Ohren stecken. Ich sitze hier mit meiner Schwiegertochter und Enkelin und ich will meine Ruhe haben." Unterstützend zu seinen erstaunlich Kraftvollen Worten flog dem Pfleger die geschmacklose Blumenvase entgegen und prallte gegen die Wand. Leider war sie aus unkaputtbaren Kunststoff. Scheinbar schmiss Tobias Snape schon mal öfters mit Dingen. Der Pfleger machte eine hochnäsige Miene und stolzierte davon ohne die Türe zu schließen. Serena verfolgte das Geschehen mit stillen Interesse.

Das Schreien schien ihn ziemlich geschafft zu haben, er sah aus, als müsste er dringend einen Erholungsschlaf halten, doch Feelicitas hütete sich ihm das vorzuschlagen. Doch vielleicht hatte er es sich selber schon eingestanden: „Du solltest jetzt gehen Mädchen, es war schön euch kennen gelernt zu haben. Ich kann endlich wieder Zuversicht haben, das ich unsere Familie nicht in den Ruin gezogen habe, als ich Eileen heiratete. Sag meinen Sohn, das er vor Februar nicht wieder auftauchen soll, außer wenn er euch wieder mitbringt." Verkündete er immer noch ein wenig grimmig. Dann fing er an zu husten und es hörte sich nicht sehr gut an. Feelicitas war es noch nicht so aufgefallen, schließlich war sie sehr warm angezogen. Aber dadurch das dauernd die Türe zum Flur offen stand, zog es irgendwie kalt durch das Zimmer.

Es fiel ihr schwer, den Mann einfach alleine zu lassen, aber er wollte es nicht anders. Sie verabschiedete sich, ließ ihn Serena kurz abknuddeln und machte sich dann davon.

Severus fand sie vor dem Haus in der kargen Grünanlage. Sie überreichte ihm wortlos seine Tochter und stemmte dann die Hände in die Hüften: „Du magst deinen Vater nicht. Okay, das kann ich verstehen. Er mag dich auch nicht. Das kann man auch sehr gut verstehen. Aber das du es dich wagst, ihn in diesen miesen Tollhaus verkommen zu lassen, ist wirklich unter aller Würde. Und dann lässt du mich auch einfach mit ihm stehen, als wärst du feiger als der räudigste Hund. Was ist mir dir los? Dein Vater ist kurz davor zu sterben und du stellst auf stur. Ich hätte dir da mehr Vernunft zugetraut." Zwei Augenpaare schauten ziemlich ungerührt auf ihren Ausbruch und Feelicitas verstummte. Es brachte ja doch nichts. Sie riss mit einen Schnauben ihm Serena wieder aus dem Arm und dann blitzte sie ihn an. Ihr Kind musste das ja nicht unbedingt mitbekommen.

„Hat er gewollt das ich komme?" fragte Severus ruhig.

„ Er will dich nicht vor Februar wiedersehen. Aber bis dahin kann es geschehen, das du nur noch einen Sarg zu Gesicht bekommst. Was auch zwischen euch steht, das könnte die letzte Chance gewesen sein es zu begraben."

Sie schüttelte entsetzt den Kopf und schlug einen Weg ins Gebüsch ein, der zum Apparieren geeignet wäre. Severus folgte ihr. Kurz bevor er Anstalten machte die Reise anzutreten, sagte er aber noch: „ Gerade von dir hätte ich gedacht, du könntest es verstehen. Aber scheinbar habe ich mich geirrt oder du machst mir etwas vor um von deinen eigenen Familiengeschichten abzulenken."

Feelicitas entzog sich seinen Bestreben sie am Arm zu fassen: „Selbst wenn es so wäre, könnte ich es dir garantiert nicht lange vorenthalten. " Dann ließ sie ihn machen.

Kaum waren sie zuhause, steckte Feelicitas die müde Serena in die Wanne. Eigentlich sollte sie sofort ins Bett, aber sie litt unter etwas Durchfall und Feelicitas kam gegen den Geruch nicht an. Nachdem ihr Nachwuchs im Bett war, befreite sich Feelicitas selber von ihren stinkenden Sachen und nahm ein Bad. Das Altenheim und Tobias Snape selber hatten einen leicht süßlichen Geruch hinterlassen. Geruch den man nur mit Tod oder Krankheit verbinden konnte. Ob sie jemals in ihren Leben ihren Schwiegervater noch mal zu Gesicht bekommen würde, war fraglich. Das Ende der Geschichte war leicht abzusehen, das es so düster aussehen würde, machte sie aber ziemlich traurig.

Am späten Nachmittag des selben Tages kamen Severus und Feelicitas in ihrem Heimatdorf an. Feelicitas war es etwas schwindelig, sie apparierte nicht gerne an der Seite von jemand anderen und schon gar nicht so oft am Tag. Immerhin war sie beim Aufprall nicht auf den Hintern gefallen. Die schlafende Serena hatten sie schweren Herzens in der Obhut von Weirdy gelassen. Aber schon bei den letzten Malen, schien es zu keinen Zwischenfällen gekommen zu sein und so machte sich Feelicitas keine unnötigen Gedanken dazu. Viel mehr beschäftigte sie die Aufgabe, die vor ihr lag. Es würde nicht leicht sein irgendetwas zu erreichen, aber versuchen musste man es. Sie wagte viel damit, denn Severus konnte französisch und egal welche Wendung das Gespräch nehmen konnte, sie würde ihren Pflegevater nicht davon abhalten können sich verständlich zu machen und Severus aus einigen Bemerkungen auszuschließen.

Die letzten Strahlen der Abendsonne glitzerten durch die Bäume um das große Herrenhaus. Es ging auf sechs Uhr zu, Louis de Fresy würde also zuhause sein. Doch es dauerte lange bis sich auf ihr Klingeln, im Flur schwere Tritte näherten und die Türe aufgerissen wurde. Wer wen zuerst erkannte konnte man nicht sagen. Feelicitas stellte fest, das ihr Pflegevater ziemlich gealtert schien, zudem schien er seit einiger Zeit auch nicht einen Gedanken an sein Äußeres verschwendet zu haben. Adelaides Abwesendheit tat ihm nicht gut. Doch der Härte in seinen Zügen tat das keinen Abbruch. Die armen Schüler.

In Louis Blick kam erst Verständnis auf, als er die Gestalt von Severus erkannt hatte. Er schwenkte zurück auf Feelicitas und seine Augen weiteten sich: „DU!" fuhr es ihm entrüstet heraus und er war im Begriff die Türe zuzuklatschen. Das wird ein schöner Abend, durchfuhr es Feelicitas. Severus schien das ganze schon zu kennen und ein Blick von ihm brachte ihren Pflegevater dazu, sein Ansinnen aufzugeben: „Na gut, dann kommt doch rein." Louis ließ die Türe mit einem Ruck los und ging einen Schritt zurück..

„Danke." Sagte Feelicitas erleichtert, doch der Falsche bezog es auf sich.

„Nichts da danke, Felicia. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, das dein Gemahl dir gewachsen ist, könntest du dir jetzt die Beine in den Bauch stehen. Wo ist eigentlich dein kleiner Bastard, bist du ihn auch schon wieder losgeworden?" verächtlich spie Louis das Wort aus. Feelicitas wollte ihm gerade etwas passendes an den Kopf werfen, als sie einen leichten Druck an ihren Ärmel wahrnahm. Severus zog sie etwas zur Seite und baute sich bedrohlich vor seinen Schwiegervater auf: „Mr. de Fresy, wenn sie mit ihrer Äußerung meine Tochter gemeint haben sollten, dann-"

Zu Feelicitas Entsetzen platzte ihr Pflegevater in Severus Worte: „Habe ich mit ihnen gesprochen? Das hier ist eine Unterhaltung zwischen Vater und Tochter, also halten sie sich raus."

Ein wenig unwohl stand Feelicitas zwischen ihnen. Nie hätte sie gedacht, das die beiden sich ähneln könnten. Langsam begann sie sich zu fragen, wie das erste Treffen zwischen ihnen wohl verlaufen war. Zwei Männer, beide Lehrer, beide gewohnt das ihr Wort Gesetz war und ängstlicher Gehorsam folgte. Vielleicht hätte sie Severus doch nicht mitnehmen sollen. Ihr war es zum weglaufen und doch blieb sie stehen. Nach den Worten die sie heute zu Severus gesagt hatte, wäre Rückzug eine schlechte Wahl. Es würde zwar laut werden, aber da mussten sie durch.

Doch Severus hielt sich zu ihrem großen Erstaunen zurück und zuckte nur mit den Schultern. Was war denn mit dem los?

Feelicitas räusperte sich: „Du willst mit mir reden? Dazu solltest du als erstes dieses Gesäusele lassen und halt meine Töchter raus. Kannst du mich nicht einmal, bei meinen wahren Namen nennen? Es ist eine Farce die du betreibst. Ich war nie deine Tochter Felicia de Fresy, wie hätte ich deinem Traumbild auch nur ansatzweise gerecht werden können? Du hast immer unmögliches verlangt. Ich bin Feelicitas Lefay, ob es dir passt oder nicht." Louis starrte sie nur mit aufkommender Wut an, Feelicitas war es egal, sie war noch nicht fertig: „Und du alter Mistkerl, bist alles, aber du warst nie mein Vater." Zischte sie hinzu.

„Nenn mich gefälligst nicht so. Ich bin dein Vater und du hast mir Respekt zu zollen." Keifte er los. Feelicitas vermutete mittlerweile das Alkohol im Spiel war. Sonst hätte er erst mit seinen Vorwürfen angefangen, wenn sie im Wohnzimmer angekommen waren. Severus schnaubte nur, kam ihr aber nicht zur Hilfe. Was dachte er wohl jetzt?

„Respekt?" ächzte Feelicitas giftig: „Du redest mir von Respekt? Und seit wann bist du so darauf versessen mein Vater sein zu wollen? Du hast ja nicht einmal Unterlagen darüber, also tu nicht so."

Das schien ihn zu beschäftigen: „Ach, du hast es rausgefunden? Ja, schlau warst du ja schon immer." Sagte er mit plötzlich müder leiser Stimme und gewahrte wohl erst jetzt wieder, das sie immer noch im Flur bei offener Haustüre standen: „Kommt rein." Sagte er knapp und ging ins Wohnzimmer. Seine plötzliche Vernunft ging sogar soweit ihnen Plätze und Getränke anzubieten. Feelicitas ließ es verwundert zu, es änderte nichts daran, das dieser Abend niemals ruhig verlaufen würde. Aber vielleicht dämmte es die Aggressivität in der Luft etwas ein. Severus nahm den Wein an, setzte sich aber nicht, sondern betrachtete den Sonnenuntergang aus dem Fenster zum Garten heraus. Feelicitas erfüllte eine Ahnung, das es eine Taktik war. Lass sie reden und stör nicht, dabei wirst du mehr erfahren können, als wenn du dich einmischst. Feelicitas wäre gerne auch so ruhig geblieben, doch kaum hatte Louis ihr wortlos ein Glas Milch hingestellt, fühlte sie ihr Temperament wieder hochkommen. Nun, aus Wein machte sie sich nicht viel, aber es war schon unverschämt von ihm.

Mit Funkelnden Blick beäugte sie, wie Louis sich in seinen Sessel setzte und kurz seine Gäste betrachtete: „Nun, ich war schon immer der Meinung wir hätten es dir irgendwann sagen müssen. Adelaides Jammern hatte mich aber davon schnell abgebracht." Sagte er ziemlich ruhig, doch die nächsten Worte kamen deutlich gereizter raus: „Du warst drei Jahre alt und schon ein verdorbener Rotzlöffel. Adelaide hatte ihre liebe Not mit dir. Sie liebte dich schon immer über alles und dabei bist du ihre Liebe gar nicht wert."

Feelicitas seufzte: „Ach, war das so? Ich erinnere mich nicht mehr so genau, ich war wohl zu jung. Aber wenn man sich unser Familienalbum anschaut, dann sucht man dich auf den Bildern dort vergebens. Es war deine Frau Adelaide, die mich großgezogen hat, das stimmt. Aber wie kannst du uns beurteilen, wenn du in den schönen Momenten nie da warst? Sobald du kamst zog eine Wolke auf und Maman traute sich kaum einen Finger zu krümmen, du hattest nie etwas anderes im Sinn als mich möglichst bald wieder loszuwerden."

„Hätte ich es mal geschafft." Bemerkte er mit einen Hauch von Trauer und schaute sie ernst an: „Glaub mir Feelicitas du warst ein so süßes Kind. Als Adelaide dich das aller erste Mal sah, damals als du in der Hecke unserer Einfahrt hocktest, hast du auch mich täuschen können. Du zittertest wie ein kleines Vöglein, das aus dem Nest gefallen ist. Du hast nach deiner Mama geweint und dich so verzweifelt in die Arme von Adelaide geworfen, das ich selber keinen klaren Gedanken mehr finden konnte. Wir wünschten uns so sehr ein Kind und nie war es dazu gekommen. Und obwohl wir damals noch überhaupt nicht daran denken konnten, das du eine richtige Waise warst und nicht einfach nur aus dem Nachbarhaus stammtest, Adelaides erster Gedanke war dich zu behalten. Ich weiß es noch wie heute: Schau sie dir an. Gott hat ein Wunder geschehen lassen. Wir haben eine Tochter, Louis. Sagte sie und ihr Blick ließ mein Herz dahinschmelzen. Sie war so glücklich. Wir behielten dich vorerst und ich hörte mich um. Nirgendwo schienst du vermisst zu werden, man hörte nur von einer Frau, die mit ihrer Tochter plötzlich verschwunden war. Adelaide hat es dir vielleicht schon einmal gesagt, aber wir dachten wirklich deine Mutter hätte dich sitzen gelassen." Zum aller ersten Mal in ihren Leben, konnte Feelicitas Louis Sicht verstehen, doch es war zuviel gefolgt, als das es sie noch gerührt hatte. Aber ein wenig Wehmut überdeckte für einen kurzen Moment ihren Groll. Alles hätte so anders verlaufen können, doch er hatte es nie zugelassen.

Immer noch war sein Ton, zwar kalt, aber ruhig: „Was immer geschehen war, das schien dich schwer getroffen zu haben und es dauerte Wochen bis du überhaupt wieder zu reden anfingst und die Sache scheinbar vergessen hattest. Manchmal hast du noch wirres Zeug von einer toten Taube gefaselt. Wir dachten es wäre normal, dabei hätte uns schon damals auffallen sollen, das du nicht normal warst. Jeder bekam das zu spüren nur Adelaide schien blind. Doch zum ersten Mal fiel es mir erst auf, als wir wieder Abends ausgingen. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Babysitter du in deinen Leben hattest, keiner hielt es länger als einen Abend durch und dann waren sie froh wenn sie nie wieder kommen mussten."

Der Vorwurf prallte ungerührt an Feelicitas ab, doch zum ersten Mal in ihren Leben erahnte sie das volle Ausmaß von Louis Hass : „Vielleicht liegt es an den Geräuschen die das alte Haus macht. Wer das nicht kennt, bekommt es schnell mit der Angst zu tun."

Louis de Fresy schüttelte eindringlich den Kopf. Seine Stimme schien entrückt und war kaum mehr als ein Flüstern: „Oh nein mein Spatz. Es war deine Stille. Stundenlang konntest du jemanden mit diesen komischen Blick anschauen, das es ihnen unheimlich wurde. Und du konntest auf eine Art durch das Haus streifen, ohne das man dich jemals hörte. Plötzlich stand ein kleines Mädchen mit Kleid und Schleifen hinter einen und drangsalierte mit fragenden Blicken. Du warst wie eines dieser Kinder, die in Horrorfilmen vorkommen." Daraufhin musste Feelicitas lachen und selbst Severus am Fenster sah man einige Belustigung an.

„Ich bitte dich, mach dich nicht lächerlich. Wie kann man vor einer Dreijährigen so eine Angst haben? Meinst du das glaubt dir irgendjemand? Trink was, vielleicht kommst du dann wieder zu Verstand." Äußerte sie mit einen Hauch von Mitleid. Louis nahm wirklich einen Schluck seines Weines: „Ich weiß selbst, das es keiner geglaubt hat. Keiner hat je gesagt, das er deswegen nicht auf dich aufpassen wollte. Natürlich erzählten sie von unheimlichen Geräuschen und das ihnen das Haus zu einsam war. Doch in ihren Augen-" Mit fahrigen Bewegungen deutete er unterstützend mit den Fingern auf seine Augen und zischte: „-in ihren Augen sah man, was sie wirklich dachten."

„Und deshalb hast du angefangen mich zu hassen? Wie armselig. " fragte Feelicitas kummervoll. Noch nie hatte er so offen darüber gesprochen. Sie kannte immer nur seinen Zorn und wusste nie, woher er stammte. Es war traurig, doch es schien der Wahrheit nahe zu kommen.

„Du hast Adelaides Aufmerksamkeit total auf dich gelenkt." Entkam es ihm anklagend: „Sie dachte an nichts mehr anderes, als dein Wohlergehen. Aber ich argwöhnte dir. Die Jahre vergingen halbwegs ruhig und du kamst in die Vorschulgruppe. Das wirst du wahrscheinlich auch nicht mehr wissen, aber da fing es erst richtig an. Im nachhinein erschien mir das mit den Geräuschen auf dem Dachboden immer einleuchtender. Ich brauchte Jahre um es wirklich zu begreifen. Es war komisch, aber vom ersten Tag an, wo du deine kleinen Füße über die Schwelle gesetzt hast, tobte dort das Chaos. Es schien so, als wäre deine gesamte Umgebung verrückt geworden. Es verging keine Woche, wo nicht ein Kind dem anderen einen Pinsel in die Nase rammte. Man kann es gar nicht verallgemeinern, was alles vorgefallen ist. Einiges wird mir aber immer im Gedächtnis bleiben. Ein Kind baute den Bleistiftanspitzer auseinander und schnitt sich fast die Finger an der Klinge ab. Ein Junge hat sich im Turnraum unter ungeklärten Umständen am Kletterseil aufgehängt und wurde nie wieder normal. Dauernd schlugen die Kinder aufeinander und auf ihre Erzieherinnen ein. Selbst das Gruppenkaninchen ist zu Tode gekommen und man fand es eines Tages erstickt in einer Plastiktüte. Nach einiger Zeit, ahnte ich die wahren Gründe und wollte dich schon damals aus der Reichweite haben. Leider schenkte man mir keinen Glauben."

Louis de Fresys Ton wurde immer lauter und sein Kopf war mittlerweile hochrot. Feelicitas wusste gar nicht, wieso er sich so daran aufzog, obwohl sie so klare Worte von ihm das erste Mal hörte. Severus hatte sich mittlerweile von seiner aufmerksamen Betrachtung des Gartens gelöst und lauschte ziemlich offen mit unerklärlichen Blick mit.

„Über meine Kindergartenzeit weiß ich noch genug um dir wiedersprechen zu können. So selten wie ich dort war, kann ich dir aber leider nicht sagen, wie ein normaler Tag aussah. Du musst ja wahnsinnig sein, das du dir so was einredest." Sagte Feelicitas sanft, aber Louis schnaufte und wandte sich ab.

„Severus, vielleicht interessiert es dich ja, obwohl es Kindergartengeschichten sind." Dieser wiedersprach ihr nicht gerade.

„Also das allgemeine Chaos hat einen Namen, doch es trägt nicht meinen. Ich weiß leider nicht mehr wie der Kleine hieß, aber er war schrecklich. Seine körperliche Statur kam schon mit zarten fünf Jahren einem Ochsen gleich. Seine Lieblingsbeschäftigung war es sich auf seine Spielgefährten zu setzen. Und es hat ihm doppelt so viel Spaß gemacht sich auf eben die zu setzen, die ihm das mit dem Ochsen auch nur andeuteten. Entweder man machte mit, oder man lag unten. Einige machten mit und ärgerten mit ihm zusammen die Kinder. Ich tat das aber nie. Ich sagte ihm die Meinung und deswegen hatte ich schon mal seine Windel im Gesicht hängen. Du musst uns diese Grobheiten verzeihen, Severus. Es waren überwiegend die Kinder von Bauern, da geht es schon mal härter zu." Severus zog eine Braue hoch, doch Feelicitas zuckte nur mit den Schultern und wandte sich dann wieder an Louis: „War er nicht aus der Schule sogar zurückgesetzt worden, weil er so dumm war? Mitten im Jahr kam er in die Gruppe und hat uns immer terrorisiert. Das erklärt die plötzliche Unruhe in der Zeit. Deswegen waren die Erzieherinnen immer so machtlos und die Kinder so aggressiv."

Louis schüttelte nur irre mit dem Kopf: „Nein, Feelicitas mich kannst du nicht täuschen. Selbst zuhause warst du plötzlich nicht mehr dieselbe. Dich durfte niemand außer Adelaide anpacken. Mich hast du gebissen, getreten und gekratzt, wenn ich dich auch nur angesehen habe."

Feelicitas lachte bitter auf: „Kann man es mir verdenken? Da ist ein kleines Mädchen, das seine Mutter sterben gesehen hat. Dem du nie etwas anderes als böse Blicke zugeworfen hast. Jeden Tag erlebte ich im Kindergarten die Hölle mit dieser Bande kleiner Sadisten. Und dann hast du mir, wenn ich zuhause war damit gedroht mich in den Keller zu sperren. Ich wusste nie warum, aber es wahr wohl nur weil du dir dabei irgendwas eingebildet hast. Maman war nicht immer da und ich weiß noch sehr genau, das ich manche Stunden im Keller saß und mich leise in die Bewusstlosigkeit heulte. Kaum sah man deine geliebte Adelaide auf der Straße wiederkommen, hast du mich aus dem Weinkeller geschleppt und mir noch schlimmeres angedroht, wenn ich nicht Stillschweigen bewahren wollte."

„Adelaide hätte die Wahrheit nicht ertragen." Behauptete Louis und Feelicitas japste ungläubig auf: „Oh welche süße Rechtfertigung. Nicht einmal deine eigene Frau kennst du. Adelaide vertrug die Wahrheit schon immer besser als irgendjemand sonst. Nun, bevor wir das Thema restlos übergehen. Ich muss ja noch etwas zu deinen berühmten Einzelfällen sagen. Also da war das Mädchen mit der Klinge, der Junge mit dem Seil und Moppel das Kaninchen. Ich weiß nicht mehr allzu viel davon, aber wo bin ich bei diesen Vorfällen? Was kann ich dafür, das die Erzieherinnen abgelenkt waren und der Ochse sich am Seil erhängte. Und dieses Mädchen war schon immer so dumm, sie hatte sogar bei seiner Gruppe mitgemacht. Und ich kann auch nichts dafür, das irgendjemand etwas gegen Kaninchen hatte. Danach gab es übrigens einen neuen Hasen und weil wir nun einmal aus einen Kuhdorf kommen, ist der ausgerechnet zum Osterfrühstück wieder spurlos verschwunden und dann gab es ausgerechnet „falschen Hasen" zu essen. Ich glaube keiner war so dumm und hat nicht gewusst, das an dem Hasenbraten alles echt war. Wen willst du hier etwas erzählen? Die Kinder kannten es doch gar nicht anders?"

Louis gab nicht auf: „So, die Kinder kannten es nicht anders? Es scheint mir aber doch so. Wie gesagt du warst nicht immer jeden Tag dort. Ist schon komisch das an diesen Tagen Frieden herrschte."

„Du musst immer das letzte Wort haben, nicht wahr Herr Schulmeister? Alle die damals bei diesen Dingen dabei waren, leben nur ein paar Hundert Meter entfernt. Warum soll ich mich mit dir darüber weiter streiten, wenn doch allen anderen klar ist, das alles nur Zufälle waren?"

Feelicitas spürte Severus brennenden Blick auf ihrer Gestalt, doch sie hatte keineswegs vor ihn weiter zu beachten. Noch nicht. Louis de Fresys Geschichte hatte ja noch nicht einmal richtig angefangen und warum sollte sie sich rechtfertigen? Doch ihrem Pflegevater war der Blick von Severus auch nicht entgangen: „Dein Mann weiß auch, was du für eine bist. Man sieht es ihm an. Du brauchst dich also gar nicht so unschuldig anzustellen. Aber du hast dich kein bisschen geändert Mädchen. Später kamst du in die Schule und da warst du mir so nahe wie nie. Das hat wohl vor schlimmeren bewahrt, denn es ging sehr ruhig zu. Ich muss gestehen, das du überhaupt wieder eine sehr stille Phase hattest und kaum einmal gesprochen hast."

Feelicitas nickte: „In deiner Schule war es immer still. Selbst den dicken Ochsen hast du zur Räson gebracht, nachdem er sich halb erhängt hatte. Du musstest nur einmal zu seinen Eltern gehen und ihnen androhen das der Junge nun scheinbar sogar zu dumm für die Sonderschule ist. Danach hat er kein einziges Wort mehr gesagt und sich keinen Fehler mehr erlaubt. Er saß nur noch unruhig auf seinen Stuhl und hat manchmal gesabbert. Wenn wir Turnen hatten, sah man deutlich die Striemen an seinen Hintern – du musst ja wirklich Eindruck auf seine Eltern gemacht haben."

Louis nahm das als Kompliment, aber seine Miene war auch abwehrend: „Nein, so war es nicht. Erinnerst du dich noch an die Tafel, die auf deine Lehrerin gefallen ist und sie begraben hat?"

Feelicitas konnte nur noch mit dem Kopf schütteln: „Wenn wir auf die Art weitermachen, kommen wir bald noch zu der Erkenntnis das ich den Urknall ausgelöst habe. Willst du mir das auch noch ankreiden? Es war ein Aushilfslehrer, wie zu zweifellos noch weißt. Und ich erinnere mich daran, das er durch seine Größe, die Tafel ausgehebelt hat und sie ihm in die Arme plumpste. Von begraben ist keine Rede."

Es half alles nichts, Louis wurde nur wieder lauter: „Und der Baum? Was ist mit dem Baum? Na ich sehe dir doch an, das wir uns verstehen."

Feelicitas warf Severus einen überdrüssigen Blick zu, doch mittlerweile war sie es Leid: „Weißt du damals hätte ich es abgestritten. Ich weiß ja bis heute nicht, was du überhaupt meinst. Aber bei dieser Sache glaube ich selber daran das ich es gewesen bin. Es ist nicht so eindeutig. Da war dieser Sturm und der Baum war alt. Es wurde ein Zaum drumrum gespannt, bis irgendjemand ihn fällte."

„Er ist umgekippt und hat den Hausmeister kaum verfehlt." Kam es streng aus dem Mund ihres Pflegevaters.

„Falsch. Der Sturm hat ihn gelockert. Es interessierte dich damals schon nicht. Es hinderte dich nicht, mich extra dafür früher aus dem Unterricht zu holen um mir dann den Hintern zu versohlen. Das war das erste Mal wo ich gemerkt habe, das du mir zutraust sogar das Wetter beherrschen zu können. Es war schon unheimlich, denn danach ist der dumme Baum wirklich umgefallen. Doch das der Hausmeister daneben stand, kann keiner vorhersehen."

„Ja endlich kommen wir der Wahrheit näher."

„Welcher Wahrheit? Wahrheit ist Ansichtssache. Meinst du wirklich ich kann machen, das Bäume umkippen oder das ich machen kann das es jemanden weh tut? Evangelice wäre eher dazu geeignet. Selbst Dr. Beauchamp hat dauernd versucht dich von diesen dummen Gedanken abzubringen. Wie oft bist du zu ihm gerannt, ehe er deinen Wunsch erfüllt hat?"

Louis de Fresy sah aus, als ob er die Kindereien entgültig überspringen und den Hauptteil anfangen wollte. Nun außer Severus würde nie auch nur ein Mensch ihm jemals Gehör schenken. Sollte er ruhig reden, die Wahrheit kam sowieso ans Licht.

Louis Augen glommen vor Verachtung: „Es ist wie gestern und doch soll es schon zehn Jahre her sein? Wie unwirklich. Ich erinnere mich noch so gut. Du warst Acht Jahre alt und Adelaide hat dir immer diese zwei Schleifen in die Haare gebunden. Und erst dieses grünkarierte Kittelkleid das du immer trugst. Du warst der Inbegriff von Kindlicher Unschuld und hast jeden betört und blind gemacht. Vielleicht machten das deine Kniestrümpfe, ich weiß es nicht, denn ich habe dich schon immer durchschaut. Ich sehe du erinnerst dich auch noch?"

Er wandte sich zum ersten Mal offen an Severus: „Nun, vielleicht sollten wir sie auch an dem Rest unserer vielen schönen Familienerinnerungen teilhaben lassen. Sie gehören doch zur Familie."

Warum Severus nichts sagte, erschien Feelicitas schleierhaft, doch Louis redete mit grimmiger Verbissenheit weiter: „Es war ein so idyllischer Samstag. Klein Feelicitas war feingemacht wie immer und schaukelte im Garten. Die pure Unschuld. Nun, aber innerlich da war sie ja noch nie ohne, das kleine Biest. Selbst ohne ihre unheimliche Begabung. Das sollten meine Worte mittlerweile klargestellt haben. Sie müssen wissen Mr. Snape, Feelicitas wusste wie immer etwas was keiner außer ihr wusste. Sie war dabei gewesen als, unser Kohlenlieferant angerufen hatte und es würde mich nicht wundern, wenn sie direkt geplant hätte was als nächstes geschehen sollte. Als ich von meinen Samstagsunterricht nach hause kam, sagte Adelaide mir Bescheid das der Lieferant jeden Moment kommen konnte. Ich bin also ums Haus herumgegangen und habe die Kohlenrutsche befestigt. Ein Nagel fehlte komischerweise und so bin ich noch mal gegangen um Ersatz zu holen. In der Zwischenzeit muss sie es gemacht haben, diese höllische Brut. Ich kam wieder und steckte gerade den Nagel fest, stützte mich auf der Platte ab und meine Hände fanden keinen Halt. Das letzte was ich sah, bevor ich in den Kohlenkeller fiel, war die süße kleine Feelicitas, die völlig ungerührt in der Nähe stand und mich wissend betrachtete. Wenn sie das Fahradkettenöl in der Hand gehabt hätte, es wäre nicht offensichtlicher gewesen. Die Kohlenrutsche war glitschig und voller Öl und ich prallte mit meinen Beinen zuerst gegen den Stein, bevor ich im Keller verschwand. Ich brach mir das Bein und lag hilflos dort unten. Mir war klar, das sie dort stehen bleiben würde. Feelicitas genoss das Leid anderer und Mitleid kennt sie nicht. Doch das sie so eiskalt sein kann, hätte selbst ich nicht für möglich gehalten. Der Kohlenmann kam und weil die kleine Mademoiselle seelenruhig wieder zu ihrer Schaukel zurückgekehrt war oder vielleicht sogar noch hinter einen Baum stand, hinderte ihn auch keiner daran die Kohle abzuladen. Eine Winterladung Kohle kann schon schwer sein. Es begrub mich unter sich und ich wäre wohl qualvoll im Laufe der nächsten Stunden erstickt, wenn nicht der Hund des Kohlenlieferanten mein Ächzen gehört hätte und dadurch Aufmerksamkeit erregte. Ich... ich wachte erst wieder im Krankenhaus von Briancon auf. Und wen erblickte ich an meiner Seite? Feelicitas, und natürlich auch Adelaide. Ich habe sie alle versucht zu warnen, doch keiner schenkte mir Glauben."

Louis Stimme verstummte, denn Severus schaute alles andere als sehr beeindruckt oder alarmiert aus. Severus schien die Stille sogar zu gefallen und er wandte sich an Feelicitas: „Warst du es?"

Feelicitas warf ihren Mann einen tiefen Blick zu: „Wer wenn nicht du, vermag die Wahrheit in meinen Augen zu erkennen?" sagte sie sanft: „Mein Pflegevater ist ausgerutscht, weil sein eigener Ärmel voller Öl gewesen war. Zuvor hatte er nämlich seine Radkette geölt, weil sie ihm auf dem Heimweg abgesprungen war. Nur scheint er dabei auf den Kopf gefallen zu sein, keiner konnte sich erklären, wie er auf diese bitterböse Geschichte kam. Ich war ja nicht einmal in der Nähe dieser ominösen Kohlengrube, er kann also nur ein Gespenst gesehen haben. Meinst du nicht, irgendjemand hätte bei den Rettungsmaßnahmen das Öl finden müssen, welches angeblich die ganze Rutsche bedeckte?" Ein leicht herabschätzendes Lächeln stand in ihren Blick und sie schenkte es ihrem immer hilfloser erscheinenden Pflegevater.

Snape blieb beherrscht: „Nicht, wenn du Kraft deines Geistes es verschwinden lassen konntest?" Entgegnete er etwas tonlos, betrachtete aber seinen Schwiegervater nicht gerade wohlwollender.

„Aber wer denkt schon an so was?" entkam es ihr mit einen Hauch von Mitleid: „Der arme Mann, war ganz außer sich, als alle ihn für den Verrückten hielten? Er hatte nie auch nur ein Wort über seine angeblichen Beobachtungen und Beweise verloren, man musste doch meinen, er hätte plötzlich den Verstand verloren. Das arme kleine Mädchen, haben sie alle gesagt. Er weiß nicht was er sagt, versuchten sie mich zu trösten. Doch ich wusste es besser. Jedes Wort das er in die Welt schrie, hatte er nun bewusst geäußert. Nicht ich habe meiner Mutter das Leben schwer gemacht. Er war es mit seinen Wahn. Hier im Ort mochte mich keiner so richtig, und ich fragte mich schon immer warum ich nicht dazu gehörte. Warum ich so anders war. Ich dachte Stundenlang darüber nach, warum ich dauernd von ihm verprügelt und eingesperrt wurde. Er musste erst dem Tod nahe sein, eh er mal mit seinen verqueren Ansichten herausrückte."

Louis schrie plötzlich auf und kam bebend und mit dem Finger auf Feelicitas zeigend näher: „Da sehen sie wozu sie fähig ist?"

„Sei still Muggel!" herrschte Severus ihn an und Louis schwieg urplötzlich.

„Nein, Severus lass ihn ruhig reden. Vielleicht sieht er dann ein, was für einen Unsinn er von sich gibt. " Widersprach Feelicitas sanft: „Er wird nie wieder so eine gute Gelegenheit haben. Ich weiß was jetzt noch kommt und ich glaube du ahnst es sowieso schon."

Einen Moment schaute Louis noch von einem zum anderen, dann wagte er wieder seine Stimme zu benutzen: „Von diesen Tag an wusste ich, ein Dämon ist im Haus. Ich ließ sie nicht mehr aus den Augen. Ich ließ sie nicht mehr nach draußen und doch konnte ich nicht abwenden, das sie doch Wege fand Unheil anzurichten. Sie war viel zu schnell gewachsen. Irgendwann mit elf Jahren fing es an und mit Zwölf hätte man sie für sechszehn halten können. Wären da nicht diese Kinderkleider gewesen, die Adelaide ihr immer anzog, ich hätte es früher erkannt. Sie hat sich unter unseren Augen mit einem Mann eingelassen. Wir haben nie gewusst, wie sie es gemacht hat oder mit wem. Es war Sommer, sie verließ nie den Garten. Und die paar Mal, wo sie an den See geschlichen war, standen im Kontrast zum Geburtstermin. Nun, das ist vielleicht nichts, was ich näher erläutern muss. Es zeigt nur, das sie zu allem fähig ist. Bald blähte sich der Bauch dieser rolligen Katze auf wie ein Kürbis und wir mussten sie ganz aus der Schule nehmen. Adelaide stand auf ihrer Seite. Das Kind kam zu früh, aber genau zwei Wochen später verschwand es spurlos. Das war ihr Fehler, der Erste den sie nicht vertuschen konnte. Und sie beging noch einen zweiten. Alle Welt war in Aufruhr, der ganze See wurde durchtaucht und wir haben auf sie eingeredet wie verrückt. Doch je mehr wir sagten umso stiller wurde sie. Das einzigste was man aus ihr herausbekam war die irre Geschichte über eine Entführung aus dem Nichts heraus.

Ich hatte sofort vor sie endlich Dr. Beauchamp vorzustellen, doch Adelaide wollte es nicht zulassen. Also habe ich Adelaide unter einem Vorwand weggeschickt und mich persönlich um unsere Zumutung gekümmert. Ja Feelicitas weiß schon was jetzt kommt. Na soll ich es deinem Mann sagen?" mit irren Glitzern in den Augen blickte Louis sie an.

Feelicitas war es etwas unwohl, doch eigentlich hatte sie nicht viel selber zu sagen: „Bitte, tu dir keinen Zwang an."

Louis Grinsen wurde stärker: „Wir hatten ein intensives Gespräch. Nun, ich hätte sie in ihren Zustand nicht übers Knie legen sollen und auch die Flecken im Gesicht waren nicht gerade mein Vorteil. Alles half nichts. Wir befanden uns damals in der Küche und in meiner Verzweiflung wanderte ich unruhig herum. Das kleine Biest schlurchzte herum und ich sagte ihr, sie sollte sich das Gesicht waschen, bevor Adelaide wiederkommen konnte. Sie hielt ihre Kopf unters Wasser und ich achtete nicht weiter auf sie. Erst als ich plötzlich gar nichts mehr hörte, blickte ich wieder auf. Da stand sie und hielt das Fleischmesser in der Hand. Ihr Blick war leer und sie spielte damit herum, das ihr schon die süßen Händchen bluteten. Mich erfüllte plötzlich die Angst, das sie sich etwas antun wollte und so stürzte ich auf sie zu und wollte ihr das Messer entwinden. Doch ich schaffte es nicht. Sie schaute nur kurz auf und dann ohne irgendeine Regung im Gesicht, stieß sie mir das Messer in den Bauch." Louis de Fresys Gesicht war verzerrt, es schien so als hätte er diesen Schock bis heute nicht überwunden. Er stand auf und zog das Hemd hoch. Eine dicke Narbe an der Seite verunstaltete seinen Bauch: „Sie hat knapp die Milz verfehlt, sonst hätte sich ihr Wunsch erfüllt. Ich brach zusammen und die Welt um mich vernebelte sich. Sie stürzte an meine Seite und ich dachte, sie sticht noch mal zu. Das hat sie nicht, doch ihr Gejammer höre ich noch heute: Das wollte ich nicht, nein, das habe ich nicht gewollt. Natürlich hat sie das nicht, es war zu offensichtlich. Sie hätte bessere Wege suchen sollen, schließlich war das mit der Kohlenrutsche schon einfallsreicher. Doch ihr Schreien brachte Adelaide wieder her." Louis warf einen hassenden Blick auf Feelicitas, diese entgegnete es stumm.

„Sie verfügt heute noch über genau denselben Blick wie damals. Kaum zu glauben das auch das unter den Teppich gekehrt wurde. Man brachte mich ins Krankenhaus und stellte mich wieder her. Feelicitas erzählte etwas von einem Unfall, dabei blieb sie erstaunlich nahe an der Wahrheit und trotzdem glaubte mir keiner. Ihre blauen Flecken schienen Eindruck zu machen. Doch wenigstens einer glaubte mir und das war Dr. Beauchamp. Gegen Adelaides Willen habe ich sie in seine Obhut gegeben und dort blieb sie einige Zeit. Aber meine Frau wurde immer blasser und ich konnte es mir nicht ansehen. Sie drohte damit mich zu verlassen, wenn ich nicht die Entlassungsurkunde unterschreiben würde. So kam Feelicitas also wieder nach Hause. Und in den nächsten Jahren hielten wir uns voneinander fern. Sie war mir egal und ist es bis heute. Adelaide sollte sich ruhig mit ihr herumärgern. Mehr als ein wenig Privatunterricht habe ich ihr nicht mehr erteilt. Sie konnte ja nicht mehr in die Schule gehen, der ganze Skandal um das Kind und so weiter." Louis Blick verriet mehr als nur Überdruss.

„Da warst du aber froh, als ich endlich verschwand. Nun aber wir wissen ja, das sich dir vorher schon eine Möglichkeit geboten hätte. Warum hast du mir meinen Brief nicht gegeben?"

Louis lachte auf: „Ah, jetzt wird mir einiges Klar. Meine Frau ist also deine Komplizin. Nun Mädchen, das hat einen einfachen Grund, Adelaide hätte ohne Kind nicht leben können und ich wollte dich in dein eigenes Unglück laufen sehen. Dieser Brief hätte dir nur Möglichkeiten gegeben. Ich habe noch nie so richtig daran geglaubt, das du ganz alleine auf der Welt warst. Doch so war es besser, du hast keinen Schulabschluss, keine Aussichten für die Zukunft. Es hat mich überhaupt nicht erstaunt, das du aus deinen Urlaub nicht zurückgekommen bist. Ich hatte es fast schon gehofft." Spie er aus.

„Aber ich durfte doch nur nach England, weil ich sonst ausgezogen wäre. Du hättest mich leichter loswerden können."

„Ja, aber Adelaide hätte es mir dann zum Vorwurf gemacht. So konnte ich ihr sagen, das ich dich gesucht hätte, du aber wahrscheinlich lieber unter irgendeiner Brücke hängen wolltest. Wie hast du es eigentlich geschafft, diesen Mann an dich zu binden?" Die Neugier machte seine Augen ganz gierig.

„Das werde ich dir nicht sagen, denn es geht dich gar nichts an. Nur jetzt wo wir wieder in der Gegenwart angekommen sind, darf ich doch auch mal meinen Grund des Besuches nennen, oder?"

Louis wirkte ein wenig verblüfft, darüber hatte er sich wohl noch keine Gedanken gemacht.

„Weißt du Maman hat entschieden, das ich es dir lieber selber beibringe. Also es hat sich herausgestellt, das ich magisch bin. Das heißt ich kann zwar keine Bäume umkippen lassen und Kinder zu schlimmen Taten zwingen, aber ich kann zaubern. Und Severus kann das noch viel besser." Fügte sie hinzu. Louis schaute leicht verwirrt auf. Doch nachdem Feelicitas ihren Zauberstab gezogen hatte und ihr Glas Milch verschwinden ließ, legte sich sein Unglauben. Zehn Minuten später kam er endlich wieder davon ab, sie als Höllenbrut zu beschimpfen. Warum er kein Wort über Severus verlor, war schon komisch.

„Nun, also wenn wir schon aus der Hölle stammen, dann musst du dich darauf gefasst machen, das der Teufel persönlich hier auftaucht. Doch wir können etwas dagegen tun. Es gibt einen Schutzzauber, den wir über das Haus legen können, so das kein Feind euch finden kann. Außerdem will Adelaide, das wir Weihnachten zum Essen kommen. Ich-"

„Nein!" ertönte es strikt von Louis: „Nein du kommst mir nicht ins Haus, wenn mein Kind da ist. Und von euren Teufelswerk will ich auch nichts wissen. Macht das ihr fortkommt." zeterte er aufgebracht. Severus schaltete sich sein: „Mr. de Fresy das ist die Entscheidung eines Narren. Unterschätzen sie nicht die Gefahr die auf ihnen liegt."

„Unterschätzen? Niemals. Aber wer Feelicitas kennt, hat keine Angst mehr vor anderen Menschen." Damit sprang er auf und öffnete die Türe: „Geht und kommt nie mehr wieder."

Feelicitas hatte sich mittlerweile auch erhoben und trat an Severus Seite. Sie deutete ihm, nichts weiteres zu unternehmen: „Komm Severus. Wir können ihn nicht zwingen. Er wird schon merken, das Adelaide einer anderen Meinung ist." Sagte sie kühl.

Damit ging sie zur Türe: „Ich wünsche dir noch ein gesegnetes Leben. Aber du musst uns jetzt entschuldigen. Unsere Tochter erwartet uns schon heiß und innig. Wir wollen doch nicht, das sie uns vergisst." Sie warf ihm noch einen langen und tiefen Blick zu. Das sein Sohn Maurice schon so lange weg war, schien ihn sehr zu treffen.

Drei Stunden nachdem sie das Haus betreten hatten, verließen die zwei Gestalten mit dem dunklen Umhängen es wieder. Sie gingen noch einen Moment durch den Wald und Feelicitas machte ihrem Ärger Luft, das Louis de Fresy so engstirnig war. Doch irgendwann beruhigte sie sich wieder. Der Ort weckte in ihr alte Erinnerungen: „Ich weiß gar nicht mehr, wo meine Mutter ihr Leben gelassen hat. Ich werde wohl damit leben müssen, das sie überall ist." Sagte Feelicitas: „Spürst du irgendeine Magie in der Luft, die irgendwas mit diesen Artefakt zu tun haben könnte?" Sie blieben stehen und Severus schaute sich um.

„Selbst Dumbledore würde dir so etwas nicht genau nennen können. Wir müssten das ganze Dort auf den Kopf stellen, es könnte jede Tasse sein oder irgendwas sonst." Sagte er leicht ungeduldig.

„Wir müssen also befürchten, das es für immer ein Geheimnis bleiben wird?" fragte sie leise und er nickte. Es war niederschmetternd, aber er hatte recht. Es musste schon Zufall sein, das man jemals eine neue Spur dazu finden konnte.

Sie gingen ein Stück und nach einer Weile fragte sie: „Was denkst du jetzt von mir?"

Severus Blick streifte sie nur kurz in der Schwärze der Nacht: „Er kennt dich nicht besonders gut, aber er ist besessen von dir." Sagte er knapp und Feelicitas musste lächeln: „Das ist nicht die Antwort, die du mir geben solltest." Beschwerte sie sich halbherzig.

„ Ich habe immer schon mit etwas ähnlichem gerechnet." Sagte er und Feelicitas sah ihn fragend an: „Warum denn das ?"

„Weißt du noch, wie du damals meine durch den Communio- Zauber verschlossene Wohnungstüre gesprengt hast?"

Einen Moment zögerte Feelicitas, doch dann erinnerte sie sich wieder, obwohl der Zauber ihr nichts sagte: „Zuvor habe ich deine Schläfrigkeit ausgenutzt und dir einen Stupor aufgehalst. Das war einer meiner persönlichen Höhepunkte, wie könnte ich das vergessen?" äußerte sie milde.

„ Das ist nebensächlich. Aber du hast die Türe aufbekommen. Es zeigte mir zwei Dinge auf. Der dunkle Lord hat dich mit einigen Wissen gefüttert und dein Verhalten kann man im voraus nicht einschätzen. Ich hätte nicht gedacht, das du den Rimosus-Zauber überhaupt kennst. Er hatte nicht die volle Kraft, doch meine Türe hatte genug abbekommen. Sie wieder herzurichten dauerte Stunden."

Feelicitas konnte bei der Gelegenheit sich nicht verkneifen zu fragen: „Wer hat dich eigentlich gefunden? Dumbledore kann es nicht gewesen sein, er hätte bei deinen unbekleideten Anblick tiefere Rückschlüsse gezogen."

Er verzog das Gesicht: „ Nein das hätte alles verkompliziert, aber es war Filch."

Langsam näherten sie sich wieder dem Waldrand: „Wird dein Wissen jetzt irgendwas verändern?"

Er schüttelte den Kopf: „ Sehe ich so aus, als würde es mich kümmern, was du diesem törichten Muggel getan hast oder was er sich zusammen gesponnen hat? Das einzigste was mir zu denken geben könnte, sind seine Handlungen an dir. Selbst dein Psychiater schien es nicht für nötig zu befinden diese alten Geschichten wieder aufzunehmen und mir unter die Nase zu reiben. Und das einzigste was immer noch schleierhaft ist, ist die Sache mit Letizia. Es kann eine Katastrophe ausgelöst werden, wenn plötzlich jemand mit der Geschichte rausrückt und falsches beabsichtigt."

Feelicitas sagte leise und etwas bedrückt: „Meine Großmutter ist zuversichtlich, das sich alles einmal in Wohlgefallen auflösen wird."

„Schwer zu glauben." Erwiderte er, dann schien er zu einem Entschluss gekommen zu sein: „Feelicitas, als wir bei meinen Vater waren, hast du bestimmt genug mitbekommen, das ich dir die Details meiner Kindheit ersparen kann. Aber wie du zweifellos auch weißt, bin ich nicht lange Opfer geblieben. Ich musste kein Messer brauchen um meine Pläne in die Tat umzusetzen, mir stand meine Magie bei. Als ich in deinen Alter war, hatte ich weitaus mehr zu verantworten als du. Und ich war immer sehr kreativ dabei. Zweifelsohne wird es dir in keinen Buch begegnet sein, denn diese Sprüche habe ich selber erfunden. Aber dem dunklen Lord werden manche meiner Kreationen ein Begriff sein und er hat sie vielleicht mal erwähnt. Mit einen einzigen Wort konnte ich mich sehr gut verständlich machen. Der Sectumsempra-Fluch reißt den Körper auf, das das Blut durch den ganzen Raum spritzt. Oder da wären auch der Fidicula-und der Deglubus-Fluch. Der erste reißt die Gelenke aus den Gliedmaßen und der andere bewirkt eine stellenweise Häutung. Du bist dir sicher im klaren, was es bedeutet."

Feelicitas wurde etwas bleich im Gesicht, doch kein Ton entkam ihr.

„Ich will jetzt nach Hause." Sagte sie nach einer Weile leise. Severus fasste sie am Arm und dann apparierten sie fort.

Fortsetzung folgt...

Ich kann nur eines sagen: Die Wahrheit ist Ansichtssache.

Alle für die Feelicitas mehr als ein unausgereifter Charakter ist werden wissen, was sie für wahr halten müssen und was missverstanden wurde.

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