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30. Ein dreckiger Hinterhof
Drei Monate später...
Severus Worte hatten der Wahrheit entsprochen, er hatte sich nicht mehr blicken lassen. Feelicitas wusste immer noch nicht, wie sie das finden sollte. Es war so, als hätte sie überhaupt nichts mehr mit irgendwas zu tun. Niemand scherte sich um sie, niemand schien sich dafür zu interessieren, was aus ihr gewesen war. Niemand erläuterte ihr was draußen vor sich ging. Sie hatte weder den Tagespropheten um sich zu informieren, noch den Mut sich einfach selber einen Überblick zu beschaffen.
Aber das war eigentlich auch nebensächlich. Es konnte nichts mit ihr zu tun haben. Sie war gerade auf dem Abstellgleis und es würde noch Monate dauern, ehe jemand sie eines Blickes würdigte. Niemand scherte sich darum, was sie gerade, wo machte. In den ersten Tagen blieb sie noch zuhause und ließ sich die Decke auf den Kopf fallen. Sie war die Herrin im Haus und konnte tun und lassen was sie wollte und das kostete sie auch weidlich aus. Niemand war mehr da, den es stören könnte, wenn sie überall ihre Sachen verteilte, selbst Weirdy schien nicht mehr so versessen darauf zu sein, peinlichste Ordnung zu halten. Feelicitas konnte sich durch das ganze Haus wühlen und musste nicht jedes mal alles wieder aufräumen, damit Severus nicht merkte, das sie daran war. Doch obwohl sie alles hatte um glücklich und zufrieden sein zu können, irgendetwas fehlte ihr. Und das Gefühl verging auch nicht, obwohl sie zu der Erkenntnis kam, das niemand kontrollieren konnte oder wollte, ob sie den ganzen Tag zuhause war, oder was sie sonst so machte und sich ihr ungeahnte Möglichkeiten boten.
Selbst wenn sie sich jetzt Neun Monate ins Bett legte, falls das Kind nicht geboren werden sollte, würde das auch nichts ändern. Es gab aber auch nicht den geringsten Hinweis auf irgendwelche Komplikationen. Ihr wurde nicht übel, ihr tat nichts weh, nicht einmal ihr Bauch meldete sich mit einem zaghaften Grummeln zu Wort. Es schien alles in bester Ordnung zu sein und wenn ihre Regel nicht schon zum dritten mal in Folge ausgeblieben wäre, hätte sie selber daran gezweifelt, das sie wirklich schwanger sein sollte.
Also nutze Feelicitas ihre Zeit und machte Ausflüge mit Serena. Sie stiegen in die einzige Buslinie, die aus dem Ort führte und schauten sich mal die Umgebung an und fanden eine andere Welt. Eigentlich wollte Feelicitas nur den Park wiederfinden, in dem sie mal mit Severus gewesen waren, doch fand sie noch ganz andere Zerstreuungen. Sie merkte das sie alles machen konnten und das taten sie auch. Geld hatte Feelicitas ausreichend und falls es notwendig sein würde, wusste sie auch, wie sie zu mehr kam, Severus hatte ihr schließlich schon zu Anfang an erlaubt an sein Konto bei Gringotts zu gehen. Sie gingen einkaufen und gönnten sich ein paar neue Kleider, die mal nicht aus selbstgestrickten bestanden und in der Muggelwelt keinen Anstoß erregen konnten. Serena bekam einen Sportkinderwagen aus dem Secondhandshop und sie waren somit auch endlich gerüstet auf längere Zeit unter Muggeln zu verkehren, ohne komisch angestarrt zu werden. An einigen Tagen nahmen sie an einem Babyschwimmunterricht teil und besuchten eine Krabbelgruppe, wo Serena endlich andere Babys kennen lernte. Zwar schien ihr das ganz egal und sie hatte nur Augen für ihre Mutter, aber Feelicitas fühlte sich selber viel besser, das Serena wenigstens die Möglichkeit hätte sich umzudrehen und mit ihren Altersgenossen zu verkehren. Serena hatte aber kein Interesse und rümpfte nur ihr Näschen, wenn ihr eines der Kinder, zu nahe kam. Feelicitas hatte in den letzten Wochen sich sehr viel Zeit genommen, Serena das krabbeln beizubringen. Und mittlerweile kroch das Kleinkind schon mal öfters ein paar Meter hinter ihr her und rief nach ihr. Feelicitas wusste, das es leichtsinnig war Serena einfach frei rumkrabbeln zu lassen, aber Severus Warnung wegen der plötzlichen Magieentfaltung war ihr immer noch geläufig genug um Serena immer im Auge zu behalten.
Endlich sah es so aus, als ob Feelicitas ihr Leben zum ersten Mal alleine in den Griff bekam und dabei scheinbar auch noch sehr gut für ihr Kind sorgte. Sie genoss ihre Ungebundenheit in vollen Zügen und es verging kaum ein Besuch auf dem Spielplatz, wo sie nicht schnell Anschluss fand. Zwar wussten viele sie nicht richtig einzuschätzen, weil sie als alleinerziehend durchging, aber immer noch ihren silberne Ehering auf dem kleinen Finger trug, doch Feelicitas stellte fest, das auch junge Mütter noch zum anbaggern taugten. Früher war ihr so was nie geschehen und sie machte ihr neues Auftreten dafür verantwortlich. Und vielleicht sah man ihr auch an, das sie sich richtig für ihr Kind begeistern konnte. Die anderen Mütter auf die sie traf kamen nur für die Unterhaltung untereinander zusammen, und versuchten von der Aufsicht ihres Nachwuchses loszukommen. Feelicitas aber ging es nur um Serena. Und zudem konnte sie plötzlich alles tun, das ihre düstere Kindheit ihr vorenthalten hatte. Vielleicht tat sie genau das, was ihre Mutter damals in ihren drei gemeinsamen Jahren mit ihr gemacht hatte. Klee sagte, Miriel hätte sie antiautoritär erzogen und alles für sie getan. Feelicitas musste lächeln, denn Serena selber war auf dem besten Wege von ihr richtig verzogen zu werden und ein neues Geschwisterchen würde dringend notwendig sein. Feelicitas war weit und breit die einzigste, die alles mit ihrem Kind machte und nicht nur Interesse vorgab. Sie schaukelten zusammen, rutschten gemeinsam die Rutschbahn hinab und plumpsten in den Sand. Wenn die Jahreszeit es zugelassen hätte, wäre sie mit Serena noch zusammen Sandkuchen backen gegangen. Sehr viel Aufsehen erregte es, wenn sie sich gegenseitig hemmungslos mit Schokoladeneis fütterten, ohne sich auch nur an einem der schrägen Blicke zu stören, weil das meiste davon nicht im Mund landete und Serena ein wirkliches Ferkel war. Feelicitas war es egal, was man ihr dazu sagte und wie sie selber nach solchen Experimenten aussah. Was der Schrecken der übrigen Mütter war, schien einige Männer anzusprechen. Die meisten hatten selber Nachwuchs im Schlepptau und suchten Anschluss, doch genauso wie ihre Tochter andere Gesellschaft verschmähte, so machte Feelicitas es auch und hielt sich neuen Ärger vom Hals. Mehr als kurze Wortwechsel waren nicht drin. Sie waren sich alleine genug.
In den ersten Wochen war das noch anders gewesen und da hatte sie noch verzweifelt Kontakt gesucht. Feelicitas schickte ihrer Großmutter erneute Briefe in denen sie darum flehte endlich Antworten zu bekommen. Sie legte natürlich auch die Briefe für die Evonshares hinzu, doch nicht ein Brief kam zurück. Ob es daran lag, das Synaile ihr die Antwortschreiben vorenthielt, oder ob es reiner Zufall war, das sich niemand bei ihr meldete, konnte keiner mit Bestimmtheit sagen. Aber Feelicitas fühlte eine tiefe Verstimmung in sich aufkommen, was immer Synaile hattek, sie würden es nicht klären können bis Feelicitas persönlich die Möglichkeit haben würde, sie zur Rede zu stellen. Es verletzte sie zutiefst, doch je mehr die Zeit verging, desto mehr nahm sie es mit Gleichgültigkeit auf. Sie hatte anfänglich überlegt, vielleicht mit jemanden aus dem Orden Kontakt aufzunehmen, doch dann scheute sie sich doch davor. Das hätte geheißen, das man ihr wahrscheinlich wieder irgendwelche Anweisungen hätte geben wollen. Niemand hatte versucht auch nur einmal mit ihr in Kontakt zu treten. Weder Remus, noch Mrs. Weasley oder Madame Pomfrey. Feelicitas war etwas beleidigt deswegen, obwohl sie wusste, das niemand sie vergessen hatte. Es musste daran liegen, das ihre Wege total verschieden waren oder weil sie sich die Umwege eines Briefes sparten und Severus fragten. Zu mehr war bestimmt auch keine Zeit, sie hatten alle ihr eigenes Leben und den Kampf um die gute Sache am Hals. Und Madame Pomfrey lebte für ihre Arbeit. Solange Feelicitas ihr diese nicht bot, waren die Gedanken der Krankenheilerin nur bei ihren Patienten. Feelicitas empfand ein wenig Verbitterung darüber, plötzlich ganz alleine zu sein. Oder wenigstens sich so zu fühlen. Am liebsten hätte sie den Evonshares selber einen Brief zukommen lassen, doch die Gefahren waren zu groß und sie wollte es ihnen nicht antun, das plötzlich haufenweise Dunkelmagier Lerwick durchstreiften, weil Voldemort sich fragte, was sie dort denn dauernd tat. Ulysses Rathburn schien zwar zu ahnen, das sie sich nicht umsonst in Lerwick getroffen hatten und hätte es verraten können, doch immerhin gab es da auch andere Erklärungsmöglichkeiten. Liam stammte von Kindheit her aus Lerwick, vielleicht hatte er deshalb den Wald für das Treffen ausgesucht oder irgendwas anderes. Aber ein direkter Brief wäre sehr eindeutig.
So mied sie weiteren Kontakt und blieb alleine. Doch irgendwann packte sie auch der Drang, die magische Welt näher zu erkunden und so kam es zu dem folgenschwersten Geschehen in diesen Monaten. Eines milden Märztages schnappte sie sich einfach ihre Tochter und ihre Umhänge und mithilfe des fahrenden Ritters reisten sie nach London um der Winkelgasse einen Besuch abzustatten.
Es war nicht gerade voll und im Gegensatz zum letzten Besuch, der fast ein Jahr her war, wirkte alles grau und ausgestorben. Der Frühling war noch nicht richtig ausgebrochen und ein düsterer Schleier lag über vielen Mienen, doch obwohl es Feelicitas tief ins Herz drang, tat sie ihr bestes um es zu ignorieren. Sie durchstöberte jeden Laden nach Herzenslust und fand so einiges, wovon sie ein Leben lang geträumt hatte. Besonderen Spaß hatte sie an den magischen Gemälden und als sie merkte, das man diese auch selber machen konnte und es auch nicht so schwer aussah, deckte sie sich mit einem Anleitungsbuch, Farben und Leinwand ein um sich selber ein Bild ihrer Tochter zu malen und das Kinderzimmer ein wenig mit bunten Zeichnungen aufzuhellen.
Doch nicht nur dem Angebot in den Läden galt ihre Aufmerksamkeit. London war eine der Hauptmetropolen magischer Besiedelung. Über den Läden und in den diversen Querstraßen lebten Menschen und die hatten Kinder. Feelicitas wollte endlich wissen, was magische Kinder vor ihrer Einschuldung in Hogwarts machten. Sie fand einiges, aber das beste war etwas, das wie ein Kinderhort aussah und schon von draußen einen ziemlich angenehmen Eindruck hinterließ. Sie wäre gerne mal reingegangen und hätte sich umgeschaut, doch eigentlich war das viel zu früh. Serena würde erst in einigen Jahren so etwas brauchen und wer wusste, ob dann die Leitung noch dieselbe war, oder ob den Kindern hier dann rassistische Phrasen eingetrichtert wurden und eine Auslese zwischen Reinblut und Halbblut veranstaltet wurde. So wie es gerade den Anschein hatte, war diese Zukunft gar nicht mal so fern. Jeder schien hier nur auf eines aus, nur keine Aufmerksamkeit erregen. Auf der ganzen Straße war ihr nur ein Laden für Scherzartikel aufgefallen, dessen Inhaber sich nicht scheuten, Stellung zu beziehen.
Feelicitas wusste, das es ziemlich leichtsinnig war, aber sie hatte nicht unbedingt das Gefühl, das ihr jemand Bekanntes begegnen würde, also ließ sie auch die Knockturngasse nicht aus. Es war eine komische Straße, und um nichts auf der Welt, wäre sie in die kleinen Hintergassen getreten. Aber vielleicht war es auch einfach ihr unbefangenes Auftreten in dieser Zeit, das niemand sie behelligte. Warum sollte man mit einem Kind nicht dort hingehen, wenn man wahrscheinlich nichts zu verbergen hatte? Sie tat einfach so als würde sie dorthin gehören und wähnte sich in Sicherheit. Auch wenn sie sich sicher war, das hier Muggelkinder unter der Ladentheke verkauft wurden, glaubte sie nicht daran, das sich auch nur einer an sie oder Serena heranwagte. Und schon gar nicht an helllichten Tag. Verrufen war Feelicitas selber, da würde auch die Knockturngasse nichts dran ändern können. Es war ja nicht illegal dort rumzulaufen. Außerdem wollte sie mal einigen Dingen nachforschen, die ihr noch schleierhaft waren.
Also war sie einfach mal in einige der Läden gegangen. Meistens waren es ziemlich dunkle Räume und das Angebot bot nichts das ihr bekannt war oder das sie gebraucht hätte. Verschrobene Gestalten fragten sie nach ihren Begehr und die Luft in den finsteren Ladenlöchern, war so dick und erstickend, das einem Angst und Bange wurde. Feelicitas ließ es sich aber nicht anmerken und nach kurzen Umsehen, machte sie das sie wieder herauskam, damit Serena endlich wieder atmen konnte. Eigentlich war die Knockturngasse langweilig, wenn man keine illegalen Sachen haben wollte. Feelicitas wollte von ihrem Vorhaben schon absehen, doch dann fand sie endlich was sie gesucht hatte. Einen ganzen Laden, voller Schmuck, exotische Amulette und Steinen, der wenigstens von Außen ein wenig seriös wirkte. Zumindest sah es von innen immer noch so aus, als wäre es ein angesehenes Geschäft. Eine etwas dürre, aber nicht gerade unheimlich aussehende Afrikanerin in mittleren Jahren, stand hinter der Ladentheke und blickte sie offen an: „Kann ich ihnen helfen?" fragte sie höflich und Feelicitas nickte und bemühte sich sicher aufzutreten: „Ich hoffe es doch. Sie sind mir empfohlen wurden, es wäre unverzeihlich, wenn es zu unrecht geschehen ist." Erwiderte Feelicitas bemüht desinteressiert und begutachtete mit beiläufigen Blick das Angebot der Vitrinen. Die Afrikanerin bemühte sich hinter ihren Verkaufstresen hervor und versuchte besonders zuvorkommend zu sein: „Dürfte man fragen, wer sie uns empfohlen hat?" fragte sie geschmeichelt und Feelicitas lachte innerlich. Es war doch immer dasselbe, man musste den Menschen nur etwas erzählen und sie überschlugen sich direkt. Mit geringschätzigen und arroganten Blick schaute sie an der Frau vorbei: „Na, sind wir etwa indiskret? Sie kennen ihre Stammkunden doch am besten selber. Namen zu nennen, ist da manchmal unmöglich." Komischerweise schien das die Afrikanerin mehr als zufrieden zu stellen. Na gut, Feelicitas hatte es zwar nicht erwartet, aber es sagte ihr das sie hier richtig sein musste: „Ich suche für meine Tochter etwas ganz besonderes. Sehen sie hier diese Kette?" Feelicitas zeigte der Frau Serenas Kette mit dem Schlangenanhänger und redete unbekümmert weiter: „Eine sehr wertvolle Geburtsgabe, Aber ich habe in letzter Zeit das Gefühl die Magie lässt nach und würde gerne, das sie mal einen Blick darauf werfen. Es wäre ziemlich bedauerlich wenn der Schutz zerstört wäre und kein Ersatz vorhanden ist. In den heutigen Zeiten kann man sich nicht genug schützen, all dieses Geschmeiß auf den Straßen. Man weiß ja nie, was man sich da nicht alles fangen kann."
Feelicitas hatte das Gefühl gerade totalen Unsinn zu reden, doch war es ihr großspuriges, hochmütiges Auftreten, oder vielleicht auch eine doppeldeutige Botschaft, die Verkäuferin schien ihre letzten Vorbehalte zu verlieren und ihre Kundschaft als sehr wichtig einzuschätzen, oder auch gefährlich, man wusste es nicht.
„Sie haben recht daran getan, damit zu uns zu kommen." Sagte die Frau leicht atemlos und schaute sie mit großen Augen an, als wüsste sie sehr genau wer der Auftraggeber dieses Dinges war. Sie zupfte nervös an der Kette herum, obwohl Serena ihre dürren Finger wegschupsen wollte: „Es ist unsere Schuld, wir ... wir werden uns sofort darum kümmern." Verkündete die Frau ziemlich verängstigt. Feelicitas bekam ein ungutes Gefühl, vielleicht hätte sie sich eine andere Geschichte einfallen lassen sollen. Sie hätte von selber die Möglichkeit bedenken müssen, das die Kette natürlich aus diesen Laden stammte und das es bestimmt nicht gut war, wenn das Ding kaputt wäre. Nun, es war geschehen, da konnte sie jetzt keinen Rückzieher machen, selbst wenn ihr die scheinbare Todesangst der Frau deutlich unangenehm war.
„Wir entschuldigen uns vielmals, meine Schwester und ich bieten eine hohe Sicherheit und effiziente Arbeit, das müssen sie glauben. Der Name Ukele steht für einzigartige und hochqualitative Anfertigungen nach Wunsch. Es muss ein Versehen sein, das die Ware mangelhaft ist. Kommen sie bitte mit, dann werde ich mir das näher anschauen. Sie werden natürlich sofort Ersatz bekommen, glauben sie mir, es wird nicht nötig sein sich deswegen aufzuregen." Sprudelte die Frau nervös hervor und lotste Feelicitas in einen Hinterraum. Feelicitas wusste, sie hatte sich da in was hineingerissen, das wahrscheinlich nicht einfach wieder gutzumachen war.
Leicht misstrauisch begutachtete sie, das die Frau sich fast ein Bein ausriss um sie bei Laune zu halten. Der Hinterraum war eindeutig schmuddelig. Überall lagen Körner herum und unter einem Tisch hockte ein ziemlich afrikanisch aussehendes Huhn, auf einen Nest. Feelicitas musste sich beklommen vorstellen, was es wohl für Folgen hätte, wenn diese Geschichte hier die Runde machte, oder der Schutzzauber wirklich kaputt wäre und das den falschen Leuten auffallen würde. Sie selber glaubte eigentlich nicht an solche Sachen und es war ihr egal, ob das Ding irgendwas bewirkte oder nicht. Sie wollte nur wissen, was genau daran so besonders sein würde und ob es vielleicht auch Schaden konnte. Also machte sie die Kette bereitwillig ab und reichte sie der Frau. Zu Feelicitas großen Entsetzen fasste diese das Ding nur mit Handschuhen an. Was war hier denn nur los? Mit ängstlichen Blick musterte sie Feelicitas und wollte sich dann abwenden und in einen anderen Raum verschwinden. „Haben sie etwas dagegen damit hier zu bleiben?" fragte sie scharf und die Frau nickte hastig: „Natürlich, wenn sie wünschen. Gestatten sie mir nur kurz meine Schwester zu holen?"
Feelicitas hatte natürlich nichts dagegen. Die Frau nahm wegen ihres schrägen Seitenblickes das Huhn mit sich und ließ es im nächsten Zimmer nieder. „Luambie! Komm mal her!" rief sie und es dauerte nicht lange, da kam eine zweite Frau. Scheinbar waren sie Zwillinge, Feelicitas verlor sofort den Überblick. Sie beredeten sich kurz und dann zog eine einen kleinen Zauberstab und untersuchte die Kette mithilfe mehrerer Zauber. Natürlich fand sie nichts beunruhigendes und ihre Miene wurde immer erleichterter und das übertrug sich auf ihre Schwester. Feelicitas begrüßte das: „Nun, woran liegt es?" fragte sie mit hochgezogener Braue und die Frauen schauten auf: „Ich habe ni... ähm." Sagte die erste zaghaft, wurde aber von ihrer Schwester abgewürgt: „ Sie meint, es war nur eine geringe Störung im Gleichgewicht, das kann schon mal auftreten. Es liegt aber nicht an dieser Kette, sondern an der Entwicklung der Kinder."
Sie war um keine Ausrede verlegen, wenn Feelicitas es nicht besser gewusst hätte, wäre sie darauf reingefallen.
„Sie wollen also damit andeuten, das meine Tochter der Fehler ist?" fragte Feelicitas etwas eisig, denn sie empfand es trotz der Grundlosigkeit als unangemessen.
„Nein, natürlich nicht." rief die Frau beschwichtigend aus: „Ich meine nur, diese Schutzzauber sind auf die speziellen Eigenheiten ihrer Träger angepasst. Sie können auf andere übertragen werden, aber wenn die Person nicht zu der Kette passt, dann wird es bei Kontakt gefährlich. Mit kurzen Worten, jedem anderen, der sie berührt, wenn sie nicht am Hals des eigentlichen Träger hängt beschwert sie ziemlich viel Unglück und Leid."
Feelicitas krauste die Stirn. Sie selber hatte das Ding tragen sollen, und Severus hatte es auch mal angefasst und Serena umgehängt. Sie sprach die Beiden darauf an. „Nein, das geht schon in Ordnung, das ist doch so gewollt." Klärte die eine Frau sie auf. „Erst tragen es die Mütter oder in seltensten Fällen die Väter und dann die Kinder. Es sollen damit unter anderen Talente und Charaktereigenschaften der Eltern verstärkt werden. Ziemlich hohe Magie, und für Ungeübte schwer verständlich. Aber glauben sie mir, es wirkt."
Feelicitas verstand genug um den näheren Sinn zu begreifen: „Danke, sie haben mir sehr geholfen, aber können sie mir vielleicht auch sagen, worin diese Talente denn bestehen? Man muss das doch bei der Anfertigung bestimmt wissen, oder?"
Es wäre so einfach gewesen, doch die Frau wollte keine klare Antwort geben und faselte etwas von Berufsgeheimnis und das sie leider keine gute Wahrsagerin wäre. Das läge alles in den Trägern selber und ähnliches, fügte die andere hinzu. Nun, Feelicitas konnte sie auf diese Art sicher nicht zum reden kriegen, ohne höchst auffällig zu wirken. Entmutigt nahm sie die Kette entgegen und legte sie behutsam Serena wieder um. Serena blickte sie verwundert mit ihren grünen Augen an, scheinbar war das Metall auf ihrer Haut ziemlich kalt. Feelicitas lächelte sie an, fragte sich aber etwas zerstreut, ob es den Besuch hier wirklich wert war. Irgendwie glaubte sie nicht so richtig an das, was die Frau gesagt hatte. Es war genau wie in der Muggelwelt, nicht alles was man für wahr erachtete, war auch Realität.
Sie machte, das sie aus dem Laden wieder herauskam und zog weiter. Mit immer mulmigeren Gefühl bemerkte Feelicitas das die Läden immer düsterer wurden und die Menschen auf den Straßen noch wunderlicher in ihren Aussehen. Viele sahen nicht einmal wie richtige Menschen aus, oder waren teilweise zerlumpt und keiner nahm besonderen Anstoß daran. Feelicitas wusste nicht einmal, was genau sie hier noch wollte. Ein fieser Gedanken kam ihr in den Sinn, von dem sie selber erschrocken war. Sollte es wirklich ein innere Bestreben in ihr geben, das ihre Schwangerschaft abbrechen wollte? Während ihre Schritte immer langsamer wurden und die Umgebung immer düsterer stellte sie sich ernsthaft dieser Frage.
Nein, das konnte sie nicht wollen. Kinder waren etwas wertvolles und wenn sie auch oft nerven konnten, man durfte sie nie einfach aufgeben.
Eigentlich wollte Feelicitas nicht einfach auf offener Straße umkehren, denn das hätte richtig Aufmerksamkeit erregt, aber die schrägen Blicke die sie trafen, machten sie doch ziemlich unsicher. Wieder mal bedauerte sie es, Serena dabeizuhaben. Wie sollte das erst werden, wenn sie zwei von der Sorte mit sich rumschleppen musste, oder einen kugelrunden Bauch bekam? Überhaupt, sie hatte schon länger nicht mehr bewusst gezaubert, würde es in dieser Schwangerschaft wieder zu einer Blockade kommen? Warum ihr ausgerechnet jetzt diese wirren Fragen durch den Kopf fuhren war ihr selber unverständlich. Doch vielleicht setzte es die Dinge in Gang, die danach geschehen waren. Plötzlich merkte sie eine kleine Hand an ihrem Arm und zuckte zurück. Neben ihr stand eine kleine, verhutzelte Frau. Eine wirklich alte Frau mit einen runzeligen Gesicht und einer im ersten Moment furcherregenden Gestalt und ziemlich gelblicher Hautfarbe. Ihre kleinen Augen waren so schmal, das man kaum die Pupillen sehen konnte. Zweifellos eine Asiatin, deren weicher Griff aber bei Feelicitas plötzlichen Rückzug sie klauenartig in ihren Arm bohrten: „Komm mit." sagte die Hexe nur und zog Feelicitas unerbittlich mit sich in einen nahen Hinterhof. Diese versuchte sich loszureißen, schaffte es aber nicht. „Lassen sie mich sofort los!" beharrte sie leise, damit das restliche Gesocks auf den Straßen nicht Wind bekam, das sie hilflos war. Der Griff dieser Frau war so fest, das sie ihn nicht einfach abschütteln konnte, Serena zu halten erforderte mindestens einen Arm und das war im Moment ausgerechnet der, mit dem sie an ihren Zauberstab hätte gelangen können. Eine ziemliche Panik ergriff Besitz von ihr. Die kleine Asiatin betrachtete sie aus ihren schmalen Augen mit einen spöttischen Zug und deutete ihr mit einen Finger auf dem Mund still zu sein. Was blieb ihr auch anderes übrig? Toll, da wagte man sich in die Hölle des Löwen und wurde direkt verschleppt. Feelicitas wusste, das diese Frau alles andere als alt und harmlos sein konnte, trotz dessen empfand sie bei ihrem Anblick immer mehr Beruhigung. Und wenn sie in die gelblichen Augen schaute, dann wusste sie, das die Frau zwar unheimlich war, ihr aber nichts tun wollte.
„Wo gehen wir hin?" fragte Feelicitas leise und die alte Hexe schaute schräg zu ihr hoch: „Red lauter Kind, sonst hör ich dich nicht." blaffte sie zurück. Feelicitas gab es auf, sie würde es wohl früh genug selbst merken. Um sie herum waren die hohen Mauern der umliegenden Gebäude und wie Feelicitas schon vermutet hatte, endete es in einer Sackgasse. Ein dreckiger Hinterhof umgab sie und Feelicitas fühlte die Angst an ihrem Herzen nagen. Die Alte zog sie weiter, ein windschiefer Holzverschlag schien ihr Ziel zu sein. Es wirkte als würde nicht einmal eine Kuh dort einen Fuß reinsetzen wollen und da sollte sie hinein? Feelicitas setzte sich noch einmal zur Wehr, doch es half ihr nicht, sie hätte dafür Serena loslassen müssen. So duckte sie sich widerwillig und trat durch den niedrigen Eingang rein. Die alte Hexe kam hinter ihr und schob sie unsanft am Hinterteil vorwärts, denn Feelicitas war erstarrt stehen geblieben. Immer wieder fiel sie darauf rein, natürlich war im inneren mehr Platz, als von außen ersichtlich. Irgendwie fiel ihr zu ihrer Umgebung nur eine Beschreibung ein. Es sah aus wie in einer chinesischen Opiumhöhle. Natürlich hatte Feelicitas keine Ahnung wie eine Opiumhöhle auszusehen hatte, aber es kam mit ihren Vorstellungen überein, mit all den komischen Möbeln und bunten Seidenstoffen mit Drachenmotiven. Es war schummrig und ein Flair von Unbekannten lag über allem. Die Hexe schritt an ihr vorbei und stolzierte mit wackeligen Gang zu einen Polsterkissen in einer Ecke. Überall standen Tiegel und Flaschen mit den komischsten Inhalten und zahlreiche Gegenstände, von denen sich Feelicitas nicht einmal ausmalen wollte, wozu sie verwendet wurden. Ein komischer süßlicher Geruch hing in der Luft, nicht unangenehm aber er vernebelte einen irgendwie die Sinne. Serena schien das nicht gerade etwas auszumachen, doch Feelicitas merkte, das sie sich am Besten einfach umdrehen sollte und verschwinden. Es schien sich ja um keine wirkliche Verschleppung zu handeln, weshalb also bleiben? Doch als sie Anstalten machte kehrt zu machen, traf sie die Stimme der alten Hexe in den Rücken: „Schade, du gehst schon?" Feelicitas wandte sich um: „Ich wollte gar nicht erst kommen, sie werden mir diese Unverfrorenheit einfach zu verschwinden sicher verzeihen können." erwiderte sie leicht pampig und versuchte sich nicht von dem fixierenden Blick kirre machen zu lassen.
„Du kommst spät, Kind, wirklich spät. Dabei warte ich schon so lange auf dich. Tage, Wochen, Monate... Ich dachte schon, du hättest es vergessen...oooohh." Sie stieß ein leises Geheul aus und knirschte mit den Zähnen und enthüllte dabei ihre fauligen Stumpen. Feelicitas wurde das immer unheimlicher. Die Frau musste ja verrückt sein, sie musste schleunigst weg. Dennoch blieb sie erstarrt stehen und lauschte weiter der alten Hexe: „Du hast es vergessen, Kind? Schäm dich, kein Wunder das ich dich erst holen musste. Komm näher, ich werde dir schon nichts tun."
„Was soll das werden?" fragte Feelicitas misstrauisch. Behauptete das Weib wirklich das sie etwas mit einander zu tun hatten? Wie sollte das gehen? Die Alte keckerte und blickte sie belustigt an: „Setz dich dann sage ich es dir."
Feelicitas schüttelte den Kopf: „Hören sie, ich weiß nicht was das soll. Aber ich bin auch nicht gewillt es erfahren zu wollen. Wenn sie etwas zu sagen haben, dann reden sie, ansonsten ist es mir egal. Ich will nichts von ihnen."
Ein abschätziges Schnaufen kam von der alten Asiatin: „Und ob du was von mir willst."
„Ach ja? Dann sagen sie es mir doch." Fuhr Feelicitas sie genervt an, doch die Frau blickte nur geheimnisvoll: „Du suchst die Wahrheit, und noch viel mehr Antworten."
Feelicitas war schon unangenehm berührt, aber es war eine sehr wage Antwort, die auf die meisten Menschen zutreffen konnte. Langsam dämmerte es ihr aber, das sie wohl bei einer Wahrsagerin gelandet war. Wenn junge Mütter mit Babys durch die Knockturngasse liefen, mussten sie wohl meistens auf der Suche nach einem Horoskop sein. Mit plötzlicher Erleichterung begriff sie, das es keine Gefahr gab. Feelicitas schaute die Frau abschätzend an: „Die Wahrheit? Das will doch jeder. Und wie soll es weiter gehen? Wenn sie wollen, das sich ein Geschäft entwickelt, sollten sie vielleicht weiterreden und mir irgendwelche Versprechungen machen. Im Moment erscheint es mir nicht sehr attraktiv. Warum sollte ich gerade hier nach Antworten suchen, wenn es doch bestimmt noch einige auf dieser Straße gibt die ihre Dienste nicht in einem löchrigen Kuhstall anbieten müssen. Und überhaupt glaube ich nicht an Vorhersagen und Visionen – nicht das es sie nicht gibt, aber die Zukunft entscheidet sich durch viele kleine Dinge immer wieder neu, es gibt keine Vorgefertigten Schicksale." Verkündete Feelicitas bestimmt.
Sollte es die alte Wahrsagerin getroffen haben, so ließ sie es sich nicht anmerken, sie blieb die Ruhe in Person: „Setz dich Kind, damit ich euch besser anschauen kann." Sagte sie sanft und winkte sie zu sich. Feelicitas tat ihr mit einen Schulterzucken den Gefallen und ließ sich auf dem Polster gegenüber der Frau nieder. So neugierig war sie dann doch und es gab sicher nichts mehr, was sie richtig schocken konnte. Selbst wenn die Frau beim Anblick ihrer Handlinien theatralisch in Ohnmacht gefallen wäre und ein schreckliches Ende prophezeit hätte, Feelicitas hätte es mit einem Schulterzucken abgetan. Alles was sie hier erfahren konnte, war eine Möglichkeit, wie es verlaufen konnte. Und wenn man ehrlich war, es war nicht sehr weit von der Realität entfernt das alles in Tod und Chaos enden würde. Nicht sehr erwartungsvoll schaute sie auf die Hexe nieder.
„Eine gute Wahl, Kindchen, eine wirklich gute Wahl." Begann diese verschwörerisch ihren Vortrag. Feelicitas konnte sich nur mühevoll davon abhalten loszulachen.
„Es gibt wahrlich genug andere, die ihre Gabe in eine Geschäftsidee umwandeln." Gab die Hexe überraschend zu und zuckte die Schultern: „Aber ich bin mir sicher, deine Wege haben dich nicht umsonst in meine Nähe geführt, ich-" Feelicitas verdrehte die Augen und unterbrach sie: „Umsonst ist gar nichts, aber wir können uns gerne über ein angemessenes Entgeld einigen, bevor wir uns nachher streiten."
Die Hexe machte einen wahrhaft erschrockenen Eindruck, beruhigte sich aber schnell wieder und senkte höflich ihren starrenden Blick: „Du musst mir überhaupt nichts zahlen. Aber natürlich lehne ich materiellen Lohn nicht ab. Das magst du selber entscheiden, wenn unsere Unterredung beendet ist." Sagte sie bescheiden. Feelicitas traute dem Braten nicht, es war ungewöhnlich, aber die Frau würde bestimmt nachher noch nach Lohn kreischen. Geschickt, langsam machte das hier Feelicitas wirklich Spaß und sie nickte.
„Ich werde dir nichts über die Zukunft erzählen können, ich stimme dir zu das sie ungeschrieben ist. Aber dennoch gibt es vieles, das ich dir enthüllen kann."
Ach, wahrscheinlich suchte sie sich jetzt einige Dinge heraus und versuchte ihr klar zu machen ein hellseherisches Talent zu haben, Feelicitas seufzte auf.
„Na, bedauere deine Entscheidung nicht zu früh, Kind." Sagte die Hexe mit einen nicht gerade strahlenden Lächeln, die fauligen Zähne störten einfach zu sehr: „Ich will weder deinen Namen noch deinen Lebenslauf kennen. Das könnte ich zwar aus dir herausquetschen, aber ich spüre du bist nicht eines dieser oberflächlichen Dinger und weißt wie man das anstellt. Stell mir die Fragen, die dich quälen und ich werde mein bestes tun dich zu erleuchten."
Feelicitas nickte amüsiert, natürlich wusste sie, wie man die Wahrheit aus den Augen anderer heraussaugte: „Okay, fangen wir trotzdem mit den Fragen an, die sich oberflächlich nennen. Erzählen sie mir einfach mal etwas zu dem Chaos in dem ich lebe, vielleicht spüren wir ja noch einige tiefgreifende Dinge auf. Was brauchen sie dafür? Meine Hand?"
Die Alte lehnte sich zurück und schüttelte den Kopf: „Ich lese nicht aus der Hand und ich lege keine Karten. Aber wenn du mir das Jahr deiner Geburt geben würdest, und vielleicht auch das genaue Datum für deine Tochter, würdest du mir sehr viel Gerate ersparen. Du scheinst mir ein Septemberkind zu sein, aber über das Jahr bin ich mir nicht so ganz einig."
Na ja, wenigstens war die Frau ehrlich, also half Feelicitas ihr: „Ich bin am 16. September 1977 geboren, und meine Tochter am 15. Juli 1996."
„Ahhh, du bist also wahrhaft eine Schlange." Stieß die Alte bedeutungsvoll aus und Feelicitas entfuhr ein überdrüssiger Laut. „Na, was ist denn daran so schlimm? Dein Tierkreiszeichen ist die Jungfrau. Da wo ich herkomme sehen wir das aber anders. Du bis im Jahr der Schlange geboren und dein Kind ist eine Ratte."
„Ich bitte sie, das ist doch Unsinn." Beschwerte sich Feelicitas. Ausgerechnet Schlange und Ratte, das brachte alte Erinnerungen hoch.
„Es ist kein Unsinn, du bist eine Schlange." Beharrte die Frau und Feelicitas nickte. Na gut, dann war sie halt eine Schlange, als ob es nicht schon genug possierliche Exemplare davon in ihren Leben gab. Mal schauen, was der Frau noch dazu einfiel: „Was macht man denn so als Schlange?" fragte sie leicht spöttisch.
„Schlangen sind meist geheimnisvoll und rätselhaft. Wenn es ein Zeichen gibt, das mit den Vorurteilen übereinstimmt, dann ist es die Schlange. Komischerweise wollen alle im Drache oder Schlange sein, obwohl es für die meisten nichts wäre. Kaum hört jemand, das er eine Ratte, oder Schwein ist will er die Flucht ergreifen. Beides sind sehr gute Zeichen, besser als Schlange, aber niemand will sie haben."
„Soll ich mich jetzt geschmeichelt fühlen?" fragte Feelicitas leicht angegriffen: „Sind jetzt alle Menschen, die in dem Jahr geboren sind, schlecht?"
„Nein, nein, Schlangen haben nur gewissen Eigenarten. Sie wirken rätselhaft auf ihr Umfeld und geben nicht viel von sich Preis. Meist findet man Schlangen in Machtpositionen, denn sie streben nach Vervollkommnung und Einfluss und kriegen leicht Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle. Nicht selten sind sie höchst hochnäsige Anführer oder zumindest hohe Mitglieder eines elitären Zirkels. Sie stellen hohe moralische Ansprüche und haben eine sehr hohe Selbstkontrolle um sich keine Blöße geben zu müssen. Ihre Ansprüche lassen sie aber von anderen für sich ausführen. Ihr tiefster Wunsch ist das streben nach Tiefe und das verstehen von Hintergründen und Zusammenhängen. Sie suchen nach der Bestimmung in ihren Leben und manch einer verzettelt sich in tiefsinnigen Gedanken. Immer wieder blüht dieser Wunsch auf und sie kontrollieren den Sinn des ganzen.
Schlangen brauchen ein Schicksal, ansonsten sind sie unglücklich. Sie wollen hören, das sie etwas sind und die meisten machen aus ihrem Beruf eine Berufung und schließlich widmen sie ihr ganzes Leben einen Ziel." Die Hexe hielt inne, weil Feelicitas sich kaum vorm kichern retten konnte: „Entschuldigung, aber das was sie sagen, erinnert mich wortwörtlich an jemanden denn ich kenne, aber die Parallelen zu mir sind mir schleierhaft."
„Wirklich? Hör auf deine Intuition, das ist für deine Art der beste Weg. Viele Schlangen nutzen das für sich und geben ihr tiefsinniges Gedankengut an ihr Gefolge weiter. Schlangen sind Verführer und können den Geist ihrer Opfer so gut umgarnen, das sie alles herausbekommen. Besondere psychische Talente, schlummern meistens im Körper eines Schlangenmenschens heran."
Feelicitas konnte nicht mehr, alles was die Frau sagte, war die Wahrheit, aber nichts davon traf auf sie selber zu und sie lachte sich kaputt: „Was sollte man als Schlange besonders beachten?" fragte sie unter Tränen der Belustigung, doch die alte Hexe schaute sie nur mitleidig an: „Allgemein solltest du beachte, das Wahrheit ein vielfältiges Ding ist. Du erkennst dich selber nicht wieder? Gut, es kann sein das die Schlange in dir nicht ausgeprägt ist, aber tief in dir steckt sie doch und versucht immer an die Oberfläche zu kommen." Feelicitas ernüchterte bei den unheimlichen Worten wieder etwas.
„Schlange haben meistens Verspannungen vom langen rücken steif halten. Und sie sollten viel trinken, denn sonst bekommen sie Nierenprobleme." Verkündete die alte schließlich mit einen schiefen Grinsen, sie war Feelicitas also nicht sauer, trotzdem beherrschte sich diese: „Da habe ich eigentlich keine Probleme mit, aber ich werde darauf achten." Sagte sie gutmütig: „Und was hat die Ratte aus meiner Tochter gemacht?"
Die Alte schaute Serena prüfend an: „Ihr Vater ist ein Schwein."
Feelicitas konnte nicht mehr, und vor Lachen traten ihr die Tränen hoch: „Da haben sie recht."
Natürlich hatte sie die Hexe nicht falsch verstanden, aber es war sehr gelungen: „Er ist im Januar 1960 geboren." Die Alte nickte: „Habe ich es mir doch gedacht. Schwein und Schlange passen nicht zusammen, das einzigste was euch verbindet ist die Ratte." Feelicitas wurde plötzlich ziemlich ernst.
„Eine liebende Schlange ist ein Gräuel für das Schwein. Man muss schon ein Freund von Rätseln sein um mit Schlangen auszukommen. Schlangen und Schweine finden sich langweilig, deswegen gibt es kaum derartige Verbindungen. Das Schwein hat eine natürliche Autorität, die sich mit dem Führungsstreben der Schlange beißt. Schweine sind treue Menschen und jederzeit bereit sich für andere zu opfern. Dafür erwarten aber das man ihnen Ehrlichkeit entgegen bringt. Wen sie lieb haben den beschützen sie vor der großen weiten Welt. Wie gesagt keine sehr leichte Verbindung. Aber die Ratte, mit ihrer Weisheit und Achtung passt zu beiden und sorgt für Frieden und Ruhe, obgleich auch sie über ein nicht unerhebliches Potenzial an Führungswillen verfügt. Ihr ergebt eine sehr interessante Mischung. Mit einer Schlange kann man nicht streiten, sie wechselt ihre Standpunkte dauernd und ist nicht zu fassen.
Um eine leidenschaftliche, romantische und beständige Partnerin zu sein, die eine persönliche Bereicherung der Beziehung wäre, solltest du dir jemand anderen suchen.
Ein Pferd, würde gut zu dir passen. Es wäre eine intensive Liebe, solange du sanft das Halfter führst und das davon galoppieren verhinderst."
„Ein Pferd?" fragte Feelicitas erschüttert und dachte an Lemony.
„Ja ein Pferd, das wäre Temperament und Erotik. Dasselbe könntest du vom Affen bekommen. Auch die sind feurige aber gutmütige Liebhaber mit sanften Kern. Ihr einzigster Fehler ist das ständige intrigieren. Aber wenn beide sich Luft lassen, dann geht es. Ihr würdet euch intellektuell gut verstehen und der Affe brächte Leichtigkeit in dein Leben."
„Und woran erkennt der Laie, das ein Affe vor einem steht?" fragte Feelicitas zweifelnd.
„Such dir jemanden der 1968 geboren worden ist. Ansonsten würde es wohl zu alt oder jung sein."
Irgendwie nahm das Gespräch immer ernstere Wendungen, Feelicitas brauchte nicht lange zu überlegen, wer genau neun Jahre älter als sie war.
„Aber ich glaube du brauchst in dieser Beziehung keine Ermunterung. Das Kind unter deinem Herzen, kann dir nur ein Tiger gemacht haben."
Feelicitas schaute verstört hoch: „Bitte was?"
„Du hast mich schon verstanden. Ihr passt gut zusammen. Zumindest euren Hang für erotische Abenteuer könnt ihr sehr gut miteinander ausleben. Ihr seit gefühlstief und flexibel in der Treue, was will man mehr?"
Feelicitas entschied abzubrechen, sich von einer Fremden über ihr Liebesleben etwas erzählen zu lassen, war vielleicht aufschlussreich, doch es nahm schnell überhand. Zwar erkannte man ansatzweise die Wahrheit hinter ihren Worten, doch das galt ja nur, wenn sie selber die optimale Schlange gewesen wäre: „Was wird es werden? Junge oder Mädchen?" fragte sie kurzentschlossen, doch das Gesicht der Frau verzog sich nur zu einer Grimasse: „Bitte nicht. Ich mache keine Ferndiagnosen, zudem ist es doch nicht von Belang. Behalte es im Auge so gut wie du nur vermagst, ansonsten wird es dir einmal abhanden kommen, ohne das du dich dagegen wehren kannst. Willst du wirklich die Dinge wissen, weswegen all die anderen Mädchen auch angerannt kommen?"
Feelicitas war sich da nicht so sicher: „Weswegen hast du mir etwas über Schlangen erzählt? Das hätte ich auch in einen Astrologiebuch nachlesen können."
„Ah ja, wir kommen der Wahrheit näher. Ich lungere meinen Kunden nicht grundlos auf der Straße auf, doch es schien mir von Nöten zu sein, das du es dir bald gewahr wirst. Ich weiß was hinter dir liegt und welche Ausblicke deine Zukunft haben kann, und das es eigentlich ein Zufall war, der dich zu mir geführt hat. Na gut, ich habe ein wenig nachgeholfen, doch obwohl ich es schon seit Jahren ahne, ist fast alles so gekommen, wie ich es damals gesehen habe und du warst heute in der Knockturngasse. Du warst noch nie hier und du wirst nie wiederkehren. Es war nur dieser eine Nachmittag den ich nach dir Ausschau hielt und doch haben wir uns gefunden. Mit einen Kind, dessen Augen so grün wie Gras sind und in Erwartung eines weiteren das alle Träume erfüllen soll."
Feelicitas unterbrach sie: „Was wollen sie sagen? Was wissen sie?" begehrte sie zu wissen. Doch die Alte lächelte nur traurig: „Ich werde es dir nicht klar sagen, du musst die Wahrheit schon selbst finden."
Das ließ Feelicitas nicht so einfach auf sich sitzen: „Wie lobenswert. Mir hat schon mal jemand genau mit diesen Worten die Wahrheit vorenthalten. Ich sei es nicht wert, es erläutert zu bekommen, wenn ich es nicht von selber herausfinde. Was soll das ganze Ratespiel, erleichtern sie doch einfach ihr Gewissen und reden klar mit mir. Vor fünf Minuten sah es noch so aus, als seien sie dazu imstande."
Die Reaktion auf ihren harschen Ton, war das die Alte kurzzeitig ihre Augen schloss und sie dann mit unergründlicher Miene anschaute: „Es tut mir leid, aber ich werde es dir nicht sagen. Ich bin eine Wahrsagerin, Kind. Entweder lügen wir das Blaue vom Himmel, oder verschweigen die Dinge, welche Leben vorzeitig zerstören können. Dunkle Wolken ziehen auf und die Zeit drängt. Wenn du nicht schutzlos ins Gewitter gehen willst, Kind, dann solltest du dir noch ein paar ernste Gedanken machen, welcher Sinn hinter allem liegt, was du über die Sache erfahren hast."
Feelicitas war enttäuscht. Es war interessant gewesen mit der Frau zu reden, doch irgendwie endete es doch im nichtssagenden Geschwätz, das sie wahrscheinlich an jeden weitergab. Du bist in Gefahr, du musst aufpassen. Und mehr nicht. Ein guter Ratschlag, doch Feelicitas wusste selber das ihr Leben wie eine Insel war, die von der nächsten Welle überspielt werden konnte. Sie machte Anstalten sich zu erheben. Die Alte tat es ihr nach, doch schien sie seltsam zurückhaltend und hob kaum ihren Blick vom Boden. Fast als wäre sie enttäuscht, das Feelicitas ihr keinen Glauben schenken wollte. Die junge Frau war erst verwirrt, doch dann fiel ihr ein, das die Hexe sich vielleicht Gedanken um ihren Lohn machte. Also kramte Feelicitas kurz in ihrer Tasche und zog ein paar Münzen heraus. Als sie die in die Hand der alten Frau legte, machte diese einen Knicks, fast wie ein junges Mädchen und bedankte sich leise.
Das war das unheimlichste an der ganzen Sache. Fast als ob die Alte sich geehrt fühlen würde. Feelicitas scheute sich davor, einfach so zu gehen. Es musste doch irgendein Anzeichen geben, das die Hexe glaubhaft war. Sie schaute sie ernst an: „Ich habe noch eine letzten Frage."
„Stell sie ruhig, wenn es nichts mit der Sache zu tun hat."
„Wie alt ist mein ältestes Kind?" fragte sie und fixierte die alte Frau scharf, diese schaute ihr nicht in die Augen. Die Frage war leicht und doch sehr schwer. Feelicitas hatte ihr eben das Geburtsdatum von Serena genannt, also konnte die Wahrsagerin eine Antwort erwarten, ohne das sie sich nebulös benehmen durfte. Und diese versuchte es auch gar nicht: „Deine älteste Tochter ist genau sechs Jahre und fünf Monate alt." sagte sie leise. Feelicitas überraschte die Antwort, denn sie stimmte. Sie hatte plötzlich das Gefühl wegzumüssen und das so bald es ging. Das hier ging nicht mit rechten Dingen vor sich. Das war so irreal. Ohne sich zu verabschieden bückte sich Feelicitas mit Serena und stieg durch dem Eingang um erst einmal nach frischer Luft zu schnappen. Als sie sich etwas beruhigt hatte wollte sie noch mal nach der alten Frau umsehen um sie zur Rede zu stellen, woher sie das mit dem ersten Kind wusste. Wer weiß welche Zufälle es nicht alle gab, vielleicht konnte sie diese Farce auch nur aufziehen, weil sie Letizia und ihren Vater kannte. Das wäre eine heiße Spur, doch als Feelicitas umblickte, war weit und breit nicht mehr von der Hexe zu sehen. So schnell es ging, aber ohne aufzufallen machte sich Feelicitas auf den Rückweg. In den Gassen war es mittlerweile recht finster und der Abend stand vor der Türe und es dämmerte. Angst wabberte in Feelicitas Herzen. Was war da eben geschehen? Hatte sie wirklich so lange bei der komischen Hexe verbracht und was sollte das alles bedeuten? Die dunklen Gestalten in der Knockturngasse schienen plötzlich noch düsterer. Es war fast so als seien auch die letzten Geschöpfe der Nacht aus ihren Ecken gekrochen. Gab es eigentlich Vampire in der magischen Welt? Ihr war so, als ob nicht nur ein paar von diesen Wesen unterwegs waren. Feelicitas postierte Serena auf den anderen Arm und machte sicher, das sie an ihren Zauberstab kommen würde, falls es nötig war. Doch niemand streifte sie auch nur im aufkommenden Gedrängel.
Endlich kam sie wieder in die Winkelgasse und der Schein warmer Laternen erhellte ihre Sicht. So schnell es ging verließ Feelicitas die magische Welt und machte das sie aus dem tropfenden Kessel kam. Eigentlich hatte sie vor hier noch zu übernachten, doch die nahen Schrecken erschienen ihr viel schlimmer, als eine nächtliche Busfahrt quer durchs Land. Nur schwer konnte sie sich dazu durchringen, wieder den fahrenden Ritter zu gebrauchen und jeder noch so teilnahmslose Blick der anderen Fahrgäste erschien ihr unheimlich. Kaum zu glauben, doch ein Muggelbus und die damit verbundene stundenlange Fahrt hätten ihr weitaus besser gefallen.
In den nächsten Tagen verließ Feelicitas nicht das Haus. Es war ihr einfach alles zu unheimlich, obwohl sie es sich selber gar nicht erklären konnte. Sie fühlte sich beobachtet, obwohl das wohl gar nicht so war. Warum sollte jemand es schlimm finden, wenn sie sich in der magischen Welt herumtrieb. Eine Muggelzusammenkunft war für Voldemort bestimmt obskurer und bedurfte einiger Überwachung. Aber da hatte es auch keine gegeben.
Immer wieder ertappte Feelicitas sich bei den Gedanken, das die Frau eine Betrügerin sein musste und sie unbedingt Beweise dazu zusammentreiben sollte, was dahinter stecken musste. Feelicitas überlegte viel, aber ihr kam nichts wirklich entlarvendes in den Sinn. Nur weil man seine Geschäftsräume in der Knockturngasse hatte musste man nicht unbedingt mit Todessern in Verbindung stehen. Wenn wirklich alle dortigen Bewohner Voldemort ergeben waren, wäre der Untergang der guten Seite schon besiegelt. Selbst im kleinsten Hinterhof schienen ja Unmengen an Menschen zu leben. Zauberer, die so arm und heruntergekommen waren, das niemand aus ihrer ganzen Familie jemals so eine noble Schule wie Hogwarts von innen gesehen hatte. Wahrscheinlich wusste erst gar keiner das es sie gab. Das musste dann so ähnlich wie bei ihr sein, in Frankreich war sie nicht für die Schule angemeldet gewesen und dann hatte auch niemand gewusst, das sie sich dort befand. Es war traurig sich vorzustellen, das es auch in der magischen Gesellschaft Perspektivlosigkeit gab. Die Kinder wurden von ihren Eltern über alles wichtige in ihrem Leben unterrichtet, so wie diese von ihren Eltern und immer so weiter. Seit dem Mittelalter schien es da keinen Unterschied mehr gegeben zu haben. Es gab keinen magischen König, doch reichte es nicht schon das alle paar Jahrzehnte jemand diese Ordnung herstellen wollte?
Das einzig Gute daran war bestimmt, das diese Hinterhäusler auch keinen sehr persönlichen Groll gegen Muggel haben konnten, weil sie die Muggelwelt höchstens vom Hörensagen kannten. Aber das war auch schlecht, denn dann waren sie noch anfälliger für irgendwelche Ideologien. Wenn man sein Leben lang nichts anderes kannte, als die Straßen und Hinterhöfe der Knockturngasse, dann hätte man bestimmt Lust irgendwen dafür verantwortlich zu machen. Na ja, das war bestimmt auch übertrieben, verkrachte Existenzen gab es überall und sie ließen sich bestimmt auch nicht einfach so vom Rest der großen Welt abgrenzen. Egal ob Muggel oder Magier.
Zum aller ersten Mal machte sich Feelicitas tiefgreifende Gedanken über die magische Gesellschaft, die mit ihr nichts zu tun hatten. Bis jetzt hatte sie sich nicht so richtig damit beschäftigt. Bei Voldemort waren solche Sachen unwichtig, weil es nur um gut oder böse, tot oder lebendig ging. Und danach hatte man sie eingelullt, ihr alle Sorgen abgenommen und fernab der normalen Welt gehalten. Feelicitas fand das nicht besonders schlecht, sie konnte verstehen warum man so was tat. Es gab Menschen, die würden auch niemals freiwillig eine Zeitung lesen, oder seriöse Nachrichten schauen, weil die Welt leicht überfordern konnte. Und ein wenig fühlte sie sich gerade so. Ihr Pflegevater hatte schon darauf geachtet, das sie mit Wissen vollgestopft wurde und wenn es um den Geschichtsunterricht ging war Feelicitas in der Lage, die meisten Daten im Schlaf zu nennen und die Hintergründe für diverse Entwicklungen darzulegen. Doch noch nie hatte sie wirklich etwas damit anfangen können. Nur kurz musste sie sich ihr Wissen über Ghettos im Wandel der Zeit in Erinnerung rufen. Ihr fielen deutsche Lager ein und amerikanische Slums und alles was damit verbunden war. Die magische Welt war eine tickende Zeitbombe und wenn sie nicht explodieren sollte, musste man sie entschärfen. Aber im Moment drückte es nur ganz gewaltig auf den Zündungsmechanismus und kein Friede war in Sicht. Wie konnte das überhaupt so lange funktionieren, ohne das solche Gestalten, wie sie in dieser Straße herumwankten, nicht einfach durch den tropfenden Kessel spazierten und irgendwelche Muggel über den Haufen hexten?
Und wenn es nichts mit Voldemort zu tun hatte, dann vielleicht doch mit dem Zauberer, der sie mit Zwölf Jahren so umgarnt hatte. Aber war der überhaupt ein Zauberer gewesen? Nicht einmal in ihrer ganzen Zeit zusammen hatte irgendwas komisch an ihm gewirkt. Jedenfalls wäre es ihr nicht aufgefallen.
Feelicitas wäre noch ganz wahnsinnig über ihre Sinnkrise geworden, wenn nicht ein etwas geschehen wäre, das sie und ihre Gedanken wieder vollends auf das Haus und ihre Familie richtete. Es hatte sich still eingeschlichen und Feelicitas war zu sehr mit Serena und sich selber beschäftigt, als das sie wirklich darauf geachtet hätte. Und als sie es sich endlich gewahr wurde, sollte sie sich noch häufig wünschen, das sie anders gehandelt hätte. Aber so sollte es nicht sein.
Fortsetzung folgt...
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