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Kapitel 32
Feigling und VerräterDrei Monate später...
Es war mitten in einer heißen Nacht im Juni, als laute Geräusche Feelicitas aus den Tiefschlaf rissen. Belämmert richtete sie sich auf und lauschte in die Dunkelheit. Erst dachte sie, das sie sich geirrt hatte und die Geräusche aus ihrem Traum kamen. Ihr Baby bewegte sich wie in den letzten Tagen nur zu oft unruhig in ihren Bauch, und Feelicitas war mehr als gewillt ihr plötzliches aufwachen darauf zuschieben, sich einfach wieder umzudrehen und versuchen weiterzuschlafen. Sie hatte ein wenig Kopfschmerzen und die Nacht war so schwül, das sie sich ganz dösig fühlte. Dann ertönte aber noch mal das Geräusch.
Was immer das war, es kam von unten. Ihre Müdigkeit verflog sogleich und erschrocken fuhr sie auf und zog ihren Zauberstab unter dem Kopfkissen hervor. Ein Lumos genügte und sie konnte von der magischen Uhr auf dem Nachttisch ablesen, das es gerade mal 4.10 Uhr war. Mit vor Angst bebenden Herzen, stand Feelicitas auf, ignorierte ihren rotierenden Kreislauf, und ihre von Wassereinlagerungen geschwollenen Füße, die sich schwer anfühlten, und schlich leise aus ihren Zimmer. Der Gang lag ruhig und dunkel da, und wenn es nach ihr ging, sollte es auch so bleiben. Leise rief sie nach Weirdy und diese erschien neben ihr, trug aber schwere Anzeichen von großer Müdigkeit.
„Geh zu Serena und pass auf sie auf!" Wisperte Feelicitas ihr zu und Weirdy nickte tonlos und verschwand. Also ließ Feelicitas, Serena erst mal einfach liegen und schlich einen Treppenabsatz nach unten.
Auch dort war es dunkel, doch kaum hatte Feelicitas sich daran so richtig gewöhnt und den Schemen an der Türe als ihren Mann erkannt, ging das Licht im Eingangsflur an und Feelicitas schloss geblendet die Augen. Als sie wieder klar sehen konnte und Severus in der Türe stehen sah, blickte Feelicitas ihn fassungslos und entgeistert an. Er hatte sie mittlerweile auch gesehen und blickte sie ernst an. Mitten in der Nacht unangemeldet hier aufzutauchen, war bestimmt nichts Gutes. Er sah zudem gehetzt und müde aus und Feelicitas erfüllte plötzlich ein schreckliches Gefühl. Irgendwas musste geschehen sein.
„Severus was ist passiert? Was tust du hier?" fragte sie leise und trabte die restlichen Stufen hinab und stellte sich ihm in den Weg. Sie steckte ihren Zauberstab in ihren offenen Morgenmantel, unter dem sie wegen der Hitze nur ein ärmelloses Hemdchen und eine Panty trug. So herumzulaufen machte ihr nichts aus, schließlich interessierte es sowieso niemanden wie sie aussah. Und wenn es wirklich ein Einbrecher gewesen wäre, dann hätte ihr selbst das dickste Nachthemd nichts genutzt. Feelicitas blickte Severus auffordernd an. Sie erwartete eine Antwort, die alles sofort erklären würde und ihre Ahnung entkräftete, er gab ihr aber keine.
Severus starrte sie nur kurz undurchschaubar an, in seinen Gesicht stand ein seltsam harter Ausdruck und er schob sich entschieden an ihr vorbei. Feelicitas wollte ihm entrüstet nach, doch da gewahrte sie eine weitere Bewegung an der Türe und hinter ihm tauchte die Gestalt von Draco Malfoy auf. Sie erkannte Lucius Malfoys Sohn sofort, obwohl sie ihm vor langer Zeit nur einmal gesehen hatte. Es war nicht mehr der Draco Malfoy, dem sie auf Malfoy Manor begegnet war, sondern ein hochgewachsener schlaksiger junger Mann, der eigentlich gar nicht so schlaksig war wie er wirkte. Wie alt war er jetzt? Sechszehn? Siebzehn? Feelicitas vertrieb diesen wirren Gedanken, denn in Draco Malfoys Augen konnte sie den totalen Horror erblicken. Blinder Wahnsinn stand in seinen Blick, er atmete hektisch, als hätte er erst gerade einen langen Dauerlauf durchstehen müssen und seine zaghaften Bewegungen wirkten eine Spur zu ruckhaft. Ob Draco sie überhaupt wirklich sah, war schon fragwürdig. Ein schlimmes Erlebnis stand ihn in die Augen geschrieben.
„Mr. Malfoy?" fragte sie zaghaft.
„Guten Morgen, Mrs. Snape." erwiderte dieser recht tonlos und blickte sich gequält um. Feelicitas wandte sich fragend an Severus: „Was hat das zu bedeuten, Severus? Was sucht ihr hier?" Er gab ihr keine Antwort, sondern stürzte nur ins Wohnzimmer und dann in den geheimen Anbau. Feelicitas wollte ihm erst hinterher, doch der Anblick von Draco Malfoy ließ sie stutzen. Obwohl er nur drei Jahre jünger war als sie, kam sie sich überlegener vor. Die Türe stand immer noch offen und von draußen kam warme Sommerluft hinein. Trotzdem fröstelte sie: „Könnten sie bitte die Türe schließen, Mr. Malfoy?", fragte sie leicht abwesend und der Junge machte es. Er schien nicht zu wissen, was er danach machen sollte und man sah ihm deutlich seine Befremdung an. Feelicitas begann zu ahnen, das ein Großteil von Severus komischen Verhalten wohl daher stammte, das er dem Jungen gegenüber nicht verraten wollte, was zwischen ihm und ihr los war. Nun Draco wusste zweifellos, wen er vor sich stehen hatte, doch was genau das bedeutete, konnte er nicht sagen. Vielleicht irritierte ihr dicker Bauch so sehr!
Feelicitas entschied Severus nachzugehen und nur aus dem Augenwinkel merkte sie, das Draco ihr auch folgte. Severus stand in seinem Arbeitszimmer und durchwühlte krampfhaft Schubladen und Regale. Mit leichten Entsetzen merkte Feelicitas, das in einer Nische ein ihr nicht sehr unbekanntes Kästchen auftauchte. Es waren die bunten Tränke, die sie ihm vor langer Zeit gestohlen hatte und die seitdem keine Rolle mehr zu spielen schienen. Severus hatte sie also die ganze Zeit hier im Haus aufbewahrt. Scheinbar gehörten sie zu den Dingen, die er ganz eilig verschwinden lassen wollte. Feelicitas fühlte sich wie in einen schlechten Film. Sie trat um den Schreibtisch und versuchte Severus Aufmerksamkeit auf sich zu lenken: „Was ist geschehen?" fragte sie aufgebracht, doch er schnaufte nur, und warf ihr einen höllischen Blick zu, weil sie im Weg stand. Als sie gar keine Anstalten machte, zur Seite zu gehen, packte er sie entschieden an den Armen und schob sie weg: „Kümmer dich um den Jungen." Sagte er leise und deutete ihr das sie rausgehen sollte. Erst wollte Feelicitas erbitterten Protest bieten, doch irgendwas in seinen Blick sagte ihr, das sie vielleicht doch erst mal den Fremden aus Severus Allerheiligsten entfernen sollte. Was immer Severus auch suchte, für die Augen von Draco war es bestimmt nicht geeignet. Im Zuge dessen fiel ihr plötzlich das halbvergessene Treffen mit Narzissa und Bellatrix ein und das darauf folgende Gespräch zwischen Severus und ihr, welches in der verfrühten Geburt von Serena geendet hatte.
Severus hatte gesagt, das Voldemort Interesse an Draco hatte und das irgendwas geheimes vorging. Das war vor 11 Monaten und Feelicitas hatte längst angenommen, das die Sache sich erledigt hatte, doch scheinbar war dem nicht so. Sie standen fast in derselben Situation wie vor einem Jahr gegenüber. Und ein Todesser mehr war im Haus. Feelicitas nickte kurzentschlossen Severus zu und wandte sich an den in der Türe stehenden Jungen.
„Komm mit." sagte sie, und zog Draco leicht am Ärmel mit sich, als sie an ihm vorbeikam. Er folgte ihr und sie führte ihn in das Wohnzimmer. Was genau sie jetzt machen sollte, wusste sie nicht. Der Junge schien sich nicht nur einmal auf die Lippe gebissen zu haben vor lauter Unsicherheit und ein wenig Blut floss in seinen Mundwinkel. Feelicitas zog ein Taschentuch und reichte es ihm wortlos. Erst blickte er sie verwirrt an, doch als sie bei sich auf den Mund deutete, verstand er und merkte selber das Blut und wischte es sich von Mund und Finger ab. Was war nur geschehen? Draco sah so elendig aus, als könnte er etwas zu trinken brauchen. Das er im Gegensatz zu ihrem Mann ein offenes Buch war, das von etwas grauenvollen kündigte, brachte Feelicitas dazu den Jungen zu bedauern. Worin war er verwickelt? Der gehörte garantiert nicht hierher, sondern in die Arme seiner Mutter. Nun, dazu war sie sehr schlecht geeignet und so holte Feelicitas eine Flasche Feuerwhisky aus dem Barfach und schüttete ihm ein Glas ein und reichte es ihm. Feelicitas beobachtete seine Miene und sie lag richtig, er stürzte es hinunter, als ginge es um sein Leben und eine deutliche Spur seiner Sprachlosigkeit verflüchtigte sich.
„Noch einen?" fragte sie vorsichtig, wartete aber nicht erst sein knappes Nicken ab, sondern schüttete sofort ein. Er trank den Whiskey, als sei er kurz vor dem Verdursten. Armer Kerl, irgendwie tat er ihr Leid, obwohl sie nicht wusste weswegen. Schon nach kurzer Zeit, setzte er das Glas ab und fasste sich verwundert an den Mund. Scheinbar brannte der Alkohol auf seiner zerbissenen Lippe.
„ Was hast du angestellt, das du mitten in der Nacht von deinen Hauslehrer verschleppt wirst?" fragte sie trocken und betrachtete ihn forschend, doch er schüttelte nur mit dem Kopf. Draco sah aus, als wäre ihm ziemlich übel und blickte sie fast schon verzweifelt an. Feelicitas wurde es immer unwohler.
Severus kam aus dem geheimen Anbau und trug einen Beutel mit sich, der mit allerlei Sachen gefüllt war.
Feelicitas hätte ihm an liebsten wer weiß was an den Kopf geschmissen, doch immer noch hielt sein Blick sie still. Es wäre unverantwortlich gegenüber Draco Malfoy irgendwas falsches zu sagen. Severus erkannte wohl ihre natürlichen Vorbehalte und schaute kurz auf seinen Begleiter, der immer noch recht grün im Gesicht aussah und dann fiel sein Blick auf den Feuerwhiskey: „Geh ruhig schon vor in den Garten, Draco. Ich habe noch etwas zu erledigen. Es dauert nicht lange." Sagte Severus ziemlich freundlich und Draco nickte nur wortlos. „Auf Wiedersehen, Mrs. Snape." Wünschte er leise und wandte sich zum gehen. Feelicitas blickte ihm verwirrt hinterher. Auf Wiedersehen!
Kaum war Draco weg, widmete sich Feelicitas ganz der Betrachtung des ihres Mannes. Diesmal sparte sie sich ihre Frage, was geschehen war. Jetzt würde er auch von alleine reden, und das tat er auch.
„Albus Dumbledore ist tot." Sagte er und Feelicitas meinte in seinen Ton etwas bedauerndes zu vernehmen. Trotz dessen empfand sie stoßartige Erleichterung, und ließ sich verblüfft auf den Sessel plumpsen: „Oh." Sagte sie nur leise, aber eine dumpfe Leere durchwölkte ihre Gedanken: „Er war alt, sicherlich. Aber... ich verstehe nicht. Hat Voldemort die Schule angegriffen? Seit ihr aufgeflogen? Warum...?" äußerte sie verwirrt. Severus betrachtete sie höchst vorwurfsvoll: „Es war nicht Altersschwäche!" fauchte er ungehalten. Einen Moment dachte sie, es hätte verächtlich geklungen. Natürlich war es schon unwahrscheinlich in diesen Zeiten anzunehmen, das jemand wie Albus Dumbledore friedlich im Bett starb. Doch in Severus Stimme tönte auch eine Art verbitterter Traurigkeit durch. So ganz konnte sie es noch nicht fassen und schon gar nicht konnte sie sich ausmalen, was denn der wahre Grund für den Tod des Direktors war. Severus Blick gab ihr keine Antwort und blieb verschlossen. Durch einen unwillkürlichen Blick nach draußen, sah sie wie Draco Malfoy sich gerade krümmte und sich in eine kahle Hecke erbrach.
„Was ist passiert?" fragte Feelicitas verunsichert und machte sich auf alles gefasst. „Was passiert ist? Du hast mich nicht einmal gefragt, ob ich irgendwas habe." sagte er vieldeutig und betrachtete sie finster. Feelicitas fühlte sich ertappt, das hatte sie wirklich durch die ganze Aufregung nicht interessiert. Deswegen überflog sie schnell seine Gestalt, musterte ihn von Kopf bis Fuß, fand aber nichts aufregendes: „Wie geht es dir?" fragte sie eine Spur zu besorgt, und verriet ihr schlechtes Gewissen. Er schaute sie recht ungnädig an. „Mir fehlt nichts, obwohl dieser vermaledeite Hippogreif Seidenschnabel auf mich eingehackt hat." erwiderte er schließlich ruhig und Feelicitas fiel ein Stein vom Herzen, aber seine nächsten Worte fügten ihr einen Schock zu: „Ich musste Dumbledore töten." Sagte Severus leise und Feelicitas zuckte zusammen.
„Du hast was!" fragte sie mit erschütterten Entsetzen und das Grauen stand in ihren Blick.
„Ich habe wenig Zeit für Erklärungen, sie sind hinter uns her. Aber ja ich habe ihn selber umgebracht, und ich konnte es nicht verhindern. Draco hatte vom dunklen Lord, den Auftrag dazu bekommen und heute hat er zusammen mit anderen Todessern Hogwarts gestürmt und Albus Dumbledore, der durch Gift geschwächt war, in einen Hinterhalt gelockt. Ich hatte keine Ahnung und als ich dazu kam, konnte ich das Unglück nicht mehr abwenden. Es schien so, als wäre Draco nicht fähig gewesen die Tat auszuführen, aber es gab auch keinen Ausweg mehr, denn zu viele Getreue des dunklen Lords waren zugegen. Ich musste Dumbledores Willen respektieren und es selber tun. Er war der einzigste Mensch den ich... ach vergessen wir das... Ansonsten wäre alles zusammengestürzt. Er wusste selber, das es keine andere Lösung gab, denn ich habe einen unbrechbaren Schwur geleistet, Draco beizustehen. So brachte ich Albus Dumbledore unter den Augen der anderen um, und dann sah ich wie seine Leiche, den Astronomieturm herabfiel."
Ihre Blicke trafen sich und Feelicitas konnte nur leise mit den Kopf schütteln: „Wie konnte es so weit kommen?" fragte sie verzweifelt.
„Wir haben nicht viel Zeit, Feelicitas. Bald schon wird das Ministerium hinter uns her sein, ich muss jetzt gehen." Sagte er gehetzt und wollte sich mit seinen Sachen zum gehen wenden.
„Aber Draco ist doch noch ein Kind." entkam es ihr und sie sah ihn hilflos an: „Warum muss er mit dir gehen, wenn er doch nichts getan hat? Er würde doch jetzt noch am besten aussteigen können und ihr habt doch bestimmt strafmildernde Umstände für Minderjährige. Aber wenn du ihn mitnimmst, dann wird er wie alle anderen Todesser über ein und denselben Kamm geschert. Und Voldemort wird bestimmt auch nicht begeistert sein, das er seinen Auftrag nicht selber erfüllen konnte."
Severus funkelte sie ungeduldig an: „Du hast keine Ahnung Feelicitas. Er ist vor einigen Tagen volljährig geworden und wer das dunkle Mal trägt, der kann nun keine Gnade mehr erwarten. Mit Dumbledores Tod, wird erst mal alles ins Chaos geraten. Niemand würde sich die Zeit nehmen, lange nach irgendwelchen Beweggründen zu forschen. Du warst doch in Askaban Feelicitas, du hast gesehen, wo er enden würde. Es ist besser, wenn ich ihn direkt zum dunklen Lord führe.
Feelicitas schnaubte, doch es kam nicht aus tiefsten Herzen. So weh die Wahrheit auch tat, Severus hatte recht.
„Du musst hier auch weg, Feelicitas." Sagte er plötzlich und Feelicitas schrak wieder aus ihren Gedanken auf.
„Ich werde nicht mit dir gehen. Severus." Sie entgegnete seinen Blick mit unerbittlichem Ernst und hatte ihre Hände in die Seiten gestemmt.
„Ich will dich auch gar nicht dabeihaben. Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. Das musst du alleine regeln. Du musst bis morgen hier bleiben und bei der Durchsuchung des Hauses noch da sein. Versteck das Denkarium und wenn die Leute wieder weg sind, packt eure Sachen. Geh mit Serena zu deinen Freunden, und tauch nicht wieder auf, bevor du nicht Nachricht von mir erhältst. Hast du das verstanden? Es wird Ärger geben, wenn du verschwunden bist, aber es ist natürlich unmöglich dich mitzunehmen."
In ihrer Angst, nickte Feelicitas nur zu allem, was er ihr sagte. Danach betrachtete er sie noch einen Moment forschend. „Mach dir keine Sorgen, ich mache alles so, wie du es sagst." Versicherte sie ihm und er nickte kurz und wandte sich ab. Er war schon fast im Flur verschwunden, da fand sie ihre Stimme wieder.
„Nein, warte!" rief Feelicitas ihm hinterher und zur Türe hin drehte er sich noch einmal um. Feelicitas wollte stark und vernünftig sein, doch sie konnte ihre Tränen nicht weiterhin unterdrücken. Es war ihr auch egal, was er denken mochte, oder Draco aus dem Garten hören könnte. Feelicitas überwand die paar Meter zwischen ihnen und drückte Severus impulsiv an sich und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Natürlich erstarrte er, das merkte sie sofort und hätte erst gar nicht den leicht entgeisterten Blick sehen müssen. Feelicitas musste unter ihren Tränen grinsen: „Schau nicht so entsetzt, ich mache das nicht zum ersten mal mit dir!" flüsterte sie ihn zu, doch er hatte seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle und nickte knapp. Feelicitas wollte ihn um nichts auf der Welt einfach gehen lassen. Sie wusste was innerhalb von Stunden geschehen konnte, und das nicht nur seit Sirius Tod.
Einen Moment dachte sie, Severus wollte sich drängend losmachen, doch er rührte sich nicht. Er schaute sie nur still an. Feelicitas wusste, sie konnte ihn nicht halten, deshalb musste sie handeln. Sie hob eine Hand und spielte leicht gedankenverloren in einer Strähne seines von getrockneten Schweiß verklebten Haares: „Niemand kann sagen, wie es weitergeht." sagte sie leise und versuchte ihrer Stimme einen halbwegs klaren Ton zu geben: „Aber selbst wenn alles im Chaos vergeht, alles verloren sein muss und der Tod und Schrecken umherziehen. Du darfst eines nie vergessen." Sie schaute ihm in die Augen, während ihre eigenen wieder stärker tränten: „Wir lieben dich und damit werden wir nie aufhören, egal was du tun musst."
Dann konnte Feelicitas nichts mehr sagen, und eigentlich wollte sie sich nur zurückziehen um ihn nicht zuschauen zu müssen, wie er ging. Doch eine Hand packte sie am Arm, als sie sich abwenden wollte und plötzlich bekam sie einen beinahe verzweifelt zu nennenden kurzen Kuss auf den Mund, der schneller vorbei war, als sie ihn realisieren konnte. Sie starrte Severus leicht betäubt an. Es schien fast so, als glänzten seine Augen etwas mehr, als noch eben zuvor, doch seine Miene hatte sich nicht verändert: „Gib Serena auch etwas davon ab." sagte er verräterisch leise und dann löste er sich ruckartig von ihr und stürmte in den Garten.
Nur einen Sekundenbruchteil hielt Feelicitas Starre an. Dann verfolgte sie die Beiden von der Haustüre aus mit Blicken, während sie sich verstohlen die Lippen betastete.
„Lass unseren Meister nicht länger warten." sagte er kühl zu Draco und dieser zuckte beklommen zusammen, folgte ihm aber, als Severus eilig an ihm vorbeizog. Feelicitas empfand wieder Mitleid mit diesen Kind und wünschte sich, das Severus mehr auf ihn einging. Und doch zeigte sein schroffes Verhalten nur, das Severus Snape es einfach nicht mehr konnte. Er war selber ziemlich fertig, sein Vorrat an Gefühl und Stärke hatte sich erschöpft und zurück blieben nur all die Sorgen und Verantwortungen, die er nun alleine tragen musste. Mit dem Mord an Albus Dumbledore, schien eine Welt für ihn zusammengebrochen zu sein. Niemand würde verstehen können, wie weit seine Trauer ging und was für Gedanken hinter seinen Augen ihn zutiefst selber verurteilten. Sein Verhalten ließ darauf schließen, das selbst Severus Snape das Ende aller Dinge in nicht allzu weiter Ferne kommen sah.
Bald waren die beiden verschwunden und apparierten noch in der Nähe, so das man ein Plopp hören konnte.
Aber sie schaffte es nicht sich von der Türe zu lösen, selbst wenn draußen nur noch Dunkelheit herrschte und niemand mehr da war, dem man nachblicken konnte. Erst nach langer Zeit, schloss sie mechanisch die Türe und ging ins Wohnzimmer. Severus hatte gesagt, sie musste ihre Sachen packen, aber das konnte sie erst hinterher. Sie musste noch bis zum Morgen warten, bis auch der letzte Ministeriumszauberer das Haus durchgewühlt und wieder verlassen hatte. Sie musste auch noch die Gläser aufräumen, damit niemand dadurch merken konnte, das sie von Severus besucht worden war. Schließlich war sie in der siebenundzwanzigsten Woche, das sie den Whiskey selber getrunken haben könnte, würde ihr niemand glauben.
Das Glas fiel ihr aus der Hand und zersprang am Boden. Feelicitas bückte sich nieder um die Scherben aufzusammeln, aber alles war so sinnlos und das ließ sie verzweifeln. Das einzigste was sie bewirkte, war das sie sich die Finger zerschnitt. Schließlich brach sie einfach unter ihren Tränen zusammen und ließ sie sich auf den Boden sinken und vergrub ihren Kopf zwischen den Knien und weinte hemmungslos. Lange blieb sie alleine auf dem Wohnzimmerboden ihres Hauses sitzen und die Stunden zogen dahin. Draußen wurde es langsam hell und leiser Vogelgesang kündigte einen neuen wundervollen Sommertag an. Doch Feelicitas verspürte nichts davon in ihren Herzen. Dort herrschte nur Hoffnungslosigkeit und die Angst vor einer ungewissen, aber überaus dunklen Zukunft.
Feelicitas konnte sich einfach nicht regen, dabei hätte sie nur Weirdy rufen müssen, damit sie die Glassplitter entfernte, aber selbst das konnte sie nicht. Erst als es an der Türe klingelte, horchte sie wieder auf und nahm ihre Umwelt wahr. Da saß sie immer noch inmitten von Scherben und draußen stand womöglich das Ministerium. An neugierige Nachbarinnen glaubte sie selber nicht mehr, seit der Sache mit dem Muggelkontrolleur hatte sie mit niemanden mehr ein Wort gewechselt und wenn es auch nur das Wünschen der Tageszeit gewesen wäre.
Mühsam erhob sich Feelicitas und versuchte ihr bestes zur Schadensbegrenzung. Aber viel konnte sie nun auch nicht mehr ändern. Ihre rotgeweinten Augen würden sowieso alles verraten. Sie strich sich die wirren Haare glatt, schloss ihren Morgenmantel und dann ging sie langsam in den Flur. Warum das Ministerium überhaupt noch klingelte, war schon ein Wunder. Aber selbst die mussten doch wissen, das man hier keine Mörder festnehmen konnte. Feelicitas öffnete die Türe und ihr standen fünf ziemlich militant aussehende Zauberer gegenüber. Und deren Freundlichkeit schien sich schon mit dem Klingeln erschöpft zu haben. Ohne sich vorzustellen rauschte der Erste schon an ihr vorbei und schritt mit gezogenen Zauberstab ins Wohnzimmer. Der Zweite betrachtete sie erst mal von oben bis unten und blieb an ihren Bauch hängen und schien total überrascht, während die anderen drei sich auch an ihr vorbeiquetschten und das Haus durchliefen. Der Mann, welcher noch bei ihr war, war noch jung genug, um selber einst unter Severus Fittichen im Trankkerker gesessen zu haben. Feelicitas war es egal, was sie dachten. Sie stemmte die Hände in die Seite und blickte sie verachtend an: „Können sie mir vielleicht verraten, was das hier soll?"
„Regen sie sich nicht auf Mrs. ...Snape." sagte er erstaunlich beschwichtigend, jedenfalls war in seiner Stimme kein Ton von Zurechtweisung.
„Ich soll mich nicht aufregen?" fuhr sie ihn ungehalten an: „In dieser Herrgottsfrühe stürmen sie einfach hier so rein und reißen das ganze Haus aus dem Schlaf. Was soll das?" fauchte sie. Er wollte gerade etwas beruhigendes erwidern, da glitt sein Blick zu etwas hinter Feelicitas. Sie schaute sich um, dort stand einer seiner Kollegen und er hielt ein paar der Glassplitter in der Hand.
„Sie waren hier." Sagte er nur zu dem Mann, an der Türe, denn Feelicitas mittlerweile als Einsatzleiter ansah. Meine Güte, die wurden auch immer jünger, wenn sie Karriere gemacht hatten.
Ihr Gegenüber schaute sie scharf an: „Sind sie sicher, das ihnen der Grund unserer Anwesendheit völlig unbekannt ist?"
Feelicitas schluckte, aber da wurde die Miene des Mannes wieder weicher. Mittlerweile hatten seine Kollegen den ersten Stock erreicht und es schien einen Aufruhr zu geben, als sie auf Weirdy trafen, deren Anweisung es ja war Serena zu verteidigen.
„Chef, hier ist ne verrückte Hauselfe und ein Kleinkind." gellte eine Stimme herab. Feelicitas wollte sich gerade umdrehen und Weirdy befehlen, das sie keine Angst vor den Männern haben müsste, doch mit eiskalter Gewissheit fiel ihr plötzlich ein, das sie es nicht machen durfte.
Und da verstand sie auch plötzlich warum der Mann vor ihr, sie so bemitleidend musterte. Für sie war sie eine Muggel. Eine Muggelfrau eines Todesser und da sich das widersprach, deutete doch alles an dieser Ehe darauf hin, das Severus Snape sie schwer misshandelt haben musste und sonst keinerlei Verwendung für sie hatte. Ziemlich nahe aneinanderliegende Schwangerschaften rundeten dieses Schreckensbild nur ab. Das hätte Feelicitas noch nicht so schlimm gefunden, es tat ihr schließlich nicht weh, wenn die sich so irrten. Aber natürlich konnte sie jetzt nicht Weirdy durch die Gegend befehlen und der Zauberstab in ihrem Morgenmantel war auch ziemlich unpassend. Denn musste sie bei Gelegenheit loswerden, und am besten auch direkt ihren früheren, den sie nicht mehr nutzte, der aber in einer Kiste neben ihrem Bett lag. Mit eiskalter Klarheit erkannte sie, das es höchst verdächtig wäre, wenn der alte Zauberstab, der bei dem Mord an Valentina Johnson, erbeutet wurde, wieder auftauchte und mit Feelicitas in Zusammenhang stand. Vor ihren Augen sah sie sich schon als heimliche Mittäterin angeklagt und nach Askaban verschleppt, während man Serena in ein trostloses Waisenheim steckte. Und den Sohn würde man ihr direkt nach der Geburt wegnehmen und von seiner Schwester getrennt in ein anderes Heim stecken, damit man sie nie wiederfinden konnte.
Der Mann von der Eingreiftruppe bemerkte ihr plötzliches erbleichen und als sie dann auch noch zu wanken anfing, fasste er sie stützend am Arm: „Mrs. Snape es ist alles gut. Sagen sie uns nur wo ihr Mann ist und dann wird er ihnen nie wieder wehtun können." Bittend blickte er sie an und Feelicitas kamen die Tränen hoch, sie glaubte nicht daran, das sich diese Leute einfach so überrumpeln ließen. Noch bevor sie wieder verschwänden, würden sie die Wahrheit herausfinden.
„Wo ist Severus Snape?" fragte der Mann sie wieder und sein Ton war drängender.
„Ich weiß es nicht." sagte Feelicitas ein wenig zu auffällig tränenzerflossen und zu allen Überfluss schnufte sie noch theatralisch: „Wenn sie gestatten, würde ich gerne zu meiner Tochter." Flehend sah sie den Mann an. Wenn sie ihn wirklich glaubhaft erzählen wollte das sie an der Seite von Severus Snape, wie eine Sklavin gelebt hatte, dann würde es ziemlich unglaubhaft sein, wenn sie zu viele Widerworte gab. Immer schön höflich, dann würde es vielleicht doch klappen.
Und tatsächlich nickte der Mann.
Als Feelicitas neben Serena im Kinderzimmer stand, waren zwar noch zwei der Eingreifszauberer zugegen, aber diese schienen sich nicht lange an Teddybären aufzuhalten. Feelicitas schaffte es Weirdys Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und ihr die Anweisung zu geben, alle magischen Besitztümer ihrer Herrin verschwinden zu lassen, ohne das jemand irgendwas merkte. Hoffentlich war es noch nicht zuspät, das Denkarium und den zweiten Zauberstab verschwinden zu lassen. Was für ein Glück, das eine Hauselfe etwas war, das man gemeinhin sofort wieder vergaß. Am liebsten hätte sie Weirdy auch direkt ihren eigenen Zauberstab mitgegeben, doch Feelicitas wusste, das die Elfe eigentlich keinen auch nur berühren durfte. Und wenn es auffiel wäre alles verloren.
Einen Moment noch blieb Feelicitas stehen, doch dann entschied sie die Flucht nach vorne zu wählen. Sie packte Serena und ging wieder nach unten. Den magischen Anbau hatten die Eingreifzauberer immer noch nicht entdeckt. Stattdessen bauten sie gerade die Wasserleitung unter der Küchenspüle aus.
Serena kam in den Laufstall im Wohnzimmer und als Feelicitas sich gerade versuchte unsichtbar zu machen, tippte sie jemand von hinten an: „Könnten wir jetzt miteinander reden?" fragte der Mann, von dem sie nicht einmal den Namen kannte.
„Ja, natürlich." erwiderte sie matt und ließ sich auf das Sofa plumpsen. Sie fühlte sich total erschöpft und ihre Füße taten ihr wieder weh, von den Paar Metern die sich durch das Haus gegangen war. Monatelang hatte sie keinerlei Schwangerschaftsbeschwerden und dann bekam sie durch den Stress direkt alles zusammen. Am besten sollte man das wohl ignorieren.
„Ihr Mann war eben hier, richtig?" wurde sie gefragt. Nach einen kurzen Zögern entschied Feelicitas einfach zu nickten. Vielleicht würden wieder ein Paar Tränen helfen, aber leider bekam sie gerade keine raus: „Er kam und hat Sachen mitgenommen." Erwiderte sie leise.
„Was für Sachen?" fragte der Mann sanft, aber fast schon krankhaft interessiert. Feelicitas stieß das ab und am liebsten hätte sie ihm gesagt, das Severus sich einen Pyjama und seine Zahnbürste geholt hätte. Stattdessen versuchte sie wieder zu schluchzen: „Ich weiß es doch nicht. Es war irgendein Zauberzeug. Ich habe doch keine Ahnung von so was."
Zufrieden war der Mann nicht, aber wie es schien dachte er jetzt wirklich, es mit einer ziemlich dummen Muggelfrau zu tun zu haben.
„Und wo ist er dann hingegangen um es zu holen?" fragte er einschmeichelnd sanft. Feelicitas blickte unsicher auf, aber da sah sie schon Weirdy durch den Flur laufen, und die Hauselfe machte eine Miene, als sei ihr Auftrag bereits erledigt. Nun, dann würde es wohl nichts mehr machen, den geheimen Anbau zu verraten.
Kurze Zeit später tummelten sich alle fünf Zauberer im Anbau, fanden aber rein gar nichts. Feelicitas hielt derweil Ausschau nach einen guten Versteck für ihren Zauberstab, es war aber gar nicht so einfach, wenn fünf andere Menschen, einen nicht aus dem Augen ließen.
„Was hat Severus denn gemacht?" fragte sie schüchtern: „Er wollte es mir nicht sagen." Fügte sie erläuternd hinzu, denn sie meinte, das wenigstens einer der Blicke die sie trafen, eine Spur von Misstrauen trug.
In den folgenden Zehn Minuten bekam sie einen ziemlich unglaubwürdigen Bericht davon, was ihr niederträchtiger Gemahl getan haben sollte. Sie bemühte sich ziemlich betroffen zu reagieren, doch scheinbar war das nicht die angemessene Reaktion für eine ungeliebte Ehefrau und wieder bekam sie schräge Blicke.
„Wo sagten sie noch, haben sie ihren Mann kennen gelernt?" fragte sie einer der Männer und warf einen unhöflichen Blick auf ihren dicken Bauch. Feelicitas wusste, sie hatte noch gar nichts dazu gesagt, aber natürlich würde sie alle Fragen beantworten: „In Frankreich habe ich ihn letzten Winter kennen gelernt. Dann bekam ich das Kind und er hat mich geheiratet."
Mittlerweile war wieder der Anführer der Eingreiftruppe zugegen: „Sagen sie mal, was hat sie dazu bewogen mit einen Magier anzubändeln?"
Feelicitas warf ihn einen unschmeichelhaften Blick zu, das er nicht direkt nach Severus gefragt hatte musste wohl nur an seiner guten Erziehung liegen.
„Wissen sie, Magier sind auch nur Menschen." Sagte sie knapp und merkte, das einige sich von dieser Antwort beleidigt fühlten.
„Zuerst wusste ich es nicht, aber als ich es herausfand, war es nicht schlimm. Ich hatte auch mal Magier in der Familie." Fügte sie kurzentschlossen hinzu, vielleicht würde das einige Unstimmigkeiten verdecken.
„Ach tatsächlich?" bekam sie nur zur Antwort. Mittlerweile hatten die Ministeriumsleute das ganze Haus durchforstet, aber nichts gefunden. Feelicitas hatte schon die Hoffnung, das sie nun einfach wieder gehen würden, doch dem war bei weiten nicht so.
„Nun, Mrs. Snape, sie verstehen sicher, das wir das Haus und Vermögen beschlagnahmen müssen, oder?"
Feelicitas blickte den Mann verwirrt an: „Beschlagnahmen? Und wohin soll ich bitte schön gehen? Ich habe ein Kleinkind und bin hochschwanger, auf der Straße zu leben ist da wohl ausgeschlossen."
Empörte sie sich, doch obwohl der Anführer vor ihr ein betretenes Gesicht machte, hörte man doch aus einer anderen Ecke: „Vielleicht sollten sie putzen gehen, das werden sie ja wohl noch können."
Als sie sich umwandte, entgegnete sie den Blick eines der Männer. Die herabwürdigende Antwort musste nichts heißen, aber ein unguter Verdacht kam ihr in den Sinn. Vielleicht waren auch unter den Ministeriumsangestellten Getreue Voldemorts. Das würde auch erklären, warum immer noch dieses Misstrauen herrschte, wenn sie behauptete eine Muggel zu sein. Schließlich musste doch auch der letzte Wissen, das sie zaubern konnte. Das, oder man behandelte sie nur so, weil die magische Welt an sich, was gegen Muggel hatte.
Sie wollte gerade etwas erwidern, da sah sie, wie der Anführer seinen Zauberstab zog.
Verwirrt blickte sie ihn an: „Ist noch irgendwas, das ich wissen sollte?" fragte sie argwöhnig und blickte ihn misstrauisch an. Er nickte auch noch: „Nun, wir müssen sicherstellen, das sie nichts an sich genommen haben, und unter unseren Augen rausschmuggeln." sagte er leise und Feelicitas Augen wurden größer: „Sie wollen eine Körperdurchsuchung machen?"
„Ja, wenn sie nichts dagegen haben. So steht es nämlich in unseren Vorgaben." Erwiderte er aalglatt. Feelicitas schluckte und wusste, das sie schleunigst den Zauberstab loswerden wollte. Vorsichtig tastete sie hinter sich, aber da war nichts, außer die Fensterbank und eine alte Topfpflanze.
Sie hätte sich selber für ihre Dummheit ohrfeigen wollen. Die Topfpflanze war doch das beste Versteck.
„Natürlich habe ich etwas dagegen!" protestierte sie lautstark, während sie verstohlen den Zauberstab aus ihrer Tasche, in den Blumentopf schmuggelte. Hoffentlich sah es unverdächtig aus. „Wenn sie das machen müssen, dann holen sie gefälligst eine Frau her, von ihnen lass ich mich nicht anpacken.
Der Mann musste lachen: „Tut mir Leid, Mrs. Snape. Bei uns Magiern müssen wir nur einen Spruch anwenden, ich werde sie schon nicht anfassen müssen."
So was ähnliches hatte Feelicitas sich schon gedacht, aber ein wenig Aufregung machte unachtsam. Also ließ sie es einfach über sich ergehen und bald kribbelte es auf ihrem Körper. Aber der Zauberstab blieb im Blumentopf.
Scheinbar waren sie aber immer noch nicht zufrieden. Feelicitas nahm Serena zu sich und ging hastig ein paar Sachen packen. Wenn sie mehr Zeit gehabt hätte, dann hätte sie alles sorgfältig schrumpfen können, doch so blieb ihr nichts andere übrig, als nur das wichtigste mitzunehmen. Ein Paar Kleider von sich und Serena, das wichtigste Spielzeug und das Muggelgeld aus dem Küchenschrank. Nicht das sie rechnete, es brauchen zu müssen, aber man überwachte jeden ihrer Schritte, es wäre verdächtig gewesen, wenn sie das einfach so zurückließ. Kurz bevor Feelicitas das letzte mal aus dem Kinderzimmer trat, kamen ihr die Tränen hoch. Natürlich setzte man sich nicht einfach aus die Straße und lieferte sie dem Nichts aus, schließlich würde sie sofort bei den Evonshares unterkommen können, trotzdem ging wieder eine Phase ihres Lebens zuende. Ob sie jemals in ihren Leben wieder ein eigenes Haus und die dazugehörende Rundum Versorgung haben würde?
Doch so weit wollte sie erst mal nicht denken, wenn die Zeit dafür kam, dann konnte sie sich weiter Gedanken machen. Schnell wischte sie ihre Tränen ab und ging dann wieder nach unten, um die Katze einzufangen. Weirdy begegnete ihr im Flur und weil gerade keiner der Männer in der Nähe zu sein schien, wagte Feelicitas sie leise anzusprechen: „Wir treffen uns da, wo wir uns zum ersten mal wiedergesehen haben Weirdy." Wisperte Feelicitas und Weirdy wollte gerade nicken, da fiel ein Schatten über sie. Feelicitas sah auf. Der Mann, der ihr geraten hatte putzen zu gehen, war gerade aus dem Badezimmer getreten und hielt den störrischen Belial im Arm. Es war ein dicker ungepflegter Typ und in seiner Miene war zu sehen, das er mitgehört hatte. Wenn nicht sogar absichtlich: „Denn suchten sie doch, oder?" sagte er und betrachtete sie mit hochgezogenen Brauen. Feelicitas riss ihm den Kater aus der Hand und steckte Belial in den Korb. Sie wollte sich gerade an ihm vorbeidrängen, da ertönte seine Stimme hinter ihrem Rücken: „Die Elfe wird hier bleiben müssen. Sie gehört zum Besitz von Severus Snape und ist somit beschlagnahmt."
Feelicitas drehte sich um und blickte ihn erschrocken an: „Was soll das heißen?"
„Na ja, in der Ministeriumskantine wird sie sich bestimmt gut machen. Die haben immer einen Mangel an flexiblen Hauselfen. Die meisten beschlagnahmten Elfen sitzen nur heulend herum und trauern ihrer Herrschaft hinterher. Aber diese scheint ja selbst einer Muggel zu gehorchen." Dabei sah er sie so fies an, das Feelicitas wusste, das sie enttarnt war. Es gab nur noch einen Weg die Wahrheit zu leugnen und die sie verzweifelt anstarrende Weirdy zu retten: „Weirdy gehört mir." Sagte sie einfach und der Mann nickte mit einen fiesen Lächeln: „Das weiß ich. Ich weiß auch noch einige andere Dinge." Sagte er und schaute sie an, als würde es ihm einen Heidenspaß machen sie zu ärgern: „Deswegen gibt es jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder lassen sie jetzt alles stehen und liegen, sind still und bleiben bis zum Abend hier, oder ich werde den anderen sagen, was hier vorgeht und dann endet diese Elfe vielleicht nicht nur vor, sondern im Suppentopf." Er sah sie fragend an und Feelicitas erbleichte: „Wer sind sie?"
„Namen tuen hier nichts zur Sache, Mrs. Snape. Vertrauen sie mir einfach, dann wird alles ohne Zwischenfälle erledigt sein." Sagte er und hatte einen ziemlich gespielt freundlichen Ton drauf. Feelicitas ahnte, das ihr Gedanke wohl gar nicht mal so falsch gewesen war. Vor ihr stand ein Todesser, und er hatte etwas mit ihr vor.
„Was... warum soll ich bis heute Abend bleiben?" fragte sie leise und doch entgegnete sie seinen Blick. Er lächelte wieder recht widerlich: „Wir durchsuchen heute noch das Haus von unten bis oben. Natürlich werden wir nichts finden, aber so steht es nun einmal in unseren Vorgaben. Gegen sechs Uhr werden die anderen Feierabend machen und ich werde mich freiwillig für Überstunden anbieten. Ich bin noch neu in diesen Job, man wird diese Aufgabe garantiert an mir hängen lassen. Und wenn alle weg sind-" er verstummte, denn jemand ging über den Flur. Leider beachtete sein Kollege sie nicht weiter und verschwand im Obergeschoss.
Unwohl wandte sich Feelicitas ihm wieder zu. „Wenn alle weg sind, werden wir uns auch bald zum gehen wenden. Und wir werden alles so machen, wie ich es sage. Am besten setzen sie sich gleich zu ihrer Tochter und lesen ihr etwas vor. Zwischenfälle wären sehr bedauerlich. Mein Auftrag lautet sie Unbeschaden mit ihren Kind abzuliefern, von der Unversehrtheit der Elfe und der Katze war aber keine Rede. Verstanden?"
Feelicitas nickte und fragte sich, wie sie aus dieser Situation wieder rauskommen sollte.
„Ich wusste doch, das sie vernünftig sein werden. Sie werden schon heiß erwartet, Mrs. Snape."
Feelicitas verstand entgültig, aber dieses ewige Mrs. Snape ging ihr auf die Nerven. Und weil sie so genervt war, entschied sie sich für den Angriff nach vorne und stemmte die Hände in die Hüfte: „Was will Voldemort von mir?"
Ihr Gegenüber machte eine ruckartige Bewegung, als wollte er sie schlagen, doch Feelicitas duckte sich und so kam er ihr nicht zu nahe.
„Halten sie den Mund!" spie er sie außer sich an, Feelicitas bemerkte es mit einen Grinsen: „Warum?" fragte sie sanft: „Dürfen sie ihn etwa nicht so nennen?"
Sie sah deutlich die Befremdung in seinen Blick. Er erwiderte nichts, stattdessen zog er plötzlich seinen Zauberstab. Doch Feelicitas musste nicht lange schauen, um zu merken, das es ihr eigener war. Er grinste gehässig: „Das war eine wirklich schlaue Idee, zugegeben. Aber wenn man sie so betrachtet, dann kommt man schnell darauf, das sie eine der Frauen sind, die auf die Idee kommen, Zauberstäbe in Blumentöpfe zu stecken."
Dabei blickte er mit hochgezogener Braue auf ihren dicken Bauch und Feelicitas reichte es. Jetzt konnte sie sich nicht einmal mehr wehren. Sie funkelte ihn an, konnte aber nicht verleugnen, geschlagen zu sein. Und so ging sie zurück ins Wohnzimmer.
Zwei Stunden vergingen und Feelicitas wusste nicht mehr ein noch aus. Wenn es etwas gab, das sie heute überhaupt nicht machen wollte, dann war es von Voldemort eingesammelt zu werden. Aber was konnte man tun?
Nach einer weiteren Stunde, hatte sie einen Plan. Sie stand auf und suchte Weirdy: „Pass auf das Kind auf!" sagte sie laut und steckte ihr einen Zettel hin, auf den sie: Ich brauche meinen alten Zauberstab, geschrieben hatte. Weirdy nickte und verschwand entgegen ihrer Anweisung im Nichts.
Feelicitas ging weiter durchs Haus und fand den Anführer wieder: „Ich weiß jetzt, wo Severus seine Sachen versteckt hat." sagte sie und auf ihren Gesicht lag ein Grinsen.
Natürlich hatte sie danach volles Gehör, doch zuvor, wollte sie etwas anderes loswerden: „Wissen sie eigentlich, das dieser dicke Typ mit dem Fettfleck auf dem Umhang eben gesagt hat, das er sich langweilt? Er meint er hätte lieber etwas zu tun, als dumm rumzustehen."
Die Augen ihres Gegenübers wurden größer: „Ach, hat er das?" fragte er leicht säuerlich. Feelicitas tat so, als würde es sie nicht interessieren: „Ja, das hat er. Aber ich wollte ihnen ja sagen, wo Severus seine verbotenen Sachen eingebuddelt hat."
„Eingebuddelt" fragte der Mann und sie nickte bedeutungsschwer: „Ja, er hat mal in einer Nacht, ein riesiges Loch in den Garten gebuddelt und was vergraben."
Der Anführer der Eingreiftruppe rannte fast schon hektisch an ihr vorbei.
Genau zehn Minuten später, stand der Todesser im Garten und schaufelte missmutig unter Aufsicht seines Vorgesetzen ein Loch. Warum sie das nicht mit Magie machten, gab Feelicitas doch zu denken. Aber sie es sich damit, das der Vorgesetze einfach ein Exempel statuieren wollte. Wenn man so jung war und schon die Verantwortung trug, musste man schon ein wenig Respekt von den Älteren Untergebenen verlangen.
Weirdy kam an ihre Seite und steckte ihr verstohlen den alten Zauberstab zu. Feelicitas nickte als Antwort, schaute sie aber nicht an. Stattdessen ging sie in den Garten: „Haben sie schon etwas gefunden?" fragte sie den dicken Todesser mit zuckersüßer Unschuld. Er blickte sie nur düster an, doch der Blick seines Vorgesetzten ließ ihn wohl davon Abstand nehmen, ihr die Schaufel über den Kopf zu hauen: „Nein, leider noch nicht, Mrs. Snape." sagte er vieldeutig.
Feelicitas wandte sich wieder zum gehen und tat zum ersten mal seit sehr langer Zeit wieder etwas, das Voldemort ihr beigebracht hatte. Accio, mein neuer Zauberstab! Dachte sie angestrengt und nachdem sie es dreimal versucht hatte, bewegte sich etwas aus dem Umhang des dicken Mannes und ihr rutschte der zweite Zauberstab in die Hand. Erleichtert registrierte Feelicitas, das niemand es bemerkt hatte und zugleich war sie froh, das es geklappt hatte. Nicht auszudenken, wenn es daneben gegangen wäre und irgendwas in Brand geriet. Jedenfalls war das passiert, als sie das erste Mal einen ungesagten Zauber versucht hatte.
Bevor irgendwer merken würde, das ihm etwas fehlte, zog sie sich ins Haus zurück und packte wieder ihre Sachen. Natürlich wurde sie aufgehalten, von einen der Männer. Er war recht dürr und klein.
„Ach, das geht schon in Ordnung." sagte sie mit einem Lächeln: „Ich habe das gerade mit ihren Chef geregelt. Und meine Hauselfe soll ich auch mitnehmen." fügte sie etwas nervös hinzu. Der dürre Mann schaute recht verwirrt: „Ihre Hauselfe? Ich wusste gar nicht das Muggel auch Elfen haben." sagte er und wirkte dabei etwas zerstreut.
„Muggel haben auch keine, aber ich sagte doch, das ich Magier in der Familie hatte. Die haben die mir vererbt, als ich Severus heiratete." Verkündete sie im Brustton vollster Überzeugung und drückte Serena und den Katzenkorb näher an sich.
Doch der Mann nickte und sie durchfuhr eine Stoßwelle der Erleichterung. „Na, dann gehen sie mal." Sagte er immer noch leicht zerstreut. Feelicitas nickte Weirdy zu, diese verpuffte und war verschwunden. Dann nahm Feelicitas die Beine in die Hand und machte, das sie wegkam.
Doch schon kurz nach dem sie das nächste Haus erreicht hatte, hörte sie, das jemand hinter ihr etwas rief. Sie schaute sich nur kurz um, und sah drei der Männer hinter sich herlaufen. Sie riefen ihr zu, das sie noch ein Paar Fragen hätten. Feelicitas konnte das gut verstehen, aber sie würde ihnen diese Fragen wohl schuldig bleiben müssen. Natürlich machte es keinen Sinn schwerbeladen und hochschwanger vor den Eingreifzauberern weglaufen zu wollen. Aber Feelicitas stand ja noch ein viel besseres Mittel zur Verfügung. Sie schlug sich in den nächsten Durchgang zwischen zwei Häusern und dann holte sie ihren neueren Zauberstab heraus und versuchte sich zu konzentrieren. Trotzdem klopfte ihr das Herz, wenn sie daran dachte mit ihrer Tochter, der Katze und dem ungeborenen Kind apparieren zu müssen. Sie wusste, sie konnte es, aber da hatte immer Severus neben ihr gestanden und seine Anwesendheit beruhigte ungemein. Jedenfalls hatte er die Macht besessen sie wieder zusammen zu zaubern, wenn etwas schief ging. Vielleicht hing auch eine Appariersperre über dem Gebiet und es würde gar nicht funktionieren. Doch für solche Gedanken, hatte Feelicitas jetzt keine Zeit, man hörte schon das Trampeln von drei Paar Füßen.
Sie atmete tief durch, schloss die Augen, presste ihre Sachen und das Kind an sich und dann machte sie sich bereit zum apparieren.
Und spätestens als sie den wilden Farbenwirbel durch ihre geschlossenen Lider sah und in der Ferne noch einen enttäuschten Ausruf des Verdrusses hörte, wusste sie, das es geklappt hatte. Sie hatte sich nicht zersplintert, sie war auf den Weg nach Schottland, mitten hinein in den Wald von Lerwick.
Fortsetzung folgt...
Feelicitas: Was für ein Leben. Keine Zwanzig Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und hochschwanger mit dem dritten. Der erste Freund ein Entführer, der zweite Freund tot, der eigene Mann ein Mörder, der ehemalige Geliebte ein Mörder und ehemaliger wahnsinniger Sadist... Was willst du mir noch antun?
Ich: Einiges. Aber hiermit habe ich nichts zu tun, ehrlich. Das habe ich nicht geschrieben, das war jemand anderes.
Feelicitas: Wer war das?
Ich: Ähm, wenn ich dir sage, das du nur in einer FF-welt lebst und deine Realität gar nicht real ist, was würdest du mir dann antworten?
Feelicitas: Du lügst doch!
Ich: Ich? Nie!
Feelicitas: Meinst du Weirdy wird durch den Stress wieder krank?
Ich: Um Weirdy würde ich mir da keine Sorgen machen. Übrigens, das nächste Kapitel ist das letzte für diesen Teil.
Feelicitas: Das habe ich mir auch schon gedacht. Ich werde bestimmt den Rest meines Lebens im Wald von Lerwick verbringen und mich verstecken, oder?
Ich: -
Feelicitas: He, warum lachst du so hysterisch? Sag mir sofort, was im nächsten Kapitel geschieht!
Ich: Niemals! Du wirst noch ein Paar Tage warten müssen, dann weißt du es.
Fortsetzung folgt...
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