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: B s . A A A    : full 3/4 1/2   : E E   : Light Dark Books » Lord of the Rings » Teil 4: Heiler und Wanderer

zita01
Author of 8 Stories

Rated: T - German - Adventure/Humor - Reviews: 184 - Updated: 08-28-07 - Published: 12-23-05 - id:2715894

Disclaimer: Alles Tolkien, mich nix. Kein Geld, nur Spaß und am Ende muss es auch zurück. Selbst wenn Amélie es so gut gefindelt hat wie immer.

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9. Kapitel: Heiße Ohren

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Glorfindel ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Gewöhnlich sparte er sich derartige dramatische Posen für den Fall auf, dass ein leicht zu beeindruckendes weibliches Wesen in der Nähe war. Das einzige, zugegeben höchst wohlgerundete Geschöpf, das er gerade überhaupt erkennen konnte, war eine Beorningerin, die trotz der späten Stunde und mit einer Lampe in der Hand aus Grimbeorns Haus kam. Wenn Glorfindel sich nicht täuschte, war es eine von Grimbeorns Töchtern und damit in hohem Maße gefährliches Terrain. Außerdem trug sie nicht nur die Lampe, sondern auch einen Nachttopf, um ihn zur Jauchegrube zu bringen. Alles in allem waren diese Merkmale stark genug, sein Interesse an der Maid im Keim zu ersticken.

Der eigentliche Grund, warum er nun hier etwas erhöht und voll bewaffnet am Ufer des Anduin stand und südwärts blickte, beide Fäuste in die Seiten gestützt und eine nachdenkliche Falte auf der Stirn, war eine simple Ahnung. Ein Gefühl der Irritation hatte ihn aus seinem Zelt getrieben, quer durch das stille nächtliche Lager seiner Garde und hier hinauf. Eine Weile hatten ihm nur ein paar frühe Glühwürmchen Gesellschaft geleistet und die grandiose Kulisse der Gegend, an die man sich aber letztendlich auch gewöhnte. Trotzdem verharrte er störrisch und ließ den Blick mangels anderer Beschäftigung eben weiter schweifen, wobei er das Schweifen grob auf die südliche Richtung begrenzte.

Es war fast eine Erleichterung, als er die beiden Reiter ausmachte, die sich am Ufer des Anduin entlang durch den Wald bewegten. Und zwar von Süden aus. Sozusagen Anduin aufwärts, wie er in Gedanken ergänzte.

„Wen haben wir denn da?“ murmelte er zufrieden. Es war immer eine Genugtuung, wenn sich Vorahnungen erfüllten. Die Verwirklichung von Visionen war eine andere Sache, auf die hätte er gerne verzichtet, aber Vorahnungen waren Bestandteil seiner Kriegerseele und ihre Verlässlichkeit beruhigte ihn.

Es war sternenklar und außerdem fast Vollmond. Für den Vanya war damit jedes Hindernis ausgeräumt, die beiden selbst auf diese Entfernung klar erkennen zu können. Er kannte diese Reiter. Immerhin hatte er sie selber ausgeschickt, die Gegend zu erkunden. Orks waren in diesen Zeiten überall und er hatte nicht vor, wegen mangelnder Wachsamkeit einen Krieg zu verlieren. Nach Elronds Auskunft sollte er zwar erst im Sommer beginnen, aber Visionen hatten gelegentlich ihre Tücken. Es war durchaus möglich, dass die Quelle der Visionen es mit der Jahreszeit nicht so genau nahm.

Glorfindel setzte sich Bewegung, um die beiden Kundschafter abzufangen, noch bevor sie mitten ins Lager stürmten und alle aus dem Schlaf rissen. Es reichte ein gemütlicher Schlenderschritt, um ihn wieder an den Nordrand der Zeltstadt zu bringen und dann hindurch zwischen den Rundzelten hindurch zu wandern, die in großzügigen Abständen aufgebaut waren und ihren Bewohnern wenigstens etwas Abgeschiedenheit hinter den wetterfesten graublauen Zeltbahnen gewährten. Alles lag in tiefer Ruhe, nur die obligatorischen Wachen begegneten ihm und beschränkten sich auf einen stillen Gruß.

Er kam noch früh genug am südlichen Lagerrand an, um die beiden Reiter auf einer Hügelkuppe etwas weiter östlich auftauchen zu sehen. Aufmerksam beobachtete er sie und bemerkte mit wachsender Beunruhigung, dass sie abgehetzt und alarmiert wirkten. Dennoch glitt so etwas wie Erleichterung über ihre Gesichter, als sie ihn erkannten. Dicht vor ihm brachten sie ihre ebenso erschöpften Pferde zum Stehen.

„Beunruhigende Nachrichten“, rief der dunkelhaarige Elb, der offenkundig der ranghöhere war, denn sein Begleiter machte keinerlei Anstalten, das Gespräch zu eröffnen, sondern beschränkte sich auf eine tiefe Neigung des Kopfes in Glorfindels Richtung.

„Orks?“ fragte Glorfindel knapp.

„Das auch“, bestätigte Elugannel und atmete tief durch. „Ich weiß nicht genau, wie man es nennen kann.“

„Dann lasst Euch schnell etwas einfallen“, knurrte Glorfindel.

Elugannel überlegte einen Moment. „Eine Seeschlacht?“

Glorfindel sagte gar nichts, nur seine Augenbrauen wanderten ein Stück nach oben.

„Drei Schiffe. Zwei Verfolger, eines das flieht.“ Elugannel gestikulierte entgegen seiner sonstigen Art recht heftig. „Als wir sie verließen, hatten die Verfolger fast aufgeholt und schossen Brandpfeile.“

„Hm“, machte Glorfindel und unterdrückte das Gefühl der Enttäuschung. „Die Sterblichen gehen überall auf Raubzug. Wahrscheinlich ein Überfall auf ein Handelsschiff.“

„Lord Erestor ist an Bord des vorderen Schiffs.“

„Wer?“ Glorfindel war einiges von seinem Freund gewöhnt, aber unter Piraten hatte er ihn bislang nicht vermutet.

„Lord Erestor“, wiederholte Elugannel. „Auf dem Handelsschiff...“

Glorfindels Miene hellte sich schlagartig auf. Damit änderte sich die Situation natürlich. „Holt mir Asfaloth“, befahl er dem zweiten Krieger. „Das sehe ich mir genauer an. Elugannel, Ihr begleitet mich.“

„Nur wir beide?“

„Auf dem Anduin können wir ihm kaum helfen.“ Wenn er es überhaupt will, ergänzte er im Stillen. Wer wusste schon, was Erestor wieder im Schilde führte?

„Da wäre noch etwas“, meinte Elugannel gedehnt in die Stille hinein.

Sollte er nachfragen oder nicht? Glorfindel schob alle Bedenken beiseite. „Was?“

„Lord Celeborn war auch an Bord.“

„Tatsache?“ Damit hob sich endgültig Glorfindels Laune. Selbst die Erkenntnis, dass hier offenbar Schiffe in das Rätsel verwickelt waren und er derartige Fortbewegungsmittel für das Überflüssigste in Iluvatars großartiger Schöpfung hielt, konnte daran nichts mehr ändern.

Noch kurz musste er sich gedulden, bis ihm Asfaloth gebracht wurde, bevor er endgültig auf dem Weg zum Ort des Geschehens war. Elugannel mochte die Lage nicht recht verstehen – Glorfindel auch noch nicht – aber er kannte zumindest genau den Weg. Der geschulte Krieger hatte sogar berücksichtigt, dass die Schiffe wohl inzwischen einen weiteren Teil der Strecke zurückgelegt hatten, denn ohne lange Umwege führte er Glorfindel direkt an einen Punkt, wo sich der Anduin mal wieder tief in den Rücken der Welt schnitt und das Ufer hoch zu beiden Seiten hinaufragte.

Die Aussicht war fabelhaft, der Anblick selber allerdings nicht so sehr.

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Hestia fürchtete sich. Der Grund dafür waren nicht die Piratenschiffe mit ihrer blutrünstigen Besatzung, die nun schon fast in Reichweite der Bogenschützen angelangt waren. Vor einem Kampf fürchtete sie sich schon lange nicht mehr. Wenn sie darin starb, war es ohnehin kein überraschendes Ende für sie. Nein, Hestia fürchtete sich vor dem Anduin.

Nervös krallte sie sich an der Reling fest und sah voraus auf die Landmarke in Form einer Felsnase, die weit über der Oberfläche des Anduin aus dem Fels ragte und auf der eine einsame Tanne wuchs. Auch bei den letzten Fahrten hatte dieser Anblick sie immer in diesen Zustand gebracht. Warrick ist ein guter Steuermann, tröstete sie sich verzweifelt. Nicht ein einziges Mal ist die ‚Butterblume’ dort in Schwierigkeiten geraten.

Trotzdem trat kalter Schweiß auf ihre Stirn. Die Untiefen, die vor ihnen lagen, verlangten einiges vom Schiff und seiner Besatzung. Das war schon unter normalen Umständen keine einfache Angelegenheit, aber jetzt...

Hestia lenkte sich ab, in dem sie die Quelle all ihren Ärgers finster musterte. Dieser widerliche Elb stand neben dem anderen, kaum weniger widerlichen Elben aus dem verhexten Wald hinter Warrick an den Heckaufbauten und wandte ihr den Rücken zu. Wenn sie sich getraut hätte, hätte sie ihm ein Messer zwischen die Schulterblätter geschleudert. Hestia grinste bösartig. Dann würde er über Bord gehen und unter dem ersten Piratenschiff verschwinden. Er würde auf den Boden des Anduin sinken und von den Fischen gefressen werden. Ob er dann auch noch sein hinterhältiges, kaltes Lächeln zeigen würde, wagte sie zu bezweifeln.

Ihre Laune trübte sich wieder. Leider bezweifelte sie, dass Erestor sich so einfach abstechen ließ. Wahrscheinlich hörte er das Messer kommen, oder ein anderer seiner spitzohrigen Freunde pflückte es mitten aus der Luft. Diese Elben waren verdammt schnell, sogar die weißhaarige Natter, die ihr beinahe noch mehr auf die Nerven ging als Erestor selbst.

Die ‚Butterblume’ begann unruhig in den ersten Ausläufern der Untiefen zu tanzen. Schlagartig waren alle Gedanken an Rache und Vergeltung verdrängt und Hestias Angst kehrte zurück. Warrick hatte es noch nie gewagt, bei Nacht diese Stelle zu passieren und selbst bei Tageslicht manövrierte er gewöhnlich mit dem geringsten Tempo durch die Wirbel hindurch, die die dicht unter der Oberfläche liegenden Felsnadeln erzeugten.

„Hestia!“

Sie zuckte zusammen und biss sich dabei auch noch auf die Lippe. Erestors Stimme, besonders wenn er Befehle schrie, hatte wirklich keinen guten Effekt auf ihre Gesundheit. Verärgert wischte sie mit dem Handrücken das Blut vom Mund und starrte wortlos zu ihm herüber.

Er deutete hinauf auf den Hauptmast. „Mach, dass du da hochkommst.“

„Jetzt?“ echote sie entsetzt. „Wir kommen gleich-„

„Ich weiß, wo wir gleich sind“, unterbrach er sie herrisch. „Aber wir müssen verhindern, dass die Segel Feuer fangen. Beweg dich!“

„Beweg dich, beweg dich“, schimpfte sie leise vor sich hin. Dennoch schnappte sie sich einen Eimer mit einem Seil und ließ ihn über Bord, um ihn mit Wasser zu füllen. „Warum sollten die Segel Feuer fangen? Eher werden wir alle ertrinken.“

„Und du als erste, wenn du dich nicht beeilst“, wurde sie von der Seite angefaucht. Gleichzeitig ließ diese widerlich hübsche Zwergelbin mit den Schlangenaugen einen zweiten Eimer zu Wasser. „Es ist deine Schuld, dass ich jetzt hier helfen muss. Wenn du nicht wärst, könnte ich die anderen Krieger unterstützen.“

„Wie denn?“ höhnte Hestia. „Willst du die Orks mit deiner großen Klappe beeindrucken? Zu mehr reicht es ja sowieso nicht.“

„Es dürfte reichen, dass ich euch beide gleich über Bord schmeiße!“ Die Stimme war so bedrohlich wie eine Messerklinge an der Kehle. Erestor hatte sich hinter beiden aufgebaut und genoss es jetzt eindeutig, dass nicht nur Hestia sondern auch Leiloss so zusammenschraken, dass sie ihre Eimer zur Hälfte über ihre Kleidung ausschütteten. „Leiloss, rauf auf den Mast! Hestia, du reichst ihr besser nur die Eimer an.“

„Warum muss ich ihr die Eimer…?“ schmollte Hestia, unterbrach sich aber sofort wieder. Sollte doch die dumme Elbin dort rumturnen. Sie würden schon merken, wie unruhig es gleich würde. „Ich mach ja schon.“

Erestor hörte ihre letzten Worte gar nicht mehr. Er hatte sich einfach wieder umgedreht und war an seine alte Position zurückgeeilt. Auch Leiloss stand nicht mehr neben ihr, sondern turnte bereits die zu schmalen Strickleitern verknüpften Taue hinauf. Neidvoll bemerkte Hestia die Leichtigkeit, mit der die Elbin sich auf dem unsicheren Grund hielt. Wie eine Eidechse glitt sie hoch hinauf, obwohl die ‚Butterblume’ bereits stark gegen die Strömung kämpfte und sich das behäbige Schiff wie ein wütender Bulle gegen die Kräfte wehrte, die es gegen die Felsen ziehen wollten.

Aber auch der Neid war nicht stark genug, Hestia noch länger ablenken zu können. Warrick steuerte viel zu schnell in die Untiefe hinein. Er konnte zwar nicht anders, um weiterhin den Abstand zu den Verfolgern zu halten, aber lange würde ihnen das auch nicht mehr helfen. Hestia warf einen letzten Blick auf das Piratenschiff schräg hinter ihnen. An Deck brannten Lichter. Es dauerte einen Moment, bis sie erkannte, dass dies Pfeile waren, die diese ekligen Monster wohl in Pech getaucht und entzündet hatten. Sie planten, die ‚Butterblume’ in Brand zu stecken. Ausgerechnet in den Untiefen, in denen man nicht einmal über Bord springen und sich ans Ufer retten konnte.

Hestia nahm es Leiloss nicht einmal mehr übel, dass sie den nun leeren Eimer neben ihr auf Deck fallen ließ. Sie hätte ihn zwar mit dem Seil bremsen können und wahrscheinlich lag es sogar in der Absicht des Spitzohrs, sie damit zu treffen, aber darüber würden sie sich später unterhalten. Hestia füllte ihn auf und sah nur kurz zu, wie Leiloss ihn eilig wieder nach oben zog, um ihn dort über das Segel zu entleeren. In der Zwischenzeit bemühte sich Hestia, ihren eigenen Eimer wieder aufzufüllen, ohne über Bord zu gehen.

Sie war nicht die einzige, die sich mit dieser Aufgabe abmühte. Mehrere der Mannschaft waren gleich ihr damit beschäftigt, auf dem schwankenden Deck herumzulaufen und alles mit Wasser zu übergießen, das womöglich Feuer fangen konnte. Die Elben gehörten nicht zur Löschtruppe. Sie hatten sich bei Erestor und diesem Celeborn versammelt, um die ‚Butterblume’ zu verteidigen. Eigentlich fingen sie sogar schon damit an. Hestia ließ sich wieder davon ablenken. Es war ein zu faszinierender Anblick, wie die Elben die Pfeile aus den Köchern zogen und diese ebenfalls an der Spitze von Feuer umhüllt wurden, kaum legten sie sie in die Sehne. Gandalf musste dafür verantwortlich sein. Ganz ruhig stand er hinter ihnen, hatte den Stab ein Stück vor sich abgestellt und in dessen knorriger Spitze glühte ein geheimnisvolles Leuchten. Der Zauberer war wirklich unheimlich, seit er mit den Elben zusammen war.

Die ‚Butterblume’ schlingerte einmal heftig und Fels kratzte über Holz. Hestia lehnte sich vor und sah voller Entsetzen, wie zwei Ruderblätter abgerissen wurden. Im nächsten Moment erklangen Schmerzensschreie unter Deck. Es musste die Ruderer heftig durchgeschüttelt haben, als der Zusammenprall erfolgte. Warrick schrie einen Befehl, drehte heftig am Ruder und die ‚Butterblume’ befreite sich widerwillig aus den Wirbeln, die sie näher an die nächsten Felsen getragen hätten. Die Steuerbordseite neigte sich tief dem aufgewühlten Wasser entgegen. Hestia hielt sich an dem Seil fest, das Leiloss ihr mitsamt dem Eimer wieder vor die Füße geworfen hatte. Ein Besatzungsmitglied neben ihr hatte nicht so viel Glück. Er fiel zu Boden und rutschte auf dem nassen Deck immer schneller auf die dem Wasser zugeneigte Seite zu. Es schien unvermeidlich, dass er über Bord gehen oder zumindest heftig gegen die Holzreling krachen und sich schwer verletzen würde.

Hestia schrie entsetzt auf, aber sie konnte einfach nichts tun. Zu schwer war es schon, sich in diesem Moment selber auf der schräg im Wasser liegenden ‚Butterblume’ zu halten. Jemand anderer hatte keine Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Wie aus dem Nichts tauchte der Elb, der immer um die weißhaarige Schlange rumschlich, auf. Er packte den zappelnden Seemann am Kragen und zerrte ihn das schräge Deck bis zum Mast hinauf. Auffordernd gestikulierte er in Richtung Hestias, die ohne lange zu überlegen das Seil des Eimers fester um ihre Hand schlang und sich auf die beiden zurutschen ließ. Der Elb fing sie mit einem Arm auf, schob sie gegen den Mast und bedeutete ihr dann, Warricks leicht benommenen Seemann zu übernehmen. Kaum hatte sie ihn gepackt, nickte ihr der Elb noch einmal zu und lief dann wieder davon.

Der Seemann sah aus einem Gewirr nasser blonder Haare zu ihr herauf, während er sich jetzt mit beiden Händen am Mastbaum festklammerte. „Danke.“

„Bedank dich bei dem Elb“, knurrte sie ihn an. Sie zuckte zusammen, als an dem um ihr Handgelenk geschlungenen Seil heftig gezerrt wurde. „Was willst du, Glamdîs?“

„Pennst du?“ brüllte es von oben. Leiloss hing über der Rahe mehrere Meter über ihr und deutete auf einen Pfeil, der zwar nicht im Mast selber sondern in eines der darauf verlaufenden Taue eingeschlagen war. Die Flammen leckten bereits daran empor und es war nur eine Frage der Zeit, wann das Tau reißen und das Segel an Halt verlieren würde. „Ich komm von hier aus nicht ran.“

Hestia seufzte. In Leiloss’ Eimer war noch genug Wasser, um die Gefahr abzutöten. „Zieh mich hoch!“

Leiloss nahm sie prompt beim Wort. Hestia schrie kurz auf, als sie den Boden unter den Füßen verlor, weil die Elbin das Seil mit beiden Händen packte und sie ungestüm nach oben zog. Sie pendelte etwas hin und her, zappelte mit den Beinen, um es auszugleichen und sengte sich an der Stirn die Haare an, weil Leiloss mit dem Ziehen genau vor den Flammen stoppte. Einen bösen Fluch auf den Lippen bedeutete Hestia ihr, sie noch ein Stück höher zu ziehen, dann hievte sie den Eimer etwas hoch und fragte sich, wie sie ihn ausleeren sollte. Etwas mühsam umklammerte sie mit den Beinen den Mast und lockerte etwas ihren Griff um das Seil, damit sie beide Hände benutzen konnte. Es kostete sie einige Mühe, bis sie soweit war und außerdem verbrannte sie sich den Saum ihrer Weste dabei. Schließlich landete das Wasser auf dem Tau, auf der Weste und unfreiwillig auch auf Hestia selbst, aber zumindest war sie noch rechtzeitig gekommen, bevor das Tau zu stark angegriffen war.

Hestia legte den Kopf in den Nacken, um der Elbin zu bedeuten, dass sie sie wieder runterlassen konnte, als sie ohne Vorwarnung weiter nach oben gezerrt wurde.

„Hilf mir hier!“ befahl diese Hexe ihr grinsend, als sie oben ankam und sich entsetzt am Querbalken festkrallte. „Da unten sind genug, die unsere Eimer füllen können.“

„Dafür feil ich dir die Ohren rund!“ fauchte Hestia sie an.

„Hast du etwa Höhenangst?“ amüsierte sich Leiloss und rutschte etwas zur Seite, damit Hestia etwas mehr Platz hatte.

„Blödsinn!“

Sie standen jetzt etwas mehr als einen Schritt auseinander, nur auf einem dünnen Tau, das quer unter dem Balken verlief. So weit oben waren die Schwankungen der ‚Butterblume’ noch viel schlimmer als unten auf Deck. Hestia war sich beinahe sicher, dass sie sich nie wieder bewegen konnte, so eisig steckte ihr die Angst in den Knochen, den Halt zu verlieren und unten auf den Planken zu zerschellen. Außerdem hatte sie auch noch einen wirklich unangenehmen Ausblick nach vorne auf den Anduin, wo sie gerade in die schlimmste Stelle einfuhren. Die Wasseroberfläche war von zahllosen Wirbeln aufgewühlt, Felsnadeln ragten aus dem Wasser und man musste sehr viel Erfahrung haben, um den schmalen Weg dazwischen zu erkennen und auch einhalten zu können.

„Eru, sieh dir das an!“

Hestia hätte am liebsten in den nächsten Minuten gar nichts mehr gesehen, aber vor Leiloss würde sie keinesfalls wie ein Feigling dastehen. Leiloss hatte sich halb umgedreht und so bemühte sich Hestia, den Oberkörper wenigstens etwas zur Seite zu biegen, ohne dabei auch nur im Geringsten den Griff um die Querstange zu lösen. Ihre Augen wurden groß, als sie das erste Piratenschiff mit brennenden Segeln mitten zwischen die Felsnadeln fahren sah.

Es knirschte fürchterlich. Holzsplitter stoben davon und die Schreie auf dem Schiff veränderten sich von blutrünstig zu Todesangst. Das Schiff brach regelrecht auseinander, während die Besatzung und auch die Orks von Bord gingen. Die meisten verschwanden sofort kreischend in den Strudeln, nur einen konnte sie erkennen, der sich mit mächtigen Schwimmzügen aus den todbringenden Wirbeln befreite und ein Tau ergriff, das ihm von dem zweiten, weiter hinten liegenden Piratenschiff zugeworfen wurde.

„Der Uruk’hai“, sagte Leiloss mehr zu sich selbst. „Es überleben wohl immer die Schlimmsten von allen.“

Hestia warf ihr einen misstrauischen Blick zu. „Wie meinst du das?“

„Fühlst du dich etwa angesprochen?“

„Kann sein.“

Leiloss legte den Kopf ein wenig schief und schien zu überlegen, welche Gemeinheit sie ihr wohl entgegnen sollte. Aber plötzlich machte sie eine wegwerfende Handbewegung. „Lass uns weitermachen. Erestor guckt schon so komisch.“

„Bedrohlich?“

„Ja.“

„Also so wie immer“, seufzte Hestia und entwirrte das Tau von ihrem Eimer. Neben ihr gab Leiloss einen Laut von sich, der beinahe wie ein unterdrücktes Lachen klang, aber sicher war sich Hestia nicht.

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Mit gerunzelter Stirn hörte Elrond der sehr bildhaften Schilderung zu, die Glorfindel nicht ohne Genuss von sich gab. Während er nach seinem leichten Harnisch griff, um ihn anzulegen, fragte er sich ernsthaft, ob der Balrogtöter möglicherweise Halluzinationen hatte, hervorgerufen durch zuviel Ruhe und Frieden.

„Sie sind eindeutig hierher unterwegs“, schloss Glorfindel seinen Bericht. „Ich würde ja sagen, die Lage ist nun ausgewogener, da nur noch ein Schiff übrig ist. Aber dieses Handelschiff, auf das sich unser guter Freund begeben hat, ist nicht gerade mit denen der Piraten zu vergleichen.“

„Erestor, Mithrandir und Celeborn?“ vergewisserte sich Elrond, um Zeit zu gewinnen. „Sicher?“

„Kann man sie verwechseln?“ Glorfindel grinste etwas. „Außerdem kletterte oben am Mast eindeutig eine Ithildrim herum. Da Thranduil Varya wohl kaum unbeaufsichtigt auf dem Anduin herumschippern lässt, kann es nur Celeborn sein.“

Dem war wenig entgegenzusetzen. Elrond unterdrückte einen Seufzer, griff nach seinem Waffengürtel und marschierte aus dem Zelt. Im Lager herrschte bereits die vertraute Aufregung einer Gefahrensituation. Glorfindel hatte offenbar Befehl gegeben, sich am Ufer bei der Furt einzufinden. Was dann geschehen sollte, war Elrond aber noch ein Rätsel.

Die Hälfte der Krieger hatte sich in einer langen Reihe auf der Uferböschung vor der Furt aufgebaut, die Bögen in den Händen und die Aufmerksamkeit flussabwärts gerichtet, wo die Schiffe bald auftauchen mussten. Elrond und Glorfindel hingegen steuerten direkt die Furt an, wo die Boote der Beorninger vertäut waren und auf ihren nächsten Einsatz warteten.

Nicht nur die Boote, korrigierte sich Elrond, als Grimbeorn auf ihn zustapfte. Der Beorninger hatte das grobe Gesicht in zusätzliche Falten gelegt und sah damit aus wie ein schroffer Fels. Seine Augen huschten über die kampfbereiten Elbenkrieger und auch über Elronds Schwert.

„Elbenfürst!“ brummte er missmutig. „Was geht hier eigentlich vor?“

Elrond erklärte es ihm.

„Wie sah das Handelsschiff aus?“ erkundigte sich Grimbeorn nach kurzem Schweigen.

„Wie ein Handelsschiff eben“, antwortete Glorfindel mit einer nachlässigen Handbewegung. „Behäbig, unelegant und mit einem fürchterlich gelben Segel.“

„Die ‚Butterblume’“, blaffte Grimbeorn keinen bestimmten seiner Zuhörer an. „Das ist Warricks Schiff. Guter Kapitän, guter Mann. Ich werde sehen, was ich für ihn tun kann.“

Damit stampfte er davon und brüllte lautstark etwas den Hügel hinauf. Nur wenig später tauchten seine Fährleute auf und besetzten die Boote, ohne sie jedoch los zu machen. Grimbeorn kam ebenfalls zurück, diesmal mit einer schweren Keule bewaffnet.

„Plant Ihr, das Piratenschiff zu entern?“ erkundigte sich Glorfindel interessiert.

„Wir planen gar nichts“, war die unfreundliche Antwort. „Wir lassen uns überraschen.“

„Wie spontan“, murmelte Glorfindel spöttisch.

Elrond warf ihm einen verärgerten Blick zu. Als ob sie selber orientierter wären! Dabei wurde es Zeit für einen guten Plan, denn an der Flussbiegung tauchte nun das Schiff auf, das Glorfindel so treffend beschrieben hatte. Elrond fragte sich einen kurzen Moment, wie man ein Segel in dieser Farbe überhaupt in Erwägung ziehen konnte, aber menschliche Vorlieben waren ein Feld, das sich ihm auch nach all den langen Jahrtausenden nicht wirklich erschlossen hatte.

Die ‚Butterblume’, so nah bereits an der Furt, war in wirklicher Bedrängnis. Drohend baute sich hinter ihr das Piratenschiff auf. Elrond schluckte etwas, denn aus Erzählungen waren ihm die schwarzen Segel durchaus vertraut. Sie hatten sich vielleicht den gefährlichsten Gegner ausgesucht, den man auf dem Wasser haben konnte. Und es war der Lage nicht zuträglich, dass auf dem Piratenschiff Orks zu erkennen waren.

Es waren nur wenige hundert Meter von der Biegung bis zur Furt, doch sie schienen zu reichen, dass die ‚Butterblume’ dennoch ihrem Schicksal nicht entkommen sollte. Das Schiff selber war nicht mehr unversehrt. Das Segel war durchlöchert mit Brandflecken, im Rumpf steckten brennende Pfeile und sie schien leichte Schlagseite zu haben. Trotzdem hielt sie tapfer weiter auf die Furt zu.

„Nehmt die Verfolger unter Beschuss, sobald sie in Reichweite sind!“ ertönte Glorfindels Befehl an seine Bogenschützen.

Mehr konnten sie im Moment auch nicht tun. Elrond fühlte, wie seine Nervosität wuchs. Es war nicht seine Art, hilflos dabeizustehen, während andere in Gefahr waren, doch sie konnten einfach nicht eingreifen, solange die Schiffe so weit vom Ufer entfernt waren.

Offenbar hatte man sie an Bord der ‚Butterblume’ entdeckt. Die Ruder tauchten schneller ins Wasser ein. Das war eher ein subtiles Zeichen, deutlicher hingegen war die silberhaarige Gestalt weit oben am Mast über die Rah gebeugt, die nun wild zu ihnen herüberwinkte.

„Leiloss“, seufzte Glorfindel und winkte zurück. „Ithildrim haben sogar mitten in einem Vulkanausbruch Zeit für Begrüßungen.“

Elrond hoffte eher, sie fiel vor lauter Begeisterung nicht herunter. Ithildrim hatten nämlich auch immer Zeit, in einen verhängnisvollen Unfall zu geraten. Sie hatte gute Chancen, denn ihr Kapitän führte ein recht zackiges Manöver durch, das sein Schiff näher zum Ufer hin brachte.

„Nicht gut“, grollte Grimbeorn, der ganz in ihrer Nähe Stellung bezogen hatte. „Er wird die Fahrrinne durch die Furt verfehlen und auf den Sandbänken landen.“

„Vielleicht will er das ja“, meinte eine recht vertraute Stimme hinter ihnen.

Einen Moment vergaß Elrond, welches Drama sich da vor ihm abspielte. Er fuhr herum und konnte nicht verhindern, dass ihn eine Welle der Erleichterung überkam. Thranduil war also wirklich gekommen. Die Vision schien sich in diesem Punkt zumindest zu irren.

Es musste an ihrer Konzentration auf das Geschehen auf dem Anduin gelegen haben, dass sie die Ankunft der vielen Reiter nicht bemerkt hatten. Elrond warf seinen Söhnen einen kurzen, unheilverkündenden Blick zu und lenkte dann seine Aufmerksamkeit wieder zurück auf Düsterwalds äußerst gelassenen König, der noch immer im Sattel saß und mit leicht zur Seite geneigtem Kopf seinen Blick erwiderte.

„Ist dieses Schauspiel extra für mich inszeniert?“ erkundigte sich Thranduil Oropherion mit königlicher Überheblichkeit. „Oder folgt Euch einfach nur Unheil, wo immer Ihr auch seid?“

„Manchmal bist du unausstehlich“, mischte sich Düsterwalds Königin tadelnd ein und rutschte dann aus dem Sattel, um zuerst Glorfindel herzlich zu umarmen, bevor sie sich Elrond zuwandte. „Nehmt es ihm nicht übel, Meister Elrond. Er ärgert sich nur, dass er bis jetzt ignoriert wurde.“

Trotz der Situation ließ es sich Elrond nicht nehmen, sie ebenfalls in eine kurze Umarmung zu schließen. Es erfreute ihn, sie so wohlauf und strahlend zu sehen. Es waren seine feineren Sinne, die die in den letzten Jahren gewachsene Stärke in ihr ausmachten. Varya musste ein erfülltes Leben führen, um sich immer mehr dem Punkt zu nähern, den man als innere Ruhe bezeichnen konnte, auch wenn der Weg doch noch recht weit genannt werden musste.

„Wenn ich mir das dort so ansehe, kann ich langsam den unhöflichen Empfang verstehen“, meinte Thranduil, der nun wie auch der Rest seiner Begleiter, unter denen Elrond mit großer Erleichterung Estel ausmachte, abgestiegen war und hinter seine Gemahlin trat. Über ihren Kopf hinweg musterte er Elrond ernst. „Was genau geht da vor?“

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„Sie holen uns noch an der Furt ein“, erkannte Erestor und seine Stimme ließ wenig von den Emotionen erkennen, die in ihm tobten.

Gandalf fragte sich, ob dieser Noldo jemals lernen würde, sich nicht immer zu beherrschen. „So sieht es aus.“

Von Warrick kam ein wütendes Knurren. Der Mann war in den letzten Stunden um Jahre gealtert. Er schien sogar abgemagert, seine Haut hatte einen gräulichen Schimmer, so erschöpft war er, aber dennoch ließ er niemand anderen ans Ruder. „Bevor ich die ‚Butterblume’ diesen Kreaturen überlasse, versenke ich sie.“

„Eine dramatische, aber dennoch angemessene Geste“, kommentierte Orophin. „Werdet Ihr auch bis zuletzt an Bord bleiben? Ich hörte, dies sei ein überraschend heroischer Brauch unter den sterblichen Seefahrern?“

„Orophin“, murmelte Celeborn warnend und erntete einen verständnislosen Blick seines Kriegers. „Kümmert Euch besser darum, das Schlimmste zu verhindern.“

„Herr, bedauerlicherweise wurde der letzte unserer Pfeile soeben auf die Reise geschickt“, verkündete Orophin völlig unangetastet von jeder Kritik die nächste schlechte Nachricht.

Gandalf blickte sehnsüchtig zum Ufer. Imladris-Elben hatten sich dort aufgebaut. Sie hatten sicher noch genug Pfeile, aber dass sie das Verfolgerschiff aufhalten konnten, schien unwahrscheinlich. Jeder an Bord der ‚Butterblume’ konnte das Brüllen der Orks bereits hören. Saurons Diener waren voller Zorn, dass die Gruppe auf dem gesunkenen Schiff zu den ersten Opfern gehört hatte. Allen voran der Uruk’hai tobte nun ohne jede Deckung vorne auf dem Bugaufbau herum. Die Piraten hatten längst gemerkt, dass ihrer Beute die Pfeile ausgegangen waren, die in den letzten Stunden immer wieder ihr Ziel getroffen hatten.

Es waren die Elben gewesen, die die ‚Butterblume’ bislang vor dem endgültigen Untergang gerettet hatten. Das galt umso mehr, seit das Schiff in den letzten Ausläufern der Untiefen doch noch Leck geschlagen war. Wasser drang stetig durch ein Loch vorne am Bug in das Schiff ein und zog es steuerbord langsam aber sicher herunter. Warricks Männer bemühten sich zwar, das Wasser wieder hinauszuschöpfen, aber sie schienen den Kampf unter Deck ebenso zu verlieren, wie es die Krieger nun hier oben auch erleben mussten.

„Diese Sandbank…“, begann Erestor gedehnt und zog sofort aller Aufmerksamkeit auf sich. „Wäre es möglich, dass wir uns von dort aus ans Ufer retten?“

Warrick sah aus, als würde er in Tränen ausbrechen wollen, aber er nickte. „Es wäre nicht einfach, denn der Anduin führt immer noch das Schmelzwasser aus dem Norden. Aber ja, ich denke schon.“

Besonders, da Grimbeorn offenbar schon seine Boote bereit machte, erkannte Gandalf nach einem schnellen Blick nach vorne.

„Die Piraten werden uns im Wasser wie Hasen abschießen“, wandte Celeborn ein. „Im Gegensatz zu uns haben sie nämlich noch Pfeile.“

„Kommt darauf an“, lächelte Erestor. „Warrick, was meint Ihr dazu?“

Der Sterbliche gab zum ersten Mal seit dem Beginn des Angriffs das Steuer aus der Hand. Er überließ es einem grauhaarigen, dürren Mann, dessen sehnige Hände sich geübt um die Zapfen an dem seidig polierten Holzrad legten. Er nickte seinem Kapitän beruhigend zu.

Warrick blickte vorsichtig am Heckaufbau vorbei und betrachtete eingehend das Verfolgerschiff. „Ein gutes Schiff, sehr schnell mit einem schmalen Rumpf.“

Gandalfs Geduld näherte sich ihrem Ende. „Was soll das Ganze?“

„Nicht so ungestüm“, tadelte ihn Erestor boshaft.

„Es könnte funktionieren“, erging sich Warrick weiter in seinen rätselhaften Betrachtungen, die wohl außer ihm nur noch Erestor verstand. „Aber es bricht mir das Herz.“

„Mit einem gebrochenen Herzen kann man leben, nicht aber mit einem durchlöcherten, guter Mann.“

„Ihr seid herzlos“, schnaufte der Kapitän, bevor er sich wieder an sein Ruder begab.

„Mag sein“, sagte Erestor gelassen. „Und auch damit kann man leben.“

„Würde mir bitte jemand-„

„Warrick setzt die ‚Butterblume’ auf Grund“, unterbrach ihn Celeborn mit leichter Betrübnis. „Sehr schade, aber durchaus sinnvoll. Dieser Kahn hat kaum Tiefgang, während das Piratenschiff davon eine ganze Menge hat. Es wird uns folgen und ebenfalls auf Grund laufen. Nur noch etwas früher. Orophin!“

Gandalf knurrte etwas, weil es ihm nicht selber aufgefallen war. Er entschuldigte es damit, dass er vom Schiffsbau keine Ahnung hatte. Weder auf Valinor noch hier in Mittelerde hatte ihn dieses Fortbewegungsmittel sehr interessiert. Woher Celeborn seine Kenntnisse bezog, war ihm allerdings rätselhaft. Der Sinda konnte sein Wissen unmöglich aus den hübschen, kleinen Schwanenbooten ziehen, die wohl eher Galadriels Spielzeug waren.

Die ‚Butterblume’ drehte abrupt in Richtung des östlichen Ufers ab. Sie hielt jetzt genau auf den Rand der Furt zu. Das Wasser war dort heller und zeigte damit sehr deutlich, dass der Grund des Flusses sehr viel näher an der Oberfläche war, als an den anderen Stellen. Offenbar hatte Warrick vor, das Schiff in voller Fahrt auf Grund laufen zu lassen, um die Piraten nicht vorzuwarnen.

Befehle erklangen und die Mannschaft machte sich bereit, in wenigen Augenblicken kräftig durchgeschüttelt zu werden. Irgendwie beschlich Gandalf der Verdacht, dass sie etwas übersehen hatten, aber die Aufregung an Bord störte erheblich seine Gedankengänge. Er suchte sich einen sicheren Platz hinten am Heckaufbau, klemmte sich den Stab unter den Arm und hielt sich an einem Balken fest. Erestor und Celeborn waren ganz in seiner Nähe, auch sie hatten sich einen sicheren Stand gesucht und teilten ihre Aufmerksamkeit zwischen dem immer näher kommenden Ufer und dem Piratenschiff, auf dem offenbar nun die letzten Kräfte mobilisiert wurden. Auf den letzten Metern schloss es nun noch schneller auf.

„Ruder einziehen!“ donnerte Warrick und seine Männer gehorchten prompt. Der schnelle Schlag der Ruderblätter verstummte nach so langer Zeit endlich. Es war beinahe still, nur die Geräusche des Wassers und das Gebrüll ihrer Verfolger war noch zu hören.

„Festhalten!“ gab Warrick die endgültige Warnung.

Eru steh uns bei, schickte Gandalf einen Stoßseufzer an keinen genau bestimmten Empfänger und sah hilfesuchend nach oben. Er erstarrte, als er Leiloss und Hestia entdeckte, die immer noch oben auf der Rahe standen und verwirrt die Vorgänge viele Meter unter ihnen verfolgten.

„Da oben!“ rief er entsetzt. „Erestor, die Mädchen sind noch da oben!“

Der Kopf des Noldo zuckte hoch und er gab einen heftigen Fluch von sich. Etwas Ähnliches kam von Celeborn. Helfen konnte den beiden dort oben jedoch keiner mehr. In diesem Moment bohrte sich der breite, flache Bug der ‚Butterblume’ in die ansteigende Sandbank neben der Fahrrinne. Durch das Schiff ging ein mächtiger Ruck, als es so plötzlich gestoppt wurde. Knirschend schob es sich noch ein Stück über den Sand, dann kam es zur Ruhe. Es reichte jedoch, dass alles an Bord durcheinander gewirbelt wurde. Selbst Gandalf ging in die Knie, konnte sich jedoch halten.

Voller Entsetzen bemerkte er, wie die beiden Gestalten oben auf dem Mast die volle Wucht des Aufpralls mitbekamen. Sie hatten sich zwar festgehalten, aber selbst die Kräfte der Elbin reichten nicht aus. Zuerst flog Hestia in hohem Bogen über Bord und verschwand nach einem harten Aufprall unter der Wasseroberfläche. Leiloss folgte ihr nur mit kurzer Verzögerung. Ihr gelang es wenigstens, ihre Flugbahn noch etwas zu steuern und so traf sie mit den Füßen voran und kontrolliert auf.

Gandalf zuckte zusammen, als hinter ihm ein ähnliches Geräusch ertönte, wie es zuvor von der ‚Butterblume’ gekommen war. Er fuhr herum und wurde Zeuge, wie sich das Piratenschiff schräg hinter ihnen ebenfalls auf Grund setzte. Der Uruk’hai an Bord tobte und trieb seine panischen Orks fast schon hysterisch an, die hilflose ‚Butterblume’ nun endgültig unter Beschuss zu nehmen.

„Wir müssen von Bord!“ rief Celeborn Gandalf zu. „So schnell wie möglich. Sie sind uns noch viel zu nahe gekommen.“

Warrick drehte sich müde zu ihnen um. „Geht nur.“

„Seid nicht albern“, fuhr Erestor ihn an. „Es besteht nun wirklich kein Grund, diese lächerliche Sitte einzuhalten und mit dem Schiff unterzugehen.“

„Sie geht nicht unter, nicht wirklich. Aber ich habe den Anduin hier an der Furt unterschätzt. Das schafft keiner meiner Männer. Versucht Ihr es wenigstens, Herr. Ihr Elben seid stärker als wir.“

„Also wirklich“, meinte Celeborn tadelnd. „Mir war gar nicht klar, wie schlecht der Ruf der Eldar unter den Sterblichen ist. Rumil! Alles bereit machen, uns gegen die Orks zu verteidigen.“ Er sah mit hochgezogenen Brauen zum Ufer. „Und so langsam könnte sich mein Schwiegersohn in Bewegung setzen und uns zu Hilfe eilen.“

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Kaya Unazuki: Nein, kein Freitag, aber immerhin Dienstag. Ich nähere mich der alten Regelmäßigkeit. Und sobald der Wasserschaden hier behoben ist, werde ich noch regelmäßiger.

Ariel color: Also, der weißgrün-gefleckte, bierbäuchige und natürlich nur sehr entfernte Verwandte der Elben und damit vielleicht sogar Thranduils (iiieeeck, dafür hängt er dich) Elbenork wäre natürlich noch was, das eine eigene Story verdient. Varya schult allerdings ganz bestimmt auf Orkologin um, zumindest in den nächsten Kapiteln. Merkwürdige Orks sind eine Sache, die ihr sowieso keine Ruhe lassen wird. Soviel kann ich schon mal verraten.

Frenze: Wie wäre es mit beiden? Ein Haufen nackter Elben und dazu trägt jeder so ein Eichhörnchen auf der Schulter? Gut, wir wollen nicht unverschämt sein. Nehmen wir nur die Elben. Sprachschwierigkeiten kann man auch ohne Pelztier überwinden. Jetzt hoff ich nur, du triffst vor diesen Elben nicht auf einen Haufen schwarzbepelzter, hungriger Spinnen. Wobei man sich prächtig von den Elben vor den Spinnen retten lassen kann. Auch nett +ggg+. Maedcam und Forlos üben im Moment noch. Die kommen im nächsten Kapitel wieder, die armen Verschwörungsopfer.

Annchen: Oh, du hast den Führerschein. Zum Glück leben die Waldelben meistens auf Bäumen, sonst müssten wir sie noch als bedrohte Art schützen +ggg+- sorry, war nicht so gemeint. Nur Führerschein oder sogar schon eigenes Auto? Macht es wenigstens Spaß? Dann hast du die Stunden während der Schneeverwehungen genommen? Meine Hochachtung. Ich hasse Schnee. Und ja, mein Auto ist wieder in Ordnung, dafür kommt dann immer was anderes. Aber egal, diesmal bin ich etwas schneller. Nicht böse sein, der Mensch denkt, die Valar lenken. Kommt immer anders als man denkt. Jetzt verrat mir doch, welche englische Sache du meintest. Irgendwie überleg ich und überleg ich +review durchsieb+ und find sie nicht. Ich les doch auch gerne lustige Sachen.

Feanen: Leih es dir, ich geb es wirklich gerne. Und irgendwie kann ich es nicht fassen, dass wieder was von dir online ist. Was geupdateted sozusagen. Nun wirst du mir leider nicht entgehen können. Ist das ein Druckfehler mit dem ersten Posten der Story und dem letzten? Aber gut Ding will Weile haben.

Shelley: Das Arcor sich da aber man nicht schämt. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hatte ich die Pappe auf von Orks, die nicht Sindarin können. Also musste ich dem guten Jungen ja mal ein bisschen hilfreich unter die Arme greifen und dieses Eichhörnchen kam mir gerade recht. So geht es Stofftieren nun mal, wenn sie untätig in Palästen rumlungern. Egal, jetzt ist es da und wird noch gebraucht.

Lady cel: Kein Freitag, aber zumindest Dienstag. Noch jedenfalls. Galadriel hat im Moment mal ein bisschen Pause. Die muss erst Luft holen und sich Mut antrinken gegen Haldir. Oder war das umgekehrt. Naja, sie kommt aber bald zurück.

Susi: Nein, ich gesteh es ein. Es geht sehr langsam voran und es liegt wirklich nur an der mangelnden Zeit. Irgendwie hat sich alles gegen mich verschworen. Die Inspiration ist es nicht. Wenn man so ein Ding hätte, um einfach aus dem Kopf sofort perfekt in die Datei zu übertragen, wäre die ganze Story nächste Woche fertig abgespeichert. Ich tipp zwar schon schnell, aber wenn alle zehn Minuten eine Unterbrechung kommt oder man rausgerissen wird, ist das extrem lästig. Sorry nochmals.



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