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Das siebte Mysterium
Author: lucinde27 PM
Sieben ist die mächtigste magische Zahl und das siebte Geheimnis einer großen Kraft das entscheidende. Harrys Kampf gegen die Zeit, die Ahnungslosigkeit und den Terror. Kapitel 15: Habichdich ... Post HBP
Rated: Fiction T - German - Adventure - Harry P. - Reviews: 151 - Updated: 04-06-07 - Published: 01-07-06
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Hallo!

Spät wie immer, aber schließlich doch online: das nächste Kapitel …Ich fange gar nicht erst an, die Gründe aufzuzählen, warum es mal wieder so lange gedauert hat, darum jetzt schnell die Antworten auf die reviews ohne reply-button -

DKub: Dankeschön und oha, du hast also meinen zweiten Vornamen herausgefunden Tja, ich cliffe gerne, aber dem folgenden Kapitel bleibt er erspart (na ja, mehr oder weniger) … Du hast übrigens Recht, was Percy betrifft …

frodobeutlin: Vielen Dank auch dir! Ich weiß nicht, ob es Rabenmenschen in der Mythologie gibt – diese hier habe ich mir ausgedacht. Die fliegenden Frauen sind Harpyien (oder Harpien, wie ich sie der Einfachheit halber nenne) und die kommen zwar in diesem Kapitel nicht, aber dafür später bestimmt noch einmal vor … Und ich dank dir schön, dass du dann doch keine finsteren Gestalten an meine Haustür geschickt hast (sichschnelldenSchweißabwischt) !

Arthus: Vielen Dank für deine reviews. Ja, auch du hast mit deiner Vermutung Recht! Und du kannst beruhigt sein. Dem Kleeblatt geschieht nichts. Noch nicht …

Vielen Dank noch mal an alle, die mir ein Feedback hinterlassen haben! Auch wenn ich versuche, mich nicht davon abhängig zu machen – es tut doch so, so, so gut ….

Noch eine Anmerkung zum Titel des Kapitels: ich habe ihn geklaut aus dem Buch „Ihr kennt mich nicht" von David Klass (ein wundervoll geschriebener Jugendroman, wirklich empfehlenswert!). Im Original lautet er „Gottcha" – viel besser, aber na ja …

Und noch etwas: dieses Kapital ist auch um eine endgültige Bearbeitung herumgekommen, darum sind manche Formulierungen vielleicht seltsam, aber ich wollte nicht länger warten! Und es ist wieder sehr lang.


Kapitel 15: Habichdich

Am See waren einige der Siebtklässler gerade im Begriff, Decken und Körbe in ein am Ufer wartendes Boot zu verstauen. Hermine, ein Rebe voll Trauben in der einen, in der anderen Hand eine Schale mit Obst, war die erste, die Harry fassen konnte. Er umkrallte ihren Arm und sie ließ einen kleinen, erstickten Schrei hören, als er ihr entgegen schleuderte:

„Todesser! Drüben am Tor! Weg mit euch!"

Hermine reagierte so schnell, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet. Sie wirbelte herum, ließ achtlos Schale und Weintrauben fallen, formte die Hände zu einem Trichter und stieß gedämpft, aber für alle hörbar, aus: „Todesser! Lauft!" Der alarmierende Ton verfehlte seine Wirkung nicht: Neville, der an ihrer Seite gestanden hatte, ließ seinen Becher Kürbissaft fallen und flüsterte totenbleich: „ Was … Harry, bist du das …?" Lavender und Lisa Turpin aus Ravenclaw klammerten sich gleichzeitig an die Seiten des südländischen Astronomie-Professors, dessen Laute zitternd schepperte, Seamus daneben verschluckte sich an einer Melonenscheibe und wurde von einem Hustenkrampf geschüttelt, Dean Thomas und Anthony Goldstein, die eben noch das Boot beladen hatten, waren die ersten, die ihre Zauberstäbe zogen und hektisch im Schein der bunten Lampions zwischen Hermine und den dunklen Schlossgründen hin und her fuchtelten. Harry stürzte weiter, auf Professor Merrythought zu, die wie ein Gespenst in ihrer weißen Robe inmitten von Körben und dickbauchigen Flaschen stand, den Blick gen Westen gewandt.

„Seid leise! Lichter aus, es ist viel zu hell!" verlangte Hermine in seinem Rücken.

„Da seht mal!" Pansy Parkinson drängte den noch immer nach Luft schnappenden Seamus zur Seite und deutete auf irgendetwas auf dem Boden, das ihre ganze Aufmerksamkeit fesselte. Zu spät erkannte Harry, dass es seine Turnschuhe waren. Wie ein Blitz war sie bei ihm und griff aufs Geratewohl ins Nichts, erhaschte seinen Umhang, bevor er ausweichen konnte und zerrte ihn mit Triumphgeschrei herunter.

Sie starrten sich an.

„Potter. Es ist Harry Potter!" keifte sie los. „Er ist HIER! Ich hab …" Sie verstummte, mit weit aufgerissenen Augen und dem Tarnumhang in der ausgestreckten Hand, steif wie ein Garderobenständer. Galatea Merrythought wandte den Zauberstab von ihr ab und richtete ihn nun auf die Lampions, die zuckend erloschen.

Crabbe, Goyle und Theodore Nott griffen im selben Moment in ihre Umhänge. Nott war der Schnellste von ihnen, doch Neville war noch schneller. „Expelliarmus …" rief er und schwenkte dann hinüber zu Crabbe und Goyle, die erst mal gar nichts taten und unschlüssig von Nott, der sich die Hand hielt, zu der versteinerten Pansy hinüber glotzten.

„Was soll das alles, ich versteh nicht …" Professor Lopez strich irritiert über die leise wimmernden Saiten seines Instruments. Lavender hing noch immer an seinem Arm; die Hand auf den Mund gepresst, starrte sie auf Harry, wie alle anderen auch.

„Todesser! Mindestens zwei Dutzend und sie sind gleich hier!" stieß er aus. Sein Anblick löste bei den Anwesenden offenbar mehr Bestürzung aus, als die nahende Bedrohung. Dean kam langsam näher. „Warst du die ganze Zeit hier, Harry?"

Sie drängten sich um ihn, ihre Gesichter, bleiche Masken aus Verwunderung und Furcht, zuckten zwischen ihm und der angrenzenden Dunkelheit hin und her. Die mondbeschienenen Wellen des Sees plätscherten leise gegen das Ufer, die Zauberstäbe von Neville und jetzt auch Hermine waren noch immer auf Crabbe, Goyle und Nott gerichtet.

„Was ist das?" raunte eine zaghafte Stimme und alle sahen hinüber zu dem bläulichen Flirren im Schwarz der Nacht, das wie ein riesiges Spinnengewebe den Westteil des Geländes überspannte und sich immer weiter auszubreiten schien.

„Sofort ins Schloss!" krächzte Galatea Merrythought und winkte ungeduldig mit dem Hörrohr.

„Aber der Weg ist viel zu weit. Das schaffen wir nie …" In Lavenders Stimme schwang unüberhörbar Hysterie.

„Es gibt eine Abkürzung." Die knochigen Finger der Hexe gruben sich in Harrys Oberarm und ihre verschiedenfarbigen Augen funkelten ihn an. „Führen Sie sie zu Albus´ Grab. Dort rufen Sie den Phönix …"

„Ich versteh nicht …." murmelte Harry.

„Ihren Patronus! Rufen Sie ihn! Er zeigt Ihnen den sichersten Weg ins Schloss! Sorgen Sie dafür, dass alle Gryffindors im Gemeinschaftsraum bleiben. Enrico …" Sie winkte den noch immer fassungslosen Professor Lopez heran. „Bringen Sie die übrigen Schüler zu ihren Schlafsälen! Sie dürfen diese auf keinen Fall verlassen! Haben Sie mich verstanden? Los jetzt!"

Harry zögerte. „Was ist mit Ihnen?"

„Ich bin viel zu langsam. Beeilen Sie sich. Sie könnten es schaffen und die anderen im Schloss warnen. Und was immer dieses Ding da anrichtet …", ihr Blick fiel wieder auf die Wolke, „ ….halten Sie sich fern davon!" Sie richtete sich auf und wandte sich an die Umstehenden. „Folgen Sie Potter! Er führt Sie ins Schloss. Wenn Sie die Gemeinschaftsräume erreichen, bleiben Sie in Merlins Namen darin!" Nun musterte sie die Slytherins, einen nach dem anderen, wie ein Raubvogel eine Handvoll Hamster. „Wer meint, die Seiten wechseln zu müssen, der kann das JETZT tun!" Crabbe und Goyle tauschten unschlüssige Blicke, Nott straffte die Schultern, doch Blaise Zabini trat aus dem Hintergrund hervor, zog den Tarnumhang aus Pansys steifen Fingern und reichte ihn wortlos an Harry weiter. Millicent Bulstrode folgte ihm hastig.

„Da!" flüsterte Hermine und alle sahen in die angegebene Richtung. Jetzt konnte man die Umrisse der Gestalten ausmachen, die im Schutz des blauen Schattens auf das Schloss zueilten. Aus dunklem Nachthimmel schossen überraschend zwei Flieger auf die Angreifer zu, doch kaum gerieten sie in den Dunstkreis der rätselhaften Wolke, begannen ihre Besen zu trudeln und stürzten schließlich wie Meteoritensplitter zu Boden.

„Viktor hat heute Nacht Dienst", hauchte Hermine und Harry, der für einen Atemzug lang befürchtete, sie wolle in die Dunkelheit stürzen, um ihn zu warnen, ergriff ihre Hand und drückte sie fest. Dann wandte er sich an seine ehemaligen Mitschüler: „Los jetzt! Kommt!"

Er setzte sich in Bewegung, die anderen liefen ebenfalls los, er konnte ihre hastigen Atemstöße in seinem Nacken spüren. Auf halbem Weg sah er sich noch einmal um; Pansy stand noch immer regungslos da, doch auch Crabbe, Goyle und Nott schienen sich nicht mehr zu bewegen. War es eine Täuschung oder dematerialisierten ihre Körper? Offenbar hatte die Professorin sie desillusioniert. Sie selbst aber leuchtete noch immer weiß in der Dunkelheit. Er blieb stehen, doch sie gab ihm ein ungeduldiges Zeichen, weiter zu gehen.

„Und jetzt?" keuchte Lavender, als sie Dumbledores Grab erreicht hatten. Harry trat näher, berührte den kühlen, weißen Stein. „Expecto Patronum….", wisperte er und der Phönix formte sich aus der Spitze seines Zauberstabes; ein schmaler Riss, der langsam breiter wurde, spaltete knirschend das Gestein, grad so, als öffnete das Grab seine Pforten. Lavender schrie auf, doch Professor Lopez legte ihr geistesgegenwärtig die Hand auf den Mund. „Steigen Sie hinab!" drängte er Harry, der seinem langsam verblassenden Patronus hinterher starrte. Er gab sich einen Ruck und stieg die grob behauenen Stufen hinab, die sich vor ihm aufgetan hatten. Hermine war die nächste, dann folgte einer nach dem anderen. Hinter dem Professor schloss sich die Spalte im Stein wieder und überließ sie tiefschwarzer Dunkelheit. Ein mehrstimmiges „Lumos" offenbarte den vor ihnen liegenden Gang: es roch nach feuchter Erde, Wasser tröpfelte von irgendwo über ihnen auf ihre Köpfe oder sammelte sich in Rinnsalen, die in glitzernden Netzen die Wände überzogen und in denen sich das Licht ihrer Zauberstäbe hundertfach brach.

„Okay, gehen wir!" Harry marschierte los; wie eine Schlange krümmte sich der Weg dann und wann und da es nur eine Richtung gab, ohne verwirrende Kreuzungen oder Seitengänge, war es unmöglich, sich zu verlaufen. Er verschwendete kaum Gedanken an den Ursprung dieses Ganges. Vielleicht war er schon immer da gewesen, vielleicht aber hatte ihn eine rätselhafte Magie nach Dumbledores Tod durch die Erde gegraben, doch augenblicklich zählte nur, wie schnell sie auf diesem Wege die Gemeinschaftsräume erreichen und die anderen warnen konnten.

Was, wenn die Meute bereits das Schloss erreicht hatte? Was war mit Galatea Merrythought und den Zurückgebliebenen?

„Schneller!" drängte er. Sein Atem kam stoßweise im Takt der Schritte hinter ihm. Er sah sich kurz nach Hermine um – sie eilte konzentriert, den Blick fest nach vorn gerichtet, neben ihm durch die Dunkelheit.

„Und wenn wir ihnen direkt in die Arme laufen?" jammerte Lavender. „Ich weiß, wie sie Susan Bones Tante zugerichtet haben. Es hat mehrere starke Zauber gebraucht, um sie eindeutig zu identifizieren …"

„Sei still!" herrschte Hermine sie an. „Du machst sie am Ende noch aufmerksam mit deinem Gejammer!" Die Aussicht genügte, um Lavender sofort zum Schweigen zu bringen.

„Ich glaube, wir sind schon im Schloss", meldete Harry, keine zwei Minuten später. Vor ihm lag eine Wendeltreppe, die sich in ferne Höhen schraubte. Vielleicht waren sie im Innern des Nordturmes?

„Hier ist das Ende …" flüsterte Hermine, als sie nach einem quälend langen Aufstieg vor einer Wand standen, die ein Weitergehen unmöglich machte. „Wie kommen wir raus?"

Harry zuckte die Schultern, drückte versuchsweise gegen die steinerne Fläche – und wie eine Tür schwang diese unvermittelt auf. „Vorsichtig", mahnte Hermine, als Harry hindurch kletterte, doch ihre Warnung war überflüssig: sie standen dem Porträt der Fetten Dame direkt gegenüber - niemand war zu sehen.

Die anderen zwängten sich, überrascht wie Harry, an ihm vorbei. Professor Lopez verschloss die Öffnung mit einem Zauberspruch und nichts in der makellos weißen Wand deutete einen Geheimgang dahinter an.

„Gehen Sie und bleiben Sie da drin, was auch geschieht …" riet er den Gryffindors . „Sie kommen mit mir!" befahl er den übrigen, die nicht lange zauderten und sich, dicht aneinander gedrängt, sofort in Bewegung setzten.

„Aber wir müssen die Schulleiterin warnen. Und alle anderen", hielt Harry ihn zurück.

„Das mache ich. Bringen Sie sich in Sicherheit!"

„Oh, was ist das für ein Aufruhr?" erkundigte sich die Fette Dame, nichts Gutes ahnend, und die in grünen Samt gewandete Dürre an ihrer Seite blickte verwirrt auf die Gryffindors herab. „Geh lieber zurück in dein Bild, Clothilde, da scheint etwas passiert zu sein…"

„Magiator…" unterbrach Dean fordernd und sie schwang so hastig zur Seite, dass ihr Besuch beinahe aus dem Bild stolperte. Harry winkte alle hinein und nachdem er der Fetten Dame eindringlich eingeschärft hatte, ja niemanden hereinzulassen, schlüpfte er selbst durch die Öffnung.

Ginny, die mit zwei anderen Gryffindors am Kaminfeuer gesessen hatte, erhob sich langsam und starrte ihnen entgegen. Ihre Augen weiteten sich überrascht, als sich Harry, für alle sichtbar, mit den anderen in den Raum drängte, sie sagte aber nichts, sondern sah ihn nur unverwandt an.

Noch bevor irgendjemand die Möglichkeit einer Frage hatte, schluchzte Lavender: „Todesser, sie sind hier …."

Ein Erstklässler in einem der Sessel schrie laut, zwei andere sprangen so abrupt auf, dass der Tisch mit dem Zaubererschach umstürzte und die Figuren laut schimpfend über den Boden rollten.

„Das ist Harry Potter …" sagte eine Stimme von irgendwo und schlagartig war es still bis auf das Tappen nackter Füße, die die Treppen aus den Schlafsälen nach unten schlichen. Der Lärm hatte endlich auch die aufgeschreckt, die schon zu Bett gegangen waren.

„Hört zu!" Harry hob die Hände, während sich die aufgebrachten Gryffindors um ihn scharten. „Ja, es stimmt, ich habe sie gesehen …." Ein Raunen zog durch die Zuhörer, als sie versuchten, sich der Bedeutung dieser Worte klar zu werden. „Aber hier seid ihr sicher …" setzte Harry angesichts der weit aufgerissenen Augen der jüngeren Schüler nach. „ …solange ihr den Gemeinschaftsraum nicht verlasst!"

„Wir lungern doch nicht untätig hier rum", konterte Seamus und trat vor „Sie wissen nicht, dass wir gewarnt sind, oder? Der Überraschungsmoment ist auf unserer Seite!"

„Du bleibst hier, kapiert? Was glaubst du denn, wer die sind?"

„Hast du uns nicht beigebracht, wie man sich verteidigt?" Dean sprang Seamus zur Seite. „Oder war das alles nur ein netter Zeitvertreib?"

„Professor Merrythought hat uns befohlen, hier zu bleiben" antwortete Neville. „Hast du das schon vergessen?"

Ein Zweitklässler meinte aufgeregt: „Sie kommen doch hier nicht rein, oder?"

„Wenn die wollen, kommen die überall rein! Die lassen sich doch nicht durch ein Passwort aufhalten …"

„Halt die Klappe, Seamus!" zischte Ginny. Sie war unmerklich an Harrys Seite gehuscht und beugte sich jetzt mit einem beruhigenden Lächeln zu dem Zweitklässler herunter. „Natürlich kommen sie hier nicht rein!"

Seamus verschränkte unwillig die Arme vor der Brust und schob den Unterkiefer vor.

„Aber mein Bruder … er … ist noch nicht wieder zurück … er wollte in die Bibliothek", meldete sich die besorgte Stimme Dennis Creeveys.

„Ich bin hier, keine Sorge!" tönte es von der anderen Seite und während die Creevey-Brüder ihre glückliche Wiedervereinigung feierten, sah Harry auf Hermine, die genau dasselbe zu denken schien, wie er. Er trat neben sie. „Ich gehe zu Ron!"

„Ich komme mit", bestimmte Ginny.

„Auf keinen Fall!"

„Ich komme mit! Ron ist auch mein Bruder …."

„Hör mal, Ginny, ich glaube, wir brauchen uns um ihn keine Sorgen machen …", mischte sich Neville ein und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Niemand, der das Passwort nicht kennt, kommt in den Kerker. Perc … ähm …Professor Weasley hat darauf bestanden, ihn einzusperren, damit er sich nicht vor der Strafarbeit drücken kann, wenn er am Abend das Schloss verlässt ..."

Harry nickte, ohne Ginny oder Hermine anzusehen. Er konnte ihnen nicht sagen, dass ausgerechnet Percy es gewesen war, der die Todesser eingelassen hatte. So wenig er Percy auch mochte, so wenig konnte er sich aber auch vorstellen, dass aus ihm plötzlich ein Anhänger Voldemorts geworden war … Wahrscheinlich hatten sie ihn mit einem Imperius-Fluch gefügig gemacht. Nichtsdestotrotz stellte er eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.

„Ginny, hör zu", flüsterte er nach kurzem Zögern und nahm sie zur Seite. Hinter ihnen begannen die Gryffindors, auf Anweisung von Seamus, Barrikaden aus Sesseln und umgedrehten Tischen um das Porträtloch zu postieren. „Ich gehe nur in den Raum der Wünsche – das ist nicht weit. Da ist der Spiegel, mit dem ich Ron warnen kann! Er ist relativ sicher im Kerker, aber er muss wissen, was los ist …Sobald ich ihn gewarnt habe, bin ich wieder zurück! Du wirst hier mehr gebraucht." Er deutete mit dem Kopf auf die furchtsamen Erstklässler, die von Seamus hinter einen Paravent dirigiert wurden, dann aber den Platz mit Dennis Creevey und Jimmy Peakes tauschen und sich zwischen zwei mächtige Eichenschränke quetschen mussten. Ginny öffnete den Mund, schien es sich aber anders zu überlegen und nickte langsam. Ihre Augen waren dunkel und brennend.

„Nimm den Tarnumhang! Du weißt, dass sie dich nicht kriegen dürfen …" Hermine zeigte auf den Umhang, den er, seit Pansy ihn unten am See enttarnt hatte, ungenutzt unter den Arm geklemmt hatte. Ihr stummes „noch nicht" verstand er sehr wohl.

Er wickelte sich in den luftigen Stoff, drehte sich um und stieg durch das Porträtloch, bevor ihn jemand aufhalten konnte. Der Flur war leer, glücklicherweise lag der Raum der Wünsche auf demselben Stockwerk. Nachdem die Fette Dame ihm ein weiteres Mal beim Maler ihres Bildnisses geschworen hatte, niemanden ohne Passwort einzulassen, lief er los. Er erreichte sein Ziel ohne Hindernisse. Dobby stand wie immer Wache vor der Wand gegenüber Barnabas dem Bekloppten, der gerade gebeutelt aus dem Gemälde kroch, während die Trolle gelangweilt ihre Tutus zerfetzten.

Harry hob für einen Moment den Umhang. „Dobby, hör genau zu: Todesser sind hier in Hogwarts, zwei Dutzend mindestens! Du musst zur Schulleiterin und sie warnen!"

Dobbys riesige Augen fielen ihm beinahe aus dem Kopf. „Was sagt Harry Potter? Harry Potter muss sich irren!"

„Leider irre ich mich nicht. Schnell, sag jedem Bescheid, den du antriffst!"

Dobbys Unterlippe begann heftig zu zittern. „Nein, nein. Das kann nicht sein, Harry Potter machte böse Scherze mit Dobby! Dobby und alle anderen werden so gut bewacht, nein, nein…"

Harry packte den Hauselfen unsanft bei den Schultern. „Dobby! Das ist kein Scherz! Geh schon!"

Jetzt endlich nickte Dobby, seine Ohren zitterten mittlerweile mit der Unterlippe um die Wette.

„Pass auf dich auf …" mahnte Harry, als er mit einem letzten furchtsamen Blick disapparierte.

Als der Elf verschwunden war, glitt Harry in den Raum der Wünsche. Er rief Rons Namen in den Spiegel, doch erst beim dritten Mal erschien dessen Gesicht auf der anderen Seite. Er drückte einen Stofffetzen gegen seine Augen. „Harry? Ich hab versucht, mit dir zu sprechen, aber ich konnte dich nicht erreichen…"

„Ich hab den Spiegel hier vergessen … Ron, pass auf: Todesser sind auf dem Gelände, wahrscheinlich sind sie inzwischen im Schloss…Sie haben irgendwie die Schutztruppen lahmgelegt. Du musst dich in Sicherheit bringen, verstanden?"

„Was? … Wer?"

„TODESSER, Ron. Verdammt!"

Ron stieß einen Schwall Verwünschungen aus, die Mundungus Fletcher die Schamröte ins Gesicht getrieben hätten; er nahm für einen kurzen Moment das Tuch vom Gesicht und Harry konnte erkennen, dass die Region um seine Augen gerötet und geschwollen war.

„Was ist mit deinen Augen, Mann?"

„ … da war diese Tube, ich hab sie nur beiseite legen wollen, dann ist mir das Zeug in die Augen gespritzt. Ich … kann nichts mehr sehen, es brennt wie Feuer…Harry, ich habe meinen Zauberstab nicht … Percy hat ihn mir abgenommen, damit ich nicht in Versuchung gerate, ihn zu benutzen …"

„Halt aus, ich komme runter!"

Und schon war er draußen, zog den Tarnumhang noch enger um sich, lief den Gang entlang auf die schwankenden Treppen zu und lauschte angespannt. Ein spitzer Schrei und aufgebrachte Rufe bestätigten seine Vermutung: die Todesser waren inzwischen in das Schloss eingedrungen. Die Schreie kamen aus einem der unteren Stockwerke. Aufmerksam schlich er die Stufen hinab, eine nach der anderen, und hoffte, dass die sich ständig bewegenden Treppen ihm günstig gesinnt waren. Auf der Höhe der fünften Etage sah er sie dann: zwei Maskierte sprangen die Stufen der unter ihm liegenden Treppe hinauf! Er visierte den ersten von ihnen an, der Stuporfluch ließ ihn gegen den hinter ihm Laufenden schlagen, sie verloren das Gleichgewicht, stürzten mehrere Stufen hinab und blieben beide reglos auf dem Treppenabsatz liegen. Harry hatte keine Zeit nach ihnen zu sehen, denn aus dem Stockwerk unter ihm gellten erneut Schreie zu ihm hoch. Er machte einen Satz auf eine vorbeischwebende Treppe und hechtete auf den Lärm zu. Vor dem schmalen Flur, der zur Bibliothek führte, duellierte sich eine Auror mit einem Todesser, Harry schoss einen Lähmungszauber auf ihn ab. Der Auror sah sich überrascht nach seinem unsichtbaren Helfer um, doch in dieser Sekunde tauchte in seinem Rücken ein weiterer Angreifer auf. Mit noch immer überraschtem Blick fiel der Auror, ein junge Frau, wie Harry jetzt erkannte, vornüber. Bevor Harry den zweiten Todesser mit einem Zauber bremsen konnte, war dieser in dem schmalen Gang verschwunden. Harry folgte ihm, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie er eine wimmernde Schülerin grob vor sich her stieß. Harrys Zauber setzte ihn endlich außer Gefecht; das Mädchen schluchzte auf und stolperte verängstigt in Richtung Bibliothek davon.

Unten in der Halle hatte sich der Lärm verstärkt, jemand grölte wie im Feuerwhiskey-Rausch. Harry sah die Treppenflucht nach unten in die Tiefe, dann sprang er die restlichen Stufen hinab. Durch die Spalten des Geländers beobachtete er, was in der Eingangshalle vor sich ging: ein halbes Dutzend Todesser hatte sich um zwei Angehörige der Schutztruppe gruppiert und malträtierte sie mit ihren Flüchen. Harry nagte an den Lippen und überlegte hastig - wenn er jetzt einen Fluch abfeuerte, machte er nur auf sich aufmerksam und konnte nicht mehr unbemerkt an ihnen vorbei auf dem Weg in die Kerker! Die Schreie der Gequälten drangen zu ihm hoch; er konnte ihren Schmerz fühlen. Er streckte sich ein wenig und visierte die Stundengläser mit den bunten Edelsteinen an. Eines nach dem anderen zersprang; die Rubine, Smaragde, Saphire und Citrine hüpften glitzernd über den Boden wie von einer gewaltsam zerrissenen Glasperlenkette und ergossen ihre Farbenpracht über den grauen Stein. Die Todesser waren tatsächlich einen Moment lang abgelenkt; zwei von ihnen nahmen ihre Zauberstäbe von den am Boden Liegenden, einer der Gefangenen nutzte die Chance und kroch langsam auf seinen Zauberstab zu. Harry feuerte einen weiteren Fluch auf den großen Eberkopf über dem Eichenportal, der krachend auf den Steinfliesen zerbarst; die Todesser wurden unruhig, wirbelten herum, der Kriechende hatte endlich seinen Zauberstab erreicht und feuerte einem der Angreifer in den Rücken. Vom Treppenabsatz über sich hörte Harry andere Rufe – zwei Auroren waren von irgendwo erschienen und attackierten die Todesser. Harry zögerte nicht länger. Im folgenden Fluchgewitter sprang er die restlichen Stufen hinab, geduckt und wie ein Slalomläufer eventuellen Querschlägern ausweichend, hechtete schließlich um die Ecke, den Tarnumhang mühsam am Flattern hindernd, auf die Kerker zu. Er bezweifelte, dass Professor Lopez die anderen Schüler in der kurzen Zeit in Sicherheit hatte bringen können – wahrscheinlich waren sie abgefangen und irgendwo zusammen getrieben worden. Er würde sich später darum kümmern …

Ohne weitere Hindernisse erreichte er die Kerker. Hier unten war es still, keine Seele weit und breit. Harry klopfte gegen die Tür des Verlieses, in dem sein Freund den Strafdienst versehen musste.

„Ron! Ron hörst du mich?" Keine Reaktion. Er klopfte heftiger.

„Harry?" wisperte eine Stimme von der anderen Seite. „Bist du das?"

„Ja ich bin´s. Wie lautet das Passwort?"

Bruderliebe. …"

„Was …?"

„Das ist das Passwort! Bruderliebe. Idiotisch, ich weiß …!"

Harry ersparte sich eine Bemerkung und ließ die Tür aufschwingen. Ron stand neben einem Tisch und hielt eine abgebrochene Flasche als Waffe in Brusthöhe von sich gestreckt, mit der anderen presste er noch immer das Tuch gegen die Augen. Er atmete erleichtert auf, als Harry ihm auf die Schulter schlug.

„Mann, ich bin froh, dass du da bist! Pass auf, die Tube muss hier irgendwo auf dem Boden liegen. Das Zeug spritzt meterweit ohne dein Zutun …" Tatsächlich sah Harry unweit von Ron eine unauffällige graue Tube auf dem Boden liegen, aus deren Öffnung kleine rosa Blasen perlten.

„Komm, ich versuche dich unter dem Tarnumhang zur Pomfrey zu bringen …"

„Spinnst du? Sie sind doch bereits im Schloss, oder?"

Als Harry bejahte, fuhr er fort: „Ich brauche meinen Zauberstab. Er ist in Percys Büro … in Snapes altem Büro …"

Harry überlegte kurz, zog sich den Umhang vom Kopf und warf ihn über Ron. „Warte hier …"

Er hastete aus der Tür – wobei er dankbar registrierte, dass noch immer keiner der Angreifer zu sehen war - auf Snapes ehemaliges Büro zu, stieß die Tür auf und versuchte es vergeblich mit einem „Accio Rons Zauberstab". Dann stürzte auf den Schreibtisch zu und zog die Schubladen eine nach der anderen auf, wandte sich um, öffnete die Vitrine dahinter, zog auch dort die Schubladen auf, durchforstete sie hektisch und wurde endlich fündig. Schnell nahm er Rons Zauberstab an sich, hastete zur Tür, vergewisserte sich, dass der Gang noch immer leer war und lief zurück in das Verlies, wo er abrupt stoppte; Ron lag zusammengerollt auf dem Boden, sichtbar, die Hand mit dem Tuch seltsam abgewinkelt, als hätte er jemandem damit winken wollen.

Im selben Moment riss es die Zauberstäbe aus Harrys Hand und noch bevor er realisierte, was mit ihm geschah, hatten ihn magische Fesseln wie ein Paket umschnürt und weder seine heftige Gegenwehr noch sein Fluchen änderten etwas an der Tatsache, dass er in der Falle saß.

Habichdich!."

Harry fühlte, wie sich die Spitze eines Zauberstabes hart zwischen seine Schulterblätter bohrte. Dann kam jemand langsam um ihn herum; erst war nur die schwarze Kapuze über einem maskierten Gesicht zu sehen, dann blätterte sich der Rest des Körpers aus dem Tarnumhang, der eigentlich Ron hätte verbergen sollen. Der Zauberstab zielte nun auf Harrys Stirn, bleiche Finger nestelten an der Maske und zogen sie herunter.

„Ich wusste, ich bin derjenige, der dich findet!"

Draco Malfoys ohnehin blasser Teint war zu einem kalkigen Weiß mutiert, sein Gesicht wirkte ausgezerrt, die Augen lagen tief in ihren Höhlen. Obwohl er die Lippen abfällig geschürzt hatte, war die Aura der Überheblichkeit, die ihn all die Jahre wie ein Schatten umweht hatte, verschwunden. Statt ihrer lag etwas anderes in seinem Blick – etwas, dass Harry als kleiner Junge in den einsamen Nächten unter der Treppe bei den Dursleys empfunden hatte … und er wusste in diesem Moment, trotz seiner wenig aussichtsreichen Lage, dass Malfoy bestimmt nicht derjenige sein würde, der seinem Weg ein Ende setzte …

„Weasleys Bruder erzählte uns bereitwillig von dem guten Ronny in den Kerkern und ich hab mir so gedacht, wo eine Ratte ist, da ist die andere sicher nicht weit. Da mir keiner glauben wollte, darf ich die Ehre, dich gefunden zu haben, für mich allein beanspruchen, Potter. Willst du mir nicht gratulieren?"

„Harry Potter? Der ist in London, habt ihr das nicht gewusst?"

Die Bemerkung bescherte ihm eine äußerst schmerzhafte Erfahrung - der Slytherin war ein gelehriger Schüler der Dunklen Künste geworden. Harry sog scharf die Luft ein, doch sein Hirn arbeitete bereits fieberhaft weiter auf der Suche nach einem Ausweg.

Malfoy atmete schnell. „Schwach, Potter, ganz schwach …" Er legte in gespielter Nachdenklichkeit einen Finger an die Stirn. „Was meinst du – wie oft hältst du den Cruciatus aus, bevor ich dich dem Dunklen Lord übergebe …?"

„Sicher besteht er auf einer unbeschädigten Lieferung…", murmelte Harry, während er all seine Gedanken auf das Ziel konzentrierte, die Gläser aus dem Regal an der gegenüberliegenden Wand irgendwie in Bewegung zu setzen - die einzige Möglichkeit, die ihm eingefallen war. Noch nie war es ihm bisher gelungen, die Stablose Magie bewusst einzusetzen. Aber er brauchte sie jetzt! Und wie er sie brauchte!

Bewegt euch! Bewegt euch! Bewegt euch!

„Dein Humor ist so erbärmlich wie deine Blutlinie, Potter! … Glaub mir, alles ist erlaubt, so lange du nur am Leben bleibst. Zum Beispiel das …" Er presste den Sectumsempra-Fluch heraus, im selben Moment, in dem eine Handvoll gläserne Phiolen durch den Raum flog, direkt auf ihn zu. Eine davon traf seinen Hinterkopf, er schwankte und der Fluch traf Harry, der sich ahnungsvoll geduckt hatte, an der bereits im Haus der Dursleys verletzten Schulter. Er ging zu Boden, doch auch Malfoy, benommen durch das Fluggeschoss, sank auf die Knie. Harry zog seine Beine an den Bauch und schleuderte sie mit aller Kraft gegen Malfoys Körpermitte. Der japste und klappte wie ein Taschenmesser zusammen.

Robbend wälzte sich Harry über den Boden auf seinen Zauberstab zu, der zusammen mit Rons zu dessen Füßen lag und hätte beinahe erleichtert aufgeseufzt, als er ihn endlich zwischen seinen Fingern fühlte. Doch er konnte sich nicht lange freuen, denn kaum hatte er die Fesseln gelöst, spürte er einen scharfen Schmerz im Handgelenk und konnte nur noch zusehen, wie der Stab ein weiteres Mal von ihm fortwirbelte. Und dann folgten die unendlich qualvollen Empfindungen des Cruciatus-Fluches. Empfindungen, für die es keine Worte gab und die ihn vor dem Slytherin am Boden zucken ließen wie eine Puppe in Flammen.

„ …jetzt wird er sehen…", drang es irgendwann zu ihm durch. „ … dass ich seiner würdig bin … "

Stöhnend versuchte Harry, seine zitternden Hände unter Kontrolle zu bekommen. Vor ihm lag die Tube mit der ätzenden Flüssigkeit, die Ron das Augenlicht genommen hatte; wie ein Ertrinkender tastete er danach, richtete den Oberkörper ein wenig auf, während Malfoy weiter vor sich hin redete, als wäre er im Fieberwahn.

„Er wird mich belohnen … Ich … ich habe dich gefunden, Pott …"

Die rosige Flüssigkeit spritzte in sein Gesicht, er zuckte zurück, schrie auf und schlug die Hände davor. Harry kämpfte sich auf die Knie. Er kroch auf allen Vieren dorthin, wo er seinen Zauberstab vermutete, doch Malfoy der ächzend in seine Richtung torkelte, eine Hand auf die Augen gepresst, feuerte mit der anderen ganze Fluchsalven auf ihn ab – einer der Flüche traf, Harrys Beine zuckten unkontrolliert, schlugen in ihrem wilden Taumel gegen Malfoy, der, blind wie er war, das Gleichgewicht verlor. Er stürzte auf Harry, der umklammerte instinktiv seinen Zauberstabarm und ineinander verkeilt rollten sie über den Boden, durch die Scherben und Flüssigkeiten, die sich mittlerweile zu einer sumpffarbenen Brühe vermischt hatten. Malfoy, obwohl noch immer mit geschlossenen Augen, kämpfte mit der Kraft eines Wahnsinnigen, Harry, noch immer benebelt durch den Kraftakt der Stablosen Magie und den erlittenen Cruciatus, mit der Wut des Überrumpelten. Als er seinen eigenen Zauberstab in unmittelbarer Nähe entdeckte, nutzte er den Vorteil des Sehenden, wich Malfoys umherfliegender Faust aus und griff zu. Keuchend richtete er den Zauberstab auf seinen Gegner, der in Sekundenschnelle entwaffnet und paralysiert war.

„Was…" knurrte er durch aufgeplatzte Lippen. „ war noch mal deine Belohnung …?"

Ein Schatten verdunkelte das Fackellicht, das gespenstisch tanzend in den Raum drang. Harry hob den Kopf und den Zauberstab gleichzeitig und er wusste, trotz der Maskierung, wer vor ihm stand. Die jahrelangen Demütigungen, die schrecklichen Ereignisse und Wahrheiten der letzten Monate hatten seine Sinne geschärft für die Nähe dieses Mannes - ein ursprüngliches Gefühl kochte in ihm auf, heiß und brodelnd …

Der Mörder Dumbledores.

Der Verräter.

Snape.

Ihre ungesagten Zauber entsprangen zeitgleich den drohend erhobenen Stäben, die Flüche trafen sich in der Luft, prallten gegeneinander, zwei rote Blitze, die in einer gewaltigen Kaskade explodierten und zischende Flammen durch den Kerker jagten, die unaufhaltsam zerstörten, was ihnen im Weg war. Schüsseln zerbrachen, Kessel stürzten scheppernd auf den Boden, Phiolen und Flaschen schossen scharfe Splitter durch die Luft und noch immer kreiselte das Zentrum ihrer ineinander verschmolzenen Flüche über ihnen und ließ glühende Funken auf sie regnen. Harry duckte sich hinter Malfoys Körper, auch sein Gegenüber schien überrascht durch den unglaublichen Energiesturm; direkt neben ihm riss ein Sack knirschend in zwei Teile und das weiße Pulver darin rieselte in die schillernden Pfützen auf dem Boden. Vielleicht war Snape abgelenkt durch die schäumende Fontäne, die daraufhin mannshoch zu seiner Rechten aufschoss, vielleicht aber war Harry auch eine winzige Sekunde schneller - er schleuderte den nächsten Fluch als Erster. Snapes Zauberstab entglitt seiner Hand, er stolperte in eine Destillierkonstruktion auf dem Regal am Eingang. Harry war sofort bei ihm, zu allem bereit. Triumph und Hass mischten sich zu einem giftigen Gebräu in seinen Venen, er hielt den Zauberstab wie ein Messer an Snapes Kehle gepresst.

Da war er, der Mann, den er vielleicht ebenso hasste wie seinen Meister selbst. Nur einen Lidschlag lang von seinem verdienten Ende entfernt. Es war so leicht.

Tu es!Jetzt!

Er leckte sich über die blutenden Lippen , atmete heftig ein und aus. Zweimal. Dreimal.

Snape schob sich langsam an der Wand entlang in eine aufrechte Position. Dann hob er ebenso langsam eine Hand und löste seine Maske. Harry beobachtete ihn, während Snapes schwarze Augen über seiner Hakennase glitzerten.

Hinter ihnen zersprangen weitere Gläser und ergossen ihren Inhalt auf den Boden, jedoch das wütende Fauchen der Fluchblitze war verstummt, nur hier und da zischte oder heulte es kurz auf.

Der Mörder Dumbledores …

„Na los, Potter …" flüsterte der leise. „So eine Gelegenheit gibt es nur einmal …" Harrys Griff um den Zauberstab war so fest, dass er meinte, seine Finger nie wieder bewegen zu können. „Traust du dich nicht?"

Snape verhöhnte ihn - selbst im Angesicht des Todes. Das Blut in Harrys Adern kroch wie glühende Lava durch seinen Körper.

Na los, Potter …Traust du dich nicht …?

Harry öffnete den Mund, aber seine Stimme schien verloren gegangen.

Na los, Potter …

Er schaffte es nicht … Er schaffte es nicht, den tödlichen Bann über diesen Mann zu sprechen, der ihn doch mit jedem Atemzug dreifach verdient hätte. Die Erkenntnis brachte ihn zur Verzweiflung. Der Laut, der sich tief aus seiner Brust hinausschraubte, glich dem Schnauben eines waidwunden Tieres. Erneut knallte irgendwo Glas auf Stein und das Klirren bohrte sich wie Messerstiche in seine Ohren.

Snapes Augen ließen ihn nicht los. Ein winziges Lächeln umspielte seine schmalen Lippen.

„Dumbledore hat Ihnen vertraut …" würgte Harry mühsam hervor. „Mehr als jedem anderen …"

„Das lag in meiner Absicht", entgegnete Snape und löste sich von der Wand. Sofort war Harrys Zauberstab wieder an seiner Kehle.

„Er … er war vielleicht Ihre einzige Chance …" Harrys Stimme schwankte.

Verdammt.Warum tust du es nicht?

„Was weißt du schon", stieß Snape aus.

„Ich weiß alles. Ich weiß, dass Sie meine Eltern verraten haben. Und dann haben Sie die Stelle meiner Mutter angetreten. Sie … sind ein verfluchter Verräter. Und … ein Mörder. Ein Mörder!"

„Warum tötest du mich dann nicht?"

„Ich werde Sie töten!" Harry schrie es beinahe heraus. Die Verachtung im Gesicht seines Gegenübers war kaum noch zu ertragen.

„Jetzt?" Snape zog eine Braue in die Höhe.

„JA" heulte Harry auf, „Jetzt!"

Er spannte die Muskeln an, schloss die Augen für die Dauer eines stolpernden Atemzuges - ganz kurz nur, um all seinen Mut, seine Kraft, seinen heißen Zorn für einen einzigen todbringenden Zauber zu sammeln; vielleicht aber auch, um eine weitere winzige Ewigkeit lang Aufschub zu gewinnen vor diesem Fluch, den er doch nicht fähig war, über einen Menschen zu sprechen – und als er die Augen öffnete und Snapes Zauberstab wieder fest in dessen Hand liegen sah, erkannte er die für ihn niederschmetternde, aber unumstößliche Wahrheit: er konnte ihn nicht töten …!

„Expelliarmus", flüsterte der ehemalige Tränkemeister beinahe sanft und bevor Harry reagieren konnte, hing er kopfüber in der Luft, ebenso wie damals Snape in dessen Erinnerung. So sehr er auch mit den Armen ruderte und versuchte, den Fluch irgendwie abzustreifen, änderte das doch nichts daran, dass sich blitzschnell die Situation zu seinen Ungunsten geändert hatte und nun er der Ausgelieferte war. Snape kam näher und betrachte eine Weile mit unbeweglichem Gesicht Harrys beinahe lächerlich anmutenden Versuche, wieder festen Boden unter den Füßen zu fühlen. Seine pure Gegenwart vereitelte jeden Gedanken an Stablose Magie, auch der herbeigeflehte Phönix in Harrys Kopf schien selig in einem Nest aus falscher Sicherheit zu schlummern …

„Potter", sagte Snape und Harry unterbrach für einen Moment seine Bemühungen gegen den Fluch anzukämpfen und blinzelte in sein verdrehtes Gesicht. „ … das, was du planst, wird dir nie gelingen …."

Harry schlug mit den Armen nach ihm. „Lassen Sie mich runter!", zischte er zwischen heftigen Atemstößen.

„Du glaubst, du bist der Auserwählte, weil Dumbledores Verstand tragischerweise von seinen Emotionen benebelt wurde. Aber … " Er murmelte etwas und Harrys Bewegungen froren ein, sein wütender Aufschrei blieb ihm im Hals stecken, doch konnte er mit ansehen, wie sein eigener Zauberstab klackernd in einem dickbauchigen Gefäß verschwand. „ … dazu braucht es mehr als eine zweifelhafte Prophezeiung."

Malfoy rührte sich stöhnend. Snape warf einen kurzen Blick auf ihn, dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder Harry: „Dazu braucht es Fähigkeiten, die du nicht hast … niemals haben wirst." Seine Augen waren unergründlich wie immer und seine Stimme kalt, doch vermeinte Harry eine gewisse Eindringlichkeit daraus zu hören, während ihm selbst das Blut kochend durch die Venen pulsierte. „Sieh, wie weit du gekommen bist! Such dir ein Loch am Ende der Welt und verkriech dich dort, bevor du noch mehr Unheil anrichten kannst!"

„Ich kann nichts sehen …Potter … wo bist du? Ich krieg dich …." Malfoy versuchte, aufzustehen.

Snape glitt zu ihm hinüber, packte seinen Kopf und untersuchte seine Augen.

„Snape … sind Sie das? Potter … er ist hier … irgendwo. Ich hab ihn gefunden! Ich … Verdammt, wie das brennt." Snape ließ ihn los und ging zu einem der Regale, griff zielstrebig nach einer der wenigen unbeschädigten Flaschen, ohne auf die Etikettierung zu achten und träufelte dem sich widerstrebenden Draco, den er kurzerhand mit einem Lähmungsfluch belegte, etwas davon in die Augen. Dann löste er den Fluch, Malfoy schüttelte sich wie ein begossener Pudel, blinzelte ein paar Mal und sah dann durch einen Tränenfilm zu Snape auf. Schließlich wandte er den Kopf, sein Blick fiel auf Harry in seiner unwürdigen Position und ein gemeines Lächeln legte sich auf seine Lippen.

Schritte hallten auf dem Steinboden und Stimmen waren aus dem Gang zu hören. Snape richtete seinen Zauberstab erneut auf Harry. Dann geschah etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Etwas, das er schon einmal erlebt hatte; sein Körper wurde von einem merkwürdigen Kribbeln erfasst, seine eigene Hand, die durch den Lähmungsfluch unbeweglich vor seinen Augen verharrte hatte, war nicht mehr zu sehen … Snape hatte ihn desillusioniert.

„Was machen Sie da?" hörte er Malfoy mit erregter Stimme fragen. Snapes Antwort war ein leises „Obliviate", dann bogen zwei weitere maskierte Todesser in den Kerker ein.

„Ist er hier?"

Die beiden stellten sich neben Snape, warfen einen kurzen Blick auf den leblosen Ron am Boden und auf Malfoy, der sich die Stirn rieb.

„Hey, ein schönes Chaos habt ihr angerichtet! Wir haben ein paar von ihnen zusammen getrieben und sind mit der Befragung angefangen …Fourné und Lestrange beschäftigen sich mit McGonogall."

„Zwecklos", kam es von Snape zurück. „Potter ist nicht hier. Er war nie hier!"

„Nicht hier? Der Dunkle Lord selbst …"

„Er ist nicht hier", wiederholte Snape schärfer. „Es war ein Irrtum …"

„Was fällt dir ein, Snape? Er täuscht sich nie!"

„Wir brechen die Aktion ab!"

„Das werden wir nicht. Unser Auftrag lautete, Potter …."

„Und ich sage, es war ein Trugschluss. Potter ist nicht hier! Ich garantiere dir, dass dem kleinen Wiesel da nichts anderes übrig blieb, als mir die Wahrheit zu verraten! Ich habe ihn bis zur Bewusstlosigkeit befragt! Weg jetzt!"

Ein fernes Heulen drang zu ihnen durch und alle Köpfe wandten sich in die Richtung, aus der es kam.

„Das sind Greyback und sein Clan. Die können es kaum erwarten, sich richtig auszutoben …"

Snapes bis dahin gedämpfte Stimme wurde um einige Nuancen lauter. „Sie sind nur zur Ablenkung da. So lautet der Befehl!"

„Glaubst du! Du bist nicht der einzige Günstling unseres Herrn! Keiner von uns will jetzt schon wieder verschwinden. Der Spaß fängt doch gerade erst an … Ein Großteil der Schutztruppen ist ausgeschaltet. Ich sehe keine Veranlassung, so plötzlich abzubrechen. … Crabbe und Amycus nehmen sich den Gemeinschaftsraum vor. Da werden wir ja sehen, ob die Kinder nicht etwas anderes erzählen als der Rotkopf. Waren sie nicht befreundet? Vielleicht hat er dir nicht die Wahrheit geflüstert …" Er schlenderte hinüber zu Ron, stieß ihm mit dem Fuß in die Seite, dann ging er weiter durch den Raum, nahm die ein oder andere Flasche in die Hand. Der andere Todesser war an der Tür stehengeblieben und beobachtete abwechselnd ihn und Snape, der langsam den Zauberstab hob.

„Ist das hier nicht dein ehemaliges Betätigungsfeld, Snape? Nette kleine Gifte, nicht wahr? Wir könnten das eine oder andere an ihnen auspobieren …"

„Stell das ab!"

„Warum? Es wurde uns nicht untersagt, ein wenig Spaß zu haben…" Der aufsässige Todesser stand jetzt direkt vor Harry, dem ein Gestank nach Moder und Fäulnis entgegen schlug, als er wie ein Tier schnüffelnd den Kopf nach vorn reckte. Irgendetwas veranlasste ihn, misstrauisch die Hand zu heben … gleich würde er ihn berühren können … Da zischte ein grünes Licht durch den Raum und er sackte lautlos in sich zusammen. Snape senkte den Zauberstab.

„Was hast du getan?" flüsterte der Todesser an der Tür.

„Du hast es gesehen."

„Aber … aber er wollte doch nur Potter …"

„Und der ist nicht hier! Zweifelst auch du an meinen Worten?"

„Nein …nein, aber wie willst du das dem Dunklen Lord erklären?"

„Ich muss nichts erklären. Er weiß, dass ich nur seinen Befehlen folge. Das ist alles, was zählt!"

„Befehl … wie …wie lautet der Befehl?" meldete sich Draco, offenbar vollkommen durcheinander aufgrund des Vergessenszaubers.

„Was ist mit ihm?" fragte der Dritte.

„Der da hat ihm ein bisschen zugesetzt, bevor ich kam …." Er deutete auf Ron, der immer noch wie tot am Boden lag. „Geh´n wir. Mittlerweile wird Verstärkung unterwegs sein und ich habe keine weitere Cumulus-Tinktur mehr …."

Snape hob erneut den Zauberstab, eine Schlange erwuchs aus der Spitze und kroch blitzschnell um die Mauern davon. Dann packte er den ächzenden Draco am Arm und zerrte ihn mit sich aus dem Raum. Der letzte Maskierte zögerte noch, doch nach einem weiteren Blick auf den toten Körper am Boden folgte er ihnen.

Und ebenso wie in der verhängnisvollen Nacht auf dem Astronomieturm, als er Dumbledores Leben nahm, ließ Snape Harry zurück - stumm, zur Bewegungslosigkeit verdammt, ebenso hasserfüllt, doch verwirrter als jemals zuvor ….

Warum hatte Snape gelogen? Warum hatte er ihn, Harry, verleugnet, ja sogar durch einen Fluch vor den Augen der anderen Todesser verborgen? Warum riskierte er die Inquisition durch Voldemort, um ihn zu schützen? Oder wollte er den Bonus, ihn gefunden zu haben, für sich beanspruchen, wie zuvor Malfoy, und später wiederkommen, um ihn dann allein seinem Herrn zu präsentieren? Vielleicht hatte dieser eine ganz besondere Ehre versprochen? Je mehr er darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher schien Harry diese Möglichkeit. Er musste hier weg! Aus den Augenwinkeln sah er Ron noch immer unbeweglich auf dem Boden liegen. Verdammt

Noch etwas anderes wurde ihm in aller Deutlichkeit bewusst: auch dieser Angriff wurde nur seinetwegen inszeniert. Genauso wie in der Nacht von Bills Hochzeit …wie am Ligusterweg oder dem Hogwarts-Express. Sie waren nach Hogwarts gekommen, weil sie glaubten ihn hier zu finden. Und das, obwohl er die Schule so sicher geglaubt hatte ….

Er konnte nicht mehr sagen, wie lange er so hing - wie eine versteinerte Fledermaus – wie Stunden kam es ihm vor. Heiße Wellen des Zorns verschlimmerten den kaum erträglichen Zustand, Zorn auf sich und die entgangene Chance. Irgendwann wandelte sich der Zorn in Verzweiflung. In genau diesem Moment huschten erneut drei Gestalten in den Kerker.

„Oh nein…" Hermine stürzte auf den leblosen Körper Rons zu, kniete sich nieder, strich vorsichtig über sein Haar. Ihr „Enervate" war beinahe geschluchzt. Ginny und Neville folgten ihr, sich vorsichtig nach allen Seiten drehend. Erleichtert hörte Harry Rons Stöhnen.

„Ron … Ron … du lebst… ich dachte …oh Ron …" Hermine bedeckte sein Haar mit einer beachtlichen Anzahl von Küssen und die schienen Wunder zu wirken.

„ … mine, bist du das?" krächzte Ron.

„Ja, ich bin´s und Ginny und Neville! Was … was ist mit deinen Augen?"

„… Ich kann nichts sehen. Es brennt so sehr!"

„Warte", Hermine nahm ihm das Tuch aus der Hand, murmelte Aguamenti und beträufelte es mit dem Wasser aus der Spitze ihres Zauberstabes, während Ginny seine Schultern stützte.

„Ron, wo ist Harry?"

Hier! Hier bin ich doch! wollte Harry schreien, doch die Zunge klebte am Gaumen und die Anstrengung trieb ihm zusätzliches Blut in den Kopf.

„Er ... wollte meinen Zauberstab holen, dann … dann weiß ich nichts mehr."

Hermine legte ihm das Tuch erneut über die Augen, Ginny stand auf und sah sich suchend um.

„Dein Zauberstab ist hier!" Sie bückte sich, nicht weit von Harry entfernt, erhob sich wieder und machte einen Schritt in die Richtung, in der er hing. „Dann muss er hier gewesen sein …"

Komm, komm zu mir, Ginny, ja … so ist es richtig … weiter … noch einen Schritt …!

Sie stieß gegen den unsichtbaren Widerstand seines Körpers und wich erschrocken zurück. „Hier ist was …", flüsterte sie und hielt ihren Zauberstab bereit. Dann hob sie die Hand erneut, tastete ins Nichts, fühlte endlich sein Haar, seine Stirn, seine Brille, die schief, doch wie festgewachsen, auf seiner Nase klebte.

Komm schon, Ginny …, bat Harry wortlos, erkennst du mich nicht?

„Finite Incantatem", wisperte sie. Der Zauber entließ ihn aus seinem Griff; schmerzhaft landete Harry auf dem harten Steinboden und blieb einen Moment lang wie betäubt liegen.

„Harry!" Ginny kniete nieder und er fühlte ihr seidiges Haar über seine Wange streichen, lindernd wie eine kühle Brise. „Das tut mir so Leid …Wer hat das getan?"

Harry stemmte seinen Oberkörper auf, stieß die Luft aus und kämpfte sich auf die Füße, wo der Schwindel ihn überwältigte. Ginny umfing ihn und Neville sprang eilfertig herbei und stützte ihn von der anderen Seite.

„Snape …", presste er endlich hervor, nachdem er sich mit einem dankbaren Lächeln aus den helfenden Händen seiner Freunde befreit hatte. „Er war hier …"

„Snape …? Aber warum ….?"

Die unausgesprochene Frage Hermines ließ Harry die Schultern zucken. Er konnte nicht beantworten, was ihm selbst ein Rätsel war. Stattdessen griff er in den tönernen Behälter, in den Snape seinen Zauberstab hatte gleiten lassen. Er strich einmal über das Holz, dann suchte er den Raum nach der Flasche ab, mit deren Inhalt Snape Malfoys Augen behandelt hatte, fand sie und kniete sich neben Ron. „Hier! Das hat Snape bei Malfoy benutzt. Ich hatte ihm das rosa Zeug in die Augen gespritzt …"

„Malfoy …? Draco Malfoy?"

„Genau der. Halt still, Ron, ich will dir nur helfen …Was macht ihr eigentlich hier?" fragte Harry, während er die klare Flüssigkeit in Rons Augen tröpfelte. „Ihr solltet doch im Gemeinschaftsraum bleiben …."

„Wir haben auch da gewartet ... aber …. dann waren sie da und haben versucht, reinzukommen. Wir haben die Kleinen in die Schlafräume geschickt und nur darauf gewartet, sie zu empfangen! Aber die Fette Dame ist standhaft geblieben. Sie haben sie fürchterlich zugerichtet, sie ist förmlich auseinander gerissen … Doch mit einem Mal waren sie fort, wir haben noch eine Zeit lang gewartet und sind dann vorsichtig raus …Niemand hat sich uns in den Weg gestellt … aber … da … da waren Körper von …." Ginny schluckte schwer und holte tief Luft, bevor sie weitersprach. „ …wir konnten ihnen nicht helfen … wir mussten euch suchen ….aber … es waren keine Todesser mehr zu sehen …"

„Snape hat sie abberufen …" sagte Harry und erhob sich, nachdem Ron vorsichtig seine tränenden Augen geöffnet hatte. Hermine tupfte ihm mit dem Ärmel ihres Umhangs sanft die überschüssige Flüssigkeit von den Wangen.

Ginny trat hinter Harry und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Er hat dich am Leben gelassen … ich … bin so froh, dich zu sehen …."

Harry stieß die Luft aus und nickte. Ihre Köpfe flogen auf, als das haarsträubende Geheul, das schon vorher Snape beunruhigt hatte, zu ihnen durchdrang.

„Werwölfe …" Er sah die anderen an, über deren angespannte Gesichter das Licht der Fackeln huschte. „Die scheinen noch da zu sein …" Offenbar hatte Snape doch nicht alles im Griff …

„Es ist noch nicht vorbei …?" flüsterte Neville von der Tür her.

Harry stellte sich neben ihn und spähte mit ihm in den Gang hinaus; das Heulen schien überwältigend nah. „Nein ….", antwortete er und sah auf die Mädchen und Ron, der sich noch einmal über die Augen wischte. „Kommt!"

„Wo ist dein Tarnumhang?" fragte Hermine.

Harry machte ein paar eilige Schritte zu der Stelle, auf der Malfoy den Umhang abgestreift hatte. Was er da sah, entlockte ihm ein entsetztes Ächzen: auf dem Boden, in einer gelblich-braunen Pfütze lag ein Stück Stoff, durchtränkt wie ein alter Wischlappen. Er bückte sich und hob ihn auf. Die anderen kamen näher und starrten ungläubig auf den Fetzen in seiner Hand.

„Dein Tarnumhang, Harry, wo ist er?" wiederholte Hermine.

„Das …", murmelte er und streckte ihr das graue Tuch entgegen, „war er …" Er legte die spärlichen Reste über den Arm. An einer winzigen Stelle war der Stoff unbeschädigt und zeigte die hauchzarte, durchscheinende Konsistenz, die einmal der gesamte Umhang aufgewiesen hatte – und tatsächlich war Harrys Körper an dieser Stelle so unsichtbar wie sonst auch, während der übrige Teil seines Armes mit dem durchnässten Grau bedeckt war. „Die Tränke-Mischung muss ihm die Zauberkraft genommen haben …"

„Oh nein …" Ginny und Hermine ächzten ebenso wie er.

Das Heulen ertönte erneut, aggressiver noch als zuvor. Harrys Unterkiefer mahlte, er legte den Fetzen vorsichtig auf einen Tisch. „Geh´n wir!", meinte er, bevor sich die plötzliche Trockenheit in seiner Kehle über die Stimmbänder legen konnte.

Sie verließen die Kerker, Ginny neben ihm, dahinter Ron und Hermine und Neville als Letzter. Als sie die Eingangshalle erreichten, war diese dunkel; keine Kerze, keine Fackel spendete Licht, nur die über den Boden verstreuten Edelsteine schimmerten zaghaft. Von irgendwoher hörte man ein Jammern. Eine Bewegung vom anderen Ende der Eingangshalle ließ ihn aufschrecken. „Achtung!" warnte er und Ginny mit sich ziehend suchte er Schutz hinter der nächsten Säule. Ein Lichtblitz erhellte kurzzeitig die Halle, dann rief jemand: „Halt! Das sind Harry und Ginny!" Drei Umrisse schälten sich aus der Dunkelheit und Harry erkannte Dean, Seamus und Justin Finch-Fletchley aus Hufflepuff.

„Kommt ihr aus den Kerkern? Sind da noch Todesser?"

Harry verneinte.

„Wir sind kurz nach euch raus …" meinte Dean und sah Ginny an, die noch immer Harrys Hand hielt. „unterwegs sind wir über Justin gestolpert. Und da drüben liegt einer und bewegt sich nicht mehr …."

„Wir haben es nicht mehr bis in den Gemeinschaftsraum geschafft …" presste der Hufflepuff hervor. „ … ich habe mich in einem der Klassenzimmer im ersten Stock versteckt … Professor Lopez hat´s erwischt auf dem Weg zu McGonogalls Büro … ich … ich weiß nicht, was mit den anderen ist …"

Das große Eichenportal öffnete sich knarrend und jemand wankte in die Halle. Es war einer von Krums Leuten und er hielt sich einen stark blutenden Oberschenkel. Als er sie entdeckte, flüsterte er: „Helft mir …" und rutschte dann an der Tür entlang auf die Steinfliesen. Harry stürzte zu ihm. Mit glühenden Augen packte der Verletzte seine Hand. „Werrwölfe …" stieß er mit starkem Akzent aus. „Am Wald .…!"

„Vorsicht Harry!" warnte jemand hinter ihm. „Vielleicht ist er gefährlich!"

Harry ignorierte die Warnung und untersuchte die Wunde. „Sind da draußen noch Todesser?"

„Nein, keine Todesser …"

„Und die Wolke? Ist die blaue Wolke noch da?"

„Keine Wolke, ich abe nix gesehen! Aleko und ich Wache im Wald … Da waren sie – ganze Horrde! Aleko haben sie sofort erwischt … doch der Rriese und die anderren …." er stöhnte auf und Harry nahm eilig die Hand zurück. „ … sind gekommen als … als ... mein Bein … und haben mirr das Lebben gerrettet …Aberr sie halten nicht lange durrch … es sind zu viele …"

„Und … Kommandant Krum?" kam die Frage von Hermine.

Er schüttelte den Kopf. „Weiß nicht! Niemand da …"

Seine Stimme war nur noch ein Wispern, dann sackte sein Kopf langsam auf die Brust. Er war bewusstlos.

„Was machen wir mit ihm?" fragte Seamus.

Harry sah zu ihm auf. „Bringt ihn erstmal in die Große Halle. Ich glaub, ich hab Stimmen von da gehört. Keine Angst, er kann euch nichts tun …Sucht McGonogall …"

„Ich weiß nicht, was mit ihr ist … diese Typen wollten zum Schulleiterbüro. Ich habe es gehört, als sie vorbeirannten …." bemerkte Justin.

„Ich … ich suche Madam Pomfrey …" meinte Neville und drehte sich auf dem Absatz um.

Das Jaulen der Wölfe war nun lauter als zuvor. Harry erhob sich und tauschte einen Blick mit Ron, der nickte und neben ihn glitt, als er vorsichtig die große Eichentür öffnete. Hermine folgte ihm.

„Du musst mich schon versteinern, wenn du nicht willst, dass ich mitkomme, Harry", sagte Ginny. „Diesmal lasse ich mich nicht abwimmeln!"

Ihr trotzig vorgerecktes Kinn unterstrich ihre Worte und Harry kapitulierte angesichts ihrer Entschlossenheit und der momentanen Fragwürdigkeit eines sicheren Ortes und zog sie wortlos an seine Seite. Er öffnete das Portal ein Stückchen weiter, dann schlüpften sie nach draußen. Es war dunkel, der Mond hatte sich hinter dichten Wolkenbergen verkrochen, doch dort, wo vorhin der blaue Schimmer den Himmel überzogen hatte, sandte etwas anderes ein höhnisches Glimmen über das Gelände: zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate leuchtete das Dunkle Mal über Hogwarts … Sie starrten wortlos auf das todverheißende Zeichen, dann suchte Harry mit den Augen das Ufer des Sees ab, doch konnte er nichts erkennen. Er hoffte inständig, dass Professor Merrythought sich in Sicherheit hatte bringen können. Ginny flüsterte etwas und wies nach rechts; weiter unten stolperte eine einsame Gestalt über die Schlossgründe. Harry gab seinen Freunden ein Zeichen; sie huschten hinter die steinernen Eberstatuen auf den Stufen und warteten lauernd, dass der Unbekannte näher kam.

„Das … ist Percy", stieß Ron irgendwann aus und kam hinter der Figur hervor. Percy schien Schwierigkeiten mit der Orientierung zu haben, seine Schritte waren unsicher. Er murmelte unablässig irgendetwas vor sich hin und lief ständig in Gefahr, über seine eigenen Füße zu stolpern.

„Carpe diem. Ich muss sie einlassen …"

„Hey!" rief Ron ihn an, doch sein Bruder reagierte nicht. „Wo kommst du her?"

„… Carpe diem … muss sie reinlassen …"

Ron fasste ihn am Ärmel und Percy blieb ruckartig stehen. Harry stellte sich neben seinen Freund, auch Ginny und Hermine kamen langsam aus ihren Verstecken hervor.

„Was soll der Quatsch?"

Percy hob den Kopf und sah ihn an. „Carpe diem …? Ja, das ist richtig … jetzt können sie rein …"

Harry warf einen besorgten Blick auf seinen Freund und wurde Zeuge, wie in Ron langsam die Erkenntnis dämmerte. Mit brüchiger Stimme fragte er:

Carpediem… ? Verdammt, Percy – was … was hast du getan?"

Auch von Percys Verstand schien sich der Schleier zu heben. Er wirkte wie jemand, den ganz plötzlich ein fürchterlicher Schlag getroffen hatte.

„Was … was hab ich getan? Merlin … was hab ich getan?" stammelte er und krallte seine Finger in Rons Schultern. Ron wich zurück. Er war totenbleich.

Du …" Zu aufgewühlt, um eine seinen Gefühlen angemessene Bezeichnung zu finden, hob er den Zauberstab und schickte seinen Bruder mit einem heftigen Fluch die Stufen hinab. Dann stieg er langsam hinterher.

„Da!" rief Hermine und zeigte hinüber zum Verbotenen Wald, vor dem hektische Lichtblitze durch die Nacht surrten.

„Lass ihn. Wir kümmern uns später um ihn …" Harry zerrte an Rons Arm, doch erst Ginnys „Hast du nicht gehört? Komm endlich!" riss ihn von seinem Bruder los.

Gemeinsam liefen sie auf die Lichtblitze zu, über das dunkle Gras und schon bald waren sie außer Atem. Am Rand des Waldes schwang eine riesenhafte Gestalt einen jungen Baum wie eine Keule über dem Kopf; Rücken an Rücken nahmen Grawp und Hagrid es mit mehreren Wölfen gleichzeitig auf. Nicht weit von ihnen schleuderte eine Handvoll Mutiger unentwegt Flüche auf die Kreaturen, die sie umzingelt hatten und die den Kreis immer enger zogen. Ihr Heulen teilte die Nacht, ein blutrünstiger, ekelerregender Dunst wehte zu Harry hinüber. Ein mächtiges Tier mit weit gesträubtem Fell, das mit Abstand größte von ihnen, wurde auf die Neuankömmlinge aufmerksam, löste sich aus dem Kreis seiner Gefährten, schnaubte lüstern und hielt auf sie zu.

„Merlin …", flüsterte Ron.

„Achtung!" schrie Harry unnötigerweise und hob den Zauberstab. Schon konnte er den Geifer aus dem gierigen Maul spritzen sehen. Einer der Kämpfer aus dem Kreis brach plötzlich aus, in der einen Hand einen silbernen Dolch, in der anderen den Zauberstab. Im Widerschein seiner Flüche sahen sie das lange rote Haar in seine schweißnasse Stirn hängen.

„Weg von hier!" brüllte Bill ihnen mit überschlagender Stimme zu und der Werwolf stoppte mitten im Lauf, erhob sich auf die Hinterbeine zu seiner imposanten Größe, ließ ein markerschütterndes Heulen hören, wendete und stob zurück, auf den grotesk umherhüpfenden Weasley zu .

„HEY! Komm zu mir, Greyback! Komm her!"" Mit glühenden Augen, die Zähne entblößt, wirkte Bill selbst wie ein wildes Tier. Ginnys Hand krallte sich in Harrys Arm, während sie der Kreatur einen Fluch hinterherjagte, der sich mit seinem eigenen zu einem brennenden Strahl vereinte, sein Ziel aber verfehlte.

Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: aus den dunklen Schemen des Waldes rauschten plötzlich silberne Pfeile wie Kometen auf die Werwölfe herab. Mit einem mehrstimmigen Heulen fuhren diese auseinander, zwei von ihnen sanken tödlich getroffen zu Boden, ein Dritter versuchte, sich mit einem Pfeil im Hinterlauf jaulend aus der Gefahrenzone zu schleppen. Das unerwartete Geschehen sorgte bei den anderen für Orientierungslosigkeit, sie gaben ihre Belagerungstaktik auf, fauchten ihren Groll in die Nacht hinein, hin - und hergerissen zwischen ihrer Gier nach Blut und der Ehrfurcht vor dem todbringenden Silber. Die Zentauren, deren Leiber ab und zu zwischen den Bäumen aufblitzen, spannten ihre Bögen erneut und ließen einen weiteren Silberregen auf sie niederprasseln. Fenrir Greyback aber blieb unbeeindruckt; er setzte gerade zum Sprung auf Bill an, dessen letzter Fluch ihm nicht einmal das Fell versenkt hatte – da flog von der Seite ein Schatten auf ihn zu. Ein weiterer Werwolf, ebenso furchterregend wie die anderen, doch offensichtlich auf Greyback fixiert, krallte seine mörderischen Klauen in das Fell des anderen. Donnernd krachten ihre Körper gegeneinander, Greyback ließ ein gewaltiges Brüllen hören. Sie schlugen ihre Fänge ineinander, ihre Läufe wirbelten wie Keulen durch die Luft.

Eben noch im Visier des Anführers, sahen die Umstehenden zu, Ginny an Harrys Hand geklammert, Ron, der Hermine im Arm hielt, mit einer Mischung aus Faszination und Grauen. Ein Werwolf allein war schon ein beängstigender Anblick, doch diese beiden Kämpfenden wirkten wie Ausgeburten der Hölle. Sie fügten sich gegenseitig grässliche Wunden zu, rissen sich ganze Fetzen ihres Felles von den Knochen. Ihre mächtigen Leiber ließen die Erde erzittern, ihre Pranken donnerten über den Boden.

Längst hatte sich die übrige Horde in den Schutz des Verbotenen Waldes davon gemacht, nur das Heulen der tödlich Verwundeten zeugte noch von ihrer Anwesenheit, die geretteten Kämpfer verharrten ebenso wie die Zentauren, die ihre Bögen abwartend bereit hielten, an ihrem Platz und sahen dem schrecklichen Schauspiel zu. Bill war in die Knie gegangen, der silberne Dolch seinen Händen entglitten.

Kampferfahren und verschlagen wie er war, sah es zeitweilig so aus, als würde Greyback als Sieger hervorgehen. Er war stark wie zwei und das Blut seines Gegners färbte bald die Erde dunkel. Doch der fremde Werwolf kämpfte mit einer Kraft, die nur einem tiefen Rachegefühl entspringen konnte, wehrte die Angriffe des Stärkeren immer wieder ab und als Greyback mit einem triumphierenden Heulen die Zähne zu einer letzten tödlichen Attacke fletschte, schüttelte er den im Siegestaumel Unachtsamen mit einem unerwarteten Aufbäumen ab und wälzte sich auf ihn. Er warf den Kopf in den Nacken, heulte laut: dann schlug er mit einem grauenvollen Geräusch die Zähne in die Kehle des Unterlegenen; Blut spritzte auf, Greyback zuckte konvulsivisch, dann erschlafften seine Glieder – er war tot.

Ein Schaudern lief durch ihren Kreis. Bane, der Anführer der Zentauren kam langsam näher und richte seinen Bogen auf den Sieger, der, noch immer in die Kehle Greybacks verbissen, keine Notiz von ihm nahm.

„Nicht!" schrie Harry und hob abwehrend die Hand. „Ich glaub, das ist Lupin!"

Bane musterte ihn. „Sie haben einen von uns gerissen. …" Er deutete auf Hagrid, der mit Grawps Hilfe den leblosen Körper eines Zentauren vorsichtig aus einem Gebüsch hob und behutsam über den Rücken eines kräftig gebauten Artgenossen legte. Jetzt erkannte Harry den Palomino-Körper, die lichtblonde Mähne ….

„Firenze …", flüsterte Ginny erstickt.

„Er kam, um unsere Hilfe zu erbitten. Doch erst sein Tod macht ihn wieder zu unseresgleichen …"

Harry fuhr sich über die Augen und schüttelte wortlos den Kopf.

Bane sah zum Himmel auf. Ein Mondstrahl, der für einen kurzen Moment aus seinem Wolkenversteck hervorgekrochen war, als habe er den entfesselten Kreaturen neue Energie schenken wollen, tauchte die Szenerie in ein fahles Licht. „Bald wird der Schatten der Erde den Mond verdunkeln", orakelte Bane und Harry folgte stirnrunzelnd seinem Blick, „doch der Tod wirft schon lange seine Schatten voraus. Wirst du bereit sein?"

Statt einer Antwort zog Harry Ginny ganz nahe zu sich heran. Bane senkte den Bogen und galoppierte zu seiner Herde zurück, die ihm schweigend, den Körper des im Tode heimgekehrten Firenze in ihrer Mitte, in den Verbotenen Wald folgten. Der siegreiche Werwolf gab eine Art Winseln von sich; Harry sah angespannt zu, wie er endlich von seinem Opfer abließ und – ungeachtet der zahlreichen, auf ihn gerichteten Zauberstäbe - ein paar schwankende Schritte in Richtung Wald machte, bevor er vor einem Haselnussstrauch zusammenbrach.

„Bist du sicher, dass es Lupin ist?" fragte Ginny und er konnte fühlen, wie ihre Hand in der seinen zitterte.

„Wer sonst hätte Greyback angegriffen, statt uns?"

Der verletzte Werwolf ließ ein pfeifendes Geräusch hören, seine Flanken zuckten, dann lag er ruhig da. Die Nacht zog ihren Vorhang über das Mondlicht, wie um die Vorstellung zu beenden, und eine bedrückende Stille legte sich über Hogwarts.

t.b.c.


So, das war´s. Nicht sehr gemütlich in Hogwarts im Moment, hm? Aber ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr habt ein paar schöne Feiertage!

Frohe Ostern wünscht euch

lucinde

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