Help
Home Just In Communities Forums Beta Readers Search
B s . A A A   full 3/4 1/2   E E   Light Dark
Books » Harry Potter » Simplex Amor
Wortfetzen
Author of 34 Stories
Rated: K+ - German - Drama/Romance - Hermione G. & Draco M. - Reviews: 59 - Updated: 12-25-06 - Published: 01-18-06 - Complete - id:2758582

Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sondern einzig und alleine nur der Plot. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.
A/N: Kaum zu glauben, doch beim Fehlerüberarbeiten (Hatte ich manchmal einen Salat drin - hoffentlich ist der jezt so einigermaßen beseitig xD), konnte ich doch nocht etwas positives der FF abgewinnen :). Obwohl ich die Handlung zwar immer noch ein wenig "lasch" finde und zu wenig Action und Drama drinsteckt, gefallen mir doch die Dialoge und die Neckereien oder das Liebesgeplänkel zwischen den Charakteren ganz gut. Aber vollkommen Fluff-like xD - eine einzige Lovestory und ich glaube, dies werde ich nicht so schnell überwinden :P.

Danke wirklich allen meinen lieben Reviewern und ich hoffe, falls ihr Leser die FF kopiert und auf einem PC gespeichert habt, werdet ihr diese verbesserte Version noch mal abspeichern und die Alte löschen, denn da bekommt man ja Schmerzen beim Lesen und die will ich wirklich niemandem zumuten :lol:. Herzliches Danke besonders an crazylolly14, D.V.G.M.1, EmmaFan, Gipsy, Heimdall, Hui-Buh, Kate, jessics, thelittleginnygirl, Trory, Tuniwell, Valpuri und VampirHerz.
hegdl, eure Tanya :)

Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2oo6).


Kapitel 07

Liebe ist nichts wert

Harry nahm die Musik überhaupt nicht wirklich war. Viel mehr genoss er es einfach nur Ginnys Körper an seinem zu spüren, während sie sich langsam im Kreis drehten. Er hatte schon viele Katastrophen erlebt, wenn er so an die letzten Bälle zurückdachte, aber dieser würde ihm wahrscheinlich ewig in Erinnerung bleiben und dieses Mal nicht wegen einer schlechten Erfahrung.

„Harry?", hauchte plötzlich Ginnys Stimme dich an seinem Ohr.
Verwundert sah er zu der rothaarigen Schönheit in seinen Armen herab.
„Wollen wir vielleicht gehen?", fragte sie. Ihre großen blauen Augen leuchteten vor Erwartung. „Es... ist schön ziemlich spät, oder?"
Harrys Herzschlag beschleunigte von einer Sekunden zur nächsten auf die doppelte Geschwindigkeit und er merkte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Du... du meinst...?"
Bestätigend musste Ginny nickten. Nun wurde auch ihr Gesicht in ein leichtes Rot getaucht. „Ich liebe dich Harry. Ich liebe dich so sehr."


Nachdenklich betrachtete Luna Ron, wie er mit großen Augen in der Großen Halle umherschaute. Sie hatte das Gefühl als würde er sich unwohl fühlen und gleichzeitig machte sie dieser Gedanke etwas traurig.
„Ron?", versuchte sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Er schien sie aber nicht wahrzunehmen. „Ron?", verstärkte sie ihre Lautstärke.
Mit gerunzelter Stirn sah er zu ihr herab. „Wie?"
„Du scheinst abgelenkt", stellte sie fest.

Ein kleines Lächeln breite sich auf seinem Gesicht aus. Aber keinesfalls ein freudiges oder schmunzelndes, sondern er wirkte etwas ängstlich. „Wie meinst du das? Ich... nein, ich tanze mir dir, oder bin ich dir etwa auf die Füße getreten?", wollte er besorgt wissen.
Luna schüttelte den Kopf und lächelte bitter. „Nein. Aber ich glaube ich sollte jetzt gehen."
Sie blieb stehen, wandte sich von ihm ab und rannte aus der Großen Halle. Irritiert blickte Ron ihr hinterher und verstand die Welt nicht mehr. Schließlich schaffte er es aber wieder einen klaren Gedanken zu fassen und lief ihr nach.


Madame Pomfrey trat mit einer ernster Miene aus dem Krankenzimmer. Augenblicklich trafen ihr Blick Dracos, dem deutlich die Sorge ins Gesicht geschrieben stand.
„Und wie geht es ihr?"
Ein kleines ermunterndes Lächeln huschte ihr über die Lippen. „Miss Granger ist ziemlich unterkühlt, aber das bekomme ich wieder hin. Morgen wird sie sicher wieder ganz die Alte sein." Sogleich wurde ihr Blick aber finster. „Aber kannst du mir mal verraten wieso du deine Freundin in dieser eisigen Kälte fast nackt rumlaufen lässt?"
Madame Pomfrey schüttelte missbilligend den Kopf und schritt davon ohne Draco zu Wort kommen zu lassen.

Dieser hatte die letzten Worte von ihr aber auch nicht mehr wirklich verstanden, viel zu sehr war er mit Hermione beschäftigt. Eine Welle der Erleichterung durchflutete seinen Körper. Und wie er erleichtert war. In diesem Augenblick als er ihren Körper regungslos im Schnee liegen sah, ist ihm für einen Moment das Herz stehen geblieben.
Es war komisch, aber Hermione hatte es geschafft – ohne wirklich groß etwas dafür zu tun – sein Herz zu gewinnen.

Draco hatte sie gehasst und zwar von ganzem Herzen, jede einzelne Faser ihres Daseins. Aber Hass und Liebe schien wirklich so nahe beieinander zu liegen, wie man immer behauptete. In seinem Falle hatte es sich jeden Falls so erwiesen.
Trotzdem war sein Herz aber immer noch schwer, denn sie schien ihn zu hassen. Hermione hatte Tränen wegen ihm vergossen. Aber es waren wohl kaum welche der Trauer über ihre Liebe zu ihm, sondern einfach nur welche aus Zorn und Wut. Hatte sie ihm doch beim Schmücken der Großen Halle wirklich gezeigt, was sie von ihm hielt. Auch wenn er für einen Moment tatsächlich geglaubt hätte, Zuneigung in den Weiten ihrer braunen Augen zu erkennen. Einbildung... alles nur Einbildung...


Der Schein des Mondes warf seinen hellen Strahl durch das Turmzimmer des Gryffindor-Jungenschlafsaales. Harry konnte Ginnys sanften Atmen dicht an seinem Ohr aus machen, während er ihren Oberkörper mit sanften Küssen bedeckte und spürte, wie sein Herz fast drohte zu zerspringen. Unendliches Kribbeln hatte sich in seinem Bauch breit gemacht. Wie ein Feuerwerk.
Langsam hob er seinen Blick und sah sie an. Ginnys feines rotes Haar umrahmte ihr hübsches Gesicht. Ihre blauen Augen leuchteten so hell, wie er es niemals zuvor wahrgenommen hatte. Der zärtliche nackte Körper unter ihm, machte ihn jedoch etwas Angst. Was wäre, wenn er ihr wehtun würde? Hatte er sie doch noch nie so zerbrechlich gesehen.
Ginny schien sein Zögern zu bemerken. Sie zog ihn wieder zu sich herunter und bedeckte seine Lippen mit einem Kuss. „Was hast du?", wollte sie dann wissen.
„Ähm... nichts... es ist nur..."
„Angst?"

Zum zweiten Mal spürte Harry wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Es war ihm mehr als peinlich zuzugeben, wie sehr er Angst vor dem hatte, was jetzt gleich geschehen würde. Immerhin war er ein Mann und Männer hatten keine Angst davor, oder?
Aber Ginny lächelte nur sanft. „Ich auch...", hauchte sie an seine Lippen und küsste sie wieder. „Aber ich vertraue dir und weiß das du mir nie wehtun würdest. Harry? Berühr mich... bitte..."
Langsam entfernte sich Harrys Gesicht ein paar Zentimeter von Ginnys. Wieder trafen sich ihre Blicke – so intensiv wie tausend innige Küsse. Schließlich streckte er sanft seine Hand nach ihrem Gesicht aus und streichelte über ihre Wange, hinab zu ihrem Kinn und schließlich ihren Brüsten entlang.
Als Harry bei ihrem Bauchnabel endete, beugte er sich zu diesem hinunter und fuhr mit seiner Zunge sanft hinein. Ginny wand sich unter dieser Berührung und ein leichtes Stöhnen entfuhr ihren Lippen.
„Ich will dich Harry... ich will dich...", murmelte sie dann.


Fast eine Viertelstunde war Ron im Schloss umhergeirrt, um Luna wieder zu finden. Im Astronomie-Turm wurde er schließlich fündig. Sie stand am offenen Fenster und blickte gen den Mond, während der Wind seine kühle Brise hineintrug und ihr Haar sanft streichelte. Ron aber ignorierte den Wunsch, dass sie anscheinend alleine sein mochte.
„Sag mal kannst du mir vielleicht sagen was mit dir los ist?", rief er aufgebracht, kaum das er das Klassenzimmer überhaupt betreten hatte. „Du kannst mich doch nicht einfach so stehen lassen! Die werden sich alle gedacht haben, dass meine Verabredung mich sitzen gelassen hat!"

Luna wandte sich mit einer bitteren Miene zu ihm um. Sie war wütend. Ihre Augen funkelten vor Zorn. „Sag mal was soll das eigentlich?", fauchte sie ihn an. „Wieso macht es dir so viel aus, was die anderen von dir denken?"
Ron starrte Luna wie vom Blitz getroffen an. Er wusste im ersten Augenblick überhaupt nicht was er darauf erwidern sollte und genauso wenig konnte er sich erklären, wieso Luna auf solch ein Thema in dieser Situation kam.
„Was... wie meinst du das?", wollte er achselzuckend wissen.

„Ich hab doch gemerkt was du für ein Problem mit mir hast!", donnerte Luna. „Die ganzen Wochen in denen wir uns getroffen haben, hast du dich in meiner Gegenwart immer unwohl gefühlt und das nur, weil die Leute vielleicht lachen, wenn sie dich zusammen mit mir sehen!"
Wenn Ron eben noch sprachlos gewesen war, dann wusste er nicht, was er jetzt sein wollte. Nun konnte er nämlich überhaupt nicht mehr antworten. Er fühlte sich nämlich ertappt. Selten hatte es ein Mensch geschafft, zu erahnen wie es ihm gerade ging und das schien im irgendwie noch mehr Angst zu machen.
„Das stimmt doch überhaupt nicht!", erwiderte Ron ihr kleinlaut, allerdings mit wenig Überzeugung.

Die bittere Miene in Lunas Gesicht wurde nur noch schärfer. „Ach ja und wieso kann ich es dann spüren? Heute doch auch! Ich habe mich extra für dich bemüht um eine präsentable Erscheinung abzugeben, aber du hast immer noch Angst das die Leute sagen: Schau mal der da, mit der verrückten Loony! Ich bin ein Mensch verdammt noch mal, habe auch Gefühle und will gefälligst von dir wie ein ganz normaler Mensch behandelt werden! Wieso bist du mit mir heute Abend überhaupt auf den Ball gegangen, wenn du dich sowieso für mich schämst? Dachtest du etwa du würdest vielleicht sonst keine abbekommen und da kam ich dir genau recht, oder was?"

Stille trat ein. Ron sah Luna einfach nur mit einem geschockten Gesichtsausdruck an. In Lunas Augen glitzerten Tränen und unendliche Trauer. Die Worte schienen ihm wie im Hals stecken geblieben zu sein, denn er fühlte sich wie zugeschnürt an.
„Ich..." Traurig steckte Ron seinen Blick. „Es tut mir Leid... du hattest recht."
Luna schniefte. Die Tränen waren noch schon über ihre Wange gerannt. Langsam wandte sie sich wieder von ihm ab und starrte aus dem Fenster. „Geh... geh..."

Die Enttäuschung Lunas gab Ron einen Stich ins Herz. Niemals in seinem Leben hatte ein Mädchen wegen ihm geweint und dieses mal schien es, als würde Luna tatsächlich was an ihm liegen. Er war nicht fair zu ihr gewesen, das wusste er.
Zögernd trat er an sie heran, legte ihr sanft die Hände auf die Schultern und bettete seinen Kopf auf ihrer rechten. Unter diesem Griff zuckte Luna erschrocken zusammen, blieb aber regungslos stehen und wehre ihn nicht ab.

„Es... tut mir Leid, wirklich...", hauchte Ron an ihr Ohr.
„Das hast du schon einmal gesagt", stellte Luna traurig fest.
„Ich..." Ein bitteres Lächeln zog sich über Rons Lippen. „Weißt du, ich habe nicht unbedingt ein großes Selbstvertrauen", gestand er. „Meine Familie ist arm und ich habe fünf ältere Brüder. Manchmal... nun ja, daher ist es für mich schon immer etwas wichtig gewesen, was andere von mir halten. Ich will nicht gerne als der arme Weasley dastehen oder der kleine Bruder, der sowieso nie aus dem Schatten seiner Älteren treten kann. Aber... bitte glaub mir, ich... wenn ich gewusst hätte, dass ich dich damit verletzte, dann... ich wollte das nicht, Luna. Ich... liebe dich... Hast du gehört? Ich liebe dich."

Wieder trat Schweigen ein. Ron spürte Luna etwas zittern. Sein Herz klopfte wie verrückt. Noch nie – wirklich noch nie in seinem Leben – hatte er jemals einem Mädchen gesagt, was er für sie fühlte und es dabei richtig ernst gemeint. Luna aber war der Mensch, von dem er wusste, sie bedeutete ihm alles und er sie einfach nicht verlieren wollte. Niemals.
„Luna?", fragte er nach ein paar Sekunden schließlich hilflos. „Bitte sag doch was. Ich komme mir so unheimlich blöd vor..."
Nun wandte sich Luna zu ihm um. Ihre Tränen waren schon fast getrocknet, aber noch immer glänzten sie etwas in ihren Augen. Auf ihrem hellen Gesicht hatten sie Wasserspuren hinterlassen.

„Wieso kommst du dir blöd vor?", wollte Luna flüsternd wissen.
„Na ja... ich habe niemandem wirklich gesagt wie sehr ich ihn mag... du bist überhaupt das erste Mädchen, welches ich richtig mag."
„Und wie soll das jetzt weitergehen? Du hast gesagt du liebst mich, aber ich will nicht, dass du dich weiter für mich schämen musst. Vielleicht sollten wir es einfach lassen, Ron. Ich will und werde mich nicht ändern. Das bin ich, verstehst du? Wirklich richtig kann man mich nur lieben, wenn man auch akzeptiert wer und wie ich bin."
„Das will ich aber nicht!", rief Ron schnell. „Ich will nicht das es zwischen uns aus ist!" Langsam ging Luna an ihm vorbei um den Astronomieturm zu verlassen und ihn zurückzulassen. „Aber ich bin dir zu auffällig."

Ihr Ton klang betrübt und unheimlich einsam. Gleichzeitig verabschiedend. Erschrocken wirbelte er zu ihr um. „Nein! Bist du nicht! Ich... ich brauche dich, hast du verstanden? Nur dich! So wie du bist, denn dieser Mensch ist wunderbar."
Ron dachte nicht nach. So schnell er konnte packte er Lunas Hand, zog sie zu sich her und schlag seine Arme um ihren Körper, während er sie küsste – so, damit sie ihm nicht noch im letzten Augenblick entwischen konnte.
Etwas atemlos lösten sich die beiden nach einigen Sekunden wieder und sahen sich an. Rons Gesichtsfarbe hatte einen etwas roten Ton bekommen, Luna aber lächelte.
„Ich brauch dich auch...", wisperte sie.


Langsam öffnete Hermione ihre Augen, musste sie aber gleich wieder schließen, denn das gleißende Licht war unerträglich. Nachdem sie ein paar Sekunden verharrt und sich ihre Augen langsam daran gewöhnt hatte, öffnete sie sie wieder. Der heller Sonnenstrahl drang durchs Turmfenster. Aber es war nicht das Turmfenster, welches sie jeden Morgen erblickte, wenn sie die Augen öffnete, sondern nun schien sie sich an einem anderen Ort zu befinden.

Irritiert richtete sie sich auf und warf ihren Blick umher. Das Zimmer – fast vollkommen in weiß – schien einem der Krankenzimmer im Krankenflügel zu gleichen. Doch wie war sie hierher gekommen? Als sie an sich herunter sah, bestätigte sich ihr Verdacht, denn wie jeder Krankenflügelpatient trug sie einen der weißen unausstehlichen Kittel.
Von draußen drangen Stimmen. Manche bekannt, andere eher weniger. Vielleicht aber nur deswegen, weil sie ziemlich weit weg waren. Erschöpft ließ sich Hermione wieder ins Kissen zurücksinken und starrte gegen die weiße Decke – wartend auf irgendetwas, das vielleicht geschehen mochte. Um selbst dem Grund auf die Spur zu kommen, wieso sie hier war, hatte sie ihm Augenblick wirklich nicht die Kraft. Ihr ganzer Körper schien ihr nicht zu gehorchen wollen, fühlte sich schlapp und träge.

Es geschah aber auch nichts und irgendwie war sie froh darüber. Bilder waren in ihrer Erinnerung wirr durcheinander geworfen und sie zu ordnen kostete die Mühe, welche sie nur in Ruhe aufbringen konnte.
Der Weihnachtsball. Hermione war mit Ernie dort gewesen, hat ihn allerdings stehen lassen. Wieso?
Bei diesem Gedanken an das Wieso kam ihr plötzlich alles wieder. Sie war so verletzt und wütend gewesen – nachdem sie diese lächerliche Szene mit Draco und Pansy für ein paar Minuten ertragen hatte, bis sie es schließlich nicht mehr hatte aushalten können - dass sie einfach – ganz unbedacht – hinaus in die Kälte gerannt ist und schließlich vor dem großen See halt gemacht hatte. Bis plötzlich...

Hermiones Herz schlug auf einmal ein paar Takte schneller und sogleich überkam sie eine Hitze aus Freude und Erwartung. Draco war gekommen! Er hatte sich entschuldigt! Noch klar und deutlich hörte sie ihn die Worte der Entschuldigung flüstern. Stockend und ziemlich schwermütig waren sie aus seinem Munde gekommen und dann... hatte er gemeint, er würde sie lieben...
Das Gefühl Dracos Kusses war auf einmal eindeutig auf ihren Lippen zu spüren. Nur kurz, aber er war wunderschön gewesen. Dann jedoch ist alles um sie herum schwarz geworden und schließlich hatte sie sich hier wiedergefunden.
Aber...
Ist der Abend gestern vielleicht nur ein zu schöner Traum gewesen? Ein übles Hirngespinst ihrer zu viel vorhandenen Fantasie, welche ihrem Herz einen Streich spielen wollte? Nein... das durfte nicht sein!

Mit einem unwohlen Gefühl drehte sich Hermione zur Seite und schloss die Augen. Wieder und wieder versuchte sie sich die Bilder und die Stimmen ins Gedächtnis zu rufen, um vielleicht irgendwie zu erkennen, dass es kein Traum gewesen ist. Aber ein Indiz dafür blieb ihr verweigert.
Plötzlich riss ein Klopfen an der Zimmertür Hermione aus ihren Gedanken. Hoffnungsvoll sah sie hoch, doch nur um dann festzustellen, das Madame Pomfrey hereingekommen war.
„Oh, du bist schon wach", lächelte sie zufrieden. „Das trifft sich gut, dann kann ich dir gleich deinen Trank verabreichen."
Bei der trüben Miene Hermiones zog sie die Braue empor und schüttelt den Kopf.
„Mädchen, von so ein bisschen Medizin geht doch nicht die Welt unter. Ich glaube da hättest du darüber nachdenken müssen, ehe du mit deinem Freund halbnackt durch den Schnee gestapft bist."

Verwundert hob Hermione den Kopf. War es vielleicht doch kein Traum gewesen? „Mit meinem Freund?", wollte sie hastig wissen, „Etwa Dr... ich meine... gestern... wie kam ich hierher? Wer hat mich hierher gebracht?"
Madame Pomfrey stellt eine kleine grüne Flasche auf das Nachkästchen neben Hermione und holte einen kleinen Löffel heraus, während sie die Flasche öffnete und schließlich eine ebenso grüne Flüssigkeit auf den diesen gab.
„Mr Malfoy", erwiderte sie neben ihrem Tun. „Ich wusste überhaupt nicht das in diesem Jungen auch was Gutes stecken kann."
Für ein paar Sekunden hatte Hermione das Gefühl, als würde ihr jemand die Luft abgedreht haben. Ein eigenartiges Verlangen durchströmte sie und sie musste sich wirklich zurück halten um nicht jeden Augenblick laut aufzuschreien, aus dem Bett zu springen und aus dem Krankenflügel zu stürzen. „Wirklich...?", fragte sie stattdessen, „und sie sind sich auch ganz..."

Bevor Hermione ihre Frage aber zu Ende formulieren konnte, hatte Madame Pomfrey ihr schon den Löffel in den Mund gesteckt und sie somit zum Schweigen gebracht. Hermione, die das nicht vorhergesehen hatte, musste sich mit einem plötzlichen Hustenanfall auseinandersetzen. Ein ekliger bitterer Geschmack machte sich in ihrem Mund breit, sogleich wurde sie aber von einer wohligen Wärme durchströmt.
„Natürlich bin ich mir sicher, Kindchen", antwortete Madame Pomfrey dann hastig und auch in einem etwas beleidigtem Tonfall. Wahrscheinlich dachte sie, Hermione würde sie für etwas senil halten.
Madame Pomfrey wollte gerade wieder das Zimmer verlassen, als sie sich dann aber noch einmal zu Hermione umwandte. „Deine Unterkühlungen habe ich schnell wieder hinbekommen und du musst auch nicht zur Beobachtung bleiben, deswegen kannst du gehen. In einer Stunde gibt es sowieso in der Großen Halle Frühstück."


Mit einem etwas mulmigen Gefühl betrat Hermione die Große Halle. Viele Schüler lieferten sich bereits heiße Diskussionen mit ihren Freunden und stopften munter das Essen vor ihrer Nase in den Mund, ohne das sie überhaupt mitbekamen was sie da aßen. Doch die erste Person in der Großen Halle, der Hermione Aufmerksamkeit schenkte, saß zwischen den Slyhterin-Reihen und starrte sie an.
Draco Malfoys Augen hatte Hermione noch nie so intensiv in Erinnerung gehabt wie jetzt. Wie üblich fing ihr Herz wieder an wie verrückt zu schlagen und die Hitze die jetzt ihren Körper durchströmte, kam definitiv nun nicht mehr von Madame Pomfreys Trank. Wiedereinmal konnte sie aber nicht erraten, was er dachte und genau das verstärkte Hermiones Zweifel. Vielleicht... vielleicht...

Was wäre vielleicht? Hermione wusste nicht was vielleicht sein sollte und sie war es auch leid darüber nachzudenken. In den letzten Wochen hatte sie sich viel zu oft mit diesen Fragen beschäftigt, bei denen sie nie klare Antworten bekommen konnte. Sollte sie es wagen? Riskieren? Was hatte sie denn schon zu verlieren?
Okay, es gab einiges zu verlieren. Ihren Ruf – auch wenn man ihn nicht unbedingt als besonders gut bezeichnen konnte –, ihr Ansehen ... Harry und Ron…?
Ihr Magen verkrampfte sich schmerzhaft. Harry und Ron… Ihre besten Freunde. Würden sie es verstehen, wenn sie davon erfuhren? Nein, definitiv nicht, immerhin verstand sie es nicht mal selbst. Aber... wenn sie Chance bestand, dass sie wirklich glücklich werden könnte, würde sie doch sicher begreifen, oder? Sie waren selbst auch glücklich, also durfte sie es doch auch sein, egal mit wem.

Hermione wusste nicht wie lange sie schon im Tor zur Großen Halle gestanden und seinen Blick erwidert hatte. Das einzige was ihr klar war, war, wie ihre Beine sie plötzlich automatisch vorwärts trugen.
Das Klopfen ihres Herzens dröhnte ihr in den Ohren, vermischt mit dem Gequatsche und Gelächter ihrer Mitschüler.
Was würden die Slytherins sagen? Die Hitze durchströmte ihren Körper und schien mit jeder Sekunde stärker und stärker, fast unerträglich zu werden.
Was würde überhaupt er sagen? In ihrem Magen hatte sich ein ähnliches Gefühl der Übelkeit angestaut. Sich vielleicht über sie lustig machen?

Trotz allem aber – egal wie schlimm – musste es endlich raus.
Die Slytherins konnten reagieren wie sie wollen, es war ihr egal.
Malfoy, vielleicht würde er lachen, es war ihr egal.
Harry und Ron, sie würden entsetzt sein, es interessierte sie ebenfalls nicht.
Nun zählte nur noch für sie, dass sie endlich ihre wahren Gefühle zeigen konnte. Nichts, rein gar nichts, würde sie davon abhalten können.

Plötzlich aber blieb Hermione wie angewurzelt stehen. Draco war von seinem Platz zwischen den Slytherins aufgesprungen und hastete auf sie zu. Noch ehe Hermione begreifen konnte, wie ihr geschah spürte sie auch schon, wie er die Arme um ihren Körper legte, sie zu sich zog und ihre Lippen sich berührten.
Der Stein der Hermione in diesem Moment vom Herzen gefallen war, hätte man gut als wahren Felsbrocken bezeichnen können. Niemals war sie so erleichtert gewesen und noch niemals war ihr ein Kuss von ihm so schön vorgekommen wie jetzt. Herzklopfen, Hitze, Schmetterlinge – all diese Symptome durchströmten ihren Körper und mitsamt seiner verlangenden Zunge in ihrem Mund, die sich ununterbrochen Liebesspiele mit ihrer lieferte, raubte man ihr fast die Sinne.

Nach einigen Sekunden trennten sich die beiden wieder atemlos voneinander. Hermione fühlte sich wie betäubt. Langsam lehnte sie ihren Kopf auf seine Brust.
„Du hattest Recht...", murmelte sie nach ein paar Sekunden, „Es geht nicht ohne dich... Mein Körper und Herz verlangt nach dir... ich brauche dich... Ich liebe dich."
Das aufgekommene wilde Getuschel in der Großen Halle nahm Hermione erst jetzt wahr. Trotzdem aber war alles noch viel zu weit weg, um wirklich richtig zu verstehen was sich die Mitschüler untereinander zuflüsterten.
„Ich... liebe dich auch...", hauchte Draco sanft.
Langsam hob er seine Hand und hob ihr Kinn, damit sie sich wieder in die Augen sahen. „Hast du gehört? Ich liebe dich und es tut mir Leid... einfach alles..."


„Ich... fasse... es... nicht...", hauchte Ron ungläubig.

Er fühlte sich wie betäubt. Seine Augen starrten genau wie die Harrys gebannt auf das Schauspiel, welches sich ihnen gerade bot. Er merkte nicht wie Ginny sich etwas unwohl an seiner Seite fühlte. Die ganze Zeit warf sie ihre besorgten Blick zwischen ihm, Harry und Hermione, die zusammen mit Draco in leidenschaftliche Küssen verfiel, hin und her.
Harry konnte auf dieses Bild nichts erwidern. Er wirkte, als hätte ihm jemand gerade die Stimme geraubt. Ihr kam der Gedanke, er wäre vielleicht besser gewesen, mit Harry zusammen in seinem Bett liegen zu bleiben, so wie er es heute Morgen vorgeschlagen hatte. Wenn sie gewusst hätte, welche Show Hermione heute für das Frühstück eingeplant hatte, hätte sie nichts gegen seinen Vorschlag einzuwenden gehabt.

„Wir sollen gehen", flüsterte Ginny in schwachem Ton. Sie griff nach Rons Arm und wollte diesen mit sich ziehen, doch Ron befreite sich wieder aus dem Griff seiner kleinen Schwester.
„Lass mich los!", fauchte er sie an.

Ginny zuckte erschrocken zusammen. Es war nicht sein schroffer Ton, welcher ihr Angst einjagte, sondern mehr die Miene ihres Bruders. Seine blauen Augen funkelten wütend und hatten noch nie so kalt gewirkt wie jetzt. Röte war in sein Gesicht gestiegen. Aber nicht die Farbe die er immer annahm, wenn ihm etwas total peinlich war, sondern die Farbe des blanken Zorns.

„Ron!", entgegnete Ginny in der Hoffnung ihn vielleicht beschwichtigen zu können. „Ich kann ja verstehen, dass du wütend bist, aber das ist nicht dein Recht. Komm lass uns gehen. Später kannst du ja mit ihr reden."
„Später? Später?" Ungläubig von solcher Naivität zog er die Braue hoch. „Sag mal Ginny kann es vielleicht sein, dass irgendetwas mit deinen Augen nicht in Ordnung ist? Dieser Typ ist ein Slytherin, Draco Malfoy und Hermione schmeißt sich diesem Scheißkerl gerade an den Hals!"

Plötzlich erklang Harrys Stimme hinter den beiden. „Ron, ich denke auch, dass wir gehen sollten", meinte er mit einem unglaublich kühlen Ton. „Essen kann ich nun eh nichts mehr."
Er warf einen musternden Blick zurück auf Hermione und Draco. Inzwischen hatten sich ihre Lippen wieder voneinander getrennt, jedoch hielten sie sich immer noch in den Armen und sahen sich in den Augen.

Ron wandte sich zu Harry um und wollte etwas Wütendes erwidern, aber Harrys Gesichtsaudruck ließ ihn verstummen. Die Kälte lag nicht nur in seinen Worten, sondern auch in seinen Augen.
„Gut", gab er sich geschlagen, „Dann gehen wir."


Die Nachricht, dass Hermione Granger und Draco Malfoy zusammen waren, hatte sich in wenigen Stunden wie ein Lauffeuer durch Hogwarts verbreitet. Genauso wie die absurdesten Theorien, wie zum Beispiel die, Hermione hätte Draco, den bei Snape entwickelten Liebestrank, verabreicht oder das, Draco Hermione unter einen Imperius-Fluch gebracht haben sollte, weil er Harry an Voldemort ausliefern will.

Hermione ignorierte sie aber alle. Genauso wie die verschiedenen Miene der Schüler, von neugierig bis hin zu hasserfüllt, oder dem Getratsche derer, während sie nur ein paar Meter weit weg stand. Natürlich war es etwas lästig und sie wusste, das ein paar Tage – vielleicht sogar Wochen – von nichts anderem die Rede sein würde, aber irgendwann, würde das Gesprächsthema „Draco und Hermione" erschöpft sein.

Hermione hatte sich nach dem Frühstück sofort in die Bibliothek aufgemacht, während Draco mit seiner Quidditch-Mannschaft auf das Quidditch-Feld zum Training gegangen war. Gerne hätte Hermione ihn begleitet. Im Moment aber zog sie es lieber vor sich zu verstecken. Verstecken vor Harry und Ron.
Sie war sich ziemlich sicher, dass wenn die beiden auch heute nicht beim Frühstück von ihr und Draco mitbekommen hatten, sie es doch spätestens jetzt wussten. Immerhin waren sie ja auch nicht von gestern.
Im Endeffekt tat es Hermione leid. Gerne hätte sie es ihnen selbst gesagt, als sie so vor den Kopf zu stoßen, doch die Angst davor war einfach viel zu groß gewesen. Eigentlich war sie genauso groß gewesen wie die Angst ihnen jetzt irgendwo zu begegnen und neben dem Mädchenklo war die Bibliothek genau der richtige Ort dafür.

Natürlich, irgendwann würde sie mit den beiden reden müssen und dann würde sie es auch tun, doch im Augenblick musste sie noch die richtigen Worte der Erklärung dafür finden. Tatsächlich war das was sie gemacht hatte doch Hochverrat an ihnen, oder? Auf jeden Fall wusste sie, dass die beiden denken würde, ihre Freundschaft würde ihnen überhaupt nichts bedeuten.

Genervt schloss Hermione das Buch mit dem Titel „Der Einfluss der babylonischen Herrschaft auf die Zauberwelt" und lehnte sich zurück. Sie hatte jetzt zwei Stunden ihres Lebens damit verbracht etwas zu lesen, wovon nicht ein einziges Wort in ihrer Erinnerung hängen geblieben ist. Missmutig stellte sie es wieder in das Regal zurück. Eine wahre Zeitverschwendung, dachte sie genervt.
Ein kleiner Blick auf ihre Armbanduhr zeigte ihr, dass es in einer Stunden Zeit zum Mittagessen war und spätestens dann würde sie Harry und Ron sicher wiedersehen, denn sie hatte schon nichts zum Frühstücken gehabt und auf einen Platz zwischen den Slytherins, die sie mit schiefen finsteren Blicken mustern, konnte sie getrost verzichten.

So machte sich Hermione auf in den Gemeinschaftsraum und nannte der Fetten Dame das Passwort („Eulenschweif"), bevor sich durch das Portraitloch in die Heimat der Gryffindors stieg.
Sofort hatte sie auch Harry und Ron zwischen einer Scharr ihrer Mitschüler ausgemacht, die zusammen Snape explodiert spielten. Nicht zuletzt, weil sie die lautesten im ganzen Gemeinschaftsraum waren.
Hermiones biss sich kurz auf die Unterlippe und atmete tief durch, dann schritt sie mit entschlossener Miene auf die beiden zur.

„Kann ich vielleicht mal mit euch sprechen?", fragte sie in die Runde zu Harry und Ron gewandt.

Aber weder Harry noch Ron sahen sie an. Ginny, Neville, Dean und Seamus warfen nachdenkliche Blicke zwischen den dreien her, doch die beiden taten so, als wäre sie überhaupt nicht vorhanden. Für Hermione war das ein Zeichen dafür, dass sie es bereits wussten. Ihr wurde schwer ums Herz.
„Dean, du bist dran!", lachte Ron ziemlich laut um Hermione, die gerade wieder etwas sagen wolle, zu übertönen und ihr das Gefühl zu geben, als wäre sie überhaupt nicht vorhanden. Er gab diesem die Würfel in die Hand und starrte erwartungsvoll auf die Würfelzahl, auf das Spielbrett. „Aber leg dieses Mal nicht wieder so einen Abgang hin!"
Dean nahm sie entgegen, würfelte aber nicht sondern sah Hermione an.
„Bitte, Ron... Harry?", versuchte diese wieder ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. „Nur kurz… ich will euch alles erklären."

Sie ignorierte sie aber weiter. Ginny war es, die als erste in der Runde auf sie einredete. „Harry... komm schon rede mit ihr", meinte sie und legte die Hand auf die ihres Freundes, dann sah sie ihren Bruder an. „Ron... bitte... sie hat das doch nicht getan um euch irgendwie zu verletzten... Sie liebt ihn doch!"
Verwundert sahen Harry und Ron Ginny an.
„Du wusstest davon?", fragen sie fast gleichzeitig.
Ginny wurde etwas rot im Gesicht und Hermione merkte ebenfalls, wie dieses Gespräch so langsam außer Kontrolle geriet. Sie wollte auf keinen Fall, dass die beiden auch noch auf Ginny sauer sein würden.
„Ähm... nein..." Schnell schüttelte Ginny den Kopf. „Ich bin genauso überrascht wie ihr und wollte nur damit sagen, dass sie einen Grund hat für das, was sie tut."

„Nein wolltest du nicht!", rief Ron entgeistert und funkelte seinen kleine Schwester wütend an. „Du wusstest davon, natürlich! Ist ja klar! Dir erzählt sie es, aber uns nicht! Stattdessen belügt und hintergeht sie uns!"
Ron war so schnell aufgesprungen, sodass die Figuren auf dem Brett ihren Halt verloren, umfielen und davon rollten. Harry hatte währenddessen Ginnys Hand angewehrt und stand ebenfalls auf.
„Ich glaube das nicht!", schrie Harry sie empört an. „Du hättest uns doch was sagen können! Ron ist dein Bruder und ich bin dein Freund!"
Ginny wirkte hilflos und warf hilfesuchend einen Blick auf Hermione. „Aber... Hermione ist doch auch meine Freundin!"

„Ginny hat mit der ganzen Sache nichts zu tun!", verteidigte Hermione sie. „Sie hat euch nur deswegen nichts gesagt, weil ich sie darum gebeten habe und ihr wisst genau, sie würde ein Versprechen niemals brechen!"
„Das ist mir so was von egal!" Abermals hatte sich der blanke Zorn in Rons Gesicht geschlichen. „Sag mal kapierst du überhaupt was du da machst? Hallo? Wie dumm muss man denn sein, um sich auf so einen Typen einzulassen?"
Harry pflichtete Ron bei. „Das ist Draco Malfoy, Hermione! Draco Malfoy! Niemals hätte ich von dir gedacht, dass du uns so hintergehen würdest. Wir sind Freunde und selbst wenn du ihn liebst, dann ist doch eine Freundschaft viel mehr wert als Liebe!"

Mit einem starren Blick betrachtete Hermione ihre beiden Freunde. Im ganzen Gryffindor-Gemeinschaftsraum war Stille eingetreten. Vollkommene Stille. Jeder wartete auf den Ausgang des Streites und jeder war erpicht darauf, zu hören, was wohl noch über Hermione und Draco ans Licht kommen würde.

„Verdammt noch mal mir reicht es!", donnerte plötzlich Hermione und versetzte dem Spielbrett einen wütenden Schlag, worauf es krachend zu Boden fiel und dort ruhig liegen blieb. „Ich soll eine falsche Freundin sein? Sag mal seit ihr nicht mehr ganz dicht? Nicht ich bin die falsche Freundin, sondern ihr seit die falschen Freunde! Niemals in meinem Leben habe ich egoistischere Menschen als euch beide erlebt. Die ganzen letzten Wochen muss ich mir nur anhören wie sehr ihr doch leidet und am nächsten Tag wieder glücklich in den Armen eurer Liebe liegt! Aber habt ihr euch schon mal gefragt wie es mir geht? Ich bin doch diejenige von uns, die sich schon die ganze Zeit mit Liebeskummer rumplagen muss. Ich bin diejenige, die wirklich gelitten hat! Ihr Idioten wolltet immer wissen was mit mir los ist und habt gesagt ihr würdet mich verstehen und mir helfen können, aber genau deswegen, genau um so einen Streit zu vermeiden, habe ich meinen Mund gehalten, weil ich wusste, dass ihr in so einem Fall keinen Freunde seit!"
Hermione wartete nicht die Reaktion der beiden ab, sondern stürzte wieder zurück durch das Portraitloch hinaus in die Freiheit.


Draußen, unten am See, war es eiskalt. Dieses Mal aber war Hermione in einem warmen Wintermantel eingepackt und hatte sich einen weichen Schal um den Hals geworfen. Genauso wie gestern Abend flossen ihr die Tränen über die Wangen. Natürlich, sie wusste, dass sie mit den beiden gestritten hätte, doch auf so einen Streit wäre sie nie gefasst gewesen und irgendwie hatte sie auch mit einer Versöhnung gerechnet, noch ehe es so ausarten könne. Noch nie hatte sie sich danach so schlecht gefühlt wie in diesem Augenblick.
Auf eine Entschuldigung von Harry oder Ron würde sie aber lange warten müssen, denn im Grunde waren sie alle gleich. Das war eben das, was Hogwarts ausmachte. Der Mut aber auch dieser unbezwingbare Stolz. Unbezwingbar war es deshalb, weil sie nicht mal selbst richtig dagegen ankamen.

Hermione wusste nicht genau was sie jetzt machen sollte. Was hatte Harry noch einmal gesagt. Gegen die Freundschaft ist Liebe nichts wert? Mochte das vielleicht wahr sein? Liebe zerbrach aber auch Freundschaften taten dies. Aber verging nicht Liebe meist schneller als Freundschaft? Würde sie vielleicht in ein paar Wochen oder Monaten erkennen, dass sie Draco nicht mehr liebt und sich dann nach Harry und Ron sehnen, weil sie doch nun ganz alleine war und es mit ihnen doch so viel schöner gewesen ist? Müde schloss Hermione die Augen und legte sich erschöpft in den kalten Schnee. Alleine... im Grunde war sie wirklich alleine, oder? Immerhin konnte sie doch nicht damit verbringen die ganze Zeit bei Draco zu bleiben? Draco würde das sicher bald auf die Nerven gehen und ihr auch, schließlich hatte er auch seine Freunde.

Ginny... hatte ebenfalls ihre Freunde und die waren so ganz anders als sie. Außerdem würden Harry und Ron es ihr noch übler nehmen, wenn sie sich weiterhin mit ihr abgab und das wollte sie ihr nun wirklich nicht zumuten.
Lavender und Parvati... die beiden mochten Draco. Zumindest sein Äußeres. Doch auch wenn Hermione sich gut mit den beiden verstand wusste sie genau, dass sie wahrscheinlich ständig nur ins Kreuzverhör genommen werden würde, immerhin wollten sie doch alles über alle und jeden wissen.

Vielleicht mochte es Selbstmitleid sein, doch es war letztendlich war. Hermione ist und war wirklich alleine. Im Endeffekt konnte Liebe Freundschaft doch nicht ersetzten. Sollte sie Draco aufgeben? Ihm sagen, dass sie glaube ihre Liebe würde sowieso irgendwann zerbrechen, also sollten sie sich doch gleich trennen, denn ihre Freundschaft zu Harry und Ron war ihr wichtiger, weil sie davon überzeugt ist, diese würde ewig bestehen?

Im gleichen Augenblick jedoch als Hermione diesen Entschluss in Erwägung zog, schämte sie sich aber wieder dafür. Draco aufgeben? Für zwei so schlechte Freunde wie Harry und Ron? Nur damit sie dann wieder alleine war und den beiden zusehen konnte, wie sie händchenhaltend mit Ginny und Luna durch Hogwarts liefen? NIEMALS! Sie hatte sich heute Morgen vorgenommen egal was passieren würde, sie stünde zur Liebe für Draco, also darf sie diesen Vorsatz auch nicht vergessen!

Entschlossen öffnete Hermione die Augen wieder und blickte überrascht in zwei graue, die ihr fast so einen Schrecken eingejagt hätten, dass sie laut los geschrien hätte.
„Draco! Sag mal bist du verrückt?", rief sie erschrocken aus. „Wie kannst du mich nur so erschrecken?"
„Sorry", lächelte er, bückte sich herab und gab ihr einen Kuss auf die Lippen, dann ließ er sich genauso wie gestern Abend in den Schnee fallen. „Ich wollte nur sicher gehen, ob ich dich nicht schon wieder in den Krankenflügel bringen muss."

Langsam setzte sich Hermione wieder aufrecht und starrte auf den See. „Nein, dieses Mal besteht kein Grund zur Sorge."
„Aber du machst dir trotzdem Sorgen", stellte er nachdenklich fest.
Hermione sah ihn überrascht an. „So? Tu ich das?"
„Klar, immerhin siehst du traurig aus."
„Jaah... Harry und Ron... sie haben es nicht gerade gut aufgenommen. Sagen denn deine Freunde nichts gegen mich?"
Draco musste lächeln und zuckte mit den Schultern. „Selbst wenn, nicht in meiner Gegenwart. Immerhin bin ich doch Draco Malfoy, oder?"

„Klar", spöttelte Hermione. „Malfoy"
„Hey, war das jetzt vielleicht Hohn?"
„Natürlich war das Hohn, Malfoy."
Er zog die Braue empor und fasste nach ihrer linken Hand. „Vielleicht sollte ich dir dann ein bisschen Respekt vor mir beibringen?", lächelte er. „Immerhin musst du ja noch den Umgang mit einem Malfoy erlernen, oder?"
„Ach ja?" Lasziv biss sich Hermione auf die Lippen. „Ich bin sicher, dass du mir alles beibringen wirst, was?"
„Genau, deswegen beginnen wir mir Lektion eins."
„Und was ist Lektion eins?"
„Ein Kuss muss mindestens zwanzig Sekunden dauern und darf niemals ohne Zunge erfolgen."
„Dann üben wir mal..."


Hermione hatte sich dazu entschlossen, dass Harry und Ron den ersten Schritt machen mussten, wenn ihnen noch etwas an ihrer Freundschaft lag. Sie auf jeden Fall würde Draco nicht so einfach verlassen, nur weil ihnen etwas nicht an ihm passte.
So verging glatt zwei Monate. Zwei Monate in denen sie unendlich glücklich mit Draco war und doch zwei Monate in denen sie sich oft nach Harry und Ron sehnte. Hermione wusste aber auch, dass sie es genauso taten. Nicht nur im Unterricht oder bei anderen schulischen Verpflichtungen fehlte ihnen ihre helfenden Hand, sondern auch als Freundin. Das merkte sie vor allem dann, wenn sie nachdenkliche Blicke der beiden zugeworfen bekam.

So langsam aber wurde Hermiones Laune im Bezug auf ihre „zerbrochene Freundschaft" immer schlechter, denn sie rechtete schon fast überhaupt nicht mehr damit, sich je wieder mit den beiden zu versöhnen.
Eines Abends jedoch setzte sich plötzlich Ron neben Hermione, während diese gerade fleißig an einem Geschichtsaufsatz für Mr Binns schrieb.
„Was willst du?", wollte Hermione kühl wissen. „Ich werde dir nicht bei deinem Aufsatz helfen. Wenn du schon meist so klug zu sein und mich für vollkommen dumm abstempeln zu können, dann kratz dein Hirn zusammen und schreib ihn selbst."

„Ich bin nicht wegen des Geschichtsaufsatzes hier", murmelte Ron.
„Ach ja? Dann wegen Zaubertränke? Kannst du auch vergessen."
„Nein, auch noch wegen Zaubertränke."
Entschlossen legte Hermione ihre Feder beiseite und betrachtete ihn mit emporgezogener Braue. „Wieso dann?"
„Ich..." Ron stockte. Er griff nach seinem Schopf und fuhr sich durch die roten Haare, sodass sie ihm nun wirr vom Kopfe standen.
„Nun? Ich warte und habe sicher nicht ewig Zeit."
„Och Mann, mach es mir doch nicht so schwer! Du weißt doch was ich sagen will!"

„Nein, ganz bestimmt nicht! Ich habe keine Ahnung ob du mich fertig machen oder dich entschuldigen willst."
„Entschuldigen", murmelte er reuig. „Hermione... es tut mir Leid."
Augenblicklich durchflutete sie eine unbändige Freunde, trotzdem aber würde sie ihm noch nicht so leicht verzeihen. „Ach ja und das merkst du nach zwei Monaten?"
„Na ja... ich konnte dir nicht so schnell verzeihen. Du... du hast was mit Malfoy! Ich meine ihr beide... ihr geht zusammen ins Bett und ..."
„Stop Ron!" Hermione war schon etwas entsetzt darüber, dass er das so ganz nebenbei aussprach. Sie war nun nicht unbedingt prüde, doch mit ihren Freunden hatte sie eigentlich noch nie über Sex gesprochen und sie wollte nicht das Ron sich gerade geistig ein Bild von ihr und Draco machte.

„Ja tut mir leid, aber... ich hasse ihn. Er war all die Jahre so schrecklich zu Harry und mir und auch zu dir. Wie kannst du das einfach nur so vergessen? Er hat dir doch so schlimme Dinge angetan."
„Das weiß ich", wisperte sie, „Aber trotzdem liebe ich ihn, verstehst du das? Es geht einfach nicht anders. Außerdem sagt er nun auch nichts mehr gegen euch. Er ist nicht perfekt und wird wahrscheinlich immer so bleiben, aber ich glaube er überlegt sich in Zukunft etwas besser welche Worte ihm über die Lippen kommen."
„Mag sein... Hermione, ich will das wir uns wieder vertragen. Ich und Harry... wir vermissen dich."

Nun konnte Hermione sich aber nicht mehr halten. Sie viel Ron um den Hals und drückte ihn. Bis jetzt war es immer Harry gewesen, der den ersten Schritt gemacht hatte, wenn die drei sich gestritten hatten oder Harry der zwischen Hermione und Ron vermittelt hatte. So versöhnten sie sich am Ende doch immer. Ron hatte es aber nie richtig geschafft aus eigener Kraft über seinen Schatten zu springen. Vielleicht, weil er der Löwe unter den dreien mit dem größten Stolz war.
Hermione schaffte es sogar nicht einmal Tränen zu unterdrücken und als sie sich wieder von ihm löste, kullerten sie ihr über die Wangen.

Ron war entsetzt. Sanft wischte er das Tränenwasser weg. „Aber wieso weinst du denn jetzt?"
„Weil ich dich auch so sehr vermisst habe, du Idiot", lächelte Hermione, dann aber stockte sie. „Aber... wo ist eigentlich Harry? Wieso ist er denn nicht hier?"
„Er ist bei Malfoy."
Dieser kleine Satz schaffte es, dass Hermiones Magen sich verkrampfte. „Was?", fragte sie atemlos. Innerlich spielte sich ein Bild vor ihren Augen wieder, auf welchem sich die beiden gerade an die Gurgel sprangen. „Aber du kannst sie doch nicht alleine lassen! Die bringen sich doch um!"
„Wie?"

Ron wirkte nachdenklich. „Jaah... könnte sein. Allerdings bin ich sicher das Harry gewinnen würde." Er schaffte es nicht das Grinsen zu unterdrücken und bekam einen tadelnden Blick von Hermione geschenkt.
„Draco ist beim Training, dann ist Harry sicher auch dort."
„Was? Du willst Malfoy das Leben retten?"
Abermals folgte ein scharfer Blick Hermiones.
„Natürlich, wie kann ich das nur vergessen." Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Du schläfst ja mit ihm!"
„Ron! Ich will nicht das du dir das vorstellst!"


„Was willst du Potter? Hast du dich etwa verlaufen oder im Terminplan geirrt? Ihr habt erst für Morgen das Feld", meinte Draco kühl, als er Harry in der Tür des Umkleideraums der Quidditch-Mannschaften stehen sah.
„Ich weiß", entgegnete Harry. „Aber ich will mir dir reden. Es geht um Hermione."
Verwundert sah Draco auf. „Um Hermione? Was ist mit ihr? Ich dachte ihr hättet sie verstoßen? Tolle Freunde seit ihr, Potter."
„Ich weiß, dass wir nicht unbedingt fair zu ihr waren und das will ich jetzt wieder gut machen."

Ein selbstgefälliges Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Wieder gut machen? Wie denn?"
„Indem ich dich warne."
„Ach ja und vor was?"
„Weißt du Malfoy, ich will Vorsorge leisten. Hermione ist wahrscheinlich das Beste was dir jemals passiert ist und passieren wird, deswegen will ich dir sagen, dass, wenn du ihr auch nur einmal wehtun solltest, du das unheimlich bereuen wirst und zwar nicht, weil du sie dann verloren hast, sondern weil Ron und ich dir dann die Hölle heiß machen werden."

„Du brauchst mir nicht zu sagen, dass Hermione das Beste ist. Mir war das schon immer klar, dir allerdings nicht Potter. Immerhin hast du sie ja die letzten zwei Monate geschnitten."
„Dir war es nicht schon immer klar. Zwei Monate sind nichts im Vergleich zu fast sechs Jahren."
„Aber jetzt ist es mir klar, also kannst du deine Warnung getrost vergessen."

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein roter Haarschopf, welcher sich als Ron herausstellte, warf einen Blick hinein in den Umkleideraum.
„Okay Hermione, keiner ist nackt!", rief Ron Hermione, die anscheinend ebenfalls bei ihm war, zu und augenblicklich stürmte sie an diesem vorbei, auf Harry zu und fiel diesem um den Hals.
Nach ein paar Sekunden löste sie die Umarmung wieder. Sah ihn aber mit wässrigen Augen an. „Harry... ich hab dich vermisst. Wieso seit ihr denn nicht schon früher über euren Schatten gesprungen?"
„Weil unser Schatten genauso groß ist wie deiner", lächelte Harry und stupste seine Nase neckend an ihrer.

„Applaus, Applaus", erklang Dracos Stimme spöttelnd, „Also Potter, Weasley ... es ist ja schön, dass ihr alle wieder zu ihr gefunden habt, doch so nahe brauchst du dein Gesicht auch nicht an ihres zu bringen."
Draco griff nach Hermiones Hand, zog sich zu sich und legte ihr den Arm um die Schulter. „Denn wenn ich es euch in Erinnerung rufen darf, ist sie meine Freundin und wenn ihr zwei ganz reservierte Kerle seit, dann lasst ihr uns jetzt bitte alleine. Immerhin muss man es ja ausnutzen, wenn man eine ganze Umkleidekabine für sich alleine hat, zu der auch noch ein großes Badezimmer gehört."
Harry und Ron tauschten Blicke. Sie wirkten etwas angeekelt, warfen Draco finstere Blicke zu, doch verschwanden dann aus der Umkleidekabine.

Zurück ließen sie Hermione und Draco, die beide in innige Küsse verfallen sind. „So und was machen wir jetzt?", fragte Hermione nachdem sie sich wieder getrennt hatten.
„Lass dich überraschen, denn unser Abenteuer Liebe geht erst jetzt richtig los."
„Ich wusste schon immer das du ein ganzer Freizeitpark bist", lächelte sie und küsste ihn.


Ende

by Tanya C. Silver (Oktober 2oo6 - März 2006)

Review this Chapter
Share


Return to Top