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Titel: Das Leben stinkt auf Coruscant
Autor: BlackPriestess
Zeitpunkt: Ein Jahr vor "The Phantom Menace"
Disclaimer: Diese Story wird nicht dazu benutzt, um Profit zu machen. G. Lucas allein besitzt das Copyright für die hier aufgeführten Star Wars Charaktere. Ich spiele nur ein wenig. Die Originalcharaktere gehören mir. Mel Brooks gehört natürlich sich selbst ;-), auch wenn er hier gar nicht auftaucht. Die Story hat mit o. g. Film (fast) nichts zu tun.
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Das Leben stinkt auf Coruscant
Teil 1
1.
"Selbstverständlich traue ich mir dies zu, Meister!", sagte Maul mit, wie er hoffte, überzeugend klingender Stimme und wagte es, den Kopf ein wenig zu heben, um das Gesicht Lord Sidious' sehen zu können, dessen Züge wie immer absolut ausdruckslos waren.
"Nein, das denke ich nicht, mein Schüler", entgegnete Sidious geduldig. "Deine Überheblichkeit, die Tatsache, dass du deine Gegner immer unterschätzt, wird irgendwann dein Tod sein. Deswegen...", er hob die Hand um Mauls Protest zuvorzukommen, "...musst du mir erst beweisen, dass du soweit bist, bevor ich dich mit einer so wichtigen Mission betraue. Hier geht es um Diplomatie und die Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle seines Gegenübers versetzen zu können, und nicht darum, zu töten. Noch nicht.", fügte Sidious mit einem schiefen Lächeln hinzu.
Darth Maul kniete immer noch mit gesenktem Kopf. "Ich verstehe, Meister", sagte er leise, runzelte aber die Stirn.
"Nein, das tust du nicht. Aber das spielt im Moment keine Rolle. Es sei denn..."Maul sah hoffnungsvoll auf."Es sei denn, du kannst nachweisen, dass du schon mehr dazugelernt hast. Ich hätte eine kleine Zwischenmission für dich, um deine emphatischen Fähigkeiten zu testen. Allerdings steht es dir zum ersten Mal frei, dich zu entscheiden, ob du sie annehmen willst oder nicht. Es ist eine Art Test."
"Ich bin für jeden Test bereit, den Ihr für mich vorgesehen habt, Meister!", betonte Maul eifrig.
Die spärliche Beleuchtung in Sidious Arbeitszimmer ließ sein wild tätowiertes Gesicht schimmern."Das wird sich noch herausstellen. Komm, setz dich zu mir."
Sidious goss einen starken, dunklen Wein in zwei Kristallgläser. Maul erhob sich etwas erstaunt. Diesen freundschaftlichen Ton schlug sein Meister ihm gegenüber so gut wie nie an. Gespannt über die Einzelheiten, die ihm Sidious zweifelsohne mitteilen würde, setzte er sich dem älteren Sith gegenüber hin, im Schneidersitz und mit gefalteten Händen. Sidious drückte seinem Schüler eines der Gläser in die Hand.
"Wie schon gesagt. Zeige mir, dass du imstande bist, den Personen, mit denen du interagierst, weiszumachen, dass du sie als gleichgestellt betrachtest, gleichgültig wie deine wahren Gedanken aussehen. Dies ist der erste und wichtigste Schritt zur Diplomatie."
Der jüngere Sithlord biss die Zähne ungeduldig zusammen. Alles andere wäre ihm lieber gewesen. Wenn er für seinen Meister tötete, bewegte er sich wenigstens auf vertrautem Terrain. Aber die politischen Schritte Sidious' waren für ihn immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Er sagte aber nichts und neigte stattdessen nur gehorsam den Kopf. Sidious hob nun sein Glas.
"Trinken wir auf den Erfolg deiner Mission. Wenn du sie zu meiner Zufriedenheit ausgeführt hast, wirst du mich zum Jedirat begleiten können. Um unsere Feinde zu begutachten, ohne sie deine Gedanken oder die Dunkle Seite der Macht spüren zu lassen."
"Wie Ihr befehlt, mein Meister". Maul trank den Wein zur Hälfte aus.
Er nahm nie Alkohol zu sich, empfand aber das Feuer, das nun seine Kehle hinunter rann, als durchaus angenehm. Nach noch einem Schluck hatte der junge Zabrak aber das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Der dunkle Raum drehte sich plötzlich mit schwindelerregender Geschwindigkeit um ihn, und das Atmen fiel ihm immer schwerer. Ihm wurde deutlich, dass auch jemand, der Wein nicht gewohnt war, nicht so darauf reagierte. Seine zitternden Lippen öffneten sich, um seinen Meister um Hilfe zu bitten. Aber dann erblickte Maul Sidious' Züge, die nun sehr aufschlussreich waren. Er sah seine glitzernden Augen und das hämische Grinsen und begriff, dass er verloren war.
2.
Ein leises Stöhnen drang zu seinen Ohren. Nach einigen Augenblicken fing Mauls umnebelter Verstand an zu arbeiten, und er wusste, dass er es war, der diese für ihn ungewohnten Laute produzierte. Kalte Feuchtigkeit war ihm bis auf die Haut gedrungen, und er fror. Er lag auf dem nassglänzenden Bodenbelag, mit dem Gesicht nach unten.
Maul stützte sich mit den Händen ab und stand mühsam auf. Sein ganzer Körper fühlte sich an, als wäre er durch den Fleischwolf gedreht worden. Der Sithlord kniff die Augen zusammen, als sie sich schnell an die schwachen Lichtverhältnisse gewöhnten, und sah sich ungläubig um. Er konnte nur hässliche Parmacretebauten sehen, deren Höhen sich im allgegenwärtigen Nieselregen verloren. Irgendwo weiter entfernt leuchteten Neonschilder an den Eingängen einiger Bars und Bordells. Was, in aller Welt, suchte er in den unteren Slums von Coruscant? Plötzlich fühlte er etwas Hartes, Spitzes, das sich in seinen Rücken bohrte.
"Schön die Hände hinter den Kopf, da wo ich sie sehen kann", flüsterte eine Stimme ganz dicht an seinem Nacken.
Ohne nachzudenken, trat Maul nach hinten und wurde mit einem lauten Schmerzensschrei belohnt. Er trat noch einmal nach und brachte sich schnell aus der Gefahrenzone. Jetzt konnte er seine Gegner sehen. Vier junge humanoide Männer und eine grünhäutige Frau, die einer ihm ganz unbekannten Rasse angehörte und vier Arme besaß, in jeder Hand ein gekrümmtes Messer. Der Mann, den Maul niedergeschlagen hatte, rappelte sich gerade wieder auf und suchte nach dem Dolch, den er verloren hatte. Der Sith ging schnell in Kampfstellung.
Dann ging für Maul alles unbegreiflich schnell. Alle fünf stürzten sich auf ihn und er konnte sich nicht gegen sie wehren. Diese Möchtegern-Straßenräuber hätte er mit verbundenen Augen und Händen innerhalb von Sekunden töten können, aber irgendetwas hatte sich verändert. Seine blitzschnellen Reflexe schienen sich zu denen eines Banthas verlangsamt zu haben, seine Muskeln fühlten sich für ihn weich und nutzlos an. Und, was noch viel schlimmer war: Er hatte sie weder gehört noch gespürt, als sie ihn überfallen hatten. Sie traten und schlugen auf ihn ein, und Maul krümmte sich vor Schmerzen, ohne einen Laut von sich zu geben. Er fühlte, wie einige seiner Rippen nachgaben, und sich in sein Fleisch bohrten.
Maul lag bereits wieder auf dem kalten, harten Boden, und ein dünnes Rinnsal aus seinem Blut vermischte sich mit dem niederprasselden Regen. Hände betasteten ihn und er versuchte schwach, sie abzuwehren.
"Nichts...gar nichts!", vernahm er die heisere Stimme der Frau. "Kein Geld...Schmuck...", ihre Hände setzten die unsanfte Wanderung über Mauls malträtierten Körper fort.
"Dann nimm ihm wenigstens seine Stiefel ab. Die kann ich gut gebrauchen", ließ einer der Männer verlauten. Maul spürte, wie sie ihm von den Füßen gezogen wurden.
"Ich werde ihn besser töten", sagte der Mann, der getreten worden war, und hob seine rasiermesserscharfe Waffe.
"Halt die Klappe und lass ihn, Torgan. Den Ärger ist er bestimmt nicht wert."
Ihre Schritte entfernten sich. Zum zweiten mal an diesem Tag stützte sich Maul mit den Händen ab, und versuchte, dieses Mal erfolglos, aufzustehen. Er kroch auf Händen und Knien und lehnte sich keuchend an die nächstgelegene Mauer. Die Augen geschlossen ging der Sithlord tief in sich, um seine Wunden zu heilen. Nach einiger Zeit öffnete er sie frustriert. Nichts war geschehen, seine Verletzungen waren nach wie vor da. Seine Verbindung zur Macht war abgerissen.
Der Zabrak versuchte, Kontakt zu seinem Meister herzustellen, aber vergebens. Er war geradezu blind. Sein Körper und sein sonst so disziplinierter Geist gehorchten ihm nicht mehr. Maul konnte nicht begreifen, was mit ihm geschehen war, und wie er zu diesem unangenehmen, übel riechenden Ort gekommen war. Ein lange Zeit nicht mehr empfundenes Gefühl überkam ihn. Dunkle, ihn zerfressende Wellen der Panik schlugen über ihn zusammen. Er musste zu seinem Meister. Sofort.
Mit zusammengebissenen Zähnen riss der Sith ein Streifen von seinem Umhang und band ihn sich fest um die Brust, um die gebrochenen Rippen einigermaßen zu stützen. Dann richtete er sich langsam, sich wie ein alter Mann an der Wand haltend, auf. Maul sah sich um und versuchte, sich zu orientieren. Er musste versuchen, die untere Ebene des Senatsgebäudes zu finden.
Nach einer qualvollen Wanderung mit schleppenden Schritten fand der Sithlord heraus, dass er die ganze Zeit im Kreis gegangen war, und er vom Senat gar nicht so weit entfernt gewesen war. Selbstverständlich hätte es sein Stolz nicht zugelassen, dass er jemanden nach dem Weg fragte. Als er endlich sein Ziel fand, fühlten sich seine nackten Füße an wie Eisklumpen. Die Wachen sahen eine zerlumpte, barfüßige Gestalt mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze auf sich zukommen. Der Mann wankte dermaßen, dass sie überzeugt waren, dass er entweder betrunken war oder unter erheblichem Drogeneinfluss stand.
"Ich muss sofort Senator Palpatine sprechen", ließ die Gestalt mit leiser Stimme vernehmen.
"Aber selbstverständlich, mein Herr", antwortete eine der Wachen mit vor Sarkasmus triefender Stimme. "Habt Ihr ein offizielles Anliegen oder ist es privat?"
"Er erwartet mich."
"Sicher. Was denn sonst. Also schön: Du kannst es auf die sanfte oder harte Tour haben. Das hängt ganz von dir ab. Ich warne dich: Verschwinde, oder wir werden ungemütlich!"
"Ich kann mich ausweisen!" rief Maul und tastete suchend seine Kleider ab. Dann hielt er inne, als er sich erinnerte, dass er gar nichts mehr bei sich trug.
"Mach, dass du wegkommst!" sagte der Wachmann grob. "Größenwahnsinnige Typen wie dich, die uns hier auf die Nerven gehen, hatten wir heute schon zu Genüge!"
Maul tat so, als ob er weggehen wollte. Dann drehte er sich plötzlich zu den zwei Wachen um und schlug beide gleichzeitig ins Gesicht. Sie taumelten zwar zurück, aber Mauls Schlag ließ seine frühere Kraft missen. Sie gingen von beiden Seiten auf ihn zu und ehe er sich versah, lag er schon unten und sie traten auf ihn ein, ironischerweise genau nach seinen schon stark in Mitleidenschaft gezogenen Rippen. Dieses Mal konnte sich der Sith nicht mehr beherrschen und schrie vor Schmerz auf. Wieder zwei Personen, die er normalerweise sofort erledigt hätte, die ihm nun aber haushoch überlegen waren.
Er konnte nichts ausrichten. Maul versuchte so schnell wie möglich vor ihnen wegzukriechen.
"Ich denke er hat's begriffen", konnte er noch hören, als er sich entfernte.
Die endgültige Dunkelheit der Nacht fand Maul zitternd vor Kälte und vollkommen hoffnungslos. Er hätte diese Situation perfekt meistern können, wenn er Zugang zu seiner Macht gehabt hätte. Das war wohl der Test, dem sein Mentor ihn unterziehen wollte. Nun, dann würde ihn sein Schüler nicht enttäuschen. Er würde aus diesem Labyrinth auch wieder herauskommen. Mauls Kehle war vollkommen ausgetrocknet und sein Magen zog sich vor Hunger zusammen, als er eine der zahllosen, nur von den Neonreklamen erleuchteten, kleinen Gassen hinunterging. Sein geschwächter Körper würde ohne Nahrung und Wasser zusammenbrechen, das wurde ihm nun deutlich.
An der Ecke zu einem breiteren Durchgang entdeckte er mehrere am Boden zusammengekauerte Gestalten. Der Sith zog sich in die Dunkelheit zurück und beobachtete sie neugierig. Einige Leute liefen an ihnen vorbei, und dann konnte er das Klimpern von Credits in Metallschalen hören. Sie...bettelten, begriff er angewidert. Maul wollte wieder kehrtmachen, als sich sein Magen abermals mit einem lauten Knurren bemerkbar machte. Zögernden Schrittes ging er wieder auf die Bettler zu und sah sich um. Dort...da war ein freier Platz. Maul steuerte langsam darauf zu, rutschte an der Wand hinunter und ließ sich nieder. Tiefer kann ich heute bestimmt nicht mehr sinken, dachte er, von sich selbst angeekelt.
Als Maul dasaß, seine Züge von der Kapuze seines Umhangs verborgen, hörte er Schritte und Stimmen, die sich näherten. Zähneknirschend streckte er die Hand aus, und wurde sogleich von einigen Münzen belohnt, die darin fielen. Dann wagte er einen kurzen Blick nach oben...und erstarrte.
"Geht es Euch nicht gut? Braucht Ihr Hilfe?", fragte einer der in braun gekleideten Männer, deren Gesichter ebenfalls von Kapuzen verdunkelt wurden. Bevor Maul antworten konnte, meldete sich der andere zu Wort.
"Qui-Gon. Ihr tut es schon wieder. Wir wollten hier etwas erledigen und das haben wir getan. Lasst uns bitte gehen!"
"Schweig, Obi-Wan!", antwortete der andere streng. "Es ist unsere Pflicht, zu...", weiter kam er nicht, weil der jüngere Mann ihn schon an seinem Ärmel fortzog.
"Bitte, Meister. Wir haben jetzt keine Zeit dafür!". Widerwillig ließ sich die hochgewachsene Gestalt wegziehen.
Maul atmete auf. Ein winziger Vorteil bot seine (vorübergehende, wie er hoffte) Machtblindheit schon. Dieser Narr und sein Padawan hatten nichts Ungewöhnliches an ihm wahrgenommen. Also konnte ich doch noch tiefer sinken, dachte er. Almosen von einem Jedi anzunehmen...Maul spie aus. Etwa zwei Stunden später, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte er sechs Kredits und einige kleinere Münzen zusammen. Das würde wohl reichen. Er blickte kurz zu den anderen Bettlern und erwog den Gedanken, auch ihnen ihre kleinen "Beuten" abzunehmen, entschied sich aber dagegen. Noch einen Kampf würde sein Körper, dem sämtliche Fähigkeiten abhanden gekommen zu sein schienen, bestimmt nicht mehr durchstehen, und er konnte die Gegner nicht einschätzen.
Nach einigem desorientiertem Herumwandern fand Maul ein kleines, heruntergekommenes Lokal, in dem einige zwielichtige Personen an Tischen saßen und Flaschen mit Alkohol herumkreisen ließen. Der Lautstärke der Unterhaltungen und des Gelächters nach zu urteilen, hatten sie schon einiges davon genossen. Mit letzter Kraft schleppte sich der junge Mann herein und ließ sich auf einen Stuhl, gewohnheitsmäßig in der dunkelsten Ecke des Raumes, fallen. Der schwebende Droide, der auf zahlreichen Greifarmen Tabletts und Getränke balancierte, entdeckte ihn aber trotzdem sofort.
"Der Herr möchte bestellen?" ließ sich seine monotone Stimme vernehmen.
"Ja...bring mir etwas Warmes", befahl der Sithlord müde.
"Etwas bestimmtes?" fragte der Droide.
"Einfach-etwas-Warmes!" schnappte Maul wütend.
Der Droidenkellner verzog sich und kam schnell mit einem Tablett zurück, auf dem sich eine dampfende, undefinierbare Suppe und Braten befanden. Maul hatte mit auf den Händen gestütztem Kopf gewartet, dass das Gefühl in seinen Füßen zurückkehrte und die pochenden Schmerzen in seinen gebrochenen Rippen erträglicher wurden. Nun stürzte er sich heißhungrig auf die Speisen, ohne einen zweiten Gedanken daran zu verschwenden, wo das Fleisch wohl herstammen mochte. Maul schob die Teller dann zurück, erst einmal zufrieden gestellt. Er überlegte kurz und winkte den Droiden wieder herbei.
"Ich will etwas zu trinken. Das Stärkste, das du anzubieten hast."
"Sofort, der Herr."
Maul nahm die kleine Flasche mit der dunkelblauen Flüssigkeit an sich, bezahlte und ging. Nur einige kleine Münzen blieben ihm übrig. Normalerweise hätte er sich dafür entschieden, einen klaren Kopf zu bewahren. Aber dies war keine normale Situation. Er wollte seine Verzweiflung betäuben, und der Alkohol würde dies bestimmt bewerkstelligen und ihn außerdem aufwärmen. Erschöpft setzte er sich einige Straßen weiter auf den kalten Boden und öffnete die Flasche. Er probierte einen Schluck, der wie Feuer brannte und ekelerregend schmeckte. Maul verzog das Gesicht, atmete tief durch und trank den gesamten Inhalt der Flasche in kürzester Zeit aus. Angenehm benebelt streckte er sich aus und ließ es zu, dass der Schlaf ihn bald übermannte.
3.
Als der Sithlord erwachte, war seine Umgebung in graues Zwielicht getaucht. Er wusste, dass die Lichtstrahlen erst gegen Mittag bis hier unten durchdringen würden, wenn die Sonne direkt über den endlos hohen Gebäuden stand. Maul fühlte sich nun etwas besser, auch wenn der Alkohol ihn dehydriert hatte. Für Wasser hatte sein Geld nicht mehr gereicht und nun war er durstig und sein Mund klebrig. Seine eiligen Schritte brachten ihn wieder zu der Stelle, wo er am Tag zuvor um Almosen gebettelt hatte. Dann blieb Maul plötzlich stehen. Nein, heute würde er das nicht tun. Das war eines Sithschülers nicht würdig. Er würde nie wieder jemanden um etwas bitten. Er würde sich einfach nehmen, was er brauchte.
Maul ging zielstrebig weiter, Straße um Straße, bis er entdeckte, was er gesucht hatte. Der kleine Durchgang war bis auf eine Person, die sich von ihm entfernte, vollkommen verlassen. Maul bleckte die Zähne. Jetzt. Lautlos schlich er weiter, bis er hinter der kleinen Gestalt stand. Bevor diese reagieren konnte, umschlang Mauls Arm brutal ihren Hals.
"Euer Geld. Sofort!", befahl er.
"Bitte...nicht!", wimmerte eine Frauenstimme, aus der die Todesangst deutlich herauszuhören war. Mauls Griff wurde fester.
"Zwingt mich nicht, es mir selbst zu holen. Das könnte für Euch noch unangenehmer werden."
"Ich flehe Euch an! Nehmt es mir nicht weg, ich brauche es dringend!"
"Ich brauche es ebenfalls und im Gegensatz zu Euch bin ich eindeutig im Vorteil", stellte der Sith nüchtern fest. Er ließ die Frau los, damit sie ihr Geld heraussuchen konnte. Sie reichte ihm einige Plastikscheine.
"Das ganze Geld, wenn ich bitten darf", sagte Maul streng. Sie schluchzte und ließ ihre ganze Habe und noch einige Schmuckstücke in seine Hand fallen. Dann sah sie sein Gesicht und zuckte zusammen, als sie die strahlend gelben Augen, die sie fixierten, und die Furcht einflößenden Tätowierungen erblickte.
"Warum tut Ihr das?", fragte sie zitternd.
"Weil ich es kann. Ihr dürft nun gehen."
Erleichtert machte die Frau einige Schritte rückwärts, drehte sich dann um und rannte, so schnell sie die Füße trugen. Maul grinste. Das war auf jeden Fall angenehmer als Betteln. Er hatte sich von der Furcht dieser Frau regelrecht genährt. Maul zählte seine Beute. Er hatte vor, sich von dem Geld neu einzukleiden um dieses Mal glaubwürdiger zu erscheinen, wenn er wieder den Männern, die das Senatsgebäude bewachten, gegenüber stand. Er kam allerdings nicht allzu weit.
Am Ende der Gasse versperrten ihm drei Personen den Weg. Wütend machte der Sith kehrt und ging in die andere Richtung, von den gestrigen Erfahrungen ernüchtert. Aus dem Schatten vor ihm traten weitere Gestalten heraus. Nicht schon wieder, dachte Maul. Er versuchte durchzubrechen, aber sie zogen ihren Kreis immer enger um ihn. Eine Strahlenpistole wurde an seinen Nacken gepresst. Acht Männer waren es, die meisten von ihnen kräftig gebaut und größer als Maul. Einige besaßen sogar spitze, gefährlich aussehende Hörner, die ebenfalls größer als die des Sithlords waren.
Zähneknirschend hob er die unbewaffneten Hände, als er einsah, dass er ohne die Macht und seine körperliche Kraft nicht die geringste Chance hatte. Er stand da mit geschlossenen Augen und ließ es zu, dass ihm sein sehr kurzzeitiger Besitz wieder entwendet wurde. Wortlos gingen die fremdartigen Männer weiter, einer aber konnte es sich nicht verkneifen und schlug Maul mit der Faust erst in die Magengrube und dann direkt auf die Nase, obwohl dieser sich gar nicht gewehrt hatte. Der Sith fiel auf die Knie, als ihm die Luft wegblieb, und hielt sich seine nun noch schlimmer zugerichteten Rippen und das blutende Gesicht. Stöhnend brach er zusammen und plötzlich erschien auf seinem Gesicht etwas, das er nicht mehr gespürt hatte, seit er ein kleiner Junge gewesen war. Feuchtigkeit. Er wischte sie ungeduldig weg, aber sie erschien hartnäckig wieder. Sein ganzer Körper wurde von atemlosen Schluchzern geschüttelt. Die Demütigung und der Schmerz raubten ihm fast den Verstand. Dann senkte sich gnädige Dunkelheit auf ihn herab.
4.
Dieses Mal war das Erwachen sehr unangenehm für Maul. Kaum, dass er die Augen mühsam geöffnet hatte, überkamen ihn die Schmerzen. Sein Körper protestierte qualvoll gegen die brutale Behandlung und die Entbehrungen. Er kniff die Augen zusammen und konnte nun ein spartanisch eingerichtetes Zimmer ausmachen. Wie ein gehetztes Tier blickte er um sich und richtete sich halb auf. Schon wieder konnte er sich nicht erinnern, wie er an irgendeinen Ort gekommen war. Er schlug nicht besonders effizient um sich, als ein paar Arme seine Taille umfassten und kleine Hände ihn sanft, aber bestimmt wieder auf das Bett drückten. Maul hielt kurz inne und sah sich nach dem Besitzer der Hände um. Dann war er mit einem Satz auf den Beinen.
"IHR!", knurrte er.
"Ja. Ich freue mich ebenfalls, Euch zu sehen", erwiderte eine ihm wohlbekannte Stimme lakonisch.
Maul wusste, dass ihm von dieser Frau keine Gefahr drohte. Schließlich hatte sie sich nicht wehren können, als er sie auf offener Straße überfallen hatte.
"Was tue ich hier?"
"Ich habe mir erlaubt, Euch zu meiner bescheidenen Bleibe zu schleifen und Eure Wunden zu versorgen, als Ihr noch bewusstlos wart", sagte die zierliche Frau sachlich.
"Warum?", fragte Maul dumpf.
"Ich hielt es für angebracht, euch zu helfen." Maul starrte sie ungläubig an. Dann lachte er kurz und hart auf.
"Anscheinend können sich Männer dadurch bei Euch beliebt machen, dass sie Euch Euer Geld abnehmen."
"Nicht direkt beliebt...aber ich bin es schon gewohnt, dass mir mein mühsam verdientes Geld weggenommen wird", antwortete die Frau nachdenklich. "Heute allerdings hätte ich es wirklich dringend gebraucht, genauso wie ich es Euch versichert habe. Ich habe es meinem ...ääähm...Vorgesetzten geschuldet. Und er kann sehr unangenehm werden, wenn ich meine Schulden nicht fristgerecht begleiche", schloss sie.
Maul blickte sie zum ersten Mal genauer an. Sie war klein und zierlich, was seiner Ansicht nach nicht gerade von Vorteil war, wenn man hier unten lebte. Ihren Umhang trug sie nicht mehr, dafür einige sumare Kleidungsstücke, die ihre schönen Rundungen mehr enthüllten als verdeckten. Schwarzes Haar floss ihre nackten Schultern hinab, und ihre Haut war von einem schimmernden, blassen Blau. Ihr Körper war allerdings übersät mit...Maul beugte sich vor...Hämatomen und Schnittwunden. Ihr Gesicht, das in einem normalen Zustand hübsch sein mochte mit den elegant geschwungenen Brauen und den großen Augen, war noch schlimmer zugerichtet.
Sie bemerkte, dass er sie ansah."Das habe ich übrigens Euch zu verdanken. Hätte ich meinen Anteil abgegeben, wäre mir die Tracht Prügel erspart geblieben."
"Es...tut mir...Leid", sagte Maul zögernd und hätte diese Worte, die er noch nie ausgesprochen hatte, am liebsten wieder zurückgenommen. Aber nun hingen sie zwischen ihnen in dem dunklen Raum und zauberten ein Lächeln auf dem malträtierten Gesicht der zierlichen Frau.
"Es ist in Ordnung. Ich verstehe, dass hier jeder irgendwie überleben muss. Vergesst es einfach. Wenn ich Euch nicht längst verziehen hätte, wärt Ihr bestimmt nicht hier."
"Verziehen...", wiederholte Maul nachdenklich.
"Jawohl. So bin ich halt. Früher wäre es sogar meine...Pflicht gewesen", antwortete sie leichthin.
Maul beschloss, es erst einmal auf sich beruhen zu lassen, auch wenn ihm ihre Worte etwas merkwürdig vorkamen. Er begriff, dass er Glück gehabt hatte, dass sie sich um ihn gekümmert hatte. Sie lächelte etwas schmerzverzerrt und streckte ihre Hand aus. "Ich bin übrigens Shar'la"
"Maul." Er ergriff die dargebotene Hand nicht und sie wedelte damit in der Luft und blickte darauf, als ob dieser Körperteil gar nicht ihr gehören würde. Nach einem kurzen, aber unangenehmen Schweigen ergriff er wieder das Wort. "Erwartet Ihr irgendeine Gegenleistung von mir?"
"Och...". Shar'la schien zu überlegen. "Eigentlich nur, dass Ihr Eure Verletzungen abheilen lasst und dann wieder verschwindet, ohne mir weiteren Ärger zu bereiten", sagte sie dann zwinkernd.
"Ihr habt mein Wort."
"Sehr schön. Nun, da dies geklärt ist, muss ich arbeiten gehen."
Sie war inzwischen nicht mehr mit dem Versorgen ihrer Wunden beschäftigt. "In Eurem Zustand wollt Ihr arbeiten?", erkundigte sich Maul erstaunt.
"Wisst Ihr, manche Männer stehen auf geprügelte Frauen. Das habe ich in meiner...Laufbahn schon oft erlebt." Mit diesen Worten schlüpfte sie schon aus der kleinen Wohnung und ließ Maul mit offenem Mund zurück. Erst jetzt hatte er wirklich begriffen, um was für eine Arbeit es sich handelte. Die aufreizende Kleidung...Geld, dass sie jemandem schuldete...Er schüttelte angewidert den Kopf und beschloss zu gehen, bevor Shar'la wieder zurückkam.
5.
Maul konnte seinem Entschluss nicht folgen. Sein erschöpfter Körper verlangte nach Schlaf und als er fiebrig und mit bohrenden Kopfschmerzen erwachte, war Shar'la bei ihm und tupfte sein Gesicht mit einem feuchten Tuch ab.
"Ihr werdet schon wieder...Ihr werdet sehen...", murmelte sie, als sie eine frische Bandage um seinen freigelegten Oberkörper band.
Maul ließ sich in die Kissen zurücksinken und genoss das Gefühl ihrer kleinen Hände auf seiner Brust, die ihn so sanft berührten, so anders, als er es je erlebt hatte. Die Tatsache, dass sie noch daran dachte, ihn zu pflegen, obwohl es ihr selbst nicht besonders gut zu gehen schien, ließ ihn nicht ganz kalt. Früher hätte ich deine Verletzungen einfach heilen können, wenn ich es gewollt hätte, dachte er verbittert. Shar'la setzte sich mit gekreuzten Beinen auf das Bett und fing an, irgendetwas auszupacken. Zum Vorschein kamen noch dampfendes, knusprig gebratenes Fleisch, das in frischem Brot eingewickelt war. Beide aßen heißhungrig und schweigend. Das war viel besser als die verkochten Speisen, die Maul vor einiger Zeit vorgesetzt bekommen hatte. Wann das genau gewesen war, konnte er nicht mit Sicherheit sagen. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Dankbar lehnte er sich zurück.
"Fühlt Ihr Euch besser?" erkundigte sich Shar'la, immer noch kauend. Er nickte wortlos. "Gut. Wenn Ihr dann keinen Babysitter mehr braucht..."Sie trug wieder etwas Salbe auf die zahlreichen blauen Flecken auf und streckte sich dann neben ihm aus, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. Der Sithlord konnte sich ein Lächeln in der Dunkelheit nicht verkneifen. Er fing an, ihre direkte Art zu mögen. Nur wenige trauten sich, so mit ihm zu reden. Bald waren nur noch ihre regelmäßigen Atemzüge zu hören. Sie war auf der Stelle eingeschlafen, während Maul sich noch lange Zeit ruhelos hin- und herwälzte.
"Maul", flüsterte Shar'la. "Schlaft Ihr?"
"Gerade tat ich es noch", knurrte er.
"Ich schlafe schon seit Stunden nicht. Also dass Ihr etwas...wortkarg seid, habe ich schon mitbekommen. Aber ich würde so gern mit jemandem reden."
Maul stützte sich auf seinen Ellbogen und blickte auf Shar'las von dem Morgenlicht schwach erhelltes Gesicht. Sie lag auf dem Rücken und starrte an die Decke, ohne wirklich etwas zu sehen. "Also gut. Reden wir", antwortete er unwillig.
"Wer, genau, seid Ihr? Ich bin ein wenig neugierig, was Euch betrifft. Ihr seid so...mysteriös." Maul fasste das als Kompliment auf.
"Nun, meinen Namen kennt Ihr bereits. Bevor ich betteln musste oder Frauen ausgeraubt habe, war ich...", er überlegte kurz, "Kopfgeldjäger."
"Ich verstehe", sagte Shar'la nicht ganz überzeugt. Sie dachte daran, dass Kopfgeldjäger sich für gewöhnlich nicht so leicht auseinander nehmen ließen, sprach es aber nicht laut aus.
"Und Ihr? Wart Ihr schon immer...nun..."
"Ihr meint wohl, ob ich schon immer eine Hure war? Nein. Aber jeder, der in diesen Slums leben muss, wird Euch erzählen, dass er früher ein viel besseres Leben geführt hat, bis er sich unverschuldet hier wiedergefunden hat."
"Bei Euch kann ich mir vorstellen, dass dies auch zutrifft. Also, wer wart Ihr vorher?", fragte Maul, nun doch etwas neugierig geworden.
"Ihr würdet mir nicht glauben, also lasse ich es lieber", entgegnete sie kurz angebunden.
"Warum lasst Ihr es nicht darauf ankommen?", drängte Maul.
"Also gut...bis vor drei Jahren trug ich noch ein Laserschwert und habe im Jeditempel gedient", sagte Shar'la geradeheraus. Die Fäuste des Sithlords ballten sich. Doch dann schüttelte er den Kopf und grinste amüsiert. Diese Frau litt entweder an Halluzinationen oder an Grandomanie.
"Eine Jedi. Ich verstehe. Nun, da Ihr so offen zu mir wart, werde ich Euch ebenfalls etwas gestehen." Er beugte sich zu ihr vor und flüsterte:"Ich bin ein Sithlord."
"Wie? Was erzählt Ihr da? Der Sithorden wurde schon vor Jahrtausenden ausgelöscht..."Sie hörte auf zu zitieren, was sie gelernt hatte, als sie verstand.
"In Ordnung, Maul, Ihr glaubt mir also kein Wort. Schön, belassen wir es dabei." Gespannt, was sie sich diesmal zusammenphantasieren würde, fragte er:
"Warum seid Ihr hier und nicht im Tempel?"
"Etwas ist mit mir passiert...ich kann es mir auch nicht erklären...aber mein Zugang zur Macht war plötzlich wie abgeschnitten. Von einem Tag zum anderen und absolut grundlos."
"Was genau habt Ihr an diesem erinnerungswürdigen Tag denn gemacht?"
"Es war das Übliche. Meditation, Schwertkampftraining, Katas. Das einzige, das aus diesem gewöhnlichen Tagesablauf herausstach, war, dass ich meinen Meister auf eine Konferenz begleiten durfte. Dort habe ich mich mit einigen Politikern unterhalten. Einer von ihnen ist mir im Gedächtnis geblieben. Ein unglaublich charismatischer Mann. Sein Name war, glaube ich, Senator Palpatine."
Maul saß nun kerzengerade im Bett.
"Worüber habt ihr euch unterhalten?", fragte er tonlos.
"Nun, über unsere politischen Ansichten. Über das Fortbestehen der Republik. Er glaubte fest an die Demokratie. Wir haben uns auf Anhieb wunderbar verstanden. Haben sogar zusammen etwas getrunken...einen ziemlich starken Wein, den er mir empfohlen hat, und der wundervoll geschmeckt hat. Ich habe allerdings ziemlich tief ins Glas geschaut, mein Meister musste mich halb nach Hause tragen und war ziemlich wütend auf mich...An mehr kann ich mich nicht erinnern. Am nächsten Tag war ich absolut blind. Die Macht existierte für mich nicht mehr...Und mein Körper war so schwach wie das eines zwölfjährigen Mädchens. Meine durchtrainierten Muskeln waren zwar noch da, aber sie agierten wie...Pudding."
Das Herz des Sithlords hatte sich zu einem Eisklumpen zusammengezogen.
"Wein...", flüsterte er kaum hörbar.
"Ja, Wein. Aber ein Jedi verliert doch nicht seine Macht, wenn er sich betrinkt. Also kann ich mir nach wie vor nicht erklären, wie mir das passieren konnte. Ich habe auch nicht von anderen Fällen gehört. Nach diesem unangenehmen Ereignis bin ich noch einige Zeit im Tempel geblieben und habe versucht, mein Training fortzuführen. Ich wurde allerdings nur mit irgendwelchen bürokratischen Aufgaben betraut, mehr aus Mitleid, schätze ich. Also habe ich überlegt, zu meinen Eltern zurückzukehren. Dort wurde ich wie eine Fremde empfangen, schließlich hatten sie mich als Baby den Jedi überlassen und nicht mehr mit mir gerechnet. Ich bin dann fortgegangen und wollte auf eigenen Füßen stehen...und bin in meiner damaligen Naivität an meinen Zuhälter geraten, der mir das Blaue vom Himmel heruntergelogen hat. Und jetzt bin ich hier. So. Ich habe Euch mit meiner Lebensgeschichte genug gelangweilt", endete sie dann abrupt.
Der Sithlord starrte ins Leere und konnte es immer noch nicht fassen. Shar'la hatte ihm die Wahrheit gesagt. Und nun befand er sich in der Unterkunft einer...Jedi. Ex-Jedi, räumte er in Gedanken ein. Sein Meister hatte sein übles Spiel auch mit ihr gespielt, aus Gründen, die ihm rätselhaft waren. Er verstand nun, warum sie ihm geholfen hatte. Ihre verweichlichte Jedi-Ideologie hatte sie dazu verpflichtet, auch wenn sie dem Orden gar nicht mehr angehörte. Zum Glück hatte sie ihm die Sithgeschichte nicht abgenommen. Narren...Schwächlinge...Maul knirschte mit den Zähnen. Er erwog, ob er sie töten sollte. Nein. Seine Zeit würde kommen, aber nicht jetzt. Seinen ersten Jedi würde er erst auf Befehl seines Meisters töten. Außerdem wäre sie in ihrem Zustand bestimmt keine würdige Gegnerin, selbst wenn es ihm auch nicht besser als ihr ergangen war.
Maul war nun zwar machtblind, aber er hätte es trotzdem ahnen müssen. Vor allem konnte er sich nicht verzeihen, dass er zugelassen hatte, dass sie ihn berührte. Und dass er es auch noch genossen hatte! Lord Sidious hatte recht. Er war manchmal ein noch größerer Narr als alle Jedi zusammengenommen.
Shar'la bemerkte seine Anspannung. Er schaffte es fast wieder, ihr Angst einzujagen, so wie er mit angespannten Muskeln und zu Schlitzen verengten Augen dasaß, wie ein Raubtier das zum Angriff bereit war. Allerdings konnte sie seine wahren Gedanken nicht erahnen.
"Es ist nun mal passiert und ich lebe ja immer noch. Also kein Grund, sich das so zu Herzen zu nehmen."
Maul nickte abwesend, während er über sein nächstes Vorgehen nachbrütete, sagte aber nichts.
Shar'la schwieg ebenfalls und begab sich in die winzige Nasszelle, um sich frisch zu machen. Als sie wieder herauskam, hatte sie noch weniger an als am Vortag. Maul konnte seine Augen trotz seiner gewohnten Selbstbeherrschung nicht davon abhalten, den Anblick ihres wohlgeformten Körpers, dessen blaue Flecken schon etwas verblasst waren, in sich aufzusaugen. Das machte ihn noch wütender auf sich selbst.
"Übrigens...mit Euren ganzen Tatoos würdet Ihr als sehr glaubwürdiger und Furcht einflößender Sith durchgehen, wenn es die noch gäbe", merkte Shar'la an und lächelte wieder dieses ironische, schiefe Lächeln, dass er so an ihr mochte. "Die haben bestimmt sehr wehgetan. Vor allem, wenn man sich manche Stellen vor Augen führt..."
"Allerdings", sagte Maul knapp und dachte zurück, an die Zeit, als er diese Schmerzen Tag für Tag ausgehalten hatte, bis die rot-schwarze Musterung seinen ganzen Leib bedeckte. Was diese Frau aber nicht ahnen konnte, war dass er den Schmerz damals willkommen geheißen und er sich dadurch erst richtig lebendig gefühlt hatte. Jetzt aber nahmen ihm die Schmerzen die Lebenskraft, auch wenn seine Verletzungen schon angefangen hatten zu heilen.
Nachdem Shar'la die Wohnung überstürzt verlassen hatte (sie hatte unheimliche Angst gehabt, sich zu verspäten, und deswegen wieder in die Mangel genommen zu werden), fing Maul mit einigen leichteren sportlichen Übungen und Katas an, um wieder einigermaßen in Form zu kommen. Er hatte sich nicht getäuscht...So schwach wie er sich momentan vorkam, brachte er es wahrscheinlich höchstens auf die Fähigkeiten eines durchschnittlichen machtblinden Mannes seines Alters und seiner Statur. Nun, damit würde er sich abfinden müssen und weiterhin hart an sich arbeiten, damit sich die Szenen der letzten Tage, als er immer unterlegen gewesen war, nicht wiederholten.
Der Sith wollte diese Wohnung nach seinem Training sofort verlassen und wieder nach einer Möglichkeit suchen, zu seinem Meister zu gelangen. Er würde es in den anderen Gebäuden versuchen, die bestimmt nicht so gut bewacht waren wie der Senat. Wenn er dann nach weiter oben gelangte, konnte er ja ein Lufttaxi nehmen. Er schloss die Tür hinter sich und seine nackten Füße schritten bereits den Korridor hinab, als Shar'la unglaublich schnell an ihm vorbeirauschte, ohne ihn wahrzunehmen. So früh hatte Maul sie nicht zurückerwartet. Verwundert folgte er ihr, obwohl er fest entschlossen gewesen war zu verschwinden. Etwas stimmte nicht...Als er ebenfalls in dem kleinen Raum angekommen war, hörte er merkwürdige Geräusche. Die Tür des kleinen Badezimmers glitt geräuschlos zur Seite als er davor stand, und ihm bot sich ein schockierendes Bild.
Die kleine Frau spuckte und würgte in das kleine Waschbecken, und gurgelte mit zwei verschiedenen Sorten Mundwasser. Beide Tätigkeiten wechselten sich schnell ab, und ihr ganzer Körper schüttelte sich vor Ekel. Sie schien seine Anwesenheit gar nicht zu bemerken. Sie riss sich die ganze Kleidung vom Leib, ließ in der Duschkabine Wasser auf sich herabströmen und schrubbte eifrig ihre Oberschenkel und auch die Stellen dazwischen ab. Dann sank sie auf die Knie und in sich zusammen und Maul konnte ihr Weinen deutlich hören.
Dieser Anblick berührte ihn auf eine merkwürdige Art ganz tief in seinem Inneren. Er hatte eine sehr unangenehme Vorstellung darüber, warum sie das alles tat. Unschlüssig, wie er sich verhalten sollte, kniete er sich hin und berührte sanft ihren vor Schluchzern bebenden Rücken. Shar'la fuhr erschreckt in die Höhe und nahm ihn erst jetzt zur Kenntnis.
"Geht weg! Bitte!", schrie sie unbeherrscht.
"Das werde ich bestimmt nicht!", erwiderte Maul mit fester Stimme. Er griff nach einem großen Handtuch und umwickelte sie damit, obwohl sie sich nach Leibeskräften dagegen wehrte, hob er sie dann in seine Arme und trug sie wieder in das Schlafzimmer. Dort setzte er sich, den kleinen zitternden Körper immer noch fest an sich gedrückt. Sie war so leicht...
Shar'la hatte aufgehört, sich zu wehren und lag nun schlaff in Mauls Armen, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Sie seufzte nur ab und zu ganz leicht, und er spürte ihre Tränen auf der empfindlichen Haut zwischen Hals und Schulter.
"Wollt Ihr es mir erzählen?", fragte der Sithlord leise.
Erst schüttelte sie heftig den Kopf, aber einige Augenblicke später sprudelten die Worte wie von selbst aus ihr heraus.
"Es...es war so widerlich...Mein Boss hat gesagt, ich sollte nett zu einigen Geschäftspartnern von ihm sein...ich habe mir alle Mühe gegeben, aber sie wollten es auf eine andere Weise von mir...und dann sind sie über mich hergefallen, haben mich festgehalten...und während einer mit mir zugange war, musste ich von dem anderen das Ding...er hat es einfach in meinen Mund geschoben...oh, allmächtige Götter, er hatte drei davon...und ich musste jeden einzelnen...und er hat mir ins Gesicht..."
Shar'las erstickte Stimme war zu einem zusammenhanglosen Flüstern geworden. Sie stand offensichtlich unter Schock. Maul wiegte sie in seinen Armen wie ein kleines Kind. Er konnte sich bildhaft vorstellen, dass diese Frau schon einiges gewohnt war. Aber wenn ihre stoische Art so dermaßen erschüttert worden war, musste es ein absolut traumatisches Erlebnis gewesen sein. Ihre Herkunft war ihm in diesem Moment gleichgültig geworden. Er hätte nicht gedacht, dass ihn die Belange eines Jedi jemals interessieren würden...und erst recht nicht, dass sie ihn so aufwühlen würden. Nun, sie hatte sich um ihn gekümmert. Er würde dasselbe für sie tun, und dann wären sie quitt. Das hoffte er zumindest.
6.
Maul schlich lautlos hinaus, als sie endlich eingeschlafen war und er sie zugedeckt hatte. Shar'la hatte erwähnt, dass am nächsten Tag wieder ein Treffen mit diesen unangenehmen Leuten bevorstand, wahrscheinlich dort, wo sie immer auf ihre...Kundschaft wartete. Der Mann, für den sie arbeitete, und vor dem sie unheimliche Angst hatte, hatte sie exklusiv reserviert. Shar'la hatte gezittert, als sie daran gedacht hatte. Sie war sich dessen bewusst, dass er sie überall finden würde, wenn sie nicht erschien. Deshalb wollte der Sith bis dahin alles erledigt haben.
Nachdem er den ganzen Tag in der üblichen Fußgängerzone mit zusammengebissenen Zähnen und in seinem Umhang vermummt um Almosen gebettelt hatte, war er überzeugt, dass sein weniges Geld für seine Zwecke ausreichen würde. Er wanderte suchend durch zahlreiche Strassen und blieb nur kurz vor einem Bekleidungsgeschäft stehen, wo er die Nase an das Schaufenster presste und sehnsüchtig auf ein Paar solide aussehender Stiefel starrte. Seine Füße waren schon wieder eiskalt. Doch dann drehte er sich entschlossen um und ging weiter. Er musste etwas Wichtigeres als Schuhwerk besorgen.
Als der heruntergekommen aussehende, barfüßige Mann mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze das Geschäft betrat, blickte der Inhaber gelangweilt auf.
"Ihr wünscht", sagte er mit leiernder Stimme.
"Ich benötige ein Messer. Ein möglichst wirkungsvolles", sagte die zwielichtige Gestalt.
Nun erwachte der Geschäftssinn des untersetzten reptiloiden Waffenhändlers. Er hatte an diesem Tag nur wenige Kunden gehabt.
"Ein bestimmtes Modell?", fragte er und deutete auf die gut bestückte Auslage.
Der schwarz gekleidete Mann sah sich die Waffen genauer an und schien zu überlegen.
"Möglichst gekrümmt und nicht allzu groß..."
Als der Inhaber ihm etwas empfehlen wollte, hatte sich der Kunde bereits entschieden. Er hielt einen bösartig aussehenden, mit Widerhaken besetzten Dolch in die Höhe, ohne sich nach dem Preis zu erkundigen.
"Schärft es noch einmal", befahl er.
Der Händler tat wie geheißen und nannte eine Geldsumme, die er möglichst niedrig hielt, um seinen Kunden nicht zu verschrecken. Dieser versuchte aber nicht einmal zu feilschen, zahlte und war schon wieder draußen, bevor er näher begutachtet werden konnte. Der Händler blickte ihm nach und ließ seinen dicklichen Körper wieder auf einen Stuhl fallen. Er hoffte, dass dies der Anfang einer neuen Glückssträhne sein würde und verschwendete keinen Gedanken daran, wozu der merkwürdige Mann das Messer wohl benötigen würde.
Wieder eine Waffe zu tragen fühlte sich für den Sith ausgesprochen gut an, auch wenn er sein Laserschwert schmerzlich vermisste. Immer wieder tastete er nach seinem Erwerb und war froh, ihn unter seinen Gewändern fühlen zu können. Mit dem restlichen Geld kaufte er für Shar'la etwas zu essen, und achtete darauf, dass nichts davon eine schmale längliche Form hatte. So etwas würde sie bestimmt nicht hinunter bekommen.
Als Maul eintrat schlief Shar'la immer noch, obwohl es schon Abend war. Er weckte sie und sie aß widerwillig nur eine winzige Menge. Sofort danach fiel sie wieder in einen erschöpften Schlaf, der mehr einer Ohnmacht glich. Anscheinend sammelte sie ihre Kräfte für den morgigen Tag. Maul lag noch lange Zeit wach neben ihr, strich ihr über das dichte schwarze Haar und hing düsteren Gedanken nach.
Am nächsten Tag, als Shar'las Treffen immer näher rückte, sah sich Maul in dem kleinen Raum um, weil er ihr irgendwo eine Nachricht hinterlassen wollte. Sie lag immer noch apathisch in ihrem Bett und atmete sehr flach. Der Sith machte sich langsam Sorgen um sie, auch wenn sie erwähnt hatte, dass die Rasse der Nyo'hun sich auf diese Weise erholte und manchmal sogar Winterschlaf hielt. Maul hielt ihren Zustand aber erst recht für einen Grund, die Angelegenheit schnell zu erledigen. Schließlich fand er ihr kleines Datenpad. Obwohl er wusste, dass er Shar'las Privatsphäre verletzte, sah er sich einige der Dateien an. Meist waren Termine und einige Namen, manche sogar mit Beschreibung, eingetragen, aber dann fand er das Gesuchte. Der heutige Tag, mit Treffpunkt und Uhrzeit. Dem integrierten Chronometer entnahm er, dass er noch ein wenig Zeit hatte. Er übersprang einige Funktionen und schrieb ein Paar kurze Zeilen für sie:
"Shar'la, bleibt in der Wohnung und bewegt Euch nicht von der Stelle, bis ich wieder zurück bin! Lasst auf keinen Fall jemanden herein, gleichgültig um wen es sich handelt. Vertraut mir und haltet Euch an meine Anweisungen!"
Maul legte das kleine Gerät direkt neben ihr Kopfkissen, so dass es das Erste sein würde, was sie beim Aufwachen erblickte.
Dort waren sie...Maul blieb im Schatten und beobachtete die drei eine Weile, ohne dass sie seine Anwesenheit bemerkten. Ein bärtiger Mensch mittleren Alters mit groben Gesichtszügen...Das besonders hässliche Exemplar eines ungesund blassen Twi'leks...und dann ein riesiger und genauso breit gebauter Mann mit grüner, schuppiger Haut, von dem Maul überzeugt war, dass er für Shar'las Ekelanfälle verantwortlich war. Maul wusste über die Rassen der anderen zwei genug, um sicher zu sein, dass sie dafür nicht in Frage kamen. Das ist also der stolze Besitzer von gleich drei besten Stücken. Aber nicht mehr lange, dachte der Sith grimmig. Er bekam einige Wortfetzen mit, als er sich näherte.
"Die kleine Schlampe verspätet sich...schon wieder."
"Fünf Minuten hat sie noch, dann melde ich mich bei Gurdok und beschwere mich. Ich habe ihm wegen der Frau ein Viertel seiner Schulden erlassen, weil sie angeblich so gut ist..."
"Mit dem Geld hättest du sie ihm auch direkt abkaufen können, du Schlaukopf..."
7.
Als ein in zerfetzten schwarzen Gewändern gehüllter Mann sich ihnen mit gebeugtem Rücken und zögerlichen Schritten näherte, unterbrachen die drei dubiosen Geschäftsmänner ihr Gespräch. Ihre Hände schlossen sich unbewusst um ihre jeweiligen Waffen, obwohl die Gestalt keinen besonders bedrohlichen Eindruck machte.
"Shar'la lässt den Herren ausrichten, dass sie heute verhindert ist", ließ sich eine unterwürfig klingelnde Stimme vernehmen.
"Soll das heißen, dass wir umsonst auf sie gewartet haben?"
"Wer bist du überhaupt?"
"Wer er auch ist, er soll der Hure sagen, dass sie ihren Hintern hierher schwingen soll!"
Sie redeten alle wütend durcheinander. Maul wartete geduldig ab, bis sie mit dem Geschrei aufhörten, und sagte dann ruhig:
"Ihr werdet diese Frau nie wieder belästigen, geschweige denn, sie auf irgendeine Art berühren."
Drei ungläubige Augenpaare richteten sich auf ihn. Dann brachen alle in Gelächter aus. Maul wartete abermals ab, bis sie fertig waren, mit vor der Brust verschränkten Armen. Von seiner ursprünglichen, geduckten Haltung war nichts mehr zu sehen.
"Sagt wer?", fragte dann der weißhäutige Twi'lek mit einem Unheil verkündenden Blecken seiner spitzen Zähne, als er wieder zu Atem gekommen war.
"Sage ich. Ich habe es soeben beschlossen."
Innerhalb von Sekundenbruchteilen stürzten sie sich auf den Sithlord, mit gezogenen Messern und wild blitzenden Augen. Dieser wich elegant zur Seite, und nutzte den Bewegungsmoment seiner Gegner um alle drei mit einigen wohlgezielten Fußtritten in den Rücken zu Boden zu befördern. Maul ließ niemandem den Hauch einer Chance, wieder auf die Füße zu kommen. Er kämpfte entschlossen und konzentriert, wie zu früheren, besseren Zeiten. Der Zorn über Shar'las Vergewaltigung verlieh seinen Bewegungen und Schlägen viel mehr Kraft, als es in seiner Verfassung möglich war.
Der Mensch lag als Erster regungslos auf dem kalten, nassen Bodenbelag. Maul hatte es geschafft, ihn von hinten zu packen und ihm mit einer kurzen, brutalen Bewegung das Genick gebrochen. Zwei Gegner blieben übrig, die von beiden Seiten auf ihn eindrangen. Sie schafften es seine Abwehr zu durchbrechen, und Maul ging in die Knie, als ihn mehrere Faustschläge in die Magengrube und dann ins Gesicht trafen. Tiefe Schnittwunden klafften in seinem Oberarm. Der Schmerz machte ihn aber noch wütender, anstatt seinen Kampfgeist zu brechen. Der Sith ließ sich flach auf den Rücken fallen und schlug mit den Beinen aus. Bedauerlicherweise fiel der barfuss ausgeführte Schlag weniger wirkungsvoll aus als Maul es sich gewünscht hatte, aber er erfüllte trotzdem seinen Zweck. Der Twi'lek wälzte sich auf dem Boden und hielt seine ramponierten Geschlechtsteile.
Der Sithlord knurrte zufrieden, aber ihm blieb keine Zeit diesen Anblick zu genießen, denn der einer ihm unbekannten Rasse angehörende Mann griff sogleich an. Seine Bewegungen waren kraftvoll, aber armselig plump. Maul ließ sich fallen, rutschte mühelos unter ihm hinweg, und versetzte ihm auf dem Weg einen tiefen Schnitt in den muskulösen Oberschenkel. Der Mann schrie und versuchte mit beiden Händen die Blutung zu stillen. Seine Bemühungen hielten sein dickflüssiges, giftgrünes Blut dennoch nicht davon ab, den Stoff seiner Hose zu tränken. Maul gönnte ihm keinen einzigen Moment des Ausruhens. Sofort drang er wieder auf seinen Gegner ein, profitierte davon, dass er gebückt dastand und sich die Wunde hielt, faltete die Hände zusammen und schlug ihm hart ins Gesicht, was den Riesen endgültig und fast bewusstlos zu Fall brachte.
Maul fing an, den Kampf richtig zu genießen, obwohl er schon wieder ernste Verletzungen davongetragen hatte. Auch seine Gegner hatten ihre Messer angewendet, als er in seiner Aufmerksamkeit nachgelassen hatte und sie viel zu nah an ihn herangekommen waren. Er wünschte sich zwar seine früheren Fähigkeiten und vor allem sein Laserschwert herbei, sah das Ganze aber dennoch als eine willkommene Herausforderung.
Der Sith wandte sich wieder dem Twi'lek zu, der sich wieder aufgerappelt hatte und mit einem zornigen Kriegsschrei auf ihn zu rannte. Er kam nicht weit. Mit einer sparsamen, beiläufigen Bewegung rammte ihm Maul das Knie in die Magengrube. Ebenso beiläufig schnitt er ihm die Kehle durch, und bevor der blasshäutige Mann merkte, wie ihm geschah, gehörte sein Kopf nur noch zur Hälfte zu seinem Körper.
Das hier werde ich richtig auskosten, dachte Maul, als er einige Streifen von seinem Umhang abriss und die Hände seines muskelbepackten Gegners, der noch nicht wieder ganz zu sich gekommen war, hinter seinen Rücken band. Er versah die Fesseln mit besonderen Knoten und zog dann kurz, um sie zu überprüfen. Den Ledergürtel des Mannes verwendete er ebenfalls als überaus stramme Handfessel. Das würde genügen. Mit den Beinen verfuhr er genauso. Dann hockte er sich auf die Fersen und wartete.
Das erste, was der Hyaal erblickte, als er die Augen aufschlug, waren ein Paar intensiver, gelber Augen mit rotumrandeter Iris, die ihn fixierten. Seltsame, rot-schwarze Muster bildeten einen Rahmen für diese Augen, die ihm die Seele auszusaugen schienen.
"Ich werde Euch jetzt das abschneiden, woran Ihr anscheinend am meisten hängt", informierte ihn der beängstigende Mann in höflichem Plauderton. "Shar'la wird sie als Souvenir erhalten...alle drei."
Der Riese zog vergebens an seinen Fesseln.
"Mach mich sofort los, du...", sein gebrochenes Basic ging in zweifelsohne sehr saftigen Flüchen in seiner eigenen Sprache über.
"Ich werde ihr empfehlen, dass sie sie einrahmen und sich an die Wand hängen soll. Also ich tue das manchmal mit besonderen Kampftrophäen", fuhr der tätowierte Mann nachdenklich fort, als ob der riesige Hyaal nichts gesagt hätte.
Dieser zerrte nun verzweifelt an seinen Fesseln und wälzte sich in den unmöglichsten Stellungen hin und her. Er hatte es anscheinend mit einem sadistischen Psychopathen zu tun und ahnte, dass sein jetziges Verhalten ihm nicht weiterhelfen würde.
"Bitte!", flehte er. "Es tut mir Leid, was ich mit diesem verfluchten Weib angestellt habe! Ich werde es nie wieder tun!"
"Ja, das werdet Ihr in der Tat nicht", kam die gleichgültige Antwort.
"Es tut mir LEID!", das Schreien ging nun in hysterischem Schluchzen über.
"Ich werde Eure Entschuldigung an Shar'la weiterleiten. Wahrscheinlich wird sie Euch sogar verzeihen. Sie verzeiht wirklich jedem."
Hoffnung keimte in dem Hyaal auf.
"Ich aber nicht", fügte der gelbäugige Mann hinzu und zog sein mit Widerhaken besetztes Messer.
Seine vage Hoffnung löste sich in Luft auf, als er Hände spürte, die sich an seiner Hose zu schaffen machten. Ein riesenhafter, mit Rillen und grünen Schuppen besetzter Penis nach dem anderen wurden freigelegt, und der Hyaal wehrte sich verbissen, das Gesicht zu einer wütenden Fratze verzerrt.
Dann erstarrte er mitten in der Bewegung. Erst einige Sekunden später begriff sein Körper, was ihm widerfahren war und unglaublich intensiver Schmerz stellte sich ein. Blut schoss wie aus einer Fontäne aus der Stelle heraus, wo sich einmal seine Männlichkeit befunden hatte. Der Mund des riesenhaften Mannes öffnete sich zu einem Schrei, aber er brachte nur noch ein Röcheln zustande.
Maul hielt ihm drei schlaffe Fleischstücke unter die Nase. Der Hyaal starrte mit einem Gefühl der Unwirklichkeit und des Horrors darauf. Er hätte nicht gedacht, diese Teile seines Körpers einmal aus so kurzer Nähe betrachten zu können, und wünschte sich nur noch den Tod herbei. Das stand in seinen Augen deutlich geschrieben.
"Ich bin heute in gnädiger Stimmung", verkündete der Sith und packte den weißen Haarschopf des Sterbenden. Mit einer schnellen, grausamen und gleichgültigen Bewegung durchtrennte er die Halsschlagader seines Widersachers. Daraufhin war ein blutersticktes Gurgeln zu hören...gefolgt von endgültiger Stille.
To be continued