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Books » Inkheart » Awakening Feelings German Edition
PenPusher4
Author of 49 Stories
Rated: T - German - Adventure/Romance - Capricorn & Resa - Reviews: 3 - Updated: 04-11-09 - Published: 06-06-06 - id:2976629

Disclaimer: Tintenherz gehört mir nicht

Für Lola, ich hoffe sie haben Internet im Himmel

Kapitel 12 : Die letzte Nacht im Freien


Nach ihrer Begegnung mit Moospilz ging es erheblich schneller voran;

wenn auch Resa nun ihre Umgebung vorsichtiger auf mögliche Fallen beobachtete.

So schnell sie auch vorankamen, sie würden morgen trotzdem nocheinmal fast den ganzen Tag zu laufen haben, bis sie die Burg des Natternkopfs erreichen würden.

Daher sahen sie sich nach einem Schlafplatz um, sobald die Sonne bereits in tiefem Sinkflug war und nur wenige Minuten verstreichen würden, bis sie ganz verschwunden war.

Ihr war klar, dass sie nicht auf ein Bett hoffen konnte -

so unkomfortabel es auch gewesen war, immerhin war es ein Bett gewesen -

trotzdem hoffte sie doch auf Ähnliches zu stoßen; ein weiteres verlassenes Haus wie in der ersten Nacht, wäre zum Beispiel nicht schlecht.

Mit ihren Erwartungen derart hochgeschraubt machte sie sich also mit Capricorn daran, die nächste Umgebung nach einer Unterkunft zu durchkämmen.

Wie zu erwarten war fand sich keine weitere Hütte, noch nichtmal ein weiches Moosbett, und im Nachhinein fragte sie sich, was wohl passiert wäre, hätte sie nicht auf soviel gehofft.

"Da drüben, perfekt !" Rief Capricorn plötzlich und versetze sie so für eine kurze Zeit in einen Zustand der Hoffnung, der abrupt endete sobald sie sich der Sstelle genähert hatte, auf die er deutete.

"Ein Baum ?" Hakte sie nach.

"Wo ran man wieder sieht, dass du aus dieser verweichlichten Welt kommst.."

Rollte er mit den Augen.

"Das ist nicht einfach nur ein Baum, nein, besser kann man es in diesem Wald oftmals gar nicht treffen ! Siehst du denn nicht ?"

"Ich sehe einen alten Baum, der vor langer Zeit in der Mitte gespalten wurde..und weiter ?"

"Diese von dir so schmählich gewürdigte Astgabel wird heute Nacht dein Überleben garantieren, meine Liebe, zusammen mit einem dichten Blätterdach, das ausgezeichnet vor Regen schützt !" Er klang dabei wie ein Makler, der von Zeit zu Zeit auch sich selbst rühmte.

"Und verspricht diese Astgabel auch, ihr Holz bei sich zu behalten ?"

"Geistreich, geistreich." Gestand er nur grinsend ein, ohne wirklich eine Antwort zu geben.

Nach einem kurzen Wörterauflauf, der sich darum drehte, dass sie es sehr wohl ohne seine Hilfe - und Hand - auf den Baum schaffen konnte, gefolgt von einem Aufschrei, als sich ihr Kleid an mehreren Ästen gleichzeitig verhedderte und so zu zerreißen drohte, saß sie endlich im Baum - wohlgemerkt, nachdem Capricorn ihr geholfen hatte ihr Kleid zu frei zu bekommen und ihr mit einer Hand einen beherzten Schub nach oben gegeben hatte.

Mit einem vorherigen Anlauf schaffte auch er es den Baum zu erklimmen.

Die letzten Überreste des Sonnenlichts schienen ihr direkt ins Gesicht, was sie blendete, es dafür aber auch leichter machte die Tatsache zu übersehen, wie nah voneinander sie sich gegenüber saßen.

Bald darauf brach dann auch die Nacht herein und mit ihr die Stunde in der sämtliche Räuber des Waldes erwachten.

Wie sie das Knurren und die Schreie unter sich hörte, war Resa plötzlich sehr froh hoch oben und in Sicherheit zu sein, auch wenn es bedeutete Capricorn sehr nahe zu sein.

Vom Tag so sehr beansprucht und von der Dunkelheit der Nacht verführt, dauerte es dann nicht lange bis sie eingeschlafen war.

Auch wenn er sie bis dato immer wieder aus dem Augenwinkel heraus beobachtet hatte, war er trotzdem dankbar um die Gelegenheit sie direkt ansehen zu können, nachdem sie eingeschlafen war.

Sie war bei weitem nicht die schönste Frau, die er jemals - beide Welten miteingeschlossen - gesehen hatte, doch war da etwas an ihr, das es ihm nicht so leicht machte, einfach wegzuschauen.

Was es war, das konnte er jedoch nicht sagen.

Auch war es ihm schleierhaft, wieso, als das Licht des langsam aufgehenden Mondes auf ihr Gesicht fiel, ausgerechnet sie, die noch dazu eine einfache Magd war, ihm so die Kontrolle über seine Gedanken rauben konnte.

Bevor er sich selbst dafür schelten konnte, schalt er sich für seine Unachtsamkeit.

Wie lange hatte der Nachtmahr schon dort gesessen, bis er ihn nun endlich und fast zu spät bemerkt hatte ?

Die Kreatur riss drohend ihren Schnabel auf und breite die Flügel bereit zum Angriff aus.

Instinktiv seine Fäuste gegen diesen Feind zu erheben erwies sich als das beste was er in so einem Falle tun konnte, da der Nachtmahr nun im Begriff war mit gezückten Krallen von oben herabzustürzen.

Treffer auf beiden Seiten bestärkten Capricorn in seiner Theorie, dass er durchaus etwas ausrichten konnte, aber auch, dass der Vogel mit seinem komplett schwarzen Gefieder einfach den Vorteil bei Nacht in seinem eigenen Revier hatte; trotzdem war er nicht willens diesen Kampf so einfach aufzugeben.

Die Kreatur pickte immer wieder nach seinem Kopf, doch wusste er es rechtzeitig seine Arme vor sich zu halten, was gut funktionierte, wenn es nicht gerade der Arm mit dem abgerissenen Ärmel war.

Gerade als er sich trotz einiger Stichwunden als Sieger wähnen wollte, bemerkte er eine Veränderung in dem Verhalten des Nachtmahrs.

Er blockte nun mehr, als dass er austeilte, so als versuchte er Zeit zum Plannen zu gewinnen.

Und als das Wesen dann mit einem hohen Schrei plötzlich zur Seite auswich fiel ihm siedend heiß auf, was der Plan war.

Der Tumult um sie herum, riss sie aus dem Schlaf.

Verstimmt öffnete sie die Augen, nur um Capricorn über sich stehend zu sehen.

Derart erschreckt hielt sie nicht inne, um für ein paar weitere Sekunden zu versuchen herauszufinden was los war, sondern handelte mit purem Instinkt.

Bevor Capricorn wusste wie ihm geschah fühlte er Resas Hände auf seiner Brust und dann wie er geschubst wurde.

Die Augen in Schock aufgerissen griff er nach dem erstbesten Ding, das seine Hände zu fassen bekamen.

Der Nachtmahr schrie auf in Protest, als ihn der Mensch so einfach an den Füßen packte.

Alarmiert versuchte das Tier wegzuflattern, doch resultierte das zusätzliche Gewicht darin, dass sich Mensch und Kreatur schon kurz darauf in einem wilden Sturzflug befanden.

Alles was man hörte war ein "Uff" von Capricorn und ein ersterbendes Krächzen seitens des Nachtmahrs als die Beiden im Baum nebenan bruchlandeten.

Resa, inzwischen hellwach, verstand endlich vollens was passiert war.

"Ist alles in Ordnung da drüben ?" Fragte sie, ihre Stimme höher als sonst.

Panik stieg in ihr auf, als sie keine Antwort bekam, sondern stattdessen nur Kratzen und Geraschel hörte.

Sie vernahm wie etwas auf dem Waldboden aufkam und sich auf ihren Baum zu bewegte.

Als dann plötzlich vor ihr der Kopf des Brandstifers in die Höhe schoß, hätte sie fast einen Herzinfarkt bekommen.

Ohne sie anzusehen setzte er sich auf seinen vorherigen Platz.

"Es kommt ganz darauf an wen du fragst.." Begann er langsam.

Er hob den toten Nachtmahr in seiner Hand in die Höhe.

"Der hier hat seine letzte Schlacht geschlagen...und mir gings auch schon mal besser."

Endlich sah er sie an, auch wenn sie Mühe hatte seinem Blick standzuhalten.

"Es tut mir Leid, wirklich." Sagte sie leise.

Er starrte sie noch für einen Moment an und als er sie endlich von seinem Augenkontakt erlöste, fühlte sie sich als hätte man ihr Gewichte von der Brust genommen.

"Für was sollte das überhaupt gut sein ?" Verlangte er ruhig ihre Antwort, auch wenn sie wusste dass er in Wahrheit wütend war.

"Du,..du hast mich erschreckt, ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht-"

"Wieso ?" Traff er sie nocheinmal mit der vollen Härte seines Blickes.

Diesmal sah sie weg, verwirrt.

"Wieso ?" Wiederholte er seine Frage.

"Wieso fürchtest du dich immernoch vor mir ?"

Als sie daraufhin überrascht aufblickte erkannte sie, dass sich die Härte in seinen Augen mit etwas anderem vermischt hatte.

"Habe ich dir nicht bei genügend Anlässen gezeigt und versichert, dass nicht ich es bin, der dir Schaden will ?"

Beschämt senkte sie ihren Blick wieder zu Boden.

Da sie es nicht wagte aufzusehen, hörte sie nur wie Capricorn sich mit einem genervten Seufzen gegen den Stamm des Baumes fallen ließ und den Vogel beiseite warf.

"Tun dir deine Schultern weh ?" Fragte sie vorsichtig.

"Ein wenig." Gestand er ein, den Kopf mit geschlossenen Augen gegen den Stamm gelehnt.

"Dann kann ich mich wenigstens was das anbetrifft nützlich machen.

Dreh dich um."

Überrascht öffnete er seine Augen und blickte sie an.

"Du verlangst von mir mich umzudrehen, nachdem du mich schon einmal aus einem Baum gestoßen hast ?"

In der Art wie er es sagte konnte sie hören, dass er es nicht komplett ernst meinte.

"Bitte ?" Fragte sie diesmal höflicher.

"Ich hoffe für dich, dass das kein Trick ist, sonst kannst du den Nachtmahr gleich begleiten wenn ihn die Weißen Frauen abholen kommen..." Grummelte er, während er ihr den Rücken zuwandte.

"Soviel zu du wirst mir nie Schaden zufügen." Wagte sie es zu necken.

Da sie lediglich seinen Hinterkopf sah, konnte sie seine Reaktion nur erraten.

Ohne eine verbale Antwort zu erwarten, machte sie sich ans Werk.

Vorsichtig begannen ihre Hände ihn am Nacken zu massieren.

Zwar zuckte er kurz wegen der unerwarteten Berührung, doch hielt er ab da still.

Langsam knetete sie die Muskeln an seinem Nacken, während ihre Daumen über dem Nackenansatz kreisten.

Immernoch vorsichtig bewegten sich ihre Hände runter zu seinen Schulterblättern, in denen sie die meiste Verspannung fühlte.

Nach einer Weile des kreisenden Massierens und wärmenden Reibens bewegten sich ihre Hände wieder aufwärts, um auf seinen Schultern zu stoppen und dort ihr heilendes Werk fortzusetzen.

Nachdem sie Verspannungen und Schmerz soweit sie es konnte gelindert hatte, lehnte sie sich zurück.

Ein Augenblick der Stille hing zwischen ihnen, bis Capricorn sich endlich wieder umdrehte und sie sein Gesicht sehen konnte.

"Das war...unerwartet.." Kurz sah er ihr forschend in die Augen, bevor er fragte.

"Wo hast du das gelernt ?"

"Oh, ich hab es mir durch jahrelange Übung an Mo selbstbeigebr-"

Sie hielt inne und ihre Lippen begannen zu zittern, als sie bemerkte was sie gerade gesagt hatte.

Er hielt es für angebracht nicht zu fragen, konnte er sich selbst ein grobes Bild zusammenreimen.

Da sie ihm die Tränen nicht zeigen wollte, drehte sie sich schnell um und suchte leeren Trost am Stamm.

So ungewöhnlich wie die letzten zehn Minuten verlaufen waren, machte er sich nun keine großen Gedanken mehr über die nächsten zehn.

Trotz gewimmertem Protest packte er sie am Arm und zog sie sich gegen die Brust.

"Was tust du ?" Fragte sie ihn mit tränenerstickter Stimme.

"Ich mache mich nützlich." Versuchte er so neutral wie möglich zu sagen.

Emotional derart geladen blieb ihr Kopf an seiner Brust liegen und schon bald fühlte er wie sein Hemd durchnässt wurde.

Nur zwei Gedanken befanden sich in ihrem Kopf:

Der Erste war, wie falsch es war ihrem Feind so nahe zu sein.

Der Zweite war, wie verdammt gut es tat, sich endlich einmal an einer ´Schulter´ ausweinen zu können.


Hoffe hat euch gefallen !

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