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Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kapitel 57
Es war ein herrlicher Augustabend. Obwohl die Sonne bereits vor Stunden untergegangen war, erleuchtete der Mond und die Sterne die ganze Umgebung. Der Wind wehte den süßlichen Duft von Rosen und Fuchsien durch die Luft.
Diana Gardner, geborene Blythe, saß auf der Veranda von Willow Grey. Sie saß in einem Weidenschaukelstuhl und lächelte in die Nacht hinein. Auf einem Tischchen neben ihr lag ein Buch, eingebunden in schwarzes Leder und in goldenen Buchstaben stand geschrieben: "Short Storys and other Things by Thomas Carlyle Meredith".
Carl hatte all seinen Freunden und Verwandten ein Handsigniertes Exemplar zukommen lassen. Sein Buch, was aus 15 Kurzgeschichten bestand, schoss von Platz 0 auf Platz 3 der Hitlist. Ja, man konnte sagen, Carl hatte Erfolg mit seinem Buch.
Di saß also in ihrem Schaukelstuhl, trank aus einer Tasse Tee und starrte in die Nacht hinein. Wie schön das Leben doch war! Eddie musste innerhalb der nächsten halben Stunde von einer Landwirtschaftsaustellung aus Charlottetown zurückkommen.
Drei lange Tage hatte sie ihn nun nicht mehr gesehen und er fehlte ihr so sehr. Sie würde nicht eher ins Bett gehen, bis Eddie heil und gesund vor ihr stand. Sie richtete sich auf und lauschte. Ja, da war eine Kutsche im Anmarsch, da gab es kein Zweifel.
Und tatsächlich bog Eddie wenige Minuten später in die Einfahrt von Willow Grey ein. Er brachte das Pferd, welches den gewichtigen Namen Tornado hatte, in den Stall.
Müde und abgespannt kam er die Verandatreppen hoch geschlichen und konnte seine wartende Frau im Schein der Öllampe sehen.
Sie hatte sich erhoben und lächelte ihn an. Sie rannte im entgegen. Di umarmte ihn ganz fest und überschüttete ihn mit Küssen. "Endlich bist du hier mein Liebster", keuchte sie und setzte sich mit ihm in die Schaukelstühle.
"Ich sollte öfters weggehen wenn ich so empfangen werde", scherzte Eddie.
"Wehe wenn. Du hast mir so gefehlt. Versprich mir, dass du mich nie wieder so lange alleine lässt." Er küsste sie und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht: "Versprochen, ich werde dich nie wieder alleine lassen. Du hast mir auch so gefehlt".
Eddie bemerkte das Buch auf dem Tisch und deutete darauf: "Ist es von Carl? Hast du schon begonnen zu lesen?".
"Ja es ist von ihm und er schickt viele Grüße mit. Nein, ich habe nur mal kurz rein geschnuppert. Ich werde in den nächsten Monaten mehr als genug Zeit zum lesen haben. Dad meint, dass ich nicht schwer arbeiten, sonder mich schonen und ausruhen soll", meinte Di lässig und lächelte geheimnisvoll.
Eddie sah sie verwirrt an und legte seine Stirn in Falten. Wie von der Tarantel gestochen sprang er auf: "Was ist mit dir? Bist du krank?".
Di lächelte und schüttelte den Kopf. "Ganz im Gegenteil, mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr".
Eddie schien den Wink mit dem Zaunpfahl immer noch nicht zu verstehen, grinste jedoch nach einer Weile und war völlig aus dem Häuschen. "Soll das etwa heißen…", Eddie wusste nicht was er zu erst sagen oder fragen sollte. Di sprang auf und grinste.
"Ja Liebster, ich bin schwanger! Freust du dich?", fragte sie leise.
"Wir werden Eltern", jubelte er in die Nacht hinaus. Eddie grinste und küsste sie lang und zärtlich. Hätten die beiden soeben in die Luft gesehen, wäre ihnen der Schwarm Sternschnuppen aufgefallen.
Doch die beiden hatten im Moment nur Augen für einander. Alles andere war unwichtig. Ihr lang ersehnter und innigster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Da konnten so viele Sternschnuppen vorbei fliegen wie sie wollten, es war nicht mehr wichtig.
ENDE
Rilla & Ken of Ivy Porch: April 1919 - August 1924
Fortsetzung folgt….
Jeder Tag ist der Anfang eines Lebens, jedes Leben ist der Anfang der Ewigkeit.
- Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)