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BlackPriestess
Author of 16 Stories

Rated: T - German - Romance/Hurt/Comfort - James P. & Severus S. - Reviews: 5 - Updated: 02-17-08 - Published: 12-25-07 - id:3967563

Autor: BlackPriestess

Beta: Leider noch nicht betagelesen. Wahrscheinlich werde ich nachträglich Ria damit nerven .

Pairing: James/Severus (duh!)

Genre: Angst/Romanze/ein wenig Humor (ich kann mich nie auf ein Genre beschränken... U.U)

Warnungen: Hm... keine? o.O selbst staun

Rating: ab 16

Disclaimer: Seltsam, JKR hat sich noch immer nicht bei mir gemeldet, um ihre Rechte an HP an mich abzugeben. Und da warte und warte ich darauf, und was ist? Nichts! So ein unzuverlässiges, geldgieriges Verhalten... tsss!

Widmung: Für Heikchen. Frohe, stressfreie Weihnachten und alles Gute wünsche ich dir!

Anmerkungen: Ganz wichtig! Bitte stellt euch den Text in (Klammern) durchgestrichen vor! Ich habe keine andere Möglichkeit dies darzustellen, da hier solche Tags nicht unterstützt werden! Oh, und bitte immer auf das Datum achten, dann wird das Geschehen klarer... ;)

Viel Spaß beim Lesen und frohe Weihnachten:D

ooo

James, 25. Dezember 1976, 10.30 a. m.

Hey Schniefelus,

dies ist wohl das letzte Mal, dass ich Verwendung für dich habe. Schade eigentlich, ich (habe dich recht lieb gewonnen) habe mich an dich gewöhnt, wie man sich an jedes kleine Übel eben gewöhnt...

Schniefelus, 25. Dezember 1976, 10.31 a. m.

Wie liebenswürdig. Allerdings scheinst du zu vergessen, lieber James, dass ich auch sehen kann, was du durchgestrichen hast.

James, 25. Dezember 1976, 10.32 a. m.

Ja, ja, schon gut. Unterbrich mich nicht. Du weißt ja, meine Aufmerksamkeitsspanne ist gerade nicht die längste. Also schön, was ich sagen wollte... ich möchte mich von dir verabschieden. Gleich wirst du jemandem eine (zweifelhafte) große Freude bereiten – hoffe ich jedenfalls. Dieser jemand ist schon sehr auf dich gespannt. Typisch, so neugierig wie er ist... und so ungeduldig. Heute hat er mich wie einen Schweizer Käse gelöchert. Ich bin aber hart geblieben. Hehe. Äh – blödes Wortspiel nicht beabsichtigt, ehrlich!

Und wie ich sehe, geht das Löchern gleich weiter:

„Ach komm schon James, ich will endlich mein Geschenk haben! Bitte!“, tönt es flehentlich aus dem Schlafsaal.

Wer kann ihm schon widerstehen, wenn er so süß bettelt...

„Ist gleich fertig!“, versichere ich, ohne mir ein Grinsen und Kopfschütteln verkneifen zu können.

Das Ganze erscheint... unwirklich. Da sitze ich im Gryffindor-Gemeinschaftsraum, vor dem gemütlichen Kaminfeuer, und bereite das preisgünstigste und zugleich teuerste Geschenk vor, das je irgendjemand von mir bekommen hat – während oben, in meinem Bett, ein Geschenk auf mich wartet, das man ebenfalls nicht mit Galleonen aufwiegen kann.

Nackt, unter meinem ausgeliehenen Bademantel.

Bitte nimm mich James, bitte, ich liebe dich... ich will dich...

So voller Hingabe und wunderschön und liebevoll und immer willig und...

Okay, ich höre lieber auf. Ich liebe ihn so sehr. Ich glaube, wenn du nicht schon so voll wärst, könnte ich noch seitenlang schreiben, wie wundervoll er ist... (Und nicht nur deshalb, weil er das gleich zu sehen bekommen wird.)

Also schön... wo ist eigentlich dieses Geschenkpapier? Hmpf, ich gebe es ungern zu, aber ich bin der chaotischste Mensch auf diesem Planeten – und mein Chaos breitet sich jetzt auch im Gemeinschaftsraum aus, wenn die meisten Schüler über die Ferien weg sind, und auch kein Remus, Vertrauensschüler aus Überzeugung, an mir rummeckern kann.

Obwohl... je länger ich deine zarten, blütenweißen Seiten beschreibe, liebster Schniefelus, desto mehr zögere ich. Ich glaube, ich sollte dich ein wenig zensieren – zumindest die ersten Einträge sind mir zutiefst peinlich. Das wird ihn gar nicht freuen. Kann ja nicht schaden, wenn ich ein wenig zurückblättere und die Beweise für meine Blödheit, schwarz auf weiß, einfach herausreiße?

Schniefelus, 25. Dezember 1976, 10.36 a. m.

Untersteh dich!

James, 25. Dezember 1976, 10.37 a. m.

Ha! HAHAHA! Hätte ich bloß geahnt, dass man dir mit der Androhung, dich zu (kastrieren) zensieren, solche Angst einjagen kann, hätte ich das schon viel früher gemacht! Gnihihi, das ist aber auch zu köstlich! Ich sag nur: Raaatsch! Und ab! Hehehe...

Schniefelus, 25. Dezember 1976, 10.38 a. m.

Wage es, auch nur eine meiner Seiten anzufassen, und ich ziehe dir so viele Punkte ab, dass Gryffindors Konto nach fünf Jahren und zehn Quidditchpokalen noch im Minus steht!

James, 25. Dezember 1976, 10.39 a. m.

Is’ ja gut Schniefelus, alter Kumpel. Wir wollen uns doch nicht jetzt streiten, wo wir doch gleich getrennte Wege gehen... oder? Also sei jetzt ein guter Junge und hör gefälligst auf, deine Seiten zusammenzupressen wie eine prüde Jungfrau! Gnah! Jetzt sei brav und spreiz... äh, ich meine, mach schon auf, ich bin auch ganz sanft zu dir, versprochen!

Schniefelus, 25. Dezember 1976, 10.40 a. m.

Das ist ja widerlich. In Ordnung, du darfst noch einmal in Erinnerungen schwelgen – unter der Voraussetzung, dass du mich in der Zukunft mit diesen (blöden Anmachen) äußerst seltsamen Andeutungen verschonst.

Oh – und sei ein wenig mehr Gryffindor. Lass ihn doch sehen, was du einmal über ihn dachtest – wolltest du nicht deine ehrlichen Absichten unter Beweis stellen? Deswegen verschenkst du mich ja, vergiss das nicht.

Nun denn – viel Vergnügen beim Durchblättern meiner Wenigkeit (und mit den Abgründen menschlicher Idiotie und Bösartigkeit).

James, 25. Dezember 1976, 10.41 a. m.

Danke. Du bist der Beste. Und: Du solltest es inzwischen aufgegeben haben, mich zu provozieren – das war ja eigentlich Sinn der Sache, dass eben das nicht mehr klappt, oder?

ooo

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.25 p. m.

Guten Abend, James Potter. Ich bin Schniefelus, dein Anti-Aggressions-Trainer, und werde dich durch deine Therapie begleiten.

Bitte unterlasse es, mich auf den Tisch zu schlagen. Dieses Verhalten wird dich überhaupt nicht weiterbringen und zeugt nur von deiner unkontrollierten Frustration. Abgesehen davon ist es jetzt zu spät, mich auf den Namen „Lily“ taufen zu wollen. Du hast mir bereits einen Namen gegeben – den Namen eines Menschen, den du hasst, für einen Gegenstand, den du hasst – und ich habe die charakterlichen Eigenschaften dieser Person bereits übernommen.

Doch sieh es positiv. Wie kann man besser lernen, sich zu beherrschen, als in Gegenwart eines Individuums, dem man mit tiefster Abneigung begegnet?

James, 1. Dezember 1976, 11.28 p. m.

Weißt du was? Du kannst mich mal. Alle können mich mal! Dumbledore spinnt – ich brauche keine Therapie! Ich bin schon genug mit dem echten Schniefelus gestraft, so einen blöden verzauberten Wisch wie dich brauche ich nicht auch noch obendrauf!

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.29 p. m.

Fünf Punkte Abzug von Gryffindor.

James, 1. Dezember 1976, 11.29 p. m.

Ja, klar, wer’s glaubt – ich werde mir das Stundenglas gleich angucken gehen. Nun, wie auch immer. Ich soll Tagebuch schreiben, wie... wie ein Mädchen? Eine Seite voll pro Tag, ja? Nun denn... DIE SEITE IST DANK MEINER SPEZIELLEN RIESENSCHRIFT BEREITS VOLL! Und tschüss.

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.31 p. m.

Fünf Punkte Abzug von Gryffindor.

James, 1. Dezember 1976, 11.31 p. m.

Was soll das Schniefelus! Die Seite ist voll! Was willst du noch von mir?

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.32 p. m.

Potter, muss ich unbedingt die von Professor Dumbledore aufgestellten Bedingungen wiederholen? Offenbar, denn sonst dringen sie nicht durch die ganzen Schichten von Beton und heißer Luft, die sich in deinem Schädel befinden...

James, 1. Dezember 1976, 11.33 p. m.

Arschloch.

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.33 p. m.

Fünf Punkte Abzug von Gryffindor.

James, 1. Dezember 1976, 11.34 p. m.

Pardon – ich meinte natürlich: Anale Intestinalendung.

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.34 p. m.

... aha.

James, 1. Dezember 1976, 11.35 p. m.

Och, kein Punktabzug?

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.35 p. m.

Hm, ich scheine bereits auf dich abzufärben... ob positiv oder negativ, sei fürs erste dahingestellt... Also, wo war ich? Du bringst mich vollkommen aus dem Konzept... ach ja, die Regeln – einmal für geistig Minderbemittelte, zum Mitschreiben-

James, 1. Dezember 1976, 11.36 p. m.

So, du darfst mich aber beleidigen, wie?

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.36 p. m.

Wusste ich es doch, dass du Professor Dumbledore nicht zugehört hast. Natürlich kannst du mich ebenfalls beleidigen – genauso wie alle, die solche Aggressionen bei dir auslösen. Aber raffiniert, wenn ich bitten darf. Du scheinst Beschimpfen und Beleidigen zu verwechseln. Doch geht es hier weniger um mich – ich bin nur dazu da, um deine negativen Empfindungen aufzunehmen, damit du dich austoben, deine Frustrationen von der Seele schreiben k-

James, 1. Dezember 1976, 11.37 p. m.

Ich bin nicht frustriert!

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.37 p. m.

Ich hatte gehofft, wir wären aus der infantilen Negierungsphase schon raus. Aber nun gut, wie dem auch sei... Beschimpfungen sind verboten. Genauso wie jede andere Form von Gewalt, die du nur allzu gern verwendest – Leute verhexen, nur weil du es kannst, beispielsweise. Du hast ja gesehen, was du davon hattest.

James, 1. Dezember 1976, 11.38 p. m.

Ja, ja, schon gut. Reib mir das nicht mehr unter die Nase-

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.38 p. m.

Respektive, was mein Alter Ego davon hatte. Wie viele Frakturen hat sein Bein noch mal davongetragen?

James, 1. Dezember 1976, 11.39 p. m.

Es reicht! Ich habe es jetzt kapiert, ja?

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.39 p. m.

Fraglich, ob er jemals wieder wird richtig gehen können...

James, 1. Dezember 1976, 11.39 p. m.

Ich werfe dich in den Kamin, ich schwör’s!

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.40 p. m.

Meine Unversehrtheit gehört eben so zu den aufgestellten Regeln wie die Unterlassung jeden Betrugversuchs – wie etwa übertrieben großes Schreiben, um die vorgeschriebene Seite pro Tag zu füllen.

James, 1. Dezember 1976, 11.41 p. m.

Mann, es kann ja nicht jeder so mickrig schreiben wie der komische Vogel, nach dem ich dich benannt habe! Dieser kleine, seltsame Slytherin, der mir so ungemein auf die Nerven geht! Gnah, ich könnte ihn manchmal einfach erwürgen...

Schniefelus, 1. Dezember 1976, 11.42 p. m.

Nur zu, schreib weiter, erzähl mir deine gewalttätigsten Phantasien, verschaff deinem Zorn ein Ventil!

James, 1. Dezember 1976, 11.42 p. m.

Argh! Du bringst mich mit diesem Psychogequatsche noch total auf die Palme, du bist schlimmer als er! Als dieser... dieser... von wegen Ventil! Ich darf ihn ja nicht einmal so nennen, wie er es verdient! Dieser...

Verdammt.

Was er wohl macht? Ob es ihm noch sehr weh tut? Ach, was interessiert’s mich... ich habe mich schon genug gekümmert, und muss mich auch noch in Zukunft noch kümmern, wenigstens jetzt will ich meine Ruhe. Ich lege mich jetzt hin und gut ist.

Grrrr! Verflucht noch mal!

Ich gehe jetzt nur ganz kurz nach ihm sehen...

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.02 a. m.

Wie ich sehe, hat deine... weichherzige Seite gewonnen.

James, 2. Dezember 1976, 00.02 a. m.

... so?

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.02 a. m.

Daran ist nichts verkehrt.

James, 2. Dezember 1976, 00.03 a. m.

Lass mich in Ruhe. Von deinen blöden Bemerkungen hatte ich heute bereits genug.

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.03 a. m.

Warum öffnest du mich dann? Abgesehen davon – es ist bereits morgen. Eine neue Chance, würde ich sagen.

James, 2. Dezember 1976, 00.04 a. m.

Ja, die Chance, jetzt schon meine neue Seite voll zu bekommen, damit ich dich für heute vom Hals habe.

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.05 a. m.

Falsch. Die Chance, loszuwerden, was dich bedrückt. Dumbledore hat mich dir nicht nur als Bestrafung, sondern auch als Hilfe gegeben – nicht nur, dass du dir alles, salopp gesagt, frei von der Leber wegschreiben kannst, sondern auch meine magische Fähigkeit, negative Gefühle zu absorbieren und positive zu reflektieren, kommt hier zum Tragen.

James, 2. Dezember 1976, 00.06 a. m.

Verschone mich. Als ob ich jemandem meine intimsten Geheimnisse anvertrauen würde, der den Namen meines Feindes trägt!

Schniefelus, 5. Dezember 1976, 00.07 a. m.

Wenn ich mit den Augen rollen könnte, würde ich jetzt genau das tun. Du weißt doch genau, Potter, dass ich nichts „ausplaudern“ kann, ich bin passwortgeschützt. Und bevor du fragst – Dumbledore kann und will das Passwort nicht umgehen, obwohl er mich selbst erschaffen hat. Er hat kein Interesse daran, dich zu kontrollieren. Ich tue das bereits für ihn. Und ich gehöre allein dir – was du in mir schreibst, wird zwischen meinen hübsch in antik gegerbtes Leder gebundenen Buchdeckeln bleiben.

James, 5. Dezember 1976, 00.08 a. m.

Wie tröstlich... vor allem die Tatsache, dass du schon selbst die Seiten voll schreibst. Das zählt doch auch, oder? Also gib mir (hobby-)psychologisch wertvolle Ratschläge, erzähl mir, wie ich meine Egomanie und Aggression bewältigen kann, ich höre dir gespannt zu. Und gähne nicht dabei, ganz ehrlich!

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.09 a. m.

Also bitte, Potter. Sarkasmus passt nicht zu dir, ist höchstens ein müder Abklatsch dessen, womit dein alter „Feind“ dich tagtäglich traktiert. Abgesehen davon sehe ich mich außerstande, dich zu etwas zu beraten, was ich gar nicht so genau weiß – weil du dich weigerst, zu schreiben.

James, 2. Dezember 1976, 00.10 a. m.

Sarkasmus passt aber zu dir, wie? Hätte ich bloß gewusst, dass ich mir einen zweiten Schniefelus anschaffe, tausendmal schlimmer als derjenige, der mich gerade aus meinem eigenen Schlafsaal rausgeworfen hat, obwohl ich mich nur um ihn kümmern wollte... Was hat mich bloß geritten?

Schniefelus, 5. Dezember 1976, 00.11 a. m.

Im Gegensatz zu meinem Alter Ego bin ich nicht sarkastisch, nur objektiv. Ich kann nichts anderes als das sein, da ich aus bloßem Papier bestehe. Ich habe keine Augen oder sonstige Sinnesorgane, um meine Umwelt wahrzunehmen. Ich habe keine Vergangenheit, um aus ihr zu lernen, und auch kein Herz, das in meiner nicht vorhandenen Brust schlagen könnte, selbst wenn ein Teil von Snapes Persönlichkeit und vor allem sein Wissen – durch dein Zutun, durch deine Magie – auf mich übertragen wurde, obwohl du das sicher nicht beabsichtigt hast. Wie du dem entnehmen kannst, bin ich frei von Gefühlen, frei von Vorurteilen, frei von irgendwelchen ethischen oder moralischen Werten. Du erzählst, und ich höre... respektive lese dir zu. Das ist meine einzige Funktion.

James, 2. Dezember 1976, 00.13 a. m.

Und... das soll wirklich helfen, mich besser zu fühlen?

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.13 a. m.

Man fühlt sich immer besser, wenn man nachdenkt und diese Gedanken auch festhält. Professor Dumbledore hat dieses Experiment bereits einmal bei einem problematischen Schüler durchgeführt, mit einem magisch veränderten Objekt, wie ich eines bin. Es hat dem jungen Mann sehr geholfen, er war danach wie ausgewechselt! Seltsam war nur, dass besagter Schüler seinen Berater nach sich selbst benannt hat... wahrscheinlich hatte er nicht viele Kontakte in der Schule. Aber ich schweife ab. Fangen wir nun mit der eigentlichen Sitzung an?

James, 2. Dezember 1976, 00.14 a. m.

Ich... weiß nicht so recht...

Schön, du hast mich überzeugt. Und dabei hasse ich Schreiben wie die Pest... Remus muss da immer aushelfen... okay, ich schweife auch ab. Nur weiß ich nicht, wo ich anfangen soll.

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.15 a. m.

Ich schlage den Anfang vor.

James, 2. Dezember 1976, 00.15 a. m.

Ha. Ha. Und nochmals ha. Nun denn. Erst war da ein blendendes Licht, und mir war furchtbar kalt, danach wickelte man mich in ein für meinen Geschmack viel zu kratziges Handtuch-

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.16 a. m.

Potter!

James, 2. Dezember 1976, 00.16 a. m.

Tz, so dermaßen humorlos – ich wusste gar nicht, dass ein Stapel Papier auch einen Besenstiel im-

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 00.17 a. m.

Bist du der Ansicht, Gryffindor hätte schon so viele Punkte gesammelt, dass du dir das erlauben kannst?

James, 2. Dezember 1976, 00.17 a. m.

Ja, ja, schon gut, schon gut! Das Unglück meines Lebens trug sich also folgendermaßen zu...

Es war Vollmond – wieder einmal Zeit für uns, Remus beizustehen. Bis zu einem gewissen Punkt lief auch alles wie gewohnt ab.

Peter, Sirius und ich begleiteten Remus zum Krankenflügel. Er sah bereits völlig entkräftet aus, blass und zittrig. Obwohl mir längst bekannt war, woran dies lag, hatte ich mich noch immer nicht daran gewöhnen können, einen Freund dermaßen leiden zu sehen.

Wir alle versuchten natürlich, die Sache mit Humor zu nehmen. Allen voran Remus, der wie immer schwach, jedoch tapfer lächelte, bevor er etwas von „prämenstruellen Syndromen“ sagte und Peter ihm grinsend einen „Magisch Absorbierenden Blitzblank-Tampon“ anbot. Während wir anderen unseren Spaß daran hatten, die Mädchen zu blamieren, indem wir ihre Monatshygiene aus der Schultasche klauten und durch den Klassenraum hin- und herwarfen, nur damit sie uns wütend anschrien und rot wurden – immer wieder ein Vergnügen – war Remus wohl der einzige, der „monatliches Unwohlsein“ nachvollziehen konnte.

Erst recht, da Remus bei Weitem mehr Blut opfern musste.

Nachdem wir unseren recht kränklichen Werwolf abgeliefert hatten, blieb nicht mehr viel zu tun, außer abzuwarten, dass die Medihexe ihrerseits Remus in sein „Luxushotel“ verfrachten würde – wie Remus es immer etwas verbittert nannte. Der Weg zur Peitschenden Weide verlief unter verbissenem Schweigen. Nicht einmal ich, der Spaßvogel vom Dienst, sah noch einen Grund, Witze zu reißen, da wir niemanden mehr aufmuntern mussten.

Sirius jedoch schien anderer Ansicht zu sein.

„Wisst ihr, Kumpels... ich dachte, ich organisiere diesmal ein wenig mehr... Action.“

Seine weißen Zähne, die im Mondlicht aufblitzten, verrieten mir, dass er gerade sehr schadenfroh grinste. Oha, er hatte also einen Streich geplant – ohne mich? Unvorstellbar. Normalerweise war ich immer der Drahtzieher, wenn es um „Action“ ging. Offenbar war das aber der ultimative Streich, wenn er mich damit hatte überraschen wollen. Guter alter Tatze. Ich liebte Überraschungen.

Ich grinste nun ebenfalls und hauchte meine eiskalten Hände an. Nur der knirschende Laut gefrorenen Grases begleitete uns, da Sirius sich wieder in geheimnisvolles Schweigen gehüllt hatte. An seinem aufgeregt wippenden Gang erkannte ich, dass es wirklich gut sein musste, was auch immer er ausgeheckt hatte. Bestimmt ein richtiger Lacher.

Keine halbe Stunde später hatte ich meine Meinung bereits revidiert.

Es war nicht gut gewesen. Ganz und gar nicht.

Denn ich lag bibbernd – nicht vor Kälte, Davonrennen mit einer schwindelerregenden Geschwindigkeit hatte diese bereits vertrieben...

... schneller... heißer Atem in unserem Nacken... schneller! Krallen auf Stein... klack, klack, klack... schneller... oh, Salazar... warum immer ich... Gott, bitte, bitte, nicht... lass nicht meine Hand los, Snape, schneller, verdammt... Nicht, ich kann nicht mehr... rennen... steh auf, du Idiot! Oder willst du hier sterben? ... hilf mir, bitte Potter, ich flehe dich an...

... auf harter, ungemütlicher Erde, während die Peitschende Weide keine zwei Yards von uns entfernt zornig tobte, begleitet von Remus’ kläglichem, enttäuschtem Jaulen. Nein... es war pures Grauen, das mein Blut in den Adern gefrieren ließ, jedes verdammte Mal, wenn ich auf das nicht weniger zitternde Bündel Mensch blickte, das neben mir lag.

Ein Mensch, mit einem Leben, mit Eltern, mit Erinnerungen.

Ein Mensch, der um Haaresbreite als blutige Masse mit auf ewig ausgelöschten Erinnerungen geendet hätte.

Wir hätten Moony nicht mehr aufhalten können, sobald er einmal junges, zartes Fleisch und süßes Blut geschmeckt hätte... da war ich mir sicher, auch wenn wir Merlin sei Dank noch nie in der Situation waren...

... bislang.

Und hätte Moony seine leckere, frische, warme, zuckende, schreiende Beute bekommen – wer von uns wäre der Mörder?

Wer nur?

Ich.

Ich, James Potter, Anführer der Rumtreiber – der seine Anführer-Verantwortung als Spiel abgetan hatte. Der die Zeichen nicht richtig gedeutet hatte, der von Vertrauen und Brüderlichkeit geblendet war.

Snape rollte sich zusammen, machte sich ganz klein, jeder seiner panisch keuchenden Atemzüge schien in einem schmerzhaften Schluchzer zu enden.

Es machte mich so wütend. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass aus unserem biestigen kleinen Schniefelus, aus unserer täglichen Herausforderung... dieses armselige, mitleiderregende Etwas wurde. Ich wurde allerdings eines Besseren belehrt, als schwarze Augen mich plötzlich fixierten, ohne ihren üblichen Glanz, stumpf, jedoch hasserfüllt, erfüllt mit der Begierde, mich zu verletzen, mich bluten zu lassen...

„Ihr wolltet mich töten.“

Leise, tonlos war diese Feststellung gewesen. Man hätte schwören können, dass er über das Wetter redete – wäre dieser Blick nicht gewesen. Ich fühlte mich durchbohrt, bloßgestellt, als ob er meine geheimsten Gedanken lesen könnte, mein wohlverborgenes schlechtes Gewissen. Meine Furcht – vor dem, was hätte geschehen können. Meine jämmerliche Angst, so dermaßen... ungryffindor. Keine Zehntelsekunde lang konnte ich dem standhalten; schnell sah ich weg, beschäftigte meine rastlosen Finger damit, meine Brille zu putzen.

Und bevor ich mich versah, hatte ich schon damit begonnen, mich zu rechtfertigen:

„Du spinnst! Du lebst noch – ich habe dich doch da rausgeholt!“

„Ihr wolltet mich töten!“

Drängender diesmal, nur ein zorniges Zischen. Was wollte er? Eine Bestätigung? Ein Geständnis dessen, was ich nicht getan hatte, und was Sirius zwar getan, aber nicht so gemeint hatte?

„Mein Gott Schniefelus, Sirius hat doch nur einen kleinen Scherz gemacht! Dir wäre nichts passiert! Nicht wahr, Sirius?“

Mein bester Freund, mein Seelenbruder, hockte jedoch nur apathisch da, zu Boden starrend. Nicht ein Sterbenswörtchen kam über seine blaugefrorenen Lippen.

„NICHT WAHR, SIRIUS?“, brüllte ich jetzt.

Sirius zuckte kurz zusammen, ansonsten hielt sein stures Schweigen an. In der Tat so gut wie ein Geständnis, das Geständnis seiner Dummheit. Er hatte rein gar nichts geplant. Verflucht noch mal, er hatte nicht einmal gedacht! Dieser Schwachkopf!

Doch auf ihn konnte ich nicht wütend sein, also musste sich die Wut eine andere Zielscheibe suchen. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung.

„Und warum, zum Teufel, bist du hergekommen? Du kleiner, schleimiger, petzerischer Wurm? Hast du wirklich gedacht, Sirius würde dir freiwillig einen Grund liefern, uns von der Schule werfen zu lassen? Hmmm?“

Obwohl Snapes Kleidung zerrissen war, obwohl durch die Risse blutige kleine Abschürfungen widerlich schimmerten, obwohl er nach wie vor zitterte wie Espenlaub, obwohl in dieser Nacht seine Würde, seine Arroganz wie eine Schale von ihm abgefallen war, trat in seinen Blick etwas Bösartig-Berechnendes.

„Oh, aber das hat er – habt ihr – soeben getan.“

Die Stimme war wieder gewohnt seidenweich... äh... ölig.

Und Snapes darauffolgende Flucht erinnerte ebenfalls stark an einen gut geölten Blitz. Der Kerl war unerwartet schnell. Obwohl meine als Sucher wohltrainierten Reflexe es ebenfalls waren, konnte ich diese nicht einsetzen, da mir erst dämmerte, was hier geschah.

Ausgerechnet unser kleiner Peter, der nie was mitkriegt, bewies unglaubliche Geistesgegenwart. Keine paar Sekunden später wand sich Snapes armselig dürrer Körper unter Peters viel größerem Gewicht. Es war ein seltsamer Anblick. Peter hatte es bislang nie gewagt, Schniefelus anzugreifen, und allein schon mal gar nicht. Doch nun hatte er ihm auch noch die Arme auf den Rücken gedreht, damit der fiese kleine Slytherin nicht an seinen Zauberstab kam.

„Und? Was wolltest du mit dieser kleinen Aktion bezwecken?“

Wieder war ich in meine Anführerrolle geschlüpft, wie in einen alten, gemütlichen Bademantel. Aus Plüsch. Dazu gehörte Befehlen, Schelten und Loben, in den jeweils angebrachten Dosen.

„Gut gemacht, Wurmschwanz.“

Unser Kleiner strahlte übers ganze Gesicht. Ach, er war ein leichter Fall, es gehörte nicht viel dazu, sich seine Loyalität zu sichern. Manchmal war er aber etwas übereifrig, mir diese zu beweisen. Snape wimmerte peinerfüllt.

„Aber brich ihm nicht gleich den Arm, ja, Pete? Also, Schniefelus? Was sollte der Scheiß?“

„Ich werde euch endlich drankriegen!“, spie unser Lieblingsslytherin aus. „Ich werde zu Dumbledore gehen und ihm alles erzählen!“

„Tss, Schniefelus. Das nenne ich besessen. Du hättest jetzt beinahe dran glauben müssen, aber das Einzige, woran du denken kannst, ist dieser Ich-petze-und-lasse-euch-rauswerfen-Blödsinn...“ Ups, da war mir wohl etwas... rausgerutscht; schließlich wollte ich ihm ja einreden, dass er keinen Moment lang in Gefahr gewesen war. „Hör zu – so nett, wie wir sind, bringen wir dich in den Krankenflügel und morgen bist du so gut wie neu.“

Abscheu ließ Snapes Augen geradezu unheimlich im Mondlicht glühen. Sein Hass schien das einzig Lebendige zu sein, hinter diesen pechschwarzen Iriden. Nur noch sein Hass. Der Rest von ihm war vermutlich tot, begraben in dem modrigen Tunnel, den wir gerade hinter uns gelassen hatten.

„Oh, nein. Nein, nein. Du widerst mich an, Potter, wie du versuchst, alles unter den Teppich zu kehren... was ihr und dieses Ungeheuer mir antun wolltet!“

„Spar dir das, Schniefelus. Dumbledore weiß über Remus’... Zustand bescheid. Er war derjenige, der die Peitschende Weide zusammen mit Sprout gepflanzt hat – nur für ihn! Warum meinst du, dass es einen Knochen brechenden Baum auf einem Schulgelände geben sollte, wenn er nicht einen wirklich dringenden Zweck erfüllt? Hä?“

Man konnte förmlich hören, wie sich die Rädchen hinter Snapes hoher Stirn drehten – und man konnte mit ansehen, wie seine kleine, selbstgefällige Welt gerade endgültig in kleine Scherben zerfiel.

„Ist... er wahnsinnig? Dumbledore... lässt es zu... er weiß es... das glaube ich einfach nicht...“

Snapes verwirrtes Gemurmel machte erneuter Entschlossenheit Platz:

„Aber dass Dumbledore auch mit Lebendfutter für das Monstrum einverstanden ist, glaube ich wiederum nicht!“

Die Ereignisse überschlugen sich daraufhin. Snape biss und kratzte und kämpfte, um freizukommen, um loszurennen, um unsere aller Leben zu zerstören, während wir ihm den letzten Funken Selbstrespekt raubten, welchen wir ihm gnädigerweise noch übrig gelassen hatten – indem wir ihn zu dritt in den Dreck pressten, mit dem Gesicht voran.

Mich interessierte es nicht mehr, dass ich ihn noch mehr verletzte, als er es schon war. Rücksichtslos warf ich ihn herum und setzte mich rittlings auf die dürre, sich verbissen wehrende Gestalt, schmale Handgelenke fest im Griff. Nein, ich wollte ihm nicht absichtlich wehtun, ich war nun selbst verzweifelt. Snape, der uns verriet – nein, das durfte einfach nicht geschehen...

... lieber Merlin... Remus... angeklagt und weggesperrt, ohne Erinnerung daran, was er beinahe getan hätte... und vielleicht... vielleicht würde ein übereifriger Auror silberne Handschellen dabei haben, wen sie ihn verhafteten...

... rein zufällig, versteht sich...

... aber nicht so wild, ein Werwolf weniger...

... ein scheuer, liebenswürdiger, loyaler, kluger Freund weniger...

... allmächtiger Godric.

„Sirius!“, schrie ich.

Snape gab nicht einen Moment lang seine aussichtslosen Versuche auf, sich unter mir hervorzuwinden, wie die kleine Schlange, die er war – doch Sirius stand noch immer wie angewurzelt da, seine graublauen Augen stumpf, verloren. Der Zauberstab zitterte, als er ihn auf den Slytherin richtete.

„Schnell, mach schon!“, drängte ich.

Meine Anweisung musste ich nicht erst erklären – Sirius und ich hatten uns schon immer wortlos verständigen können. Wie sagen die Muggel so schön... auf einer Wellenlänge.

„Obliviate!“, brachte mein bester Freund heiser heraus...

... und duckte sich gerade noch rechtzeitig, als der mächtige, grelle Blitz durch die Luft sirrte – auf seinen Urheber zu – um schließlich einen großen Baum zu fällen, als würde es sich um ein Streichholz handeln.

Snape lachte humorlos auf, hart und schallend. Ungläubig blickte ich auf ihn herab; er hatte mit diesen albernen Befreiungsversuchen aufgehört, lag nun schlaff da... und wagte es tatsächlich, uns auszulachen, als wären wir kleine, dumme Erstklässler.

„Netter Versuch, Black“, kicherte Schniefelus. „Klappt nur nicht bei jemandem, der seinen Geist verschließen kann, zu blöd, nicht wahr?“

Wir waren so was von geliefert.

Und wir wussten es.

Und nach Snapes triumphierendem Blick zu urteilen, wusste er, dass wir es wussten.

„Du hättest ihn da unten verrecken lassen sollen, James“, knirschte Peter verdrießlich und ich fand, dass noch nie weisere Worte gesprochen worden waren – ausgerechnet von unserem kleinen, etwas unterbelichteten Mitläufer Wurmschwanz.

Es hätte wie ein Unfall aussehen können – ja.

Und wir hätten nur mit unserem extrem belasteten Gewissen leben müssen.

Nichts weiter...

Zornig packte ich unseren alten Feind – der natürlich schuld an allem war – am Schlafittchen und zog ihn auf die Beine.

„Du willst also plaudern?“ fauchte ich ihm ins Gesicht, woraufhin er erschrocken zusammenfuhr. „Dann schreie es meinetwegen vom höchsten Turm hinunter! Levicorpus!“

... Und so, lieber Schniefelus, trug es sich zu, dass ich mich in diesem hitzigen Augenblick zu etwas habe hinreißen lassen, das ich jetzt unendlich bereue... etwas, das sowieso zwecklos war, da wir Snapes Erinnerungen nicht löschen konnten. Ja, ich wollte ihm Schmerz zufügen, ich wollte... dass er vor Angst schweigt.

Ich wollte, dass er aufhört, mir mit seiner bloßen Existenz auf die Nerven zu gehen. Daran habe ich tatsächlich geglaubt, als ich beinahe vollendet hätte, was Remus nicht geschafft hat.

Godric, ich bin so ein Idiot...

Ein Idiot, der jetzt ins Bett geht.

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 01.10 a. m.

Das hat ja viel besser funktioniert, als ich mir erhofft hatte. Nur solltest du dir abgewöhnen, wie Sheherezade höchstpersönlich an der spannendsten Stelle aufzuhören.

James, 2. Dezember 1976, 01.10 a. m.

... wie bitte? Keine Standpauke wegen meiner... Verbrechen?

Schniefelus, 2. Dezember 1976, 01.11 a. m.

Nein. Wie schon erwähnt – das alles musst du mir dir selbst ausmachen, ich bin nur die... Starthilfe. Gute Nacht, Potter.

Tbc...



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