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Leliha
Author of 9 Stories

Rated: T - German - Romance/Drama - Severus S. - Reviews: 57 - Updated: 05-08-08 - Published: 01-03-08 - Complete - id:3988671

Zunächst vielen Dank an alle, die das letzte Kapitel mit einem Review belohnt haben, und dann geht’s auch schon weiter – Endspurt.

Kapitel zwanzig: Bereit

„Du solltest dir nicht zu deutlich anmerken lassen, was du über diese Leute hier denkst,“ raunte Severus Janet ins Ohr, und als sie ihn empört ansah, fügte er spöttisch hinzu: „Dein Gesicht spricht Bände.“

Er legte ihr den Arm um die Taille und sie folgten dem Kellner durch den eleganten Salon des Golfhotels zu einem Tisch an der Fensterfront, von wo sich eine atemberaubende Aussicht über das endlose Grün des Golfplatzes hin zum Leuchtturm mit dem schimmernden Hintergrund des Meeres und dem unwirklich anmutenden Schatten des seltsam geformten Granitklumpens von Alisa-Island bot.

„Wenn Sie hier bitte warten wollen, Madam, Sir. Mr Muir führt noch ein Telefongespräch, er hat versichert, dass es nicht mehr lange dauert und er gleich kommen wird. Bitte nehmen Sie doch Platz, hier auf dieser Seite ist die Aussicht am schönsten. Darf ich Ihnen vielleicht den Tee schon bringen?“

Janet nickte verlegen angesichts des Übermaßes an professioneller Diensteifrigkeit und der Kellner verschwand.

„Sieh sie dir doch bloß mal an, diese Leute!“ sagte Janet halblaut und ließ den Blick schweifen.

Severus tat es ihr unauffällig nach.

„Abgesehen von einer Vorliebe für pastellfarbene Kaschmirpullover sehen sie ganz normal aus,“ bemerkte er.

„Seit wann beurteilst du deine Mitmenschen dermaßen milde?“

„Solange sie mich in Ruhe lassen und nicht zwingen, auch solche Pullover zu tragen und einen kleinen weißen Ball mit Eisenstecken über große Rasenflächen zu katapultieren.“

Janet musste lachen. Sein Pullover war dunkelgrau und mit seiner blassen Haut und der schlacksigen Figur stand er im Gegensatz zu den anderen, zumeist kräftigeren Herren, deren Teint man den häufigen Aufenthalt in der frischen Luft ansah.

„Ich verstehe immer noch nicht, wieso wir hierher kommen mussten. Wenn Liam mir etwas so wichtiges mitzuteilen hat, dass er das am Telefon nicht tun mochte, hätte er auch nach Glen Drole fahren können.“

Severus zuckte die Achseln.

„Ich vermute, er hat es gut gemeint. Immerhin lädt er uns zum Tee ein.“

Janet maß ihn mit einem kritischen Blick. Was war nur mit ihm los? Wieso war er heute so menschenfreundlich und verständnisvoll?

Wie auf ein Stichwort hin erschien der Kellner mit dem Teetablett und ordnete Teekanne und Tassen, Teller, Besteck, eine dreistöckige Etagiere mit verschiedenen Törtchen und eine Platte mit Sandwiches auf dem Tisch an.

Janet registrierte die Herrlichkeiten mit einen fassungslosen Blick.

„Lieber Himmel, wer soll das alles essen? Das ist ja wie in einem Wodehouse-Roman. Gleich kommt Bertie Wooster um die Ecke,“ stöhnte sie leise.

Severus lächelte verständnisvoll, aber ein wehmütiger Ausdruck verblieb danach auf seinem Gesicht.

„Es erinnert mich an Hogwarts,“ sagte er schließlich.

„Deine Schule? Da hattet ihr so was zum Tee?“

Er nickte.

„Muss ja ein enorm vornehmer Laden sein,“ meinte Janet kopfschüttelnd. Er blieb ihr die Antwort schuldig.

„Da kommt Liam.“

Janet folgte Severus’ Blick und konnte nicht umhin, sich wieder einmal über die Veränderung zu wundern, die mit ihrem Sohn vor sich gegangen war. Aus dem unbekümmerten, langhaarigen, Kapuzenpullover tragenden Jüngling war ein distinguierter Mann im eleganten Anzug geworden. Er hatte eine Karriere im Hotelfach begonnen und seine Sportbegeisterung hatte ihn sich bald auf Golfhotels spezialisieren lassen. Nach mehreren Jahren an der Algarve war er jetzt in einer verantwortungsvollen Position im Management dieses Luxushotels an der schottischen Küste, gar nicht weit von Severus’ Wohnort entfernt.

Die Blicke der weiblichen Gäste folgten ihm, als er den Raum durchquerte. Der Traum aller Schwiegermütter, schoss es Janet durch den Kopf. Die Blicke der männlichen Gäste jedoch hingen an der jungen Dame, die Liam begleitete. Eine wahrhaft vollendete Schönheit mit goldblondem, langen Haar. Janet hatte das unbestimmte Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben, konnte die Erinnerung aber nicht dingfest machen. Sie warf einen prüfenden Blick zu Severus und stellte fest, dass in dessen Gesicht weniger Bewunderung stand als Verblüffung, ja Erschrecken fast. Kannte er sie auch? Woher? Wer war sie?

„Hallo Mum, Severus.“ Liam hatte ihren Tisch erreicht und grinste verlegen.

„Das ist Gabrielle,“ stellte er seine Begleiterin vor. „Gabrielle, das ist meine Mutter und Severus.“

Man tauschte die üblichen Begrüßungsfloskeln aus und setzte sich. Gabrielle war Französin, wie sich herausstellte, aber sie sprach ausgezeichnet Englisch und betonte, dass ihre Schwester mit einem Engländer verheiratet sei. Janet nickte und tarnte ihre fieberhaften Überlegungen, wo sie die Frau schon einmal gesehen hatte, mit einem freundlichen Lächeln und nichtssagendem Smalltalk. Dieses Mädchen war einfach zu schön um wahr zu sein. Severus schien mit seinen Gedanken ganz woanders. Der Kellner brachte noch mehr Tee und die Beschäftigung mit Eingießen und Umrühren half über die verlegene Steifheit hinweg.

Liam rutschte nervös auf seinem Stuhl herum, Severus starrte weiterhin gedankenverloren in den Raum und Janet musterte immer wieder verstohlen die blonde Schönheit.

Schließlich räusperte Liam sich zu einem Entschluss.

„Also, Mum, Gabrielle und ich – wir kennen uns schon zwei Jahre – sie hat damals mit ihren Eltern in Faro Urlaub gemacht und – na ja, du kannst dir bestimmt denken...“

Er lächelte seine Mutter hoffnungsvoll an.

Janet lächelte fragend zurück, was ihrem Sohn ein gequältes Stöhnen entlockte.

Sein hilfesuchender Blick wanderte zu der jungen Frau und erntete dort ein aufmunterndes Lächeln, was ihn zu einem neuen Anlauf ermutigte.

„Also, Mum, um es kurz zu machen: Wir wollen heiraten.“

Erwartungsvoll rückte er mit seinem Stuhl ein Stückchen nach vorne.

Janet nickte nachdenklich in die allgemeine Stille hinein.

„Tja, Liam, du bist volljährig, du hast einen guten Job, stehst auf eigenen Füßen – wenn ihr euch also liebt und denkt, ihr wollt zusammenbleiben und wenn Gabrielles Eltern auch einverstanden sind – meinen Segen habt ihr,“ sagte sie sachlich.

Liam lächelte dankbar, nickte eifrig, verschränkte seine Finger ineinander, löste sie wieder, änderte seine Sitzposition und schluckte, das junge Paar tauschte einen weiteren Blick. Es schien, als seien noch nicht alle Fragen aus dem Weg geräumt. Severus war aus seiner Gedankenwelt zurückgekehrt und musterte Liam und Gabrielle mit amüsiert-gespanntem Interesse. Janet versuchte, seinen Blick einzufangen. Was wusste er, was sie nicht wusste? Aber seine Augen verweigerten den Kontakt.

„Mum, ich muss dir noch etwas sagen. Hör mir bitte einfach zu und sag erst mal nichts. Es ist so, dass...“
Er brach ab und sah hilfesuchend zu Gabrielle, aber diese wirkte jetzt genauso ratlos.

„Ihr bekommt ein Kind,“ vermutete Janet.

„Nein, nein, das ist es nicht,“ wehrte ihr Sohn ab. „Nein, ganz und gar nicht.“

Janet schüttelte den Kopf.

„Und was dann?“

„Mum, du wirst jetzt glauben, wir erlauben uns einen Spaß, aber ich versichere dir, es ist wahr.“

„Liam! Hör auf, um den heißen Brei herumzureden. Was ist wahr?“

Ihr Sohn spielte verzweifelt mit dem Teelöffel.

„Gabrielle ist eine Hexe!“ platzte er heraus.

Janet sah ihn verdutzt an, dann fing sie an zu lachen, was offenbar überhaupt nicht den Erwartungen ihres Sohnes entsprach. Sein Gesicht nahm die Farbe reifer Erdbeeren an.

„Mum, bitte...“

„Super.“

Janet wischte sich die Lachtränen aus den Augen; vorsichtig fragend sah sie zu Severus, der daraufhin unmerklich den Kopf neigte.

„Severus ist ein Zauberer,“ verkündete Janet.

„Mum, bitte, lass den Quatsch. Ich meine es ernst,“ entgegnete Liam mit gepresster Stimme und das Rot intensivierte sich.

Janet hob beruhigend eine Hand.

„Ich doch auch, mein Sohn.“

Sie holte tief Luft und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.

„Sieh mich nicht so an. Es ist wahr.“

Aber Liams Züge zeigten nichts als beleidigte Skepsis. Seine Stimme hatte einen leicht drohenden Unterton:

„Ich kenne deinen Sinn für Humor, Mum, und finde ihn jetzt gar nicht angebracht. Mir ist es bitterernst und...“

„Mademoiselle Delacour,“ mischte Severus sich mit ruhiger Stimme ein. Liam fuhr herum.

„Woher weißt du ihren Nachnamen?“

Severus ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, beachtete die Unterbrechung nicht.

„Mademoiselle Delacour,“ begann er erneut, „erinnern Sie sich an das Trimagische Turnier in Hogwarts?“

Gabrielles blaue Augen wurden groß.

„Ja, sicher,“ hauchte sie.

„Sie wurden damals von Harry Potter aus dem See gerettet,“ fuhr Severus fort.

Die junge Frau nickte eifrig und packte Liam aufgeregt am Arm.

„Es ist wahr, er ist wirklich einer von uns. Nur ein Zauberer kann davon wissen.“ Und zu Severus gewandt: „Waren Sie damals dabei?“

„Ich war Lehrer in Hogwarts,“ antwortete er leise.

Gabrielle nickte begeistert.

„Dann kennen Sie auch meine Schwester, Fleur.“

Severus nickte.

„Und ihren Mann Bill und seine Brüder? Die Familie Weasley?“

Wieder nickte Severus, diesmal mit einem etwas gequälten Gesichtsausdruck.

Janet erinnerte sich plötzlich an Hermines Hochzeit und wie ihr damals eine schwangere Frau von überirdischer blonder Schönheit aufgefallen war. Natürlich, das musste die Schwester gewesen sein. Apropos Hermine Hochzeit...

„Was sagen denn Ihre Eltern dazu,“ fragte sie, eingedenk dessen, was ihr Severus über Mischehen zwischen Muggeln und Zauberern erzählt hatte.

Gabrielle zuckte mit den Schultern.

„Sie sind einverstanden. Meine Familie ist sehr tolerant, was Beziehungen zu – Menschen mit anderen Fähigkeiten anbelangt. Meine Großmutter war eine Veela...“

Janet nickte verstehend und nahm sich vor, Severus später nach der Bedeutung dieses Wortes zu fragen.

... und mein Onkel Michel ist auch ein Muggel. Und meine Eltern mögen Liam sehr.“

Sie strahlte und Janet konnte nicht anders, als mitzustrahlen.

Liam räusperte sich verlegen.

„Mum, Gabrielles Eltern kommen nächste Woche. Ich dachte, weil du ja noch Urlaub hast und sowieso hier in Schottland bist, wäre es eine gute Gelegenheit, euch kennen zu lernen.“

„Na ja, von mir aus.“

„Wir können uns wieder hier zum Tee treffen. Ich meine, ich weiß nicht, ob Severus’ Haus...“

„Definitiv nicht!“ fiel dieser ein.

„Ja, also, dann hier. Wir telefonieren noch mal wegen eines genauen Termins.“

Janet nickte und alle widmeten sich erleichtert wieder Essen und Trinken.

Schließlich nutzte Liam die Gesprächspause und wandte sich an Severus.

„Gabrielle hat mir erzählt, dass es hier in Großbritannien eine richtige Zauberergesellschaft gibt, mit Ministerium und allem, ist das wahr?““

„Ja,“ antwortete Severus kurzangebunden.

„Und gibt es hier in der Gegend noch mehr Zauberer?“

„Das entzieht sich meiner Kenntnis, ich habe es vorgezogen, der Zauberergemeinschaft den Rücken zu kehren,“ entgegnete Severus kühl.

„Oh – warum das denn?“ fragte Liam ehrlich erstaunt.

„Liam, das geht dich nichts an!“ fuhr seine Mutter dazwischen.

„Aber du zauberst doch noch?“ fragte Liam weiter.

Severus nickte.

„Warum habt ihr mir nie etwas davon erzählt?“

„Hättest du es denn geglaubt?“ fragte seine Mutter. Und als er mit den Schultern zuckte, fügte sie leise hinzu: „Außerdem war es unwichtig.“

„Genau! Das sagt meine Mutter auch immer. Es ist nicht wichtig, ob jemand eine magische Begabung hat oder nicht, was zählt ist der Mensch,“ rief Gabrielle und gab Liam einen Kuss auf die Wange.

„Nun, da wären wir uns ja einig,“ bemerkte Severus trocken und richtete eine hochgezogene Augenbraue an Janet.

„Habe ich Aussichten auf ein Enkelkind mit magischen Fähigkeiten?“ fragte Janet in die kühle schottische Nachtluft hinein.

„Ich denke schon.“ Severus lachte leise und trat zu ihr. In einer vertrauten Geste lehnte sie sich an ihn und er schlang seine Arme um ihren Oberkörper. So hatte damals alles angefangen, auf den windigen Mauern von Dunure, und immer noch genoss Janet die Geborgenheit seiner Arme, die Sicherheit und Wärme seines Körpers an ihrem Rücken.

„So ganz kann ich’s noch nicht glauben,“ sinnierte Janet weiter. „Bin ich dann mit den Weasleys verwandt?“

„Keine Ahnung, Verwandtschaftsverhältnisse haben mich nie interessiert, aber auf jeden Fall wirst du nicht umhin kommen, Gabrielles Schwager Bill Weasley kennen zu lernen.“

„Kommst du mit?“

„Wohin?“ fragte er unnötigerweise.

„Zur Hochzeit.“

Er zögerte, sie fühlte, wie sich sein Brustkorb hob und senkte.

„Ich habe da nichts verloren.“

„Du bist mein Partner, Liam hätte es bestimmt auch gerne.“

„Was ist mit Liams Vater?“

„Weiß nicht, Australien ist weit. Und wenn, er hat keine Ansprüche mehr auf mich.“

Wieder seine Atemzüge, dazu die Geräusche der Nacht, das Rauschen des Baches.

„Ja.“

Fast hätte sie es überhört. Sie lächelte.

„Ja?“

„Ja.“

Behutsam drehte sie sich in seinen Armen um, reckte sich, versuchte, in der Dunkelheit seine Augen zu erkunden.

„Es ist Zeit,“ sagte er leise, „und – ich bin bereit. Mit dir – durch dich...“

Ende

Herzlichen Dank an J. für das Ausleihen von Personen und Plot



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