Help
Home Just In Communities Forums Beta Readers Dictionary Search
: B s . A A A    : full 3/4 1/2   : E E   : Light Dark Books » Harry Potter » Against great odds

BlackPriestess
Author of 16 Stories

Rated: M - German - Romance/Angst - James P. & Severus S. - Reviews: 4 - Updated: 08-23-08 - Published: 05-24-08 - Complete - id:4275457

DISCLAIMER: Nix uns, alles JKR. Nix Kohle, alles JKR. 'kay? (Gilt für die gesamte Story)

Eine kleine Überraschung für Zwischendurch :D. Dies ist ein noch nicht vollendetes RPG (Roman- und nicht Chatstil, natürlich), das ich mit dem besten Severus ever gespielt habe (Salem-Black-Snape ;)): clever, zickig und sarkastisch – einfach perfekt.

Wir haben in einer privaten LJ-Community gespielt und jetzt lade ich hier lediglich einen Teaser hoch (sprich, den harmloseren Anfang, nur wenige Kapitel). Wer den Rest lesen möchte, ist herzlich eingeladen, dies bei Animexx zu tun – sollte allerdings dort über einen blitzenden, hochglanzpolierten Adultzugang verfügen ;).

„Severus“ und ich, „James“ (war ja klar...) haben ganz spontan gespielt –nichts hiervon ist abgesprochen worden, wir haben uns einfach auf den jeweils anderen und seine Reaktionen komplett eingelassen. Ich habe die Erlaubnis, das RPG nun zu veröffentlichen und habe auch im Nachhinein nichts verändert (abgesehen von der Korrektur diverser Tipp- und Interpunktionsfehler, die nun einmal entstehen können, wenn man direkt in ein Eingabefenster ohne Rechtschreibprogramm hinein schreibt).

James und Severus wünschen dann viel Spaß beim Lesen!


Der erste Tag war immer der anstrengendste. Severus hasste den Beginn eines neuen Schuljahres: Überall liefen kleine Gören herum, ungesittet und undiszipliniert schmatzten sie am Essenstisch, kreischten in den benachbarten Klassenräumen und rannten im Flur in alles und jeden, der noch so unschuldig und unscheinbar an der Wand entlang lief, hinein. Der einzige Fluchtort vor besagten Bestien war der wohl stillste Raum im Schloss, sowie der einzige Platz der Welt, an dem Severus sich einigermaßen Zuhause fühlte; die Bibliothek.

Doch was tun, wenn genau hier ein noch schlimmeres Gör seine Zeit vertreibt?

Mit einem leisen Schnauben schlich Severus die Bücherregale entlang, immer darauf bedacht, nicht bemerkt zu werden, während sich ein zunehmender Bücherstapel in seinen Armen sammelte.

Ein flüchtiger Blick nach hinten, während er die Bücher auslieh, signalisierte ihm, dass ihn sein Erzfeind offensichtlich nicht bemerkt zu haben schien, was Severus ermutigte, die letzten rettenden Schritte zur Tür, mit einem Stapel Bücher auf dem Arm zu rennen und sich einen anderen Platz zu suchen.


Der erste Tag war immer der lustigste. James liebte den Beginn eines neuen Schuljahres. Überall liefen kleine Gören herum, so erfrischend ungesittet und undiszipliniert - das würde später kommen, wenn man sie erst... gedrillt hatte. James selbst dachte noch recht wehmütig an die Zeit vor fünf Jahren zurück. Oh, dem war ja nicht so, dass er seitdem gesitteter und disziplinierter geworden wäre. Er wusste bloß besser zu verbergen, dass er es nicht war.

Trotz dieser fröhlich-lauten Umgebung fing James an, sich zu langweilen. Ja, der erste Tag des sechsten Schuljahres war nicht einmal um, und schon hatte Sirius eine neue Flamme, mit der er sich vergnügen konnte, Remus "unglaublich wichtige Vertrauensschüleraufgaben, von denen ihr eh nichts versteht!" zu erledigen, und Peter... Nachsitzen. Na, wunderbar. Niemand da, mit dem man Spaß haben konnte, niemand in Sicht, den man so zum Zeitvertreib ein wenig ärgern-

Merlin persönlich musste ihm jetzt Schniefelus auf einem Silbertablett serviert haben. James biss sich immer wieder auf die Lippe, um nicht zu lachen... glaubte Mr. Slimy denn tatsächlich, dass er ihn nicht bemerkt hatte? James ließ ihn noch ein wenig weiterglauben, das würde den Spaßfaktor nur erhöhen, wenn Schniefelus nicht erwartete, verhext zu werden.

Er tat weiterhin so, als würde er in sein Buch vertieft sein, aber über seinen Brillenrand hinweg beobachtete er die schmale Gestalt unablässig, welche sich unter dem hohen Bücherstapel taumelnd dem Ausgang näherte.

Wenige lautlose Schritte und ein geschickt ausgestrecktes Bein reichten aus, damit James ein immer wieder befriedigender Anblick zuteil wurde: Severus Snape, flach auf dem Boden liegend. Herrlich. Und sogar ohne Zauberstab zu bewerkstelligen.


Er hätte es wissen müssen. Er hätte es kommen sehen müssen. Wann hatte er es denn jemals geschafft, nicht bemerkt zu werden? Bei Gruppenarbeit im Unterricht, oder bei der Auswahl eines Partners für einen der zahlreichen Bälle hatte der unscheinbare Slytherin großen Erfolg darin, übersehen zu werden. Doch half ihm kein Ducken und Verstecken den Augen des Gryffindor zu entkommen, der es sich auch dieses Jahr wieder auf seine Liste der Freizeitbeschäftigungen gesetzt hatte, ihm überall aufzulauern.

Er hätte es wirklich wissen müssen, nach fünf Jahren Erfahrung, doch er merkte es erst, als er schon mit einem äußerst schmerzhaften Schlag auf den Kiefer auf dem Boden aufkam und die rund sieben Bücher überall zwischen Tür und Beinen des Gryffindors verstreut lagen. Nach ein paar Sekunden des Schmerzes richtete sich der Slytherin schnell auf, den Blick fest auf dem höhnischen Grinsen seines Feindes fixiert.

"Du interluminiertes Exemplar der menschlichen Rasse", zischte der Schwarzhaarige wütend unter den Augen einer gewissen Bibliothekarin Pince, die ihm verrieten, dass der Slytherin mal wieder die alleinige Verantwortung für einen jetzigen Angriff zu tragen hätte. Demnach blieb ihm nichts anderes übrig, als sich erneut auf seine Knie zu begeben und die ausgeliehenen Werke wieder in seine Obhut zu bringen, den Gryffindor dabei stets im Blick.


James blinzelte, und zog seine Unterlippe wieder zwischen die blitzweißen Zähne, um nicht endgültig in Gelächter auszubrechen.

"Ich... was? Damit wolltest du in Nicht-Trollisch ausdrücken, dass...?"

Madam Pince hatte natürlich nicht gehört, was sie sich zugezischt - beziehungsweise zugeflüstert hatten. Sie war natürlich nur in Sorge um ihre kostbaren Bücher, also setzte James ein schauspielerisch sehr gekonntes, unschuldiges Lächeln auf, als ihr Blick ihn kurz streifte... und dann an dem Sündenbock per excellence hängen blieb.
"Was glauben Sie eigentlich, wo Sie hier sind, Mr. Snape?", keifte die ältliche, vertrocknete Frau. "In einem Scherzartikelgeschäft?"

Der Gryffindor schüttelte amüsiert den Kopf, als Schniefelus damit begann, sich murmelnd zu entschuldigen und auf Knien die Bücher aufzusammeln. Jedoch erblickte er das dünne Blutrinnsal, das aus Snapes Mundwinkel lief und der langhaarige Junge hastig wegwischte. Die schmale Unterlippe war anscheinend aufgeplatzt, als er ihn zu Fall gebracht hatte - und Snapes Kinn hatte begonnen, eine sehr interessante bläuliche Färbung anzunehmen.

Und als der Junge aufblickte, große Augen verängstigt und hasserfüllt zugleich auf James gerichtet, regte sich eine seltsame Empfindung in dem Gryffindor: Reue.

Aus einem Impuls heraus ließ er sich ebenfalls zu Boden sinken und begann, Snape unter Pinces strengem Blick beim Einsammeln der Bücher zu helfen. Was daraufhin folgte, hatte er keineswegs beabsichtigt:

"Na bitte, Gryffindors wissen wenigstens, was sich gehört! Das ist aber nett von Ihnen, Mr. Potter, dass sie diesem... diesem Vandalen auch noch helfen!"

James' schlechtes Gewissen erreichte nun astronomische Höhen.


Severus verdrehte die Augen und wollte gerade einen weiteren bissigen Kommentar abgeben, als sich besagte Tiefen erschrocken weiteten, während sein verhasster Mitschüler sich nun ebenfalls auf den Boden bequemte.

Für einen Bruchteil einer Millisekunde hätte der Slytherin tatsächlich geglaubt, er habe so etwas wie Reue im Gesicht des anderen erkennen können, doch auf das rüde Kommentar der Bibliothekarin hin wurde Severus schnell die wahre Intention seines Gegenübers klar.

Ein stechender Schmerz in seinem Unterkiefer erinnerte den Einzelgänger daran, so schnell wie möglich seinen Schlafraum aufzusuchen, um mögliche Indizien auf seine mal wieder sichtbare Unterlegenheit zu zerstören, sprich die Prellung an seinem Kinn zu heilen. Die letzten Bücher von Potter grabschend, richtete er sich - unter der Büchermasse ein wenig schwankend - auf und stürmte zur Tür, die schwarzen Augen sein Umfeld genauestens hinter einem Haarvorhang bewachend.

Als er endlich die Bibliothek hinter sich gelassen hatte, verlangsamte sich sein Schritt wieder. Um die Uhrzeit wimmelte es in den Slytherinräumen wohl nur so von weiteren Quälgeistern, ob kleine Kinder oder Klassenkameraden, in diesem Fall besaßen beide dieser Spezies nicht mehr Intelligenz als ein Hauself, wobei Hauselfen immerhin wussten, wie man Ordnung hält. Geknickt ließ sich Severus erst mal in einer Ecke unter der Turmuhr nieder, verzweifelt darüber nachdenkend, wie er sein Kinn heilen sollte, ohne an seine Vorräte unter seinem Bett zu gelangen und ohne in den Krankenflügel gehen zu können, denn diese Blöße würde er sich nicht geben.


James konnte es nicht fassen. Er, der coolste Gryffindor schlechthin, hatte sich soeben... unabsichtlich bei einem Erwachsenen "eingeschleimt", genau wie es sonst eher Schniefelus' Art wäre. Kaum auszudenken!

Er redete sich ein, dass ihn nur dieser Aspekt an der kleinen, merkwürdigen Szene störte. Jedoch wusste er, tief in seinem Inneren, dass es Bedauern war. Darüber, dass Severus eben das von ihm dachte: James hatte seinen Charme spielen lassen, nur um den Slytherin wieder einmal in einem schlechten Licht dastehen zu lassen - was er eh immer tat, woran es auch immer liegen mochte, denn Snape ließ sich, im Gegensatz zu James, kaum etwas zuschulden kommen.

Ja, der Slytherin war ruhig, introvertiert und fleißig. Dies waren Eigenschaften, die ihn in den Augen seiner Mitschüler als den ultimativen Streber erscheinen ließen, aber... sollten besagte Eigenschaften nicht andererseits genau das sein, was Snape bei den Lehrern beliebt machen sollte? Doch was auch immer der Slytherin tat - er zog den Kürzeren.

Das gab James einen Stich ins Herz - dem Organ, von dem er gar nicht sicher wusste, ob er es überhaupt besaß. Noch immer sah er Sev- äh, Schniefelus' Gesicht vor seinem inneren Auge, von jahrelang gehegter und gepflegter bitterer Enttäuschung gezeichnet. Und jetzt auch noch von den deutlichen, körperlich gut sichtbaren Zeichen seiner Unterlegenheit. Unterlegen - nicht weil unfähig, sondern weil immer allein und ohne Unterstützung. Niemand kümmerte sich um ihn, niemand interessierte sich für ihn, es sei denn, um ihn zu piesacken. Allen voran James Potter.

Der Gryffindor hatte gar nicht bemerkt, wie seine Füße ein Eigenleben entwickelt zu haben schienen. Sie folgten der schmalen, unter der Bücherlast geduckten Gestalt, die über den schlecht passenden Umhang stolperte... und James überraschte sich selbst mit dem seltsamen Wunsch, an Sev- Schniefelus' Seite zu eilen, um ihm besagte Bücher abzunehmen, um sich zu... James blinzelte verwirrt... entschuldigen?

Snape hatte sich nun in einer Ecke neben der Turmuhr verkrochen, die niemand sonst aufsuchte, der einen gewissen gesellschaftlichen Stand hatte. Warum sollte man sich auch zwischen irgendwelchen Büschen verstecken und lesen, wenn man Freunde hatte, um mit ihnen immer neue Abenteuer zu erleben?

Nein, der Slytherin las nicht. Er hatte zwar ein großes, aufgeschlagenes Buch auf den Knien, blickte jedoch verloren in die Ferne, das Profil von der untergehenden Sonne beleuchtet.

James schluckte und zerwuschelte sein Haar, ausnahmsweise eher aus Verzweiflung über diese ungewohnte, unverständliche Sichtweise über seinen alten Schulfeind, als aus Koketterie. Und dann rannte er los, als ein Entschluss jäh Form annahm.

Zum Glück wechselten die Treppen ausnahmsweise nicht ihre Position, als er zum Gryffindorturm hechtete. Im Gemeinschaftsraum stolperte er fast über die Füße eines mit einem hübschen Mädchen knutschenden Sirius, hatte aber keine Zeit, auf dessen von den Küssen verschlucktem "Was'n losss, Kffonnffe?" einzugehen. Im Schlafsaal durchwühlte er seine Sachen und fand endlich das Gesuchte: Eine kleine Phiole hellgrünen Inhalts, von denen er immer eine aufbewahrte, um kleinere Quidditchblessuren zu heilen, ohne sich Pomfreys Tiraden über seine fehlende Vorsicht anhören zu müssen. Ja, sogar Professor Slughorn, Hauslehrer der Slytherins, mochte ihn.

Bitte, lieber Merlin, lass Snape noch da sein. Ich werde auch nie wieder Kommentare über deine fehlende Unterhose ablassen, nur lass ihn da sein, dachte James, als er denselben Weg zurückrannte.

Merlin schien in gnädiger Stimmung zu sein. Snape war da, und sah so dünn und traurig aus wie eh und je. James' Finger umklammerten die Phiole, als er auf ihn zuschlich, ganz vorsichtig, wie um einen kleinen, scheuen Vogel nicht zu verschrecken.


Hoffnungslos seufzte der Slytherin und begann sich zur Ablenkung in den Unterrichtsstoff der nächsten Wochen einzulesen - seine Hausaufgaben hatte er selbstverständlich längst erledigt. Trotz der verhältnismäßig stillen Ecke des Schloßes ertappte sich Severus dabei, wie er nun bereits zum fünften mal ein und denselben Satz las. Entmutigt schüttelte er den Kopf und schloss die Augen.

Seine Gedanken waren bei dem kommenden Schuljahr, bei der Tortur, die ihn erwartete, sowohl von den Lehrern, die mit der Benachteiligung der Slytherins mit bestem Beispiel vorangingen, als auch von den Schülern, die das 'Gelernte' dreimal so heftig umsetzten.

Seine Gedanken waren bei seinen Mitbewohnern, die wohl gerade dabei waren, sein Bett vor die Mädchentoilette zu stationieren,

Seine Gedanken waren bei den sich nähernden Schritten, deren Erzeuger - so hoffte er verzweifelt - ihn doch bitte in Ruhe lassen möge.

Mit einem tiefen Atemzug öffnete er die Augen und blickte auf die Gestalt James Potters, die sich ihm näherte. Bevor er einen weiteren Gedanken fassen konnte, hatte sein Instinkt ihn auf die Beine gerissen, und der Einzelkämpfer stand mit ausgestrecktem Arm und Zauberstab bereit, jeden Moment einen Fluch auf den verhassten Gryffindor zu jagen.


Vorsichtig anschleichen - soviel zu dem Thema. James riss die Augen auf, als er sich am ganz falschen Ende eines Zauberstabes wiederfand. Der Slytherin hatte inzwischen offensichtlich mehr Übung darin, sich nicht mehr so überrumpeln zu lassen.

Doch trotz des Schreckmoments realisierte James ein kleines, doch alles andere als unwichtiges Detail: Snape stand zwar in Duellposition da, auf den Fußballen nervös wippend, die schwarzen Augen verengt - doch er griff nicht zuerst an.

Und dieses Detail fügte sich plötzlich so perfekt in das Gefüge von Erinnerungen an ähnliche Situationen - in denen Snape grundsätzlich erst abgewartet und sich erst dann versucht hatte zu verteidigen, wenn James oder einer seiner Freunde den Anfang machte. Meistens blieb es beim Versuch - da Snape, wie James bereits festgestellt hatte, immer auf sich allein gestellt war, während der Gryffindor-

Diese Gedankengänge hatten keine Zehntelsekunde gedauert. Eine weitere Zehntelsekunde später hatte James seine Entscheidung bereits gefällt - er war nicht jemand, der je lange überlegte.
Langsam hob er die leeren Hände.


Sichtlich bemühte sich de kleinere Junge, seinen drohenden Blick aufrechtzuerhalten. Doch als sein Gegenüber die Arme zur Beschwichtigung erhob, gab das angespannte Gesicht für eine Millisekunde Aufschluss über den Schock des Slytherin, doch schnell erhärteten sich seine Gesichtszüge wieder und die Augenbrauen rückten zurück in die vorherige V-Stellung.

'Es ist ein Trick', hallte es irgendwo in seinem Kopf herum. 'Er will, dass du dich in Sicherheit wähnst, während er bereits einen fiesen Fluch ausheckt'.

"Was willst du?", zischte er aus seiner Ecke heraus.


James hätte es früher einmal wahrscheinlich belustigend gefunden, wie Snape einen winzigen Moment lang alles aus dem Gesicht fiel. Den Anblick bekam man bei dem stoischen Slytherin nicht oft zu sehen. Doch ebenso schnell hatte der langhaarige Junge auch wieder seine Gesichtszüge wieder sortiert, und bemühte sich, bedrohlich auszusehen. Was ihm James' Ansicht nach nicht so recht gelingen wollte - Snape sah eher klein, verwundet und in die Ecke getrieben aus.

Hart schluckend, befeuchtete James seine trocken gewordenen Lippen, fest entschlossen, sich wenigstens jetzt anders zu verhalten, als er es sonst tun würde.

"Ich will dir helfen", sagte er leise, die Hände immer noch oben.

Er fragte sich, ob es ihm gelang, möglichst harmlos auszusehen. So schüchtern und merkwürdig war er sich in Snapes Nähe noch nie vorgekommen... und zur Abwechslung so wenig darauf erpicht, ihn wieder zu demütigen oder zu verletzen.

"Ich habe etwas für dich... in der Tasche meiner Robe." Und dann, als er begann zu erahnen, was sein Gegenüber dachte: "Es ist kein Trick, ehrlich. Äh... diesmal nicht."


Misstrauisch beäugte Severus den sonst so angriffslustigen Jungen. Das dieser sich jetzt plötzlich so seltsam verhielt und er, Severus, immer noch mit beiden Beinen auf dem Boden stand, löste gemischte Gefühle bei dem Slytherin aus; zum einen war es ihm beinahe unmöglich, anzunehmen, dass 'Potter' ihm helfen würde. Er würde sich sicherlich nicht dazu bringen lassen, in Potters Robe zu greifen, um sich dann vor Schmerz auf den Boden zu werfen, da sich irgendein Potter-Spielzeug in seiner Hand festgebissen hatte.

Ein winzig kleiner Teil seines Gehirns, mit dem Severus zuvor noch keine Bekanntschaft gemacht hatte jedoch, schickte undefinierbare Gefühle durch seinen Körper, die ihn dazu brachten, den starren Arm mit seiner Verteidigung etwas zu lockern und seinen Blick mit einer kleinen Spur von Neugier zu der Robentasche des anderen schweifen zu lassen.

"Hol es raus", sprach sein Mund, ehe sein Gehirn es verhindern konnte.


Hatte Snape seine Abwehrhaltung tatsächlich etwas gelockert? Dessen Zauberstab drohte jetzt nicht mehr, James direkt die Augen auszustechen, etwas lockerer lag er zwischen den weißen, langen Fingern, welche der Gryffindor kurz seltsam fasziniert betrachtete, bevor er dieses merkwürdige Gefühl abschüttelte und sehr, sehr vorsichtig in seine Robentasche griff, die andere Hand noch immer in der Luft und den Blick unentwegt auf Snape gerichtet.

Es klirrte kurz, als die Phiole gegen seinen sich ebenfalls in der Tasche befindenden Zauberstab stieß. Na, wunderbar. Hätte es nicht die andere Tasche sein können? James erstarrte. Er hoffte inständig, dass Snape nicht auf dieses leise Geräusch geachtet hatte - um James falsche Absichten zu unterstellen.

Nervös beobachtete er, wie Potters Hand in seine Tasche glitt und dort etwas suchte, als sich sein Verstand zu Wort meldete um seinen Besitzer mitzuteilen, dass er sich in eine Falle hatte locken lassen. Schnell schloss sich seine Hand wieder fest um den Zauberstand, als sein Gegenüber einen Gegenstand aus der Tasche zog und Severus Blick auf die kleine Phiole mit grüner Flüssigkeit fiel. Für einen winzigkleinen Augenblick nahm es der Langhaarige in Betracht, dass sein schlimmster Feind ihm gerade einen Heiltrank anbot, doch allein dieser Gedanke erschien Severus zu lächerlich um wahr zu sein.

"Geh", versuchte er hart und entschlossen herauszubringen und wunderte sich nur einen Moment später selbst über die Enttäuschung, die in dem so kleinem Wort mitklang.


"Geh...?", wiederholte James ungläubig über die Enttäuschung, welche dieses kleine, so hart ausgesprochene Wort in ihm wachrief.

Der Gryffindor war nun ernsthaft verärgert über sich selbst. Wie hatte er auch nur annehmen können, Snape würde seine helfend ausgestreckte Hand annehmen? Das war doch Schniefelus, klein, bösartig, misstrauisch. Dass der Slytherin durchaus Grund hatte, misstrauisch zu sein, verdrängte James fürs erste - als der kleinlaute, von Snapes Schmerz zutiefst berührte James dem üblichen, Snape-hassenden James bereitwillig Platz machte.

"Es ist kein Wunder, dass niemand sich mit dir abgeben will, Schniefelus!", fauchte er - und direkt danach hatte er Snapes Zauberstab dessen Besitzer blitzschnell entrissen (Sucherreflexe waren immer hilfreich), während die andere Hand Snapes Kragen bereits gepackt hatte.

Die Phiole fiel nutzlos ins Gras.


"Ich wusste doch, dass man dir nicht vertrauen kann", zischte Severus während er verzweifelt mit beiden Händen versuchte, den ziemlich festen Griff des Suchers zu lösen. "Du wolltest mich vergiften".

Wieder unterlegen und ohne irgendeinen Schutz war der Slytherin wieder da angelangt, wo ihn die Rumtreiber schon so oft hatten: Völlig in ihrer Gewalt.

Wäre er doch bloß nicht so töricht gewesen, es war doch nun wirklich unlogisch gewesen, für einen Moment nur anzunehmen, dass James Potter für IHN, Schniefelus, einen Heiltrank besorgen würde. Innerlich trat er sich selbst für diese Dummheit, doch am meisten ärgerte sich der Einzelgänger über die Enttäuschung, die er fühlte und die er sich beim besten Willen nicht erklären konnte.

Wütend sah er sein Gegenüber an und beschloss auf dessen Gesichtsausdruck, ihn besser nicht weiter zu reizen, er hatte schließlich schon ein schmerzendes Kinn.


Die Enttäuschung, welche er sich beim besten Willen nicht erklären konnte - es war doch nur Schniefelus, der ihn abgewiesen hatte - peitschte heiß durch James' Venen. Snapes Robenfront fest im Griff, stieß er ihn gegen die Schlossmauer. Es krachte befriedigend. Sie waren hier so isoliert, niemand würde sehen, wie James... wie James was? Sollte er ihn wieder verprügeln, wie damals, als sie jünger waren und seine Flüche noch nicht ausgereift genug waren und er gegen Snapes bissige Kommentare nicht anders ankam? Sollte er ihm Schmerz zufügen, bis Snape nicht mehr nach bissigen Kommentaren war - oder er James' Heiltrank tatsächlich noch bitterer nötig hätte?

Konnte er tatsächlich nicht anders, als seine Überlegenheit immer wieder unter Beweis zu stellen? Es mochte sein Ego eine Zeitlang aufgebaut haben, doch nun fühlte er sich so seltsam machtlos, obwohl er derjenige war, der Snape an eine Wand presste, derjenige, zu dem große, furchterfüllte Augen hochschauten.

Obwohl immer noch wütend auf Snape, legte er plötzlich sehr viel Wert darauf, diesem zu zeigen, dass er sich in ihm irrte - zumindest sich diesmal geirrt hatte. Den zitternden Körper nicht einen Moment loslassend, streckte er einen Fuß aus, bis seine Schuhspitze die grüne Phiole erreichte und bückte sich schnell, um sie aufzuheben. Snape schien wie paralysiert zu sein, er hatte diese kurze Sekunde nicht einmal für einen Fluchtversuch genutzt.

"Offenbar muss man dich zu deinem Glück zwingen...", flüsterte James gespielt sanft, die Phiole entkorkend.


Severus keuchte erschrocken auf, als er gegen die schmutzige Wand gedrückt wurde. Das war es, Potters Augen gaben einen deutlichen Aufschluss darüber, was er vorhatte. Doch dann beobachtete Severus, wie sich der Ausdruck in den Augen des Überlegenen veränderte. Jetzt war ihm erst recht mulmig zumute, denn der Gryffindor hatte einen Ausdruck angenommen, den Severus beim besten Willen nicht zuordnen konnte. Unbewusst drückte sich der Slytherin näher an die Mauer hinter ihm. An Entkommen war nicht zu denken, der Gryffindor hatte ihn doch fest in seiner Gewalt, und hinter ihm drückten bereits Spitze Steine in seinen Rücken.

Ein Wimmern unterdrückend, stand er fest an die Wand gepresst und wollte einfach nur hinter sich bringen, was zu kommen drohte, als sich die Hand seines Peinigers mit der entkorkten Phiole seinem Mund näherte. Panik ergriff ihn. Da konnte alles drin sein; ein dummer Scherz, Gift, Heiltrank... alles außer Heiltrank. Die dünnen Lippen des Slytherin verschwanden nun vollständig in einem dünnen Strich, jeglichen Eintritt für irgendeine fremde Flüssigkeit verwehrend.


Vergeblich bemühte sich James, seinen Gesichtsausdruck so neutral zu halten wie Snape sonst auch - vorausgesetzt, er wurde nicht wie ein verwundetes, kleines Tier in die Enge getrieben. Doch er ahnte, dass er nicht sehr gut im Verbergen war, dass seine Züge ganze Gefühlswelten offenbarten, Wut, Reue, Angewidert-sein (er konnte nicht genau zuordnen, ob von sich selbst oder von Snape) und - oh, Merlin hilf - vage Zärtlichkeit für den sonst so arrogant und nun so verletzlich anmutenden Jungen. Falls Snape Letzteres zu sehen bekam, musste es ihm ja richtig mulmig zumute werden. James war es ebenfalls mulmig zumute.

"Jetzt mach schon auf, Snape!"

Doch der schmale Mund schien mit dem Lippenklebefluch verschlossen worden zu sein. Der Gryffindor seufzte genervt und hielt Snapes Zinken kurzerhand und wie einem ungehorsamen kleinen Kind zu, ihn gleichzeitig erbarmungslos noch enger an die Mauer pressend.

Nun, irgendwann musste Snape auch mal atmen.


Erschüttert weiteten sich die dunklen Augen, als Severus jede Möglichkeit zu atmen verwehrt wurde. Verzweiflung machte sich in ihm breit, als seine Augen langsam wieder zu engen Schlitzen wurden und er verzweifelt versuchte, den Kampf gegen die Tränen zu gewinnen, die sich bereits ankündigten. Nicht schon wieder wollte er solche Schwäche zeigen, es war schon schlimm genug, sich nicht wehren zu können, doch diese Genugtuung würde er Potter nicht geben. Darauf fixiert, hart zu bleiben, kämpfte der junge Slytherin gegen die ansteigende Atemnot an.

Doch bereits nach wenigen Sekunden drohte sein Sichtfeld zu verschwimmen, er gab dem Druck nach Atemluft nach und öffnete zwangsweise den Mund. Wie nicht anders erwartet, nutzte der Gryffindor diesen Moment um ihm einzuflößen, was auch sich in der Phiole befand.

Widerwillig lies Severus zu, wie sich die Flüssigkeit ihren Weg durch seinen Hals bahnte.
Mit fest zusammengekniffenen Augen wartete er, bis die Wirkung einsetzte.


Waren das etwa Tränen? Wie viele Jahre war es eigentlich schon her, dass sie Schniefelus so getauft hatten - dass der Slytherin sich seine Schwäche hatte anmerken lassen?

Augenblicklich ließ James von ihm ab. Er hatte schließlich erreicht, was er wollte, wozu Snape also noch weiter quälen? Schließlich war er ausnahmsweise nicht darauf aus.

Erstaunt stellte er fest, dass er sich sehr ungern von diesem dünnen Leib löste - und eine noch widersinnigere Vorstellung durchkreuzte seine Gedanken: Wie es sich anfühlen mochte, sich in genau dieser Position zu befinden, Snape zwischen sich und der Mauer eingekeilt, mit dem einzigen Unterschied, dass Snape nicht panisch darauf reagierte, sondern... darauf REAGIERTE.

Entschlossen verbat er sich solche Vorstellungen und schob Lilys hübsches Antlitz resolut vor, als er sich von dem leise keuchenden und prustenden Slytherin abwandte und davon marschierte.

... warum hoffte er dann, dass Snape ihm folgen würde, sobald er festgestellt hatte, dass James ihm tatsächlich hatte helfen wollen und er weder vergiftet, noch einem bösen kleinen Attentat mit irgendwelchen Scherzartikeln zum Opfer gefallen war?


Verzweifelt ließ sich Severus wieder in seine Ecke fallen, als sich die Schritte des Gryffindors endlich entfernten. Langsam setzte die Wirkung des Tranks ein und Severus presste den Hinterkopf an die steinerne Wand, auf die völlige Entfaltung der Wirkung wartend, als plötzlich ein sehr bekanntes Gefühl in ihm aufkam. Er kannte den Trank. Er hatte ihn in den Ferien beinahe jeden zweiten Tag genommen. Wie zur Bestätigung stieg das leichte Kribbeln an und der Schmerz in seinem Kinn verschwand allmählich.

Geschockt starrte der Slytherin die gegenüberliegende Wand an. Hatte Potter tatsächlich helfen wollen? Wäre es ein dummer Scherz gewesen, wäre er doch sicher geblieben, um sich lustig zu machen.

Bevor er weiter denken konnte, merkte Severus, dass seine Hände bereits die zahlreichen Bücher in seine Tasche gepackt hatten, diese bereits auf seiner Schulter saß und seine Beine scheinbar das Denken übernommen hatten.

Denn diese trieben ihn mit einer für den Slytherin ungewöhnlichen Geschwindigkeit direkt zurück zu einem gewissen Gryffindor, unter dessen überraschten Blick Severus beim besten Willen keine Erklärung für seinen kleinen Sprint einfallen wollte.


Je weiter dieser Tag fortschritt, desto mehr konnte James sich des Eindrucks nicht erwehren, dass alles anders ablief, als die Routine es normalerweise gestattete.

Wie zum Beispiel Snape. Dieser hätte mit hocherhobener Nase in die andere Richtung marschieren müssen, anstatt James' seltsame und sehr verborgene Hoffnung zu erfüllen. Und nun stand er tatsächlich vor James, mit verlegen gesenktem Kopf, und murmelte irgendwas in seinen nicht existenten Bart. Keine Spur von dem sonst weich wie Seide und schneidend wie ein Stahlschwert sprechenden Slytherin.

Um seine Rührung darüber zu verbergen, wie ihn der sehr verloren von einem Bein auf das andere tretende Junge berührte, wölbte James eine Hand spöttisch um sein Ohr:
"Ob der Trank wohl Nuscheln als Nebenwirkung hatte?"


Erst auf den Kommentar des Gryffindor hin schien sich sein Verstand wieder einzuschalten. 'Ich muss dringend etwas für meine Selbstkontrolle tun', dachte er sich und überlegte, wie er sich aus dieser Situation wieder herausbringen konnte.

Da war er ja wieder, der altbekannte Spott. Doch etwas erschien dem Slytherin anders; er fühlte sich weder verletzt, noch angegriffen von der Bemerkung. Er musste ja aber auch ein tolles Bild abgeben, wie er da stand, die eine Schulter die Last von sieben Büchern ausgleichend hochgezogen, stotternd und wortkarg vor dem Feind, keine Spur seines üblichen Auftretens.

Als auch ein paar weitere klägliche Versuche, einen zusammenhängenden Satz zu bilden scheiterten, tat der über sein verhalten errötende Slytherin einen Schritt zurück, um die Flucht in einen x-beliebigen Korridor zu ergreifen.


Hatte der Gryffindor angenommen, die Routine sei etwas durcheinandergeraten, fühlte er sich jetzt angesichts eines stotternden, errötenden Snape regelrecht verstört. Vielleicht war das der echte Snape. Vielleicht war dieser nicht immer imstande, seinen Schutzpanzer hochzufahren. Vielleicht hatte er, James, ihn dieses Mal wirklich zu brutal behandelt - sogar als er Snape hatte helfen wollen.

Ob Snape sich tatsächlich bedanken wollte? Oder wollte er nur den Zauberstab zurück, den er vorhin nicht ganz freiwillig in James' Besitz gegeben hatte? Ja, das musste es sein. Snape und bedanken, aber sicher.

"... dir nur danken...", vernahm ein plötzlich sehr beschämter James genau in diesem Augenblick einen abgehackten Satzfetzen, bevor der Slytherin zurücktrat. Dessen Körperhaltung verriet die Absicht, jetzt die Flucht anzutreten. Und zwar schnell.

Das wollte James aber ganz sicher nicht zulassen. Er griff nach dem dürren Arm, nur so fest, um Snapes überstürztes Weglaufen zu verhindern, ohne ihm noch einmal wehzutun. Der andere Junge schien nun zur Salzsäule erstarrt, ein fettiger Vorhang aus Haar bedeckte zarte Gesichtszüge, die Snapes Schock nur zu deutlich verrieten - was wiederum James verriet, dass er nie Schnie- Sna- Severus' Vertrauen erringen würde, wenn er dieses Verhaltensmuster nicht durchbrach, nicht etwas tat, das der andere Junge noch weniger erwartete als einen Heiltrank:

Mit der freien Hand strich er lange Haarsträhnen hinter Sna- äh, Severus' Ohr, was dessen Augen noch größer werden ließ, und pflanzte einen Kuss auf die Spitze der großen, durch James' gnadenloses Zudrücken sehr geröteten Nase.


Return to Top