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A/N: Hey! Nach längerer, urlaubs- und stressbedingter Pause, hier das letzte Kapitel von "Against great odds". Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß mit der Story wie TheSeverusCase und meine Wenigkeit ;).
Wir sehen uns sehr bald wieder bei "Der perfekte Kuss" (sprich: morgen ) +allgemeines aufstöhnen, in dem es hauptsächlich darum geht, dass man blackpriestess eigentlich nicht unbedingt wiedersehen will und morgen schon gar nicht geflissentlich ignoriert+ :D
PS Dieses Kapitel ist die direkte Fortsetzung des vorgehenden, also ist man hier wohl im Bilde und ich muss keine Zusammenfassung liefern . Vielen Dank an alle Leser - und an diejenigen, die sich extra wegen dieser Story einen Adultzugang auf Animexx verschafft haben. Wir freuen uns so sehr, dass unsere Zusammenarbeit so gut angekommen ist. Also... danke und viel Spaß mit dem Abschlusskapitel!
Severus' Herz schlug mit jedem Wort des Siebtklässlers schneller. Als er am Morgen die Einladung erhalten hatte, war er sich beinahe sicher gewesen, dass es sich um einen Streich, um eine Falle handeln musste. Dennoch hatte ihn die neugewonnene Hoffnung, die seit kurzer Zeit durch ihn strömte, hierher getragen und zwang ihn nun, gebannt den Worten der Älteren zu lauschen, die sich lässig auf einigen Tischen niedergelassen hatten. Er selbst und einige andere Gleichaltrige aus seinem Haus waren im Schneidersitz auf dem Boden platziert.
Wenige Minuten später war es dann auch schon wieder vorbei, und er wurde mit einem Haufen Hausgenossen von den Organisatoren des Treffens aus dem Raum gescheucht. Keiner sprach auch nur ein Wort, und ihre Wege trennten sich auf der Stelle, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.
Severus starrte nachdenklich auf den Steinboden, als seine müden Beine ihn den Korridor entlang trugen. Vor wenigen Tagen noch war er ein niemand gewesen, der herumgeschubst und zertreten wurde. Und plötzlich sollte sich alles ändern - es hatte sich ja schon einiges geändert. Nicht nur hatte sich einer seiner schlimmsten Feinde zu seinem Geliebten gewandelt, jetzt hielt Severus es auch noch in seinen Händen, sich entgültig Akzeptanz zu verschaffen, der Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Severus beobachtete eine ganze Weile abwesend, wie die Steinplatten unter seinen Füßen vorbeiglitten, versuchte auszumachen, woher dieses seltsame Gefühl kam, dass sich in ihm breit machte. Die Turmuhr läutete erneut und Severus beschloss, die Gedanken auf morgen zu verschieben und sich etwas Schlaf zu...
Verwundert blickte er auf, da seine Beine aufhörten, ihn zu tragen und er sich sitzend auf dem Boden wiederfand, eine Hand sich einer sich anbahnenden Beule nähernd, die Augen erschrocken auf nichts als Leere gerichtet.
James blieb jäh stehen. Das hatte er wirklich nicht gewollt, als er Severus einen wütenden Stoß verpasst hatte. Er hatte wirklich nicht gewollt, dass der andere Junge mit dem Kopf gegen die Wand stieß, aber er hatte seine Kraft einfach nicht richtig dosiert, vergessen, wie zart und zerbrechlich Severus eigentlich war...
Doch sein Zorn brodelte immer noch in ihm, während er beschloss, Farbe zu bekennen und der Umhang nun abermals über seinem Arm lag.
"Wo warst du?", zischte er kalt und wartete auf die Lüge, obwohl er auf die Wahrheit hoffte.
Der Schreck wich von seinem Gesicht, als James plötzlich vor ihm stand. Erleichtert stieß er den angehaltenen Atem aus und brachte sich dann schwankend selbst wieder auf die Beine.
Sein Blick wanderte fragend zu dem glänzenden Stück Stoff, das ihm ein optimales Ablenkungsmanöver erlaubte. "Ist das etwa...?" murmelte er zunächst für sich, als sich seine Augen dann realisierend weiteten.
Je größer Severus' dunkle Augen wurden, desto mehr verengten sich James' eigene.
"Beantworten Slytherins grundsätzlich eine Frage mit einer anderen Frage, oder sagt man das nur so?", fragte der Gryffindor feindselig.
Kopfschüttelnd betrachtete er seinen... Geliebten? Nie lief etwas so, wie es sollte. Zumindest seitdem er Severus so nahe gekommen war; hatte er ihm nicht schon am Abend zuvor von dem Umhang erzählen wollen? Und nun geschah dieser Vertrauensbeweis unter solchen Umständen...
"Ich wiederhole mich nur ungern: Wo. Warst. Du?"
Es fiel James dermaßen schwer, so mit Severus zu reden... Severus, dem er am liebsten vorsichtig aufgeholfen hätte, den er am liebsten atemlos geküsst hätte... der sein Herz wieder einmal, verwünschenswerterweise, zum Schmelzen brachte - weil die Angst auf dem zart gemeißelten Gesicht Erleichterung gewichen war, als der Slytherin James erblickt hatte...
Severus zuckte ungewollt etwas bei dem forschen Ton, den der Gryffindor neulich verwendete. Die Tatsache, dass sein Kopf von dem Sturz peinvoll pochte und seine Augen vor Müdigkeit drohten zuzufallen, brachte ihn beinahe dazu, sich mit einem wütenden "Was geht dich das an" zu wehren. In letzter Sekunde schloss er den Mund allerdings wieder, als er auf den erbosten, doch zugleich enttäuschten Gesichtsausdruck seines Geliebten blickte. "Hausinterne Versammlung", murmelte er letztendlich ergeben.
James wirbelte herum und schon klebte Severus förmlich an der Wand, während James' Hände ihn an den Schultern genau dort hielten.
"Oh, das habe ich allerdings gesehen", wisperte er zornig und betrübt. Wie Slytherin von Severus, ihn zu belügen, ohne ihn zu belügen. "Hausintern, oh ja, in einem verlassenen Klassenzimmer! Malfoy, Bulstrode, Mulciber, Goyle, Parkinson... soll ich die Liste fortsetzen? Die Liste derer, die sich diesem Wahnsinnigen anschließen wollen?"
Sein Griff wurde noch fester.
"Danke für dein Vertrauen, Severus Snape."
Erschrocken stieß er ein weiteres Mal mit dem Kopf an der Steinwand an und zischte wütend, als der Schmerz in durchfuhr. Doch dieser kam nicht nur von der Beule, die sich an seinem Kopf ankündigte. Nein, es tat weh, wie James mit ihm umging, es stach gnadenlos in seine Brust.
"Es sind meine Freunde", brachte er mit zusammengebissenen Zähnen hervor. "Ich akzeptiere doch auch deine dreckigen Mitbewohner, obwohl sie mich angreifen!" Das war wohl nicht gerade das Beste gewesen, was er hätte sagen können, bemerkte er mit einem Blick in die Augen seines Gegenübers.
James sah nur noch rot. Abrupt ließ er von Severus ab und verschränkte die Hände ganz fest ineinander, um seiner Wut nicht auch tatsächlich freien Lauf zu lassen, was er später sicherlich bereut hätte.
"Freunde?!", schrie er Severus an, ohne sich darum zu kümmern, ob irgendein Vertrauensschüler sie hören könnte. "Schöne Freunde sind das, da brauchst du uns, deine 'dreckigen' Feinde schon gar nicht mehr, wenn du DIE als Freunde hast!"
Der Gryffindor wich an die gegenüberliegende Wand zurück, sich die brennenden Augen am Robenärmel abwischend, sich weigernd, schon wieder auch nur die kleinste Träne zu vergießen.
"Ja...", sagte er bitter. "Wunderbare Freunde. Wer hat dir geholfen, damals vor den Sommerferien? Hm? Wir haben dich vor der ganzen Schule gedemütigt und deine FREUNDE standen in einiger Entfernung und haben nur zugesehen! Manche sogar noch gegrinst! Wie naiv bist du eigentlich, Severus? Wenn die dich in ihrer ach so illustren Gruppe rassistischer Sektanten dabeihaben wollen, liegt es an deinen überragenden Fähigkeiten, keineswegs an dir selbst!"
Hoffnungslos rutschte er an der Wand hinunter und verbarg letztendlich das Gesicht in den Händen, um den erstarrt dastehenden Slytherin nicht mehr sehen zu müssen.
"Ich bin hier derjenige, der dich will, nur dich... aber du stehst ganz anders dazu, wie es scheint..."
Severus sah betäubt zu dem verletzten Löwen, der in einer so verzweifelten Position an der Wand lehnte.
Es dauerte einige lange Sekunden, bevor er reagieren konnte.
Mit einem dumpfen Geräusch, von äußerster Pein begleitet, ließ er sich auf die Knie fallen und unterdrückte das erbärmliche Bedürfnis, den Schmerz in seinen Kniescheiben zu bewimmern. Seine blassen Hände fuhren aus um die des Gryffindor zu umschließen, bevor der Slytherin endlich den Mut aufbrachte, sich auszusprechen.
"Zunächst einmal: Es tut mir Leid. Ich will dich auch, so sehr", Severus hielt kurz inne um auf eine Reaktion zu warten, die allerdings nicht kam. Der andere musste sich wohl ziemlich beherrschen, um seine Wut unter Kontrolle zu bekommen, wohl glaubte er ihm kein Wort. Etwas unsicherer fuhr Severus fort.
"Du hast wahrscheinlich Recht. Ich bedeute ihnen gar nichts und sie haben die..." Severus stockte kurz. "Die Show damals sicherlich genossen. Das habt ihr allerdings auch." Sein Mund verzog sich gequält. Mit Vorwürfen kam er hier ganz sicher nicht weiter. "Versteh mich doch, ich will bloß, dass sie mich akzeptieren, dass sie sich nicht mehr durch meine Existenz gestört fühlen..." Mit angehaltenem Atem wartete er auf eine Erwiderung.
Es waren einige Momente nötig, bis die Kernaussage endlich eingesunken war. Verblüfft hob James den Blick.
"Du machst lieber bei diesen suspekten Dingen mit, als dass... oh Merlin! So viel zu 'wir hatten nur einen Streit'! Ich hatte recht... sie machen dir das Leben genauso zur Hölle, wie ich es getan habe... und du willst nur, dass es aufhört... oder?"
Der Gryffindor gab endlich den Versuch auf, Severus seine Hände entziehen zu wollen. Nicht nur, dass der Slytherin sie erstaunlich hartnäckig festhielt, nein, er wollte diesen Kontakt nun doch nicht missen. Noch nie hatte er diesen Jungen mehr bedauert als jetzt. „Durch seine Existenz gestört fühlen“... James schluckte hart.
"Der Unterschied ist, mir tut es Leid, was ich getan habe und ich habe dich um Vergebung gebeten... dass denen was Leid tut, darauf kannst du lange warten..."
James’ Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Er hatte mit aller Gewalt dazugehören wollen, hatte es genossen, als man ihn zu dem geheimen Treffen einlud, als er von einigen der Älteren gefragt wurde, ob er kommen würde, als er sich akzeptiert und gleichberechtigt gefühlt hatte, so sehr, dass er daran fast erblindet wäre. Denn er war eindeutig im falschen Haus, hatte weder Blut, noch Einstellung der Slytherins, und würde somit niemals einer von ihnen sein.
"Umarme mich, bitte", flüsterte er mit zittriger Stimme, die Tränen wegzwingend. Solange er seinen Geliebten, solange er James hatte, konnte er damit fertig werden.
Severus Snape war ein Phänomen. Ja, er gehörte eindeutig nach Slytherin, hinterlistig und zurückhaltend wie er war. Jedoch war er auch lernwillig wie ein Ravenclaw und stur wie ein Gryffindor.
Und genau jetzt hilflos wie ein kleiner Hufflepuff, der sich in den unendlichen Korridoren Hogwarts’ verlaufen hatte, wenn er so scheu nach ein wenig Zuneigung fragte. James ließ sich da nicht lange bitten, den schmalen Körper in seine Arme zu ziehen und Severus hin und herzuwiegen wie ein kleines Kind, ihm über das Haar und die hervorstehende Beule am Hinterkopf streichelnd.
James mochte sich nicht durch besonderes Feingefühl auszeichnen, doch er wusste nur zu genau, dass Severus einen großen Fehler beging. Er, James, durfte nicht zulassen, dass man seinen Geliebten in die Dunkelheit zog. Man raunte es sich höchstens diskret zu, was gewisse Slytherins planten, wem sie sich anschließen wollten... sie waren nichts als Fanatiker und diese Tatsache war äußerst beunruhigend.
"Ich liebe dich... wir beide gehören zusammen, das weißt du doch, oder?"
Severus nickte stumm in die Schulter hinein, an der er sein Gesicht vergraben hatte. Alle Versuche, die aufkommenden Tränen wegzublinzeln, scheiterten. Severus beschloss letztendlich, dass die Abgespanntheit eindeutig schuld daran war, dass sein Verstand schon wieder den unbändigen Gefühlen gewichen war.
Immer häufiger ertappte er sich dabei, wie seine Augen zugefallen waren. Bloß wenige Sekunden später lockerte sich der fordernde Griff um den Nacken seines Geliebten, die Geborgenheit und Wärme, die James ihm gab, hatte ihn in dessen Armen einschlafen lassen.
"Sev...?", flüsterte James in die Dunkelheit hinein. Fabelhaft, schwieg er ihn schon wieder an...
Dann stutzte der Gryffindor, als er die regelmäßigen Atemzüge vernahm. Severus war doch nicht etwa... er war. Eine Welle von Zärtlichkeit überrollte James, als er Severus' blasses Gesicht mit Küssen übersäte, auch wenn dieser sie wohl nicht spüren würde.
Fast hätte James seiner eigenen Müdigkeit nachgegeben, doch er rappelte sich mühsam auf, seine kostbare Last noch immer in seinen Armen.
"Ach, Severus... hätten wir uns sparen können, wärst du nur dageblieben...", seufzte James, während er den langen Weg zum Gryffindorturm und zu einer bequemeren Schlafstätte in Angriff nahm.
Endlich angekommen schickte er ein Stoßgebet zu jedem noch so toten Zauberer, auf dass man ihn erhören möge und alle noch schliefen. Leises Atmen und Peters Schnarchen begrüßten ihn. Merlin sei Dank.
Vorsichtig befreite er seinen Geliebten von Kleidung und Schuhen, bevor er es ihm gleichtat und sich schließlich gestattete wegzudriften, die Arme vorsichtshalber noch sehr fest um Severus' dünne Form gelegt.
Severus blinzelte verwirrt, als ein warmer Sonnenstrahl, der durch den roten Bettvorhang schien, ihn weckte. Sein Blick fiel auf den nackten Oberkörper, den er im Schlaf zum Kopfkissen umfunktioniert hatte und ihn nun dazu brachte, seine Gesichtszüge ungewohnt zu entspannen.
Die Ereignisse von voriger Nacht wollte er nur zu gerne aus seinem Gedächtnis verbannen. Er konnte sich glücklich schätzen, dass ihn sein Geliebter überhaupt zurückgenommen hatte. Dankbar streichelte seine Hand über die entspannten Gesichtszüge des anderen, ein schmaler Finger strich über den geschwungenen Mund, bevor dieser dann von den dünnen Lippen des Slytherin bedeckt wurde.
Noch nie war er am Morgen so gut gelaunt gewesen. Im Rückblick hieß der Morgen bloß, dass ein weiterer qualvoller Tag angebrochen war, und Sonne, dass alle anderen, nur er nicht, übertrieben gut gelaunt waren. Doch nun schmunzelte er der Sonne sieghaft entgegen.
James murmelte etwas im Halbschlaf - nur um festzustellen, dass die Laute von etwas Weichem verschluckt wurden. Als er die Ursache dafür herausgefunden hatte, verwandelte sich das Murmeln in ein zufriedenes, leises Stöhnen gegen die Lippen seines Geliebten. Sein Severus, der ihm letzte Nacht bewiesen hatte, wie viel er ihm bedeutete.
Der Gryffindor war am Morgen normalerweise sehr gut gelaunt - erst recht, wenn die Sonne ihn wach kitzelte. Doch nun war er mehr als gut gelaunt, er war einfach glücklich.
"Mmmh, so will ich immer geweckt werden", flüsterte er, bevor er Severus zu einem erneuten Kuss an sich zog.
Nur ein winziger Schatten legte sich auf seine helle Freude; keinen Moment lang hatte er überlegt, was Severus für ihn aufgab: das Letzte an Ansehen, was ihm in seinem eigenen Haus noch geblieben war. Wie würden die anderen Slytherins reagieren, wenn Severus weitere obskure Treffen ablehnte? Sollte James das überhaupt von dem anderen Jungen verlangen? Wie würde es Severus in den Slytherinräumen ergehen, nun, da alle von ihrer Beziehung wussten, wenn er dort allein war? James hatte vor, die Nächte immer mit Severus zu verbringen, aber irgendwann würde dieser sich dennoch seinen Hausgenossen allein gegenüber sehen - und Severus’ zerbrochener Zauberstab sprach Bände. Die schreckten vor nichts zurück. James würde ihn ständig beschützen müssen, soviel stand fest.
Er schüttelte den Kopf, um die unangenehmen Gedanken zu verscheuchen und linste durch die Bettvorhänge auf die benachbarten Betten, deren Vorhänge noch immer geschlossen waren und dann auf die Uhr. Typisch, der kleine Frühaufsteher hatte ihn ebenfalls in aller Merlinsfrühe geweckt. Was aber auch gewisse Vorteile mit sich brachte:
"Komm, lass uns zusammen duschen gehen", schlug James vor, während allein die Vorstellung ein schmutziges kleines Lächeln auf sein Gesicht zauberte.
Severus blickte erschrocken aus dem Kuss auf, um mit einem leichten Erröten festzustellen, dass er seinen bis eben noch schlafenden Geliebten geweckt hatte. Ein vages Lächeln jedoch musste James als Entschuldigung reichen, denn zu viel mehr hatte der Slytherin nicht mehr Zeit, bevor seine eigenen Lippen wieder auf leidenschaftlichste Weise bezwungen wurden.
In solchen für ihn neu errungenen Momenten bemerkte Severus nicht einmal, wie die alltäglichen Sorgen, die ihn so spät und zugleich so früh wie möglich in den Tag hinein zwangen, sich schlaftrunken in einer Ecke seines Hinterkopfes absetzten und ihm ausnahmsweise die Führung überließen. Was der ironischerweise unter ihm liegende James allerdings wohl nicht vorhatte, als er Severus’ Zunge souverän durch ihrer beider Münder leitete.
Nach einer Weile jedoch hatte er sich von ihm gelöst, und Severus beobachtete, mit dem Kinn auf James' Brust abgestützt, wie sich ein besorgter Blick (der Slytherin machte sich innerlich eine Notiz, den Blick nicht ungesehen zu lassen) in nur kurzer, gryffindortypischer Art zu einem schelmischen Grinsen formte.
Severus' Mundwinkel zuckten verdächtig, als er mit einem (wie immer) gut versteckten Lächeln von James herabrutschte.
Obwohl James genau wusste, dass er gleich viel mehr von diesem wundervoll weichen Körper zu spüren bekommen würde, vermisste er die Berührung von der ersten Sekunde an. Severus hatte sich aus seiner (ausnahmsweise, dachte James grinsend) oberen Position zurück auf die zerwühlten Laken gerollt und blickte ihn erwartungsvoll und verborgen lächelnd an. Dieses Lächeln, welches James vorhatte, erheblich in die Breite wachsen zu lassen.
Ohne sich um seine Nacktheit zu kümmern, schwang er seine Beine über den Bettrand und wühlte in seinem Schrank nach Bademänteln - was besagten Schrank nicht unbedingt ordentlicher aussehen ließ. Letztendlich fand er das Gesuchte und schlüpfte in dunkle Seide, während er den zweiten Bademantel fürsorglich um Severus' Schultern legte und den Jungen dann auf leisen Sohlen Richtung Dusche zog.
Severus versuchte, einen einigermaßen gefassten Gesichtsausdruck aufrecht zu erhalten, als die so weiche Seide seine Schultern berührten. Das wahrhaft göttliches Gefühl, und wohl auch ein wenig die warmen Sonnestrahlen, die den Raum in goldrotem Licht schimmern und die so grau geprägten Augen des Slytherins ein wenig erstrahlen ließen. Schnell war der kurze Weg zum Bad - Hand in Hand - bestritten. Severus löste sich aus der Umarmung, die zugleich entstanden war und warf einen vielsagenden, besorgten Blick zur Tür. Obwohl es noch relativ früh war, bestand die Gefahr, dass einer von James' heiteren Genossen überstürmt hereinplatzen könnte, und sie hatten wirklich schon genug gesehen, fand Severus.
Bei näherer Überlegung hatten alle - die Rumtreiber inklusive - doch etwas zu viel von ihnen beiden gesehen, in eindeutigen Situationen. Und James hatte vor, diese Situation ebenfalls sehr eindeutig werden zu lassen. Er griff in die Tasche des Bademantels, mehr aus eingeübtem Reflex heraus und fand leider nichts vor.
"Äh, Severus? Würdest du bitte?", fragte James unsicher. Keinen Zauberstab zu haben fühlte sich sehr ungewohnt an, als ob er plötzlich ohne eine Extremität auskommen müsste. "Und falls was sein sollte, beschützt zu mich?", fügte er noch lächelnd hinzu, obwohl er es eigentlich ernst meinte. Sein Geliebter war ein fabelhafter Zauberer, das wusste James. Wenn er nur lernen würde, gegen mehrere Gegner gleichzeitig anzukommen, wäre er einfach perfekt, überlegte der Gryffindor beschämt, als er sich an frühere, gemeinsame Angriffe gegen den anderen Jungen erinnerte.
Die Lippen an Severus' schlankem Hals, löste James das Band und streifte ihm den Bademantel ab, um sich an der so unglaublich weißen Haut satt zu sehen.
Natürlich kam Severus James' Wunsch sofort nach und zog das dunkle Stück Holz aus seiner Tasche. Er konnte es sich jedoch nicht nehmen lassen, auf die nachfolgende Frage eine Augenbraue hochzuziehen, ein spöttisches Zischen entwich seinen Lippen.
"Wenn du besonderen Wert darauf legst, mit einem willkürlichen Körperteil dreifacher Größe durch die Schule zu spazieren, dann verlass dich getrost auf meine Talente als Beschützer.“
Doch der Gryffindor hatte eine eher... physische Antwort auf seine Spöttelei. Mit einem Klacken landete der Zauberstab auf dem kalten Boden, als Severus' Hände eine andere Beschäftigung fanden und teuren Stoff hastig von den gebräunten Schultern des Besitzers lösten.
Mit einem Keuchen verfingen sich seine Hände in dem ungebändigten Haar des anderen.
"Hör bloß nicht auf".
Genau das mochte James ganz besonders an seiner neuentdeckten Liebe... Severus, der ihn so schnell dazu gebracht hatte, Hass und Hohn durch Hingabe und Zuneigung zu ersetzen: Der Slytherin reagierte so bereitwillig und mehr als heftig auf jede Zärtlichkeit. Kein "nein", kein "nicht anfassen" hatte je diese so süßen Lippen verlassen. So ein Verhalten war James ganz neu, das hatte er sonst bei niemandem erfahren dürfen.
Und fast schon unangebracht war dieses Vergnügen, den James daraus zog, wenn er Severus' Sarkasmus so schnell verschwinden lassen konnte (und er war sich trotz allem todsicher, dass der andere Junge ihn wie ein Löwe verteidigen würde). Nun gut, Severus ließ James' Sinn auch längst nicht mehr nach Sarkasmus stehen.
"Aufhören? Niemals...", versicherte er dem anderen Jungen, bevor seine Lippen nunmehr damit beschäftigt waren, an einer kleinen Brustwarze zu saugen.
Die Hände und Zunge überall, ohne einen Augenblick in den Liebkosungen innezuhalten, schob er Severus etwas weiter, bis sie eine der offenstehenden Duschen erreicht hatten. Wohlig warmes Wasser perlte nun auf ihre umschlungenen Körper, bevor James begann, den schmalen Körper seines Gegenübers zärtlich einzuseifen. Seine Finger fuhren über dessen glatte Brust, während die andere Hand sich bereits mit weniger unschuldigen Stellen beschäftigte.
James erinnerte sich nur zu gut daran, wie selbstlos Severus sich ihm am Abend zuvor hatte hingeben wollen, trotz der eigenen Pein und nahm sich vor, genauso selbstlos vorzugehen.
Mit einem letzten, anbetenden Blick in das schmale Gesicht seines Geliebten fiel er auf die Knie.
Severus hätte sich an so viele, widersprüchliche Emotionen, die erbarmungslos auf ihn einstürmten, in der kurzen Zeit mit James eigentlich bereits gewöhnen sollen. Leider war das nicht der Fall... oder glücklicherweise?
Ja, er mochte eine hintergründige Angst empfinden - doch dieses Mal wurde sie von Glück überlagert, während ihre Schritte von den hohen Mauern Hogwarts’ widerhallten. Er hatte sich nie vorstellen können, dass ein Zusammensein mit James noch schöner werden könnte. Er konnte noch immer nicht ganz wahrhaben, was der Gryffindor mit ihm getan hatte... besser gesagt, was er Severus hatte tun lassen, wie ungewohnt ergeben und anschmiegsam sich James gezeigt hatte. Wie er Severus bewiesen hatte, dass er ihn bedingungslos liebte, wie er es ihm, auf seine direkte Art und Weise, immer wieder so leidenschaftlich beteuert hatte...
Oder dass James der ganzen Welt zeigen wollte, dass er zu Severus stand.
Severus Snapes Leben meinte es dieses Mal wirklich gut mit ihm. Er hegte keinerlei Zweifel mehr an seinem unglaublichen Glück - sonst hätte es schon an Blasphemie gegrenzt. Zwar wusste er nicht, womit er es verdient hatte, aber sein Glück sollte man nicht in Frage stellen.
Der schmächtige Junge straffte die Schultern und nahm eine selbstbewusste Haltung an. Die Angst war ungerechtfertigt; James war hier, bei ihm, und das war alles, was zählte. Wenn andere sich nicht mit der neuen Situation abfinden wollten - zur Hölle mit ihnen. Severus hatte nämlich nicht mehr vor, sein Leben den Vorstellungen anderer anzupassen, wie es verlaufen sollte oder wie man Liebe definierte. James hatte ihn das gelehrt und Severus lernte schnell.
James’ Hand ruhte auf der großen, bronzenen Klinke. Nur eine Tür aus dunklem, altergegerbten Holz trennte sie beide von einer ganz neuen Episode ihres Lebens. Wenn sie gemeinsam, Hand in Hand, durch die Tür der Großen Halle treten würden, wäre nichts mehr so wie früher. Es würde kein Zurück mehr geben. Keine Möglichkeit, irgendjemandem weismachen zu wollen, die recht pikanten Fotos seien nur ein Streich, eine Fälschung, ein Unfall, dass er Severus eigentlich nicht wollte... dass er ihn nicht aus ganzem Herzen liebte.
Er würde diesen Schritt mehr als bereitwillig gehen. Und zu seiner Freude bemerkte er, wie Severus’ Körperhaltung sich seiner eigenen anpasste: hochgerecktes Kinn, gerader Rücken. Also schien James ein wenig auf ihn abgefärbt zu sein, erfreulicherweise; ihn schien die Meinung anderer auch nicht mehr sonderlich zu interessieren.
„Bereit?“, flüsterte James zärtlich.
Seine Finger verschränkten sich mit Severus’, während seine andere Hand die Klinke fester umfasste.
Severus atmete tief ein und erwiderte den sanften Druck. Tiefe, haselnussbraune Augen unterbrachen nicht einen Moment lang den Blickkontakt, während sein Geliebter die Antwort geduldig abwartete.
Kannte James seine Antwort nicht schon längst? Sie lautete: „Ja, ich bin bereit, und ich liebe dich so sehr, so sehr dass ich für dich sogar ‚ordentlich frühstücken’ werde, und es mich nicht im Geringsten interessieren wird, wie wir dabei angeglotzt werden und habe ich schon erwähnt, dass ich dich liebe?“
Severus wäre jedoch nicht Severus, hätte er durch solch ein sinnloses Geplapper seine jahrelang antrainierte Zurückhaltung dermaßen unwiederbringlich aufgegeben. So begnügte er sich mit einem Lächeln - viel breiter als gewohnt - und mit einem einfachen:
„Bereit.“
Die großen Flügeltüren schwangen mit einem endgültigen Quietschen auf.
° THE END °