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textehexe
Author of 21 Stories

Rated: M - German - Romance/Adventure - & Remus L. - Reviews: 103 - Updated: 04-12-09 - Published: 11-29-08 - id:4684198

Geneigte Leserschaft,

wer hätte gedacht, dass diese Fanfiction, die als Weihnachtsgeschichte geplant war, einmal das Licht von Ostern erblicken würde.

Na ja, okay, jeder hätte es gedacht, der bisher ein paar Textehexen-Fictions verfolgt hat. Nur die Textehexe selbst mal wieder nicht.

Aber wie Ihr seht, tüftele ich unverdrossen, wenn auch zeitlich eingeschränkt, an diesem verzwickten Plot. Mit diesem Kapitel haben wir den Knoten glücklich entwirrt. Von jetzt an gibt es nur noch „Action“. Danke an alle, die bis hierher mitgedacht haben :o)

Es mag aufgefallen sein, dass ich keine Reviews beantwortet habe. Das tut mir Leid, denn ich habe mich wirklich gefreut... dieses Versäumnis hat aber den gleichen Grund, aus dem ich in letzter Zeit ein paar Termine einfach vergessen habe. Stress, oder, wie die Oberfranken sagen: Schdress.

Nachdem ich aber jetzt eine zweite Schulferienwoche vor mir habe, in der ich auch nur 28 Aufsätze korrigieren und möglichst meinen Unterricht bis 2012 vorbereiten sollte, also alles ganz harmonisch, stehen die Chancen diesmal ganz gut, ein schriftliches Dankeschön von mir zu erhalten. Ich hab ja auch immer so ein schlechtes Gewissen, wenn ich's nicht mache.

Starten wir also pünktlich zu den Osterfeiertagen in ein neues Kapitel. Viel Spaß dabei.

Falls Ihr's noch nicht getan habt: Stattet doch mal meiner Webseite einen Besuch ab, wehwehweh-spielmannslied-de, und lernt den Spielmann kennen. Er hat noch Termine frei.

oooOOOooo

Elf: Du bist ich bin du

Der Tränkemeister hat Kopfschmerzen.

Nicht dass James sich üblicherweise einen Deut darum scheren würde, was hinter der Stirn von Severus Snape vor sich geht, sei er nun fünfzehn oder fünfundzwanzig. In dieser skurrilen, undurchsichtigen Situation allerdings hat die tränkemeisterliche Misslaune beinahe etwas Bedrohliches.

Gestern Abend hat es sich noch beinahe angefühlt wie Abenteuerurlaub. Sirius und James haben sich einschärfen lassen, keinesfalls vor die Tür zu gehen, während die Erwachsenen unterwegs waren, großes Marauder-Ehrenwort. Und weil ein Marauder-Ehrenwort keinesfalls gebrochen werden darf, haben sie das Klofenster benutzt, um auf die Straße zu kommen. Nicht dass sie auf ihrem Kurztrip das Interessanteste von Los Angeles gesehen hätten, aber einen Weihnachtsabend mit Softeis unter Palmen zu verbringen, war immerhin mal eine Abwechslung. Auf dem Rückweg sind sie dann noch in eine kleine Gartenparty einer WG weiter oben in der Straße geraten – eine Schwulen-WG, wenn James jemals eine gesehen hat.

James findet, dass der harte Schulalltag ihn überraschend gut auf das wirkliche Leben vorbereitet. Sein ganzes Improvisationstalent war gefragt, als Sirius sofort als „kleiner Bruder“ eines gewissen Gabriel erkannt wurde. Der beste Freund des kleinen Bruders eines Typen zu sein, von dem man nie etwas gehört hat, gelingt nur durch hartes Training an Sparringpartnern wie Professor McGonagall.

Es gelang James gerade noch rechtzeitig, Sirius rechtzeitig durchs Klofenster wieder ins Haus zu kriegen, und es ist nur der natürlichen Zerstreutheit des Doc zu verdanken, dass er nicht nachfragte, warum die beiden Jungs gemeinsam aus dem Klo kamen.

Die Urlaubsstimmung war spätestens verflogen, als Sirius in Doc Browns Wohnzimmer erst einen Wutanfall und dann einen Heulkrampf bekam, weil Doc Brown Remus nicht wieder mitgebracht hatte. James fragt sich manchmal, wie er nur so eng mit jemandem befreundet sein kann, der so uncool ist. Zumindest hat Sirius ihn erfolgreich von seinen eigenen Problemen abgelenkt.

Jetzt ist es Severus Snape, der diesen Job übernimmt. Zum Glück hat er darauf bestanden, in einer Pension ein paar Straßen weiter zu übernachten, aber jetzt ist er hier und übergießt alle Anwesenden mit seiner klebrigen, ekligen Übellaunigkeit.

„Wir hätten ihn nicht diesem Windhund überlassen sollen“, knurrt er zum ungezählten Mal, und James kann Sirius ansehen, dass dieser, schockierend genug, einmal mit Snape einer Meinung ist. „Merlin weiß, welcher düstere Teil dieses Molochs sie verschlungen hat.“

„Es lebt sich ganz gut in dieser Stadt“, verteidigt Doc Brown seine Wahlheimat. „Und Sirius kennt sich aus. Es wird ihnen schon nichts passiert sein.“

Snape schnaubt.

„Unverantwortlich! Unglaublich. Genauso skrupellos und egozentrisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte.“

„Mach langsam, Kumpel“, knurrt Sirius über die Sofalehne zurück.

„Ach ja, richtig“, sagt Snape. „Es gibt ja neuerdings zwei davon. Was für ein Hohn. Und ich reise auch noch über den Atlantik, um mir das anzutun. Masochistisch.“

„Können wir nicht ohne sie anfangen?“, sagt James. „Womit auch immer?“

„Wie wär’s mit Frühstück?“, schlägt Doc Brown vor und betätigt einen Hebel.

Der Hebel gehört zu einer merkwürdigen Maschine, die beinahe die gesamte Rückwand des schummrigen Wohnzimmers einnimmt. Der Hebel setzt eine Reihe von Zahnrädern in Bewegung, die eine Art von Wasserrad antreiben, das auf seinen schalenartigen Flügeln kleine, weiße, runde Dinger aus dem Inneren der Maschine holt und nach unten befördert. James macht einen erschreckten Satz, als plötzlich Flammen aus der Maschine schlagen, aber nachdem Doc Brown immer noch strahlt wie ein Kind am Weihnachtsabend, beschließt er, dass es wohl keinen akuten Grund zur Sorge gibt.

Eine Mechanik mit einem Roboterarm befördert eine schwere gusseiserne Pfanne über die Flamme. Eine kleine Klappe öffnet sich, und rülpsend erbricht die Maschine einen Schwall Öl in die Pfanne. Gleich darauf treten die weißen Dinger, die James jetzt erst als Eier erkennt, ihre letzte Reise an, durchqueren ein Fallbeil und ein Rohr, das die Schalen absaugt, und fallen platschend in die Pfanne, wo sie umgehend anfangen zu braten.

Am anderen Ende der Maschine scheint es eine Fehlfunktion zu geben: unvermittelt schießt eine Salve weißer, weicher Toastscheiben aus einem Schlitz. Während der Doc mit wedelnden Armen herbei springt, weicht James den Fluggeschossen aus. Sirius, der die Vorgänge vom Sofa aus interessiert beobachtet, fängt eine Scheibe aus der Luft, mit einer Lässigkeit, die an einen gefeierten Quidditch-Torwart erinnert. Doc Brown drückt ein paar Knöpfe und legt einen Kippschalter um, und der Beschuss wird eingestellt. Er riecht an einer Brotscheibe, schüttelt missbilligend den Kopf, fischt einen Schraubenzieher aus der Tasche seines karierten Morgenmantels und steckt den Arm bis zur Schulter in die Maschine.

„Das ist der Mann, auf dessen Erfindungsgabe wir vertrauen“, sagt Snape. „So viel geballte Kompetenz ist mir selten untergekommen.“

„Oh“, sagt Doc Brown erfreut. „Vielen Dank. Ich tue mein Bestes.“

„Diese Bemerkung war als sarkastisch zu verstehen“, sagt der Tränkemeister giftig.

„Aber das macht doch nichts“, sagt Doc Brown und lächelt freundlich. Sirius grinst. Snape gibt ein gargoylehaftes Schnauben von sich und wendet sich zum Fenster, die zu seiner offensichtlichen Verärgerung mit Zeitungspapier verklebt sind.

„Da haben wir’s“, ruft Doc Brown triumphierend und zieht eine ziemlich zerschredderte Toastscheibe aus der Maschine. Inzwischen hat ein Kippmechanismus die Pfanne vom Feuer auf eine Rampe befördert, auf der sie sanft nach unten rutscht und klappernd in einer Holzhalterung zum Stehen kommt.

Doc Brown drückt ein paar Knöpfe und verschränkt mit sichtbarem Besitzerstolz die Arme vor der Brust.

„Ich hatte sie schon soweit, dass sie Tomaten schälte, in Scheiben schnitt und briet“, erklärt er. „Aber eigentlich mag ich gar keine Tomaten. Es ging nur ums Prinzip.“

„Cool“, sagt Sirius beeindruckt. „Kann sie auch Kaffee?“

„Im Prinzip schon“, sagt Doc Brown und grinst verschämt. „Aber die Dosis lässt sich schlecht steuern. Nach einer Tasse Maschinenkaffee war ich einmal drei Tage wach. Außerdem fand ich den leichten Film aus Schmieröl störend.“

„Verstehe“, sagt Sirius.

„Wo ist der Vorteil?“, fragt James vorsichtig. „Ich meine, Pfanne, Herd und Spiegelei sind doch schon erfunden.“

„Die typische Haltung eines Fortschrittverweigerers“, sagt Doc Brown missbilligend. „Mein lieber Junge, die ersten Automobile waren nicht nur langsam, sondern auch laut und unbequem und in allem der bis dahin üblichen Pferdekutsche unterlegen. Es geht nicht um Bequemlichkeit! Es geht um Visionen! Hätten sich die Herren Daimler und Benz damals mit Bequemlichkeit begnügt, würden wir alle heute noch zu Fuß gehen oder mit Pferdekutschen reisen!“

„Oder apparieren“, sagt Snape. „Oh, ich vergaß. Wie taktlos von mir. Nicht jedem, der aus einer Zauberfamilie stammt, steht diese Möglichkeit offen.“

„Ein Glück, dass es nur so wenig Zauberer gibt“, sagt Doc Brown. „Wären es mehr, die Welt würde noch im Mittelalter leben.“

„Yepp“, sagt Sirius. „Recht haben Sie.“

„Ich bin ein Teenager“, sagt James, in dem schon wieder Wut aufsteigt. „Muss ich wirklich euch Erwachsenen sagen, dass es wenig sinnvoll ist, wenn ihr euch dauernd streitet?“

„Es ist kein Streit“, korrigiert Doc Brown. „Es ist eine Grundsatzdiskussion.“

James seufzt und verdreht die Augen. Snape macht ein Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Die Maschine gibt ein schnappendes Geräusch von sich, und Sirius fängt lässig einen perfekt gebräunten Toast aus der Luft.

„Cool“, sagt er. „Mit Frühsport.“

Er beißt hinein, nickt zufrieden und hält die Toastscheibe auffordernd in James' Richtung. Der ist gerade an die Maschine heran getreten, um das Spiegelei zu begutachten, als eine Serie von Klingel- und Gongtönen, durchmischt mit maschinellem Piepsen und dem schrillen Scheppern eines Weckers, die morgendliche Stille durchbricht.

„Ich war's nicht!“, sagt James erschreckt. „Ich hab' nichts angefasst!“

„Keine Sorge“, sagt Doc Brown und ist schon mit langen Schritten auf dem Weg zur Tür. „Die Vermissten treffen ein. Hoffentlich.“

Doc Brown reißt die Tür auf.

„Ah! Guten Morgen! Guten Morgen!“

„Kaffee“, sagt Sirius-Gabriel und präsentiert stolz eine Papphalterung, in der sechs Kaffeebecher stecken. „Nichts gegen Ihren Kaffee, Doc, aber ich dachte, heute mal ohne Ölfilm, wenn's recht ist. Wir haben auch Brötchen.“

Neben ihm hält Remus eine große braune Bäckertüte hoch.

„Wie schön, dass du dich uns einmal wieder zugesellst“, sagt Snape säuerlich. „Der Gedanke mag dir vielleicht absurd erscheinen, aber wenn jemand in einer fremden Stadt eine ganze Nacht lang spurlos verschwindet, kann das unter Umständen Anlass zur Sorge bieten.“

„Wie süß von dir, Severus, vielen Dank“, strahlt Remus. „Aber ich war doch nicht allein unterwegs.“

„Die Wahl deiner Begleitung bot den größten Anlass zur Sorge.“

„Darf ich trotzdem reinkommen?“

Das Spiegelei in der Pfanne ist vergessen. James starrt den älteren Sirius an. Aus dem schlaksigen Teenager ist ein großer Mann geworden, einsfünfundachtzig mindestens. Er trägt die Haare kurz, und unter seinem T-Shirt zeichnen sich viele Stunden im Fitness-Studio ab. „Pink sheep of the Family“, steht auf dem zerknitterten weißen Stoff, als müsste man ihn nicht nur eine Sekunde betrachten, müsste ihm nicht nur eine Sekunde zuhören, um zu wissen, an welchem Ufer er beheimatet ist. Jetzt schiebt er Remus mit den Brötchen vor sich durch die Tür, schließt sie und sperrt den lauen, sonnigen Morgen aus.

„Wo warst du?“, befragt Snape den Neuankömmling.

Remus grinst. „Vermutlich am sichersten Ort der ganzen Stadt“, sagt er. „Auf einem Polizeirevier.“

Snape schnappt nach Luft, aber niemand hat Zeit, sich um seine Entrüstung zu kümmern, denn Sirius auf dem Sofa hat seinen Toast beiseite gelegt und ist in die Höhe gekommen.

Er hat gewusst, auf wen er hier treffen wird. Trotzdem hat ihn dieses Wissen scheinbar nicht ausreichend auf den Moment vorbereitet.

Sirius-Gabriel ist mit einem Mal ganz blass. Remus nimmt ihm schnell den Kaffee ab und reicht das Papptablett mitsamt der Bäckertüte an den ungehaltenen Tränkemeister weiter.

„Vorsicht“, sagt Doc Brown. „Man hat schon Leute ohnmächtig werden sehen, wenn sie sich selbst begegnen.“

„Wer ist das denn“, sagt Sirius-Gabriel tonlos und starrt den jungen Sirius an, als hätte er eine Erscheinung.

„Du hast ihn nicht darauf vorbereitet“, sagt Snape und starrt Remus finster über den Rand der sechs Kaffeebecher hinweg an.

„Ich kam nicht dazu“, sagt Remus. „Es gab so viel zu erzählen. Ich hab’s vergessen. Und… na ja… wir haben auch nicht die ganze Zeit geredet, weißt du.“

„Verschon mich mit den Details“, sagt Snape. „Wenigstens dieses eine Mal.“

„Ist gut“, sagt Remus unglücklich.

„Was glaubst du denn“, sagt der junge Sirius zum älteren. „Ich bin du. Du bist ich, in zehn Jahren.“

„Das ist ein schlechter Scherz“, sagt Sirius-Gabriel und sieht verunsichert über die Schulter zu Remus. „Habt ihr einen von meiner Verwandtschaft aufgetan? Soll ich jetzt lachen, oder was?“

„Du siehst toll aus“, sagt Sirius. „Nur die kurzen Haare stehen dir nicht. Wie viel Sport muss man treiben, um so auszusehen?“

„Er ist kein Verwandter“, sagt Remus. „Sein Name ist Sirius Black. Er kommt aus der Vergangenheit. Aus dem Jahr Neunzehnhundertvierundsiebzig. Hier, zusammen mit seinem Freund… oh, Merlin.“

Sirius-Gabriels Blick ist vom jungen Sirius abgeglitten und hat sich an James fest gesaugt.

„James“, flüstert Sirius-Gabriel. „Mein Gott. James.“

„Äh“, sagt James verunsichert. „Hi.“

Sirius-Gabriel stößt Luft aus, es klingt beinahe wie ein Schluchzen. Er lässt Sirius stehen und stürzt auf James zu, als wollte er ihn in die Arme schließen. Erschreckt weicht James zurück. Sirius-Gabriel bremst sich mühsam, streckt die Hand aus und berührt James an der Schulter. Entsetzt verfolgt James, wie dem anderen Tränen aus den Augen stürzen.

„Ich habe dich sterben sehen“, flüstert Sirius-Gabriel. „Du bist in meinen Armen gestorben, und ich konnte nichts tun. Nichts. Ich konnte nichts tun.“

„Hilfe“, sagt James, der so weit zurück gewichen ist, dass die Hebel der Frühstücksmaschine ihn unangenehm in den Rücken pieken. „Das ist mir jetzt aber eine Nummer zu heftig.“ Mit Erleichterung verfolgt er, wie Remus zu Sirius-Gabriel tritt und ihn sachte um die Schulter nimmt.

„Es ist eine lange, verwirrende Geschichte“, sagt er sanft. „Dieser James ist nicht gestorben. Und wird es auch nicht, wenn wir es verhindern können.“

„Du bist so jung“, flüstert Sirius-Gabriel, dessen Blick immer noch an James’ Gesicht hängt. „Ich bin so alt. Merlin. James. Ich kann’s einfach nicht glauben…“

„Das ist nämlich, weil es meiner ist“, sagt Sirius feindselig, schubst Sirius-Gabriel beiseite und schlingt James den Arm um die Schulter. „Siehst du? Meiner. Perfektes Alter. Alles prima. Vielleicht hast du auf deinen ja einfach nicht gut genug aufgepasst.“

James fühlt sich, als würde er vom Riesenkraken im See von Hogwarts in die Tiefe gezogen: ein Sog, gegen den er nichts ausrichten kann, und alles wird immer verwickelter.

„Du frecher kleiner Rotzlöffel“, faucht Sirius-Gabriel. „Was weißt du denn schon vom Leben? Was weißt du schon vom Krieg? Für dich geht doch schon eine Welt unter, wenn dir mal der Kajal verrutscht!“

„Zieht gefälligst eure Zauberstäbe und duelliert euch im Hinterhof“, zerschneidet Snapes Stimme die aufgeladene Atmosphäre. „In der Zwischenzeit kümmern wir übrigen uns ungestört um die Lösung dieses unentwirrbaren temporalen Knotens.“

„Es tut mir leid“, murmelt Remus und schlingt die Arme um Sirius-Gabriel. „Ich hätte dich darauf vorbereiten müssen.“

„Warum hast du’s nicht getan?“

„Weil ich erst jetzt alle Zusammenhänge begreife. Ich dachte… ich weiß nicht. Nichts, wahrscheinlich. Ich wollte nicht nachdenken. Ich wollte einfach nur mit dir zusammensein.“

Sirius-Gabriel vergräbt den Kopf an Remus’ Schulter. Remus hält ihn fest und streicht ihm liebevoll durchs Haar.

„Ich versteh’ kein Wort“, sagt James ratlos.

„Wieso?“, sagt Sirius. „Ist doch nicht so schwer. Er war in seinen James verliebt, bevor der gestorben ist. Welchen anderen Grund gibt es, dir fast an den Hals zu springen?“

„Und das hältst du für normal?“

Misstrauisch beäugt James seinen Freund von der Seite. Sirius grinst, aber James sieht, dass er es nur tut, weil er glaubt, es würde von ihm erwartet.

„Klar“, sagt Sirius. „Er hatte schließlich keinen Moony. Wer weiß, wenn ich keinen Moony hätte…“

James schüttelt Sirius’ Arm ab.

„Dann sollten wir schleunigst dafür sorgen, dass du ihn kriegst, deinen Moony“, sagt er. „Wie is’n das mit den Brötchen? Sind die nur zur Dekoration?“

Vorsichtig schiebt James sich an Sirius-Gabriel vorbei, der das Gesicht immer noch an Remus’ Schulter vergraben hat und sich trösten lässt.

„O ja, vielen Dank“, sagt Snape. „Verleih meiner Stimme Gewicht. Nicht dass ich nicht schon vor Minuten darauf hingewiesen hätte, dass uns die Zeit davon läuft.“

„Was sie nicht tut, genau betrachtet“, sagt der Doc, nimmt die Brötchentüte an sich und wirft einen interessierten Blick hinein. „Das wohl einzige, das man als Zeitreisender im Überfluss hat, ist Zeit.“

„Nicht zielführend“, sagt Snape finster. „Aber um endlich zum Punkt zu kommen, Doktor, ich nehme an, Sie haben mittlerweile die Notwendigkeit eingesehen und stellen uns Ihr Temporalreisegerät zur Verfügung.“

„Selbst wenn ich das tun würde“, sagt Doc Brown und legt sein Gesicht in betrübte Falten. „Es wird Ihnen nichts nutzen. Es funktioniert nicht mehr.“

Eines muss James der erwachsenen Version seines Lieblingsfeindes zugute halten: Kein anderer wäre skrupellos genug gewesen, um die emotionalen Verflechtungen in diesem Raum so gnadenlos zu durchtrennen und alle Anwesenden um einen Tisch zu versammeln, und das mit nicht mehr als ein paar schneidenden Bemerkungen. Mit ein paar raschen Regieanweisungen schafft er Ordnung, gibt an jeden einen Pappbecher mit Kaffee aus und reißt die Brötchentüte auf (denn den nächsten, der ihm mit dem ewigen Geraschel auf die Nerven ginge, würde er eigenhändig in einen Molch verwandeln).

„Ich darf zusammenfassen“, sagt er mit unangenehmer Oberlehrerart, als endlich alle sitzen und ihn ansehen. „Problem eins. Wir haben hier zwei Gestrandete, die wir tunlichst in ihre Zeit zurück verfrachten müssen. Problem zwei. Auf ihrem Zeitreisetrip haben die jungen Herrschaften ein paar Modifikationen an der Zeitlinie vorgenommen, die sie für sinnvoll hielten. Fatale Fehleinschätzung. Hier werden wir korrigierend eingreifen müssen.“

„Was?“, sagt Sirius. „Nein! Kommt überhaupt nicht in Frage! Ich mach’ doch nicht den ganzen Zirkus, um hinterher genauso weit zu sein wie zuvor!“

„Der Remus, den er kennt, ist lykantroph“, erklärt Remus Sirius-Gabriel leise. „Und erhört deshalb sein Werben nicht. Deshalb die Zeitreise: um zu verhindern, dass er gebissen wird.“

„Lykantroph?“

„Genau. Du weißt schon. Unangenehme, lästige chronische Krankheit, wird durch Biss übertragen und so.“

„Wow“, sagt Sirius-Gabriel beeindruckt. „Das ist echt sexy.“

„Ihr Siriusse habt alle einen Knall“, sagt James finster.

„Ich wäre auch verrückt nach dir, wenn du lykantroph wärest“, sagt Sirius-Gabriel.

„Wie schön“, sagt Remus und nimmt sich ein Brötchen.

„Ich lasse mich an dieser Stelle nicht auf einen Disput ein“, sagt Snape. „Deine schwachsinnige Aktion, Mister Black, hat dazu geführt, dass wir unter einer Diktatur leiden, die nicht zuletzt deinen Freund das Leben gekostet hat. Hättest du den Ring nicht unters Volk gebracht, gäbe es heute keinen Lichtlord. Das allein ist Grund genug, um nach Möglichkeit alles ungeschehen zu machen.“

„Was nie völlig gelingt“, seufzt Doc Brown. „Es gelingt höchstens, die offensichtlichen Auswirkungen gegen subtilere auszutauschen.“

„Moment mal“, sagt Sirius-Gabriel stirnrunzelnd. „Was für ein Ring? Ich habe nie einen Ring unters Volk gebracht.“

„Aber ich“, sagt Sirius. „Irgendeine schwarzmagische Superwaffe. Dumm gelaufen, könnte man sagen.“

„Huh? Aber ich dachte… ich bin du? Du bist ich? Nur mit einem Zeitunterschied von zehn Jahren?“

„Na ja“, sagt Sirius langsam. „Ich schätze, du musstest nie einen Ring verticken, um einen Zeitdreher zu bekommen, um zu verhindern, dass Remus gebissen wird, damit du bei ihm landen kannst. Denn du wolltest ja gar nicht bei Remus landen. Nicht zu Schulzeiten, jedenfalls.“

„Und Remus ist kein Werwolf“, ergänzt Sirius-Gabriel. „Selbst wenn ich also bei ihm hätte landen wollen, hätte ich’s doch einfach tun können, oder nicht?“

„Ja“, sagt Sirius nachdenklich.

„Komisch“, sagt Sirius-Gabriel. „Wie kann etwas, das gar nicht passiert ist, solche Auswirkungen haben?“

„Es ist ja nur deshalb nicht passiert, weil es schon passiert ist“, sagt Remus.

„Das klingt toll, ist aber völlig sinnfrei“, sagt Sirius-Gabriel.

„Da hast du wohl recht“, sagt Remus.

„Wir bewegen uns im Inneren eines temporalen Paradoxons“, erklärt Doc Brown. „Das ist das Problem mit Zeitreisen. Man nennt es das Joeli-Phänomen, nach einer deutschen Wissenschaftlerin, die es zuerst beschrieben hat. Eine Handlung entzieht sich selbst die eigene Veranlassung, sozusagen.“

„Bahnhof“, sagt James ratlos.

„Oben oder unten?“, fragt Remus Sirius-Gabriel. James sieht, wie er sein Knie gegen das des anderen presst.

„Huh?“, sagt Sirius-Gabriel irritiert und läuft prompt rot an. „Wie bitte? Ich meine…?“

„Die obere oder die untere Hälfte“, erklärt Remus und zeigt seinem verwirrten Nachbarn das aufgeschnittene Brötchen. „Welche möchtest du?“

„Ach so“, sagt Sirius-Gabriel. „Ähm. Ich – bin da flexibel.“

„Tatsächlich“, sagt Remus sanft, und sein Lächeln verursacht in James den spontanen Wunsch, auf einem anderen Planeten zu sein. „Wie schön. Ich bevorzuge oben.“

„Das ist okay für mich“, stammelt Sirius-Gabriel.

„Woran du nur wieder gedacht hast“, sagt Remus kopfschüttelnd und beißt in seine Brötchenhälfte. „Kannst du nicht mal bei der Sache bleiben?“

„Du machst mich fertig“, stöhnt Sirius-Gabriel, und Remus’ Lächeln wandelt sich in ein vergnügtes Grinsen.

„Lassen Sie es mich sehr einfach erklären, so dass auch Mister Black und Mister Black mir folgen können“, sagt Snape. „Die beiden Herrschaften müssen zurück in ihre Zeit. Das ist Punkt Eins. Die beiden Herrschaften müssen auf dem Weg dorthin sozusagen einen Abstecher in ihre Vergangenheit machen und dafür sorgen, dass Remus planmäßig vom Werwolf gebissen wird. Das ist Punkt Zwei.“

„Nein, verdammt! Kommt nicht in Frage!“

Sirius springt auf und beschießt Snape über den Tisch hinweg mit Blicken.

„Du hast die Wahl“, sagt Snape unbewegt. „Wenn Remus nicht gebissen wird, stirbt James.“

„Wie bitte?“

Der Ausruf geht einmal um den Tisch. Wortlos greift Snape in die Innentasche seiner Robe, zieht ein sorgfältig auf Kante gefaltetes Blatt Papier hervor und legt es auf den Tisch.

Remus greift danach und entfaltet es.

„Es ist eine Zeitungsmeldung vom elften November neunzehnhundertfünfundsechzig“, sagt er erstaunt. „Aus dem Daily Prophet. Hier steht… Merlins Güte. Eine bisher ungeklärte Anzahl von Werwölfen überfiel in der Nacht zum elften November die kleine Ortschaft Oldstown in der Nähe von Little Valley. Acht Muggel kamen zu Tode. Die Zahl der lykantroph Infizierten wird auf sechzehn geschätzt. Einige Opfer sind noch verschwunden. Augenzeugen berichten von panikartigen Fluchtversuchen in die Wälder, wobei nicht klar ist, ob diese nach oder vor dem Biss erfolgten. Mehrere Häuser brannten bis auf die Grundmauern ab.“

Remus sieht von der kopierten Zeitungsseite auf.

„Ganz in der Nähe haben wir damals gewohnt“, sagt er mit großen Augen.

„Das ist in der Nacht passiert, in der du nicht gebissen wurdest“, sagt Snape. „Während du dich um den Flug hierher gekümmert hast, war ich im Archiv des Daily Telegraph. Es scheint, als hätte an diesem Abend Fenrir Greybacks Siegeszug begonnen. Von diesem Datum an gibt es alle paar Wochen eine Meldung über Werwolf-Attacken. Dann erfolgt der Zusammenschluss mit dem Lichtlord und der Krieg gegen die Vampire. Der Rest ist Geschichte.“

„Du willst aber nicht behaupten, all das wäre nicht passiert, wenn er an diesem Abend mich gebissen hätte“, sagt Remus verblüfft.

„Nicht mit letzter Sicherheit“, sagt Snape. „Aber einiges spricht dafür. Werwölfe sind nicht sehr frusttolerant. Nach dem Bericht der beiden Zeitreisenden hat Greyback noch versucht, sie anzugreifen. Sie haben es nur dem Zeitumkehrer zu verdanken, mit heiler Haut davon gekommen zu sein. Und in ihrer Geschichte gibt es keinen vergleichbaren Vorfall, habe ich recht?“

„Remus – unser Remus - hat nie von so etwas erzählt“, sagt James. „So weit wir wissen, war sein… Unfall… ein ziemlich allein stehendes Ereignis. Großbritannien hat nicht wirklich ein großes Werwolfsproblem.“

„Uff“, sagt Remus.

„Es ist unumstritten, dass der Lichtlord gerade in seinen Anfangszeiten ohne die Werwölfe nicht annähernd so erfolgreich gewesen wäre“, sagt Snape. „Wer weiß, ob er es überhaupt bis an die Spitze geschafft hätte ohne diese Schar skrupelloser Killer an seiner Seite.“

Remus öffnet den Mund und schließt ihn wieder.

„Siehst du“, sagt Sirius-Gabriel und küsst ihn sachte auf die Wange. „Du bist eine Schlüsselfigur in dieser Geschichte.“

„Besten Dank“, sagt Remus. „Nicht dass ich mich darum gerissen hätte.“

„Das tun Helden nie“, sagt Sirius. „Frag Frodo.“

„Nachdem wir nun geklärt hätten, was getan werden muss, wüsste ich gerne, woran die Ausführung scheitert“, sagt Snape und fixiert Doc Brown, der gedankenverloren das weiße Innere aus einem Brötchen gepult hat.

„Plutonium“, sagt Doc Brown.

„Wie bitte?“, sagt Snape.

„Für einen Zeitsprung benötigt man eine Energiemenge von ungefähr eins Komma sieben drei fünf Gigawatt“, sagt der Doc. „Die einzige Möglichkeit, eine solche Energiemenge zu erzeugen, ist eine Atomreaktion. Und für die fehlt mir das Plutonium.“

„Aber Sie haben berits Zeitreisen unternommen? Wie haben Sie damals das Entergieproblem gelöst?“

„Das kann man nicht vergleichen! Ich war damals unerfahren, getrieben vom Forscherdrang! Ich wollte der Welt eine große Erfindung schenken!“

„Wie haben Sie es gelöst!“

Doc Brown fährt sich mit gespreizten Fingern durch seine schneeweiße Haarwolke.

„Ich hatte Plutonium. Von einer Gruppe libyscher Terroristen. Ich hatte eingewilligt, ihnen eine Atombombe zu bauen, und dann das Plutonium für mich behalten.“

„Und die Bombe?“, wirft Sirius-Gabriel interessiert ein.

„Natürlich habe ich ihnen eine Bombe geliefert! Gefüllt mit Schrott aus alten Flippern. Leider haben sie den Unterschied bemerkt, und ich war nicht schnell genug weg.“

Der Doc seufzt.

„Ich bin auf dem Parkplatz vor dem Twin-Pines-Einkaufszentrum gestorben. Erschossen von einem Libyer mit einem Maschinengewehr. Zum Glück kann ich mich nicht daran erinnern, weil es gar nicht passiert ist, aber ich möchte es trotzdem nicht schon wieder zum ersten Mal erleben!“

„Wie auch immer“, sagt Remus. „Libysche Terroristen scheiden offenbar aus.“

„Ich habe kürzlich etwas in der Zeitung gelesen“, überlegt Sirius-Gabriel. „Über atomgetriebene Kriegsschiffe. In San Francisco stationiert, wenn ich mich richtig erinnere.“

„Und?“, sagt Remus. „Sollen wir nach San Francisco apparieren, auf der Straße herum laufen und die Leute danach fragen? Entschuldigen sie bitte, wo geht es hier zu den atomgetriebenen Kriegsschiffen?“

„Irgendwie kommt mir das bekannt vor“, sagt Sirius stirnrunzelnd.

„Weil du’s nicht in der Zeitung gelesen, sondern im Kino gesehen hast“, sagt Remus und beißt in sein Brötchen. „Science-Fiction.“

„Oh“, sagt Sirius-Gabriel.

„Und wie lösen die das Problem im Film?“, erkundigt James sich interessiert.

„Weiß nicht mehr genau“, sagt Remus. „Sie geben sich als irgendwelche Wissenschaftler aus, beschwatzen irgendwelche Offiziere, sehen sich irgendwelche Pläne an und beamen später das, was sie brauchen, direkt vom Raumschiff aus hoch.“

„Okay“, sagt James. „Machen wir’s genauso.“

„Was?“, sagt Remus und zwinkert.

„Wir apparieren rein, klauen das Ding, verkleinern es, stecken es in die Tasche und apparieren raus“, sagt James. „Keine große Sache, oder?“

„Aber nein, aber sicher“, sagt Remus. „Keine große Sache. Wie konnten wir beschränkten Erwachsenen nicht von selbst drauf kommen?“

„Versteh‘ ich auch nicht“, sagt James unbeeindruckt.

„Der Unterschied ist, dass wir keine Regieanweisung haben, in der wir nachlesen können, was wir ausbauen müssen“, sagt Remus ungeduldig und zeigt mit seinem angebissenen Brötchen auf James. „Und kein Drehbuch, das einfach mal überspringt, wie wir das machen.“

„Aber wir haben einen Fachmann“, sagt Sirius-Gabriel und schaut zu Doc Brown hinüber. „Einen großen Physiker. Der bestimmt genial genug ist, um dieses Problem an Ort und Stelle zu bewältigen, oder?“

„Einen, der die Rückwand seiner Wohnung mit einer Frühstücksmaschine bedeckt“, sagt Snape gequält.

„Und?“, sagt Sirius-Gabriel. „Jeder braucht ein Hobby. Die einen erfinden was, die anderen quälen süße kleine Katzenbabys in dunklen Kellern.“

„Ich will nicht ernsthaft darüber diskutieren, einen Lösungsansatz aus dem Kino nachzuspielen!“, schreit Remus, und am Tisch erstirbt jedes Gespräch.

„Wow“, sagt Sirius-Gabriel beeindruckt. „Du kannst ja richtig laut werden.“

„Ich mach’s nicht oft“, sagt Remus erschöpft.

„Energiefrage hin oder her – eigentlich hatte ich das Zeitreisen aufgegeben“, sagt Doc Brown schüchtern. „Man weiß nie, was draus wird. Es ist einfach zu gefährlich. Artet zu schnell in Stress aus. Die Menschheit ist einfach noch nicht bereit für diese Form der Existenz.“

„Das hat vor zweihundert Jahren, als die Temporalmagie erfunden wurde, auch niemanden gekümmert“, wirft Snape finster ein.

„Okay“, sagt Sirius-Gabriel. „Okay, Doc. Niemand will Sie zu etwas zwingen. Aber – wissen Sie, ich würde die Maschine wirklich gerne mal sehen. Ich kenne ja so einige Erfindungen von Ihnen, aber diese muss alle anderen in den Schatten stellen, oder?“

„Sie ist in der Tat die Krönung meines Lebenswerks“, sagt der Doc unglücklich.

„Haben Sie sie hier im Haus?“, fragt Sirius-Gabriel.

„Nein“, sagt Doc Brown. „Viel zu groß! Wo soll ich sie denn hier unterbringen. Nein, ich habe eine Garage am Stadtrand angemietet.“

„Verstehe“, sagt Sirius-Gabriel und wirft einen Blick auf die Frühstücksmaschine.

„Ich war schon seit fast einem Jahr nicht mehr dort, um nach dem Rechten zu sehen“, sagt Doc Brown.

„Dann ist es an der Zeit, oder?“, bekräftigt Sirius-Gabriel. „Nur mal einen Blick drauf werfen, ja?“

Doc Brown seufzt. Sirius-Gabriel grinst.

„Wir drücken auch keine Knöpfe“, sagt er. „Versprochen.“

oooOOOooo

Zwei Stunden und eine verwirrende Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln später steht die zusammengewürfelte Gruppe in einer langen, zugigen Straße, die von Lagerhäusern, Garagen und Schuppen gesäumt ist. Der frische Wind bringt Salz- und Dieselgeruch vom Meer. Remus denkt an den betrunkenen, pöbelnden Punker in der Straßenbahn, der nach einem gemurmelten Wort von Severus so plötzlich auf seinem Sitz zusammengesackt ist und von da an nur noch Schnarchgeräusche von sich gegeben hat. Es wäre vielleicht besser, nach Hause zu apparieren, ehe der Tränkemeister im turbulenten Getümmel der amerikanischen Großstadt noch zu radikaleren Mitteln greift.

Remus fragt sich, ob Severus auch im Kino war.

„Gleich haben wir’s“, sagt Doc Brown und fummelt an einem überdimensionalen Schlüsselbund.

„Bin ich aber gespannt“, sagt Sirius-Gabriel und zappelt auf den Füßen wie ein Kind am Weihnachtsmorgen. Remus sieht ihn an. Er hat Schwierigkeiten, sich auf die Mission zu konzentrieren. Eigentlich möchte er nichts als mit dem Schönen in dessen kleiner Wohnung zu verschwinden, die Tür abzuschließen und dann alles auszuprobieren, was ihnen in den beengten und nicht allzu privaten Verhältnissen des Polizeireviers zu riskant war.

Remus spürt ein Lächeln auf den Lippen. Die Nacht auf dem Polizeirevier hatte sprunghaft an Qualität gewonnen, als diese Horde Hooligans reinkam und man die zwei Aquariumeinbrecher in eine Zelle zusammenlegen musste, um Platz zu schaffen.

Remus legt seinem Liebsten den Arm um die Taille und presst die Wange gegen Sirius-Gabriels Schulter. Sirius-Gabriel lächelt auf ihn hinunter, seine Augen sind so blau wie das karibische Meer an einem Sommertag.

Remus fragt sich, ob es tatsächlich sein kann, dass er sich schon entschieden hat: hier zu bleiben, in Amerika, bei einem Mann, den er nicht mal vierundzwanzig Stunden kennt. Dass er keine Lust hat auf ein britisches Umerziehungscamp, tut sein Übriges. Trotzdem ist er erstaunt über die Leichtigkeit, mit der diese Entscheidung gefallen ist. Kein Grübeln, kein Abwägen, keine Pro- und Contra-Listen. Zum ersten Mal, seit er sich erinnern kann, weiß er instinktiv, was richtig ist.

Nur, ob er plötzlich ein Werwolf sein will, hat er noch nicht entschieden.

„Da haben wir‘s“, strahlt Doc Brown, der endlich das Garagentor aufbekommen hat und es nun nach oben aufklappt. Drinnen steht ein großer Klops unter einer weißen Plane. Doc Brown intoniert einen Tusch und zieht die Plane beiseite.

„Ein Auto!“, ruft James erstaunt.

„Das ist nicht nur ein Auto“, sagt Sirius-Gabriel fasziniert und macht einen Schritt nach vorne, Remus mit sich ziehend. „Das ist ein De Lorean!“

„Baujahr dreiundachtzig“, bestätigt Doc Brown stolz. „Rostfreie Edelstahlkarosserie! Hundertvierzig PS! Spitzengeschwindigkeit liegt bei achtundachtzig Meilen pro Stunde!“

„Moment mal“, sagt Sirius-Gabriel verwirrt. „Das ist die Zeitmaschine? Ein De Lorean? Sie haben einen De Lorean umgebaut?“

„Na ja“, sagt Doc Brown glücklich, „ich dachte, wenn schon Zeitreisen, dann wenigstens mit Stil, oder?“


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