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BlackPriestess
Author of 16 Stories

Rated: T - German - Romance/Hurt/Comfort - Colin C. & Theodore N. - Reviews: 4 - Updated: 12-24-08 - Published: 12-22-08 - id:4732965

A/N: Hallo zusammen! Hier mein Beitrag zu dem ganzen Weihnachtstaumel, dem ich mich auch nicht ganz entziehen konnte ;)

Die Story ist eine Koproduktion zwischen meiner Wenigkeit, Blackpriestess und Ria, die mir selbstlos zu Hilfe geeilt ist :) An sich ist sie canontauglich und spielt während der Geschehnisse von „Deathly Hallows“. Ich bin aber nicht sicher, ob ich jetzt noch eine Spoilerwarnung aussprechen sollte, inzwischen haben wohl alle das Buch gelesen. Hm, was bleibt noch zu sagen? Es ist ein recht ungewöhnliches Pairing, ich weiß. Gebt diesen Jungs eine Chance, ja? Sie sind ganz toll, auch wenn kaum beachtete Nebenfiguren (was sie erst so reizvoll macht).

Noch eine schöne Adventszeit (von der nicht viel übrig ist – der Stress geht los :g:) wünschen euch BlackPriestess und Ria :D


Teil 1

Alles war still.

Und übersichtlich.

Theodore Nott gehörte gewiss nicht zu den Personen, die eine aufgesetzt herzliche Atmosphäre und ebenso aufgesetzt wirkenden Kitsch mochten, also kam ihm dies nur entgegen.

Kopfschüttelnd setzte er seine Patrouille fort; durch leere Korridore, die kälter und abweisender anmuteten denn je. Durch kahle, schmucklose Hallen. Und redete sich unablässig ein, nichts zu vermissen. Es war anders als letztes Jahr und die Veränderung war durchaus positiv.

Keine monströsen, mit schwachsinnigem Glitzerzeug überhäuften Weihnachtsbäume.

Auch keine dieser idiotischen, verzauberten Mistelzweige.

Keine Fröhlichkeit auf Kommando, keine Spontan-Weihnachtschöre.

Kein kleiner, menschlicher Flummi, der sich nicht von Theodores bestem mörderischen Blick beeindrucken ließ, sondern fröhlich heranhüpfte, um ihm frohe Weihnachten zu wünschen – wie er es bei jedem tat. Sich nicht von der unheilschwangeren Atmosphäre, die in Hogwarts gerade herrschte, nicht von dem Krieg, der draußen tobte, abschrecken ließ, sondern goldenen Frohsinn versprühte – wie er es immer tat. Ekelhaft, so etwas.

Verdammt.

Notts Schweigen war so eisig wie der Winterabend, als er die freundlichen Worte ignorierte und hocherhobenen Hauptes seinen Rundgang fortsetzen wollte.

„Hey! Ich habe dir eben frohe Weihnachten gewünscht!“

Das darf doch nicht –

Der kleine Flummi stand schon wieder vor ihm, die Hände in die Hüften gestemmt und starrte aus himmelblauen Augen vorwurfsvoll zu ihm hoch.

„Und ich habe dir nicht sämtliche Knochen gebrochen, weil du mich angesprochen hast, Schlammblut“, erwiderte Theodore gefährlich leise. „An deiner Stelle würde ich meine weihnachtliche Freundlichkeit nicht weiter ausreizen.“

Das verschlug diesem irritierenden Subjekt dann doch die Sprache. Sehr zufrieden mit seiner Leistung – obwohl er sich deswegen selbstverständlich nicht zu einem Lächeln herablassen würde – schaffte Theodore vielleicht fünf Schritte, bevor die quietschende Stimme abermals hinter ihm erklang.

„Okay, wir sehen uns!“

Hoffentlich nicht.

Es war geradezu so, als hätte Nott nichts gesagt, nicht gerade gedroht, seine imposanten Muskeln zu einem schmerzhaften Einsatz zu bringen. Als hätte er ihn nicht gerade zutiefst beleidigt. Das alles prallte an Flummi offenbar vollkommen ab. Einfach nur zum Kröter melken! Er knurrte etwas Unschmeichelhaftes, während er um die Ecke bog.

Und wie erstarrt stehen blieb, als er hinter sich die schneidende Stimme Alecto Carrows vernahm:

„Ist das etwa eine Muggelkamera, Creevey?“

Die eingeschüchtert gestammelte Antwort hatte nichts mehr mit dem übermütigem Quietschen gemeinsam, mit dem Flummi soeben noch Theodores Trommelfelle malträtiert hatte.

„Solche Dinge sind in Hogwarts nicht erlaubt! Das sollten Sie inzwischen wissen – mitkommen!“

Wie von einem fremden Willen geleitet, schlich Theodore zurück, spähte vorsichtig um die Ecke und zuckte unwillkürlich zusammen, als er den verängstigten Ausdruck in den Augen des zierlichen Jungen bemerkte, der von Alecto in Richtung der Kerker gezerrt wurde.

Nicht mein Problem.

Nott fuhr seine Schutzwälle wieder hoch, schirmte sich von diesen seltsamen Wünschen ab, die er nicht verstand; vor dem Wunsch, es möge doch nicht mehr so still sein in diesem Korridor. In ganz Hogwarts. Vor dem Wunsch, diese nervtötende Stimme wieder zu vernehmen, hüpfende blonde Locken zu sehen, weil dieser kleine Gryffindoridiot schlicht nicht imstande war, ganz normal und dezent zu gehen.

Entschlossen stapfte er davon, um seine Pflichten zu erfüllen – Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten, stolz darauf, als einer von wenigen damit betraut worden zu sein.

Dazu gehörte auch, dass man Typen wie Colin Creevey in die Kerker warf. Und die Ordnung, die Ruhe würden erhalten bleiben, selbst wenn man ihn entließ, sobald man mit seiner Erziehung fertig war. Kein Quietschen, kein Hüpfen, kein unerlaubtes Fotografieren, keine Belästigungen, kein –

Nicht mein Problem!

Sein Gang war schneller, entschiedener geworden – und sein Schuh stieß gegen etwas, gerade in dem Moment, als er verwirrt festgestellt hatte, dieselbe Richtung eingeschlagen zu haben, in der Creevey gerade verschwunden war.

Misstrauisch beäugte er den Gegenstand.

Und brauchte dieses Mal sämtliche verfügbaren Schutzwälle, als sich eigenartiger Schmerz in ihm ausbreitete.

Theodore ließ sich in die Hocke sinken und seine große Hand hob die Überreste der Kamera auf, drehte die filigranen Einzelteile zwischen den Fingern. Dies erklärte auch das Klirren vorhin, dessen Ursprung er nicht hatte feststellen können. Offenbar hatte Professor Carrow die Kamera aus Creeveys (schmalen, weißen) Fingern geschlagen.

Es war nur der Anfang von Creeveys Strafe. Theodore wusste, dass die Todesserin sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen würde, an dem muggelstämmigen Gryffindor ein qualvolles Exempel zu statuieren. Als Abschreckung – und für lernwillige Todessersprösslinge, die den ein oder anderen dunklen Fluch an Creevey ausprobieren konnten.

Jener seltsame Schmerz, scharf und kalt, breitete sich erneut in ihm aus. Und bevor er auch nur wusste, was er gerade tat, hatte er jedes zerbrochene Stück der Kamera sorgsam aufgesammelt. Nachdenklich betrachtete er das zersplitterte Objektiv, das nicht mehr zu retten war; doch der Korpus schien intakt, der Film war vielleicht noch brauchbar und –

Was denke ich da eigentlich?

Theodore richtete sich auf, ließ die zerbrochene Kamera schnell in seinen Robentaschen verschwinden, bevor ihn jemand damit sah und schlug mit langen Schritten den Weg zu seinem Gemeinschaftsraum ein. Er würde den Film selbstverständlich nicht entwickeln. Und er empfand auch kein Mitgefühl für den Gryffindoridioten, der sich mit diesem verbotenen Ding hatte erwischen lassen.

Und dass sich sein Magen sich beim Gedanken daran, was jetzt gerade mit Creevey passierte, so unangenehm zusammenzog – nun, vielleicht hatte er das Abendessen nicht vertragen.

Das alles ist. Nicht. Mein. Salazarverdammtes. Problem!


Zwischen dem Moment, in dem er die Kamera mitgenommen und demjenigen, in dem Theodore Notts Neugierde gesiegt hatte, vergingen genau achtundzwanzig Sekunden.

Bis zu dem Moment, in dem er die Fotos in den Händen halten konnte, musste er sich allerdings ganze zwei Stunden und fünfundzwanzig Minuten gedulden – in denen er in der Bibliothek „Magisches Fotografieren: Erste Schritte“ gewälzt und gehofft hatte, auch nicht-magische Filmstreifen würden keinen Schaden nehmen, wenn man sie nicht mit diesen geheimnisvollen Chemikalien behandelte, mit denen dieser kleine Idiot sich die Finger verätzte, sondern mit Zaubersprüchen, wie jeder vernünftige Zauberer es tun sollte.

Als es endlich soweit war und Theodore die Bilder mit diversen Vergrößerungszaubern auf Papier gebannt hatte, stellte er mit seiner üblichen Distanziertheit zwei Dinge fest. Erstens: Die Bildqualität war körnig und die Farbskala etwas ungünstig geraten, also wusste Creevey wohl doch, was er tat.

Zweitens: Die Welt stand kopf.

Theodore starrte in seine eigenen Augen und diese starrten ungerührt zurück. Aus jedem dieser unheimlichen, unbewegten Muggelfotos heraus.

Langsam und sorgfältig ging er jedes Bild noch einmal durch. Versuchte, die Logik dahinter zu erkennen, ein Schema, um die vielen Fragen zu beantworten, die ihm durch den Kopf schossen.

Vielleicht wollte Creevey ihn ausspionieren? Seine Gewohnheiten herausfinden, um… Ja, warum eigentlich? Warum nur immer wieder sein Gesicht? Manchmal bloß seine Augen, die ihm eisig blau aus den Fotos entgegenblickten? Und vor allem: Wie hatte die kleine Nervensäge es geschafft, ihn so oft heimlich zu fotografieren, verdammt?

Theodore kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe herum und ging gewohnt kühl seine Möglichkeiten durch.

Erstens: Er könnte Creevey darauf ansprechen, warum er anscheinend besessen von seinem Gesicht war und sich wegen seiner Neugierde lächerlich machen.

Zweitens: Er könnte die Bilder ganz einfach in den nächstbesten Kamin werfen und an bereits erwähnter Neugierde sterben.

Drittens: Er könnte dem Gryffindor die Fotos wortlos unter die Nase halten und sich stammelnde Ausreden anhören, die seine Neugierde wohl kaum befriedigen würden.

Keine der Optionen klang wirklich verlockend. Zumal er erst abwarten musste, was von Creevey noch übrig war, wenn die Carrows mit ihm fertig waren.

Vielleicht war der Gryffindor danach auch eingeschüchtert genug, um die Wahrheit zu sagen?


Sorge war für Theodore ein recht unerforschter Gemütszustand, also redete er sich so lange ein, es sei „morbides Interesse“, bis er es auch glaubte. Ganze siebenundzwanzig Stunden und elf Minuten hatte er widerstehen können, ihm auch nachzugeben.

Er konnte sich nicht entscheiden, ob er deswegen auf sich stolz sein sollte, weil er es so lange ausgehalten hatte, nicht nach dem Gryffindor zu sehen – bis er den Befehl dazu erhalten hatte. Weil die Carrows ihn aufgrund seiner einschüchternden Erscheinung genau als den richtigen Kandidaten einschätzten, Creevey auszuquetschen – darüber, wer sonst von den Schülern noch Muggelgegenstände besaß.

Oder ob er sich aus genau diesen Gründen wünschen sollte, dass der Boden sich auftat und ihn verschluckte.

Erst hatte Theodore erleichtert aufgeatmet, weil niemand anderes in die Kerker geschickt worden war, doch nun bereute er zutiefst, sich so eifrig gemeldet zu haben, damit ihm deutlich vor Augen geführt wurde, was aufgrund seines langen Zögerns geschehen war.

„Theodore...“, krächzte Flummi, der keineswegs mehr an ein Flummi erinnerte – dünn, zittrig, unglücklich, schlicht und ergreifend... fertig. Schwere Ketten fixierten die schmalen, aufgescheuerten Handgelenke an der Wand und klirrten, als der Gryffindor ihm ein Gesicht zuwandte, das äußerst faszinierende Farbmuster aufwies. Und dazu Hoffnung und Erleichterung – die Nott das Herz bluten ließen. Dabei war er nicht einmal sicher gewesen, dieses Organ überhaupt zu besitzen.

Flummi war momentan der einzige Insasse, was Theodore ein wenig verwunderte; vielleicht wurden auch die Carrows barmherziger, wenn es auf Weihnachten zuging? Nein, wohl kaum. Sie hatten anderen verängstigten Schülern einfach nichts anhängen können, obwohl praktisch alle in Hogwarts festsaßen, im Gegensatz zu den letzten Jahren, wo Freiheit noch kein Fremdwort gewesen war. Doch inzwischen hatten die Meisten gelernt, sich an Ordnung und Regeln zu halten. Bis auf diverse Gyffindoridioten.

„Ich glaube kaum, dass wir beide auf Vornamensbasis sind“, gab Nott abweisend zurück, um den scharfzahnigen Schmerz zu überspielen, der bereits so vertraut war.

Aufgesprungene Lippen formten ein schiefes Lächeln.

Komplett dehydriert... armer Kerl.

„Stimmt... du bist so unnahbar... und cool...“

„Und das wird auch genauso bleiben.“

Theodore verfluchte sich selbst, als er noch einige Sekunden auf die so zerbrechlich anmutende Gestalt starrte, auf die blutverkrustete Haut – und davon stürmte, in die Richtung, wo er Wassergeplätscher vernommen hatte. Er fand einen in der Wand eingelassenen, defekten Wasserhahn vor und sogar einen alten Zinnbecher.

Er versuchte nicht einmal, Ausreden für sein Tun zu finden. Es war Mitleid. Unnötiges, ordinäres Mitleid, das ihn Wassertropfen auffangen ließ, um einen merlinverdammten Gryffindor zu helfen. Mochte es noch so sehr gegen die Regeln verstoßen. Und seine Position in Hogwarts gefährden.

Die violetten Schwellungen verhinderten ein erstauntes Aufreißen der Augen und der geflüsterte Dank schnitt tief, als er näher herantrat, sauren Schweißgeruch in der Nase, um den Becher an trockene Lippen zu setzen.

Creevey trank gierig, verschluckte sich, hustete und wimmerte erbärmlich, als Theodore das Wasser außer Reichweite hielt.

„Langsam! Willst du ersticken?“

Oder schlimmer: erbrechen?

„Mehr… bitte…“

Die Ketten klirrten leise und hinderten den Gryffindor sehr effektiv daran, die Hände flehentlich auszustrecken, während er sich über die Lippen leckte, den Blick starr auf den Becher gerichtet.

Theodore starrte seinerseits wie hypnotisiert auf die Ketten, während er verklebte, blonde Strähnen aus dem misshandelten Gesicht und den Becher wieder an geschwollene Lippen hielt. Katalogisierte im Geiste bereits dunkle Zaubersprüche, die jene ebenso dunklen Zauber aufheben würden, mit denen man die Ketten sicher belegt hatte und –

Nein. Das war doch lächerlich. Rebellion war Gryffindorsache. Theodore Nott war ein regelnbewusster Slytherin mit einem gewissen Status, den er nicht riskieren wollte. Sollte der glorreiche Harry Potter doch zur Rettung herbeieilen und – ach, der war ja gerade abwesend und woanders glorreich. Höchstwahrscheinlich hatte diese kleine Nervensäge Creevey ihn vertrieben.

Dann eben Longbottom. Dieser Knallkopf machte doch in letzter Zeit einen auf Aufrührer, mehr oder weniger erfolgreich. Vielleicht wollte er damit seine vielen Unzulänglichkeiten kompensieren (vor allem in Zaubertränke), wer wusste das schon...

Die schwere Eisentür knallte gegen die Wand und Nott hätte beinahe aufgelacht, wäre es nicht unter seiner Würde gewesen; als ob Merlin persönlich ihn erhört hätte.

„Was zum Teufel machst du mit ihm, Nott!?“, brüllte Longbottom, in den modrigen Kerker stürmend, dicht gefolgt von irgendwelchen anderen, unwichtigen Gryffindors, die allerdings sehr wichtig mit ihren Zauberstäben fuchtelten.

Theodores Lippen verzogen sich zu einem boshaften Lächeln.

„Verhören, natürlich.“

Angriffslustig hob Longbottom den Zauberstab und stutzte, die Augen entsetzt aufgerissen, als er den zerbeulten Becher in Theodores Händen sah.

„Ist das Gift?“

„Nein. Veritaserum“, antwortete Theodore spöttisch. „Würde ich ihm Gift geben, wäre das Verhör wohl ziemlich schnell beendet.

„Es ist Wasser“, krächzte Colin, klang dankbar und vorwurfsvoll zugleich und Theodore verzog das Gesicht wie unter Zahnschmerzen, weil Longbottoms Augen jetzt groß und rund vor Ungläubigkeit waren.

„Du versaust gerade mein Image, Creevey!“, zischte Theodore so leise, dass nur Colin ihn hören konnte.

„Das hast du dir mit der netten Geste selbst versaut“, wisperte Colin ebenso leise zurück und lächelte schwach – was in Nott den eigenartigen Wunsch erweckte, das gewohnte Lächeln wieder zu erleben; übelkeitserregend fröhlich und voller Zähne.

Er räusperte sich verlegen und nahm Longbottoms jämmerliche Truppe in Augenschein. Sie starrten zurück, als hätten sie soeben herausgefunden, der Dunkle Lord sei eigentlich der nette Onkel von nebenan.

„Also – ich werde mich jetzt unvorsichtigerweise umdrehen“, wies er Longbottom streng an. „Und dann werde ich in Ausübung meiner Pflicht feige und hinterrücks niedergestreckt und leider gar nichts davon mitbekommen, was ihr danach mit dem Gefangenen tut.“

Longbottom starrte noch immer verdattert und Theodores nicht besonders widerstandsfähiger Geduldsfaden war bereits bedenklich dünn, weil er so in die Länge gezogen wurde; da stand ja ein wahrer Meister der Subtilität vor ihm.

Niedergestreckt, Longbottom – wenn es keine Umstände macht.“

„Oh! Oh. Ja. Natürlich...“

Der Gryffindor straffte die Schultern und richtete einen zitternden Zauberstab auf ihn.

Na endlich kapiert, Glückwunsch.

Dann wurde alles dunkel – dennoch hatte Nott behutsame Hände, die ihn auffingen, noch deutlich spüren können.


Enervate!“

Die Hände, die ihn jetzt schüttelten, waren weit weniger behutsam, rissen grob an seiner Robe, gruben sich tief in seine Schulter.

„Nott! Wachen Sie sofort auf und sagen Sie mir, was hier passiert ist!“

Theodore blinzelte und das verschwommene Flimmern klärte sich, enthüllte zusammengekniffene Lippen in einem verlebten Gesicht und die verengten Augen Alecto Carrows, die ihn wütend fixierten.

„Ich… ich weiß nicht, Professor“, wisperte Theodore heiser, richtete sich vorsichtig auf, den Kopf vorsichtshalber gespielt demütig gesenkt. „Ich wollte wie gefordert nur den Gefangenen, äh, verhören und wurde anscheinend von hinten angegriffen…“

Er warf einen prüfenden Blick in misstrauische Augen und legte sich noch die ein oder andere Lüge zurecht, die er Carrow vor die Füße werfen konnte, doch die Todesserin schien jäh das Interesse an ihm zu verlieren. Vielleicht weil sie fettere Beute witterte.

„Das war Longbottom und seine Bande! Seit Wochen nichts als Ärger mit dem Kerl… irgendwo muss der doch sein Schlupfloch haben.“ Erneut betrachtete sie Theodore, schürzte nachdenklich die Lippen. „Und Sie haben nichts bemerkt?“

„Nein.“ Bedauernd schüttelte den Kopf, ganz pflichtbewusster Slytherin. „Ich wünschte, es wäre so, doch sie haben sich hinterrücks an mich herangeschlichen.“

„Hm, ja. Nun gut.“ Carrow strich sich nachdenklich über das Kinn. „Sie dürfen gehen. Morgen erstatten Sie Bericht, nachdem Sie Ihren Rundgang beendet haben. Melden Sie alle außergewöhnlichen Aktivitäten.“

„Jawohl, Professor“, murmelte Theodore und stellte schockiert fest, dass sein dienstbeflissener Ton ihn selbst anwiderte. Was geschah nur mit ihm? Mit seinen Prinzipien und Idealen, die er bislang für richtig gehalten hatte?

Als er kurze Zeit später den Slytherin-Gemeinschaftsraum betrat, ignorierte er seine Hauskameraden, allen voran Malfoy und seine Clique – überhaupt waren seine Mitschüler nie interessant genug für ihn gewesen (und wenn doch, dann für interessantere Tätigkeiten als belanglose Unterhaltungen).

Parkinson warf ihm gierige Blicke zu und Theodore stockte kurz; so sah sie ihn immer an, wenn Draco ihr gerade die kalte Schulter zeigte. Und ihr kurviger Körper war schon etwas, das Theodore bislang immer sehr genossen hatte... bislang. Gerade war ihm aber nicht danach, Ersatz zu spielen und sich danach so unendlich leer zu fühlen.

Nein, Theodore hatte vielmehr vor, sich auf sein Bett zu werfen und den wohlverdienten Schlaf zu holen, ohne noch solch merkwürdigen (erschreckenden) Gedanken nachzugehen. Weder über Colin noch über sonst jemanden.

Da war es schon praktisch, dass jenes überflüssige Weihnachtsbankett, sonst immer von Dumbledore organisiert, dieses Jahr ausfallen würde. Und morgen würde er auch ausschlafen können, da er sowieso keine Geschenke bekam – nicht, dass es viel anders gewesen wäre, als sein Vater noch nicht in Askaban festsaß oder, so wie jetzt, unaussprechliche Aufträge für den Dunklen Lord ausführte.

Schlafen war zumindest der Plan gewesen. Hätten sich da nicht ständig himmelblaue Augen in seine Gedanken geschlichen, während Theodore sich unruhig von einer Seite zur anderen wälzte und schließlich frustriert seufzend auf dem Rücken liegen blieb.

In die Dunkelheit starrend, dachte er an die Kamera, die irreparabel zerstört war. Und an die Bilder, die nur ihn zeigten. Wie hatte die kleine Nervensäge es geschafft, ihn nicht nur heimlich, sondern auch auf diese Weise zu fotografieren? Nott mochte sein Gesicht absolut nicht – zumindest jenes kantige, schroffe Gesicht, das ihm jeden Morgen aus dem Spiegel entgegensah. Sein Gesicht, wie Creevey es eingefangen hatte, war allerdings etwas vollkommen anderes. Als ob Flummi genau seine Schokoladenseite festhalten konnte; wobei Theodore sich nicht bewusst gewesen war, eine zu besitzen.

Hm, aber sehe ich wirklich immer so grimmig drein?

Von diesem ganzen Chaos einmal abgesehen, hatte er vor lauter Hilfsbereitschaft vergessen Creevey zu fragen, was das alles sollte…

Tatsächlich. Er hatte keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, beim Anblick des geschwollenen, blutigen Gesichts. Da war nur Mitleid gewesen. Ein abgrundtief schlechtes Gewissen. Und der unbändige Wunsch, zu helfen.

So wie jetzt auch.

Verdammt!

Wütend auf sich selbst, hieb Theodore mit geballter Faust auf die Bettdecke ein und schimpfte sich selbst einen Idioten. Diese Gefühle waren neu, besorgniserregend intensiv – und es war absolut hirnrissig, ausgerechnet einem Schlammblut gegenüber so zu empfinden.

Denn Theodore Nott war keine Person, die sich über andere allzu viele Gedanken machte – er zog Sicherheit vor. Ganz so, wie sein Vater es ihm nur zu oft eingebläut hatte. Er öffnete sich niemandem, was ihn nicht davon abhielt, zu nehmen, wenn etwas geboten wurde (natürlich immer vorausgesetzt, die Person war nicht unter seiner Würde – und vor allem reinblütig). Allerdings ging er jedes Mal, bevor es ernst werden, bevor es mehr als Sex sein konnte. Und diese Vorsicht war ihm bislang immer zugute gekommen – niemand konnte ihn verletzen, wenn er niemanden zu nahe an sich heranließ. Glücklicherweise neigten Slytherins zu äußerster Diskretion – und das galt für alle der wenigen Mädchen und Jungen, mit denen Theodore das Vergnügen gehabt hatte. Sie suchten Ablenkung, genau wie Theodore und sie konnten schweigen.

Mitglieder anderer Häuser hatte er bislang gemieden, sogar mehr, als seine eigenen Hausgenossen. Diese waren äußerst unsicheres Terrain.

Und nun hatte er nichts Besseres zu tun, als sich in einen hyperaktiven, durchgeknallten kleinen Gryffindor zu –

Nein. Das ist vollkommen absurd.


Die Fortsetzung gibt es morgen! Wir hoffen, bis jetzt euer Wohlwollen gefunden zu haben ;)



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