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Autor: Tali
Songtext: Farin Urlaub
Discl: Goten und Trunks gehören Akira Toriyama. Ich habe nicht vor, Geld mit dieser Story zu verdienen. hysterisch lach Wer sollte mir dafür schon Geld geben??
Sumisu
Unsere Tage waren dunkel
Unsere Hemden waren schwarz
Wir standen ständig auf dem Schulhof in der Ecke
Und wir tauschten tief enttäuschte Blicke aus
Und immer wenn wir traurig waren
(Und traurig waren wir ziemlich oft)
Gingen wir zu dir nach Hause
Und da hörten wir die Smiths
Unsere Nächte waren einsam
Unsere Herzen waren schwer
Es gab niemanden, der uns verstehen konnte oder wollte
Und so kamen wir uns näher
Und immer wenn wir traurig waren
(Und traurig waren wir ziemlich oft)
Nahm ich dich im meine Arme
Und dann hörten wir die Smiths
Manchal auch The Cure oder New Order
Aber größtenteils die Smiths
Lost life - lost love
"Jeder kennt das - es ist völlig normal und ich wette, auch du hast sowas
schon durchgemacht." Trunks zuckt unschlüssig mit den Schultern und starrt
weiterhin mit einem verbissenen Lächeln auf das karierte Muster der
Tagesdecke, die auf meinem Bett liegt.
"Ich meine dieses Gefühl, dass du niemanden hast oder dass sich
irgendjemand einen Dreck um dich schert." Er blickt auf und kneift kurz
die Augen zusammen, als ein Strahl der grellen Nachmittagssonne in seine
blauen Augen trifft. Mir fällt auf, dass es schöne Augen sind, etwas
merkwürdig in der Form, entweder weil seine Mutter eine Japanerin ist oder
sein Vater nicht von dieser Welt.
Ich grinse kurz bei diesen Worten, weil sie kitschig und abgenutzt
klingen, aber ich weiß auch, dass sie auf Vegeta zutreffen - in beiden
Bedeutungen, wie ich meine, und ich bemerke wie ein leichtes Kribbeln auf
meinen Wangen anzeigt, dass meine Gedanken sich Dingen zuwenden, die
eigentlich nur Trunks Mutter etwas angehen.
"...dazu zu gehören."
Ich werde aufgeschreckt aus meinen Gedanken an Vegetas süssen Knackarsch,
als mir auffällt, dass sein Sohn weitergesprochen und seine Stimme sich
unwillkürlich erhoben hat. Die Fäuste geballt, die Zähne aufeinander
gepresst schaut er aus dem Fenster, den Fokus auf den Horizont gerichtet,
oder auf das, was dahinter ist, und eine Welle von Schuldgefühlen
überschwemmt mich, als ich realisiere, dass der halbe Ausserirdische, der
auf meinem Bett sitzt, gerade etwas sehr bedeutsames gesagt haben muss.
"Ähm.. ich hab grad nicht zugehört... Tschuldigung!" Ein verlegenes
Grinsen kreuzt meine Lippen.
Für einen kurzen Moment wirkt mein Gegenüber wütend, aber das legt sich
ziemlich schnell, als er selbst anfängt entschuldigend zu lächeln. "Tut
mir leid, dass ich dich mit all dem zulabere - vielleicht sollte ich
gehen?"
Nachdem ich ihm eilig versichert habe, dass es schon in Ordnung sei,
wiederholt er geduldig: "Jeder Teenager kennt das Gefühl, nicht dazu zu
gehören - und bei uns war es noch schlimmer." Er senkt kurz den Kopf und
seine Hände zittern in Erinnerung an die unmittelbaren Ereignisse, die
seiner Abreise vorausgegangen waren. "Ich bin der Sohn der reichsten Frau
der Welt, Gotens Vater ist weltweit als ein Champion in den Martial Arts
bekannt - und dazu kommt noch unsere... Andersartigkeit." Er zuckt
unschlüssig mit den Schultern.
"Wenn man all das zusammennimmt gibt es Gerüchte - ist ja klar - und die
Leute fangen an, sich den Mund fusselig zu tratschen, darüber wie du
angeblich bist und so weiter... Wir hatten doch blos uns!", bricht es
plötzlich aus ihm hervor und ich zucke zurück, erschrocken darüber, Tränen
in seinen Augenwinkeln blitzen zu sehen.
"Keiner wollte irgendwas mit uns zu tun haben, wir haben immer nur uns
gehabt, und... " Er hält inne, nicht sicher, ob er schon zu viel erzählt
hat oder nicht. "Und da ist es eben passiert."
"Schule war einfach die Hölle! Keiner konnte uns ausstehen: weder die
Lehrer, die dachten wir wären nur irgendwelche verzogenen Bengel, noch die
anderen Schüler, die immer nur mit Fingern auf uns zeigten, weil wir
zuerst privat unterrichtet worden waren." Trunks verzieht genervt das
Gesicht. "Versuch du mal, zwei Kinder unter Kontrolle zu halten, die in
einem Anfall von Ärger die halbe Welt vernichten könnten." Er lacht
verächtlich. "Aber das wussten die anderen ja nicht und wenn sie es
erfahren hätten, wäre die ganze Situation vielleicht nur noch eskaliert."
Er seufzt kurz in den Erinnerungen, die ich gut nachvollziehen kann, denn
auch ich habe nicht nur Freunde an der Schule gehabt.
"Und zu Hause war es fast noch schlimmer", fährt Trunks nach einer Weile
fort. "Unsere Väter prügelten sich in regelmäßigen Abständen fast zu Tode
- und ich sage dir, es sah mehr als einmal so aus, als ob sie ernst machen
wollten - und unsere Mütter stellten beinahe unerfüllbare Forderungen an
uns und keiner von ihnen hatte die Zeit oder die Nerven, sich mit zwei
depressiven Teenagern auseinanderzusetzen." Er zupft unwillkürlich am
gerüschten Saum seines schwarzen Seidenhemdes, das er trotz der Hitze
draussen trägt. "Immer hies es nur: 'Geh doch zu Goten und trainiert ein
bisschen.' Als ob das das ultimative Geheimrezept gegen alle Leiden sei -
aber dass wir nicht wie unsere Väter waren, auf die das wohl irgendwie
zutraf, haben sie nie begriffen."
Langsam dämmert mir, dass diese Geschichte, die er gerade dabei ist zu
erzählen, wohl die letzte und aufwühlendste sein wird von denen, die er
mir bis jetzt anvertraut hat, denn er scheint nervöser zu werden mit jedem
weiteren Satz, der ihn dem Ende der Geschichte zutragen wird.
"Naja, und wenn uns mal wieder die ganze Welt angekotzt hat, haben wir die
Schule geschwänzt und haben uns in Gotens Apartment verkrochen. Du musst
wissen, dass seine Eltern eigentlich irgendwo in der tiefsten Provinz
wohnen und der Schulweg einfach zu weit war - und schließlich durfte doch
niemand wissen, dass wir einen Fünf-Stunden-Flug auf eine halbe Stunde
abkürzen konnten.
"Jedenfalls haben wir oft in seiner Wohnung gehockt und uns gegenseitig
noch tiefer in den Depri hineingezogen. Und eines Tages hat mir irgend so
ein Typ eine Kassette in die
Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle sie mir mal anhören. Warte, ich
hab sie dabei..."
Mit diesen Worten beugt Trunks sich hinunter und beginnt, in seiner Tasche
zu kramen und ich nutze die Gesprächspause, um einen kleinen Schluck von
meiner Cola zu trinken, die Aktion eigentlich sofort bereuend, weil das
Getränk mittlerweile warm und ohne Kohlensäure ist. Um den Geschmack
loszuwerden nehme ich einen Keks von dem Tablett, das neben Trunks auf dem
Bett steht und knabbere ein wenig daran herum, nachrechnend wie viele von
diesen ich schon gegessen habe, weil ich keine Lust habe, schon wieder so
einen Trip zu fahren wie auf Lucys Party, als ich versehentlich die
unbehandelten Kekse mit dem Haschgebäck verwechselt hatte.
Ich komme zu dem Schluss, dass drei Kekse nicht zuviel sind und
verschlinge hungrig das Gebäckstück.
Trunks hatte ebenfalls schon seinen Anteil an dem gespickten Gebäck wie
mir einfällt und ich frage mich flüchtig, ob seine Gesprächigkeit
vielleicht darin resultiert, dass sie bei ihm schneller wirken.
"Hier." Er hat die Kassette gefunden und reicht sie mir. Das Tape sieht
schon ziemlich abgenutzt aus.
"Es ist Metal und Gothic. Ich sage dir, das war einfach unglaublich, wie
gut die Musik unsere Gefühle widerspiegelte! Zum ersten Mal in unserem
Leben fühlten wir uns verstanden - was für ein Gefühl!!"
Ich nicke zustimmend, als ich mir ins Gedächtnis zurückrufe, dass ich es
auch als seltsam tröstlich empfunden habe, mich durch solche Musik sanft
noch weiter in meine Depressionen tragen zu lassen; damals, als ich selbst
diese Phase durchgemacht habe. Musik, die von halbvergessenen Instrumenten
gespielt wurde, überhaupt ätherisch zu sein schien mit ihren harten aber
langsamen Beats untermalt von sonoren, aber trotz allem melodischen
Stimmen - diese Musik konnte einen einhüllen, sanft umfangen wie ein
Schlaflied des Todes. Und war es nicht der Tod, den wir uns so sehnlichst
wünschten?
Aber schon lange habe ich diese Phase hinter mir und das Leben hat mich
wieder. Aber jeder, der so etwas durchmachte ist auf seine Art gezeichnet
für immer. Das heißt, wenn er diese Phase überlebt...
Ich grinse freudlos als ich Trunks betrachte, der mit überkreuzten Beinen
auf dem Bett sitzt - blass, mit Ringen unter Augen, die das Tageslicht
kaum mehr gewohnt sind und mit einer hageren Gestalt, die eng von samtenen
Schwarz umhüllt wird. Er hat mir Fotos gezeigt von der Zeit, bevor er
hierher gekommen ist und es hat mich zu Tode erschreckt, zu sehen, wie
sehr er sich gewandelt hat: Er scheint nur noch ein Schatten seines
ehemaligen Selbst zu sein, langsam ausbleichend wie eine alte Leinwand,
oder, was ich noch treffender finde, wie ein Bildschirm, über den die
letzten Sequenzen eines Films laufen - er ist noch nicht ganz vorbei, aber
das Bild fängt schon an zu flackern, auszufransen an den Ecken und der Ton
wird leiser und leiser, überwältigt von der stetig lauter werdenden Statik
der Auslöschung.
"Immer mehr kamen wir zu der Überzeugung, dass niemand uns wirklich
verstehen konnte", spricht er weiter und seine Stimme ist noch kraftloser
als sie zu Beginn seiner langen Beichte gewesen war. "Ausgenommen der
jeweils andere und die körperlosen Stimmen, die immer mehr zu einer Art
Zuflucht für uns wurden. Wir blieben immer öfter zusammen dort in der
Wohnung, lagen stundenlang in abgedunkelten Zimmern herum, kifften und
sagten kein Wort."
Seine Augen sind mittlerweile geschlossen und ich bemerke wie eine leichte
Röte über Trunks Wangen kriecht, aber auch etwas anderes sehe ich, dass
mir einen Schauder über den Rücken jagt: Tränen hängen an seinen Wimpern,
nur wenige Millimeter davon entfernt, endgültig ihr seidiges Gefängnis zu
verlassen und über seine Wangen zu laufen.
"Ganze Tage brachten wir so zu und wenn wir ab und zu doch in der Schule
waren oder bei unseren Eltern, konnten wir es kaum erwarten wieder in
unsere kleine Zuflucht zu kommen. Das Leben mit den Anderen war so
schwierig geworden! Und dort war unser kleines Paradies - mehr brauchten
wir nicht als die Hitze des Sommers hinter schwarzen Jalousien und die
Nähe des anderen.
Ab und zu kamen auch ein paar Leute mit in Gotens Wohnung, die wir auf
Konzerten oder in Clubs kennen lernten, aber meistens blieben sie nicht
lange. Diese Leute himmelten den Tod als irgendetwas mystisch- dämonisches
an - kompletter Schwachsinn für jemanden, der mit acht Jahren das erste
Mal gestorben ist."
'Armer Trunks - nicht einmal diese Illusion durftest du behalten!', denke
ich und sehe mit Erstaunen, dass seine Tränen komplett verschwunden sind
und dass stattdessen Blut in seine Wangen geschossen ist.
Wieder zupft er nervös an seinem Ärmel und schluckt mehrere Male ohne
etwas zu sagen, während ich überlege wie ich ihn am besten aus seiner
Verlegenheit herausholen könnte, denn anscheinend behandeln die nächsten
Sätze etwas sehr Privates. Ich bin mir fast sicher, worüber es sein wird -
er hat es mehrmals angedeutet - und mich plötzlich an die Kassette
erinnernd, die ich noch immer in Hände halte, reiche ich sie zurück an
ihren Eigentümer und lächele verstehend in die unsicheren Augen Trunks als
sein Blick sich hebt.
"Du musst nicht weitersprechen, wenn du nicht willst, Trunks. Aber sei dir
sicher, dass du mir alles sagen kannst, was dich bewegt - wir sind hier
aufgeschlossener als in Japan."
Ein kleines, dankbares Lächeln huscht über seinen Mund, aber schnell senkt
er wieder den Kopf, sich wohler fühlend, wenn er sein Publikum nicht sehen
muss.
"Wir... wir wurden immer mehr der Mittelpunkt für den jeweils anderen. Wir
hatten bloß uns. Niemand sonst wollte uns haben." Seine Stimme ist zu
einem Flüstern herabgesunken und er starrt wieder einmal abwesend durch
mein offenes Fenster auf den Horizont. "Und eines Tages... haben wir...
uns geküsst und später noch mehr... miteinander geschlafen."
Als ob ein unsichtbarer Damm gebrochen ist, erzählt er plötzlich flüssig
und seine vorherige Verlegenheit scheint völlig verschwunden zu sein. "Es
war einfach wunderbar und wir schienen wie für einander geschaffen zu
sein, so wie sich unsere Körper dem jeweils anderen anpassten und
ineinander zu verschmelzen schienen als wir das erste Mal miteinander
schliefen." Seine Stimme ist immer leiser geworden während der letzten
Worte und er hat seine Augen geschlossen, offenbar nicht bemerkend, dass
ein seliges Lächeln auf seinen Lippen liegt. Ich brenne vor Verlangen,
mehr zu hören - natürlich mehr über das Ende der Geschichte, wie ich mir
einzureden versuche - aber für lange Minuten schweigt er einfach. Ich
werde immer ungeduldiger, aber ich weiß auch, dass ich mich still
verhalten muss, will ich ihn nicht verschrecken.
Plötzlich reißt mich sein gequältes Stöhnen aus meinen Träumen.
"Verdammt! Wie konnte das alles nur so eskalieren?!", klingt es gedämpft
zwischen seinen Händen hervor, die seinen Kopf stützen und das Gesicht
verdecken. Plötzlich bin ich mir sicher, dass er weint hinter dieser
Barriere, die ihm Schutz bietet. "Goten! Warum, zum Teufel, hast du die
Nerven verloren?"
"Was ist passiert?", frage ich atemlos vor Spannung und Schrecken.
Lange Zeit schweigt er einfach, die Hände weiterhin vor den Augen, die
gesamte Gestalt zusammengesunken bietet er ein wirklich bemitleidenswertes
Bild.
"Meine.. Eltern."
"Wie bitte?"
"Meine Eltern haben uns überrascht als wir, na ja, weißt schon. Und sie
sind total ausgerastet." Trunks Hände fallen kraftlos in seinen Schoß und
entblößen ein Gesicht, auf dem silberne Tränenspuren glitzern.
"Irgendjemand aus der Schule hatte sie über unser Fehlen benachrichtigt
und sie hatten nachsehen wollen, ob alles in Ordnung war. Aber als sie uns
dann fanden tickten sie völlig aus!" Er springt von meinem Bett auf, die
Arme um sich selbst geschlungen marschiert er in meinem Zimmer auf und ab.
Am Fenster bleibt er schließlich stehen, die Arme auf den niedrigen
Fenstersims gestützt blickt er wieder einmal nach Osten. Plötzlich stellt
er einen Fuß auf die Fensterbank, lehnt sich so weit vor, bis ich davon
überzeugt bin, dass er im nächsten Augenblick hinunterstürzen wird.
"Trunks...?" Unsicher erhebe ich mich und gehe vorsichtig auf ihn zu,
innerlich betend, dass ich ihn nicht erschrecke und so zum Abstürzen
bringe. Nur noch wenige Millimeter trennen ihn vom völligen
Gleichgewichtsverslust und er hat seinen Kopf gesenkt, blickt wie
hypnotisiert auf den Asphalt, der sich drei Stockwerke unter uns
ausbreitet. "Trunks, lass das bitte." Meine Stimme klingt ziemlich
gepresst und für einen Moment erkenne ich sie nicht einmal selbst.
"Ich könnte springen...", sagt er plötzlich wie zu sich selbst." Oder ich
könnte nach Hause fliegen." Endlich verlagert er sein Gewicht und kehrt
ins Zimmer zurück - ich atme auf vor Erleichterung und erschrecke, als ich
seinen leeren Gesichtsausdruck bemerke. "In jeden Fall wäre ich wieder bei
ihm."
Ich spüre wie meine Augenbrauen sich verwirrt zusammenziehen, als ich
seine letzten Worte zu verstehen versuche. Plötzlich schießt es
siedendheiß durch mich hindurch und meine Magengrube zieht sich
schmerzhaft zusammen, als mir die Bedeutung endlich aufgeht. In Gedanken
gehe ich die ganze Geschichte noch einmal durch - und hoffe verzweifelt,
mich irgendwo verkalkuliert zu haben. Aber ich finde keinen Fehler.
"Trunks, was..." Ich bekomme kaum ein Wort heraus. "Was ist passiert? Er
hat doch nicht...?" 'Oh, bitte, sag, dass er das nicht getan hat!'
Alle Kraft scheint ihn plötzlich verlassen zu haben, als er sich schwer
gegen die Wand lehnt und langsam an ihr herunterrutscht. Eine Hand hebt
sich zitternd, nicht sicher, ob sie den Kopf stützen soll, der plötzlich
zu schwer für den Hals geworden ist, oder die Tränen wegwischen, die ihm
die Sicht nehmen. Sein ganzer Körper beginnt zu zittern und ich merke, wie
mir schlecht wird, als ich meine schlimmsten Vermutungen durch sein
zögerndes Nicken bestätigt sehe. "Doch, er hat Selbstmord begangen... Vor
meinen Augen... Im Affekt..." Seine Hand kommt wieder herunter, umschlingt
mit ihrem Gegenstück seine Knie während sein ganzer Körper haltlos zur
Seite sackt. Ich sehe erstarrt vor Schrecken zu, wie er, in Fötushaltung
auf dem Boden vor meinem Bett liegend, krampfhaft versucht, seine
Emotionen unter Kontrolle zu halten - und so kläglich darin versagt.
Mir ist völlig elend zumute, Schweiß bricht mir am ganzen Körper aus, als
ich dieses Bild sehe. Ich möchte helfen, irgendetwas tun, damit er nicht
mehr so leiden muss, aber ich weiß, dass es nichts gibt, das irgendetwas
ändern könnte und dadurch fühle ich mich noch schlechter. Ein
unterdrücktes Schluchzen bricht schließlich den Bann, der auf mir liegt
und in der nächsten Sekunde knie ich neben ihm auf dem Boden und ziehe ihn
in meine Arme. Ich wiege ihn sanft hin und her, summe leise die Melodie
eines Kinderliedes, von dem ich hoffe, dass es ihn beruhigen wird, aber
nichts scheint zu helfen.
Stunden später stehen wir uns in der Tür meiner Wohnung gegenüber, wie
Fremde schweigen wir uns an, weil niemand weiß wie wir uns verabschieden
und weiter unserer eigenen Wege gehen sollen, wo uns nun doch so viel
verbindet.
Ich schaue unsicher hinunter auf meine Hand, die das Tape umklammert und
ich frage mich, ob ich nicht einen Fehler gemacht habe. Vielleicht finde
ich es gar nicht? Oder das Grab ist an einem Ort, den ich nicht erreichen
kann?
Trunks lehnt müde am Türrahmen, ausgelaugt vom stundenlangen Erzählen und
seinem anschließenden Zusammenbruch. Es hat lange gedauert, bis er sich
schließlich beruhigt hatte und stockend erzählte, immer wieder
unterbrochen von heftigen Gefühlen, die er kaum beherrschen konnte. Aber
schlussendlich hat er mir alles erzählt: davon, wie seine Eltern sie
auseinandergezerrt hatten, sie für Tage isoliert hielten, wie die
jahrelange Freundschaft zwischen beiden Familien zerbrach, als beide
Elternpaare sich gegenseitig Vorwürfe machten.
Er erzählte mir von dem Moment, als seine Eltern in sein Zimmer kamen, um
zu verkünden, dass er hierher, auf eine ausländische Schule, geschickt
werden sollte - also praktisch ins Exil - und wie eine Minute später Goten
bei ihnen auftauchte. Trunks berichtete mir von dem emotionalen Aufruhr,
den der Anblick desjenigen verursachte, den er so liebte und vermisste.
Goten sah genauso krank und mitgenommen aus, wie Trunks sich gefühlt
hatte. Er war abgemagert, mit schwarzen Ringen unter den Augen, die ihren
Glanz in unzähligen schlaflosen Nächten verloren hatten.
Goten war zu seinen Eltern getreten, hatte sie inständig angefleht, Trunks
nicht wegzuschicken und war schließlich vor ihnen auf die Knie gesunken,
als sie weiterhin auf ihrer Meinung beharrten.
Aber Vegeta hatte Goten nur weggestoßen und beiden Jungen verboten, je
wieder in die Nähe des jeweils anderen zu kommen, wenn ihnen ihr Leben
lieb war. Das war zuviel für den jüngeren gewesen: aufgebracht und in
Tränen aufgelöst war er aufgesprungen und hatte aus dem Nichts ein Messer
hervorgezaubert. Zitternd und bebend hatte er es sich an die Kehle
gehalten und unter Schluchzern gesagt, dass ein Leben ohne Trunks sowieso
nichts wert sei - und bevor irgendjemand von den dreien hatte eingreifen
können, hatte er sich das Messer über die Kehle gezogen.
Trunks war sofort zu ihm gestürzt, hatte versucht, ihn mit seinem Ki Kraft
zu geben bis ein Arzt gekommen wäre, aber Goten hatte sich strikt
geweigert, die Energie anzunehmen. Schließlich war der junge Halbsaiyajin
langsam in Trunks Armen verblutet, das Gesicht in dessen Brust gedrückt
und ein seliges Lächeln auf den Lippen, die Trunks noch Tage vorher mit
Liebe und Inbrunst geküsst hatte.
"Ich habe mir immer gewünscht, in deinen Armen zu sterben, Tru- chan...",
waren die letzten Worte Gotens gewesen, bevor er kraftlos in sich
zusammengesackt war.
"Ich habe spüren können, wie seine Seele seinen Körper verließ - es war,
als ob ich für einen kurzen Moment von etwas himmlisch schönen und reinen
berührt worden wäre, bevor dieses Gefühl verschwand und nur Kälte
zurückließ." Trunks hatte am Ende dieser schmerzvollen Beichte kraftlos
auf meinem Bett gelegen und auf die Decke gestarrt. Die Arme um sich
selbst geschlungen hatte er Stunde um Stunde erzählt, bis seine Kehle vom
Sprechen und Weinen rau gewesen war. Und jetzt standen wir auf der
Schwelle zu meiner Wohnung und niemand wusste, was er dem Anderen zum
Abschied sagen sollte.
Trunks blickt noch einmal hinunter auf die Kassette. "Du verstehst, warum
ich nicht zurückkehren kann? Der Gedanke, an einem Ort zu sein, an dem er
vor ein paar Wochen noch lebte und atmete macht mich wahnsinnig. Ich
vermisse ihn so schrecklich..." Plötzlich umfasst er meine Hand. "Bitte,
versuch sein Grab zu finden, gib ihm das Tape und sag ihm..." Er
unterbricht sich und blickt mich halb erschrocken, halb entschlossen an,
"Sag ihm, ich werde bald nachkommen."
Die wilde Entschlossenheit in seinem Blick lässt mich meinen bissigen
Kommentar herunterschlucken. 'Wer bin ich, zu entscheiden, ob ihre Liebe
dieses Opfer wert ist?', frage ich mich, als ich Trunks Rücken am Ende des
Flures die Treppen heruntersteigen und dann verschwinden sehe.
Gedankenvoll schließe ich die Tür und kehre bedrückt an meine Arbeit
zurück, die Kassette auf meinen Reisepass legend, damit ich sie nicht
vergesse.
"Ja", seufze ich, "Wer bin ich, zu entscheiden, was Liebe ist?" Aber
trotzdem habe ich kein gutes Gefühl dabei.
Owari