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Anime/Manga » Dragon Ball Z » Lost life, lost love font: B s : A A A . width: full 3/4 1/2
Author: Tali1
Fiction Rated: T - German - Drama/Romance - Goten & Trunks - Reviews: 1 - Published: 09-17-02 - Updated: 09-17-02 - id:971186

Autor: Tali

Songtext: Farin Urlaub

Discl: Goten und Trunks gehören Akira Toriyama. Ich habe nicht vor, Geld mit dieser Story zu verdienen. hysterisch lach Wer sollte mir dafür schon Geld geben??

       

Sumisu

Unsere Tage waren dunkel

Unsere Hemden waren schwarz

Wir standen ständig auf dem Schulhof in der Ecke

Und wir tauschten tief enttäuschte Blicke aus

Und immer wenn wir traurig waren

(Und traurig waren wir ziemlich oft)

Gingen wir zu dir nach Hause

Und da hörten wir die Smiths

Unsere Nächte waren einsam

Unsere Herzen waren schwer

Es gab niemanden, der uns verstehen konnte oder wollte

Und so kamen wir uns näher

Und immer wenn wir traurig waren

(Und traurig waren wir ziemlich oft)

Nahm ich dich im meine Arme

Und dann hörten wir die Smiths

Manchal auch The Cure oder New Order

Aber größtenteils die Smiths

Lost life - lost love

"Jeder kennt das - es ist völlig normal und ich wette, auch du hast sowas

schon durchgemacht." Trunks zuckt unschlüssig mit den Schultern und starrt

weiterhin mit einem verbissenen Lächeln auf das karierte Muster der

Tagesdecke, die auf meinem Bett liegt.

"Ich meine dieses Gefühl, dass du niemanden hast oder dass sich

irgendjemand einen Dreck um dich schert." Er blickt auf und kneift kurz

die Augen zusammen, als ein Strahl der grellen Nachmittagssonne in seine

blauen Augen trifft. Mir fällt auf, dass es schöne Augen sind, etwas

merkwürdig in der Form, entweder weil seine Mutter eine Japanerin ist oder

sein Vater nicht von dieser Welt.

Ich grinse kurz bei diesen Worten, weil sie kitschig und abgenutzt

klingen, aber ich weiß auch, dass sie auf Vegeta zutreffen - in beiden

Bedeutungen, wie ich meine, und ich bemerke wie ein leichtes Kribbeln auf

meinen Wangen anzeigt, dass meine Gedanken sich Dingen zuwenden, die

eigentlich nur Trunks Mutter etwas angehen.

"...dazu zu gehören."

Ich werde aufgeschreckt aus meinen Gedanken an Vegetas süssen Knackarsch,

als mir auffällt, dass sein Sohn weitergesprochen und seine Stimme sich

unwillkürlich erhoben hat. Die Fäuste geballt, die Zähne aufeinander

gepresst schaut er aus dem Fenster, den Fokus auf den Horizont gerichtet,

oder auf das, was dahinter ist, und eine Welle von Schuldgefühlen

überschwemmt mich, als ich realisiere, dass der halbe Ausserirdische, der

auf meinem Bett sitzt, gerade etwas sehr bedeutsames gesagt haben muss.

"Ähm.. ich hab grad nicht zugehört... Tschuldigung!" Ein verlegenes

Grinsen kreuzt meine Lippen.

Für einen kurzen Moment wirkt mein Gegenüber wütend, aber das legt sich

ziemlich schnell, als er selbst anfängt entschuldigend zu lächeln. "Tut

mir leid, dass ich dich mit all dem zulabere - vielleicht sollte ich

gehen?"

Nachdem ich ihm eilig versichert habe, dass es schon in Ordnung sei,

wiederholt er geduldig: "Jeder Teenager kennt das Gefühl, nicht dazu zu

gehören - und bei uns war es noch schlimmer." Er senkt kurz den Kopf und

seine Hände zittern in Erinnerung an die unmittelbaren Ereignisse, die

seiner Abreise vorausgegangen waren. "Ich bin der Sohn der reichsten Frau

der Welt, Gotens Vater ist weltweit als ein Champion in den Martial Arts

bekannt - und dazu kommt noch unsere... Andersartigkeit." Er zuckt

unschlüssig mit den Schultern.

"Wenn man all das zusammennimmt gibt es Gerüchte - ist ja klar - und die

Leute fangen an, sich den Mund fusselig zu tratschen, darüber wie du

angeblich bist und so weiter... Wir hatten doch blos uns!", bricht es

plötzlich aus ihm hervor und ich zucke zurück, erschrocken darüber, Tränen

in seinen Augenwinkeln blitzen zu sehen.

"Keiner wollte irgendwas mit uns zu tun haben, wir haben immer nur uns

gehabt, und... " Er hält inne, nicht sicher, ob er schon zu viel erzählt

hat oder nicht. "Und da ist es eben passiert."

"Schule war einfach die Hölle! Keiner konnte uns ausstehen: weder die

Lehrer, die dachten wir wären nur irgendwelche verzogenen Bengel, noch die

anderen Schüler, die immer nur mit Fingern auf uns zeigten, weil wir

zuerst privat unterrichtet worden waren." Trunks verzieht genervt das

Gesicht. "Versuch du mal, zwei Kinder unter Kontrolle zu halten, die in

einem Anfall von Ärger die halbe Welt vernichten könnten." Er lacht

verächtlich. "Aber das wussten die anderen ja nicht und wenn sie es

erfahren hätten, wäre die ganze Situation vielleicht nur noch eskaliert."

Er seufzt kurz in den Erinnerungen, die ich gut nachvollziehen kann, denn

auch ich habe nicht nur Freunde an der Schule gehabt.

"Und zu Hause war es fast noch schlimmer", fährt Trunks nach einer Weile

fort. "Unsere Väter prügelten sich in regelmäßigen Abständen fast zu Tode

- und ich sage dir, es sah mehr als einmal so aus, als ob sie ernst machen

wollten - und unsere Mütter stellten beinahe unerfüllbare Forderungen an

uns und keiner von ihnen hatte die Zeit oder die Nerven, sich mit zwei

depressiven Teenagern auseinanderzusetzen." Er zupft unwillkürlich am

gerüschten Saum seines schwarzen Seidenhemdes, das er trotz der Hitze

draussen trägt. "Immer hies es nur: 'Geh doch zu Goten und trainiert ein

bisschen.' Als ob das das ultimative Geheimrezept gegen alle Leiden sei -

aber dass wir nicht wie unsere Väter waren, auf die das wohl irgendwie

zutraf, haben sie nie begriffen."

Langsam dämmert mir, dass diese Geschichte, die er gerade dabei ist zu

erzählen, wohl die letzte und aufwühlendste sein wird von denen, die er

mir bis jetzt anvertraut hat, denn er scheint nervöser zu werden mit jedem

weiteren Satz, der ihn dem Ende der Geschichte zutragen wird.

"Naja, und wenn uns mal wieder die ganze Welt angekotzt hat, haben wir die

Schule geschwänzt und haben uns in Gotens Apartment verkrochen. Du musst

wissen, dass seine Eltern eigentlich irgendwo in der tiefsten Provinz

wohnen und der Schulweg einfach zu weit war - und schließlich durfte doch

niemand wissen, dass wir einen Fünf-Stunden-Flug auf eine halbe Stunde

abkürzen konnten.

"Jedenfalls haben wir oft in seiner Wohnung gehockt und uns gegenseitig

noch tiefer in den Depri hineingezogen. Und eines Tages hat mir irgend so

ein Typ eine Kassette in die

Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle sie mir mal anhören. Warte, ich

hab sie dabei..."

Mit diesen Worten beugt Trunks sich hinunter und beginnt, in seiner Tasche

zu kramen und ich nutze die Gesprächspause, um einen kleinen Schluck von

meiner Cola zu trinken, die Aktion eigentlich sofort bereuend, weil das

Getränk mittlerweile warm und ohne Kohlensäure ist. Um den Geschmack

loszuwerden nehme ich einen Keks von dem Tablett, das neben Trunks auf dem

Bett steht und knabbere ein wenig daran herum, nachrechnend wie viele von

diesen ich schon gegessen habe, weil ich keine Lust habe, schon wieder so

einen Trip zu fahren wie auf Lucys Party, als ich versehentlich die

unbehandelten Kekse mit dem Haschgebäck verwechselt hatte.

Ich komme zu dem Schluss, dass drei Kekse nicht zuviel sind und

verschlinge hungrig das Gebäckstück.

Trunks hatte ebenfalls schon seinen Anteil an dem gespickten Gebäck wie

mir einfällt und ich frage mich flüchtig, ob seine Gesprächigkeit

vielleicht darin resultiert, dass sie bei ihm schneller wirken.

"Hier." Er hat die Kassette gefunden und reicht sie mir. Das Tape sieht

schon ziemlich abgenutzt aus.

"Es ist Metal und Gothic. Ich sage dir, das war einfach unglaublich, wie

gut die Musik unsere Gefühle widerspiegelte! Zum ersten Mal in unserem

Leben fühlten wir uns verstanden - was für ein Gefühl!!"

Ich nicke zustimmend, als ich mir ins Gedächtnis zurückrufe, dass ich es

auch als seltsam tröstlich empfunden habe, mich durch solche Musik sanft

noch weiter in meine Depressionen tragen zu lassen; damals, als ich selbst

diese Phase durchgemacht habe. Musik, die von halbvergessenen Instrumenten

gespielt wurde, überhaupt ätherisch zu sein schien mit ihren harten aber

langsamen Beats untermalt von sonoren, aber trotz allem melodischen

Stimmen - diese Musik konnte einen einhüllen, sanft umfangen wie ein

Schlaflied des Todes. Und war es nicht der Tod, den wir uns so sehnlichst

wünschten?

Aber schon lange habe ich diese Phase hinter mir und das Leben hat mich

wieder. Aber jeder, der so etwas durchmachte ist auf seine Art gezeichnet

für immer. Das heißt, wenn er diese Phase überlebt...

Ich grinse freudlos als ich Trunks betrachte, der mit überkreuzten Beinen

auf dem Bett sitzt - blass, mit Ringen unter Augen, die das Tageslicht

kaum mehr gewohnt sind und mit einer hageren Gestalt, die eng von samtenen

Schwarz umhüllt wird. Er hat mir Fotos gezeigt von der Zeit, bevor er

hierher gekommen ist und es hat mich zu Tode erschreckt, zu sehen, wie

sehr er sich gewandelt hat: Er scheint nur noch ein Schatten seines

ehemaligen Selbst zu sein, langsam ausbleichend wie eine alte Leinwand,

oder, was ich noch treffender finde, wie ein Bildschirm, über den die

letzten Sequenzen eines Films laufen - er ist noch nicht ganz vorbei, aber

das Bild fängt schon an zu flackern, auszufransen an den Ecken und der Ton

wird leiser und leiser, überwältigt von der stetig lauter werdenden Statik

der Auslöschung.

"Immer mehr kamen wir zu der Überzeugung, dass niemand uns wirklich

verstehen konnte", spricht er weiter und seine Stimme ist noch kraftloser

als sie zu Beginn seiner langen Beichte gewesen war. "Ausgenommen der

jeweils andere und die körperlosen Stimmen, die immer mehr zu einer Art

Zuflucht für uns wurden. Wir blieben immer öfter zusammen dort in der

Wohnung, lagen stundenlang in abgedunkelten Zimmern herum, kifften und

sagten kein Wort."

Seine Augen sind mittlerweile geschlossen und ich bemerke wie eine leichte

Röte über Trunks Wangen kriecht, aber auch etwas anderes sehe ich, dass

mir einen Schauder über den Rücken jagt: Tränen hängen an seinen Wimpern,

nur wenige Millimeter davon entfernt, endgültig ihr seidiges Gefängnis zu

verlassen und über seine Wangen zu laufen.

"Ganze Tage brachten wir so zu und wenn wir ab und zu doch in der Schule

waren oder bei unseren Eltern, konnten wir es kaum erwarten wieder in

unsere kleine Zuflucht zu kommen. Das Leben mit den Anderen war so

schwierig geworden! Und dort war unser kleines Paradies - mehr brauchten

wir nicht als die Hitze des Sommers hinter schwarzen Jalousien und die

Nähe des anderen.

Ab und zu kamen auch ein paar Leute mit in Gotens Wohnung, die wir auf

Konzerten oder in Clubs kennen lernten, aber meistens blieben sie nicht

lange. Diese Leute himmelten den Tod als irgendetwas mystisch- dämonisches

an - kompletter Schwachsinn für jemanden, der mit acht Jahren das erste

Mal gestorben ist."

'Armer Trunks - nicht einmal diese Illusion durftest du behalten!', denke

ich und sehe mit Erstaunen, dass seine Tränen komplett verschwunden sind

und dass stattdessen Blut in seine Wangen geschossen ist.

Wieder zupft er nervös an seinem Ärmel und schluckt mehrere Male ohne

etwas zu sagen, während ich überlege wie ich ihn am besten aus seiner

Verlegenheit herausholen könnte, denn anscheinend behandeln die nächsten

Sätze etwas sehr Privates. Ich bin mir fast sicher, worüber es sein wird -

er hat es mehrmals angedeutet - und mich plötzlich an die Kassette

erinnernd, die ich noch immer in Hände halte, reiche ich sie zurück an

ihren Eigentümer und lächele verstehend in die unsicheren Augen Trunks als

sein Blick sich hebt.

"Du musst nicht weitersprechen, wenn du nicht willst, Trunks. Aber sei dir

sicher, dass du mir alles sagen kannst, was dich bewegt - wir sind hier

aufgeschlossener als in Japan."

Ein kleines, dankbares Lächeln huscht über seinen Mund, aber schnell senkt

er wieder den Kopf, sich wohler fühlend, wenn er sein Publikum nicht sehen

muss.

"Wir... wir wurden immer mehr der Mittelpunkt für den jeweils anderen. Wir

hatten bloß uns. Niemand sonst wollte uns haben." Seine Stimme ist zu

einem Flüstern herabgesunken und er starrt wieder einmal abwesend durch

mein offenes Fenster auf den Horizont. "Und eines Tages... haben wir...

uns geküsst und später noch mehr... miteinander geschlafen."

Als ob ein unsichtbarer Damm gebrochen ist, erzählt er plötzlich flüssig

und seine vorherige Verlegenheit scheint völlig verschwunden zu sein. "Es

war einfach wunderbar und wir schienen wie für einander geschaffen zu

sein, so wie sich unsere Körper dem jeweils anderen anpassten und

ineinander zu verschmelzen schienen als wir das erste Mal miteinander

schliefen." Seine Stimme ist immer leiser geworden während der letzten

Worte und er hat seine Augen geschlossen, offenbar nicht bemerkend, dass

ein seliges Lächeln auf seinen Lippen liegt. Ich brenne vor Verlangen,

mehr zu hören - natürlich mehr über das Ende der Geschichte, wie ich mir

einzureden versuche - aber für lange Minuten schweigt er einfach. Ich

werde immer ungeduldiger, aber ich weiß auch, dass ich mich still

verhalten muss, will ich ihn nicht verschrecken.

Plötzlich reißt mich sein gequältes Stöhnen aus meinen Träumen.

"Verdammt! Wie konnte das alles nur so eskalieren?!", klingt es gedämpft

zwischen seinen Händen hervor, die seinen Kopf stützen und das Gesicht

verdecken. Plötzlich bin ich mir sicher, dass er weint hinter dieser

Barriere, die ihm Schutz bietet. "Goten! Warum, zum Teufel, hast du die

Nerven verloren?"

"Was ist passiert?", frage ich atemlos vor Spannung und Schrecken.

Lange Zeit schweigt er einfach, die Hände weiterhin vor den Augen, die

gesamte Gestalt zusammengesunken bietet er ein wirklich bemitleidenswertes

Bild.

"Meine.. Eltern."

"Wie bitte?"

"Meine Eltern haben uns überrascht als wir, na ja, weißt schon. Und sie

sind total ausgerastet." Trunks Hände fallen kraftlos in seinen Schoß und

entblößen ein Gesicht, auf dem silberne Tränenspuren glitzern.

"Irgendjemand aus der Schule hatte sie über unser Fehlen benachrichtigt

und sie hatten nachsehen wollen, ob alles in Ordnung war. Aber als sie uns

dann fanden tickten sie völlig aus!" Er springt von meinem Bett auf, die

Arme um sich selbst geschlungen marschiert er in meinem Zimmer auf und ab.

Am Fenster bleibt er schließlich stehen, die Arme auf den niedrigen

Fenstersims gestützt blickt er wieder einmal nach Osten. Plötzlich stellt

er einen Fuß auf die Fensterbank, lehnt sich so weit vor, bis ich davon

überzeugt bin, dass er im nächsten Augenblick hinunterstürzen wird.

"Trunks...?" Unsicher erhebe ich mich und gehe vorsichtig auf ihn zu,

innerlich betend, dass ich ihn nicht erschrecke und so zum Abstürzen

bringe. Nur noch wenige Millimeter trennen ihn vom völligen

Gleichgewichtsverslust und er hat seinen Kopf gesenkt, blickt wie

hypnotisiert auf den Asphalt, der sich drei Stockwerke unter uns

ausbreitet. "Trunks, lass das bitte." Meine Stimme klingt ziemlich

gepresst und für einen Moment erkenne ich sie nicht einmal selbst.

"Ich könnte springen...", sagt er plötzlich wie zu sich selbst." Oder ich

könnte nach Hause fliegen." Endlich verlagert er sein Gewicht und kehrt

ins Zimmer zurück - ich atme auf vor Erleichterung und erschrecke, als ich

seinen leeren Gesichtsausdruck bemerke. "In jeden Fall wäre ich wieder bei

ihm."

Ich spüre wie meine Augenbrauen sich verwirrt zusammenziehen, als ich

seine letzten Worte zu verstehen versuche. Plötzlich schießt es

siedendheiß durch mich hindurch und meine Magengrube zieht sich

schmerzhaft zusammen, als mir die Bedeutung endlich aufgeht. In Gedanken

gehe ich die ganze Geschichte noch einmal durch - und hoffe verzweifelt,

mich irgendwo verkalkuliert zu haben. Aber ich finde keinen Fehler.

"Trunks, was..." Ich bekomme kaum ein Wort heraus. "Was ist passiert? Er

hat doch nicht...?" 'Oh, bitte, sag, dass er das nicht getan hat!'

Alle Kraft scheint ihn plötzlich verlassen zu haben, als er sich schwer

gegen die Wand lehnt und langsam an ihr herunterrutscht. Eine Hand hebt

sich zitternd, nicht sicher, ob sie den Kopf stützen soll, der plötzlich

zu schwer für den Hals geworden ist, oder die Tränen wegwischen, die ihm

die Sicht nehmen. Sein ganzer Körper beginnt zu zittern und ich merke, wie

mir schlecht wird, als ich meine schlimmsten Vermutungen durch sein

zögerndes Nicken bestätigt sehe. "Doch, er hat Selbstmord begangen... Vor

meinen Augen... Im Affekt..." Seine Hand kommt wieder herunter, umschlingt

mit ihrem Gegenstück seine Knie während sein ganzer Körper haltlos zur

Seite sackt. Ich sehe erstarrt vor Schrecken zu, wie er, in Fötushaltung

auf dem Boden vor meinem Bett liegend, krampfhaft versucht, seine

Emotionen unter Kontrolle zu halten - und so kläglich darin versagt.

Mir ist völlig elend zumute, Schweiß bricht mir am ganzen Körper aus, als

ich dieses Bild sehe. Ich möchte helfen, irgendetwas tun, damit er nicht

mehr so leiden muss, aber ich weiß, dass es nichts gibt, das irgendetwas

ändern könnte und dadurch fühle ich mich noch schlechter. Ein

unterdrücktes Schluchzen bricht schließlich den Bann, der auf mir liegt

und in der nächsten Sekunde knie ich neben ihm auf dem Boden und ziehe ihn

in meine Arme. Ich wiege ihn sanft hin und her, summe leise die Melodie

eines Kinderliedes, von dem ich hoffe, dass es ihn beruhigen wird, aber

nichts scheint zu helfen.

Stunden später stehen wir uns in der Tür meiner Wohnung gegenüber, wie

Fremde schweigen wir uns an, weil niemand weiß wie wir uns verabschieden

und weiter unserer eigenen Wege gehen sollen, wo uns nun doch so viel

verbindet.

Ich schaue unsicher hinunter auf meine Hand, die das Tape umklammert und

ich frage mich, ob ich nicht einen Fehler gemacht habe. Vielleicht finde

ich es gar nicht? Oder das Grab ist an einem Ort, den ich nicht erreichen

kann?

Trunks lehnt müde am Türrahmen, ausgelaugt vom stundenlangen Erzählen und

seinem anschließenden Zusammenbruch. Es hat lange gedauert, bis er sich

schließlich beruhigt hatte und stockend erzählte, immer wieder

unterbrochen von heftigen Gefühlen, die er kaum beherrschen konnte. Aber

schlussendlich hat er mir alles erzählt: davon, wie seine Eltern sie

auseinandergezerrt hatten, sie für Tage isoliert hielten, wie die

jahrelange Freundschaft zwischen beiden Familien zerbrach, als beide

Elternpaare sich gegenseitig Vorwürfe machten.

Er erzählte mir von dem Moment, als seine Eltern in sein Zimmer kamen, um

zu verkünden, dass er hierher, auf eine ausländische Schule, geschickt

werden sollte - also praktisch ins Exil - und wie eine Minute später Goten

bei ihnen auftauchte. Trunks berichtete mir von dem emotionalen Aufruhr,

den der Anblick desjenigen verursachte, den er so liebte und vermisste.

Goten sah genauso krank und mitgenommen aus, wie Trunks sich gefühlt

hatte. Er war abgemagert, mit schwarzen Ringen unter den Augen, die ihren

Glanz in unzähligen schlaflosen Nächten verloren hatten.

Goten war zu seinen Eltern getreten, hatte sie inständig angefleht, Trunks

nicht wegzuschicken und war schließlich vor ihnen auf die Knie gesunken,

als sie weiterhin auf ihrer Meinung beharrten.

Aber Vegeta hatte Goten nur weggestoßen und beiden Jungen verboten, je

wieder in die Nähe des jeweils anderen zu kommen, wenn ihnen ihr Leben

lieb war. Das war zuviel für den jüngeren gewesen: aufgebracht und in

Tränen aufgelöst war er aufgesprungen und hatte aus dem Nichts ein Messer

hervorgezaubert. Zitternd und bebend hatte er es sich an die Kehle

gehalten und unter Schluchzern gesagt, dass ein Leben ohne Trunks sowieso

nichts wert sei - und bevor irgendjemand von den dreien hatte eingreifen

können, hatte er sich das Messer über die Kehle gezogen.

Trunks war sofort zu ihm gestürzt, hatte versucht, ihn mit seinem Ki Kraft

zu geben bis ein Arzt gekommen wäre, aber Goten hatte sich strikt

geweigert, die Energie anzunehmen. Schließlich war der junge Halbsaiyajin

langsam in Trunks Armen verblutet, das Gesicht in dessen Brust gedrückt

und ein seliges Lächeln auf den Lippen, die Trunks noch Tage vorher mit

Liebe und Inbrunst geküsst hatte.

"Ich habe mir immer gewünscht, in deinen Armen zu sterben, Tru- chan...",

waren die letzten Worte Gotens gewesen, bevor er kraftlos in sich

zusammengesackt war.

"Ich habe spüren können, wie seine Seele seinen Körper verließ - es war,

als ob ich für einen kurzen Moment von etwas himmlisch schönen und reinen

berührt worden wäre, bevor dieses Gefühl verschwand und nur Kälte

zurückließ." Trunks hatte am Ende dieser schmerzvollen Beichte kraftlos

auf meinem Bett gelegen und auf die Decke gestarrt. Die Arme um sich

selbst geschlungen hatte er Stunde um Stunde erzählt, bis seine Kehle vom

Sprechen und Weinen rau gewesen war. Und jetzt standen wir auf der

Schwelle zu meiner Wohnung und niemand wusste, was er dem Anderen zum

Abschied sagen sollte.

Trunks blickt noch einmal hinunter auf die Kassette. "Du verstehst, warum

ich nicht zurückkehren kann? Der Gedanke, an einem Ort zu sein, an dem er

vor ein paar Wochen noch lebte und atmete macht mich wahnsinnig. Ich

vermisse ihn so schrecklich..." Plötzlich umfasst er meine Hand. "Bitte,

versuch sein Grab zu finden, gib ihm das Tape und sag ihm..." Er

unterbricht sich und blickt mich halb erschrocken, halb entschlossen an,

"Sag ihm, ich werde bald nachkommen."

Die wilde Entschlossenheit in seinem Blick lässt mich meinen bissigen

Kommentar herunterschlucken. 'Wer bin ich, zu entscheiden, ob ihre Liebe

dieses Opfer wert ist?', frage ich mich, als ich Trunks Rücken am Ende des

Flures die Treppen heruntersteigen und dann verschwinden sehe.

Gedankenvoll schließe ich die Tür und kehre bedrückt an meine Arbeit

zurück, die Kassette auf meinen Reisepass legend, damit ich sie nicht

vergesse.

"Ja", seufze ich, "Wer bin ich, zu entscheiden, was Liebe ist?" Aber

trotzdem habe ich kein gutes Gefühl dabei.

Owari



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