»Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er dabei nicht zum Ungeheuer wird.«

-Friedrich Nietzsche

Ich weiß nicht, wie lange ich auf meine zwei Pfoten vor mir gestarrt habe, als ich in meinem Bau gelegen habe, mit der kalten Wand im Rücken. Ich stelle mir einen schöneren Ort vor, an dem ich jetzt gerade sein könnte. Einfach irgendwo. Im Grunde gefiel mir dieser Ort, von dem ich geträumt hatte, auch wenn sich dieser Traum schnell zu einem Alptraum entwickelt hat. War dies womöglich eine Erinnerung? An einen bekannten Ort? Leider klingelt nicht eine Schlüsselblume, ob sie wahr, oder nur ein Traum war.

Ich habe meinen Kopf auf meinen Vorderpfoten abgelegt, als ich meinen Blick etwas hebe, und plötzlich ein braun-schwarzes Paar Pfoten im Eingang meines Baus bemerke. Ich senke deprimiert die Augenlider für einen Moment, da ich mir schon durchaus denken kann, zu wem dieses Paar Pfoten gehört, auch wenn für eine Sekunde der Wunsch aufflammt, sie wären es nicht.

Ich richte den Blick höher - Sie gehören zu Hawk. Schwerfällig atme ich einmal tief ein und aus, versuche mich zu beruhigen, und setze mich auf meine Hinterläufe, ihm mit ernster Miene entgegenblickend. Er sieht ruhig aus, mustert mich innig, sein Blick ist regelrecht auf mich fixiert. Ich nehme mir vor, einfach nichts zu sagen. Dieses mal werde ich mich nicht unterkriegen lassen. »Bleib stark«, erklingt Dawn's Stimme in meinem Kopf nochmal.

»Traute Zweisamkeit, wie es aussieht, hm?«, er grinst und streicht mit den Krallen seiner rechten Vorderpfote über das Geröll, an der Wand, des Einganges, in dem er noch steht. Ich schlucke, und versuche mir keine Angst einzugestehen, obwohl seine Erscheinung allein als solche schon einschüchternd genug auf mich wirkt. »Leo, Leo, Leo«, beginnt er, mit enttäuschtem Unterton, »Angriff auf zwei diensthabende Owsla, wärest du nicht schon Gefangener, könnte man dir auch noch einen Fluchtversuch vorwerfen.« Er schüttelt den Kopf und mustert mich dann noch eindringlicher, ich verziehe aber keine Miene. »Was sollen wir nur mit dir machen?«, er kommt auf mich zu, und ich versuche, weder zurückzuweichen, noch in eine angreifende Pose zu verfallen, so versuche ich ihm Paroli zu bieten. »Sie haben ein Kaninchen bedrängt, ich wollte nur helfen«, versuche ich mich zu rechtfertigen, und der braun-schwarze Rammler spitzt die Ohren, als er stehen bleibt. »Helfen?«, wiederholt er, »Die zwei haben sich nur genommen, was ihnen zusteht, Leo. Sie sind Owsla. Du solltest dich besser an die hier geltenden Regeln gewöhnen, kleiner Grauer. Wer in der Owsla ist, hat das Anrecht auf jedes Weibchen im Kennzeichen, auf jedes Kaninchen, das unter ihm steht. Du bist auch so eines, Leo.« Er grinst mich an, als ich unbewusst die Ohren anlege, stelle sie schnell aber wieder auf, nachdem es mir auffällt. Sie nehmen sie sich einfach? Ich kann das gar nicht so recht fassen. Ich streiche mir mit einer Pfote um den Hals, als es mir einen Kloß in die Kehle treibt, was Dawn schon alles durchgemacht haben könnte. »Ein schöner Hals«, erklingt Hawk's tiefe, knurrige Stimme, und ich stelle meine Pfote sofort wieder auf dem Boden ab. Langsamen Schrittes kommt er wieder auf mich zu, und ich bewege mich keinen Zentimeter vom Fleck, wenn er es auch nur versucht, mich zu verletzen, werde ich mich wehren. Er setzt sich vor mir auf die Läufe, und wir sind gleichauf. Als er mit seinen Krallen einmal um meinen Hals streicht, schließe ich nur die Augen, und schlucke schwer. Ich muss mich richtig zusammenreißen, nicht ins Zittern zu geraten, nicht der Panik zu verfallen, und wieder derart wehrlos zu verharren, wie ich es bei der ersten Begegnung mit ihm war.

»Da hat dich die Kleine ja gut wieder hinbekommen, hm? So schnell wieder fit, hat dir unser letztes Gespräch wohl gefallen, was?«, fragt er mich, als er mit einer Kralle etwas fester um meinen Hals streicht, »Hast mich wohl vermisst?« Ich öffne die Augen, und sehe, wie sein Blick auf seiner Pfote, und meinem Hals fixiert ist. »Ich habe dir nichts mehr zu sagen«, versuche ich entschlossen rüberzubringen, kann mich eines leichten Zitterns in der Stimme aber leider nicht verwehren. Sein Blick fährt hoch, und wir blicken uns direkt in die Augen. Instinktiv wende ich den Blick irgendwie ab, und fahre fort »Wie ich es dir, und diesem Vervain bereits sagte, weiß ich nicht wo ich her komme. Und ich bitte dich ein letztes mal, mich einfach in Ruhe zu lassen. - Bitte.« »Vervain…«, murmelt er gedankenverloren. »Leo, es wird nur schlimmer, wenn du uns nicht gibst, was wir von dir wollen«, er rammt plötzlich links und rechts seine Vorderläufe gegen die mir im Rücken liegende Wand, und ich falle instinktiv gegen sie, rutsche etwas an ihr hinab, so dass er leicht über mich gebeugt steht. »Zunächst wirst du keinen Ausgang mehr bekommen, dann werden wir dir keinen Schlaf mehr gestatten, Hunger treibt auch viele Informationen zu Tage und wenn dich dein Stolz noch weiter treibt, wird er dich geradewegs in die Finsternis des Schwarzen Loches treiben. Das alles ist etwas, was ich wirklich nicht vielen Kaninchen wünsche, Leo, aber wenn du meine Geduld weiter auf so eine Zerreißprobe stellst, könnte sich dieser Wunsch schnell ins Positive hin ändern.« Das Schwarze Loch? Was soll das denn sein? Wieder beschleunigt sich meine Atmung, und die schiere Angst kriecht in mir hoch, als die Erinnerung wiederkommt, wie ich gelähmt die Kontrolle meines Körpers verloren habe und mich vor ihm im Dreck gewunden habe. »Bitte…«, flüstere ich nur leise. »Bitte was?«, erwidert er. »Bitte lass mich einfach in Ruhe, ich tue alles, was in meiner Macht steht, aber es hilft nichts. Ich kann mich nicht erinnern.«

»Nun, vielleicht hilft dir meine Macht ja!«, seine Stimme klingt so kalt und bedrohlich, als die Angst zunehmend wieder in mir aufsteigt. Er fährt mit seinen Krallen sanft über meine ihm zugewandte Gesichtshälfte, von der Schläfe bis hinunter zum Kinn, und auf der anderen Seite wieder herauf. Jeden Moment rechne ich damit, dass er wieder zuschlägt, doch er scheint zu pausieren. Vorsichtig wende ich den Blick ihm wieder zu, und sehe ihm in die Augen. Seine Krallen und sein Blick verharren auf meiner Wange. Plötzlich merke ich, wie er fester zudrückt, und es leicht zu stechen beginnt. Ich ignoriere meine Angst, überwinde diesen gelähmten Zustand in mir, und schlage seine Pfote mit meiner rechten Vorderpfote weg, trete mit meinem Hinterlauf gegen seinen, so dass er den Halt verliert, und auf mir landet. Während er auf mich fällt, platziere ich meinen anderen Hinterlauf auf seinem Bauch, und trete ihn mit aller Kraft von mir herunter. Sofort springe ich auf alle Viere und knurre ihn aus tiefster Kehle verächtlich an. »Du wirst mir nicht mehr weh tun, Hawk, das lasse ich nicht mehr zu!«

Wuchtig ist er auf seinem Rücken aufgeschlagen, war jedoch genau so schnell wie ich wieder auf allen Vieren, und grinste mich nur mit einem fiesen Blick in den Augen an. »Beeindruckend«, er leckt sich einmal um die Schnauze, »Warst du Owsla-Mitglied? Dieser Trick kommt mir bekannt vor.« Er hat Recht, merkwürdig, es kam wie eine Reaktion, diese Bewegungen, als hätte ich sie gelernt. Bin ich Owsla gewesen? Wenn ich es doch nur wüsste.

Langsam beginnt er im Kreis um mich rumzulaufen, und ich tue es ihm gleich. Ich will ihn bloß nicht im Rücken haben. Ich senke den Kopf leicht, beobachte ihn, und zwinge mir ein Grinsen auf, als ich seine leichte Verletzung am Hinterlauf erkennen kann, die ich ihm das letzte mal zugefügt habe - Spielen wir etwas. Mit einem Nicken deute ich darauf: »Tut das noch weh?« Er wendet seinen Blick einmal auf die gut verheilte Verletzung und grinst auch mich dann an. »Gleiches mit Gleichem, würde ich sagen, Gräuling«, er springt auf mich zu, und reißt mich auf einmal an den Schultern mit den Krallen verharkend, in einer drehenden Bewegung, unter sich, und nagelt mich mit seinem gesamten Gewicht und Krallen am Boden fest. Ich knurre und lege die Ohren an. Er beugt sich zu mir herunter, und mit seiner tiefen, kehligen Stimme raunt er mir ins Ohr: »Darf ich?« In einer schnellen Bewegung holt er mit einem Hinterlauf aus, und schlitzt mit den Krallen jener an meiner rechten Keule entlang. »Aaaaaah«, schreie ich laut auf. Der Klang meiner eigenen Stimme hallt vom Bau in meinen eigenen Ohren wider und ich strampele wie wild mit den Hinterläufen, gegen seinen Bauch tretend und versuche ihn von mir herunterzubekommen. Doch er ist zu schwer. Langsam und schleichend, merke ich, wie mir warmes Blut den Hinterlauf hinunterrint, und mein Fell an dieser Stelle nass wird. »Ssssh«, er legt mir seine eine Pfote auf den Mund, und ich verstumme, »Das war nur gerecht, findest du nicht?« Er beugt sich zu mir weit hinunter, und ich spüre wie seine Wange leicht meine dabei streift. Ich kann seinen heißen Atem an meinem Ohr fühlen, hören, wie er langsam und tief atmet. Er fährt mit seiner Schnauze mein rechtes Ohr entlang, über meinen Hals, und ein tiefes, fast schon wohliges Knurren scheint aus seiner Kehle zu dringen. »Ich kann deine Angst riechen, Leo, deine Angst etwas zu verraten, aber viel mehr, glaube ich…«, er hebt seinen Kopf wieder und blickt auf mich herab, seine scharfen Zähne zeigend, »Fürchtest du mich, nicht wahr?« Ich versuche wieder ihn von mir hinunterzudrücken, drücke mit meinen Vorderpfoten gegen seinen Brustkorb, schaffe es aber nicht, auch kann ich nicht genug Schwung zu einem erneuten Tritt ausholen. Er kichert leicht amüsiert, als er vergnügt auf mich herabblickt, und meine gescheiterten Versuche mich zu wehren beobachtet. »Das gefällt mir sehr«, er knurrt mich an, dass sich mir das Nackenfell instinktiv bis zum Anschlag aufstellt. »Niemanden kümmert deine jämmerliche Existenz hier unten, Leo. Du wirfst dich für nichts in die Bresche. Niemanden juckt es auch nur im Entferntesten, was für Qualen du hier durchstehen musst. Besser, du begreifst das schnell. Es sei denn?«, er unterbricht kurz, und hebt mein Kinn mit einer seiner Kralle an, so dass ich gezwungen bin, ihm in die Augen zu sehen. »Dein Bau? Hm?« Ich kneife die Augen kurz zu, und denke nach. Ich versuche mich so sehr darauf zu konzentrieren, was war, bevor ich auf dieser verfluchten Wiese aufgewacht bin. Aber bei Frith, es will mir nicht einfallen. »Nicht einmal Inlé scheint es zu wissen«, hauche ich leise, und öffne die Augen wieder, »Es will mir nicht einfallen.«

Einen Moment herrscht beängstigende Stille. »Der General will es aber wissen, kleiner Leo. Weder Inlé, noch Frith. Er gab mir freie Wahl, das bedeutet, ich kann mit dir tun und lassen, was ich will, verstehst du?«, erklärt er fast schon sachlich, völlig neutral, und ich kann mich nicht länger verwehren, wieder zittere ich am ganzen Leib. Erst jetzt scheine ich zu realisieren, wie ausweglos diese Situation zu sein scheint - Niemand kann mir hier helfen, niemand wird mich wohl retten. Seine Krallen gleiten hinunter zu meinem Hals und streichen über meine Kehle. »Es reicht nicht, die Wahrheit nur kennen zu wollen. Man muss auch wissen, wo man nach ihr suchen muss…« Leicht erhöht er den Druck, und ich höre für einen Moment auf zu zittern, als ich es mit der Angst bekomme, dass er mir die Kehle durchschneidet. Aber dann hätte er gar nichts gewonnen. Er fährt mit ihnen hoch, über mein Gesicht, vorbei an meiner Schläfe, bis zu meinem Ohr, umfährt es einmal sachte am Ansatz, und spricht in leisem, leicht gedankenverlorenem Ton, während sein Blick seiner Pfote folgt: »Taubes Kaninchen?« Ich schließe die Augen, als ich die Panik in mir aufsteigen spüre. Sogar das Zittern hat völlig aufgehört, und ich kann nur noch mein eigenes Herz gegen meine Brust schlagen fühlen, wie es trommelt, und mir das Blut in den Ohren rauscht. Seine Krallen wandern etwas abwärts, über meine Stirn, zu meinen Augen. In einer langsam kreisenden Bewegung fährt er um sie. »Blindes Kaninchen?«, fast schon zärtlich streicht er mit seinen Krallen über mein rechtes Auge. Ich erstarre, so sehr, dass ich sogar den Atem anhalte. Das wird er nicht, bei Frith, das darf er doch nicht wirklich? Dann lässt er ab, und ich atme wieder schwere und langsame Züge, lasse die Augen aber geschlossen. Dieser Alptraum soll endlich ein Ende haben, doch ist es leider die Realität. Mein ganzer Körper fühlt sich wie betäubt an. Langsam streifen seine Krallen weiter, hinab von meinen Augen, über meinen Schnauzenrücken, bis zu meinem Mund. Ich atme schneller und schneller, lasse die Augen aber geschlossen. Er drückt eine seiner Krallen gegen meine Lippen und versucht einzudringen. Ich öffne schnell den Mund, das er sie mir nicht noch zerschneidet. Er schiebt sie mir fast schon vorsichtig in die Schnauze, und ich kann ein von ihm wohliges Knurren ausgehen hören. Seine Brust vibriert regelrecht gegen die Meine. »Oder stummes Kaninchen?«, er murrt leise, und leicht, ohne mich zu verletzen, spüre ich seine Kralle über meine Zunge fahren. Ich weiß selber nicht, wieso ich das in diesem Moment einfach nur geschehen lasse, doch habe ich zu viel Angst, dass er, mit seiner von scharfen Krallen besetzten Pfote auf meiner einen Schulter, die mich noch zu Boden nagelt, mit der anderen in meinem Mund, mich nur mehr verletzt, wenn ich mich zu ruckartig bewege.

Es kommt mir wie eine gefühlte Ewigkeit vor, als kein Wort von Hawk mehr zu hören ist, ich spüre nur seine Kralle, wie sie über meine Zunge immer und immer wieder streift. Er wird mir doch nicht wirklich die Zunge rausschneiden, Frith-rah, sowas kann ein Kaninchen dem anderen doch nicht wirklich antun. Ich kann mich nicht länger derart kontrollieren, und merke, wie in mir das ängstliche Zittern wieder aufsteigt, beginnend beim Nacken. Ich öffne vorsichtig die Augen.

Er steht über mir, und starrt wie fasziniert auf meinen geöffneten Mund, meine Zunge, oder seine Kralle? Ich kann es nicht richtig erkennen. Er wirkt wie geistesabwesend, mit ernstem Blick und in Gedanken verloren. Plötzlich wendet sich sein Blick leicht aufwärts, zu mir. Zum ersten Mal sehe ich ihm tief in die Augen, so nah, wie nie zuvor - zumindest bewusst. Wir blicken uns in die Augen. Seine sind bräunlich, ähnlich wie sein Fell. Sie sind so tief, und ich kann für einen Moment sogar mein Spiegelbild darin erkennen, was mich erschreckt. Ich sehe scheußlich aus. Sie haben etwas Kaltes in sich, ich frage mich, wie so ein Kaninchen derartig brutal und gefühlskalt zu seines Gleichen sein kann. Mit mal verfinstert sich der Ausdruck in seinen Augen in etwas Düsteres, was mir die Furcht durch die Venen treibt. Er zieht die Kralle aus meinem Mund heraus, ganz langsam, ohne mich zu verletzen, und bleibt einen Moment an meiner Lippe hängen, zieht sie etwas hinunter, bevor er sie endlich aus meinem Gesicht nimmt und etwas abseits hält, jedoch nicht auf dem Boden absetzt. Sein Knurren dringt mit Mal an meine Ohren. Er hebt die Pfote empor und schlägt mich auf die linke Seite, mit seinen Krallen zieht er tiefe Wunden über meine Wange und Schläfe. Wieder schreie ich wie zuvor auf, es brennt höllisch, und ich strampele mit aller Macht gegen seinen Bauch, doch nichts hilft. Er greift meinen Kiefer, und zwingt mich ihn wieder anzusehen. Ich fühle, wie mein Blut meine Wange hinunterläuft, über seine Pfote, und zu Boden tropft. Einen Moment glaube ich sogar die Tropfen schwer zu Boden schlagen zu hören. Erwartungsvoll sieht er mich an, ohne ein Sterbenswörtchen zu verlieren. Anscheinend erwartet er eine Antwort, diese unsägliche Antwort, die ich ihm nicht im Stande bin zu geben.

Blanke Wut steigt in mir empor, als ich die Zähne so fest zusammenbeiße, dass es im Kiefer schmerzt. Jetzt reicht es! »Verpiss dich!«, fahre ich ihn an, spucke ihm ins Gesicht und verpasse ihm mit der rechten Pfote eine, was eine leichte Wunde ebenfalls bei ihm hinterlässt. Das scheint ihn aus dem Konzept gerissen zu haben, es gibt mir die Möglichkeit, etwas mehr Luft zwischen unseren Körpern zu erlangen, instinktiv, als hätte ich es gelernt, setze ich beide Hinterläufe auf seinem Bauch an, trete einmal so fest es mir möglich ist zu, so dass er sich vor Schmerzen aufbäumt und hebel ihn über mir weg. Sofort rolle ich mich auf meine Läufe, und spurte 'gen Ausgang als ich ihn hinter mir schnaufend aufschlagen höre. Ich verschwinde, nicht einmal Inlés-Reich kann so schlimm sein, wie dieses Efrafa. Gerade als ich am Ausgang ankomme spüre ich einen stechenden Schmerz im hinteren Lauf, der mich zu Boden reißt und ich zusammenbreche. »Aaaargh«, schreie ich verkrampft, als ich realisiere, dass sich Hawk schon an mich geheftet hat, und sich in meinem Hinterlauf, tief im Gelenk, verbissen hat. »Du bleibst schön hier, du miese Made!«, flucht er, und schleift mich zurück in die Mitte des Baus. Ich bin kurz davor verzweifelt loszuheulen, doch mein Stolz lässt es nicht zu, diesen Anblick werde ich ihm nicht schenken. Das war's dann wohl mit der Flucht. Schon.

Ich blicke auf meinen rechten Hinterlauf, er blutet stark, und es schmerzt schon höllisch, ihn auch nur leicht zu bewegen. »Hast du wirklich, auch nur im Entferntesten, gedacht, du könntest hier abhauen? Du bist so tief unter der Erde, alles ist voller Owsla, du musst einfach nur ein dummes Kaninchen sein, Leo!« »Beschissener-«, wollte ich gerade losbrüllen, da steht Hawk auch schon wieder vor mir, ich, auf dem Boden, mit der Seite zu ihm gerollt, und er auf seinen Hinterläufen über mir. »Halt's Maul!«, unterbricht er mich, und tritt mir zwei mal mit voller Wucht in den Magen, was mir den Atem stocken lässt. Ich rolle mich auf den Rücken, krampfe mich zusammen, und japse nach Luft. Mein Herz rast vor Adrenalin, vor Wut, wie gelähmt zu sein, als er sich über mich stellt, und mein Gesicht, mit einer Vorderpfote, zur Seite drückt. Immer noch bekomme ich nur schwer Luft, und ich kann seine Krallen dicht unter meinem Augenlid spüren. »Du gehst nirgends mehr so schnell wo hin, Kleiner!«, schnauft er, anscheinend wütend über meine vorige Wehr ihm gegenüber. »Ich werde dir die Fragen nun ein allerletztes Mal stellen, wo liegt dein verdammtes Gehege? Wer war mit dir unterwegs? HUH?«, brüllt er mich an. »I-ich weiß es doch nicht«, schnaufe ich, sein Gewicht auf meinem Kopf fühlend. »Das alles hier ändert doch auch nichts«, ich setze gerade meinen noch intakten Hinterlauf an seinem Bauch an, da unterbricht er mich auch schon, »Wag' es ja nicht, Mistkröte!«, und er setzt seinen Hinterlauf an meinem Bauch an, und drückt sich gegen mich, dass ich nichts weiter machen kann. Ich kann die Krallen seiner Pfote leicht über meinem Bauch spüren, wie sie sich ihren Weg durch's Fell bahnen und gegen meine Haut pressen. »Ich werde es aus dir herauskitzeln, und wenn es das letzte ist, kleiner grauer Bock!«, mit diesen Worten drückt er die Krallen durch meine Haut und ich kreische vor Schmerzen auf, als er sie entlang zieht und seinen Hinterlauf am Boden wieder absetzt. Schnell merke ich, wie mein Bauch sich warm und nass anfühlt, und Blut seitlings zu Boden rinnt. Ich wiederhole ängstlich wie ein Mantra immer wieder die Worte »Ich weiß es nicht«, auf dass er aufhört, doch stattdessen unterbicht er mich, und lässt mich verstummen, als er seine Pfote auf meinen Hals stemmt. Ich bekomme keine Luft mehr, und sehe nichts außer der Wand vor mir aus diesem Winkel, mit seiner Pfote auf meinem Kopf. Ich reiße den Mund weit auf, um nach Luft zu japsen, versuche gegen das Gewicht auf meiner Kehle anzuatmen, doch klappt es nicht. Panisch reiße ich die Augen weit auf und fühle mich zurückversetzt, wie bei unserer ersten Begegnung. »Nicht schon wieder«, bettele ich innerlich. Seine Krallen stacheln stark gegen meinen Hals und ich versuche mit meinem ganzen Körper mich gegen ihn zu stemmen, zappele wie wild, um ihn von mir loszubekommen, doch ist er einfach zu schwer. Wie ausgeliefert merke ich mit mal, wie mich meine Kraft verlässt, als mein Herz so schnell schlägt, dass ich denke, es platzt jeden Moment. Ich kann hören, wie meine Schläfe dröhnend in meinem Schädel pocht. Mit mal wird es schwächer, langsamer, und ruhiger. Meine Sicht verschwimmt leicht vor meinen Augen, verschiebt sich gar etwas. Ich versuche zu blinzeln, doch das öffnen meiner Lider geht immer schwerer.

Plötzlich nimmt Hawk seine Pfote von meinem Hals und ich kann tief einatmen. Bei Frith, meine Lungen brennen, wie noch nie. Rasend schnappe ich nach Luft, als das Herz in meiner Brust wieder schneller und schneller bebt. Schlaff und ausgelaugt fühlen sich sämtliche Muskeln in meinem Körper an, als würde alle Kraft zum bloßen Atmen, zum bloßen am Leben bleiben benötigt. Ich merke noch, wie er mich an einem Ohr krallig packt, so dass ich ihn ansehen muss. Ich kann den Schmerz schon fast nicht mehr spüren in diesem Moment. Immer wieder blinzele ich unkontrolliert, als sich mein Blickfeld nicht schärft, und ich nur verschwommen in sein Gesicht blicken kann. Lediglich ein Grinsen kann ich erkennen. Dieses verdammte, sadistische Grinsen dieses Bockes. »Das macht mir hier echt keinen Spaß mehr mit dir!«, er spuckt mir ins Gesicht, doch ich fühle nicht einmal seinen Speichel aufschlagen. »Das nächste Mal erwarte ich Antworten, ansonsten bist du tod, Hraffla!«, knurrt er mich an, hebt meinen Kopf leicht an, und schlägt ihn mit voller Wucht gegen den harten Boden. Dann verschwindet er aus meiner Sicht, alles verschwindet plötzlich, als es sich ins finsterste Schwarz verfärbt.