Die Crew der Voyager hatte auf ihrem Weg nach Hause wieder einmal einen interessanten Planeten gefunden, den Captain Kathryn Janeway als würdig fand, um einen näheren Blick drauf zu werfen.
"Tom, bringen Sie uns in einen Standardorbit", befahl sie und der Steuermann bestätigte ihren Befehl mit einem "Ja, Ma'am".
Minuten später umkreiste das Schiff den weißen Planeten, der nur ab und zu ein paar Braun- oder Rotflecken aufwies.
"Wie schon vermutet ist der Planet komplett mit Schnee und Eis bedeckt, aber die Temperaturen halten sich noch in Grenzen", berichtete Ensign Lang, die an der OPS stand. "In den flachen Gebieten hält sich der Wert bei -5 bis -10°C."
"Das klingt schon fast nach Winterspaß", ulkte Tom von der Conn aus und Kathryn schmunzelte.
Sie wußte doch ganz genau, was ihr Pilot meinte und warum sollte die Crew ihren Spaß denn gerade jetzt nicht bekommen? Schließlich stand nach dem Kalender Weihnachten vor der Tür. Daß sie auch noch einen 'gemütlichen' Eisplaneten gefunden hatten war fast schon ein Omen.
"Schon gut, Tom. Ich denke auch, die Crew könnte etwas Erholung brauchen. Aber wagen Sie es nicht, mit Schneebällen nach den Führungsoffizieren zu werfen", neckte sie ihn, was dem Piloten ein breites Grinsen auf das Gesicht zauberte.
"Lt. Ayala", wandte sie sich nun an ihren Sicherheitsoffizier, "erstellen Sie einen Landurlaubsplan."
"Ja Captain", erwiderte Tarik mit einem leichten Lächeln und ließ sich von einem Ensign ablösen, um sich direkt an die Arbeit zu machen.
"Chakotay, bis Tarik fertig ist haben wir auch noch so einiges zu besprechen", meinte sie, stand auf und machte mit dem Kopf einen Schlenker Richtung Bereitschaftsraum. Der Indianer erhob sich ebenfalls und folgte ihr. Er ahnte schon, worum es gehen würde und freute sich eigentlich schon darauf.

Als die beiden Offiziere an dem kleinen Tisch unter dem Panoramafenster saßen, bot sie ihm eine Tasse Tee an, goß sich selbst einen Kaffee ein und seufzte genüßlich, als sie einen Schluck genommen hatte. Chakotay schmunzelte. Kathryn und ihr Kaffee, dachte er nur und probierte seinen Tee. Er entschied, daß 2 Stückchen Zucker mehr nicht schaden könnten und griff nach der Zuckerdose, die immer mit auf dem kleinen Tablett stand.
Kathryn ahnte bei seinem Blick natürlich, was er dachte und meinte dann: "Das ist erst die dritte Tasse heute."
"So?", fragte Chakotay neckend und ließ die Zuckerstücke in seinen Tee fallen. "Wenigstens weiß ich, was Sie sich zu Weihnachten wünschen", meinte er, rührte das Getränk um und probierte erneut.
"Ach wirklich?", entgegnete Kathryn und sah ihn über den Rand ihrer Tasse an.
"Kaffeebohnen, Replikatorrationen für Kaffee und Kaffeesträucher", zählte Chakotay auf und sie knuffte ihn gespielt empört auf den Oberarm.
Chakotay lachte leise. "Der Kaffee wird noch einmal Ihr wunder Punkt sein, Kathryn", neckte er sie weiter und fügte dann hinzu: "Und da wir gerade bei Weihnachtswünschen sind, gehe ich Recht in der Annahme, daß Sie mit mir über das bevorstehende Weihnachtsfest auf dem Schiff reden möchten?"
"Wie immer haben Sie Recht, Chakotay. Sie haben letztes Jahr alles so wunderschön organisiert, da wollte ich wissen, ob Sie das dieses Jahr auch machen möchten?"
"Ich freue mich schon drauf", meinte er und Kathryn lächelte dankbar.
"Sie haben völlig freie Hand und da wir jetzt eh keine besonderen Vorkommnisse erwarten dürften, stelle ich Sie vom Dienst frei damit Sie auch genug Zeit haben für die Vorbereitungen."
"Danke Captain", erwiderte er und trank noch einen Schluck Tee. Dann lehnte er sich auf dem Sofa zurück und fragte leise: "Und was wünschen Sie sich nun wirklich zu Weihnachten, Kathryn?"
Sie stellte ihr Tasse ab und blickte ihren ersten Offizier an.
Einen Tanz mit Dir, ungefähr 1000 Küsse und die Nacht dazu, ging es ihr spontan durch den Kopf, doch dann seufzte sie leise und sagte laut: "Ich möchte nur, daß die Crew glücklich ist und wir alle gesund und munter schnell wieder nach Hause kommen."
Der Indianer blickte sie wissend an und meinte nur: "Ich verstehe."
"Und Sie, Chakotay?", fragte Kathryn hastig, um von sich abzulenken.
Er antwortete nicht sofort, sondern stellte ebenfalls erst seine Tasse ab, lehnte sich wieder zurück und sagte dann spitzbübisch: "Wenn ich es Ihnen verrate, dann wird der Weihnachtsmann böse mit mir. Seine Wünsche darf man niemals verraten, wenn Sie sich erfüllen sollen."
"Chakotay! Das ist unfair. Ich habe Ihnen meinen auch verraten", meinte sie ein wenig empört und zog eine Schnute.
Das hast Du ganz sicher nicht, dachte der Indianer jedoch nur und schwieg beharrlich, schenkte ihr dabei aber ein geheimnisvolles Lächeln.
Kathryn konnte in seinen blitzenden Augen lesen, daß er ihr seinen Wunsch nicht verraten würde (dafür kannte sie ihn inzwischen zu gut), so seufzte sie ein wenig theatralisch und schüttelte leicht den Kopf. "Sie haben manchmal wirklich eine winzige Tendenz zur Gemeinheit", kommentierte sie und schenkte ihm ein Lächeln um ihm zu zeigen, daß sie es respektierte.
"Dann werde ich mich mal an die Arbeit machen", sagte Chakotay daraufhin und stand schwungvoll auf. "Danke für den Tee."
"Sehr gerne, Commander", erwiderte sie und blieb sitzen, um noch gemütlich ihren Kaffee auszutrinken. Chakotay ging zur Tür, doch bevor sie sich öffnete blieb er noch einmal stehen und drehte sich zu ihr um. Allerdings wußte er im ersten Moment noch nicht, wie er seine Frage am besten formulieren sollte.
Kathryn bemerkte es und hob fragend eine Augenbraue. Chakotay wollten die Worte noch immer nicht über die Lippen kommen und sie ahnte bereits, was er fragen wollte. Also beschloß sie, ihm einen kleinen Gefallen zu tun indem sie sagte: "Liebend gern, Chakotay."
Jetzt schaute sie der Indianer verblüfft an. "Wie bitte?"
"Ich werde Sie liebend gerne zum Weihnachtsabend begleiten, das ist es doch, was Sie fragen wollten, oder?" Sie trank noch einen Schluck Kaffee und ihre Augen blitzten schelmisch.
Chakotay blickte sie perplex an und meinte dann ein wenig verlegen: "Sie kennen mich zu gut. Genau das wollte ich fragen."
"Ich wäre sehr traurig gewesen, wenn Sie mit jemand anderem hingegangen wären", fügte sie noch hinzu.
"Wenn Sie nicht mitgekommen wären, dann hätte ich Ihnen einen Besuch abgestattet um Sie ein wenig in Weihnachtsstimmung zu versetzten", erwiderte er ohne nachzudenken und bemerkte sofort, daß diese Aussage ein wenig doppeldeutig war. Verlegen wandte er sich um und verließ schnell den Bereitschaftsraum. Kathryns amüsierter Blick folgte ihm.

Ein paar Stunden später hatte Ayala die Aufstellung fertig und lief mit dem Padd nun wieder zurück auf die Brücke. Die Einteilung hatte er lieber in seinem Quartier am Schreibtisch vorgenommen, wo er Ruhe fand und sich konzentrieren konnte. Dabei war ihm noch eingefallen, daß er Naomi versprochen hatte sie eine zeitlang unter seine Fittiche zu nehmen, um ihr den richtigen Umgang mit einem Phaser und Selbstverteidigung beizubringen. Sie war jetzt erwachsen und es wurde Zeit, daß Sie lernte sich zu schützen. Immerhin wurde sie seit einiger Zeit immer öfters zu Außeneinsätzen mitgenommen (zum Zweck ihrer Studien für die Akademie) und letztens hatte es einen Zwischenfall gegeben, der den Captain in Erinnerung brachte, daß Naomi ihre Ausbildung bisher nur in Wissensbereichen bekommen hatte. So hatte sie mit der jungen Frau darüber gesprochen und das Mädchen war sofort zu Ayala gegangen, um ihn zu fragen, ob er sie unterrichten würde. Natürlich hatte der Lt. ohne zu zögern zugestimmt. Schließlich war sie fast wie seine eigene Tochter, nachdem er sich nach dem Tod von Sam sehr um sie bemüht und gekümmert hatte.
"Lt.", begrüßte Janeway ihn mit einem Lächeln, als er die Brücke betrat. "Sind Sie etwa schon fertig?"
"Ja, Ma'am."
"Gut, dann gehen wir doch am besten in meinen Raum und gehen den Plan einmal durch." Sie stand auf und Ayala folgte ihr.
Im Bereitschaftsraum angekommen nahmen sie beide am Schreibtisch Platz und besprachen kurz die Aufstellung. Janeway nahm mit einem wohlwollenden Lächeln zur Kenntnis, daß ihr Lt. es eingerichtet hatte, daß sämtliche 'geheim verliebte Crewmitglieder' (zumindest die, von denen Janeway auch wußte) immer zusammen in einer Gruppe waren und sie bemerkte ebenfalls, daß Ayala auch darauf geachtete hatte, daß Chakotay und sie zusammen Urlaub machen konnten.
Ach Tarik, dachte sie ein wenig melancholisch, ich muß wirklich besser aufpassen was Chakotay angeht. Aber dafür ist es jetzt wohl eh zu spät.
"Tarik, das haben Sie phantastisch gemacht", hatte sie das Bedürfnis ihn zu loben.
"Danke, Captain", erwiderte er und meinte dann mit einem Seitenblick hin zu ihrem Couchtisch auf dem Podest: "Und wie ich sehe, haben Sie schon das erste Weihnachtsgeschenk erhalten."
Janeway runzelte die Stirn und folgte seinem Blick. Tatsächlich! Auf dem Couchtisch stand ein kleines Päckchen in Weihnachtspapier eingewickelt mit einer Schleife drum herum. Aber wie kam es dorthin? Das war noch nicht dagewesen, als sie mit Chakotay hier war.
Dieser Indianer, dachte sie dann schmunzelnd. Das kann doch nur von ihm sein.
"Das habe ich noch gar nicht bemerkt", sagte sie dann an Ayala gerichtet.
Tarik lächelte. "Ich ahne schon, welcher Weihnachtsmann dahinter steckt", meinte er dann und stand schnell auf, als er Janeway warnenden Blick sah und räusperte sich.
"Dann werde ich mal die Besatzung informieren?", fragte er auch gleich nach der Erlaubnis, gehen zu dürfen.
Janeway konnte ihm eh nicht lange böse sein und meinte mit einem Lächeln wieder: "Natürlich. Wegtreten."
Tarik verließ eilig den Raum und machte sich eine gedankliche Notiz, Chakotay von Kathryns Gesichtsausdruck zu erzählen, als sie sein Päckchen gesehen hatte. Das war wirklich eine nette Idee von ihm. Zumindest war er davon überzeugt, daß es nur Chakotay gewesen sein konnte.

Als sie allein war, stand sie neugierig auf und ging zum Tisch herüber. Das Geschenk war recht schwer und sie suchte vergeblich nach einer Karte, doch es war keine dran.
Das kann nur von Chakotay sein, war sie überzeugt, zögerte aber, es auszupacken. Schließlich war noch nicht Weihnachten. Sie ließ es vorerst auf dem Tisch stehen und gönnte sich ihre fünfte Tasse Kaffee an diesem Tag. Ein Bericht von B'Elanna den Maschinenraum betreffend lag auch noch auf ihrem Tisch und sie holte ihn schnell. Doch sie merkte, daß sie einfach zu neugierig war, was Chakotay ihr schenken könnte, zumal sie nichts geäußert hatte, das sich verpacken lassen könnte.
Als ihre Gedanken zum gefühlten 10. Mal zu dem Päckchen abschweiften, seufzte sie schließlich, legte das Padd beiseite und machte sich daran das Geschenk zu öffnen. Sie erkannte zuerst einen Glasrahmen und nahm ihn, neugierig auf das Bild, das Chakotay wohl ausgewählt hatte, heraus.
Ihr Herz machte einen Satz, die Tasse glitt ihr aus der Hand und sie starrte entsetzt auf das Foto. Ihre Hände und Lippen zitterten und sie spürte, wie die schrecklichen Erinnerungen, die das Bild bei ihr auslösten, wieder hoch kamen. In einer weißen Eislandschaft ragte ein Teil der 'Terra Nova' aus dem Wasser und ihr Vater und Justin starrten sie mit schreckgeweiteten Augen an, eingeschlossen in dem Schiff. Kathryn ließ das Bild fallen und stand am ganzen Körper zitternd minutenlang im Raum und versuchte, die Erinnerungen niederzukämpfen. Und eine Frage kam ihr immer wieder in den Sinn. Wer hatte ihr das nur geschenkt? Ganz sicher nicht Chakotay, so etwas würde er niemals tun und außerdem wußte er gar nichts darüber. Aber wer wußte davon? Doch nur Tuvok und der war tot. Bleich wie der Tod fiel sie auf ihre Couch und grübelte. Wer war fähig ihr so weh zu tun? Es gab doch keine großen Streitigkeiten, im Gegenteil! Alle schienen gerade eher glücklich zu sein und voller Tatendrang. Und gerade auf Weihnachten freuten sich alle. Also wer konnte sie so hassen?

Weit unter der Voyager, verborgen unter dem Eis, saß in diesem Moment jemand auf seinem Thron und freute sich diebisch. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Trauer waren seine Lieblingsgefühle und er wollte mehr. Viel mehr!
Er mußte diese kleinen Versager, die für ihn arbeiteten, einfach noch mehr antreiben, damit sie schneller die Geschenke herstellen konnten. Das Probepaket hatte er abgeliefert und es war unglaublich, welch starken Gefühle es bei diesem 'Mensch' ausgelöst hatte.
Sein drohender Schatten erschien in der Tür zur Werkstatt und die kleinen Wesen, die dort herumhuschten hielten erschrocken und ängstlich inne, als er hereinkam.
Brüllend trieb er sie an schneller zu arbeiten, die finsteren Gedanken, die er von den Menschen gestohlen hatte, in Dinge umzuwandeln. Er würde heute noch mehr Geschenke ausliefern. Voller Vorfreude verschwand er wieder und ließ zitternde, kleine Elfenwesen zurück, die sich jetzt umso mehr beeilten, die Wünsche ihres Herren auszuführen.

Während Ayala auf dem Weg zur Brücke gewesen war, hatte Naomi mit Icheb in ihrem Quartier zusammengesessen und ihm, wie auch schon letztes Jahr, von Weihnachtsbräuchen erzählt. Zumindest wie es auf der Erde üblich war. Sie hatten ebenfalls über die bevorstehende Weihnachtsfeier gesprochen und Icheb, der im letzten Jahr etwas überfordert gewesen war mit 100 funkelnden Dingen, Gesang und Weihnachtsmännern, freute sich nun mehr darauf, denn jetzt war er besser in der Lage, mit den ganzen neuen Dingen umzugehen.
"Ich habe vorhin den Commander getroffen", meinte sie, als sie sich beide schon für das Fest verabredet hatten. "Er wurde von Captain Janeway freigestellt, damit er wieder so ein schönes Fest wie letztes Jahr vorbereiten kann. Er meinte, dieses Mal würde es sogar noch besser werden."
"Dann vermute ich, es wird wieder viel getanzt, so wie letztes Mal?", fragte der Borg unbehaglich und erinnerte sich, wie er damals versucht hatte dem allgemeinen Gehopse (zumindest hatte es manchmal so ausgesehen) zu folgen und dabei kläglich gescheitert war.
Naomis Blick wurde ein klein wenig traurig, als er das fragte. Sie tanzte sehr gerne aber Icheb hatte einfach zwei linke Füße in dem Fall, gelinde ausgedrückt. Nun, sie würde dann halt mit Tarik, Chakotay, Tom und einigen anderen tanzen, aber Icheb wäre ihr lieber gewesen. Doch er fühlte sich dabei auch nicht wohl und Naomi respektierte es.
"Es wird ein Weihnachtsball", verriet Naomi dann und ihre Augen glänzten jetzt wieder, als sie es sich vorstellte.
"Dann ist die Kleiderordnung wohl auch eine andere?", fragte Icheb.
"Nun ja, es wäre schön, wenn Du Dir vielleicht einen Anzug oder Frack aussuchen könntest", meinte sie, stand auf und holte ihren Computer zum Tisch herüber. "So in etwa." Sie hatte in der Datenbank schnell Bilder gefunden und Icheb betrachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Es gibt hoffentlich eine Gebrauchsanweisung, wie man so etwas anzieht?", fragte er etwas nervös, als er einen Mann in einem Frack sah, der ihm besser gefiel als ein normaler Anzug.
Naomi mußte lachen. "Nein, aber so schwer ist das nicht. Wenn Du willst, helfe ich Dir."
"Nein, das ist eine Männerangelegenheit. Außerdem möchte ich Dich damit überraschen. Ich werde schon jemanden finden, der mir notfalls helfen kann."
Die Wangen des Mädchens wurden leicht rosa. Er ist so süß, dachte sie nur und freute sich schon sehr auf den Abend.
"Was wirst Du tragen?", fragte er dann.
"Das, mein Lieber, ist eine Überraschung", antwortete sie und Icheb schaute ein wenig enttäuscht.
"Es ist doch nur noch eine Woche hin, ein wenig Geduld, Herr Borg", neckte sie ihn und gab ihm einen Kuß auf die Wange.
"Wenn ich jetzt noch eine kleine Aufmunterung bekomme, bin ich sehr viel geduldiger", meinte er daraufhin schelmisch und zog Naomi in seine Arme.
Eine halbe Stunde später verließ ein lächelnder Icheb das Quartier seiner Freundin und machte sich auf den Weg zu Tom, um ihn um Hilfe mit dem Frack, und eine kleine Überraschung für Naomi zu bitten. Als er wenig später den Piloten auf dem Holodeck antraf, sagte Tom sofort seine Unterstützung zu. Und zwar in beiden Fällen.
"Fangen wir gleich mit der ersten Lektion an", sagte Tom eifrig und befahl dann dem Computer: "Computer, Tanzsaal kreieren und eine Band. Musikstil: Latein und Standard."
Das Gewünschte erschien kurz darauf und dann begannen ein paar anstrengende Lektionen im Tanzen für Icheb.
Ich hoffe nur, für Naomi ist das ausreichend, so gut wie sie werde ich nie tanzen können, dachte er, doch er hatte auch noch etwas Zeit zum üben.

Ayala ging nach seiner Schicht in sein Quartier zurück um sich umzuziehen. In einer halben Stunde war er mit Naomi für die erste Lektion in Selbstverteidigung verabredet und er zog es vor, seinen Trainingsanzug dafür zu tragen. Als er sich seiner Tür näherte, sah er auf dem Boden davor ein kleines Päckchen liegen. Es hatte die Größe einer kleinen Schmuckschachtel. Verwundert hob er es auf und sah, daß sein Name drauf stand.
"Scheinbar haben wir mehrere Weihnachtsmänner an Bord", murmelte er vor sich hin und dachte sofort an das Geschenk, das auf dem Tisch des Captains gestanden hatte. Allerdings glaubte er nicht, daß seines von Chakotay war. Nun, vielleicht wollte einfach jemand Wichtel spielen.
Er nahm es mit in sein Quartier und öffnete es vorsichtig. Tatsächlich war sogar ein Schmuckschächtelchen drinnen und er klappte den Deckel hoch. Verwundert nahm er den Ring, der innen steckte, heraus und betrachtete ihn näher. Das war doch genau sein Ehering! Er legte die Schachtel auf dem Tisch ab und holte aus seinem eigenen kleinen Erinnerungskästchen (so nannte er es zumindest), seinen Ehering hervor. Er hatte sich angewöhnt ihn nicht öffentlich am Finger zu tragen aus Angst, jemand würde um die Bedeutung wissen und eventuell versuchen seiner Familie etwas anzutun. Ebensowenig kannte irgendjemand diesen Ring. Stattdessen hatte er ihn immer an einer Kette um den Hals getragen, versteckt unter seiner Kleidung. Erst auf der Voyager hatte er für ihn dann einen neuen Platz gefunden, als die anfängliche Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zunichte gemacht worden war. Die Hoffnung ihn eines Tages aber wieder am Finger tragen zu können, wo er hingehörte, hatte er nie aufgegeben.
Nun verglich er die Ringe schnell, sie waren identisch. Nur der im Päckchen war ein wenig kleiner. Dann fiel ihm eine Gravur auf der Innenseite auf. Im nächsten Moment wurde er leichenblaß und sein Magen schien sich umzudrehen. In dem Ring war der Name seiner Frau eingraviert, das Datum der Eheschließung und daneben ein eindeutiges Symbol für ihren Todestag. Das Datum von heute.
Tarik schloß seine Finger fest um den Ring und spürte eine plötzliche Wut in sich aufsteigen.
Wer auch immer ihm diesen geschmacklosen Streich gespielt hatte, er würde ihn finden und… Moment mal, dachte er, eigentlich dürfte niemand wissen, wann ich geheiratet habe. Ich habe ihn immer geheim gehalten. Einen Streich konnte er damit fast ausschließen und nun spürte er eine Angst, die er noch nie gehabt hatte. Was, wenn Ashley wirklich etwas passiert war und dieser Ring ein Omen war? Er hatte schon so viel merkwürdiges im Delta-Quadranten erlebt, daß er nicht sofort abgeneigt war, dies als Unfung abzutun.
Für einen Moment wurde er halb verrückt vor Sorge und Ungewißheit. Was war hier los? Er ließ sich auf seine Couch fallen und versuchte, sich zu beruhigen. Doch die Ungewißheit plagte ihn.
Und ich habe nicht mal die Möglichkeit herauszufinden, ob es ihr gut geht, dachte er verzweifelt. Seine einzige Chance war herauszubekommen, woher dieser Ring kam. Hatte die Verpackung von Janeways Päckchen nicht genauso ausgesehen?
"Naomi Wildman an Lt. Ayala", kam auf einmal die Stimme der jungen Frau aus seinem Combadge und reflexartig tippte er drauf und antwortete.
"Ja, Naomi?" Unglaublich, ich klinge ganz normal, dachte er sofort und war froh darüber. Er konnte damit schlecht zum Captain gehen, sicher würde sie es nur für einen geschmacklosen Scherz halten und was konnte sie auch schon groß machen? Nein, er mußte es für sich behalten und selber zusehen, daß er herausfand, was es mit dem Ring auf sich hatte.
"Haben Sie unsere Verabredung vergessen? Ich warte schon seit 10 Minuten auf Sie auf dem Holodeck!"
Tarik stand auf. Scheinbar hatte er länger dort gesessen, als er gedacht hatte und meinte: "Tut mir leid, Naomi, ich war abgelenkt. Aber ich bin auf dem Weg. Du kannst schon mal mit ein paar Dehnübungen anfangen und Dich warm laufen."
"Okay, dann bis gleich." Sie beendete die Verbindung und Tarik legte beide Ringe schnell in sein Kästchen zurück und machte sich dann auf den Weg zum Holodeck.

Kathryn hatte eine Weile, nachdem die das mysteriöse Päckchen geöffnet hatte, noch in ihrem Raum gesessen, bis sie ihre Gefühle wieder so weit unter Kontrolle hatte und sich sehen lassen konnte. Doch ihr Gemütszustand war weiterhin auf dem Tiefpunkt und so machte sie von ihrem Captainsprivileg gebrauch und verschwand in ihr Quartier. Dort replizierte sie sich eine weitere Tasse Kaffee, ließ den Raum im Dunkeln und setzte sich dann zum Nachdenken auf die Couch, den Blick ins All und auf den weißen Planeten unter ihr gerichtet. Sollte sie Chakotay davon erzählen?
Nein, dann muß ich ihm von dem Unfall erzählen und das will ich weder ihm noch mir gerade jetzt zumuten. Sie beschloß das Ganze erstmal eine Nacht zu überschlafen und dann würde sie versuchen herauszufinden, wer sie im Moment nicht leiden konnte. Jetzt sehnte sie sich einfach danach, in Chakotays Armen zu liegen. Sie wußte, dann würde alles besser werden.
Ich muß ihm ja nichts sagen, aber ihn sehen würde schon helfen, dachte sie, stand schnell auf bevor sie es sich anders überlegen konnte und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier, nachdem sie den Computer gefragt hatte, wo er sich gerade aufhielt. Sie betätigte den Türmelder, doch ein "Herein" hörte sie nicht. Stattdessen ging die Tür auf und Chakotay stand vor ihr.
Er wirkte irgendwie zerstreut, fiel Kathryn sofort auf und ihre eigenen Probleme rückten in den Hintergrund.
"Chakotay? Ist alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte sie gleich besorgt, doch der Indianer winkte ab.
"Ja, ich bin nur ziemlich müde vom vielen Berichte lesen", wich er ihr eindeutig aus und wußte sofort, daß sie es gemerkt hatte. Doch im Moment wollte er mit niemandem reden, daher bat er: "Kathryn, es ist gerade ein etwas unpassender Zeitpunkt. Ist es sehr wichtig? Oder kann es auch bis morgen warten? Ich muß dringend noch die letzten Padds durchgehen."
"Natürlich, Commander. Entschuldigen Sie die späte Störung", erwiderte sie mit einem aufgesetzten Lächeln.
"Danke, Captain. Dann sehen wir uns morgen auf der Brücke."
"Gute Nacht, Chakotay."
Der erste Offizier schloß die Tür direkt vor ihr und lehnte sich mit gesenktem Kopf und einem tiefen Seufzen dagegen. Dann fiel sein Blick auf das zerrissene Weihnachtspapier, in dem das Geschenk eingepackt gewesen war, das ihn jetzt so aus der Bahn geworfen hatte.
Nein, das ist sicher kein Geschenk, dachte er mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Ein Geschenk wäre etwas Nettes, doch das hier ist einfach nur geschmacklos, dachte er und ging dann zum Tisch hinüber. Er hob die orange schimmernde Haarsträhne von Seska vor seine Augen und wußte nicht, was er denken sollte. Mit einem Tricorder hatte er geprüft, ob sie wirklich von ihr war (doch jemand anderen mit dieser auffälligen Haarfarbe kannte er nicht) und die Datenbank hatte es bestätigt. Die DNA in den Haarwurzeln war zweifelsohne von Seska. Doch woher kamen sie? Zumal sie noch recht frisch aussahen, nicht stumpf oder abgelagert, sie rochen sogar noch nach ihr. War sie etwa noch am Leben? Hatte sie die Voyager und ihn verfolgt?
Unsinn, Seska ist tot. Der Doktor hat es bestätigt. Aber woher kommen ihre Haare und warum schickt sie mir jemand?
Chakotay war voller Ungewißheit und Zweifel und als dann noch Kathryn vor der Tür stand, wollte er sie mit seiner düsteren Stimmung nicht belästigen. Er hoffte nur, sie würde es verstehen, aber er brauchte eine Zeit für sich.
Ein Besuch in einer anderen Welt wäre vielleicht angemessen, dachte er, legte die Haarsträhne wieder in die Schachtel und holte sein Medizinbündel und das Akoonah.

Auf dem Planeten verborgen saß er auf seinem Thron und lachte. Er lachte, weil er Zweifel und Unglück verbreiten konnte. "Mehr!", rief er aus und klatschte in seine Krallen. "Ich will mehr!"