Nach langer, langer Zeit melde ich mich mal wieder. Ich weiß, einige hatte mich gebeten, mal etwas lustiges, schönes zu schreiben. Aber ich fühle mich einfach viel wohler, wenn ich meine übliche Dramatik einbauen kann. Deshalb habe ich jetzt mit dieser Story begonnen. Sie wird einige Kapitel umfassen. Wie gesagt, dramatisch wie üblich, aber auch Shandy wie üblich.

Ich hoffe, es gefällt euch. Lasst es mich bitte wissen, damit es sich lohnt, sie fortzusetzen. Viel Spaß beim Lesen ;-)

Highway to Hell - Chapter 1

„Dieser Wagen hat mir mehr Ärger gebracht, als er wert war. Fürchterlich! Danke nochmal, dass Sie mich mitnehmen."

Frustriert versuchte Brenda Leigh Johnson zu retten, was von ihrer Frisur noch übrig war. Sie war schon auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als ihr Wagen mitten auf dem Highway nur noch ein erbärmliches Stottern von sich gab. Natürlich musste es ausgerechnet an diesem Morgen in Los Angeles regnen. Brenda seufzte, der Tag begann ja wunderbar.

„Kein Problem, Chief. Es lag ja sowieso fast auf unserem Weg. Außerdem wäre es bei dem Wetter wirklich eine Zumutung gewesen, Sie noch länger dort stehen zu lassen."

Andy Flynn drehte sich kurz zu seiner Chefin um und warf ihr ein kleines Lächeln zu. Sein Partner auf dem Fahrersitz gab nur ein zustimmendes Grummeln von sich. Er war auf die Fahrbahn vor sich konzentriert. Gerade hatte ihn ein silberner Wagen überholt und vor ihm wieder eingeschert. Er traute seinen Augen kaum, hatte er denn nicht einmal beim Autofahren ein wenig Ruhe vor dieser Frau?

„Hey Partner, was machst du denn so ein Gesicht? Der Tag hat noch nicht einmal richtig angefangen und deine Laune ist schon mies."

Verständnislos sah Flynn zu Provenza hinüber. Der schüttelte nur den Kopf und deutete mit dem Kinn auf den Wagen vor ihm. Auch Flynn wandte sich zur Straße. Der Verkehr staute sich langsam und der Highway wurde immer voller, aber den Wagen vor ihnen erkannte er dennoch.

„Ist das-?"

„Raydor!"

Der Chief schien eben so wenig erfreut über die frühe Begegnung wie ihre Lieutenants.

„Na großartig, der Tag wird immer besser."

Genervt warf Brenda ihre Haare zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Vor ihr ließ Andy sich langsam in seinen Sitz zurück sinken und beobachtete den Wagen vor sich. Langsam zog er die Brauen zusammen. Raydor setzte erneut zum Überholen an, obwohl schon abzusehen war, dass die Autos weiter vorn im Stau zum Stehen kamen. Er dachte viel von ihr, aber für eine drängelnde Autofahrerin hatte er sie nicht gehalten. Auch die anderen beiden im Wagen schien es zu wundern, als Raydor ausscherte und sich auf einer der linken Spuren einordnete.

„Was macht sie denn da? Das wird sie auch nicht schneller zu den Headquarters bringen."

Verärgert schüttelte Provenza den Kopf.

Andy beobachtete das silberne Fahrzeug durch den Verkehr hindurch, während die anderen beiden sich schon auf etwas anderes konzentrierten. Daher war er auch der erste, der mit ansehen musste, was als nächstes geschah.

Raydor schien den Wagen plötzlich nach rechts zu reißen und verfehlte dabei andere Fahrzeuge nur um Haaresbreite. Allerdings stiegen die Fahrer um sie herum so hart in die Eisen, dass einige die Wagen vor sich rammten. Am Rande nahm er wahr, wie auch sein Partner stark bremste und fluchte und Brenda hinter ihm erschrocken aufschrie. Doch vor allem konnte er den Blick nicht von Raydors Wagen abwenden, der mit extrem hoher Geschwindigkeit ungebremst auf die Leitplanken zu raste, sie durchbrach, sich mehrmals überschlug und schließlich die Böschung hinunter rutschte, bis er das Sichtfeld Flynns verließ.

Das alles geschah in weniger als drei Sekunden. Er wusste nicht, warum er so handelte, wie er es als nächstes tat. Aber noch bevor Provenza den Wagen vollkommen zum Stillstand gebracht hatte, riss er seine Tür auf, löste den Gurt und sprang aus dem Wagen. Seine Füße hatten kaum den Asphalt berührt, da lief er geistesgegenwärtig los, an den anderen Wagen vorbei.

Auf dem Highway breitete sich ein einziges Chaos aus. Überall lagen Wrackteile, es stieg Qualm auf und verwirrte oder aufgebrachte Menschen liefen quer über die Fahrbahnen. Provenza rief seinem Partner hinterher. Doch dieser ignorierte all dies. An der Stelle, an der anstelle der Leitplanken nun ein großes Loch klaffte, hielt er kurz inne und atmete tief durch. Dann begann er so schnell wie möglich, die durch den Regen matschige Böschung hinunter zu klettern. Er folgte den Trümmern, die Raydors Auto in den Gewächsen hinterlassen hatte.

Als er hinter ein paar Büschen etwas Silbernes aufblitzen sah, lief er noch ein wenig schneller, bevor er schließlich vor dem großen Blechhaufen stand, der einmal Raydors Wagen gewesen war. Das Wrack lag auf dem Dach, ein Rad fehlte völlig und dort, wo man den Motor nur noch erahnen konnte, stieg Rauch auf. Vorsichtig umrundete Andy das Heck. Unter seinen Füßen knirschte das Glas von den zerborstenen Fenstern. Bei jedem Schritt wurde das flaue Gefühl in seinem Magen prägnanter. Als er auf die Fahrerseite trat, musste er stark schlucken. Er hatte die Frau nie besonders gut leiden können. Sie hatte ihnen allen nur das Leben schwer gemacht. Aber dennoch… Was wenn…?

Er schob den Gedanken beiseite und legte seinen Fokus auf das rauchende, knackende Wrack vor ihm. Erst konnte er nichts erkennen, doch als er näher trat, wurde ihm leicht schwindelig.

Dort an der Fahrertür, wo einmal ein Fenster gewesen war, ragte eine kleine, zierliche Hand heraus. Sie war reglos und blutverschmiert.

TBC

Reviews nicht vergessen bitte :)