Kapitel 17

Der Herr der Nazgul war fort. Aus geritten mit einer starken Armee. Aus geritten gegen Gondor. Gegen die Menschen. Im Wunsche die Befehle seines Herrn Folge zu leisten. Im Wunsche die Menschen bluten zu sehen.

Der Dunkle kehrte in die Burg zurück nachdem sein Herrmeister fort war. Es war perfekt. So perfekt. Der Nazgul würde die schäbige Arbeit machen. Noch unsicher schritt er die Stufen empor. Der Körper war neu. Ungewohnt. Doch er besaß eine Grazie. Elegant. Kaum hörbar stieg er empor.

Bald war er angekommen. Er stand auf dem Turm. Überblickte Mordor. Schwarz. Gefährlich war es. Kurz um wunderschön. Langsam schloss er die Augen. So gut war es wieder einen Körper zu besitzen. Der Wind blies um den Körper. Er spürte die Kälte. Hieß sie mit der eigenen willkommen. Langsam drehte er sich. Mordor hatte einen alten Charme. Das schwarze Land. Die meisten Wesen hatten Angst davor.

Angst davor es würde sie verschlingen und für immer bei sich behalten. Angst davor es würde aus ihnen Kreaturen der Dunkelheit zaubern. Wie töricht waren sie doch. Das schwarze Land konnte diese Dinge ebenso wenig vollbringen wie Rohan Pferde gebären konnte oder Gondor die Stärke der Westernis in sich trug. Doch die Geschichte gab dem Land dies.

Respekt.

Düsternis.

Wenn er genau hin hörte konnte er die Schreie hören. Leise und fern klangen sie. Doch sie waren hier. Hier im Angesicht der Düsternis.

Sie erzählten was geschehen war. Erzählten von Leid. Erzählten von Krieg und Verdammnis. Er wandte sich ab. Zu lange ihnen zu lauschen war selbst für ihn ein gefährliches Spiel. Er musste nachsehen wie es seinem kleinen Gast ging. Dem Gast im eigenen Körper.

Langsam schloß er die Augen. Fuhr tief in sich hinein. Durchdrang die Düsternis und fand ihn. Das einsame Geschöpf. Noch immer wach. Nicht fähig zu schlafen. Nicht wissend was er vergessen hatte.

Mit dem kämpfend was er erlebt hatte. Das Haar war strähnig. Die Augenringe saßen tief. Ein leerer Blick sah ihm entgegen. So stolz und doch so verwundbar. Ja, so waren die Elben. Mächtig im Licht doch schwach in der Dunkelheit.

Leise sprach er zu der gequälten Seele:

„Keine Furcht."

Er wusste nicht ob Legolas ihn hörte. Aber es musste wohl so sein. Er spürte die verkrampften Glieder. Noch weiter drang er in den gequälten Geist. Hörte das Schreien.

Oh, ja schrei nur Elb.

Wenn du dich noch wehrst ist es viel schöner.

Er sah wie sehr den Elb das Erlebte quälte. Gut. Gut. Das konnte er ändern. Schnell stob er aus dem Geist des Geschöpfs ihn im brennenden Schmerz des Augenblicks verlassend.

Er schüttelte die Verwirrung ab. Spürte wie er von Minute von Minute stärker wurde und der Geist des Elben verblasste. Langsam am Gift der Dunkelheit zu Grunde ging. Sich immer wieder das Geschehene vor dem Inneren zu Gesicht führte. Doch so schnell würde er den Elben nicht frei geben. Er und der Elb hatten doch noch Pläne.

Mit diesen Gedanken verließ er den Aussichtspunkt und stieg die Stufen hinab, die er vorher hinauf gestiegen war.

In seinem Gemach angekommen sah er sich um. Der Spiegel. Er war das Einzig nicht Schwarze hier. Die Schritte darauf hin schienen ewig zu dauern. Er wollte sein neues Antlitz sehen.

So starrte er in den Spiegel. Fuhr über das nun schwarze Haar. Die dunkel umrandeten Augen des Elben. Sah die schwarzen Tiefen der Augen im Spiegel reflektieren.

Die blasse Haut scheinend im Angesicht der Dunkelheit. Feine Gesichtzüge wurden hart und gefährlich im Angesicht. Lange, schlanke Finger strichen die Kapuze zurecht bevor er das Gemach verließ.

Als er in den Saal hinab stieg verbeugten sich die Orks und Uruks vor ihm. Wissend um den Umstand, das ihr Gebieter einen neuen Körper besaß. Oder einfach nur die kalte Aura erkennend.

Einer dieser Abscheulichkeiten kam auf ihn zu. Er winkte ihn zu sich heran. Ein Bote. Hm, das konnte nicht uninteressant sein.

Der Uruk verneigte sich schnell und fasselte in der altbekannten, dunklen Stimme:

„Der Ostling hat Neuigkeiten."

Der Dunkle nickte. Neuigkeiten waren immer gut. Er musste wissen was geschah. Dem Uruk zunickend trat dieser zur Seite und gab den Blick auf einen in Lumpen gekleideten Menschen frei.

Einer seiner Verbündeten. Nun gut. Mal sehen wie er so war. Aber im Moment wollte er erst mal wissen was der Ostling zu berichten hatte, das er noch nicht wusste.

Dieser schien auch keine Zeit verlieren zu wollen und berichtete zu gleich von seiner Sache:

„Der Elb, den der Herrmeister zu beachten gebeten hat. Ein Wächter Loriens. Haldir mag sein Name sein. Er ist... Er hat sich den Rohirrim angeschlossen."

Der Dunkle nickte. Das wusste er bereits. Tief in seinem Inneren hörte er ein verwirrtes Aufschreien beim Klang des Namen. Oh, ja der Wächter würde kommen. Das war fast offensichtlich gewesen. Nach dem Auftritt von Legolas war es zu einer Tatsache geworden.

Nun ja, erst mal musste er sich um den Ostling kümmern. Oh, er musste nicht. Er verspürte viel mehr ein Bedürfnis dazu. Oder einfach ein Bedürfnis seinen Untermieter noch ein bisschen zu quälen. Mit einer schnellen Bewegung hatte er den Ostling gepackt und schleifte ihn hinter sich her. Die Uruks und Orks schwiegen. Der Dunkle wusste, das sie nur darauf warteten, das er ging. Es sollte ihm egal sein.

Er hatte was er wollte. In seinem Gemach angekommen kettete er den Ostling an. Dieser wehrte sich mit all seiner Kraft.

Der Dunkle grinste:

„So viel du dich auch zur Wehr setzt. Bringen wird es dir am Ende nichts."

Der Ostling sagte nichts. Zu deutlich war die Furcht in seinen Augen zu erkennen. Im Großen und Ganzen war er nicht anders als die anderen Menschen. Eben schwach.

Er trat vor den Ostling. Genoß dessen Furcht. Badete sich darin. Was würde er als erstes tun? Hm, etwas einfaches. Wie hieß es so schön: Beginne langsam um dich später zu steigern. Genau. Eine andere Sache war. Er war so lange formlos gewesen. Das hatte sicher Spuren hinterlassen.

So begann er damit Brandmale in die Haut des Ostlings zu brennen. Die Schreie waren Balsam für die dunkle Seele. Nein, noch würde er nicht ruhen. Gutes Werk mochte Weile haben und er hatte die Zeit sein Werk gut zu tun. Schließlich sollte es nicht halbherzig werden.

So fuhr er über den Körper. Ihn verbrennend doch immer noch zu leicht um zu töten. Dann legte er die Fackel beiseite. Zog den mittlerweile laut schreienden Ostling mit sich.

Die Augen des Menschen weiteten sich.

„Schrei, Mensch. Schrei so laut du kannst. Es wird dich keiner hören."

Er lacht hämisch. Plötzlich stotterte der Mensch etwas. Die Stimme war stark in Mitleidenschaft gezogen. Jedenfalls klang es so wie:

„Wass willst du von mir?"

Der Dunkle lachte. Das war ja zu köstlich. Was er wollte? Was er von ihm wollte? Er lachte höhnisch.

„Nicht du dummer, Mensch. Du bist nur hier um mich zu belustigen."

Könnten Augen aus den Höhlen treten so hätten sie es in diesem Augenblick sicher getan. Warum sollten die Augen es eigentlich nicht können? Das war eine Idee. Schnell nahm er einen dünnen Eisenstab vom Tisch. Erhitze ihn im Feuer des Ofens und strich sanft über das Gesicht.

„Ja, schrei!"

Dann stach er zu. Verfehlte das Augenlicht nur knapp. Genau wissend wohin er stach. Wissend wohin er stechen musste damit der Ostling nicht erblinden würde. Ja, er sollte es mit erleben. Die Schreie verhalten.

Der Dunkle drehte den glühende Spieß. Süßer Schmerz komme. Schrei. Schrei so laut du kannst. Der Dunkle fuhr weiter. Den Augen entlang. Flüssigkeit tropfte aus den Augen. Die Hitze trocknete sie aus.

Doch noch immer war die Bewusstlosigkeit nicht bereit dem Ostling Gnade zu gewähren. Er schnitt präzise. Fein und langsam. Genoss jeden Zentimeter. Immer darauf achtend, das das Opfer und sein Mitbewohner es mitbekamen.

So nah. So süß. Der Schrei so erregend. Bald würde es vollbracht sein. Nerven wurden durchtrennt. Die Blindheit stellte sich ein. Der Kampf wurde weniger. Blut floss.

Der Dunkle wunderte sich schon, das der Ostling noch immer bei Bewusstsein war. Schließlich war es soweit. Der Dunkle hielt das Auge in seiner Hand. Es war noch warm. Genau wie das Blut darauf. Es schmeckte nach Eisen. Wunderbar.

Höhnisch lachend nahm er es und öffnete den Mund des Ostlings. Der erstarrte als das Auge in seinen Mund gegeben wurde und der Mund zu gedrückt wurde. Er schluckte Anfangs nicht. Er würde ersticken. Selber Schuld. Lange dauerte es nicht und der Mensch war am eigenen Auge erstickt.

Der Dunkle seufzte. Dieser Mensch war stark gewesen doch ebenso schwach. Er drehte sich um und ließ die Leiche seinen Dienern.