Ereinion Gil-galad war unbestreitbar ein großartiger Elb und König in der Abstammung vieler faszinierender und herausragender Persönlichkeiten in der Geschichte dieser Lande. Er war es, der die Noldor aus dem Untergang Beleriands, aus Not und Leid und in eine neue Heimat führte. Er war es, der den Noldor neuen Ruhm und Glanz brachte. Er war es, der uns alle im Letzten Bund gegen Sauron führte.

Und er war es, der zwei Halbelben vor dem Tod durch Hunger und Krankheit errettete durch nichts weiter dazu verpflichtet als Herzensgüte und Erbarmen. Ich verdanke ihm mein Leben.

Gil-galad war sehr vieles, doch das meiste davon ist der Allgemeinheit nicht bekannt und nicht bewusst. Man sieht ihn als den letzten Hohen König, als Heerführer und großartigen Strategen und Denker. Aber den Elb, der dahinter steht, kennen nur sehr wenige. Ich als sein Berater, Herold und doch vor allem bester Freund sehe mich in der Pflicht, nach seinem tragischen und bedauernswerten Tod diesen Elb der Welt näher zu bringen, auf das er niemals in Vergessenheit gerät. Dies darf nicht geschehen!

Gil-galad war verrückt, zweifelsohne. Natürlich ist das in einer positiven Weise zu sehen. Dieser Elb hatte nun einmal hin und wieder äußerst seltsame Ideen und Anwandlungen. Eine seiner verrücktesten Ideen war freilich, mich zu seinem Herold zu ernennen und in die offene Feldschlacht um Eregion zu schicken. Ich, der ich zu dem Zeitpunkt noch keinerlei Erfahrung im Führen von Heeren hatte! Geschweige denn im Führen von Schlachten mannigfaltigster Art. Als ich ihm genau das vorgehalten hatte, meinte er darauf nur, jeder müsse doch irgendwo einmal anfangen. Nur: Normalerweise fängt man klein an.

Seine Macken waren unbestreitbar ebenfalls genauso seltsam. Warum auch immer bestand Gil-galad darauf, mir und meinem Bruder zu jedem unserer Geburtstage eine gigantische Torte schicken zu müssen. Als Elros – oder Tar-Minyatur, wie ihn nun alle nennen – nach Númenor zog, brachte es Gil-galad sogar fertig, die Torten verschiffen zu lassen. Dabei wusste er ganz genau, dass ich seit dem vierhundertzweiundvierzigsten Jahr des Zweiten Zeitalters meine Geburtstage nicht ausstehen kann! Ich habe ihn mehr als einmal als wahnsinnig bezeichnet. Zu Recht, will hier angemerkt sein. Ihn selbst hat das allerdings nie gestört, er hat mir im Gegenteil sogar Recht gegeben.

Ja, Gil-galad und seine Macken. Er hatte wirklich eigenwillige, auf viele von ihnen werde ich später noch eingehen. Viele sahen in ihm tatsächlich nur den würdevollen, unnahbaren König, denn so gab er sich schließlich auch in der Öffentlichkeit, wie es sich für jemanden von seinem Rang und Namen geziemte. Doch wenn wir einmal unter uns waren, über irgendwelche Albernheiten redeten oder gemeinsam musizierten, dann war er einfach nur Galad, ein Elb wie jeder andere auch. Nur eine Handvoll Leute kannte diese Seite an ihm, ich gehörte zu diesen.

Gil-galad sprach mir gegenüber oft davon, welch eine Last seine Krone für ihn sei. Ja, eine Last, und es ist wohl verständlich, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen er seine Krone erhielt. Zwar weiß ich nicht, wie es ist, den leiblichen Vater in einer Schlacht fern der Heimat zu verlieren, doch weiß ich, wie es ist, die Ziehväter an Kummer, Leid und, ja, auch Wahn zu verlieren, und so verstand ich Gil-galad durchaus sehr gut, als er von seiner Bürde sprach.

Mir erscheint es nicht nur als ein Freundschaftsdienst, den König für die Nachwelt so zu verewigen, wie ich ihn kennenlernen durfte, wie ich alle Facetten seiner Persönlichkeit kannte, sondern vielmehr auch ein Dienst an der Allgemeinheit insgesamt. Es ist mir eine Pflicht, für jeden festzuhalten, wer dieser Elb war, den alle nur als ihren König kennen.

Gil-galad war ein großartiger Elb. Er wird vollkommen zu Recht lobgepriesen, doch erscheint mir das alles noch immer nicht angemessen. Gil-galad war ein wundervoller Freund, der beste, den ich mir nur wünschen konnte. Dies soll seine Geschichte sein, und ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie ihm gerecht werden kann.