Elfter Gesang

Als die Sonne am nächsten Tag aufging, ließ Xena den gefangenen Hordenkrieger in den Befehlsraum bringen. Menticles und ein weiterer Soldat hatten den Gefangenen in die Mitte genommen und drückten ihn vor Xena auf die Knie.

Xena betrachtete den Krieger. Er wagte es nicht, sie anzusehen. Wenn, dann warf er ihr nur kurze Blicke zu, als wollte er herausfinden, was sie vorhatte.

Es war dieses Verhalten, was Xenas Theorie, die sie letzte Nacht entwickelt hatte, stärkte. Jetzt musste sie nur noch erprobt werden.

„Schneide ihn los, Menticles." Befahl sie.

„Hast du den Verstand verloren?" fragte der Soldat.

„Tue es!"

Menticles blickte von Xena zu dem Gefangenen. Schließlich trat er nach vorne, hob die Arme des Kriegers und schnitt seine Fesseln durch.

Der Hordenkrieger sah erstaunt von einem zum anderen und begann die Schnüre um seine Handgelenke zu lösen.

„Gib mir seine Waffe."

Der Soldat, der die Axt des Kriegers hielt, reichte sie ihr und trat zurück.

Xena nahm Augenkontakt mit dem Krieger auf.

Und warf ihm die Axt zu Füßen.

Für einen Moment schien der Krieger unschlüssig, was er tun sollte. Dann hob er die Axt auf und wollte Menticles und den Soldaten angreifen.

Sofort ging Xena dazwischen, und der Krieger ließ ab. Seine Bewegungen zeigten, dass er nach einem Weg um sie herum zu suchen schien.

Er wollte nicht gegen sie kämpfen.

Xena zog ihr Schwert.

Der Krieger wich zurück, ging auf ein Knie hinunter und neigte das Haupt.

Erstaunt beobachteten Menticles und der andere Soldat das Verhalten des Hordenkriegers.

„Was soll das werden?" fragte Menticles.

„Er will nicht gegen mich kämpfen.", sagte Xena, „Er will lieber gegen dich kämpfen. Oder gegen irgendjemand sonst."

Der Soldat hinter ihr stieß ein hohles Lachen aus.

„Kein Wunder. Niemand bei Sinnen würde gegen dich kämpfen wollen."

„Das ist es nicht.", korrigierte ihn Xena, „Er glaubt, dass ich das Kommando habe. Und dass er nicht würdig ist gegen mich zu kämpfen."

Xena trat nach vorne und berührte den Krieger an der Schulter. Er hob den Kopf und blickte sie fragend an. Xena hob die Hand, legte sie auf ihre Brust und zeigte zur Tür. Als der Krieger sie nur fragend ansah, wiederholte sie die Geste energischer.

Langsam stand der Krieger auf und nickte.

„Er hat verstanden." Sagte Menticles ungläubig.

Xena nickte.

„Bringt ihn zum Tor und lasst ihn frei."

Der Soldat hinter ihr ahmte Xenas Geste nach und deutete zur Tür.

Der Krieger blickte ihn an und stampfte an ihm vorbei.

„Ich verstehe nicht, was du damit beweisen willst." Sagte Menticles.

„Es mag vielleicht keinen Sinn machen.", sagte Xena, „Aber ich glaube, die Männer dieser Horde haben so etwas wie einen Ehrenkodex. Und wenn wir den verstehen, schaffen wir es vielleicht lebend hier rauszukommen."

Xenas Theorie schien sich zu bewahrheiten. Als der Mittag anbrach, meldeten die Soldaten auf der Zinne, dass die Horde aus dem Wald kam.

Es war eine Gruppe von über fünfzig Menschen, Männer und Frauen jeden Alters. Sie alle trugen die gleiche Kleidung. Die Männer hatten ihre Gesichter bemalt. An der farblichen Gestaltung, daran wie viel Haut noch zu sehen war, konnte man so etwas wie eine Hierarchie erkennen. Auch an den Nasenhörnern schien sich diese Hierarchie erkennen zu lassen. Männer, offenbar die Krieger, trugen diese Hörner, während Frauen sie nicht trugen.

Die Männer hatten ihre Äxte in den Händen, schienen jedoch nicht angreifen zu wollen.

Der Größte von ihnen, offenbar ihr Anführer, trat mit drei weiteren Kriegern nach vorne in die Mitte des Feldes und wartete.

„Was tun die da?" fragte Menticles.

Xena beobachtete den Anführer der Horde. Er hatte sie auf den Zinnen entdeckt, denn sein Blick war unablässig auf sie gerichtet. In der Gruppe der Krieger, die ihn begleitete, erkannte sie jenen Hordenkrieger, den sie heute Morgen freigelassen hatte.

„Er wartet darauf, dass ich rauskomme." Antwortete sie.

„Aber warum?"

„Um gegen mich zu kämpfen."

Jemand legte ihr eine Hand auf die Schulter. Xena drehte sich um. Lygeia stand hinter ihr und blickte sie ernst an.

„Komm mit." Sagte sie und ging die Stufen der Mauer hinunter.

Xena folgte ihr mit etwas Zögern. Seit ihrem Streit hatten sie fast kein Wort miteinander geredet. Xena wusste, dass sie sich bei Lygeia entschuldigen musste.

Die junge Frau führte sie in die Mitte des Hofes, in dem ein Kreis gezogen worden war. In der Mitte des Kreises lagen mehrere kleine Töpfchen, die verschiedene Farben enthielten.

Auf Xenas fragenden Blick deutete Lygeia in Richtung der Farbtöpfchen.

„Mein Großonkel hat mir erzählt, dass es bei den Tsalagi und bei anderen Stämmen üblich war, dass sich die Krieger vor einem Kampf das Gesicht zu bemalen." Erklärte Lygeia achselzuckend.

Xena begriff, was Lygeia vorhatte. Sie setzte sich in die Mitte des Runds und nickte zustimmend.

Lygeia erwiderte das Nicken und begann mit ihrer Prozedur. Zunächst band sie Xenas Haar hinter dem Kopf zu einem festen Knoten zusammen, damit es der Kriegerprinzessin im Kampf nicht ins Gesicht fiel. Dann setzte sie sich ihr gegenüber und öffnete das erste Töpfchen. Sie schüttete sich die schwarze Farbe auf die Handfläche und verrieb sie mit einem Stofffetzen. Sie packte Xena am Hinterkopf, damit sie still hielt und drückte ihr einen schwarzen Abdruck ihrer Hand ins Gesicht.

Nachdem sie sich die Hand in einem Eimer mit Wasser gewaschen, und mit einem Stück Stoff getrocknet hatte, öffnete sie das zweite Töpfchen, das rote Farbe enthielt. Damit malte sie eine blitzähnlich geschwungene Linie über Xenas gesamte Stirn.

Xena wusste nicht, warum Lygeia ausgerechnet diese Farben oder Symbole ausgewählt hatte, auch wenn sie sicher war, dass eine tiefere Bedeutung dahinter steckte. Sie kannte die Bräuche bei verschiedenen Volksstämmen und wusste um die Bedeutung verschiedener Zeichen.

Lygeia öffnete das letzte Farbtöpfchen. Diesmal mit grüner Farbe. Damit malte sie ein „X" in Xenas Gesicht, das ihr Zeichen war. Eine Linie führte von ihrer rechten Schläfe bis zu ihrem Kinn. Die Andere begann bei ihrem Wangenknochen und ging bis zur Halswurzel.

Kritisch begutachtete Lygeia ihr Werk. Mit einem Nicken befand sie ihre Arbeit für gut und stellte das Farbtöpfchen ab.

Xena wollte aufstehen, doch Lygeia hielt sie zurück und schloss sie fest in die Arme.

„Komm du mir ja lebend zurück, hörst du?", sagte sie, „Ich hab keinen Bock deine Leiche ein zweites Mal durch Griechenland zu schleppen."

Xenas Antwort war ein grimmiges Lächeln, das Lygeia nicht sehen konnte. Sie löste sich von der Kriegerprinzessin und nickte ihr noch einmal zu.

„Jetzt geh da raus und versohl ihm ordentlich den Hintern."

Xena stand auf und befahl den Soldaten den Wagen beiseite zu schieben.

„Xena!"

Gabrielle kam auf sie zu und nahm ihre Hand. Sie wollte ihre Kriegerprinzessin vor das Tor begleiten.

Als sie sich dem Feld näherten wurde Gabrielle langsamer.

„Muss das sein?" fragte sie.

Xena wusste, was sie meinte und antwortete: „Frieden und Verständnis kommen nicht über Nacht. Wir beide, ich und er, haben einen Ehrenkodex der Krieger. Das ist die einzige Sprache, die wir beide verstehen. Wenn ich ihn besiege, dann besiege ich auch seine Armee."

Die Kriegerprinzessin drehte sich zu Gabrielle und sagte: „Hör zu Gabrielle. Wenn ich nicht zurückkomme, gehst du mit Lygeia runter zum Fluss –''

„Nein!", unterbrach sie Gabrielle, „Sag nicht so etwas. Wir sind hier gemeinsam reingegangen und wir gehen auch gemeinsam wieder raus."

Xena nickte, ließ Gabrielles Hand los und betrat das Feld. Der Anführer der Horde kam ihr entgegen.

Er war ein Hühne von Mensch. Sicherlich einer der größten, denen Xena je begegnet war. Auf den Strängen seiner Muskeln, die sich wie Baumwurzeln um seinen Körper wickelten, war kein Stück freie Haut mehr zu erkennen. Die Hörner seiner Nase ragten bis über das Kinn und zeigten seine Vormachtstellung innerhalb der Horde. Auf dem Kopf trug er etwas, dass wohl eine Krone sein sollte. Doch bestand diese Krone nicht aus Gold, sondern aus einem menschlichen Schädel, der mit Fellen und Ketten behängt war. Um den Hals trug der Anführer der Horde eine makabere Kette aus weiteren menschlichen Schädeln. Manche davon waren so klein, dass sie von Kindern stammen mussten. In seinen riesigen Händen hielt er zwei Sensen, die mit Schnüren an seinen Handgelenken befestigt waren.

Xena zog ihr Schwert und nahm ihre Kampfstellung ein.

Für einen Augenblick, der sich unendlich in die Länge zog, verharrten sie in ihrer Position. Dann, wie auf ein unhörbares Signal, griff der Anführer an.

Xena riss ihr Schwert nach oben und wehrte die Angriffe ab. Doch trotz seiner Größe besaß er Anführer der Horde eine Schnelligkeit und Agilität, die man ihm niemals zugetraut hatte. War er langsam und fast schon behäbig auf sie zugekommen, bewegte er sich nun mit der Wendigkeit einer Katze und attackierte sie mit der Kraft eines Tigers. Nun verstand Xena auch, weshalb die Sensen an seinen Handgelenken festgebunden waren. Nicht nur um zu verhindern, dass er seine Waffen im Kampf verlor. Sie ermöglichten es ihm die Sensen durch die Luft zu wirbeln und verliehen ihm einen Kampfstil, mit dem es Xena nur selten zu tun gehabt hatte.

Die Kriegerprinzessin war eine erfahrene Kämpferin. Sie hatte mehrere Schlachten geschlagen, zu Fuß und zu Pferd. Oftmals gegen eine Übermacht an Gegnern. Doch dieser hier wog mit Leichtigkeit fünf trainierte Soldaten auf. In den ersten Minuten des Kampfes konnte Xena nichts weiter tun, als die todbringenden Waffen des Anführers abzuwehren.

Plötzlich fuhr ihr Gegner herum und nahm in der Bewegung sein Bein zu einem Kreisfußtritt hoch, der stark genug gewesen wäre, einem Mann das Genick zu brechen. Xena wich dem Tritt aus und schlug nach dem Standbein ihres Gegners. Doch der Anführer wich ihrem Schwert aus und antwortete stattdessen mit einem Frontalkick, der Xena zu Boden schleuderte und ihr die Luft aus den Lungen drückte.

Keuchend rappelte sich Xena auf und schaffte es gerade noch einen weiteren Angriff des Anführers abzuwehren. Langsam drängte sie der Anführer über das Feld, griff mit seinen Sensen an, ohne ein Zeichen von Erschöpfung.

In Xenas Kopf begann es zu arbeiten. Sie spürte, wie ihre Kraft nachließ. Sie war schnell und wendig, doch darin konnte ihr Gegner ohne Probleme mit ihr Schritt halten. Was Kraft anging, war er ihr deutlich überlegen. Und er hatte keine Angst vor ihr. Viele von Xenas Kämpfen waren allein durch ihren Ruf entschieden worden, noch bevor sie überhaupt angefangen hatten. Doch hier nützte ihr Ruf nichts. Dieser Gegner hatte keine Angst vor dem Tod. Er fürchtete nichts und niemanden.

Sie musste seine Schwachstelle finden. Sie brauchte eine neue Taktik.

Die Größe ihres Gegners war sein Vorteil. Vielleicht konnte sie ihn zu seinem Nachteil ummünzen.

In einem plötzlichen Wechsel begann Xena den Anführer zu umkreisen und versuchte seine Verteidigung zu durchbrechen. Doch die wirbelnden Sensen machten es ihr schwer.

Eine Zeit lang ging der Kampf weiter, und es sah ganz danach aus, als ob Xena unterliegen würde, als sie plötzlich eine Finte startete und dem Anführer der Horde gegen das Knie trat.

Ihr Gegner strauchelte und musste zurückweichen. Doch danach machte er genau da weiter wo er aufgehört hatte.

Für Xena war dieses Straucheln ein wichtiges Signal. Sie hatte eine mögliche Schwachstelle gefunden. An die musste sie rankommen.

Erneut startete sie eine Reihe von Angriffen, schaffte es dem Anführer der Horde immer näher zu kommen und trat noch einmal nach seinem Bein. Der Gegner stieß einen wütenden Laut aus, als Xenas Fuß sein Knie traf und ihn erneut zurückweichen ließ.

Nun hatte Xena ihre Taktik gefunden. Anstatt im direkten Kampf, umkreiste sie ihren Gegner, mal von links, mal von vorne, von rechts oder von hinten angreifend, bis sie wieder nahe genug war, um an die Beine des Anführers heranzukommen. Doch der Anführer hatte ihren Plan bald durchschaut und verlegte sich nun darauf seine Beine ihren Angriffen zu entziehen, in dem er nach ihr trat. Immer wieder musste sich Xena ducken, zur Seite weichen oder in die Luft springen, um nicht von den Füßen geholt zu werden.

Als ihr Gegner einen Kreisfußtritt gegen ihren Kopf anbringen wollte, fiel Xena in die Hocke und antwortete mit einem gedrehten Fußfeger gegen das Standbein, der ihren Gegner zu Boden warf. Aber kaum, dass sein Rücken den Boden berührte, sprang er wieder auf die Beine und griff wieder an.

Doch die Taktik der Kriegerprinzessin funktionierte. Immer wieder attackierte sie die Beine ihres Gegners, während sie seinen Angriffen und Tritten auswich. Aber je mehr sie seine Beine mit ihren Attacken schwächte, desto weniger trat er nach ihr. Seine Standfestigkeit und Wenigkeit ließen nach, bis er nur noch mit den Sensen angreifen konnte.

Xena sprang zurück und wartete auf ihren Gegner. Er schlurfte ihr hinterher und entblößte damit sein Handicap. Xenas Angriffe hatten seine Beine geschwächt.

Die Kriegerprinzessin mobilisierte noch einmal ihre Kräfte und ging nun zum Frontalangriff über. Von der plötzlichen Intensität ihrer Attacke überrascht, wich der Anführer zurück und geriet in die Defensive. Schreiend wirbelte Xena ihr Schwert durch die Luft, nach jeder Lücke in der Verteidigung ihres Gegners schlagend, die sie finden konnte.

Dann sah sie ihre Möglichkeit. Diesen einen Moment, der einen Kampf entscheiden konnte. Alles auf eine Karte setzend, warf sich Xena nach vorne, rollte über den Boden des Feldes ab und schlug mit ihrem Schwert aus. Ein lauter Schrei und der kurze Widerstand zeigten ihr, dass sie getroffen hatte.

Sie kam wieder auf die Beine und ging auf Distanz. Aus einer Wunde am Oberschenkel des Anführers floss Blut.

Fassungslos, als könne er nicht begreifen, was gerade passiert war, blickte er auf die Wunde. Dann stieß er einen ungeheuerlich tierischen Laut aus und ging zum Angriff über. Und nun kam Xenas Plan zu seiner vollen Entfaltung. Der Schock durch die Verletzung, der Blutverlust, und der Schmerz schwächten ihren Gegner langsam, aber doch immer mehr. Und Xenas Angriffe hatten nun ein neues Ziel. Immer wieder, wenn sie die Möglichkeit bekam, trat sie nach der Wunde am Bein des Anführers.

Schließlich brachte Xena einen Lowkick gegen die Wunde ins Ziel, und ihren Gegner damit auf die Knie. Sofort warf sie sich gegen seine breite Gestalt, schlang ihren Arm um seinen Hals, ihre Beine um seinen Körper und lehnte sich nach hinten.

Der Anführer der Horde packte ihren Arm und versuchte den Würgegriff zu öffnen. Aber der rapide Abschluss der Sauerstoffzufuhr und der Blutverlust hatten ihn schon so sehr geschwächt, dass er sich nicht befreien konnte.

Seine Gegenwehr wurde schwächer. Seine Bewegungen fahriger, bis er fast bewusstlos war.

Xena löste den Griff um seinen Hals und rollte den riesigen Körper ihres Gegners zur Seite.

Sie hatte den Kampf gewonnen.

Vor Erschöpfung schwer atmend hob die Kriegerprinzessin ihr Schwert auf und ging in Richtung des Forts. Hinter ihr ertönte ein Schrei des Anführers.

„XENA, PASS AUF!" schrie Gabrielle.

Die Kriegerprinzessin hörte, wie die Äxte durch die Luft sausten und ihr Ziel trafen. Doch dieses Ziel war nicht Xena.

Der besiegte Anführer der Horde schwankte. Er knickte ein und fiel zu Boden. Drei Äxte steckten in seinem Rücken. Fassungslosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Gabrielle riss sich aus Lygeias Griff los und rannte auf Xena zu. Die Kriegerprinzessin schloss sie in die Arme und drückte sie fest an sich. Kurz darauf kam Lygeia und nahm die beiden Frauen gleichzeitig in den Arm.

Als sie sich wieder voneinander lösten, fragte Gabrielle: „Du hast das gewusst, oder? Dass sie ihren Anführer töten würden?"

Xena schüttelte den Kopf. Sie zitterte noch vom Adrenalin des Kampfes, das langsam der Erschöpfung Platz machte.

„Ich wusste nur, dass einer von uns sterben musste." antwortete sie.

„Ich hatte echt Angst um dich da draußen.", sagte Lygeia, „Ein paar Mal sah es so aus, als ob er dich hätte."

„Hatte er auch.", Xena wandte sich an Menticles, „Schick ihnen keine Spürtruppen nach. Sie werden nichts finden."

Der Soldat schüttelte den Kopf.

„Wir werden niemanden schicken. Das Fort ist verloren. Wir rücken ab."

Menticles drehte sich um und rief den Soldaten zu: „Packt alles ein, was an Waffen und Vorräten noch da ist. Wir räumen das Fort."

Keiner der Soldaten gab sich Mühe seine Erleichterung und Freude zu verbergen. Niemand wollte noch einen Tag länger in dieser Hölle bleiben.

Als die Sonne unterging waren sämtliche Soldaten zum Abmarsch bereit. Die Hälfte der Soldaten hatte die Zeit genutzt die Toten aus dem Massengrab auf dem Feld zu bestatten. Es war eine langwierige Arbeit gewesen. Doch den Soldaten des Forts war es ein wichtiges Anliegen ihre Gefallenen auf dem Feld der Ehre dem Totenreich zu übergeben.

Mercer, sowie alle Verwundeten, die noch nicht wieder selbst gehen konnten, wurden von ihren Kameraden auf Pritschen aus dem Fort getragen. In Reih und Glied verließ das, was von der Garnison noch übrig war die Festung.

Xena, Gabrielle und Lygeia gingen neben Menticles, der den Tross anführte.

„Glaubst du, dass sie wiederkommen werden?" fragte Gabrielle.

Xena nickte.

„Sie werden wiederkommen. Vielleicht nicht morgen. Oder in einem Jahr. Aber wiederkommen werden sie."

„Aber wer wird sie aufhalten können?"

„Ich weiß es nicht.", antwortete Xena, „Aber ganz sicher keine Krieger oder Soldaten. Sondern Menschen wie du." Zärtlich strich sie der Bardin eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Hoffentlich haben sie dort, wo sie hingehen, auch eine Gabrielle."

-Fortsetzung folgt-