Monate vergingen wie einzelne Tage, seit Felicie an der Opera Garnier tanzte. Alles in ihr liebte das Tanzen mehr als alles Andere. Zusammen mit Odette, die für sie wie eine Mutter geworden war, wohnte sie in dem Zimmer im Dach des Opernhauses. Camilles Mutter, Regine le Haut, wurde wegen versuchten Mordes in Haft genommen und saß ihre rechtmäßige Strafe hinter Gittern ab. Niemand würde mehr ihretwegen verletzt werden. Camilles Sorgerecht ging somit an ihre Tante. Camille und Felicie man konnte es kaum glauben, hatten sich tatsächlich angefreundet und wenn sie nicht gerade mit trainieren beschäftigt waren, verbrachten sie jede Pause miteinander. Befreit von ihrer rachsüchtigen und strengen Mutter hatte Camille eine Wende gemacht, die Jeden überraschte. Jedoch, übertraf sie Felicie beim tanzen immer noch um weitesten nicht.

Es war ein regulärer Tag in der Oper. Pause um es genau zu sagen. Unterrichtspause und Camille und Felicie hatten sich aus dem Pausenraum geschlichen um wie jeden Tag durch die Oper zu spazieren. ,,Felicie" flüsterte Camille während sie liefen ,,hast du das eigentlich auch bemerkt"? Die rothaarige starrte ihre Freundin irritiert an. ,,Was bemerkt"? ,,Na Merante" kicherte die Blondine. ,,Was soll mit ihm sein"? Felicie blinzelte. ,,Er verhält sich komisch" Camille zog ernsthaft die Augenbrauen zusammen ,,äußerst merkwürdig". ,,Aha"!? Felicie runzelte die Stirn ,,Und in wie fern? Mir ist nichts aufgefallen, er ist doch wie immer". ,,Er ist komisch. Komisch fröhlich" erwiderte Camille. ,,Er hat einen guten Tag" erwiderte Felicie und zuckte mit den Schultern. ,,Ist doch gut wenn er fröhlich ist. Besser als wenn er einen schlechten Tag und miese Laune hat, dann ist er wie ein Gewitter". Camille zog die Luft durch die Nase. ,,Nein, das meine ich nicht. Er ist fröhlich, fröhlich" versuchte Camille zu erklären. Plötzlich hallten Schritte über das frisch geputzte Marmorpaket und die Mädchen versteckten sich hinter einer der vielen Säulen. ,,Das ist er, da ist Merante" flüsterte Camille. ,,Shht" ermahnte sie Felicie und wagte einen flüchtigen Blick über die Schulter ihrer Freundin. Merante schritt geradewegs die Treppen hinunter und pfiff vor sich her während er ging. Sein eleganter Gang schien ebenfalls lockerer als sonst. ,,Siehst du"? beharrte Camille ,,Das meinte ich. Er pfeift" stellte sie fest. ,,Ja und"? Felicie beobachtete ihren Tanzlehrer weiter, bis er kurz vor ihnen vorbei lief. ,,Das ist es ja, er pfeift nie" entgegnete Camille. ,,Sei leise"! mahnte Felicie erneut, als Merante kurz den Kopf in ihre Richtung bewegte, als hätte er etwas gehört. ,,Ist gut" hauchte Camille. Nach wenigen Sekunden der Stille lief Merante weiter, doch Felicies Haare, welche sie zu einem Zopf gebunden hatte, kitzelten ihre Freundin an der Nase und sie musste niesen. Erschrocken fuhr Felicie zusammen und riss geschockt die Augen auf. ,,Mist"! Nicht weniger geschockt, hielt sich Camille den Mund zu. Leider zu spät des Guten. Ihr Lehrer hatte sie bereits bemerkt. Die verzweifelten Versuche sich zu verstecken misslangen den Beiden Mädchen hoffnungslos. ,,Was macht ihr da"? kam die strenge und gleichzeitig verwunderte Frage. ,,Uhm..." und schon kam ein roter Haarschopf hervor. ,,Wir uhm, wir wollten uhm, auf die Toilette. ,,Auf die Toilette"? Skeptisch hob Merante eine seiner Augenbrauen. Mit einem breiten, aufgezwungenen Grinsen, stieß Felicie Camille mit ihrem Ellenbogen an, bis auch sie hervor kam. ,,Monsieur Merante, Guten Tag" grüßte ihn die Blonde ,,Wir...wir wollten wirklich nur auf die Toilette". Merante hob das Kinn ,,Die Toiletten, befinden sich im Oberem Stockwerk Mademoiselle". Spätestens jetzt, fürchtete Felicie, dass ihre Ausrede aufgeflogen war. ,,Oh ja richtig" holte die Rothaarige gespielt aus ,,und da wollten wir auch gerade hin" sie grinste weiterhin so breit wie nur möglich und packte Camille am Handgelenk. ,,Oh so spät" sie tat so als würde sie die Uhr sehen". ,,Ohwaia, die Pause ist bald um, wir sind dann mal, eh, auf dem Weg, zur, eh, Toilette" und sie rannte los. Camille hinter sich herziehend. Auf der Mitte der Treppe drehte sie sich noch einmal um. ,,Bis gleich" rief sie und ließ einen völlig verwirrten Merante zurück. Seufzend und Kopf schüttelnd wandte sich der schwarzhaarige Franzose wieder seinem Weg zu.

,,Was war das denn"? fauchte Felicie, sobald sie Camille vor die Eingangstür zum Tanzraum gezerrt hatte. ,,Deine Haare, sie haben meine Nase gekitzelt" verteidigte sich die Blonde verschränkte ihre Arme. Felicie seufzte. ,,Was auch immer. Das Erkunden der Oper können wir verschieben". ,,Hey" meinte Camille ,,du wohnst doch quasi hier, du hast doch mehr Chancen als ich dazu". ,,Denkst du wohl" erwiderte Felicie und winkelte ihren Mund an ,,Odette erlaubt es mir nicht, alleine in der Oper herum zu laufen". ,,Apropos Odette" Felicie kratzte sich am Nacken ,,Sie verhält sich in letzter Zeit wirklich etwas merkwürdig". ,,Siehst du"? holte Camille aus ,,Ich sage ja, die verhalten sich komisch". ,,Die"? Jetzt war Felicie definitiv verwundert. ,,Wie jetzt, Die"? ,,Na Odette und Merante, Genie" Camille rollte mit den Augen. ,,Du hilfst mir nicht gerade auf die Sprünge" entgegnete Felicie. ,,Gut dann helfe ich deinem Gedächtnis mal auf die Sprünge" erwiderte Camille und wedelte mit der Hand vor der Nase ihrer Freundin. ,,Der Nussknackerauftritt, weißt du noch"? ,,Ehm, ja"? Felicie legte den Kopf leicht schief. ,,Der Wangenkuss, ich habs genau gesehen" erzählte Camille euphorisch. ,,Ein Wangen was? Kuss, wer wie"? Felicie stutzte. ,,Odette und Merante" Camille biss sich auf die Unterlippe. ,,Wie jetzt? wer hat hier wen geküsst"? Felicie blinzelte irritiert. ,,Meront hat Odette geküsst" wiederholte die Blonde. ,,Ew, so genau wollte ich das gar nicht wissen" entgegnete Felicie und verzog ihre Nase. ,,Ew"? wiederholte Camille ungläubig ,,ew sagst du? Nein, dass ist doch romantisch" und sie zog die gefalteten Hände an die Brust. ,,Hmpf" machte Felicie. ,,Warte"! Holte Camille aus ,,Jetzt verstehe ich das" Camilles Gesicht erhellte sich, als hätte sie die Erleuchtung des Jahrhunderts. ,,Sie sind verliebt in einander" quietschend rüttelte sie Felicie an den Schultern. ,,Verliebt, Felicie". ,,Du spinnst"! meinte die Rothaarige und befreite sich von dem Griff ihrer Freundin. ,,Was denn? Warst du denn noch nie verliebt Felicie"? fragte sie Camille. ,,Ich? verliebt? Pff" Felicie lachte und wank ab ,,Ich doch nicht". Das fette Grinsen welches sich mittlerweile auf Camilles Gesicht ausgebreitet hatte, sah sie nicht. ,,Ach wirklich"? Plötzlich klang Camille sehr ironisch. ,,Meronte war nicht der Einzige der einen Wangenkuss verteilte". Jetzt blieb Felicie im Gang stehen. So plötzlich wie ein Blitz bei einem Sommergewitter traf sie die Erinnerung. Sie hatte Victor einen Wangenkuss gegeben. Als Dankeschön und Camille hatte ihre Augen natürlich überall. Für einen Moment, klappte der jungen Tänzerin der Mund auf. Kühn wie Felicie aber war, hielt der Schock nicht lange. Beindrucken, lies sie sich davon eher wenig. ,,Camille, das war ein Dankeschön, eine Geste" erwiderte Felicie während sie sich umdrehte und spielerisch rückwärts lief. Camille immer im Augenkontakt. ,,Viktor ist mein bester Freund, das ist alles". ,,Uhm hm" schmunzelte Camille doch plötzlich schwand ihr Grinsen und wandelte sich zu einer Grimasse. Dabei fuchtelte sie wild mit den Händen und deutete hinter Felicie. Zu spät aber reagierte die Rothaarige und schon stieß sie mit ihrem Rücken gegen einen Wiederstand. ,,Oh" machte sie überrascht und hob dann den Kopf um zu sehen an wen sie gestoßen war. ,,Salut Prinzessin"! Wurde sie schwunghaft gegrüßt, während sie direkt in zwei himmelblaue Augen starrte. Gepaart von einem strahlend weißen Gebiss welches so eben grinste. Die blonden Haare des jungen Mannes fielen ihm etwas ins Gesicht. ,,Woah"! Felicie taumelte von dem Jungen weg. ,,Rudolf, hey, hab dich nicht gesehen"! Und er lachte. ,,Sicher doch" und er nahm sie am Kinn. ,,Mich kann man gar nicht übersehen. Ich ziehe dich an wie ein Magnet". Kopfschüttelnd streifte Felicie die Hand von Rudolf von sich und schlenderte an ihn vorbei. ,,Hey, wo willst du hin"? Fragte der Blonde überrascht. ,,Zum Unterricht Mister unübersehbar" scherzte Felicie ,,Ich will nicht zu spät kommen. Aber wenn du zu spät kommst, will ich mal sehen wie Meronte das später übersieht" sie schmunzelte und machte den Matrosengruß. ,,Salut"! Damit verschwand sie im Trainingsraum. Blinselnd und irritiert stand Rudolf da. Die Nase gehoben stolziere Camille gönnerisch an dem blonden Russen vorbei. Kurz vor der Tür blieb sie kichernd stehen und biss sich auf die Unterlippe. ,,Ich bin übrigends immer noch die richtige Camille" neckte sie ihn und zwinkerte amüsiert. Rudolph spitzte beleidigt die Lippen. Den Spruch rieb sie ihm schon seid Wochen unter die Nase. Mittlerweile lachten die Mädchen über die Vergangenheit. Allerdings was Viktor anging, war sich Camille nicht so ganz sicher. Viktor war in Felicie verliebt und das nicht erst seid Gestern. Mehr aber als sich Gedanken über Verliebtheit zu machen, stand Felicies Geburtstag an. Ihr Dreizehnter und sie wollte ihrer Freundin ein ganz besonderes Geschenk geben. Eines das ein Geschenk war aber auch eine Entschuldigung.
Camille war nicht die Einzige, die fleißig an einem großem Geschenk arbeitete. Viktor hatte ebenfalls Einiges vor. Und wenn das nicht schon vielversprechend genug wäre, waren da ja noch Odette und Merant, die sich so merkwürdig verhielten. Geheimnisvolle Erwachsene führten immer etwas im Schilde nur merkte man es ihnen schwerer an. Felicie für ihren Teil, dachte noch nicht einmal an ihren Geburtstag.