Hallo,

vielen lieben Dank für die aufmunternde Rückmeldungen. Ich habe mich sehr gefreut! Dieses Kapitel wird sich erneut um Kai drehen.

Viel Spaß beim lesen.

Kai POV:

Als ich das nächste Mal zu mir kam, war ich allein im Dunkeln. Meine Hände umklammerten die schwarze Lederjacke. Es kam mir vor als ob ich ewig durch die Dunkelheit und verlassene Gegenden gelaufen bin. Wo um alles in der Welt, waren alle Menschen? Wo befand ich mich hier, es ist so still? Der Raum wirkte kalt und isoliert. Völlig verwirrt, blickte ich mich um. Unbewusst hielt ich den Atem an, bis meine Brust Schmerzen meldete.

Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film.

Auf einmal konnte ich meine Umgebung wieder wahrnehmen. Ein scharfer pochender Schmerz , ließ meine Augen ruckartig zu meiner Hand wandern. Voller Schreck erblickte ich eine eingetrocknete Blutlache unter dieser. Meine Haut war weiß und offen, stellenweise leicht bläulich. Bis auf die Wunde, welche stark gerötet und geschwollen wirkte. „Sch….. , was ist mit mir passiert?", vernahm ich meine eigene Stimme flüsternd. Der nächste Blick streifte meine Beine. Das rechte Fußgelenk von mir steckte in einem eisernen Ring, daran war eine Kette befestigt. Diese kam aus dem unteren Teil der Wand, hinter mir. Mehrere Schauer erfassten mein Körper, die Kälte kroch wie eine Schlange regelrecht in mich. Ein schreckliches Gefühl ereilte mich, ein Gefühl welches ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Verzweiflung, ‚Angst, Unruhe und eine unerträgliche Stille. Mit etwas Kraft befahl ich meinen Körper den verletzten Arm näher zu ziehen. Dieser blöder Körper wollte schon wieder nicht wie ich wollte. Nach einer Weile des probieren, hatte ich es geschafft, diesen an meine Brust zu ziehen. Meine zweite Hand lag untern diesem. Immer mehr und drängender spürte ich den Druck in meiner Brust, er drohte mich verschlingen. Gleichzeitig konnte ich einen großen Klos in meinem Hals wahrnehmen. Schnell zuckten Bilder vor meinen Augen vorbei. Bilder von meiner Kindheit, Bilder von den Bladebreakers und mir. Wie in einer Zeit Maschine zog es mich rückwärts.

Rückblick:

Saß wieder als fünf jähriger weinend, in einem kalten verschlossenen Keller. Ein Tag zuvor, war ich dort angekommen. Von außen sah es wie ein altes Kloster aus, sie nannten es eine Abtei. Es sollte angeblich eine Eliteschule sein. Mein Großvater hat mich hergebracht, Ich fühlte die erdrückende Stille, die Kälte und die Verlorenheit. Dieser Ort war mir fremd und ich war allein.

Seit meine Mutter bei einem Unfall verstorben war, lebte ich bei diesem alten Mann. In seinem Haus herrschten strenge Regeln. Ich durfte nicht sprechen, außer ich wurde angesprochen. Musik und Gelächter waren streng verboten, obwohl es ein ganzes Zimmer voller Instrumente gab. Eine weitere Regel besagte, dass ich ihm nicht unter die Augen kommen sollte, ich sollte ihn niemals stöhnen oder ansprechen. Und es gab einige verschlossene Räume, von denen mir eingebläut wurde die Finger zu lassen. Neugierig wie ich war, wollte ich jedoch sofort wissen, was mein Großvater den ganzen Tag machte. Schon nach kurzer Zeit, kannte ich mein Zimmer auswendig. Fing an den Dienstboten den Schlüssel zu klauen und durchstreifte das Haus und den Keller. Es gab so viel Ecken und Zimmer zu entdecken und öffnen.

Leider erwischte mich immer wieder ein Diener, der dies sofort meldete. Ich wusste noch ich konnte bitten und flehen so viel ich wollte, es half alles nichts. Nach dem dritten Versuch, tauchte der Alte endlich auf. Seine alte Hand packte mich am Kragen und schmiss mich auf einen Stuhl. Danach folgte eine knallharte Ohrfeige und es wurden mehr. Sein Gesicht war wutverzerrt und rot, wie eine Tomate. Ich konnte mir trotz dem Schmerz, ein kichern nicht verkneifen. Als er sich abreagiert hatte, verließ er das Zimmer. Ich saß inmitten von Holz- und Glassplitter, sowie einem kaputten Kissen. Die Beine und Arme angezogen den Kopf unter den Armen vergraben, saß ich zwischen den Decken.

Zwei Tage später, fuhr die schwarze Limousine im Hof vor. Die Türe wurde aufgeschlossen, ich wurde hochgerissen und schmiss mich über die Schulter.

Die Häuser zogen an mir vorbei, die Menschen schienen zu fliegen und der Regen prasselte gegen die dunkle Scheibe. Als Erklärung für alles, sagte er mir. Dass ich ihn störte und endlich reif genug für die Schule sei. Sowie den Kontakt zu anderen bauchte um zu lernen, wie man herrscht. Und wie man richtig Straft. Immerhin soll ich einmal ein Unternehmen leiten. Bis zu diesem Moment hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Die Haushälterin und deren 12-Jährige Tochter brachten mir Essen, Kleider und begleiteten mich ins Bad. Danach wurde ich wieder in meinem kaputten Zimmer eingeschlossen.

Nach schier endloser Fahrt kamen wir an. Und ich war mehr als froh, diese Sitzbank endlich verlassen zu können. Dieses Gebäude sah alt und verwahrlost aus. „Bitte Großvater gehen wir wieder nach Hause?", piepste ich in meiner Kinderstimme. Doch dort erwartete uns ein Mann namens „Boris Balkov". Mir wurde gesagt, dass er der Direktor der Schule und ein enger Freund meines Großvaters wäre. Nun freute ich mich und ein kleines grinsen schlich sich auf meine stummen Lippen. Endlich jemand den ich fragen konnte, wie ich besser mit meinen Opa auskommen könne.

Schon ein Tag später, bemerkte ich den Fehler. Ich fühlte mich wie in einem Albtraum. Dieses Haus war überall kalt, es roch nach Moder, an manchen Stellen in der Schlafkammer sammelte sich Wasser. Es ekelte mich. Ein Metallbett, sowie eine alte Matratze mit Löchern zierte den Raum. Am anderen Ende stand eine große True aus Metall, für Kleider. Schon beim betreten des Raumes, drehte ich mich und wollte rennen. Es erinnerte mich an einen Kerkerraum aus einem meiner Ritterbücher. Doch dort auf dem Bild sah es abenteuerlich, warm und gut aus. Aber hier mit der Kälte, Ketten und Ringe an den Wänden, war es fruchtbar. Ein rauer Schrei entwich mir. Ich drückte mein Kuscheltier an mich. Dies hatte mir heimlich die Haushälterin mitgegeben.

Als der Unterricht begann, waren ungefähr 10 weitere Kinder und ich in dem Raum. Wir durften nicht miteinander reden und mussten stets Sport machen. Körperliche Fitness war das wichtigste, wer nicht mitkam, wurde geschlagen oder bekam Extratraining. Ich fiel immer wieder hin, oder ließ die Gewichte fallen. Dann lachten die anderen und zeigten mit ihren Fingern auf mich. Selbst die Lehrer lachten, im Anschluss wurde ich in die Ecke gestellt und es gab Schläge auf den Hintern.

Eines Tages war ich aufgrund mangelnder Schlaf und Zuviel Training zusammengebrochen. Da kam Boris, ging mit mir in einem extrem dunklen Raum. Dort war ich noch nie zuvor gewesen. Erst Schrie er mich an, danach folgte der Schlag ins Gesicht, in den Magen und auf den Rücken. Immer wieder stand ich auf und blickte ihn herausfordernd an. Jedoch wollte mein Körper nicht mehr, ich lag zusammengekauert auf dem Boden. Blut und Tränen liefen über mein Gesicht hinab! Danach gab es eine kurze Pause. Seine Stimme erhob sich er schrie „ Hör auf zu heulen! Gefühle sind Schwäche und Nutzlos! Schwächlinge dulde ich nicht! Dir wird niemand helfen, du kannst Schreien so viel du willst! Dir wird niemals jemand zur Hilfe kommen. Du bist nichts wert, nutzlos und kein Mensch! Du wirst hier niemals mehr rauskommen. Außer…!", seine bösen Augen kreuzten meine. „du tust was ich dir sage! Bedingungslos! Sowas wie Liebe oder Freundschaft, gibt es nicht! Klar! Tränen sind unnötig und falsch! Also tue das nie wieder…für jede Träne…schlage ich dich heftiger! Klar!", der Abschluss bildet erneuter Schmerz.

Zwei bewaffnete Wärter kamen, packten mich an den Armen und zerrten mich hinter sich her. In meinem neuen Zimmer wurde ich gegen die Wand geworfen und hörte das klicken der Ketten. Die Tür viel laut ins Schloss! Keine Träne verlies mehr meine Augen und auch das Zittern war weg. Ich spürte nur dumpfer Schmerz. Ich war allein! Bisher fühlte ich mich allein, weil mich niemand beachtete oder sprach. Jetzt jedoch, war ich allein in der Dunkelheit. Niemals zuvor habe ich so viel Angst, Kälte und Verzweiflung gespürt. Es war hoffnungslos, ich würde niemals hier herauskommen.

Rückblick Ende:

Zögernd strich ich mit den Fingerspitzen über meine Handinnenfläche, der verletzten Hand. Ein sehr sanftes kribbeln und Wärme durchflossen mich. Ich wusste nicht warum, aber diese Geste beruhigte mich. Sekunden später hafteten zwei Bilder vor meinem inneren Auge. Das erste war von eine Frau mit schwarzen Haaren, heller Haut und violetten Augen. Diese Augen schimmerten voller Neugier und Starrsinn.

Doch schon verschwamm es wieder. Das zweite Bild zeigte dunkelblaue, widerspenstige Haare, eine rote Käppi, sowie freche, fröhliche braunblaue Augen. Diese Augen jagten mir einen Schauer durch den Körper, zum Glück bekam es bisher niemand mit. Gott, wie konnte man nur so tiefgründige Augen haben. Lange war ich der Meinung, keine Gefühle mehr zu besitzen. Nur zu tun was man mir befahl, wie bei einer Maschine. Jedoch schlichen sich neue Gedanken und Gefühle in meinen Kopf. Ich wusste nicht wann es anfing. Als mich diese Erkenntnis traf erschreckte sie mich, zu tiefst. Wie konnte das sein? Diese neue Empfindung verunsicherte und ängstigte mich. Zugleich berührte es mich innerlich. Bis dahin, war mir es egal gewesen. Es war mir egal, ich tat was andere wollten.

Unaufhörlich stärker wurde meine Verwirrung, sowie das Kloßgefühl in meiner Brust. „Tyson! Wieso sehe ich ständig deine Augen vor mir? Wieso bekomme ich dich nicht aus meinem Kopf?", hauchte ich in diese Dunkelheit.

Rückblick:

Ich hatte wirklich alles versucht um ihn auf Distanz zu halten, sowie ihm die kalte Schulter zu zeigen. Für jeden Fehler wurde er von mir angeschrien, ich gab ihm böse Spitznamen, sagte ihm er nerve nur oder dass er viel zu kindisch wäre. Jedoch half alles nichts! Er blieb wie er war, stur, eingebildet und von sich selbst überzeugt.

Wie konnte ein Mensch nur ein so großes Ego haben und damit auch noch durchkommen.

Was ich nicht merkte oder merken wollte, war die Veränderung welche seine Bekanntschaft mit mir machte. Ich hasste Berührungen weil es Schwäche ist. Aber seine tolerierte ich bis zu einem gewissen Grad, gleichzeitig verfluchte ich ihn dafür. An einem Abend in Tokyo ließ ich mich sogar am Arm mitziehen. Er fragte nicht wieso oder warum, lud mich einfach ein im Dojo zu übernachten. Es faszinierte mich, und machte mich sprachlos. Zum Glück merkte der Tollpatsch dies nicht.

Eine weiter bleibende Erinnerung, war als ich auf einer Eisscholle im tiefsten See Russlands stand. Wieder einmal hatte ich mich von Neugier und Macht leiten lassen. Zwei Dinge welche ich seit Kindertagen nicht widerstehen konnte. Ich wollte der stärkste Beyblader aller Zeiten werden! Und jedes Mittel war mir recht, immerhin habe ich das so gelernt.

Doch er war wieder einmal stur. Trotz meines Austritts, suchte er mich. Wollte Antworten und Erklärungen, schreckte nicht einmal vor einem Einbruch zurück. Nichts schien sein Trotzkopf und Sturschädel zu brechen. Später, schickte ich einen bösen Brief an mein Team um ihnen endlich ihre Biester abzunehmen. Denn nur dann würde mich mein Großvater akzeptieren. Macht, sowie Akzeptanz meines Opas wollte ich immer! Dann würde dieser alte Herr mich endlich mögen und als Enkel anerkennen.

Doch lief für mich alles aus dem Ruder. Ich hatte verloren, und fühlte mich als totaler Versager. Wieder war mir egal was mit mir passierte. Gelähmt und paralysiert stand ich dort, um mich herum nur dunkle Gedanken. Die Scholle aus Eis schwankte stetig und das Wasser berührte schon meine Beine.

So würde mich Voltaire niemals sehen wollen, ich schämte mich für mich selbst. „Kai! Vergiss alles was war! Vergiss die letzten Tage! Komm einfach! Wir sind und waren immer für dich da! Du bist ein spitzen Spielverderber, aber wir sind für dich da!", schrie eine verzweifelte Stimme und schreckte mich auf.

Wie konnte er sowas sagen? Wieso konnte er das so locker Aussprechen? Hatte den Tyson, denn keine Angst, dass ich die Bande erneut verriet? Trotzdem sprach er solche Wörter aus. Dieser Junge war damals schon verrückt im Kopf. Welche Drogen hat er genommen um das zu können, was ich mir solange wünschte.

Noch immer stand ich da. Meine Beine waren inzwischen in Eis gefangen und die Scholle sank schnell. Ich fühlte ein zittern in meinen Beinen, hoffentlich sah man es nicht. Seine Augen brannten sich in meinen fest. Mehrfach musste ich schlucken, das Zittern wurde stärker, jedoch nicht vor Kälte. Denn ich spürte sie nicht. Es war die Macht dieser dunkelblauen Augen, welche mich festhielt. Ich wollte vor Scham in diesem Eiswasser ertrinken, dann würde ich niemand mehr zur Last fallen.

Im Tempo einer Schnecke hob ich den Arm, bis seine Finger mein Unterarm erreichten. Nur Millisekunden später, gesellten sich vier weitere Hände hinzu. Stetig stärker und deutlicher wurde das Angstgefühl in mir. Doch vor was? Ich versuchte den Arm zurück zu ziehen. Diese Körperkontakt, diese Finger, ich wollte keine Berührungen. Doch zeitgleich empfand ich es schön. Dies blauen Tiefen, banden mich erneut, sogen sich an meinen fest. Schnell drehe ich den Kopf zur Seite und blickte nach unten. Denn eine kleine wässrige Träne, hatte sich in meinem Augenwinkel gebildet. Doch ich würde sie nicht fallen lassen. Niemals! Das konnte ich nicht riskieren. Es war zu spät, sie fiel! Das durfte nicht sei!. Das war Schwäche! Schrie mein Kopf mich an./Zeige niemals Schwäche, Mitleid oder Erbarmen, Kai! Dann bist du nutzlos für mich und diese Welt! Schwächlinge brauch keiner!/ brüllte die Stimme von Großvater in mir.

Doch diese Hände waren auch jetzt noch da, ich konnte sie deutlich wahrnehmen. Diese vier Jungs Liesen mich einfach nicht los. Seine blauen Augen, strahlten soviel Entschlossenheit und Eisenerwille aus. Schon wieder gab dieser Idiot, nicht auf! Eine seltsame Kraft schwamm in meinen kalten Körper über. Zeitgliche zogen die Hände an mir. Sie bissen die Zähne zusammen und gaben alles an Körperkraft hinzu. Es ruckelte ziemlich heftig, ein lautes „platsch" folgte.

Kurzzeitig flog ich und landete auf Tysons Oberkörper. Nun berührten mich seine beiden Arme. Und dann kam etwas völlig Unerwartetes. Dieser zog seine kalten, nackten Fingerkuppen über meine Handfläche. Obwohl ich Handschuhe trug, fühlte ich jeden Zentimeter Haut. Hier hatte ich zum ersten Mal seit Jahren das Bild meiner Mutter vor mir. Diese Berührung schien alle Nerven- und Muskelzellen zu überfordern. Verwirrt, überrascht, und erschrocken, kreuzten sich unsere Augen. Ein angenehm warmer Hauch erreichte meine Ohren. „Es ist vorbei, Kai! Keine Sorge, du bist nicht schwach! Jetzt bist du bei uns! Dir wird nichts mehr geschehen!", flüstert er zu mir. Viel zu geschockt von allem, war ich zu keiner Antwort fähig. Ich griff in meine Trickkiste und holte die Eiserne Maske hervor. Schlug blitzartig seine Hand zurück und stand auf. „Ich muss was erledigen!", rief ich den andern zu. Damit wandte ich meine Schritte Richtung Hubschrauber.

Rückblick Ende: