Kapitel 10

Epilog

Zwölf Monate später …

Luna stand in einer Ecke des Ballsaals. Die Seide ihres Brautjungfernkleides raschelte um ihre Beine, während sie sich zur Musik wiegte. Sie summte – wenn auch etwas falsch – die Melodie mit und sah der Braut und dem Bräutigam beim Tanzen zu. Die Romantik all dessen entlockte ihr ein Seufzen, und sie lächelte verträumt, als Mr Snape – nein, für sie jetzt Severus – Hermione elegant über die Tanzfläche führte. Sie waren so glücklich miteinander, so absolut perfekt füreinander, dass Luna am liebsten verrückt vor Freude herumwirbeln wollte.

Und es war alles nur ihretwegen – Loony Luna Lovegood.

Ein uncharacteristisches Grinsen zierte Lunas Lippen. Oh, ja. Dieser glückliche Anlass war allein ihr Verdienst. Vielleicht nicht ganz – vermutlich hatte Sybill Trelawney, Merlin segne sie, etwas damit zu tun – aber wirklich, wenn Luna nicht gewesen wäre, hätte diese Hochzeit wahrscheinlich nie stattgefunden. Eine Sekunde lang runzelte sie die Stirn. Möglicherweise stimmte das auch nicht. Vielleicht wäre jemand oder etwas anderes eingeschritten, hätte sie sich nicht dazu entschlossen. Aber dann wiederum vielleicht auch nicht. Plötzlich erinnerte sich Luna wieder daran, weshalb sie den Wahrsageunterricht in Hogwarts gehasst hatte – er hatte ihr Kopfschmerzen verursacht.

Schließlich kehrte ihr Verstand wieder zu seinem ursprünglichen Gedanken zurück – dass diese Hochzeit nicht stattfände, wäre sie nicht eingeschritten. Natürlich konnte sie es Hermione niemals erzählen, und dies beunruhigte sie ein wenig, weil Hermione schließlich ihre liebste Freundin war. Da gab es jedoch kein Vertun. Hermione durfte nie die Wahrheit erfahren.

Die Wahrheit war, dass Hermione die ganze Zeit recht gehabt hatte – Luna war keine Seherin.

Nein, Luna war definitiv in der Kunst der Wahrsagerei nicht begabt, aber sie besaß ein exzellentes Gehör und ein ziemlich gutes Denkarium. Beide waren ihr sehr zupassgekommen.

Mit einem etwas nostalgischen Gefühl dachte Luna an den Abend zurück, an dem ihre Reise in geheime Aktivitäten begonnen hatte. Es war der Abend der Schlacht in der Mysterienabteilung gewesen, fast am Ende ihres vierten Jahres in Hogwarts. Da waren sie gewesen, eine Gruppe Teenager, die sich in der Halle der Prophezeiungen mit einem Raum voller Todesser eine Schlacht lieferten. Kleine Glaskugeln zerbrachen überall um sie herum, wodurch beim Bruch jeder Kristallkugel Prophezeiung um Prophezeiung enthüllt wurde.

Luna gestand sich ein, nicht immer die logischste Denkerin zu sein; jedoch war sie auch keineswegs dumm – sie war eine Ravenclaw. Im Sommer nach der Schlacht war ihr klar geworden, dass die Prophezeiungen, die sie zerstört hatten, unschätzbare Information enthalten haben mochten, und daher hatte sie ihr Denkarium hervorgeholt – das ihrer Mutter gehört hatte – und ihre Erinnerungen an diese Nacht hineingelegt. Wieder und wieder hatte sie das Denkarium betreten und sorgsam jede Prophezeiung in der vergeblichen Hoffnung angehört, dass etwas, das sie hörte, für ihren Kampf gegen Voldemort hilfreich sei. Sie war nicht in der Lage gewesen, sie alle voneinander zu trennen – es waren so viele Kugeln zerstört worden, und es war ziemlich laut gewesen, da eine Schlacht stattfand –, aber sie hatte ihr Bestes gegeben. Leider hatte sie nichts besonders Nützliches entdeckt, was den Krieg betraf, aber eine Prophezeiung gehört, die sie fasziniert hatte.

Ab dem Augenblick, zu dem Luna die Prophezeiung gehört hatte, wusste sie, dass sie von Hermione Granger handelte. Sie war neugierig gewesen, wer die andere Person war, und hatte daher ihr Gedächtnis durchforstet von Beginn, als sie die Halle der Prophezeiungen betreten hatten, zwischen den Regalen durchgegangen waren und hatte nach Hermiones Namen gesucht. Sie hatte befürchtet, sie nicht lokalisieren zu können, da sie in Sicht ihres Erinnerungs-Ichs bleiben musste. Nach stundenlanger Suche hatte sie die Prophezeiung schließlich gefunden. Überraschenderweise war sie ganz in der Nähe des Punktes, an dem Luna gestanden hatte, unmittelbar bevor die Todesser angekommen waren.

Luna erinnerte sich lebhaft an den Schock, als sie das Etikett gelesen hatte. Die Beschriftung hatte angezeigt, dass die Prophezeiung im Sommer vor ihrem dritten Schuljahr von S.P.T gegenüber A.P.W.B.D. gemacht worden war. Unter den Initialen befand sich Hermiones Name gefolgt von einem Namen, den Luna nie zu sehen erwartet hätte – Severus Snape.

Natürlich war sie zu diesem Zeitpunkt fünfzehn Jahre alt gewesen, und der Gedanke, dass Hermione Granger und ihr sardonischer Tränkemeister Seelengefährten sein könnten, war ziemlich irritierend gewesen. Daher hatte Luna die Information für sich behalten und nie wirklich daran gedacht, bis Hermione nach dem Kriegsende angefangen hatte, mit Ron Weasley auszugehen.

Glücklicherweise war Luna ein großer Fan von Notfallkonzepten. Als Hermione ihr mitgeteilt hatte, dass sie und Ron ernsthaft ein Paar wurden, war Luna nach Hause gegangen, hatte ihre Truhe geöffnet und das Stück Pergament herausgeholt, das ihre Dokumentation dessen trug, was sie als ,Hermiones Prophezeiung' betrachtete. Obwohl sie geglaubt hatte, Hermione besänne sich irgendwann und ihr würde klar, dass ihre Gefühle gegenüber Ron nur freundschaftlich waren, hatte Luna für den Fall, dass die Umstände es erforderten, beschlossen, sie täte gut daran, darauf vorbereitet zu sein, aktiv zu werden. Sie hatte jedes einzelne Wort auswendig gelernt und wieder und wieder geübt, bis sie alles perfekt konnte.

Daher kam es, dass Luna an dem Abend, als Ron und Hermione ihre Verlobung bekanntgegeben hatten, bestens vorbereitet gewesen war. Sicher war sie von der Bekanntgabe überrascht gewesen – sie hatte wirklich nicht erwartet, dass sie ihren Plan jemals umsetzen müsse. Da sie Hermione Granger jedoch kannte, war Luna klar geworden, dass lediglich ein kleiner Schubs in die richtige Richtung notwendig war, um Hermione dazu zu bringen, ihre Beziehung zu Ron zu hinterfragen, und dann würde das Schicksal den Rest regeln.

Vorzugeben, eine Seherin zu sein, war ein riskanter Plan gewesen. Hermione war eine starrköpfige Hexe und hätte beschließen können, Ron einfach trotz der Prophezeiung zu heiraten. Luna war entsetzt gewesen, als Ginny die Worte falsch geschrieben und den Fokus auf Charlie Weasley gelenkt hatte. Erleichterung hatte sie überkommen, als Hermione angefangen hatte, mit Mr Sn … Severus auszugehen, und darauf bestanden hatte, nicht zuzulassen, dass Gerede von Seelengefährten und rotschöpfigen Drachenbetreuern sie davon abhielt, eine Beziehung mit dem mürrischen Mann einzugehen. Gelegentlich mochten die Dinge etwas holprig gelaufen sein, aber letztendlich hatte sich alles bestens geregelt.

Luna war sich sicher, dass niemand sie jemals verdächtigen würde, solch eine Intrige einzufädeln. Natürlich, jeder hielt sie für „diese verrückte Ravenclaw." Luna grinste. Sie wussten nicht, dass ihre Mama eine Slytherin gewesen war.

Lächelnd winkte Luna dem glücklichen Paar zu, während sie weiter in ihrer kleinen Ecke des Ballsaals stand und sich sanft zur Musik wiegte.

„Entschuldige, Luna", hörte sie jemanden in vertrauter, gedehnter Sprechweise sagen. Sie wandte sich um und schaute in das aristokratische Gesicht von Draco Malfoy auf. „Hast du Lust zu tanzen?"

Luna errötete anmutig und akzeptierte verträumt. Sie ließ sich von Draco auf die Tanzfläche führen. Manche mochten sie für ein seltsames Paar halten – die Verrückte aus Ravenclaw, die mit dem Prinzen aus Slytherin tanzte – aber nicht so Luna.

Schließlich war Hermiones Prophezeiung nicht die Einzige, die sie im Denkarium entdeckt hatte.

Ende

Herzlichen Dank Euch allen, die Ihr der Geschichte bis zum Ende treu geblieben seid, und für die vielen Kommentare, Empfehlungssternchen und Favoriteneinträge. Ich freue mich sehr, dass die Story Euch so gut gefallen hat wir mir – ich hatte viel Spaß bei der Übersetzung.

Ganz herzlichen Dank an Hopfenbraut, die wieder mit viel Engagement und großer Fachkompetenz Beta gelesen und sehr zur Qualität der deutschen Fassung beigetragen hat.

Bleibt weiterhin gesund! Man liest sich …