Disclaimer – alle bekannten Figuren in dieser Story gehören ausnahmslos J.K. Rowling... ich spiele nur ein wenig mit ihnen (und wenn ich fertig bin, lege ich sie wieder zurück in die Kiste. Versprochen).

-+- der Klang der Stille -+-

Kapitel 1 / Prolog – Sprich dich aus

"Ach Albus, ich weiss nicht was ich noch tun soll!", klagte Poppy Pomfrey erschöpft, "Ich habe wirklich alles versucht was helfen könnte – ohne Ergebnis!"

Dumbledore beobachtete die Krankenschwester mit seinen beinahe lächerlich blauen Augen über den Rand der halbrunden Brille hinweg, während diese in seinem Büro auf und ab ging und dabei ihrer Verzweiflung mit wild gestikulierenden Armen Ausdruck verlieh. "Bitte, Poppy, setz dich doch. Du nützt nur den Teppich schneller als nötig ab.", sprach er sie müde an und zeigte auf einen nahestehenden Sessel.

Mit einem lauten Seufzer liess sie sich in das bunt gemusterte Exemplar fallen, lehnte den Kopf zurück und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Die Anstrengung der letzten Woche forderte nun doch ihren Tribut, und sie fühlte sich müde über alle Massen. Ein Blick zu Dumbledore genügte um ihr zu bestätigen, dass es ihm nicht anders ging – auch wenn nur ein genauer Beobachter dies erkennen konnte. Seine blauen Augen funkelten nach wie vor freundlich, jedoch erzählten die nun noch tiefer in sein Gesicht gegrabenen Falten eine ganz andere Geschichte.

Doch die meisten konnten oder wollten dies nicht sehen, zu sehr waren sie mit feiern beschäftigt – und sie hatten auch allen Grund dazu: Voldemort war eine Woche zuvor besiegt worden; endgültig dieses Mal. Seit Beginn dieses Jahres waren die Kämpfe zwischen Todessern und denen die dem Phönix folgten immer erbitterter geworden, und nun, Mitte Mai, hatte dieser Krieg seinen Höhepunkt erreicht gehabt. Auch wenn es in der magischen Welt einige Zweifler am Erfolg des Guten gegeben hatte, so war das Vertrauen im Allgemeinen so stark gewesen, dass weniger als der totale Sieg als ziemlichen Schock gekommen wäre.

Dennoch, jeder Krieg forderte seine Opfer auch auf der Seite der Sieger, und nicht alle hatten das grosse Finale überlebt oder zumindest unverletzt überstanden. Erstere wurden einige Tage nach der Schlacht im Schatten der Feiernden in aller Stille begraben, während die Letzteren in den verschiedenen Krankenhäusern der magischen Welt gepflegt wurden oder bereits wieder soweit genesen waren, dass sie entlassen werden konnten. Eine ausgewählte handvoll Verletzter war jedoch weder nach St. Mungos noch in eine andere medizinische Institution gebracht worden, sondern wurden von Poppy Pomfrey persönlich in Hogwarts betreut.

Bis auf eine Person hatten alle Hogwarts' Krankenstation mittlerweile wieder verlassen – und wegen genau dieser Person hatte Mdme Pomfrey, wieder einmal, den Direktor aufgesucht. Noch einmal seufzte sie laut hörbar, bevor sie Luft holte um ihr Klagen fortzusetzen, doch Dumbledore hielt sie mit einer Handbewegung davon ab. "Wie sieht es denn aus? Immer noch keine... Reaktion?", fragte er statt dessen.

Mdme Pomfrey schüttelte energisch den Kopf.: "Nein, absolut nichts! Ich kann mir den Mund fransig schwatzen, doch ich erhalte einfach keine Antwort! Nicht einmal ein Nicken oder ein Kopfschütteln. Es ist als ob man gegen eine Wand spricht. Nur diese Augen verfolgen mich jeweils quer durch den Raum... und ich sehe es in ihnen, Albus. Die Verzweiflung, die Enttäuschung, die Anklage, die Wut." Das letzte Wort war nicht viel mehr als ein Flüstern, und die Krankenschwester starrte Dumbledore mit grossen Augen an, einerseits erschrocken darüber, welches Wort soeben überraschend über ihre Lippen gekommen war, andererseits gespannt, was er darauf zu antworten hatte. Denn sie hatte nicht mehr als die Wahrheit gesagt, dessen war sie sich bewusst. Es war eindeutig Wut, die in diesen dunklen Augen funkelte und sie fühlen liess, als ob sie versagt hätte. Und Versagen stand für sie ausser Frage.

"Vielleicht", begann er während er sich langsam aus seinem Sessel erhob, "ist es an der Zeit, dass ich mir persönlich ein Bild davon mache."

Gefolgt von Mdme Pomfrey begab er sich zur Treppe, wo er kurz stehen blieb um auf Fawkes zu warten, welcher sich von seiner Sitzstange erhoben hatte und nun quer durch den Raum flog um sich auf Dumbledores Schulter niederzulassen.

Sie standen am Eingang zum Krankenzimmer und blickten in den Raum zu dem Bett, welches im Moment als einziges belegt war. Das übliche Funkeln war aus Dumbledores Augen gewichen, als er besorgt den bohrenden Blick erwiderte, der sogleich auf ihn gefallen war, kaum hatte er die Türe geöffnet.

"Ist irgend jemand seither zu Besuch gekommen?"

"Nun", erwiderte Mdme Pomfrey, "sie wollten, aber ich habe sie wieder weggeschickt und gesagt, dass das Zimmer unter Quarantäne steht. Ich glaube zwar nicht, dass es sich um etwas Ansteckendes handelt, doch ich wollte unnötige Gerüchte verhindern. Du weißt ja, wie schnell diese sich ausbreiten."

Dumbledore nickte zustimmend. Eine gewisse Logik dahinter war nicht zu verleugnen, und er hätte vermutlich genauso gehandelt, wäre er an ihrer Stelle gewesen. Während er sich langsam in Richtung Bett begab, nach wie vor beobachtet von den Augen, die nie von ihm abgewichen waren, fragte er weiter: "Und hast du irgend etwas Ungewöhnliches feststellen können, abgesehen von... diesem Zustand?"

Mdme Pomfrey schüttelte den Kopf, als sie ihm folgte. "Nein, absolut nichts. Nur die üblichen Spuren von Zaubersprüchen und Flüchen, die die meisten von uns nach der Schlacht aufzuweisen hatten. Und ich konnte auch keine Rückstände irgendeines Giftes oder eine ungewöhnliche Verletzung entdecken."

"Ist Filius nun vorbeigekommen und hat es überprüft?"

"Ja, heute Morgen. Aber er konnte meine Diagnose nur bestätigen, etwas anderes hatte er auch nicht ausrichten können."

"Und Severus?"

Mdme Pomfrey presste ihre Lippen zusammen und verschränkte trotzig die Arme.

"Hast du ihn etwa nicht gebeten, sie zu untersuchen?"

"Nein. Es geht auch ohne ihn."

"Poppy!", rief Dumbledore entrüstet, "Was ist denn in dich gefahren? Er ist einer der erfahrensten Zaubertränke-Meister!"

"Das. Ist. Mir. Egal. Ich will ihn nicht hier haben."

"Seit wann kümmerst du dich mehr um dich als um deine Patienten? Und nun geh und hole ihn. Er soll sich deine Patientin einmal anschauen, vielleicht kann er weiterhelfen."

Die Krankenschwester zuckte missmutig mit den Schultern. Sie waren und Snape langjährige Kollegen, jeder auf seine Art vom anderen abhängig, und manche hätten sie sogar als Freunde bezeichnet. Früher hätte sie keinen Moment gezögert ihn um Hilfe zu bitten, doch diese Zeiten waren vorbei – für sie zumindest. Er hatte sie im Stich gelassen, als sie ihn am nötigsten gebraucht hatte, und auch wenn sie als Sanftmut in Person galt, so konnte sie nur schwer verzeihen und erst recht nicht vergessen. Sie wollte sich und der Welt beweisen, dass sie ihn nicht brauchte. Doch sie konnte Dumbledores Befehl nicht einfach ignorieren, und so machte sie sich auf den Weg in den Kerker, ohne sich jedoch sonderlich zu beeilen.

Dumbledore schaute ihrem langsamen Rückzug zu, und dachte über Mdme Pomfreys seltsames Verhalten nach. Auch wenn er als allwissend galt, so wusste er in Wahrheit trotzdem nicht über alles und jeden Bescheid. Vor allem in den letzten Monaten war seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf Voldemort und die Todesser fokussiert gewesen, und was genau in Hogwarts drin geschehen war, war ihm weitestgehend entgangen. Die Woche nach dem Sieg war nicht besser gewesen, und dies war auch der Grund, weshalb er erst jetzt die Gelegenheit gefunden hatte, die Krankenstation aufzusuchen. Und als er seine Aufmerksamkeit zurück auf die Person im Bett lenkte, erkannte er, dass er dies schon viel früher hätte tun sollen.

Mit einem beinahe echt wirkenden Lächeln auf den Lippen setzte er sich auf den Rand des Bettes, und Fawkes sprang von seiner Schulter auf die Bettdecke, um sich an die Seite der Patientin zu schmiegen, welche sich mittlerweile aufgesetzt hatte. Seine alte, dünnhäutige Hand hob eine junge, feingliedrige auf und mit seiner zweiten tätschelte Dumbledore sie. "Nun sind wir alleine, Miss Granger. Wollen Sie mir nicht sagen, was los ist?"

Eine einzelne Träne rann Hermiones Wange hinunter und ihre Lippen bebten.

TBC...

So, dies wäre also der Prolog zu meinem neusten Werk. Und? Was denkt ihr? Lasst es mich wissen :-)

Leider kann ich nicht versprechen, dass weitere Updates in regelmässigen Abständen erfolgen werden, aber ich gebe mir alle Mühe – versprochen!