Des Widerspenstigen Zähmung

Das ist also mein erster Versuch. Bitte seid gnädig.

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Prolog:

"Und Abgabe an Johnson, oh, das macht sie aber mal wieder einmalig unsere Angelina, ja, das Kapitän-sein steht ihr gut, man sehe sich nur mal die Haare an, wie sie im Wind..."

"Mr Jordan, das Spiel..."

"Ja, Professor, natürlich, und Johnson wirft zu Bell, klasse Wurf Angelina, und Bell pfeffert den Quaffel durch den mittleren Ring, ja, das nenne ich einen Treffer, glatt durchgegangen, da guckst du blöd Zabini, wie bist du eigentlich Hüter geworden..."

"Mr Jordan!"

"Entschuldigung Professor. Es steht 80 zu 50 für Gryffindor, George hat Crabbe gerade seinen eigenen Klatscher um die Ohren geknallt, ja, das sieht gut aus Leute, Harry, hol dir den Schnatz und zeig den Schlangen wo sie hinge.."

"Lee, noch ein Wort und Sie sitzen noch nach, wenn Ihre Kinder auf die Schule gehen."

"Äh, ja, sorry. Also wie gesagt, 80 zu 50 für Gryffindor, die Sucher der beiden Teams umrunden seit einer halben Stunde das Feld auf der Suche nach dem Schnatz, doch der lässt sich nicht blicken. Wie immer weicht Malfoy Harry nicht von der Seite, ganz klar, alleine ist er ja nicht imstande den Schnatz zu finden..."

"Mr Jordan, das reicht ja wohl."

Professor McGonagall versuchte Lee Jordan den Trichter zu entreissen, mit dem er seine Stimme verstärkte, als plötzlich ein lauter und überraschter Aufschrei durch die Menge ging. Sofort schnappte sich Lee den Stimmverstärker und wandte sich wieder dem Spielfeld zu.

"Jetzt hab ich es nicht gesehen, was war los, haben wir gewonn... oh, Draco Malfoy liegt mitten auf dem Spielfeld, scheint, als wäre er ohnmächtig. Was zum Teufel ist gerade passiert?"

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Kapitel 1 - Auf nach Hogwarts

Die Ferien waren mal wieder zum Heulen. Harry hasste nichts mehr, als den Sommer über bei seiner "Familie" im Ligusterweg zu sein, während sich Ron und Hermine im Fuchsbau amüsierten. Wenigstens schrieben sie ihm ziemlich oft. Trotzdem war es mehr als eintönig hier und Harry hätte alles gegeben bei seinen Freunden sein zu können.

Aber immerhin war eintönig hier in Nr. 4 schon eine positive Veränderung von furchtbar und unerträglich zu einfach nur langweilig. Seit Sirius da war, hatten seine Verwandten nicht mehr den Mut gehabt ihn zu schikanieren und seit die Weaselys ihn letztes Jahr durch den Kamin mit sich fortgenommen hatten, war ein stillschweigendes Übereinkommen geschlossen worden, sich möglichst erfolgreich zu ignorieren. Harry holte sich täglich drei mal sein Essen und verzog sich damit in sein Zimmer oder nach draussen und die Dursleys taten so, als wäre er Luft. Damit konnte er leben.

Trotzdem hatte er das Ende der Ferien kaum erwarten können und als er an diesem Morgen erwachte, klopfte sein Herz vor Vorfreude. In Windeseile hatte er sich geduscht und angezogen, sein Koffer war bereits seit einigen Tagen gepackt, die wenigen Sachen, die er noch benutzt hatte, warf er jetzt in einen Rucksack und schleppte ihn gemeinsam mit dem Koffer und Hedwigs Käfig die Treppen hinab. Er stellte beides neben die Tür, steckte seinen Zauberstab ein und ging mit schwingenden Schritten in die Küche. Das letzte Frühstück in Nr. 4 für ein Jahr. Allein der Gedanke liess ihn grinsen. Er betrat die Küche und sofort fiel sein überraschter Blick auf Onkel Vernon, der mit säuerlichem Ausdruck im Gesicht am Tisch saß, vor ihm ein riesiger Becher Kaffee und Harry nun aus seinen Schweinsäuglein halb froh, halb wütend ansah. Froh, weil er Harry bald wieder für ein Jahr los war, wütend, weil er ihn zum Treffpunkt mit den Weaselys bringen musste. Harry schnappte sich eine Scheibe Toast, doch bevor er sich Tee nehmen konnte, stand Onkel Vernon auch schon auf.

"Hast du alles?" Ganz offensichtlich wäre es ihm auch völlig egal gewesen, wenn es nicht so wäre. Harry sah kurz zur Küchentür, doch es war ihm klar, dass sich Tante Petunia und Dudley bestimmt nicht von ihm verabschieden würden.

Also nickte er und kaute schneller auf seinem Toast herum. Gleich könnte er weg.

Vernon ging aus der Küche und Harry hörte die Haustür klappen. Schnell rannte er hinterher und nahm sein Gepäck - Onkel Vernon hatte natürlich nichts davon angefasst - und schleppte es zum Auto, verstaute es im Kofferraum und stieg dann nur noch mit Hedwigs Käfig in der Hand ein.

"Sag dem Federvieh es soll ruhig sein, sonst fliegt es raus", knurrte Onkel Vernon während er das Auto startete, obwohl Hedwig bis zu diesem Moment keinen einzigen Ton von sich gegeben hatte. Jetzt jedoch warf sie ihm einen herablassenden Blick zu und schuhute abfällig.

Endlich setzte sich der Wagen in Bewegung und Harry drehte sich noch einmal um, um zu sehen wie Nr. 4 immer kleiner wurde. Schliesslich verschwand der Ligusterweg und Harry liess sich vor Freude aufseufzend in die Polster sinken.

*

Arthur und Molly Weasely standen vor dem Leaky Cauldron und warteten schon aufgeregt auf Harry. Natürlich bei weitem nicht so aufgeregt, wie Ron, Hermine und Ginny. Die Zwillinge waren bereits vorgegangen, da sie, wie schon die ganzen Ferien über mit etwas beschäftigt waren, etwas von dem Molly Weasely wusste, dass es ihr nicht gefallen würde. Endlich kam der protzige Wagen Vernon Dursleys angerollt, aus dem sogleich Harry heraussprang. Mrs Weasely lief auf ihn zu und er versank in einer weichen, liebevollen Umarmung. Arthur Weasely drückte ihm die Hand, doch bevor Ron oder Hermine etwas tun konnten, erscholl Onkel Vernons wütende Stimme.

"Nimm dein Eulenvieh und deine Sachen, ich hab hier nicht ewig Zeit."

Mit einem entschuldigenden Blick auf seine Freunde holte Harry seine Sachen und kaum hatte er den Kofferraum geschlossen, fuhr der Wagen auch schon an und verschwand im Verkehrsgewimmel.

"Unmöglicher Mensch", ereiferte sich Mrs Weasely. "Harry-Spatz, du siehst völlig erledigt aus, komm wir gehen rein, du brauchst erstmal was anständiges zu essen, ich wette diese "Personen" bei denen du wohnen musstest geben dir nichts richtiges, du siehst richtig mager aus, aber gross bist du geworden, naja, du bist ja auch schon fünfzehn, hast du unsere Geschenke bekommen? Bei diesen Leuten wäre ich mir ja nicht so sicher und unsere Eule, du weißt, sie hat manchmal Probleme mit dem Transport und der Landung und ... naja, du weißt ja..."

Während Mrs Weasely weiterredete und in den Leaky Cauldron eintrat, drückte Hermine Harry erstmal und Ron klopfte ihm auf die Schulter. "Na, wie war der Sommer?" Harrys verdrehte Augen waren Antwort genug. Sie gingen hinter den Erwachsenen her und Harry atmete erstmal richtig auf. Endlich wieder bei seinen Freunden und bald wäre er wieder in Hogwarts. Zu Hause.

*

Die Einkäufe in der Winkelgasse waren schnell erledigt und man beschloss sich noch für eine Stunde zu trennen, um herumzulaufen. Mr und Mrs Weasely verschwanden bei Gringotts, warum wusste nicht einmal Ron, die Zwillinge waren schon nach ein paar Minuten nicht mehr zu sehen und Hermine war bei "Flourish & Blotts" versumpft.

So machten sich Ron und Harry auf, um in ihrem Lieblingsladen nachzuschauen, was es so neues gab. "Qualität für Quidditch" hatte jedoch wegen einem nicht näher erläuterten persönlichen Grund geschlossen und so mussten sich die beiden damit begnügen, das Schaufenster anzustarren, in dem verschiedene Mannschafts-Umhänge ausgestellt waren (Ron starrte sehnsüchtig zu einem grell orangeroten Chudley Cannons - Cape mit der obligatorischen fliegenden Kanonenkugel und dem doppelten C), ein paar Besen standen an den Seiten, säuberlich beschriftet und auf dem Boden des Schaufensters lagen Bücher aus, unter anderem ´Quidditch im Wandel der Zeiten´, ´Die Treiberfibel´ und ´Klatscher klatschen - Verteidigungsstrategien im Quidditch´. Harry verlor sich gerade in Phantasien über das nächste Spiel, als er durch eine kalte Stimme unsanft in die Realität zurückgeholt wurde.

"Sieh an, Potter und das Wiesel. Jedes Jahr aufs Neue und ich hab schon gehofft, dich dieses Mal nicht vor Schulbeginn sehen zu müssen."

Harry atmete tief ein und drehte sich um - und da stand er in all seiner Arroganz und Nervigkeit. Draco Malfoy, der, zusammen mit einem gewissen Zaubertränkelehrer, so ziemlich die letzte Person war, die er sehen wollte. Im Gegensatz zu sonst wurde er nicht von seinen beiden Gorillas auf Toast- Niveau, Crabbe und Goyle, flankiert, sondern von einem schwarzhaarigen Jungen, den Harry nach ein paar Sekunden als Blaise Zabini identifizierte und welcher, im Gegensatz zu Malfoy, eher gelangweilt, als arrogant wirkte.

"Malfoy", stellte Harry mit aller Herablassung und einem abfälligen Gesichtsausdruck fest, den er sich eigens für den Slytherin antrainiert hatte. Ihm entging nicht das wütende Funkeln in Dracos Augen, welches auf diese Begrüssung folgte.

Auch der blonde Slytherin war in den Ferien gewachsen, er war etwas grösser als Harry und seine Stimme war tiefer geworden. Er trug bereits seinen Hogwarts-Umhang, welchen er jetzt zur Seite schlug und sich bequemer hinstellte.

"Potty, Potty", meinte er, "wieder den ganzen Sommer bei deinen Verwandten geschuftet? Du siehst beschissen aus!"

Doch Harry war nicht in der Stimmung für einen Schlagabtausch mit Malfoy. Er legte Ron, der bereits am Explodieren war eine Hand auf den Arm und zog ihn mit sich fort, während er Malfoy einen Blick voller Verachtung zuwarf und ihm im Vorbeigehen zuflüsterte: "Ebenfalls."

Er sah aus den Augenwinkeln, wie sich Malfoy versteifte und verschwand mit Ron in der Menge.

* Blaise grinste, als sich die beiden Gryffindors verzogen hatten. Er hatte sehr wohl mitbekommen, was Potter gesagt hatte, ebenso, wie er gesehen hatte, wie Draco plötzlich die Nasenflügel blähte.

Jedes Jahr kriegten sich die beiden in die Wolle und jedes Jahr war es dasselbe. Alberne Wortgefechte und immer tat Draco so, als wäre er unheimlich wütend, sobald er Potter sah. Aber wenn er ihn so absolut nicht leiden konnte, warum war er dann den ganzen Tag schon so hibbelig gewesen und warum waren seine Augen die ganze Zeit so unruhig über die Menschenmenge der Winkelgasse geglitten, als würde er jemanden suchen?

Er kannte Draco gut, und auch wenn sich dieser jetzt so gab, als würde er gleich einen Wutanfall kriegen, so wusste es Blaise doch besser. Draco hatte gefunden was er gesucht hatte. Er wusste es vielleicht noch nicht, oder schrieb es anderen Gründen zu, aber Blaise für seinen Teil war sehr gespannt auf das kommende Schuljahr.

~ * ~

Nachdem sie sich alle wiedergetroffen hatten, brachten Mr und Mrs Weasely die sechs Jugendlichen nach Kingscross zum Hogwartsexpress. Pünktlich 5 Minuten vor Abfahrt begann Mrs Weasely mit ihrer jährlichen Ansprache, Harry solle auf sich aufpassen und keinen Ärger suchen, Ron solle an seinen Noten arbeiten, Hermine auf die beiden aufpassen, Ginny fleissiger lernen und Fred und George sollten sich zusammenreissen, nichts explodieren lassen... und pünktlich um elf Uhr wurde ihre Litanei vom Anfahren des Zuges und den erleichterten Seufzern der Zwillinge unterbrochen.

Die Fahrt nach Hogwarts verlief ruhig, sie saßen alle zusammen in einem Abteil, zusammen mit Neville, der mal wieder nirgendwo anders untergekommen war und sich nun mit Ginny unterhielt. Die Jungen spielten abwechselnd Koboldstein und Snape explodiert, während Hermine das Verwandlungsbuch der Fünftklässler durchlas. Alle zwei Stunden hob sie den Kopf und sah stirnrunzelnd die Tür an, dann vertiefte sie sich wieder in ihr Buch. Gegen Abend - sie hatten sich bereits umgezogen - wurde der Zug langsamer und man konnte bereits vom Fenster aus die ersten Lichter des Nahnhofs von Hogsmeade sehen. Sie holten ihre Koffer herunter und Ron öffnete gerade die Abteiltür, als Hermine plötzlich meinte: Findet ihr es nicht auch merkwürdig?"

Alle sahen sie fragend an.

"Naja", druckste sie, "ich meine, wir fahren jetzt seit fünf Jahren mit diesem Zug und seit fünf Jahren kommt jedesmal Draco Malfoy hier hereingestürmt, beleidigt uns und haut wieder ab, nur dieses Mal nicht. Denkt ihr nicht auch, da ist was faul?"

Harry und Ron sahen sich an, dann zuckte Harry die Schultern und meinte: "Na und? Kein grosser Verlust. Dann mussten wir seine Visage halt einmal weniger ertragen. Ich finde, das ist eher ein Grund zum Feiern als zum Nachdenken. Sei lieber froh!"

Damit wuchtete er seinen Koffer aus dem Abteil auf den Gang, drehte sich um und sah direkt in ein Paar wutentbrannte silberne Augen.

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So, das war das erste Kapitel. Nicht weltbewegend schätze ich, aber halt der Anfang meiner Story. *drop*

Über Reviews würde ich mich freuen.

Bis dann ^__^`