Leise schlich Hermine durch die Gänge. Wie schon so oft in den letzten Wochen ging sie nachts zu Snape. Sie hatte gewartet bis ihre Zimmergenossinen schliefen und war dann aufgebrochen.

Während sie so in Gedanken vorwärts ging, hörte sie plötzlich Filchs krächzende Stimme hinter sich: „Aha, wer schleicht denn hier durch die Gänge und das bei Nacht? Hab ich dich erwischt." Hermine zuckte zusammen.

„Verdammt", flüsterte sie. Miss Norris schlich mit ihren funkelnden Augen um sie herum. „Was machen wir denn da mit dir?" zischte Filch. „Darum werde ich mich kümmern."

Plötzlich stand Snape vor Hermine, die erleichtert aufatmete. „Kommen Sie, Miss Granger", sagte Snape streng und Hermine konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Filch grummelte und murmelte die gewohnten Flüche vor sich hin. Hermine folgte Snape.

Als sie endlich in Snapes Büro angekommen und die Tür hinter sich geschlossen hatten, sprach Snape: „Das war knapp!" Beide brachen in prustendes lachen aus. Hermine liebte es wenn Snape seine strenge Art ablegte und lachte.

Seine Augen funkelten. „Magst du etwas trinken?" Hermine nickte „Wein?" Hermine nickte wieder. „Ich liebe dich", flüsterte sie. Snape lächelte. Dann schwang er seinen Zauberstab und auf dem Tisch tauchten zwei schöne Gläser und eine Karaffe voll Wein auf.

Als er den Stab erneut schwang, war auf jeder Seite des Schreibtisches ein silberner Kerzenständer mit fünf wissen brennenden Kerzen entstanden. „Ihr Licht spiegelt sich in Snapes Augen noch viel schöner wieder als im Wein", dachte Hermine und ihr Herz war von Glück und Wärme erfüllt.

Snape ergriff ein Glas und die Karaffe und während er auf Hermine zuging goss er den Wein ein, ohne den Blick von Hermine abzuwenden. „Du bist schön", sagte er mit einem Lächeln. Hermines Augen begannen noch mehr zu strahlen als zuvor.

Plötzlich verzog Snape das Gesicht und stöhnte auf. Krachend fiel das Glas und die Karaffe zu Boden und zerbrachen in tausend Scherben. „Was ist mit dir", schrie Hermine entsetzt auf. Unendlicher Schmerz zeichnete sich in Snapes Gesicht ab. Er fiel auf die Knie und hielt sich den rechten Arm.

Als er die Hand kurz davon löste, sah Hermine dass eine dunkle Flüssigkeit aus seiner Robe quoll, Snapes Hände waren rot. „Blut?" Hermine war entsetzt als sie erkannte, dass der ganze Ärmel von Blut durchtränkt war.

Hermine näherte sich Snape. Doch der reagierte nicht. Vorsichtig, voll Angst ihrem Geliebten noch mehr weh zu tun, schob Hermine den Ärmel zurück und fuhr entsetzt zurück. Dort wo immer das Mal des Dunklen Lords gewesen war ein rotes und pulsierendes Leuchten entstanden und Blut drang aus allen Poren von Snapes Haut.

„Was ist das", flüsterte Hermine und begriff es gleichzeitig. „Nichts", antwortete Snape mit einer Stimme, die Hermine die Angst in die Knochen fahren ließ. Das konnte nicht ihr Severus sein. „Severus, seit wann…" Entsetzen und Furcht schwangen in Hermines Stimme mit.

Vorsichtig legte sie eine Hand auf Snapes Schulter. „Lass mich!", stieß Snape hervor und schleuderte Hermine mit einer Kraft von sich, dass sie durch den ganzen Raum geschleudert wurde und an der anderen Seite gegen ein Regal stieß.

Hermine stöhnte auf als sich das Holz in ihren Rücken bohrte. Sie atmete schwer auf. Als sie zu Snape blickte sah sie, dass sich sein Blick seltsam getrübt hatte.. Snape schrie auf und unendlicher Pein schwang in seiner Stimme mit.

Mit seinen Händen klammerte er sich am Boden fest ungeachtet der Scherben, die sich in seine Hände bohrten. Hermine war wie gelähmt. Snape atmete schwer und starrte zu Boden. Hermine wollte sich ihm nähern, als sie wieder diese seltsame Stimme aus seinem Mund hörte:

„Ich höre dich, ich höre den Rufen, Meister,…AHHH!" Erneut wurde Snape von Pein zurück geworfen. „Ich komme…bitte…ich werde dir folgen…Meister…ja ich bin dein Diener…AAHHH…dein Sklave!"

Snape war aschfahl, Schweiß rann über sein Gesicht. Seine Augen waren blutunterlaufen und seine Haare hingen strähniger herab, als sie es sonst schon taten. Hermine näherte sich vorsichtig.

„Severus", flüsterte sie, Tränen liefen ihr in Strömen über das Gesicht. Sie griff Snape an der Schulter und schüttelte ihn. „SEVERUS!" Snapes Blick begann sich zu klaren. Er begann zu wimmern wie ein Kind und ließ sich zu Boden fallen.

Gekrümmt blieb er dort liegen. Hermine kniete sich neben ihn und strich ihm übers Haar wie sie es getan hatte, als Snapes verstand sich in den eines Kindes verwandelt hatte. Neville sei Dank. „Soll ich dich auf die Krankenstation bringen?" Snape schüttelte den Kopf. „Du solltest dich ins Bett legen." Snape nickte. Vorsichtig half Hermine ihm auf und führte ihn ins Nachbarzimmer.

Dort half sie ihm sich seiner Robe zu entledigen. Während Snape sich erschöpft in die Kissen sinken ließ, entfernte Hermine mit einem Zauber die Glassplitter aus seinen Händen. Anschließend zerriss sie Snapes Robe und verband damit seine Hände und seinen wunden Arm. Mehrfach stöhnte Snape dabei auf.

Dann setzte Hermine sich auf die Bettkante. „Er ruft dich?" Snape drehte sich von ihr fort. „Seit wann, Severus…seit wann"

„Seit…ich weiß nicht."

 „Hast du mit Dumbledore gesprochen?" Snape schüttelte den Kopf. „Du musst", sprach Hermine. Snape wandte sich ihr wieder zu.

 „Ich kann nicht, Hermine…diesen Kampf muss ich alleine kämpfen…ich muss", Snape senkte dabei die Stimme, „selbst wenn ich mich dabei selbst zerstöre."

Hermine schluckte schwer. „Dann zerstörst du auch mich…", flüsterte sie. Snape ergriff ihre Hand. „Nein, Hermine, nein", er sah sie mit seinen tiefschwarzen Augen an, „versprich mir eines: egal was passiert, du darfst nicht verzweifeln. Es ist das einzige was ich nicht ertragen könnte. Dir darf nie etwas zustoßen. Versprichst du mir das?"

Hermine nickte. „Und noch etwas, wenn es sein sollte, dass er mich doch besiegt, halt mich nicht auf, Hermine, ich weiß nicht, ob ich dann noch Herr meiner Sinne bin…"

„Du kannst nicht zu ihm gehen." Hermine sprang auf. „Es wird alles zerstören was ich habe, er wird Harry töten und du…du wärst für immer verloren…"

„Hermine ich bin nicht wichtig."

„Du bist nicht wichtig?... Severus, ich kann nicht, ich kann nicht…", Hermine brach erneut in Tränen aus. Snape legte seine Hand auf ihre Schulter.

„Der dunkle Lord wird eines Tages besiegt werden. Was mein Schicksal ist kann ich nicht sagen, aber ich werde dir eines versprechen: ich werde nicht kampflos aufgeben…" Hermine wandte sich ab.

„Eines Tages… ich glaube, Severus, du vergisst eines: vielleicht werde ich EINES TAGES nicht mehr leben", Hermine senkte die Stimme, „ich bin doch bloß ein Schlammblut." Hermine stürmte zur Tür. Snape sprang auf und rannte hinter Hermine her.

Bevor sie die Tür erreicht hatte umfasste er sanft ihren Arm. „Bleib Hermine, bitte bleib diese Nacht bei mir…" Hermine drehte sich mit Tränen in den Augen um. „Wenn du darauf bestehst werde ich zu Dumbledore gehen, nur bitte bleib, ich kann diese Nacht nicht alleine sein." Hermine nickte.