Disclaimer: Nicht meine Drow/Realms.


So das ist es nun das allerletzte Update. Irgendwie ist Ethin nicht ganz so verrückt geworden wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte… na ja zumindest ist das ganze noch fertig geworden bevor ich in den Urlaub fahre.

Hatte überlegt ob ich nicht später mal Evoe auf Drizzt treffen lasse, bin aber noch zu keinem rechten Ergebnis gekommen.


C

Epilog:

POV - Ethin

C

Ich beobachte Evoe. Meine absolute Lieblingsbeschäftigung, der ich wahrscheinlich nie überdrüssig werde. Ich liebe es einfach ihn zu betrachten. Besonders wenn er es nicht bemerkt und deshalb entspannter ist. Argloser. Wie irgendjemand nach zehn Jahren in diesem höllischen Loch auch nur einen Funken Arglosigkeit ausstrahlen kann ist mir zwar ein Rätsel, aber er kann es. Konnte es schon immer. Meiner Meinung nach macht es ihn gefährlich und unwiderstehlich zugleich.

Ich mag es ihn mit Wasser zu vergleichen, weil es seinem Wesen so sehr entspricht. Es passt sich jeder Form an und setzt einem kaum Widerstand entgegen wenn man ihm mit roher Gewalt entgegentritt, sondern weicht einfach aus, aber es kann dabei unergründliche Tiefen verbergen und auch in das kleinste Loch eindringen und mit genügend Zeit sogar die mächtigsten Felsen zu Krümeln abschleifen.

Aus demselben Grund vergleiche ich Shenjal gerne mit einem Felsen. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob ihm klar ist wie tief die Gefühle für seinen Schüler bei ihm wirklich gehen. Eigentlich sollte seine sonst so gut ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstanalyse es ihm längst offenbart haben, aber wir haben alle unsere blinden Flecken. Die Dinge die wir nicht wahrhaben wollen, weil das Leben bequemer ist wenn wir uns weigern sie zu sehen.

Manchmal frage ich mich was es wohl ist, dass ich vor mir selbst verberge. Meine eigenen Beweggründe zu analysieren habe ich allerdings schon lange aufgegeben. Finge ich jemals damit an würde ich vielleicht auf der Stelle verrückt. Ein Gedanke der mich zum lachen bringt, woraufhin Evoe irritiert von seinem Buch aufschaut, überrascht dass ich hier bin und augenblicklich wachsamer. Aber er ist sowieso der Meinung ich wäre schon verrückt. Das macht mir nichts, solange er mich nur nicht wegschickt.

Ich könnte ihn den ganzen Tag lang anfassen, wenn er mich ließe und würde mich nicht eine Sekunde langweilen. Schon allein der Gedanke an diese makellose Haut unter meinen Fingern lässt mich bereits freudig erschauern. Leider lässt er mich nicht. Deshalb muss ich mich meistens mit schauen zufrieden geben. Aber heute könnte ich Glück haben. Ich weiß ganz genau er ist beleidigt nachdem dieser seltsame Halbelf mit dem Wettproblem wieder hier war, auch wenn er es gut verbirgt. Keiner der anderen Liebhaber Shenjals scheint ihn wirklich zu kümmern, bis auf diesen einen. Weshalb dass weiß ich auch nicht.

Ich glaube ja es ist reiner Selbstschutz von Seiten des Drows, denn solange er sich auf diese einfache Weise seiner Unabhängigkeit versichern kann muss er sich nicht selbst hinterfragen. Ein zeitweise schmollender Evoe ist dafür ein vergleichsweise geringer Preis.

Und jetzt wo er mich gedankenvoll anstarrt und gerade langsam dieser ganz bestimmte Blick in seiner Augen tritt, den ich viel zu selten sehe, würde ich mich um nichts in der Welt über die Situation beschweren. So sehr es mich danach verlangt aufzuspringen und sofort über ihn herzufallen, ich beherrsche mich und bleibe still sitzen. Diese Kontrolle, die er von mir verlangt ist pure Folter, aber ich habe schon lange gelernt, dass es die einzige Möglichkeit ist zum Ziel zu gelangen. Gebannt beobachte ich, wie er sorgfältig das Buch schließt und dann langsam auf mich zu tritt. Der Ausdruck auf seinem Gesicht beinhaltet eine eigentümliche Mischung aus Hohn angesichts meiner offensichtlichen Vorfreude, der selbstquälerischen Frustration, die so typisch für ihn ist und erwachendem Verlangen. Das letztere hat sich erst im Laufe der Jahre entwickelt, nachdem er sich der Kontrolle über mich sicherer geworden ist, aber ich bin froh darum, denn sonst müsste ich mich wirklich und endgültig mit einer unüberwindbaren Distanz zwischen uns abfinden. Ich glaube nicht, dass ich das könnte, denn inzwischen brauche ich ihn fast so sehr wie die Luft zum atmen, eine Erkenntnis, die mich nicht so sehr erschreckt wie sie es vielleicht sollte. Nach über einem Jahrhundert der hasserfüllten Unterwerfung erstaunt es mich immer wieder wie groß der Unterschied zwischen ihm und meinem ersten Herrn sein kann.

Evoe, mein Meister. Mein! Allein diese Worte zu denken jagt mir ein erregendes Kribbeln durch den Bauch, bei dem ich nun wirklich hart um meine Beherrschung kämpfen muss. Ein Anblick der ihm ein böses Lächeln entlockt. Wer hätte gedacht, dass sich die Dinge so entwickeln würden. Auch jetzt, mehr als zehn Jahre nach diesem schicksalhaften Tag an dem mein erster Meister durch meine eigene Hand starb, überrascht es mich manchmal noch. Wer hätte gedacht, dass dieser hilflose Junge, den ich bei unserer ersten Begegnung so mühelos überwältigen konnte, einmal eine derartige Macht über mich haben würde. Und trotzdem bereue ich nichts, denn ohne ihn hätte ich niemals den Mut aufgebracht in jener Nacht das Messer zu führen. Mein Anker in einer Welt in der nichts mehr sicher schien.

„So eifrig Ethin?" fragt er spöttisch und hält einen einzigen quälenden Schritt vor mir inne. Gerade so weit entfernt, dass ich ihn nicht erreichen könnte, würde ich einen Arm ausstrecken. Nachdenklich legt er einen schlanken Finger über diese verlockenden Lippen und hat dabei eine fast schon unheimliche Ähnlichkeit mit Shenjal. „Habe ich dich etwa so sehr vernachlässigt?"

Noch nicht, noch nicht, warte! In einer letzten verzweifelten Anstrengung mich zurückzuhalten klammere ich mich an der Sitzfläche meines Stuhls fest. Nicht bevor ich die ausdrückliche Erlaubnis habe! Er verharrt so lange bewegungslos, dass ich ihn am liebsten anschreien würde. Früher habe ich das sogar ein paar Mal getan. Mit äußerst unangenehmen Folgen. Die Erinnerung daran lässt mich nun regungslos verharren, auch wenn so viele Dinge auf mich einströmen, die ich in diesem Augenblick tun will, dass es mich beinahe wahnsinnig macht. Ich will diese Gelegenheit nicht verschwenden, denn es ist viel zu lange her seit ich das letzte Mal eine Chance bekam ihn auf diese Weise zu berühren, zuzusehen wie sich die eiserne Beherrschung unter meinen Händen auflöst…

Sag es sag es sag es, treibe ich ihn innerlich an, während ich mir äußerlich auf die Lippe beiße und mein Schweigen beibehalte. In dieser Phase hilft nichts. Nicht einmal offenes Betteln. Nur der Beweis meiner Selbstkontrolle wird mir das bringen wonach ich mich so verzehre.

Das süße Gefühl der Vorfreude erreicht ungeahnte Höhen als seine Haltung sich subtil verändert, unterwürfiger wird und verletzlicher. Nicht mehr lange jetzt.

„Nun denn. Ich bin ganz dein. Tu was du willst Ethin."

Das ist sie, die erlösende Erlaubnis auf die ich so ungeduldig gewartet habe. Noch bevor die letzte Silbe verklungen ist bin ich hochgeschnellt, habe eine Hand fest in den langen schwarzen Haaren vergraben und presse ihn mit meinem ganzen Körper hart gegen die nächste Wand, so dass er einen Moment nur hilflos nach Luft schnappen kann. Aber das ist es schließlich was er will und was ich hungere zu geben. Keine Selbstbestimmung, sondern für eine kurze, aber erlösende Zeit nur nachzugeben. Dieses eine Jahr der Rechtlosigkeit hat auch bei ihm seine Spuren hinterlassen.

Wenn man seine Natur bedenkt ist es eigentlich überraschend wie gut er sich inzwischen in der Rolle des Herrn und Meisters zurechtfindet. Manchmal könnte ich fast vergessen dass Evoe auch eine andere Seite hat, die er nur noch selten, bei Gelegenheiten wie der heutigen, so offen zeigt. Doch auch wenn es nicht oft dazu kommt fasziniert es mich jedes Mal aufs Neue wie aus dem verängstigten, unsicheren Sklaven der er einmal war, ein talentierter Magier geworden ist, der sehr genau weiß was er will und was nicht. Vielleicht gibt ihm diese Gewissheit die Sicherheit, die er braucht um ab und zu freiwillig alle Kontrolle aufzugeben, aber vielleicht ist es auch einfach ein Bedürfnis, dessen er nicht wie einem Halsband entledigen kann. Eine Weile amüsiere ich mich damit meine Nase tief in dem weichen, schwarzen Haar zu vergraben und den Augenblick so lang es geht auszudehnen.

„Ist das alles?" reizt er mich jedoch, nachdem er wieder genügend Luft bekommt. „Du lässt nach Ethin."

Ach. Ist das so? Mit einem harten, gewollt brutalen Kuss, bei dem sich meine Zähne schmerzhaft in seine Unterlippe graben, verhindere ich jegliche weiteren Worte. Ich weiß genau was er will. Weshalb er mich so anstachelt. Sich selbst vergessen und eine kleine Weile alle Gedanken hinter sich lassen, gnädig verdeckt von körperlichen Reizen. Anders als Shenjal hat er längst vor sich selbst zugegeben, dass er dem Drow hoffnungslos verfallen ist und ich weiß dass es ihn frustriert, denn er kann nichts dagegen tun. Absolut gar nichts. Das der Magier diesen Umstand nicht so schamlos ausnutzt wie er es eigentlich könnte, bestärkt mich nur in meinem Verdacht bezüglich seiner Gefühle. Je weniger er sich damit auseinandersetzt, desto geringer ist die Gefahr, dass er einmal auf Dinge stößt die er nicht anerkennen will.

Für Evoe bleibt nur das vorübergehende Vergessen, dass ich geben kann und will. Ich würde alles für ihn tun, auch wenn es nicht immer so aussehen mag. Das fast schon respektlose Benehmen, dass ich manchmal an den Tag lege, hat bereits einige dazu veranlasst spöttische Kommentare abzugeben, aber entgegen dem äußeren Anschein weiß ich sehr genau wo meine Grenzen liegen.

Manchmal erheitert es mich darüber nachzudenken was für eine seltsame, verdrehte Beziehung wir zueinander haben. Die Ironie des Schicksals hat uns beiden Rollen gegeben, die dem was wir eigentlich sind oder sein könnten, völlig entgegenstehen, aber trotzdem ergänzen wir uns auf eine Weise, die niemand anderes je verstehen könnte.

FINIS