Anmerkung: Dies ist die Übersetzung von Quillitch's Fanfic „Hand-Me-Down Clothes" (StoryID: 1019740). Die Geschichte gehört nicht mir; ich mache mir nur die Mühe sie – mit Erlaubnis der Autorin – ins Deutsche zu übersetzen.

Disclaimer:
Harry Potter, Hogwarts und alles was damit zusammenhängt, gehört J.K. Rowling. Mit dieser Geschichte wird kein kommerzieller Gewinn erzielt.

Zusammenfassung:
Als Albus Dumbledore beschließt, den siebenjährigen Harry Potter bei seinen Pflegeeltern zu besuchen, bekommt er den Schock seines Lebens. AU, minimale Spoiler für das fünfte Harry Potter Buch ab Kapitel Acht.


Klamotten aus zweiter Hand

Kapitel Eins: Anfänge

„Albus, ich hab's dir schon mal gesagt, ich hab's dir schon tausendmal gesagt – der Junge muss woanders hin!"

„Arabella, solange sie nicht soweit gehen, den Jungen wirklich zu misshandeln..."

„Oh ehrlich, Albus! Ist dein Hirn zu Brei geworden? Kleine Jungen – Kinder! – brauchen Pflege, Liebe und Aufmerksamkeit, nicht nur ein Dach über dem Kopf, Klamotten aus zweiter Hand und etwas zum Essen!"

„Klamotten aus zweiter Hand sind nichts Schlechtes. Ich erinnere mich, als ich damals selbst..."

„Die Jungs sind im gleichen Alter! Jedes Jahr haben wir diese Unterhaltung, Albus, und jedes verdammte Jahr tust du überhaupt nichts!", rief Arabella verärgert. Nach einer angespannten Pause erwiderte Albus ruhig,

„Arm zu sein ist kein guter Grund um Harry aus ihrer Pflege zu nehmen."

Welche Pflege? Bei Merlin, würdest du mir zuhören?"

„Arabella-", warnte Albus stirnrunzelnd.

„Halt den Mund oder ich zauber dich in die nächste Woche, Albus! Sie sind nicht arm, sie können es sich leisten, ihm eigene Kleidung zu kaufen und sie können sich sogar einen Gärtner leisten, aber das ist Aufgabe des kleinen Harry. Einer von ihnen! Jetzt hab ich's satt mit dir zu streiten, Albus. Du sitzt dort in deinem kleinen gemütlichen Büro und leitest deine Schule, aber jetzt wird's Zeit, dass du von deinem hohen Ross heruntersteigst und dich mit dem Rest von uns im Dreck wälzt!"

„Arabella!"

„Hab' ich dir erlaubt wieder zu sprechen? Richtig so, ich schlage vor, dass du entweder hier herunterkommst und dir das selbst ansiehst-"

„Oder?"

Oder ich werde Minerva und Hagrid von Klein-Harrys Notlage informieren."

„Ah." Ihnen beiden war bekannt, dass Minerva McGonagall dazu tendierte ein wenig irrational zu sein, wenn es um den jungen Harry Potter ging, und Hagrid hatte die Verstorbenen Lilly und James Potter im wahrsten Sinne des Wortes angebetet und fühlte sich Harry gegenüber überaus beschützerisch.

„Wird es dich umbringen zu kommen und einen Blick auf ihn zu werfen, Albus. Es wäre nicht auffällig, du würdest nur mal nach dem Jungen sehen – was deine Aufgabe ist.."

„Arabella, ich glaube nicht, dass mir eine andere Möglichkeit bleibt. Ich werde den Dursleys sofort schreiben."

„Nein, schreib ihnen nicht, Albus, ich traue ihnen nicht soweit, wie ich sie werfen kann und das ist überhaupt nicht weit, wenn man bedenkt, wie fett der junge Teufelsbraten ist. Wenn du sie warnst, wird Harry von diesem aufgeblasenen Arsch von einem Mensch Vernon gezwungen, dich anzulügen."

„Arabella!", lachte Albus, während er versuchte tadelnd auszusehen.

„Das ist mein Ernst, Albus, der Mann geht mir so auf die Nerven – zu schade dass er ein Muggel ist, sonst würde ich ihn zu einem Duell herausfordern – das würde ihm eine Lehre sein. Komm morgen um 9 Uhr vorbei – es ist Samstag und ich weiß, da hast du Zeit."

Es ertönte ein Knall, der wie der Korken einer explodierenden Flasche klang. Der Kopf von Arabella Figg verschwand zwischen den limonengrünen Flammen, wobei die Farbe der Flohverbindung verblasste, sodass das Feuer wieder rot und orange brannte.

Albus Dumbledore saß in einem bequem aussehenden Sessel neben seinem riesigen Steinkamin. Er hatte langes, silberweißes Haar, einen ebenso langen Bart und trug einen burgunderroten Umhang mit goldbesticktem Rand. Auf seiner krummen Nase saß eine Brille mit halbmondförmigen Gläsern, hinter denen zwei hellblaue Augen funkelten. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen und zerknitterte die Lachfalten um seine Augen. Arabella hatte noch nie irgendwelche Bedenken gehabt ihn herumzukommandieren und auf den Boden zurückzuholen, wenn sein Ego ihrer Meinung nach zu groß wurde. Plötzlich klatschte er einmal in die Hände und mit einem lauten Knall erschien ein Hauself, der das Hogwarts Wappen trug und ihn mit riesengroßen grünen Augen anblickte.

„Ah, du bist Paddy, oder?", Albus wurde mit einem ehrfurchtsvollen Nicken belohnt. „Würde es dir etwas ausmachen Professor McGonagall zu bitten, mich sobald wie möglich zu treffen?"

„Ja, Sir, natürlich Sir, braucht Sir noch etwas anderes, Professor Dumbledore Sir?"

„Nein, danke Paddy, das ist alles. Übrigens, möchtest du ein Scherbert Zitrone?"

„Oh nein, Sir!", erwiderte der Hauself, deutlich geschockt von diesem Bruch des Protokolls.

„Bist du sicher? Die sind wirklich lecker." Und um seinen Standpunkt zu demonstrieren, steckte sich Albus Dumbledore einen in den Mund. „Mmm-mmm", beschrieb er vergnügt und der Hauself beäugte wehmütig die rot-gold gestreifte Tüte in Dumbledores Hand.


„Po'esssssor Mc'onagarll, Padday hass ane Na'ichs fou Ssie fon Ssumsoresaw"

„Liebe Güte! Was auf Erden! Paddy, warum sprichst du so seltsam?" Minerva McGonagall starrte über ihre quadratischen Brillengläser hinweg den verlegen dreinblickenden Hauself an.

„Süßi'eit, Po'esssor," erklärte Paddy mit einem tropfenden Lispeln.

„Was? Ach, egal. Was hat der Schulleiter gesagt?"

„Bis'e s'önnen Sie ihn euse s'essen?"

„Essen? Oh – treffen?"

„'Aa, Po'essssssor."

„Hör auf zu zischen, du klingst wie eine Schlange. Nun denn,... oh, ich glaub ich verstehe, er will dass ich ihn treffe?"

„'Aa, euse!"

„Euse?" McGonagall blinzelte verwirrt.

„'Aaah!"

„Ohje, ich werde einfach gehen und ihn jetzt treffen, denke ich."

„'Aaa!" grinste ein erfolgreicher Paddy und zuzelte an seinem Bonbon.

Als die Professorin leicht gereizt aus dem Raum schwebte, war Paddy wieder allein, und er machte sich auf den Weg zurück in die Küche, lutschte dabei an dem Bonbon mit Zitronengeschmack, das Dumbledore ihm gegeben hatte und fand es tatsächlich sehr lecker.


„Direktor?"

„Minerva! Nimm dir einen Stuhl!"

Hast du nach mir schicken lassen?"

„Ja, habe ich. Scherbert Zitrone?"

„Nein danke, Albus", antwortete Minerva McGonagall, und blickte missbilligend bei der bloßen Idee an Scherbert Zitrone. Sie setzte sich in den nächsten Sessel, dessen abgenutzte Armlehnen noch einen Moment zappelten, bevor sie ihre Arme gemütlich auf ihnen ablegen konnte.

„Ich werde morgen nicht anwesend sein. Du wirst die Schule für dich haben, während ich weg bin."

„Weg? Um was zu tun?"

„Oh, dies und jenes, dies und jenes." Albus steckte sich ein weiteres Scherbert Zitrone in den Mund und vermied den Blick seiner Kollegin.

„Albus, du warst seit der Beerdigung deines Großvaters nicht mehr abwesend während dem Schuljahr. Muss ich dich daran erinnern, wie lang das her ist?"

„Hmm, um die Wahrheit zu sagen, ich werde mich mit Arabella treffen."

„Es ist alles in Ordnung mit Harry, oder? Ich habe schon immer gesagt, du hättest ihn nicht bei diesen Muggeln lassen sollen. Ist er sehr schwer verletzt? Bringst du ihn hierher mit? Vielleicht solltest du Poppy mitnehmen; wirst du das Ministerium informieren? Was-"

Minerva! Ich werde nur nach dem Jungen sehen, das ist alles. Ich bin mir sicher, es geht ihm gut!"

„Nach ihm sehen? Albus, es ist sechs Jahre her und plötzlich ‚siehst du nach ihm'?"

„Vertrau mir, Minerva." Ein hörbares Zähneknirschen war zu vernehmen.

„Ich kann es wirklich nicht leiden, wenn du das sagst, Albus, ich bekomme davon ein unglaublich schlechtes Gefühl."

„Vielleicht hättest du Lehrerin für Wahrsagen werden sollen..."

„Albus, ich kann das nicht leiden", klagte eine entrüstete McGonagall.

„Ich entschuldige mich, Minerva", erklärte Dumbledore höflich.

„Das auch nicht", schnappte die Lehrerin für Verwandlung und starrte wütend in sein verdächtig unschuldiges Gesicht. Doch nach einer Weile gab sie nach und lächelte, Albus war manchmal wirklich senil und hatte die Angewohnheit andere zu necken. Sie stand auf um zu gehen: „Und hör auf den Hauselfen Süßigkeiten zu geben! Du machst ihre Zähne kaputt!"


Es war ein trockener und warmer Morgen im Ligusterweg. Der Himmel zeigte die Art von Blau, die man normalerweise nur in Märchenbüchern oder in schlechten Gedichten finden kann und kleine Büschel grauweißer Wolken erstrecken sich am Horizont. Im Wohnzimmer des Ligusterwegs Nummer 8, konnte man eine Verzerrung beobachten und auf einmal stand dort ein Mann mit ungewöhnlich viel weißem Haar.

„Du kommst spät", sagte die alte Frau sauer, die sich an der Türöffnung auf eine Krücke stütze, während eine schwarze Katze um ihre Knöchel schlich und den Besucher anzischte.

„Guten Morgen, Arabella."

„Belehr mich nicht, Albus", befahl die alte Dame, als die sich vorwärts bewegte um seine Begrüßungsumarmung zu empfangen. „Du kannst gleich rüber gehen zur Hausnummer 4, sie sind heute alle zuhause. Was zum Geier hast du da an?"

„Muggel-Klamotten, ich kann schlecht meinen Zauberumhang tragen. Sind sie angebracht?" Albus hob fragend eine buschigweiße Augenbraue.

„Oh ja, definitiv Muggel-Klamotten, eine überaus genaue Nachahmung dessen, was sie vor 100 Jahren trugen!", die alte Dame pfffte in gespielter Verzweiflung, während Albus leicht überrascht aussah. Er trug Kleidung aus der Jane Austin Zeit, komplett mit goldener Taschenuhr in der Weste und ebenhölzernem Spazierstock.

Arabella runzelte einen Moment konzentriert die Stirn und schwang dann ihren Zauberstab: ein Wirbel purpurroten Lichts bewegte sich von seinen Zehenspitzen aufwärts und die weiße Weste unter dem schwarzem Frack und die schwarze Hose verschwand, um durch einen schicken marineblauen Anzug ohne Krawatte ersetzt zu werden.

„Viel besser. Wenn ich jetzt doch bloß eine Kamera hätte." grinste sie ihn und seinen Muggel-Anzug mitsamt langem weißen Bart und Haar, schadenfroh an. „Nun raus mit dir, ich muss noch meine Katzen füttern." Sie scheuchte ihn in den Flur. „Und denk daran den ganzenTag zu bleiben!"

„Natürlich, Arabella", beschwichtigte Dumbledore sie und stolperte über die schwarze Katze, als er die Haustür öffnete. Er bemerkte, dass seine Schuhe schwarz und glänzend waren und dass sie nicht den geringsten Absatz hatten, bevor der schwarze Kater sie voller Begeisterung mit seinen Klauen zerkratze.

„Blackie! Komm her Blackie, Frühstück ist fertig!", rief Arabella und das besagte Monster stand flink auf und jagte eine imaginäre Maus zur Stimme seines Frauchens.

Albus Dumbledore machte sich geschwind auf den Weg, über und entlang der Straße, bis er die Nummer 4 des Ligusterwegs erreichte. Das Haus hatte eine perfekt getrimmte Hecke, die die Einfahrt markierte und Blumenbeete, deren Farbe sorgfältig ausgewählt wurde und mit den Blumen in den peinlich sauberen Beeten perfekt harmonierte. Solch ein Perfektionismus war sicher eine Kunst; er ging auf die durchschnittliche, langweilig braune Haustür zu und betätigte die Klingel, die den ganz normalen Ding-Dong Ton von sich gab. Innen konnte er lebhafte Geräusche vernehmen, ein Fernsehgerät (Ja, er kannte so etwas), einen Staubsauger im oberen Stockwerk und das Klirren von Tassen kam wahrscheinlich aus der Küche.

„Mama! Es hat gerade geläutet!", brüllte die Stimme eines Jungen.

„Harry!", schrie eine Frau, vermutlich die Mutter des Jungen. „Geh an die Tür!"

Der Staubsauger wurde ausgeschaltet, jemand rannte die Treppe runter und die Haustür wurde aufgerissen.

„Hallo." Ein siebenjähriger Harry Potter lächelte ihn unsicher an.


Anmerkung der Übersetzerin:
Über Reviews freut sich nicht nur die Übersetzerin, sondern auch die Originalautorin. Ich übersetze ihr nämlich ein Großteil der Reviews – das heißt jetzt aber nicht, dass ihr nicht reviewen sollt, ne? zwinker
Ich tue nichts lieber als Reviews zu übersetzen! überzeugend guck ;)

Nächstes Kapitel:
Verdatterte Schulleiter, stotternde Tanten und natürlich Klein-Harry!

(Überarbeitet am 13. Mai 2004
Danke an Micha!)