Dunkelheit, Schmerz und ...Licht?

Autor: distelMalfoy

Autoren E-mail: tomfeltina@web.de

Kategorie: Romance / Angst

Spoiler: Alle Bücher

Rating: R

Summery: Es herrscht Krieg! Hermine ist auf der Flucht. Sie hat unzählige Freunde und Unbekannte sterben sehen und lebt in ständiger Angst die nächste zu sein. Auf ihrer Flucht hat sie sich in einem tiefen Wald verlaufen in dem es kein Leben mehr gibt. Um ein wenig ausruhen zu können, bleibt sie dort. Doch sie ist nicht allein!

Disclaimer: Diese Story basiert auf Charakteren und Situationen die J.K. Rowling gehören. Veröffentlicht  durch Carlsen in Buchform und durch Warner Bros. in Form von Verfilmungen. Ich vertreibe diese Story nicht und nehme auch kein Geld da durch ein.

A/N: HäeHä...ehh *sich bedröppelt um guckt* also...seit ich weiß, dass ‚angeblich' wenn man das Ganze unter Webseite speichert, sowohl das kursive als auch das fette Zeug erhalten bleibt, hab ich es noch mal neu hochgeladen....und für die die's wissen wolln...chap drei kommt nich so wirklich voran...*schnief*...ich weiß..ich bin schrecklich....aber die hier KRIEG ICH ZUENDE!

Also... again…Enjoy yourself!!!!

Wenn ich aber mit Menschen und mit Engelszungen redete,

aber ich hätte die Liebe nicht, mein Sprechen bleibt wie tönend Erz

und eine klingende Schelle.

Die Liebe macht die Seele groß.

Die Liebe erfüllt mit wohltuender Güte.

Die Liebe kennt keinen Neid, keine Prahlerei, keine Falschheit lässt sie aufkommen.

Die Liebe verletzt nicht.

Sie lässt nicht die Besinnung verlieren.

Niemandem trägt sie Böses nach.

Freut sich nicht über unrecht,

Freut sich nur mit der Wahrheit.

Liebe erträgt alles.

Liebe kann nicht verloren gehen!

Dunkelheit, Schmerz und ...Licht?

Kapitel 1: Flucht

Hermine Granger stolperte gehetzt vorwärts.
Immer wieder warf sie verängstigt und verwirrt den Kopf herum um nach
möglichen Verfolgern Ausschau zuhalten. Sie stolperte über Wurzeln und Äste, blieb
an Gebüschen hängen, fiel hin, rappelte sich wieder auf und hastete weiter.
Nach kurzer Zeit waren sowohl ihre Arme als auch ihre Beine blutig und
zerkratzt. Sie blutete aus einer Wunde am Kopf und war sich sicher, dass ihre Nase
gebrochen war.
Aber all das übertraf nicht im Geringsten den Schmerz der sich in ihre Seele
eingefressen hatte.

Tod. Tod und Zerstörung. Grausame Wut und widerwärtige Niedertracht. Verrat
und Hilflosigkeit. Dies waren die dominierenden Kräfte in den letzten vier
Monaten gewesen.
Vier schreckliche Monate, in denen sie soviel Schmerz und Grausamkeit
gesehen hatte wie sie es nicht für möglich gehalten hatte. Nie hatte sie geglaubt,
dass ein Mensch solchen Schrecken sehen und doch überleben konnte.

Sie hatte neben Freunden, guten Freunden gestanden, Rücken an Rücken gegen
eine Übermacht gekämpft, hatte gesehen, wie ihre Freunde zu Boden gegangen
waren. Hatte überlebt.

Sie hatte viele sterben sehen. Zu viele.

Alles war so plötzlich gekommen. Kurz vor den U.T.Z Prüfungen. Sie, Harry
und Ron waren mitten in den Vorbereitungen gewesen. Selbst Harry, der das ganze
Jahr über rastlos umher geschlichen war und selten mehr gesagt hatte als
unbedingt nötig, schien zur Ruhe gekommen zu sein.
Natürlich. Sie alle hatten gewusst, dass es passieren würde, irgendwann,
denn er war schließlich noch immer dort draußen gewesen.
Urplötzlich hatte es begonnen. Beim Frühstück in der großen Halle.
Allen war aufgefallen, dass ein Großteil der Slytherins fehlte.
Es war ungewöhnlich still gewesen während des Essens, und dann waren die
Flügeltüren aufgestoßen worden und ein kleiner Erstklässler war herein gestürmt.
Mit Angstschweiß überströmt und zitternd hatte er ihnen berichtet, dass sich
über dem gesamten Gelände dunkle, schwarze Wolken türmten, dichter, grauer
Qualm von Hogsmead herüber wehte und sich eine Masse schwarz Gekleideter um
das Schloss versammelte.

Das war, auf den Tag genau vor vier Monaten geschehen. Seitdem hatte sie
nicht eine Minute rasten können. Pausenloses Kämpfen hatte sie ausgezehrt.
Seltenes Essen und ständiges Tarnen sie fast bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.
Doch sie lebte.

Vor zwei Wochen, als viele glaubten, es sei vorbei, hatte es einen erneuten
kraftvollen Schlag der dunklen Seite gegeben. Seit zwei Wochen wusste sie
nicht mehr um das Schicksal ihrer Freunde, seit zwei Wochen war sie allein.
Vollkommen allein.

Nur um einen ihrer Freunde bestand kein Zweifel. Ron Weasley hatte neben ihr
gestanden, als ihn der Todesfluch traf. Sie hatte gesehen, wie ihr bester
Freund zu Boden gestürzt war. Hatte, nachdem sie den Todesser hatte bezahlen
lassen, neben ihn gekniet, sich für Stunden an die leblose, kalte Hülle
geklammert, die einst zu ihrem Freund gehört hatte. Sie hatte nicht geweint, hatte
es nicht gekonnt. Es war alles noch viel zu unwirklich gewesen, zu viele waren
in der letzten Zeit gestorben, als dass ihr taubes Gehirn diesen einen
Verlust hatte aufnehmen können. Sie hatte nur eine Leere gespürt, tief in ihrer
Seele, als hätte ihr jemand mit aller Kraft die Möglichkeit zum Atmen
entrissen.
Sie hatte ihn nicht gehen lassen wollen. Auch nicht, als andere gekommen
waren um ihr zu helfen. Sie hatte einfach dort gesessen, auf dem schlammigen
Boden einer dunklen Gasse von der sie nicht wusste, wo sie sich befand und hatte
ihn in ihren Armen gewiegt, wie eine Mutter ihr Kind wiegt.

Als sie ihn losgelassen hatte, hatte sich eine eisige, unbekannte Ruhe über
ihren ganzen Körper, ihre ganzen Sinne gelegt. Wie eine Puppe in der Hand
eine Spielers hatte sie sich fort bewegt von diesem Ort. War einfach gelaufen,
gelaufen bis sie nicht mehr konnte. Und war nach vielen Tagen in diesen Wald
gekommen. Sie wusste längst wo sie war. Wusste, wo sie entlang stolperte.

Sie befand sich im Verbotenen Wald von Hogwarts.

Sie hatte nicht geglaubt, dass sie ihn noch einmal wieder sehen würde, noch
einmal betreten würde.

Doch nun stolperte sie bereits seit zwei Tagen durch das Dickicht. Fliehend
vor unbekannten Verfolgern. Getrieben von einer unbekannten Angst, die sich
über ihrem gesamten Sein ausgebreitet hatte.

Plötzlich trat sie mit ihrem linken Fuß in eine Vertiefung im Boden, konnte
das unverkennbare Knacken eines brechenden Knochens hören, verlor das
Gleichgewicht und spürte augenblicklich einen stechenden Schmerz.

Stöhnen fiel sie zu Boden, wollte sich aus Reflex sogleich wieder
hochrappeln, blieb jedoch nach einem schmerzhaften Versuch liegen. Glücklich über die
Gelegenheit, ihrem Körper eine Pause zu geben, kauerte sie sich auf dem Boden
zusammen, wie ein kleines Tier. Verloren in der großen, weiten Welt.

Hermine hätte nicht sagen können, wie viele Stunden sie auf dem Waldboden
gelegen hatte, alles was sie wahrnahm war, dass sie mit der Zeit so
durchgefroren war, dass sie sich kaum noch bewegen konnte.
Mit großer Willensanstrengung hob sie den Kopf und sah sich zitternd um.

Wärme. Nahrung.

Ihr Instinkt hatte übernommen. Wie ein Tier begann sie willenlos vorwärts zu
kriechen. Immer weiter. Nicht aufgeben.
Als sie sich durch ein besonders dichtes Gebüsch schob und mit wilden,
Furcht überzogenen Augen umher sah, empfing sie ein neues Umfeld.
Sie war auf eine kleine Lichtung gekommen. Eine Lichtung die sie zwar nie
zuvor betreten hatte, aber doch wieder erkannte.
Harry und Ron hatten ihr von dieser Lichtung berichtet. Beinahe fünf Jahre
war das nun schon her.
Der Boden und auch die Bäume um sie her waren dicht mit Spinnenweben
überzogen. Alle paar Meter hingen unförmige Bündel herunter. Es war gruselig.
Furchteinflößend.

Aber nicht die Meter dicken Spinnenwebenteppiche waren das, was ihr Angst
einjagte. Nein, es war die Stille. Eine drückende, warnende, tote Stille, die
sich auf alles legt, alles betäubt und tötet.

Hermine blieb mitten auf der Lichtung sitzen, zu verängstigt um weiter zu
gehen.
Mehrere Minuten verstrichen bis Hermine es wagte sich zu bewegen. Langsam,
beinahe ehrfürchtig, kroch sie auf allen vieren vorwärts. Ihr ganzer Körper
war so taub das sie keinen Schmerz wahrnahm. Weiter und weiter kroch sie, immer
auf der Suche nach etwas, das sie nicht kannte.
Etwas auf der Lichtung schien sie zu rufen. Schien etwas mitteilen zu
wollen. Sie war ruhelos, kroch vor und zurück, tastete jeden Fleck Erde der
Lichtung ab und stieß auf einen Teil der Spinnenweben, der unter ihren Händen
nachzugeben schien.
Wild, wie getrieben begann sie an den Weben zu reißen, riss immer mehr
heraus und grub sich so tiefer und tiefer durch das klebrig staubige Webengewühl.

Ihr stand bereits wieder Schweiß auf der Stirn, und sie atmete so heftig,
als würden ihre Lungen bersten. Immer tiefer und tiefer. Irgendwann, als sie
beinahe aufgeben wollte, stießen ihre Hände auf etwas Neues.
Hermine konnte es kaum glauben und riss noch heftiger als vorher an den
verbliebenen Strängen, schaffte es, sie los zu reißen und brachte vor Freude
einen kehligen Laut heraus.

Wasser. Eine Quelle.

Gierig beugte sie sich herunter und schöpfte sich zitternd immer mehr Wasser
in den Mund. Ihr war, als müsse sie alles zu sich nehmen, das sie erreichen
könnte. Jeden Augenblick würde jemand kommen, es ihr wegnehmen, jeden Moment
würde es verschwinden.
Sie brauchte einige Minuten um sich selbst zu überzeugen, dass dieses Wasser
nicht geteilt werden musste. Alles war für sie allein und es würde nicht
einfach versiegen.
Sehr viel ruhiger begann sie das Wasser in tiefen, erfrischenden Zügen zu
sich zu nehmen.

Seufzend zog sie sich wieder aus dem Loch zurück, das sie gegraben hatte und
ließ sich zu Boden sinken.
Aus Hermines Kopf verschwanden die Nebelschwaden, die sich vor kurzem vor
ihren Augen auftürmten.

Als sowohl ihr Körper als auch ihr Geist zur Ruhe gekommen waren und sie
wieder rationaler denken konnte, blickte sie sich neugierig um. Schon erschien
ihr die stille Lichtung nicht mehr so gruselig wie vorher.
Aber auch der Schmerz kam zurück. Ihr Knöchel schien in Flammen zustehen.
Hermine zog vorsichtig ihre zerflederten Schuhe aus und lies den Fuß herunter
in den Bach hängen.
Die Kühle linderte ihre Schmerzen jedoch nur gering und ihr Fuß verlor
bereits nach kurzer Zeit jedes Gefühl.
Trotzdem blieb sie sitzen und ließ das Wasser ihren Knöchel umspülen.

Vorsichtig schälte sich Hermine aus ihrem zerrissenen Umhang. Traurig
befingerte sie die Abzeichen die noch immer darauf gesteckt waren.
Es erschien ihr als wäre das alles nicht mehr Teil dieses Lebens. All das
Schöne. Alles was ihr Leben lebenswert gemacht hatte erschien ihr wie ein
wunderbarer Wunschtraum. Ein Leben das sie nie gelebt hatte, vielleicht eine
dieser Prinzessinnen in einem dieser Märchen. Ihr Leben bestand nur aus Kampf,
Angst, Flucht und Hilflosigkeit.

Sie Atmete tief durch und fasste sich wieder.

Nicht jetzt!

Erst mal musste sie ihr nächstes Überleben sichern. So behutsam wie möglich
hob sie ihren Fuß aus dem Wasser und besah ihn sich genauer.
Es sah nicht allzu schlimm aus, ihr Fuß schien jedoch seltsam verdreht zu
sein.

Sie griff hinter sich und zog ihren hellbraunen, schlanken Zauberstab
hervor. Innerlich verfluchte sie sich dafür, dass sie sich vor einem halben Jahr
gegen den Medi – Magie Kurs entschieden hatte und beschwor stattdessen einige
Rollen festen Verbandmaterials, wie sie es aus Muggelkliniken kannte, herauf.
Mit großer Willenskraft brachte sie es fertig nicht vor Schmerz
aufzuschreien als sie ihren Fuß wieder in seine richtige Position brachte, und begann den
Verband straff um ihren Fuß zu binden.
Hermine war noch immer mit ihrem Fuß beschäftigt, als sie glaubte ein
Geräusch zu hören.
Sofort überkam sie wieder eine peitschende Angst und sie sah sich wild um.
Sie sah nichts. Auch hörte sie nichts mehr.
Sie schloss die Augen und lauschte noch einmal. Erneut blieb alles ruhig.
Doch Hermine hielt es nicht mehr aus.

Wie hatte sie nur so lange rumsitzen können? Was, wenn sie jetzt geschnappt
würde?

Hastig beendete sie ihre Arbeit mit dem Verband und rappelte sich, so gut es
ging auf die Füße. Rasch humpelte sie auf eine kleine Erhöhung am Rande der
Lichtung zu.
Erneut hatte sie das Gefühl, von einer unbekannten Kraft in eine bestimmte
Richtung getrieben zu werden.
Wieder begannen Nebelschwaden vor ihren Augen zu tanzen und das aufrechte
Gehen wurde unerträglich. Entkräftigt ließ sie sich auf die Knie fallen und
begann sich auf allen vieren nach vorne zu schieben.
Langsam rutschte sie die leichte Steigung herauf bis ganz nach oben und
wollte schon weiter kriechen als sie sah, dass der Boden vor ihr plötzlich steil
nach unten fiel.
Hermine schüttelte den Kopf um den Nebel zu vertreiben und sah mit großen
Augen nach unten. Die Spalte war nicht sehr tief, aber auf ihrem Grund schien
sich eine große Höhle auszubreiten.

Aragogs Höhle.

Hermine brauchte keine zwei Sekunden um sich zu entscheiden. Auch spürte
sie, dass sie, wenn sie sich nicht beeilte, bald gar nicht mehr zu
Entscheidungen fähig wäre.
Rasch sah sie sich um.
Am rechten Rand der Spalte hingen einige große, starke Wurzeln der
umstehenden Bäume herunter. Schnell kroch sie zu ihnen und griff nach der Wurzel, die
ihr am robustesten schien.
Vorsichtig setzte sie sich an den Rand des Abgrunds und griff die Wurzel
fester.
Mit dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte, schaffte sie es, sich herunter zu
hangeln.

Als sie sich auf dem Boden der Höhle niederließ, war sie schon in einer Art
Halbschlaf und sobald sie auf dem Boden lag schlief sie tief und fest.

Erneut kauerte sie sich wie ein kleines, verlassenes Tier zusammen. Doch
diesmal wurde es ihr nicht kalt. Mit der Zeit entkrampfte sie sich und bald ging
das durch Überanstrengung hervorgerufene Ausruhen in einen erholsamen Schlaf
über. Ein Schlaf voller Träume von grünen Wiesen, scheinender Sonne, einem
großen Schloss und einem Haufen Menschen, die sich um sie drängten. Zwei von
ihnen legten ihr freundschaftlich den Arm über die Schulter, und nach kurzer
Zeit lachten sie alle über vieles.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Hermine erwachte am nächsten Morgen durch das protestierende Knurren ihres
Magens.

Erholt und ausgeruht richtete sie sich auf und sah sich um. Es dauerte
einige Minuten bis ihr klar wurde, dass sie nicht im warmen, weichen Himmelbett
des Gryffindor Turms lag sondern in einer staubigen, verlassenen Höhle mitten
in einem verlassenen Wald, in dem es dank eines irrsinnigen Krieges kein
Lebewesen mehr gab und dass sie vollkommen alleine war.

Hermine erhob sich rasch bevor die Traurigkeit die Überhand gewann. Es gab
nun Wichtigeres zu tun.
Doch kaum dass sie stand, rief ihr ein pochender Schmerz am Hinterkopf und
im linken Fuß in Erinnerung, dass selbst einfachstes Aufstehen mit Vorsicht zu
behandeln war.
Langsam führte sie eine Hand an ihren Hinterkopf und befühlte die
Verletzung. Es schien eine einfach Platzwunde zu sein, die schon begonnen hatte sich zu
schließen. Aber sie wusste, dass sie die Wunde auswaschen musste. Eine
Entzündung konnte sie jetzt nicht zulassen.
Bedächtig hinkte sie zu der Wurzel, an der sie sich am Abend zuvor herab
gelassen hatte und betrachtete sie argwöhnisch.
Sie würde es nie schaffen in dieser Verfassung herauf zu klettern.

Mit einem verwirrten Seufzer ließ sie sich wieder zu Boden sinken und lie
ihren Blick das erste Mal durch die Höhle schweifen.
Alles, was mehr als drei Meter entfernt lag, wurde von der Dunkelheit
verschlungen.
Rasch tastete sie nach ihrem Zauberstab.

„Lumos!" krächzte sie. Froh über ein wenig Licht in der Dunkelheit begann
sie in die andere Richtung zu kriechen. Es müsste doch noch andere Ein- und
Ausgänge geben.

Kontinuierlich brachte sie sich weiter vorwärts.
Mit der Zeit wurde ihr klar, dass die Höhle eher ein Zusammenschluss mehrer
kleinerer Höhlen war. Es gab viele verzweigte Ausbuchtungen und, wie sie
erwartet hatte, fand sie bereits nach kurzer Zeit einen weiteren Eingang. Dieser
führte eben aus der Höhle heraus und zu ihrer Verwunderung fand sie sich
ganz in Nähe des kleinen Bächleins wieder, welches sie am vorigen Tag von den
vielen Spinnweben befreit hatte.

Froh wieder aus der Höhle zusein hinkte sie bei jedem Schritt
zusammenzuckend zum Wasser und beugte sich sogleich herunter um hastig zu trinken, bis ihr
knurrender Magen mit Wasser überfüllt war.

„Nox!" Wisperte sie ihrem Zauberstab zu. Obwohl sie wusste dass sie
vollkommen alleine war hatte sie doch immer das Gefühl das sie nicht alleine war.

Hermine setzte sich an den Rand des kleinen Loches und befreite rasch ihren
Fuß vom Verband und tauchte ihren, nun doch stark angeschwollenen Fuß ins
Wasser. Sie ließ ihren blick über die Lichtung wandern.

Was sollte sie jetzt tun?

Es stand für sie außer Frage sich auf den Rückweg zu machen. Sie müsste
zumindest warten bis ihr Fuß wieder verheilt war und das könnte dauern. Aber
selbst wenn sie gekonnt hätte, sie würde es nicht tun. Sobald sie nur daran
dachte, sich erneut dem blutigem Kämpf zu stellen, wurde ihr schlecht und sie
begann augenblicklich zu würgen.

Nein! Zurückkehren würde sie nicht. Noch lange nicht.

Sie würde ihre Freunde lange nicht wiedersehen, das war ihr klar.

Ihre Freunde. Woher sollte sie wissen, ob ihre Freunde überhaupt noch
lebten? Was, wenn jeder, der ihr etwas bedeutete bereits tot war? Was, wenn die
dunkle Seite siegen würde?

Lieber würde sie ihr restliches Leben hier verbringen als all dies auf sich
zu nehmen.

Hermine spürte, dass sie Tränen in den Augen hatte. Es war das erste Mal
seit Beginn des Krieges, dass sie sich selbst erlaubte zu weinen. Nie hatte sie
es zugelassen, sich durch solch eine Nichtigkeit aus der Ruhe bringen zu
lassen.

Jetzt aber, in diesem verlassenen Wald, am ende aller Tage, ließ sie es zu.
Langsam streckte sie sich auf den Spinnweben, die den Boden bedeckten, aus.
Als sie den Kopf vorsichtig auflegen wollte, stieß sie wider Erwarten nicht
auf den etwas klebrigen Untergrund der Spinnenweben. Nein, es war Stoff, ein
grober aber wunderbar vertrauter Stoff.

Ihr Hogwartsumhang.

Augenblicklich griff sie nach dem vertrauten Stoff und ließ ihn durch die
Finger gleiten. Als sie gegen die harten Formen ihrer alten Abzeichen stieß,
schluchzte sie leise auf.
Sie wusste nicht, wie es sein konnte, dass sie sie nicht schon längst
verloren hatte, aber hier waren sie, so glänzend und unzerkratzt wie immer.

Ihr altes Vertrauensschülerabzeichen. Das stolze, goldene V auf rotem
Untergrund.
Sie hatte sich damals sosehr gefreut, war die alte, verstaubte Treppe von
Sirius Haus herunter gestürmt, hatte das zweite in Harrys Hand gesehen und war
fest davon überzeugt gewesen, dass er der andere Vertrauensschüler war.
Sie wurde heute noch leicht rot, wenn sie an Rons traurigen, verletzten
Gesichtausdruck zurück dachte.

Ron.

Sie wühlte den Kopf tief in ihren Umhang und schluchzte noch mehr. Sie würde
nie wieder auch nur einen einzigen Gesichtsausdruck von ihm sehen. Ob
traurig oder fröhlich, verletzt oder überwältigt.
Wahrscheinlich lag er längst in ein dunkles Tuch gehüllt in einem der
unzähligen Gräber neben einem Unbekannten oder vielleicht neben einem guten Freund.
Wahrscheinlich wussten die meisten anderen Weasleys noch nicht einmal von
seinem Tod. Schon sah sie Mrs. Weasleys Tränen überströmtes, Mr. Weasleys
erschrocken weißes Gesicht vor sich. Ginny, mit zerzaust dreckigen Haaren und rot
verquollenen Augen. Bill und Charly, die sich haltsuchend aneinander
klammerten. Percy, der wie versteinert zusammengesunken auf einer Bank saß.
Die Zwillinge, sie musste beinahe lachen, da sie es nicht schaffte, einen
todtraurigen Gesichtsausdruck auf die Gesichter von Fred und George zu
projizieren. Ob sie die beiden überhaupt wieder sehen würde?

Langsam entwirrte sie sich aus dem Stoff und legte ihn glatt vor sich. Mit
einem erneuten Anflug von Traurigkeit starrte sie auf ihr rot und goldenes
Gryffindor-Abzeichen, strich mit ihrem Zeigefinger liebevoll über den
kraftvollen Löwen, der das Gebiss noch immer in einer kämpferischen Gebärde aufgerissen
hatte.

Nein, sie würde nicht mehr kämpfen. Das war für sie vorbei. Ein für allemal.

Als nächstes blieb ihr Blick auf dem neuesten ihrer Abzeichen hängen.

Schulsprecherin.

Sie hatte es damals nicht glauben können als der Brief gekommen war. Aber es
war wahr gewesen.
Sie hatte zu Beginn des siebten Schuljahres ihre Tätigkeit als
Schulsprecherin begonnen. Mit ihrem besten Freund an ihrer Seite.
Es hatte sie nicht verwundert, dass Harry ihr Gegenstück geworden war. Ganz
und gar nicht. Ron hatte sie beide in den ersten Wochen wie Könige behandelt,
es aber nie geschafft dabei eine ernste Miene zu behalten.
Und wieder konnte Hermine nichts gegen die aufkommenden Tränen tun. Sie
kuschelte sich in ihren Umhang und stellte sich vor, dass jeden Augenblick ihre
Mutter zur Tür herein kommen und sie in den Arm nehmen würde um sie zu
trösten. Doch niemand kam, und es würde niemand kommen. Niemand für eine lange,
lange Zeit.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Sie lief über eine Wiese. Ein Meer aus roten, blauen und gelben Blumen umgab
sie. Lachend sah sie sich um. Zwei Personen folgten ihr.

„Warte Hermine! Wir müssen dir folgen. Du kannst doch nicht einfach so
rennen." Rief ihr der eine zu. Er hatte scheinend rote Haare und eine gute Portion
Sommersprossen im Gesicht.

„Genau Hermine, wir dürfen dich doch nicht verlieren." Lachte der andere.
Seine pechschwarzen Haare standen in einem harten Kontrast zu den bunten Blumen
im Umfeld. Auch konnte sie die feinen Linien einer Narbe auf seiner Stirn
erkennen.

Sie musste noch mehr lachen. Sie kannte diese Personen. Kannte sie seit
ihrer Kindheit, dessen war sie sich sicher. Aber trotzdem wollten ihr die Namen
nicht einfallen. Alles schien ihr Irrwitzig und unlogisch. Als hätte all das
nichts mit ihr zutun. Als sei sie die falsche Person.

Sie musste immer mehr lachen und bemerkte wie die beiden Jungen immer mehr
zurück blieben. Aber sie konnte, sie durfte nicht aufhören zu rennen. Auch die
Jungen lachten immer mehr doch schien es ihr unwirklich.

Plötzlich schien sie in die Höhe gehoben zu werden immer höher bis sie auf
die Szene herab blicken konnte.

Der schwarzhaarige Junge hatte sich ins Graß geworfen. Eine neue Person die
sie vorher noch nicht gesehen hatte erschien neben ihm. Ein schönes, junges
Mädchen mit glattem rotem Haar. Wie das des Jungen. Sie mussten Geschwister
sein. Schoß es ihr durch den Kopf. Weshalb sie sich so sicher war wusste sie
nicht.
Das Mädchen beugte sich lächelnd zu dem Jungen herunter und gab ihm einen
Kuss. Sie schienen sehr glücklich.
Sie lies sich auf dem Schoß des Jungen nieder und sie sahen einander
verliebt an.

Am andern Ende der Wiese erschienen jetzt neue Personen.

Ein etwas wild aussehender Mann mit schwarzen Haaren und einem lachen das
stark an das Bellen eines Hundes erinnerte führte ein weiteres Paar auf die
Wiese. Der Mann und das Paar gesellten sich zu dem Jungen und dem Mädchen.
Der Junge mit der Narbe sah einem der Männer verblüffen ähnlich. Auch er
hatte dieses seltsam verstrubbelte Haar.

Alle schienen glücklich.

Nur der Junge mit den roten Haaren beobachtete sie mit traurigen Augen.

Hermine schaffte es sich ihm zu nähern. Er schien sie nicht wahr zu nehmen.
Schließlich stand sie direkt vor ihm doch er starrte nur in die Ferne. Sie
konnte Tränen in seinen Augen sehen und fragte sich besorg was mit ihm los war.

Langsam griff er ins innere seines schwarzen Umhangs und zog etwas hervor.
Hermine beugte sich darüber und erkannte verblüfft ein Foto. Ein Foto mit
dem selben Jungen. Er strahlte geradezu und hatte den Arm um ein Mädchen gelegt
die ihn skeptisch angrinste.
Hermine erkannte mit schrecken dass das Mädchen auf dem Foto sie selbst war.


Plötzlich wurde ihr klar wer vor ihr stand. Wer dort im Graß saß und sich
unterhielt.

Sie wirbelte herum. Die zwei Pärchen und der Mann hatten sich erhoben und
kamen auf sie zu. Alle hatten nun einen traurigen Ausdruck. Der Mann winkte ihr
betrübt zu.

„Sirius?!" Brüllte sie fast und machte einen verwirrten Schritt auf ihn zu.
„Harry? Ginny?" beide lächelten sie an. Ginny hatte ebenfalls Tränen in den
Augen.
„Mrs. ... Mrs. Potter? Mr. Potter?" beide nickten und Hermine spürte eine
seltsame Schwere. Dies waren Harrys Eltern. Und Ron war ebenfalls hier.

Langsam drehte sie sich um. Ron sah sie nun an. Schien sie nicht mehr zu
übersehen.

„Es ist nicht gut dass du hier bist, Hermine." Sagte er ernst.
„Du darfst dir nicht wünschen hier zusein. Nur weil wir hier sind." Hermine
sah ihn verwirrt an.
„Du musst weiter kommen Hermine. Es ist nicht wichtig was mit uns passiert
ist. Es ist vorbei und es ist gut so. Wir sind nur hier, weil du es dir
wünscht."

Hermine versuchte zu sprechen, merkte aber das es ihr nicht möglich war. Sie
sah sich verwirrt nach den anderen um. Sie nickten nur beistimmend. Ginny
trat jedoch vor.

„Es tut mir leid Hermine das du soviel schrecken erleben musst, aber es wird
vorüber gehen. Du wirst dein Glück finden. Wie wir alle es gefunden haben.
Viel Glück Hermine. Du bist die beste Freundin die jemals hatte. Es tut mir
leid dass alles so gekommen ist. Gib nicht auf! Das darfst du nicht. Nicht
jetzt." Damit umarmte sie Hermine kräftig und trat wieder zurück neben Harry, der
sie kurz an sich drückte bevor auch er vortrat.

„Hermine. Ich bin Glücklich dich noch einmal zu sehen. Selbst auf diesem
Weg. Ich werde dich vermissen, aber Ginny hat Recht, du darfst nicht aufgeben.
Ich habe getan was von mir verlangt wurde, jetzt bin ich glücklich. Ich habe
Ginny und ich habe endlich meine Eltern. Denk bitte immer daran, Hermine. Ich
liebe dich. Du wirst immer meine beste Freundin sein. Gib nicht einfach auf.
Bitte!" auch Harry umarmte sie und trat dann zurück.

Sirius war vorgetreten. James und Lily neben ihm. Er grinste sie an.

„Nun schau dir das an, Hermine. Jetzt habe ich dir soviel von James erzählt
und dachte du würdest ihn nie kennen lernen. Das Schicksal hat seltsame Wege.
Aber ich kann nur wiederholen was mein Patensohn und seine Frau bereit
gesagt haben. Gib nicht auf. Du hast zu viel Kraft in dir als das du sie einfach
wegwerfen könntest! Wer soll diesen Deppen im Zaubereiministerium denn den
Marsch blasen wo wir nicht mehr da sind?" Er grinste noch mal und drückte sie
kurz in einer Bärenumarmung an sich.

„Wir möchten dir danken dass du unserem Sohn immer so loyal zu Seite
gestanden hast." Lily Potter sprach jetzt, doch ihr Mann viel ihr ins Wort.
„Obwohl man sich doch fragt ob er jemanden wie dich überhaupt verdient hat.
Bei dem was er immer angestellt hat." Er grinste sie verschmitzt an und fing
sich einen Stoß in die Rippen sowohl von Sirius als auch von Lily ein.
„Bitte, achte auf dich. Auch wenn es zu Beginn schwer ist. Auch dir wird
bald Hilfe zukommen. Denk daran. Es geht nicht nur um uns hier. Ich bedauere
sehr dass wir uns nie richtig kennen gelernt haben. Viel Glück" sowohl Lily als
auch James Potter beugten rasch die Köpfe und gesellten sich dann wieder zu
ihrem Sohn.

„Hermine!" Hermine drehte sich rasch um und sah, dass Ron auch näher
getreten war.
„Ich danke dir dass du dich auch nach meinem Tod so um meinen Körper
gekümmert hast. Es hat gut getan zu sehen dass man mich nicht einfach vergessen hat.
Bitte, ich weis es wird schwer für dich. doch denk daran, wir werden immer
an dich denken." Auch Ron warf seine Arme um sie. Doch noch bevor er sich
wieder von ihr löste begann sich alles um Hermine zu drehen. Langsam löste sich
die Wiese auf und auch ihre Freunde rückten immer weiter in die Ferne.

Sie schrie, wollte ihre Freunde nicht verlassen. Doch niemand hörte sie. Es
wurde dunkel. Pechschwarz.

Hermine sah sich angstvoll um. Wieder überkam sie die alte Gehetztheit. Sie stolperte durchs Dunkel. Links, rechts. Weiter nach vorne, wieder zurück. Plötzlich hörte sie ein rascheln neben sich. Sie wirbelte herum. Wollte rennen, konnte es nicht. Wollte schreien, brachte keinen Ton heraus.

Wieder ein rascheln, ein leises stöhnen.

Sie wollte nicht mehr. Wollte raus. Hatte Angst. Die Dunkelheit drückte tief auf sie herab.

Sie konnte nicht mehr atmen. Ihr wurde schwindelig. Alles drehte sich.

Mit einem entsetzten Schrei fuhr Hermine hoch. Sie sah sich gehetzt um. Keine Wiese mit blühenden Blumen, aber auch keine pechschwarze Dunkelheit umgab sie. Es war das einfache tief dunkle Zwielicht des Waldes. Aber das rascheln hatte nicht aufgehört. Nein, sie hörte es schon wieder. Ein schleifendes Geräusch, gefolgt von einem leisen, schmerzvollen Stöhnen.

Hastig rappelte sie sich hoch. Und wollte schon fliehen. Sie hätte es wissen müssen. Sie hätte nicht so lange dort bleiben sollen. Ihr Magen wurde eiskalt. Ihr war übel. Sie hastete einige Schritte vorwärts, konnte aber nicht aufrecht bleiben, fiel hin. Unwillkürlich begann sie zu würgen. Sie konnte sich nicht erinnern das ihr jemals so übel gewesen war.

Schon wieder das knacken kleiner Zweige. Näher diesmal.

Hermine konnte es nicht länger unterdrücken, sie erbrach sich und konnte grade noch verhindern in ihr eigenes Erbrochenen zu fallen, als ihr schwarz vor Augen wurde.

***************************************

#+#+#+# distelMalfoy

  +

  +

  +

  +

  +

  +

+++

 ++

  +              REVIEWEN!!!!!! Dankeschön!!!*g*