Uploaded: 1. Juni 2004

Titel: Der Blick nach Osten

Fanfiction: Lord of the Rings

Rating: PG-13

Teil: 1/3

Pairing: Éowyn/Faramir

Disclaimer: Alle Figuren und Orte, die in "Herr der Ringe" erwähnt werden, gehören J. R. R. Tolkien und nicht mir. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Anmerkungen des Autors: Dieser erste Teil von insgesamt dreien hört sich vielleicht etwas nacherzählt an, aber das kann ich nicht ändern, da ich diese Geschichte darüber, wie sich Éowyn und Faramir kennengelernt haben, handeln lassen möchte und dafür brauchte ich Éowyns Vorgeschichte, bevor sie in die 'Häuser der Heilung' gebracht wurde. Ich habe hierbei die Handlung im Film und im Buch etwas vermischt, ich hoffe, es stört niemanden. Und jetzt: Enjoy :-). Ich würde mich über Lob sowie auch über Kritik sehr freuen!

Der Blick nach Osten

Die Ruhe vor dem Sturm war nun endgültig vorbei, die Schlacht hatte begonnen. Nun gab es kein Zurück mehr, selbst wenn sie den Wunsch gehabt hätte zu fliehen, wäre es ihr längst nicht mehr möglich gewesen.

Um sie herum drängten sich hunderte, nein, sogar tausende von Pferdeleibern. Sie beide waren nun ein Teil der Armee, Théodens Armee, die zur Schlacht auf dem Pelennor ritt und Gondor zu Hilfe kam, obwohl sie im Grunde gar nicht hierher gehörten. Dernhelm und sein kleiner Freund oder besser Éowyn, die Schildmaid Rohans und Meriadoc Brandybock aus dem Auenland.

Sie sah über den Helm, den der Hobbit aufhatte auf die große Ebene vor ihnen, die sich nun stetig mit gepanzerten Reitern füllte. Nachdem diese Schlacht vorüber war, würde hier wohl sehr lange kein saftiges Gras mehr wachsen. Wenn sie unterliegen sollten, würde in ganz Mittelerde nie wieder etwas so schönes wie grünes, saftiges Gras existieren, sondern nur braune, vertrocknete Halme.

Doch daran durfte sie im Moment nicht denken, sie war hier, um genau wie Merry für alles zu kämpfen, was sie liebte - für Éomer, Rohan, Théoden und...Aragorn. Aragorn, der sich gestern abend einfach davongemacht hatte, ohne ihr ein Wort zu sagen. Es war Zufall gewesen, dass sie ihn noch kurz hatte sprechen können, doch nun wünschte sie sich, dieses Gespräch hätte nie stattgefunden.

Sie liebte einen Schatten, eine Idee - mehr nicht. Das waren seine Worte gewesen. Ihr war klar, dass er Arwen liebte, diese Frau, diese Elbin, von der er das schöne Schmuckstück hatte, dass er immer um den Hals trug. Doch tief in ihrem Inneren gab es immer noch diesen kleinen Hoffnungsschimmer, schließlich war Arwen nun weit weg und sie, Éowyn, war bei ihm und stand ihm in dieser schweren Stunde zur Seite. Aragorn mochte sie und das brach ihr das Herz. Er hätte sie genauso gut hassen können, sie würde den gleichen Schmerz empfinden, den sie jetzt empfand, da er nur ihre Freundschaft wollte, sonst nichts.

Die Schildmaid Rohans hatte die Bekanntschaft eines Fremden gemacht, der sie so akzeptierte, wie sie war, der bis jetzt als einziger Mensch, außer ihrem Bruder Éomer verstand, dass auch sie würdig genug war, um eine Waffe zu tragen und sie auch zu benutzen. Sie war fähig zu kämpfen und würde das auch tun.

All die Jahre, in denen Grima Schlangenzunge immer mehr Einfluss auf ihren Onkel und König - Théoden - gewonnen hatte, hatte sie im Dunkel gedämmert, da sie ihn nicht vom Einfluss Grimas befreien konnte, doch mit der Hilfe der Fremden aus den verschiedensten Teilen Mittelerdes, mit der Hilfe eines Elben, eines Zwergs, eines Waldläufers aus dem Norden und mit der Hilfe Gandalf des Weißen war es schließlich gelungen, Sarumans Macht, die Grima für ihn ausübte zu brechen und Théoden war wieder der Herrscher von Rohan, den sie alle gekannt und geschätzt, ja sogar geliebt hatten.

Sie war wie eine Pflanze, die das Licht der Sonne nötig hat, im Schatten gestanden und hilflos, ja sogar wehrlos gewesen. Natürlich hatte sie sich um ihren Onkel gekümmert, aber sie hatte ihn nicht zu heilen vermocht, das war erst durch Gandalf gelungen. Der weiße Zauberer hatte König Théoden von dem schwarzen Schatten befreit, der sich über ihn gelegt hatte und damit der Schildmaid Éowyn unwissentlich den Anfang eines neuen Lebens geschenkt.

Das neue Leben, dass nun vielleicht zu Ende gehen würde. Doch sie empfand keine Angst, sie war sich der Gefahr bewusst, sie suchte diese Gefahr.

Auch Théoden ritt in diese Schlacht und ihr Onkel war immer so etwas wie ein Vorbild für sie gewesen. Seit ihr Vater nicht mehr unter den Lebenden weilte, hatte sich ihre Bewunderung auf König Théoden verlagert, denn dieser Mann hatte viele Gemeinsamkeiten mit ihrem Vater.

Er schien sehr wohl zu verstehen, dass sie nicht bereit war, das Leben einer einfachen Frau aus Rohan zu führen, er schien zu verstehen, dass sie sich nicht nur zu verteidigen wusste, sondern dass sie auch kämpfen, auch angreifen konnte. Weshalb sonst hätte er sie als seine Nachfolgerin bestimmt, da er wusste, dass dies die letzte Schlacht war, in die er ritt. Da Théodred tot war, hatte er die Person ausgewählt, die ihm am fähigsten erschien, Rohan zu schützen und vor Gefahren zu verteidigen - sie, Éowyn.

Doch auch Théoden wusste nicht alles, er wusste nicht, dass auch sie nun in die Schlacht reiten würde, um dort den Tod und sogleich auch endlich die Erlösung von all ihren Qualen, seelischen wie auch körperlichen, die ihr ohne Zweifel in der Schlacht zugefügt werden würden, zu finden. Théoden hätte das auch nicht zugelassen, genau wie Éomer, der sie und den Hobbit, der nun vor ihr auf dem Pferd saß , mit seiner Aussage, sie beide sollten wohl lieber im Lager bleiben, schwer gekränkt hatte.

Doch Éomer und Théoden konnten sich ebenfalls nicht vorstellen, dass es Männer in Rohan gab, die sich nichts daraus machten, für ihr Volk und ihr Land zu kämpfen, die lieber an ihren warmen Herdfeuern geblieben wären, anstatt Frau und Kinder zu verlassen und mit ihrem Herrn in den sicheren Tod zu reiten. Sie waren hier und schlotterten wahrscheinlich schon beim Anblick der Waffen ihrer Feinde mit den Knien. Und ihr sollte es versagt bleiben, zu kämpfen, wo sie mehr Mut besaß als einige der tapfer aussehenden Reiter Rohans?

Auch die Bewohner Rohans mussten anscheinend noch lernen, dass Tapferkeit nicht davon abhing, welches Geschlecht eine Person hatte oder ob sie noch so klein war. Da sie nun nicht mehr weit von Minas Tirith entfernt waren, war die Nervosität der Männer deutlich zu spüren. Das wirkte sich auch auf die beiden so ungleichen Personen aus, die zu zweit auf einem braunen Hengst saßen. Jederzeit konnte einem der Männer, die neben ihnen ritten, auffallen, dass der Hobbit nun doch mit in die Schlacht reiten wollte und wenn Merry enttarnt wurde, waren auch Éowyns Pläne verloren.

Sie waren gemeinsam losgeritten und würden auch gemeinsam ankommen, wo auch immer es sein würde. Sehr sicher würden sie gemeinsam in den Tod reiten, Éowyn spürte, dass der Hobbit vor ihr unmerklich zitterte, auch er musste Angst haben, aber er fühlte sich, genau wie sie, verpflichtet, für seine Freunde zu kämpfen, zu kämpfen, um den Fall von Minas Tirith zu verhindern, um Saurons Streitmacht wenigstens etwas zu schwächen und vielleicht auch für einige Zeit lang außer Gefecht zu setzen.

Das Geräusch der vielen Pferdehufe, die über den Boden der Ebenen, durch die sie ritten, donnerten, machte eine Unterhaltung vollkommen unmöglich, doch Merry und sie verstanden sich auch ohne Worte. Sie hatte ihn am Abend vor der Schlacht ermutigt, seinen Wert für die Gemeinschaft zu erkennen und mitzukämpfen. Durch ihre Worte hatte er das erste mal erfahren, was es hieß, ein Risiko einzugehen, ja vielleicht sogar in den Tod zu reiten, um seinen Freunden zu helfen. Natürlich bestand eine enge Verbundenheit zwischen seinem besten Freund Pippin, dessen Vetter Frodo und Sam, aber er hatte sich nie die Frage gestellt, ob ihre Freundschaft so stark war, dass er auch für die anderen sterben würde. Nun wusste Merry es.

Auch wenn dies hier die letzte Tat des kleinen Hobbits aus dem Auenland war, es würde eine große Tat werden und wenn er schon sterben musste, dann würde er zusammen mit seinen Freunden sterben, denn Legolas, Aragorn und natürlich Éowyn waren bei ihm. Er wünschte sich nur mehr als alles andere, Pippin wenigstens noch ein letztes mal zu sehen. Gandalf war vor vielen Tagen mit ihm fortgeritten und damals war es Pippin nicht gut gegangen, da er unerlaubter Weise in Sarumans Palantir geblickt hatte und schreckliche Dinge gesehen haben musste.

Merry war zu Tode erschrocken und völlig panisch gewesen, da er seinen langjährigen Freund noch nie so gesehen hatte, es schien, als ob er all das, was seine Art ausgemacht hatte, seine unerschütterliche Fröhlichkeit, Herzlichkeit und Güte verloren hatte.

Auch dafür würde er kämpfen, er würde mit der Hoffnung kämpfen, dass vielleicht wieder alles so werden konnte wie vor dem zweiten Ringfund. Er wollte sein glückliches Leben im Auenland mit all seinen Freunden und Verwandten wieder, mehr wollte er nicht. Doch auf der gefährlichen Reise, die nun ihr Ende gefunden hatte, war er auch vielen freundlichen und vor allem bewundernswerten Personen begegnet und hatte neue Freunde gefunden. Die erstaunlichste neue Freundin ritt hinter ihm auf einem Pferd in die Schlacht, um der Stadt Minas Tirith zu Hilfe zu eilen.

Das Geräusch der Pferdehufe kam langsam zur Ruhe und die riesige Armee stoppte einige hundert Meter vor der weißen Stadt Gondors, Minas Tirith. Éowyn sog erschrocken die Luft ein, als sie den Zustand der Stadt vor Augen geführt bekam. Die einst so strahlend weiße Stadt zeigte nun zahlreiche Löcher in den starken und soliden Mauern, viele Teile der Stadtmauer, die sich in Ringen um jeden Teil der Stadt schlängelte, die kreisförmig in mehreren Etagen hoch in die Lüfte hinaufreichte, waren von Feuer versengt und deshalb verkohlt. Dunkelheit, wo Licht herrschen sollte.

Schwarz an der Stelle von weiß. Sah so auch ihrer aller Zukunft aus? Éowyn wusste es nicht, sie wusste nur, dass sie dies um jeden Preis verhindern mussten.

Es begann. Merry und Éowyn waren es sich beide noch nicht bewusst, da sie immer noch von Aragorns Rede ergriffen und gestärkt waren, doch es begann bereits. Die ersten Reihen der Reiter rückten vor, immer näher an die abscheulichen Kreaturen, die Mordor da ausgespien hatte, um Mittelerde in Dunkelheit zu tauchen, angefangen mit der weißen Stadt. Wenig später hatte Éowyn all ihre Gedanken verdrängt, sie war wie in einem Rausch gefangen, ihr einziges Ziel war zu überleben, sich zu verteidigen und zu kämpfen.

Um sie herum ertönten Schmerzensschreie, Schwerter und auch andere Waffen, schlimmere Waffen, mit Widerhaken versehen, bohrten sich durch so manchen Harnisch, doch darüber und über den Gestank, der auf diesem riesigen Schlachtfeld herrschte, konnte sie sich keine Gedanken machen.

Um sie herum herrschten Tod, Leid und Vernichtung. Doch sie hätte dem entgehen können, wenn sie es gewollt hätte. Nun war sie hier und würde das tun, weshalb sie so viele Mühen auf sich genommen hatte.

Plötzlich bemerkte sie, wie ein Schaudern durch die Reihen der Kämpfenden ging und sah wie die anderen zum Himmel. Dort waren die Neun, die Nazgûl aufgetaucht, die nun mit ihren riesigen, geflügelten Reittieren über dem Geschehen kreisten und wie plötzlich zuschlagende Naturgewalten herabstürzten, um zahlreiche Reiter mit sich zu nehmen und wenig später in den Tod stürzen zu lassen. Als sie einen Schrei hörte, wandte sie sich um und erkannte zwischen der kämpfenden Masse, nicht weit weg von sich, ihren Onkel Théoden.

Er war von einem der Ringgeister mitsamt seinem Pferd umgeworfen worden und sein treues Ross lag nun halb auf ihm, unfähig sich zu rühren, sodass der Herr über Rohan unbeschreibliche Qualen durchleiden musste. Éowyn begann unverzüglich auf ihn zuzugehen, schon vor einer Weile hatten sie und Merry ihr Pferd verloren und momentan wusste sie auch nicht, wo Merry sich befand, doch so schnell sie konnte näherte sie sich nun Théoden.

Kurz bevor sie bei ihm angelangt war, spürte sie, dass sich etwas Großes ihrem Onkel näherte und sah abermals gen Himmel. Was sie dort sah, verschlug ihr einen Moment den Atem. Es war der Hexenkönig von Angmar. Der Oberste der Nazgûl landete nicht weit entfernt von König Théoden und schritt langsam auf den nun wehrlosen Mann zu.

Doch dann warf sich Éowyn im letzten Moment mit gezogenem Schwert zwischen den Hexenkönig und ihren Onkel. Die Kreatur durfte hier auf keinen Fall vorbeikommen, sie liebte ihren Onkel wie ihren Vater, den sie schon früh, viel zu früh, verloren hatte, sie konnte nicht zulassen, dass Théoden nun auch Leid zugefügt wurde. Sie bemerkte den überraschten Blick, der sie aus den schwarzen Augen, die hinter dem Helm zu lauern schienen, traf.

Er war es nicht gewöhnt, dass man sich ihm in den Weg stellte. Dieser kleine Soldat war wohl lebensmüde, anders konnte er es sich nicht erklären, es musste jedem klar denkenden Wesen einleuchtend sein, dass man, wenn man sich dem Hexenkönig von Angmar in den Weg stellte, nur mit dem eigenen Leben bezahlen konnte. Und da dieser unwürdige Mensch auch noch sein treues Reittier getötet hatte, würde er ihn vernichten.

„Du Narr! Kein Mann kann mich besiegen!"

Der Nazgûl lies ein schreckliches Lachen hören, doch zu seinem Erstaunen beeindruckte das den Soldaten vor ihm ebenfalls nicht.

Éowyn nahm den Helm ab und lies ihn zu Boden gleiten. Ihr Blick bohrte sich geradezu in den des Hexenkönigs vor ihr. Sie hob ihr Schwert, vielleicht das letzte mal.

„Ich bin kein Mann!"

Mit diesem Ausruf plazierte sie einen schrecklichen, kraftvollen Hieb in die Augenlöcher des Helms des Nazgûl. Sie schrie auf, als ein unsagbarer Schmerz ihren Arm durchdrang und sich in ihrem gesamten Körper ausbreitete, sodass sie zu Boden fiel. Um Éowyn wurde es dunkel.

Gleichzeitig mit ihrem Hieb war Merry, der das Geschehen schon vor einer Weile beobachtet hatte, vorgestürmt und hatte einen zweiten, nicht minder kraftvollen Hieb in die Waden des Hexenkönigs ausgeführt. Auf dem Boden liegend und vor Schmerzen wimmernd, sah er, wie die Kreatur vor ihm buchstäblich in sich zusammenfiel.

Sie hatten es geschafft. Sie hatten das Böse besiegt. Doch zu welchem Preis? Mit seiner letzten Kraft kroch der Hobbit zu König Théoden hinüber und sah mit einem Blick, dass dieser im Sterben lag, das nichts und niemand ihn mehr retten konnte.

Tränen liefen dem Hobbit über die Wangen, als er noch ein letztes mal mit Thédeon, seinem Herrn sprach, der schließlich die Augen schloss und in eine bessere Welt hinüberglitt.

Er hatte nicht erfahren, wer ihn so tapfer verteidigt hatte und das schmerzte Merry noch viel mehr als sein eigener, verwundeter Körper.