Disclaimer: Ich bin der Erfinder von allem hier, deswegen habe ich so viel Geld und Zeit, dass ich hier auf ffnet schreibe, um euch alle zu ärgern, während ihr auf den sechsten Band wartet. ... Ok, ok, das war gelogen. Mir gehört nichts, ich bin nicht JKR und ich schreibe nur zu meinem Vergnügen. Viel Spaß!

Inhalt: Es geht um Harry und die Malfoys, mehr wird nicht verraten.

A/N:

Ich muss gestehen, dass ich die deutschen Bücher nie gelesen habe. Ich habe einige Wörter nachgeschlagen, aber schließlich beschlossen, bei den englischen Bezeichnungen für Namen und Plätze zu bleiben, da ich nicht weiß, was alles geändert wurde. Hermione ist also weiterhin Hermione usw. Wenn das bei einigen Begriffen Probleme macht, versuche ich die Übersetzung herauszufinden und schreibe eine Fußnote, aber ich will nicht extra dafür die deutschen Bücher lesen, sorry.

Ich versuche, alle ein- bis zwei Wochen das nächste Kapitel ins Netz zu stellen.

Diese Geschichte wurde vor Erscheinen des sechsten Bands geschrieben. Alles was wir im sechsten Band erfahren, insbesondere über Snape, Voldemort und Blaise Zabini, ist hier nicht Fakt. Die Geschehnisse einer bestimmten Erinnerung haben nie stattgefunden.

Genug Gerede, hier ist die Geschichte:

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Schatten der Wahl

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1. Der Anfang

Es war früher Mittag. Die Sonne stand hoch am Himmel, aber nur wenige ihrer Strahlen fielen zwischen unzähligen schiefen Dächern und Vorsprüngen hindurch auf den Boden der Morgulsgasse. Hier unten, wo die Bewohner dieses Ortes ihren Beschäftigungen nachgingen, war es dunkel wie in der schwärzesten Nacht. Schwach erleuchtete Straßenlaternen warfen ihr flackerndes Licht auf verhüllte Gestalten, die hastig in den Schatten verschwanden. Es war still. Eine fast unheimliche Stille, zerbrochen nur durch leises Zischen und Flüstern, dessen Ursprung sich nicht ausmachen ließ. Es war, als fürchteten die Sprecher mit lauteren Worten etwas aufzuwecken, was in der Dunkelheit zwischen den verfallenen Steinhäusern lauerte.

Plötzlich kam Unruhe auf. Eine dunkle Gestalt war zwischen den Häusern aufgetaucht. Es war sofort ersichtlich, dass dies ein Fremder war, jemand der nicht an diesen Ort gehörte. Der Besucher bemühte sich nicht, sich in den Schatten zu verstecken. Er bewegte sich mit arrogantem Selbstbewusstsein an den dunklen Hauseingängen und Seitengassen vorbei und schien sich nicht darum zu kümmern, was sich in den finsteren Kellerlöchern, die seinen Weg säumten, verbergen mochte. Die Kapuze seines dunklen Mantels war tief ins Gesicht gezogen und verbarg seine Züge vor den Blicken der anderen. Entweder bemerkte er das unwillige Raunen nicht, das ihm folgte, oder er ignorierte es.

„Nimm dich in Acht, Menssschling.", zischte ein Kobold, und griff mit klauengleichen Fingern nach seiner Robe.

Der Fremde wich ihm mit überraschender Gewandtheit aus und ging ohne ihn zu beachten weiter. Das Kichern von einigen Goblins und Halbelfen folgte ihm, zusammen mit abschätzenden Blicken gelber Wertieraugen und vielleicht dem eines älteren Vampirs. Nur selten fand ein Mensch seinen Weg in die dunklen Abgründe der Morgulsgasse, noch seltener fand er seinen Weg wieder hinaus.

Dieser jedoch hatte etwas an sich, was die Wertiere sich abwenden und die Vampire in den Schatten verschwinden ließ. Eine dunkle Aura, die Furcht in ihrem tiefsten Inneren wach rief und sie zurückweichen ließ, auch wenn sie nicht wussten, warum. Nur die weniger dunklen der Kreaturen waren ignorant genug, ihn mit ihrem Abscheu und Spott zu verfolgen, aber sie konnten wenig Schaden anrichten.

Der Fremde blieb an einer der dunklen Seitengassen stehen und hob den Kopf, so als lausche er auf etwas. Einige Minuten vergingen, dann beugte er sich etwas vor.

„Ich hoffe, es gibt einen guten Grund, mich hierher zu rufen, Darmal."

Seine Stimme war eisig, ohne jede Wärme. Ein Schatten löste sich aus der Gasse und graue Augen betrachteten den Besucher mit Herablassung.

„Du bist es, der etwas von uns will, wenn ich mich nicht irre."

Beide ignorierten das Wispern um sie herum, als die anderen sich des Schatten bewusst wurden. Seine weißen Haare stachen deutlich von seiner dunklen Haut ab. Er hätte ein Mensch sein können, wären da nicht sein unnatürlich schlanker Körper, die zu hohen Wangenknochen und die spitz zulaufenden Ohren, unverwechselbare Merkmale der Elben. Spinnengleiche Finger nestelten an seiner Robe und zogen eine Pergamentrolle hervor.

„Ist es nicht dies, was du suchst?" Der Elbe klang herablassend. Seine Augen, deren Pupillen und Iris wirkten, als seien sie aus geschwärztem Quecksilber, waren nicht auf seinen Gesprächspartner gerichtet, sondern betrachteten die Gasse hinter ihm. Es war offensichtlich, dass er sich dem Fremden als überlegen erachtete.

Eine beringte Hand schloss sich abrupt um die Pergamentrolle und riss sie Besitz ergreifend, fast gewalttätig aus der ausgestreckten Hand.

„Lange genug."

Der Elbe lächelte spöttisch und hielt die Hand auf. Ein Lederbeutel wurde abfällig hineingestoßen. Der Elbe öffnete ihn und sein Lächeln verstärkte sich.

„Fein. Ich hoffe, du wirst glücklich mit deinem Erwerb, MENSCHLING."

Das Lachen des Elben klang noch eine Weile nach, nachdem er in den Schatten verschwunden war. Der Fremde verharrte einen Augenblick, dann drehte er sich abrupt um und verließ den Ort mit wehendem Mantel.

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Ein lautes Krachen ließ Narcissa zusammenzucken. Aus den Augenwinkeln sah sie das Schimmern blonder Haare vom Kopf der Treppe, das schnell wieder verschwand. Sowohl sie als auch Draco wussten es besser, als Lucius in die Quere zu kommen, wenn er in dieser Stimmung war. Er tobte nun schon seit Stunden. Sie hoffte nur, dass wenigstens einige Sachen in seinem Studierzimmer noch ganz waren. Vorsichtig trat sie zu der Tür und öffnete sie.

Sie traf auf ein Bild der Verheerung. Der Schreibtisch war umgeworfen und die Tintenfässer zerbrochen. Die Stühle waren zerschlagen und die Bücher aus den Regalen gefegt. Inmitten all dessen lehnte außer Atem ihr Ehemann. Selbst mit wirren Haaren und zerknitterter Kleidung gelang es ihm noch, aristokratisch auszusehen. Narcissa hätte es bewundert, aber ihre Schockierung überwog. Er hatte Wutanfälle, aber so schlimm war es seit... nun, wenn sie darüber nachdachte, seit fünfzehn Jahren nicht gewesen.

„Warum?", schrie er, in einer völlig untypischen Art von Selbstmitleid, und hieb seine Faust gegen die Wand.

Narcissa verzog angewidert das Gesicht. Sie hasste es, wenn er Schwäche zeigte.

„Dreimal!", fuhr er leiser fort. „Dreimal nur! Wird es denn niemals aufhören, mich zu verfolgen?"

Narcissas Augen weiteten sich, als sie begriff, wovon er redete. Ihr Blick huschte über das Durcheinander von Büchern und Tinte auf dem Boden und blieb schließlich an zwei Stücken einer zerrissenen Pergamentrolle haften. Alles in ihr schrie danach, sie aufzuheben, aber sie wagte es nicht, einen weiteren Schritt in den Raum hinein zu gehen.

„Ist es..." Sie schluckte. „Ist es das, was ich denke dass es ist?"

Lucius starrte sie an, dann lachte er plötzlich. Ein Lachen, das sie zutiefst erschreckte. Es klang beinahe... wahnsinnig.

„Ist es das, was du denkst, Liebling?", wiederholte er ihre Frage spöttisch. „Oh, ich bezweifle es, ich bezweifle es ZUTIEFST."

Er bückte sich plötzlich, griff nach den Pergamentstücken und warf sie in einer fließenden, wütenden Bewegung ins Feuer.

„Es ist nichts.", zischte er. „Nichts. Das ist nicht mein Blut!"

„Nein!", schrie Narcissa, und sprang ohne zu denken vorwärts. „Accio!"

Die Pergamentstücke stoppten ihren Flug kurz über den gierigen Flammen und sausten in ihre ausgestreckte Hand. Lucius fuhr zu ihr herum und seine Augen verengten sich.

„Was fällt dir ein?"

Narcissa erstarrte, als ihr klar wurde, was sie getan hatte, dann stolperte sie hastig rückwärts. Sie war zu langsam. Lucius' Hand traf sie ins Gesicht, hart, und sie fiel und rutschte einige Meter auf dem glatten Steinfußboden. Hastig kam sie auf die Füße und rannte. Sie hatte nur einen Gedanken: das Pergament, das ihre Hand umklammerte, schützend an ihre Brust gepresst. Sie erwartete seine Schritte hinter sich und war überrascht, als sie nichts hörte. Halb auf der Treppe drehte sie sich um und sah Lucius in der Tür stehen. Sein Gesicht war wutverzerrt und seine rechte Hand umklammerte den linken Unterarm. Sie seufzte vor Erleichterung. Er murmelte etwas, dann wandte er sich ab und eilte aus dem Haus. Narcissa schloss die Augen und fuhr unbewusst mit dem Finger über ihre Wange, wo sein Ring einen blutigen Schnitt hinterlassen hatte. Hoffentlich hatte er sich abreagiert, wenn er wiederkam. Mit etwas Glück konnte sie dann mit ihm reden.

Sie drehte sich um und ging langsam die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer, das Chaos hinter sich den Hauselfen überlassend.

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Später in der Nacht hörte Narcissa die Tür des Studierzimmers gehen und ging langsam nach unten. Die nun reparierte Pergamentrolle hielt sie fest in ihrer Hand, ihren Zauberstab in der anderen. Die Art der Schriftzeichen sagte ihr genug, auch wenn sie nicht in der Lage war, sie zu lesen. Sie wollte Antworten von ihrem Ehemann. Merlin, sie hatte ein Recht darauf.

Der Anblick, den sie vorfand, war nicht das, was sie erwartet hatte. Die Hauselfen hatten ganze Arbeit geleistet, von der Zerstörung früher an diesem Tag war nichts mehr zu sehen. Der Raum war nur spärlich erleuchtet. Lucius saß in seinem Sessel, den Kopf in die Hände gestützt. Weint er, dachte sie schockiert. Nein, das ist nicht möglich, niemals...

Lucius sah auf und starrte sie an. Narcissa war erleichtert zu sehen, dass er nicht geweint hatte, aber sein verzweifelter Blick war beinahe genauso schlimm.

„Narcissa...", sagte er heiser.

Sie ließ ihren Stab sinken und starrte zurück. Es war Jahre her, seit Lucius ihren Namen mit so viel Gefühl ausgesprochen hatte, überhaupt einem Gefühl. Überhaupt in einer Art, die ihr das Gefühl gab, mehr zu sein als nur das Objekt an seiner Seite.

„Lucius...", entgegnete sie unsicher. Dann hielt sie ihm in fragender Geste das Pergament entgegen. „Was...?"

Lucius lehnte sich zurück und lächelte bitter, ein Ausdruck den sie noch nie zuvor auf seinem Gesicht gesehen hatte.

„Unser Verderben.", beantwortete er ihre unausgesprochene Frage, beinahe sanft.

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„Ah, Severus. Es freut mich, dass du die Zeit gefunden hast."

Der Tränkemeister nickte nur. „Für dich immer, Lucius."

Lucius Malfoy lächelte flüchtig und deutete auf die Couch. „Setz dich doch. Iustinus und Mildred müssen jeden Augenblick hier sein."

Severus Snape verzog bei Erwähnung der Parkinsons in Gedanken das Gesicht. Er hasste das Paar, aber wer war er, eine Einladung der Malfoys abzuschlagen? Er setzte sich gegenüber von Narcissa und Draco und begrüßte sie höflich. Narcissa schenkte ihm ein gekonntes Lächeln, aber sie wirkte geistesabwesend. Als Lucius sich abwandte stellte sie ein paar höfliche Fragen über Hogwarts und Dracos Leistungen, ohne wirklich Interesse vorzutäuschen. Gewöhnlich war sie besser darin, ihre Gefühle zu verbergen. Draco starrte während der ganzen Unterhaltung an ihnen vorbei aus dem Fenster und zuckte zusammen, als Lucius wieder eintrat. Der Tränkemeister runzelte innerlich die Stirn.

Sobald Lucius und die Parkinsons sich gesetzt hatten, gaben sich sowohl Draco als auch seine Mutter mehr Mühe, Konversation zu betreiben. Es vergingen zwei nichtssagende Stunden, bis die Parkinsons sich verabschiedeten. Draco entschuldigte sich kurz darauf, beinah hastig. Snape sah ihm nachdenklich nach. Was in aller Welt hatte der Junge diesmal getan, um seinen Vater zu verärgern?

Er bemerkte einen Blickwechsel zwischen Lucius und Narcissa und spannte sich. Dieser ganze Abend lief zu glatt, es gab keinen ersichtlichen Grund, ihn oder die Parkinsons einzuladen, es sei denn, die Parkinsons waren nur eine Ablenkung.

„Nun, alter Freund, wie läuft es in Hogwarts, irgendwelche Neuigkeiten?", fragte Lucius.

Snape schüttelte den Kopf. „Der alte Narr erzählt mir nicht viel und die meisten Lehrer sind über den Sommer nach Hause gefahren."

Lucius nickte. „Was ist mit Dumbledores Goldjungen, wie verbringt er seinen Sommer?"

Snape war schlagartig alarmiert. „Ich weiß nicht, wo er ist."

Lucius lächelte amüsiert. „Ich frage ja auch nicht, wo er ist. Aber sicher weißt du doch IRGENDETWAS über ihn."

„Davon abgesehen, dass er eine verwöhnte, von sich selbst eingenommene Plage ist?", murmelte Snape. „Soweit ich weiß verbringt er den Sommer bei der Schwester seiner Mutter, Petunia, und ihrem Mann, Duslys oder so ähnlich heißen sie. Vielleicht ist er aber auch bei den Weasleys, er ist befreundet mit Arthurs Jüngstem, Ronald. Oder er ist zu Besuch bei diesem streberhaften Schlammblut, Granger."

„Duslys?", meinte Lucius. „Der Name sagt mir nichts."

Snape grinste. „Das würde mich auch wundern. Es sind Muggel. Lily Evans war muggelgeboren, wie du dich vielleicht erinnerst."

„Muggel!" Lucius klang schockiert. „Draco sagte etwas in der Art, aber ich dachte er irrt sich. Was denkt sich Dumbledore dabei?"

Der Tränkemeister wunderte sich über die seltsame Frage, aber beschloss, später darüber nachzudenken. „Ich nehme an er hoffte, der Junge würde eine Sentimentalität für Muggel entwickeln. Diese Strategie scheint erfolgreich zu sein, wenn man sein Verhalten betrachtet."

Lucius wirkte angewidert, was nicht überraschte. „Verwöhnt, sagst du?"

„Nun ja, respektlos. Meint, die Regeln für normale Menschen gelten nicht für ihn. Ein typischer Potter, wenn du mich fragst. Giert nach Aufmerksamkeit und nutzt jede Gelegenheit um sich in den Vordergrund zu spielen."

„Ein richtiger Flegel also."

„Allerdings."

Lucius lächelte abfällig. „Nun ja, was soll man erwarten? Ruhm korrumpiert. Wahrscheinlich behandeln ihn diese Muggel bei denen er lebt wie ihren persönlichen Heiligen."

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„Junge! Geh und sieh nach wer an der Tür ist! Mach dich nützlich, du Missgeburt!"

Es war ein heißer Sommertag und zwei Wochen vor Harrys sechzehnten Geburtstag. Harry war gerade damit beschäftigt, den Fußboden in der Küche zu wischen. Auf den Knien, da Tante Petunia sich geweigert hatte, einen neuen Schrubber zu kaufen, nachdem Dudley den alten zerbrochen hatte. „Wozu brauchst du einen Schrubber, Missgeburt? So siehst du wenigstens alle Flecken auf dem Boden!" Harry wrang das Scheuertuch aus und stand langsam auf. Er spürte jede Prellung an seinem Körper. Onkel Vernon hatte angefangen, ihn zu schlagen, als Harry sich geweigert hatte, seinen Freunden zu schreiben, dass es ihm gut ging. Sein Onkel hatte die Drohungen von Moody und den anderen am Ende des letzten Schuljahrs nicht gut aufgenommen. Das einzige, was sie bewirkt hatten, war, das Vernon nun jeden von Harrys Briefen kontrollierte. Und ihn schlug, wenn ihm der Inhalt nicht gefiel. Harry trocknete seine Hände ab und lächelte bitter, als er zur Tür ging. Wenn diese Narren, die ihn als ihren Helden betrachteten, ihn hier sehen könnten. Hilflos gegenüber einem einfachen Muggel. Draco Malfoy würde sich auf dem Boden wälzen vor Lachen.

Harry öffnete die Tür und sah sich einem Paar sehr amtlich aussehender Personen gegenüber. Der Mann hatte kurze braune Haare und trug einen schwarzen Anzug mit Krawatte. Die dünne Frau hatte ein spitzes Gesicht, halblange braune Haare und trug ein schwarzes Kostüm. Sie hielt ein Notizbrett und einen Kugelschreiber in der Hand und betrachtete ihn über den Rand ihrer Brille.

„Einwohnermeldeamt, Bürgerumfrage.", sagte sie. „Ist Mister Dursley zuhause?"

„Einen Moment bitte.", murmelte Harry, nicht sicher, was er von den beiden halten sollte.

Er ging ins Wohnzimmer, wo sein Onkel vor dem Fernseher saß.

„Onkel Vernon?"

„Was ist, Junge? Ich bin beschäftigt."

Harry zuckte unfreiwillig zusammen. „Da sind zwei Leute vom Einwohnermeldeamt an der Tür. Sie wollen dich sprechen."

Vernon erhob sich widerwillig und folgte Harry zur Tür. Die beiden Beamten standen bereits im Flur und sahen sich um.

„Einwohnermeldeamt. Bürgerumfrage.", sagte der Mann. „Sie sind Mister Dursley, nehme ich an?"

„Richtig.", erwiderte Vernon, sichtbar ungehalten.

„Mein Name ist Miller, dies ist meine Kollegin Miss Butcher. Wir haben ein paar kurze Fragen."

Vernon nickte nur.

„Ist das Ihr Sohn?", fragte die Frau.

„Neffe.", brummte Vernon, wenig erfolgreich damit, den Ausdruck von Abscheu auf seinem Gesicht zu verbergen.

„Aha." Sie notierte etwas auf ihrem Notizbrett.

„Was ist, Junge?", zischte Vernon. „An die Arbeit."

Er schubste Harry zurück in die Küche und schlug die Tür hinter ihm zu.

„Entschuldigen Sie meinen Neffen.", hörte Harry ihn durch die Tür. „Er ist etwas zurückgeblieben, Sie verstehen?"

„Wohnt er bei Ihnen?"

„Ja, leider. Sohn der Schwester meiner Frau. Die Eltern sind bei einem Autounfall gestorben. Waren ein wenig... na ja, darüber redet man nicht. Absolut undankbar, der Junge."

Harry krampfte seine Hände um das Scheuertuch und wrang es wütend, sich vorstellend, dass es Vernons Hals wäre. Nicht, dass er sich jemals wirklich trauen würde, etwas gegen Vernon zu unternehmen. Er musste letztlich immer wieder zu den Dursleys zurück. Das Blut seiner Mutter und das alles.

„Es leben drei Personen in diesem Haus?", fuhr die Frau unbeteiligt fort.

„Vier. Meine Frau Petunia und mein Sohn Dudley. Das ist ein vernünftiger Junge."

Vernon klang nun deutlich zufriedener. Harry schrubbte zornig den Boden. Die Stimmen entfernten sich etwas, offenbar zeigte Vernon ihnen das Haus.

„Und was ist hier?" Harry war beinahe fertig, als die Tür aufging.

„Nur die Küche.", erklärte Vernon hastig.

Harry sah auf und fand die Blicke der beiden Beamten auf sich ruhen. Er stand zögernd auf.

„Was soll das, Junge? Kein Grund, aufzuhören.", fuhr Vernon Harry an.

Harry spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss, aber ging wieder in die Knie. Das Gefühl der Demütigung kurvte durch seinen Körper, aber er starrte auf den Boden und fuhr fort.

„Nicht mal bereit, seinen gerechten Anteil an der Hausarbeit zu erledigen.", hörte er Vernons Stimme, als sich die Tür schloss. Harry biss die Zähne zusammen und schnaubte. Gerechter Anteil, sehr witzig. Er schrubbte den Boden mit solchem Nachdruck, dass er sicher nie sauberer ausgesehen hatte.

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Die beiden Beamten verließen Privet Drive und betraten den nahe gelegenen Park. Wenn sie jemand gesehen hätte, wäre er sehr überrascht gewesen, als sie in den Büschen verschwanden. Sobald sie vor beobachtenden Blicken verborgen waren, ballte der Mann die Fäuste.

„Ich werde diesen Muggel UMBRINGEN."

Die Frau legte ihm eine beruhigende Hand auf den Arm, aber ihre Augen funkelten ebenfalls vor unterdrückter Wut.

„Eins nach dem anderen. Alles zu seiner Zeit."

Dann verschwanden sie mit einem „Plop.".

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Hallo Hermione,

Es freut mich, dass du und Ron endlich zusammen seid. Ich wollte vorher nichts sagen, aber, na ja, es war schon lange offensichtlich. Wie geht es Crookshanks, fängt er noch immer so gerne Gnome? Ich wünschte, ich könnte auch zu den Weasleys kommen.

Harry drehte sich etwas zur Seite und unterdrückte ein Stöhnen. Er war dumm genug gewesen, Vernon zu widersprechen, als er behauptete, Harry hätte Magie benutzt, damit Dudley sich den Knöchel verstauchte. Tatsächlich war sein Cousin gestolpert, als er Harry die Treppe hinauf jagte, um ihn zu verprügeln.

Mir geht es gut. Ich habe schon die meisten meiner Hausaufgaben erledigt. Ich bin gespannt auf die OWL-Ergebnisse. Du hast sicher wieder Bestnoten. Grüß Ron von mir. Ich hoffe, wir sehen uns bald.

Harry

Harry stand auf und ging nach unten, um Vernon den Brief zu zeigen. Er saß mit Dudley und Petunia vor dem Fernseher.

„Ja?", schnappte sein Onkel, als Harry hereinkam.

Harry hielt ihm den Brief hin. Vernon runzelte zwar die Stirn – wahrscheinlich wegen den OWLs – nickte aber. Als der Mann keine Anstalten machte, aufzustehen, verlagerte Harry sein Gewicht nervös von einem Fuß auf den anderen.

„Ähm, Onkel Vernon?"

„Ja?"

„Ich sollte den Brief noch heute abschicken. Du weißt, sie wollen alle drei Tage eine..."

Vernon war schneller auf den Füßen, als es für einen Mann seiner Statur möglich sein sollte. Er gab Harry eine so heftige Ohrfeige, dass er von der Wucht zu Boden fiel.

„Hab ich dir nicht gesagt, du sollst diese Freaks in meiner Gegenwart nicht erwähnen? Hat es dir heute noch nicht gereicht?"

„Entschuldigung, Onkel Vernon.", murmelte Harry.

Petunia stellte den Fernseher lauter. Vernon gab Harry einen Tritt, als er an ihm vorbei ging. Sein Onkel öffnete den Wandschrank unter der Treppe und warf Hedwigs Käfig auf den Flur. Harrys Eule kreischte wütend.

„Sieh zu, dass das Vieh bald weg ist, bevor es in der Suppe landet."

Harry beeilte sich, seine Eule aus dem Käfig zu nehmen, während Vernon ins Wohnzimmer zurückging.

„Hey, Missgeburt!", brüllte Dudley. „Ich will noch ne Limo!"

Harry hatte gerade Hedwig aus dem Fenster gelassen, als die Türklingel schellte.

„Geh zur Tür, Junge!", brüllte Vernon.

Harry seufzte, ließ die Limonadenflasche auf dem Küchentisch stehen und ging zur Tür. Er war überrascht, als er die beiden Beamten vom Tag zuvor sah. Die Frau lächelte ihm zu, während der Mann an ihm vorbei ins Haus blickte, offenbar suchte er etwas.

„Wo bleibt meine Limo, Missgeburt?", ertönte Dudleys Stimme aus dem Wohnzimmer.

Das Gesicht der Frau verdüsterte sich und sie warf einen zornigen Blick ins Innere des Hauses.

„Was ist, willst du deinem Cousin nicht seine Limonade bringen?", fragte der Mann.

Er hatte ein seltsames Lächeln auf den Lippen. Die Frau warf ihm einen verwirrten Blick zu, dann lächelte sie ebenfalls.

„Ja, Junge, bring sie ihm."

Harry ging langsam rückwärts und in die Küche, um die Limonadenflasche zu holen. Irgendetwas stimmte nicht. Als er ins Wohnzimmer kam, standen die beiden Beamten in der Tür und betrachteten die drei Dursleys mit offenkundigem Abscheu. Vernon war aufgestanden und starrte sie an.

„Was tun Sie hier? Es ist zehn Uhr abends! Sie sind nicht vom Einwohnermeldeamt."

Petunia wurde jetzt auch aufmerksam und drehte sich zu ihnen um.

Harry wollte zurückweichen, aber die Frau packte seinen Arm und zog ihn an sich. Er versuchte sich zu befreien, aber ihr Griff war zu fest. Über das Gesicht des Mannes spielte ein grausames Lächeln, das Harry merkwürdig bekannt vorkam.

„Oh, wir sind hier um ein wenig Spaß zu haben.", sagte der Beamte.

Der herablassende, arrogante Tonfall... es konnte nicht sein...

„Sie sollten in Askaban sein!", rief Harry.

Der Mann betrachtete ihn amüsiert und ein wenig... stolz? „Nicht mehr."

Harry schaffte es endlich, sich aus dem Griff der Frau zu befreien und taumelte rückwärts. Sie hatte einen Stab auf ihn gerichtet.

„Todesser!", schrie er, im selben Moment als ihr „Stupefy!" ihn traf. Das letzte was er hörte war Petunias entsetzter Schrei und das Lachen des Mannes, als seine Tarnung verschwand und die weiße Maske offenbarte.

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„Wie konnte das passieren?", rief Lupin anklagend. Tränen liefen über seine Wangen und er schämte sich nicht dafür.

Auch Minerva weinte. Dumbledore schüttelte den Kopf. Er wirkte älter als gewöhnlich, steinalt. Seine Augen glänzten, aber zwinkerten nicht.

„Ich weiß es nicht. Es hätte nicht möglich sein sollen.", flüsterte er leise. „Das Blut seiner Mutter hätte ihn beschützen müssen."

„Es war furchtbar.", flüsterte Tonks. „Das dunkle Mal über dem Haus... es ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Wir konnten sie schreien hören, aber als wir durch die Sperre brachen war es zu spät."

Moody neben ihr nickte. „Fast schlimmer als früher."

Snape, der neben Dumbledore stand, wirkte steinern. „Ich muss gehen.", sagte er plötzlich, tonlos.

Dumbledore nickte nur, und der Tränkemeister verließ das Büro. Moody folgte ihm mit einem zornigen Blick. „Wie kann er..."

„Er tut, was er tun muss.", unterbrach ihn Dumbledore müde. „Severus ist nicht sehr gut darin, Gefühle auszudrücken. Möglicherweise fühlt er sich schuldig. Er hat mich gewarnt, aber ich habe ihm nicht zugehört. Vielleicht denkt er, er hätte nachdrücklicher sein müssen."

„Sie wussten davon?", fuhr Lupin zornig auf.

„Es gab den Verdacht.", antwortete Dumbledore kaum hörbar. „Aber es war nur vage, und ich vertraute den Schilden. Ich hielt es für nicht wichtig."

„Nicht wichtig?", rief Lupin.

„Remus...", sagte Tonks.

„Nein!", schrie Lupin. „Ich glaube das alles nicht. Ich habe genug!" Er verließ das Büro. Die Tür schlug hinter ihm ins Schloss.

Dumbledore verbarg sein Gesicht in den Händen.