Disclaimer: Keine der Rechte dieser hier aufgeführten Figuren liegen bei mir, sondern bei Disney. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe lediglich zum Spaß!

Info: Diese Geschichte ist eine direkte Fortsetzung von „Fluch der Karibik", wie ich sie vielleicht gerne hätte. Es tauchen keine neuen Figuren auf, ich habe komplett und durchgehend an die Handlung aus „Fluch der Karibik"angeknüpft. Sogar die Namen der Piraten sind alle recherchiert und nicht selbst erdacht. Ich stehe aber in keinem Kontakt mit Disney oder der Filmcrew und habe daher auch keine Ahnung, wie die tatsächliche Fortsetzung aussehen wird!!! Ich hoffe auf viele Reviews und wünsche allen Lesern viel Spaß! (

Die dunkelrote Abendsonne verschwand am Horizont und ließ das Meer in bunten Farbtönen schillern. Sachte plätscherten die Wellen und reflektierten die Strahlen der Sonne so dass es überall funkelte und den Anschein machte, als wäre es ein Meer, das ganz aus Perlen bestehen würde. Dicht unter der Wasseroberfläche schnellten kleine Fische durch die Fluten und bildeten im Schwarm eine silbrig graue Wolke. Die wenigen Wolken am Himmel waren in ein zartes Rose getaucht und zogen mit der leichten Abendbriese über den Horizont. Wie ein Vorhang waren sie vor der Sonne, der sich langsam schloss, um danach wieder aufzugehen und der Nacht Platz zu machen. Die Luft war klar und salzig, sie beherbergte den Geschmack und den Geruch des Meeres in sich. Jetzt am Abend hatte sich die Luft etwas abgekühlt. Nur mäßig, aber im Gegensatz zu dem heißen Tag, war es eine willkommene Erfrischung. Die beinahe ruhige See wurde nur von dem großen Schiff aufgewühlt, das einsam mitten auf dem Ozean schipperte. Schnell für den wenigen Wind glitt es durch das Meer und spaltete das Wasser vorne am Bug in zwei Hälften, bevor es durch den Sog an back- und steuerbord gegen die robusten Holzplanken des Schiffes klatschte. Die schwarzen Segel blähten sich nur mäßig auf, sorgten aber dennoch dafür, dass das Schiff einige Knoten zurücklegte. Die Taue, welche die Segel in Stellung hielten, bewegten sich sachte in der leichten Brise und ein leichtes Rauschen der Segel im Wind erklang. An Deck der Black Pearl stand Captain Jack Sparrow und blickte auf das Meer. Seinen Hut hatte er tief ins Gesicht gezogen und seine Augen lugten nur ein wenig unter der Hutkrempe hervor. Die Haut des Piraten war dunkel von der vielen Sonne und glänzend vom Schweiß des Tages. Seine zerrissene Kleidung war schmutzig und von ihr ging ein Geruch von Salz und Schweiß aus. Die vielen Lumpen am Leib ließen ihn nicht wie einen stolzen Captain aussehen, aber sie gaben ihm zumindest die Erscheinung eines Piraten. Jacks schwarz umrandeten Augen suchten nach etwas interessantem in der ruhigen See. Sie fanden jedoch nur den Becher Rum, der vor ihm auf der Reling stand und von seinen schmutzigen Händen gehalten wurde. Und der war in der Tat interessant, wenn er auch schon fast leer war. Jack trank den letzten Schluck des wohlschmeckenden Gesöffs und ließ sein Hand mit dem Becher über die Reling baumeln. Der Wind streifte sie und fuhr unter sein Hemdärmel. Seine andere Hand ruhte nun auf der Pistole, die in seinem Gürtel steckte. Sie war nicht geladen, die letzte Kugel, die sie abgeschossen hatte, hatte den Mann getroffen, für den sie lange Zeit schon vorbestimmt gewesen war. Der leichte Wind zerrte an Jacks Kleidung und an seinen dunklen Haaren, die ihm strähnig auf die Schultern hingen. Er lauschte dem Knarren des Schiffsleibes, das bei jeder Bewegung durch die Fahrt ausgelöst wurde. Doch es wurde fast übertönt von dem Geplauder der Mannschaft. Es war nicht viel zu tun an Deck. Anamaria stand am Ruderrad und hielt die Plack Pearl auf ihrem Kurs und Gibbs achtete darauf dass die Segel richtig gesetzt waren. Zwei Männer schwatzten mehr als dass sie das Deck scheuerten und Cotton stand mit seinem Papagei auf der Schulter neben dem Hauptmast. Der Rest der Mannschaft lungerte irgendwo auf dem Schiff herum und erzählte sich altes Seemannsgarn und einer dichtete mehr dazu als der vorige. Jack drehte sich um und lehne sich mit dem Rücken an die Reling. „Cotton", sagte er in seiner nuschelnden Art zu sprechen, der Rum hatte ihn aber bereits einen lallenden Unterton mehr verschafft. „Sei so gut und holt mir noch etwas Rum". „Wind in deinen Segeln", antwortete der Papagei an Cottons Stelle auf Jacks Bitte hin und der ältere Mann verschwand mit dem Becher um kurz darauf mit einem Gefüllten wieder zu erscheinen. „Rum", krächzte der Papagei. Dieses Wort kannte das Tier seit er mit Cotton auf die Black Pearl kam. Jack hatte es ihm beigebracht, weil er der Ansicht war, dass dieses Wort unbedingt in den Wortschatz eines vernünftigen Papageis gehörte. Begleitet von einem knappen Dank, nahm Jack den gefüllten Becher entgegen und schüttete sich die Hälfte des Rums in die Kehle. Er drehte sich wieder um und beobachtete wie die Sonne langsam unterging, das Funkeln in den Wellen dabei mitnahm und der Mond aufstieg. Im Hintergrund ertönte Anamarias barscher Befehl die faulen Lumpenhunde sollen endlich weiter das Deck schruppen, bevor die Dunkelheit gänzlich hereinbrach. Jack zog den Mundwinkel hoch, Anamaria liebte es das Kommando zu haben. Der Pirat sah auf das Wasser, dessen Farbe nun allmählich immer dunkler wurde und bereits die Farbe eines tiefen Blautones hatte. Er wollte endlich wieder Land unter seinen Füßen spüren... Seit er damals Port Royal verlassen hatte war er nahezu ununterbrochen auf See gewesen. Und es waren jetzt schon beinahe drei Monate vergangen, seit er dank Will seinen Kopf aus der Schlinge gerettet hatte und die kleine Hafenstadt verlassen hatte um mit seinem Schiff und seiner neuen Crew als Captain die Gewässer Unsicher zu machen. Mit gehisster Piratenflagge waren sie nun drei Monate unterwegs gewesen, hatten zwei Handelsschiffe überfallen und waren nach einem Monat nach Tortuga gesegelt um dort einen kurzen Landgang zu machen. Seit dem waren sie wieder auf dem Wasser. Die wachsamen Augen der Piraten suchten stets nach weiteren Schiffen, die sie überfallen konnten, aber in letzter Zeit hatten sie wenig Glück. Die Schiffe, denen sie tatsächlich begegneten, waren entweder so klein, dass Jack es nicht für angebracht hielt sie zu überfallen oder sie waren so groß, dass er lieber kein Risiko eingehen wollte. Jack seufzte. Er wollte es sich am liebsten nicht eingestehen, aber zur Zeit war das Piratendasein ohne jeglichen Reiz. Die Tage auf See vergingen so langsam, dass Jack teilweise dachte die Zeit würde stillstehen. Um sie herum nichts als Wasser und das für Meilen. Sie hatten kein bestimmtes Ziel vor Augen, denn es gab nichts was sie wirklich tun mussten. Das Ausrauben von Schiffen wurde immer seltener. Warum sollten sie es auch öfter tun? Gold hatten sie genug an Bord, Essen hatten sie genug und einen Ruf hatten sie auch nicht mehr zu verteidigen. Die Black Pearl war ohnehin das gefürchtetste Piratenschiff weit und breit ob sie raubten oder nicht. So trieben Jack und seine Crew zeitweise ziellos auf dem Meer umher und taten gar nichts. Der Pirat hätte sich nie erträumen lassen, dass es einmal so werden würde. Seid Barbossa ihn damals um sein Schiff betrogen hatte und ihn auf dieser einsamen Insel ausgesetzt hatte, war er auf der Jagd gewesen. Auf der Jagd nach der Black Pearl, seinem Schiff. Und auf Barbossa, seinem einstigen Maat. Als er von einem geheimnisvollen Fluch gehört hatte, hatte das die ganze Sache noch interessanter für ihn gemacht und seine Abenteuerlust noch gesteigert. Eine lange Zeit war er Barbossa und der Pearl hinterhergejagt, bis seine Jagd schließlich auf der Insel die eigentlich nicht gefunden werden kann, ein Ende nahm. Barbossa bekam seine wohlverdiente Kugel, als der Fluch dank Will Turner aufgehoben wurde und Jack nach einem kurzen unfreuwilligen Aufenthalt in Port Royal sein Schiff, die Black Pearl. Damit hatte er alles erreicht, wonach er gestrebt hatte. Es war dumm, aber Jack fehlte im Moment das Ziel vor Augen. Damals hatte er eines, doch nun, seid Barbossa tot war und er das Schiff hatte, der Fluch aufgehoben war und er der ansehnlichste und gefürchtetste Pirat überhaupt war, gab es nichts mehr wonach er noch strebte. ‚Vielleicht sollte ich heiraten, eins von diesen schreienden Bälgern in die Welt setzten und...', Jacks Gedanken brachen ab. ‚Willst du ein so weichlicher Junge werden wie dieser Welpe Will Turner', schoss es ihm durch den Kopf. Jack lachte. Nein, das war nichts für ihn. Und wenn er Anamaria so ansah, verging ihm erst recht die Lust an diesem Gedanken. Eine Frau wie Anamaria würde ihn wahrscheinlich in die Küche stellen und selbst das Kommando über das Schiff übernehmen... Jack trank noch etwas Rum. Die Vorstellung eine Familie zu haben war schrecklich. Was sollte er mit einer Familie? Die Frau würde ihm vielleicht das Kommando nehmen und wenn er eines Tages Vater werden würde und einen Sohn bekommen würde, würde er sich später mit ihm um den Rum streiten müssen. Und wenn es ein Mädchen werden würde, müsste er ihr irgendwelche dahergelaufenen Kerle vom Hals schaffen müssen, die meinten sie müssten ihr den Hof machen. Jack schüttelte sich bei dem Gedanken und trank den letzten Schluck Rum. Eine Familie war was für solche Kerle wie Will... Wahrscheinlich war die gute Miss Swann schon in Erwartung eines Kindes... Jack würde es den beiden zutrauen. Es sei denn, er sollte in der Tat Recht behalten und Will war doch ein Eunuch... Er richtete sich auf und musste sich unwillkürlich an der Reling festhalten. Der Rum verdoppelte irgendwie alles was er sah. „Welch ein Elend, zwei mal Anamaria", lallte Jack als er im fahlen Licht des Mondes die Umrisse von der Frau am Steuer doppelt sah. Er stierte mit vernebelten Blick vor sich hin. Er wusste wie seine Zukunft aussehen würde. Der Rum war der perfekte Partner für jede Gelegenheit. So lange er den Rum hatte, war es ihm egal wie lange er hier auf diesem verfluchten Meer noch rumschippern müsste! Aber jetzt wollte er nur erst mal sein Bett finden. Und das stand unter Deck in der Kapitänskabine. Mit wankendem Schritt, der Anamaria die Augen verdrehen ließ, trat Jack aus den Schatten der Segel und in das Licht des Vollmondes. Er taumelte in Richtung der kleinen Treppe, die ihn unters Schiff führen würde und stutzte plötzlich. Langsam hob er die Hand vor die Augen und schüttelte den Kopf. „Verfluchter Rum", stieß er hervor. Er betrachtete sich seine Hand und ließ dann seinen Blick seinen Arm hinauf schweifen. Seine Haut war verschwunden! Stattdessen sah er seine Knochen, die weiß im Licht des Vollmonds schimmerten. „Das ist... unmöglich...". Er schüttelte sich erneut, doch immer noch hatte er keine Haut auf den Knochen. Auch seine Rippen waren frei und als er seinen Kopf drehte und hinten an sich hinuntersah konnte er sogar seine Wirbelsäule sehen. Seine Kleidung schien mit einmal noch zerrissener und älter als sie ohnehin schon war. Es war wie damals, als er kurz den Fluch der Aztekengötter auf sich genommen hatte um Barbossa zu besiegen. Er war ein Skelett! Und die wenige Haut die noch auf seinen Knochen war, war alt und ledern, so als wäre er bereits seit Jahren tot... Er fühlte plötzlich den Wind nicht mehr, die Kühle des Abends war verschwunden und der brennende Nachgeschmack des Rums dazu. Der verschwommene Blick verschwand und schien sich zu schärfen, denn Anamaria war wieder nur eine Person in Jacks Augen. Die Frau blickte gerade zu der anderen Seite und nahm keine Notiz von ihrem Captain. Auf einen Schlag schien Jack vollkommen nüchtern zu sein, er machte eine schnelle Drehung und sah sich um, als hätte er ein Gespenst gesehen, was, als er wieder an sich hinunter sah, auch gar nicht so abwegig war. Seine Augen wurden etwas größer, als er nach oben sah und anstatt der Segel schwarze Fetzen sah, die im Wind flatterten. Die Piratenflagge oben am Mast war nur noch zur Hälfte ganz, ein großes Stück war von ihr abgerissen. Weißer Nebel kroch über die Reling hinauf und fiel wie Wasser auf das Deck des Schiffes um sich dort zu verteilen und beinahe den gesamten Boden gespenstisch zu bedecken. Die Balken und Masten des Schiffes ächzten, als wären sie von einem Augenblick zum nächsten um hundert Jahre gealtert. Jack senkte den Blick, als er bemerkte wie der Nebel auf ihn zukroch. In seinen Stiefeln steckten die Knochen seiner Beine und rutschten beinahe hinaus, als er einen Schritt nach vorne machte, weil die Haut fehlte. „Das ist interessant", war alles was der Pirat hervorbrachte, als er seine blanken Rippen berührte und sich durch sie hindurch bis zu seiner Wirbelsäule vertastete. Er träumte nicht... Oder doch? Eine Wolke schob sich vor den Mond und fing sein Licht wieder ein. Langsam wurde die Black Pearl wieder von der Dunkelheit geschluckt. Der Nebel löste sich plötzlich auf, die Segel und die Flagge schienen wieder intakt und das laute Ächzen brach abrupt ab und zurück blieb das gewohnte Knarren.

Jack schloss die Augen, doch musste er sie wieder öffnen, wenn er nicht das Gleichgewicht verlieren wollte. Auf einmal war der Schwindel wieder da, den der Rum verursachte. Anamaria war wieder doppelt und er wankte zu Seite. Diesmal war auch kein Klappern seiner Knochen zu hören, wenn er sich bewegte... Als Jack seine Hand wieder betrachtete war sie völlig normal und über seinen Rippen war wieder Haut und seine gewohnte Kleidung. Schmutzig, wie immer und kein Knochen war mehr zu sehen. Der Pirat brummte ungläubig und taumelte die Treppe hinunter zu seiner Kabine, wobei er beinahe mit Gibbs zusammenstieß, der von Anamaria gerufen wurde. Jack war der festen Überzeugung, dass ihm der Rum eben einen Streich gespielt hatte. Der oder seine Fantasie. Das was er eben gesehen hatte war unmöglich, der Fluch war schließlich aufgehoben und er hatte keines der verfluchten Medaillons erneut geklaut... Als er die Tür zu seiner Kabine aufmachte schlug ihm heiße, stickige Luft entgegen. Das Schiff war innen unangenehm aufgeheizt und durch das kleine Bullauge an der Wand wollte kaum die kühle Abendluft hineinziehen. Doch Jack kümmerte es nicht. Er torkelte auf sein Bett zu und schaffte es gerade noch die Tür hinter sich zuzuschlagen. Wie ein Sack Mehl ließ er sich ins Bett fallen. Er machte sich nicht mehr die Mühe seine Kleidung auszuziehen, nicht mal seine Stiefel. Er fiel mit dem Gesicht voran in das Kissen und es dauerte nur wenige Augenblicke da lag er bereits im tiefem Schlaf.

Jack erwachte mit trockener Kehle und einem Durst, der wohl eine Folge des Rums war. Er lag immer noch genauso im Bett wie er sich gestern Nach hatte hineinfallen lassen. Sein rechter Arm und sein rechtes Bein lagen noch halb auf dem Boden, das weiche Daunenkissen verdeckte ihm die Sicht. Er schnalzte mit der Zunge und gab ein verschlafendes Brummen von sich. Zu viel Rum... Sein Kopf hämmerte schmerzhaft. Er glaubte die Alkoholfahne um sich herum selbst riechen zu können, außerdem war er schweißgebadet. Die Luft in seiner Kabine war so warm und stickig, dass Jack glaubte es würde nicht mehr viel fehlen und man könnte sie in Scheiben schneiden. Mit geschlossenen Augen tastete er auf dem kleinen hölzernen Tischchen neben sich herum. Eine Beerenkralle, eine Kette, ein Stück Bernstein ertastete er, doch er suchte eigentlich den Becher mit Wasser. Zwangsläufig musste er die Augen öffnen als er ihn nicht fand und wurde von der hellen Sonne geblendet, die durchs Bullauge schien. Sie entfachte noch ein paar schmerzhafte Stiche mehr in seinem Kopf und Jack schwor sich – wie jeden Morgen – ab jetzt die Finger von dem miesen Gesöff zu lassen. Der Becher Wasser war vom Tisch gefallen und leer und Jack sah genervt zu Boden. Er drehte sich auf den Rücken und steckte seine nicht geladene Pistole wieder zurück in den Gürtel, auch nachdem er Barbossa damit erschossen hatte trug er sie immer mit sich herum. Nur fehlte jetzt die Kugel darin, die er dem hinterlistigen Captain ins Herz gejagt hatte. Etwas niedergeschlagen erhob sich der schmächtige Pirat aus seinem Bett und zog seinen Gürtel und sein Kopftuch zurecht. Dann setzte er noch seinen Hut richtig auf und stand mit der Hand am Kopf auf. Wenn er so die hellen Strahlen der Sonne sah, war es gewiss später Morgen, er freute sich bereits auf das Wortgefecht mit Anamaria. Besser gesagt freute er sich auf das einseitige Wortgefecht, schließlich war sie diejenige, die ihn in Grund und Boden reden würde – wie jeden Morgen wenn sie nachts das Kommando übernahm und er morgens zu spät kam – während er nur mit verdrehten Augen lauschen würde, oder so tat als würde er es tun. Er ging in seinem gewohnten weibischen Gang und wild schlenkernden Armen aus seiner Kabine und durch den Gang des Schiffes. Dabei nahm er einem Crewmitglied den Becher Wasser aus der Hand, den sich der Mann gerade an den Mund setzten wollte, und grinste den verwirrten jungen Mann schief an. Nebenbei murmelte er noch ein „Morgen"und stolperte dann die Treppe hinauf an Deck. Oben angekommen stand eine Traube von Männern um Gibbs und Anamaria herum. Jack legte die Stirn in Falten und verzog den Mund. Er hörte Anamaria etwas erzählen und wildes Getuschel der Crew. „Was ist hier denn los", nuschelte Jack in strengem Ton. Die Männer aus der Crew drehten sich alle etwa zeitgleich um und murmelten ihm ein ehrfürchtiges „Guten Morgen, Captain", entgegen. Dabei machten sie ihm Platz zum Durchtreten. Jack warf einen Blick auf Anamaria, die nicht wie sonst die Zornesröte im Gesicht stehen hatte wenn sie ihn morgens sah und irgendwie beunruhigt aussah. „Was gibt es", wollte er wissen und fiel damit Anamaria fast ins Wort die schon anfing ihm etwas zu erzählen. „Captain... Die Pearl". "Ja", wollte Jack wissen und zog die Augenbrauen hoch. „Sie... Nun sie war gestern Nacht... Anders", erklärte die dunkelhäutige Frau und klang gar nicht so dominant und selbstbewusst wie sonst immer. Jack blickte sich demonstrativ um und zog fragend die Schultern hoch. „Sie.. War...", begann Anamaria, doch Gibbs fiel ihr ins Wort. „Alt. Verflucht, Jack, wenn du verstehst was ich meine!" „Verflucht", wiederholte Jack, als wüsste er die Bedeutung des Wortes nicht. Die Crew starrte ihn auffordernd an, als würden sie jetzt eine Erklärung von ihm erwarten. „Ja also... Was meint ihr mit verflucht", unterbrach er dann die peinliche Stille. „Na was wohl? Die Segel waren zerfetzt als das Mondlicht auf sie fiel, Nebel war an Deck und...", begann Anamaria zu erklären. „Verflucht eben Jack...", sagte Gibbs und wackelte mit dem Kopf um es ihm zu verdeutlichen. Jack starrte einen Moment vor sich hin. Wie ein Blitz fiel ihm sein Erlebnis von gestern Nacht wieder ein... Er hatte es völlig vergessen gehabt jetzt am Morgen. „Ihr meint so wie damals?" „Aye", ertönte es von Anamaria und Gibbs im Chor. Dann war es doch kein Traum... Nicht nur die Pearl war dann verflucht gewesen. Er war es auch. „Sag mir, Anamaria, Schätzchen", begann Jack, doch die Frau warf ihm einen giftigen Blick zu, aufgrund des „Schätzchens". „Sag mir, hast du mich gestern Abend gesehen, als die Pearl verflucht war?" „Du warst betrunken. Ja habe ich, aber ich weiß nicht, ob es da war als die Pearl verflucht war..." Jack nickte. „Ah". „Was Ah", wollte Anamaria wissen. „Gar nichts."Wieder entstand ein Schweigen. Bis Gibbs verwirrt mit der Schulter zuckte. „Und nun, Jack? Hast du eine Erklärung?" Der Captain machte ein paar Übergroße Schritte wodurch er wie ein Junge aussah, der irgendein seltsames Spiel spielte und wedelte mit den Händen. „Also eigentlich ist das unmöglich. Denn erstens ist der Fluch aufgehoben worden und zweitens glaube ich nicht, dass jemand die Medaillons gefunden hat und selbst wenn, hätte das nichts mit mir zu tun, denn ich habe meine Blutschuld bezahlt."Er gestikulierte wild in der Gegend herum und setzte eine unschuldige Miene auf. „Aber Jack... Das glaube ich dir alles, aber ich war selber hier draußen als es passiert ist, während du unten geschlafen hast. Wir haben es alle gesehen", erklärte Gibbs und legte sich die Hand vor die Stirn um Jack durch die Sonne sehen zu können, die ihn blendete. Ein zustimmendes Raunen ging durch die Menge. „Keine Geschichte", krächzte Cottons Papagei. „Ja ja, Cotton", nuschelte Jack und winkte ab. „Was ist mit dir Jack", wollte Gibbs wissen. Der zierliche Pirat sah ihn fragend an, doch er wusste genau worauf er hinauswollte. Er warf Gibbs einen viel sagenden Blick zu, worauf dieser nickte. „An die Arbeit ihr Lappen", befahl Gibbs und die Crew strömte auseinander. Anamaria blieb am Steuer und wartete auf eine Erklärung von Jack, doch dieser strich sich nur durch seinen Spärlichen Bart der unten zu zwei Zöpfen geflochten war und schien zu überlegen. „Also...", begann er nach einer kurzen Weile. „Ich weiß nicht ob es wahr ist, ich hatte gestern etwas zu viel Rum erwischt...", Anamaria warf ihm einen wissenden Blick zu, „...aber ich glaubte gestern Nacht auch zu spüren, dass der Fluch wieder da ist. Ich war... Nun...", Jack suchte nach Worten, wobei er wieder überschwänglich mit den Händen wedelte. „Ein Skelett", fragte Gibbs. „Das isses", stimmte Jack zu. „Aber wie gesagt..." „Du warst so voll, dass du es nicht mehr genau weißt", fiel ihm Anamaria ins Wort, woraufhin Jack grinste. „Ein Gläschen zu viel". „Eher ein Fläschchen", bemerkte Anamaria gereizt. „Schön und gut aber... Was ist jetzt? Ich meine ist der Fluch zurückgekehrt", fragte Gibbs. „Nein. Ich kann schmecken, fühlen und fühle mich nicht tot, sondern eigentlich sehr lebendig, wenn man von den Folgen des Rums absieht", antwortete Jack. „Aber wieso ist das gestern Abend passiert", murmelte Anamaria. Jack zuckte mit den Schultern. „Es war Vollmond. Aber es hätte nicht passieren dürfen", sagte er auf einmal ernster. „Ob der Schatz wieder gestohlen worden ist? Vielleicht sind die Götter erzürnt", begann Gibbs zu überlegen. „Was hat das mit mir und dem Schiff zu tun? Ich habe meine Schuld beglichen...", raunte Jack. „Wir sollten es rausfinden... Was ist wenn der Fluch wirklich zurück ist", fragte Gibbs. „Alle Medaillons sind wieder in der Truhe und jeder hat sein Blut bezahlt... Wenn es so ist, wie sollten wir es dann ändern", fragte Jack und in seiner Stimme schwang Sorge mit. Er wollte nicht als Untoter für den Rest der Zeit mit einem verfluchten Schiff auf dem Meer herumsegeln. Aber noch war er auch nicht untot, das konnte er fühlen, aber sein Instinkt sagte ihm, dass das gestern Nacht vielleicht nur der Anfang war. Ein Schweigen von Gibbs und Anamaria verriet ihre Ratlosigkeit. „Captain", fragte Anamaria auf einmal leise, als Jack eine ganze Weile nur still vor sich hinsinniert hatte. „Die Insel", sagte Jack sofort. „Wenn es eine Erklärung gibt, dann werden wir sie dort finden. Vielleicht haben wir bei der Aufhebung des Fluches etwas übersehen. Immerhin haben wir uns damals auf Barbossas Wissen verlassen", gab Jack sarkastisch zu bedenken. Anamaria trat vom Ruder weg und machte Jack damit Platz. Der Captain der Black Pearl stellte sich an das Ruder und übernahm damit das Kommando. „Wir drehen, bringt die Segel in richtige Position". „Aye", kam es von der Mannschaft zurück und alle eilten überstürzt los. Gibbs wurde beauftragt den Kompass aus Jacks Kabine zu beschaffen, was dieser sogleich tat und danach die Männer antrieb schneller zu arbeiten. Der Wind war heute stärker und die Wellen höher. Sie klatschten an die Seiten des Schiffes und riefen Schaumkronen hervor. Die Black Pearl knarrte laut als Jack das Steuer bis zum Anschlag drehte und das Schiff begann sich zu drehen. Danach setzten die Männer die Segel so, dass sie mit voller Fahrt voraus durch die Wellen glitt. Jack öffnete seinen Kompass, der nicht nach Norden zeigte und schlug den korrekten Kurs zur Isla de Muerta ein. Das Schiff schaukelte durch den starken Wellengang und in Jack kam ein gewohntes Gefühl hoch, wie immer wenn er am Ruderrad seines Schiffes stand. Den Wind in den Haaren, das Rauschen des Meeres und des Windes in den Ohren, die salzige Luft auf der Haut, die Sonne im Gesicht und ein Ziel vor Augen, das war es, was Captain Jack Sparrow so liebte. Die Mannschaft unten Arbeitete, angetrieben von Gibbs und die Black Pearl nahm Kurs auf die Insel, die man nur finden konnte, wenn man wusste wo sie lag und wo der verfluchte Schatz des Cortez in der Höhle versteckt war.