Feuer geh mit mir...

Die letzte Schlacht, die Dämmerung des Seins...

Feuer... Blut... Schrei... Schmerz...

Feuer geh mit mir bis in die Hölle

Er bewegte sich, ehe er begriff. Sein Schwert traf auf Widerstand, und er spürte es hindurchgleiten, ein toter Körper zu seinen Füßen, ein weiterer... nur ein weiterer

Er wandte sich um, um dem Ende aus Flammen geboren entgegenzusehen, als Menschen zu bloßen Schemen wurden, zu Geistern schließlich, aufgelöst in endlosen Feuerseen um ihn herum.

Er sah das Ende kommen und wußte mit der Sicherheit, die nur Träume bringen können, daß es seine Schuld war. Sein Herz krampfte sich in blankem Entsetzen zusammen, und er sah, wie alles Feuer wurde... dann Schwärze.

Dann Nichts

Eine endlose Ebene, Nichts in höchster Vollendung, durch die er schwebte, allein, blind, taub, stumm...

Und seine lautlosen Schreie verhallten im Nichts.

"Nein!"

Er erwachte, zu spät, um den Schrei daran zu hindern, als Flüstern durch den Raum zu huschen wie ein Geist einer längst vergessenen Zeit. Die Wirklichkeit glitt ihm durch die Finger wie Sand, nur langsam wich der Traum zurück, ihn aus dem endlosen Nichts in die weltliche Dunkelheit seines Raumes stoßend. Sein Herz raste in etwas, das er mit Mühe als Panik erkannte, und wie wild blickte er sich um in dem vergeblichen Versuch, Erlösung oder Verdammnis aus dem nächtlichen Schrecken zu finden.

Mittlerweile hätte er es wahrhaftig besser wissen sollen...

Die Stunde des Wolfes...

Die dunkelste Stunde der Nacht, die Stunde der Gespenster und Alpträume... schon lange kannte er sie.

Vielleicht war dies der Preis. Ruhig und sicher war er in die Schlacht marschiert, die er von Anfang an verloren gewußt hatte. Die Schlacht um Gondor... und die Schlacht um jene Anerkennung, nach der er sich am meisten sehnte...

Doch es schien als müßte er seinen Vater ziehen lassen, mit nichts als seinem kalten Bick, mit dem er ihn in den Kampf sandte, als Abschiedsgruß auf ewig. Die Möglichkeit auf Absolution war dahin... und Faramir, nun Truchseß von Gondor, den verhaßten, den gefürchteten Titel tragend, weil niemand mehr übrig war, der es an seiner Statt tun konnte, würde sie nicht zurückbringen, gleichgültig, wie sehr er es sich auch wünschen mochte.

So schien es als würde er dem Tode alleine begegnen, allein in jenem grauen Nichts, das seine Träume versprachen.

Dann soll es so sein...

Er hob seine bebenden Hände zu seinem Gesicht, wischte geistesabwesend die schwarzen Strähnen fort, die Schweiß an seiner Stirne kleben ließ. Der Traum war nicht schlimmer als andere gewesen, doch vielleicht war es die Umgebung, die Situation, die seine wohlgeordnete Verteidigungslinie durchbrach und hilflos zurückließ, Spiel der nächtlichen Bilder-

So ist dies die Stärke des Truchseß von Gondor? Welch armes, verlorenes Volk sind wir dann...

Die Nacht brachte keinen Frieden. Er lag wach, in vergeblichem Versuch, die Dunkelheit, die ihn umgab, zu durchblicken. Er schaute zum östlichen Himmel, den er durch die Fenster erblicken konnte, sah Wolken, die über Bergen hingen und das Ende versprachen.

Es war das Ende aller Tage...

Er erinnerte sich an den Traum, und nichts, das ihn umgab, weder die Stille, noch das was er im Osten erblickte, würde ihn hinfortjagen.

Feuer geh mit mir...

Wir werden Freunde sein, ehe das Ende kommt....