Kapitel 16

Ein Jahr später

Professor Dumbledore sah mit verschmitztem Lächeln auf die Schüler und Schülerinnen von Hogwarts. Diese waren dabei, die große Halle für das Abschlussfest zu schmücken.

Der Professor legte seine Hand auf den Arm des Mannes, der neben ihm stand.

„Ach Severus, ich weiß, es bedeutet dir nichts, aber mich erfasst immer tiefe Trauer, wenn uns Schüler verlassen, die all die Jahre bei uns verbracht haben. Sie kommen mir manchmal vor wie meine eigenen Kinder. Aber auch als Eltern hat man irgendwann einmal die schwere Aufgabe seine Kinder ziehen lassen zu müssen. Wenn ich sie mir so genau betrachte muss ich zugeben, dass es ja auch längst keine Kinder mehr sind. Ich denke, sie alle werden ihren Weg machen. Verzeih einem alten Mann seine Melancholie, ich weiß, dass ich gerade bei dir damit auf taube Ohren stoße."

Väterlich und entschuldigend zugleich tätschelte der alte Mann den Arm des Zaubertrankmeisters. Dieser sah etwas unbehaglich aus, aber er duldete den körperlichen Kontakt mit freundlichem Lächeln.

„Doch, ich kann verstehen wie dir zumute ist Albus," sagte er leise.

Der Schulleiter sah ihn von der Seite an. „Dieser Jahrgang war etwas ganz besonderes, nicht wahr, Severus? Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass wir alle gemeinsam in der Lage sein würden den dunklen Lord zu stürzen?

Ohne deine Hilfe wäre es nicht möglich gewesen. Aber du musst zugeben, dass die Unterstützung von Harry Potter erst zu diesem Ziel geführt hat. Er hat sich als äußerst mutig erwiesen. Nie hätte ich geglaubt, dass ihr beide in der Lage seid zusammenzuarbeiten. Nur weil ihr beide euch verbündet habt, konnte der Orden Lord Voldemort endgültig besiegen."

Severus Snape rieb unbewusst über sein Todessermal. Auch wenn der dunkle Lord nie mehr in Aktion treten würde, dieses unauslöschliche Mal würde seinen ehemaligen Anhänger für den Rest seines Lebens begleiten.

„Es ist wahr...ohne Harry Potter und seine ganz besondere Verbindung zum Lord, wäre ein Sieg über ihn nicht möglich gewesen."

Der Schulleiter lächelte seinen Schützling milde an. „Ohne dich auch nicht, Severus. Vergiß das bitte nicht. Und nun...sind Harry und du Freunde geworden?"

Der Zaubertranklehrer sah seinen väterlichen Freund empört an. „Du verlangst eindeutig zuviel, Albus. Aber sagen wir mal so...wir dulden uns, und ich denke, das wird für die Zukunft hoffentlich reichen."

Nun sah ihn Dumbledore kritisch an. „Das sollte nicht weiter schwer sein, da uns Harry Potter noch heute verlässt, genau wie die anderen seines Jahrgangs."

Der Zaubertranklehrer räusperte sich und sagte dann vage: „Nun, es könnte sein, dass wir uns dennoch öfters sehen werden." Kaum hatte er das gesagt löste er sich von Professor Dumbledore und verabschiedete sich mit knappen Worten. Der Schulleiter sah ihm verwundert nach.

All die Jahre war Severus Snape froh gewesen dem Sohn seines ehemaligen Widersachers so gut es ging aus dem Weg zu gehen, oder ihm das Leben zur Hölle zu machen. Und nun zog er in Erwägung ihn gar freiwillig zu sehen? Das ergab keinen Sinn. Noch nicht einmal für den Schulleiter, der sonst immer ein gutes Gespür hatte, was die Empfindungen seiner Mitmenschen anging.

Dumbledore schüttelte kurz den Kopf und sah dann weiter zu, wie die Halle völlig umgestaltet wurde. Die Tische und Stühle waren bereits zur Seite gehext worden, damit eine Tanzfläche von enormen Ausmaßen entstand. Ron Weasley hatte darum gebeten sich um die Musik kümmern zu dürfen. Der Schulleiter ging davon aus, dass es ein lauter Abend werden würde, da die Schüler offensichtlich keine klassische Tanzmusik auflegen würden.

Er würde sie alle schrecklich vermissen. Als er bemerkte, dass seine Augen feucht wurden entschied er, dass es wohl besser war einen ausgedehnten Spaziergang im Park zu machen. Am Abend saßen die Lehrer wie üblich am Lehrertisch. Dieser war der einzige, der sich noch an seinem ursprünglichen Platz befand.

Die Schülertische waren heute nicht mehr auf die verschiedenen Häuser aufgeteilt und standen an den Seiten um die Tanzfläche herum. Das Essen stand diesmal auf eigenen Tischen an der hinteren Wand. Es gab ein riesiges Büffet, an dem sich jeder bedienen konnte und auf der Tanzfläche waren schon einige mutige, die sich trauten den Anfang zu machen.

Hermine saß mit ihren Freunden Ron und Harry zusammmen an einem Tisch. Diesmal jedoch saß Emilie mit bei ihnen und Ginny Weasley hielt die ganze Zeit verträumt Harrys Hand. Hermine musste lächeln. Nun waren die beiden schon ein Jahr zusammen und trotzdem hingen sie noch wie die Kletten aneinander.

Ron und Emilie hingegen schienen sehr gereift zu sein. Ihre Beziehung hatte den Anschein schon sehr viel länger zu bestehen und sie gingen sehr liebevoll miteinander um. Hermines Blick wanderte zum Lehrertisch. Als sie Severus sah, seufzte sie innerlich. Auch sie waren inzwischen seit fast einem Jahr zusammen. Dies ahnte jedoch niemand. Sie waren sehr gewissenhaft gewesen und manchmal bereute Hermine ihr Doppelleben.

Wie gerne hätte sie den anderen von ihrem Glück erzählt. Aber sie durfte es nicht, und sie war sich dessen stets bewusst. Eine unendliche Erleichterung war jedoch, dass der Lord gestürzt war. Endlich war Severus frei. Aber die Schatten der Vergangenheit lasteten schwer auf ihm.

Dumbledore hatte dafür gesorgt, dass Severus von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde. Wie Hermine jedoch schon früher festgestellt hatte, konnte Severus sich selbst aber nicht vergeben und so kämpfte er immer noch jeden einzelnen Tag seines Lebens mit seiner Schuld. Sie würde versuchen ihm zu helfen Frieden zu finden, aber viel konnte sie nicht für ihn tun. Außerdem würde sie noch heute Hogwarts verlassen müssen.

Sie hatte sich an einem Institut für wissenschaftliche Forschungen beworben und prompt eine Zusage erhalten. Vorher wollte sie sich jedoch eine Auszeit gönnen und hatte vor, zwei Wochen bei ihren Eltern zu verbringen. Severus wollte sie dort besuchen und sie war mehr als gespannt, wie ihre Eltern reagieren würden.

Abermals sah sie zum Lehrertisch hinüber und stellte fest, dass auch er sie nun ansah. Sie lächelte ein flüchtiges Lächeln und war erstaunt, dass er es erwiderte.

„Hermine, du siehst irgendwie traurig aus," sagte Harry gerade zu ihr.

Sie setzte ein strahlendes Lächeln auf und sagte: „Mir geht es gut. Ich bin nur ein wenig traurig, weil wir uns in nächster Zeit nicht sehen werden. Irgendwie wird jetzt alles so ganz anders..."

Ron sah jetzt auch zu ihr hinüber und schluckte einen Kloß in seinem Hals hinunter. „Dafür, dass du mir am Anfang mächtig auf die Nerven gegangen bist, bin ich jetzt auch verdammt traurig dich nicht mehr sehen zu können."

Hermine griente ihn an. „Toll, danke Ron. Ach, was soll ich nur ohne euch machen?"

Ginny griff nach Hermines Hand. „Laßt uns einen Eid schwören," sagte sie dann. „Wir wollen uns einmal im Monat alle treffen. Komme was da wolle, diesen Termin müssen wir alle einhalten."

Alle legten die Hände aufeinander und versprachen diesen Eid nie zu brechen. „Oh, ich glaube mein Einsatz ist gefragt," rief Ron und sprang vom Tisch auf, um die nächste Platte aufzulegen. Er hatte sich Foreigner „That was yesterday" ausgesucht und als Professor Dumbledore Professor McGonagall zum Tanzen aufforderte grinste Ron zu seinen Freunden hinüber.

Auch die anderen Lehrer hatten sich unter das tanzende Volk gemischt und gaben mehr oder weniger bizarre Paare ab. Es verwunderte natürlich niemanden, dass der stets grimmige Zaubertranklehrer nach wie vor an seinem Platz saß.

Er schien denn auch das Treiben kaum zu beachten. Vielmehr wirkte er völlig in Gedanken versunken. Als das Lied zu ende war, gingen die Lehrer schnell zu ihrem Tisch zurück. Anscheinend wollte niemand riskieren noch auf der Tanzfläche zu verweilen, wenn Ron auf die Idee kam Eminem aufzulegen.

Er hatte jedoch etwas völlig anderes im Sinn. Schon als Hermine das Geräusch des Herzklopfens über die Lautsprecher hörte, war ihr klar, dass Ron sich für ihr derzeitiges Lieblingslied entschieden hatte. Harry sah Hermine einen Moment unsicher an und fragte sie dann, ob sie tanzen wolle.

Hermine lächelte ihn freundlich an und schüttelte dann den Kopf. Harry ergriff Ginnys Hand und zusammen gingen sie zur Tanzfläche. Kurz darauf kam Ron angestürmt und holte Emilie um sie ebenfalls zur Tanzfläche zu führen. Hermine schloß einen Moment die Augen und lauschte auf die Musik.

Als Nelly Furtado sang:

„Then I see you standing there

Wanting more from me

And all I can do is try..."

bekam Hermine wie jedes mal eine Gänsehaut. Sie war völlig vertieft in dieses traurige Liebeslied, als sie auf einmal bemerkte, dass es unruhig im Saal geworden war. Ungläubig sah sie zum Lehrertisch.

Severus hatte sich erhoben und seinen Umhang ausgezogen, den er nun einfach über die Lehne seines Stuhles warf. Hermine sah erstaunt, wie er den Lehrertisch verließ. Anders als es seiner sonstigen Gewohnheit entsprach, zog er sich jedoch nicht durch die Hintertür zurück, sondern ging um den Tisch herum und schreitete, gefolgt von den Blicken der anderen Lehrer, quer über die Tanzfläche.

Hermines Atem schien stillzustehen, als sie erkannte, dass er direkt auf sie zukam. Panik stieg in ihr auf. Aber als sie seinen entschlossenen Blick sah, tanzten auf einmal Schmetterlinge in ihrem Bauch. Sein Blick lag ernst auf ihr, als er vor ihr stehen blieb und ihr die Hand reichte.

Hermine hatte das Gefühl auf Wolken zu schweben, als sie aufstand und mit ihm zur Tanzfläche ging. Bis auf die Musik herrschte absolute Stille in dem großen Raum. Die Welt schien den Atem angehalten zu haben. Hermine sah ihrem ehemaligen Lehrer in die Augen und mit einem mal war ihr egal, dass alle sie anstarrten. Sie tanzten zur der langsamen Musik, die jedoch von dieser eindringlichen Stimme getragen wurde.

Als Nelly Furtado sang:

„And that's wonderful, and that's life

And that's you, baby

This ist me, baby

And we are, we are, we are, we are

Free

In our love

We are free in our love" küsste Severus sie.

Er hatte sein Versprechen gehalten. Hermine nahm wahr, dass um sie herum ungläubiges Gemurmel einsetzte. Sie glaubte sogar zu hören, wie ein paar Leute von ihren Stühlen fielen, aber sie lachte nur darüber. Sie würde viele Fragen beantworten und viele Anfeindungen hinnehmen müssen, aber dies war es wert.

Sie erwiderte seinen Kuss.

Ende

Ich hoffe Ihr hattet soviel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben und freue mich sehr über

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Eure Kira Gmork